Artikel28.05.2010 / 20:34

Foto: Frühling am Friesenplatz

Holger LückerathEs folgt ein Gastartikel von Holger Lückerath aka @pixelboogie. Holger ist Online-Producer bei Pixelpark in Köln und fotografiert gern Menschen & Landschaften. Seine zweite grosse Leidenschaft ist handgemachte Musik. Wer möchte, kann sich seine Fotos auf Flickr ansehen.

Es war ein ganz normaler Bürotag bei Pixelpark. Ein paar Tage vorher war ganz Deutschland froh, dass sich der Frühling anscheinend endlich durch diesen extrem langen, kalten und irgendwann auch nervtötenden Winter gekämpft hatte.

Allerdings war es an diesem Tag schon wieder verdächtig kühl, und plötzlich verfärbte sich der Himmel so seltsam bedrohlich gelb und es zogen verdammt dunkle Wolken von Norden her auf.

Ich saß an meinem Arbeitsplatz und dachte: “Hmmm, du hast doch deine Kamera dabei, und eigentlich wolltest Du immer schonmal den Friesenplatz aus dem Treppenhaus heraus fotografieren.”

In dem Moment fing es auch schon an. Regen. Aber so richtig. So, dass es schon ein bisschen unheimlich wurde.

Also schnappte ich mir die Kamera, und ab ins Treppenhaus. Ich hatte nur mein 50mm 1.8 dabei. Was ja jetzt nicht so unbedingt das ideale Objektiv für Architekturaufnahmen ist. Es hat allerdings auch 2 entscheidende Vorteile:


1. Lichtstärke.
Mittlerweile war von der Sonne nichts mehr zu sehen, und es war ziemlich dunkel. Da ich kein Stativ zur Hand hatte, und meine damalige Kamera ab ISO 200 meinte sie müsste den Reibeisenmodus einschalten, blieb mir nichts anderes als Blende auf.

2. Im Gegensatz zu meinem Weitwinkel gibt’s so gut wie keinerlei tonnenförmige Verzerrungen.

Ich wollte diese schöne S-förmige Straße im Kontrast zu den rechtwinkligen Gebäuden abbilden. Das wäre mit dem Weitwinkel jedenfalls schwieriger geworden, bzw. hätte mehr Korrekturen im Post-Processing bedeutet.

Also war es eigentlich genau das richtige Objektiv, und ich hatte Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Da ich selbst bei offener Blende noch relativ lang belichten musste, hab ich mich ziemlich verkrampft an die Scheibe geklemmt, und das Objektiv vorne an der Scheibe noch zusätzlich abgestützt.

Ehrlich gesagt hat’s auch einige Versuche gebraucht, ein einigermaßen scharfes Bild zu bekommen. War ja klar, dass in dem Moment ein Kollege die Treppe runterkam. Ich konnte aus dem Augenwinkel nur sehen, wie er mich anguckte, und sich leicht kopfschüttelnd wieder der Treppe zuwandte. Egal. Kennt man ja.

Da ich mit dem Ergebnis eigentlich recht zufrieden war, hab ich das Bild noch direkt im Büro bearbeitet. Da ist schon an einigen Stellen ordentlich dran gedreht worden, aber ich hab versucht es so natürlich wie möglich zu halten:

• Helligkeit und Kontraste angepasst.
• In S/W umgewandelt und danach eine leicht antike Teiltonung verpasst.
• Hier und da noch mit dem Pinsel ein bisschen dodge & und burn.

(Ich würde Euch gerne das Original zeigen, nur leider ist das noch auf meinem Bürorechner, und ich hab gerade Urlaub. Bei Bedarf reiche ich das aber gerne noch nach.)

Abschliessend bleibt noch zu sagen, dass Pixelpark Köln mittlerweile umgezogen ist, und das Bild für mich jetzt auch so was wie eine schöne Erinnerung für die letzten 3 Jahre ist.

Es gab sogar eine Anfrage eines Kollegen, das Foto groß in einen der Flure des neuen Gebäudes zu hängen, was schon ne ziemlich coole Sache wäre…Mal schauen was kommt :)

Danke für das Interesse!

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Kommentare

  1. Laney sagt:

    sehr schönes foto!
    bitte zeig uns das original. würde mich vorallem wegen dem dodge und burn interessieren.

  2. Andreas sagt:

    Den Ausdruck des Kollegen hab ich förmlich vor meinen Augen :D :D :D
    Auf jeden Fall ein gelungenes Bild. Spiegelt einen verregneten grauen Tag perfekt wieder.

    Gruß
    Andreas

  3. FOTOQUIP sagt:

    Damit wäre also der Beweis erbracht, dass durchaus so manches Treppenhaus für stimmungsvolle Bilder taugt… ;-)

    Mir gefällt der Kontrast zwischen Hell und Dunkel in der Szene sehr gut. Ist das rechts neben der oberen Hochhauskante auch ein Vogel? Der stiftet in der sonst so ruhigen Aufnahme etwas Unruhe…

    Danke jedenfalls für die erlebnisnahe Schilderung zum Bild.

    Viele Grüße
    Sascha

    FOTOQUIP

  4. Benni8519 sagt:

    Starkes Foto und gelungene Bearbeitung. Ich muss auch mal in die große Stadt fahren.

  5. Stefan sagt:

    Ich bin der Autor des Tutorials unter http://www.capture-the-light.de/2009/04/dodge-and-burn-tutorial/
    Wenns Fragen dazu gibt, nur her damit!

  6. Ups, schaut mal in die Überschrift: der “Friesenlatz” ;-) Ganz süß, aber so nicht gemeint, oder?

  7. Teezeit sagt:

    Im oberen Bereich hätte ich mehr Kontrast reingegeben. Ohnehin wirkt das Bild auf mich, wie aus der Kamera, lediglich umgewandelt in Graustufen.
    Auch der helle Fleck in der Mitte stört irgendwie.

    Ich würde gerne mal das Ausgangsbild sehen.

  8. Pakami sagt:

    Ich schließe mich Teezeit mal an und bekunde hiermit auch mein Interesse an dem Ausgangsbild. Obwohl mir die Bearbeitung schon sehr gut gefällt !

  9. Saxi sagt:

    Yeah, Holger! So entstehen die Bilder, die man gerne sieht – merci für die Kurzweile!

  10. ein gelungenes bild und zeigt wieder einmal, dass es doch oft mehr der richtige moment macht als das beste equipment. das freut einen doch…

  11. wulhlm sagt:

    Schöner Artikel und schönes Foto! Kann mir vorstellen, dass es mit dem AF des 50mm 1.8 Objektivs ziemlich knifflig gewesen sein muss!

  12. Latita sagt:

    Ich mag die Stimmung des Bildes. Ein oller Regentag und doch irgendwie gemütlich :)

  13. Christof sagt:

    Mensch, tolles Bild Du =) das mit dem kopfschüttelnden Kollege war ja klar ^^

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