Redaktioneller Beitrag20.02.2010 / 11:54

Lammfell, Kitsch & die Art, {neugeborene} Kinder zu fotografieren

Liebe Leute, ich habe den ganzen gestrigen Tag darüber nachgedacht, über ich dieses Thema hier ansprechen soll, da die Meinungen dazu sehr weit auseinander gehen. Es handelt sich mal wieder um ein “emotionales Thema”: Kinder- und Neugeborenenfotografie.

Dass ich eine kleine Aversion gegen Kitsch jeglicher Art habe, ist ja mittlerweile schon bekannt. Und gerade als Hochzeits-und-Familienfotograf stehe ich selbst in der Spannung zwischen wirklich schönen Momentaufnahmen mit Tiefe und eindeutigem Kitsch. Erst recht, weil ich als Vater meine Tochter seit ihrer Geburt fotografiere.

Doch als ich gestern über 3 Ecken auf diese Fotostrecke bei Dailymail gestossen bin, wurde ich an etwas erinnert, das ich wohl sehr lange verdrängt hatte.

Was wir hier sehen, ist das Paradebeispiel gängiger Neugeborenenfotografie, wie wir sie nicht selten in den Schaufenstern diverser (nicht aller!) Fotogeschäfte sehen und zu Hauf in Büchern über Kinderfotografie. Dieser Trend wird auch mittels einer Suche bei Flickr deutlich. Die Art, Kinder so zu fotografieren hat sich unter Fotografen (nochmal: nicht bei allen!) etabliert und ist seit Jahre nichts Aussergewöhnliches mehr.

Anne Geddes ist ein Name, der hier fallen muss, denn sie hat mitunter diesen Stil sehr geprägt.

Wie wirken solche Fotos auf Euch?

Auf mich wirken diese Bilder unnatürlich, gestellt (das sind sie auch) und alles andere als authentisch. Die Beurteilung solcher Fotos ist natürlich dadurch erschwert, dass auch ich im Grunde diese Kinder süß finde, doch die Art und Weise, wie sie dargestellt werden kann und will ich nicht verstehen.

Folgende Fragen steigen in mir auf, wenn ich über diese Fotos nachdenke:

# Warum werden diese Kinder nicht in ihrer natürlichen Umgebung fotografiert?
# Wo ist denn die Mutter oder der Vater? Warum fotografiert man das Kind nicht auf dem Schoß oder in den Armen der Eltern?
# Wann befindet sich ein Kind im normalen Alltag nackt auf einem Schafsfell {in einem Blumentopf, auf einem Stück Holz, usw.} und stützt sich dermaßen professionell den Kopf ab?

# Warum 80er?

# Sind Kinder an sich nicht schon süß, schön und einmalig genug? Reicht das noch nicht? Genügen nicht die Alltagssituationen, in denen man sie fotografieren könnte?
# Für welchen Zweck drapieren wir diese Kinder schaufenstergerecht – nur weil wir das vielleicht noch süßer finden?
# Warum muss man etwas, was schon nahezu perfekt ist NOCH mehr aufpäppeln?

# Was hat das bitteschön noch mit der Realität (was ist das?) zu tun?
# Müssen wir uns in diese perfekten Bilder flüchten, weil wir Angst davor haben, dass “der kleine Bengel” irgendwann seinen eigenen Willen bekommt, und uns vielleicht sogar widerspricht und in Frage stellt {Hint: Pubertät oder gar davor}?

# Warum kopieren wir diesen Stil immer und immer und immer wieder?

Ja, es gibt viele Eltern, die genau auf diese Fotos stehen. Die genau diesen Anne Geddes Style wollen. Aber vielleicht kennen sie auch nichts anderes und wollen deshalb auch nichts anderes. Schön wird oft als das erachtet, was die Mehrheit auch schön empfindet.

Ich weiß, auch ich habe vor Jahren vereinzelt versucht, diesen Stil zu kopieren. Doch über die Zeit hinweg wurde mir zunehmend wichtiger, natürliche Aufnahmen von Kindern zu machen – so schwer und unbequem das auch manchmal sein mag. Denn auch ich stehe immer in der Spannung, Kitsch zu produzieren, doch diese Spannung muss ich meiner Meinung nach als Fotograf aushalten.

Deshalb plädiere ich mit diesem Artikel für eine natürliche Form der Neugeboren-Fotografie. Es gibt unendlich viele Situationen, die wir einfangen können, weil sie einfach passieren. Ganz ohne Lammfell und Schleifchen. Es geht.

Und ich behaupte nicht, dass meine Art, Kinder zu fotografieren dabei maßgebend ist. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, das zu tun – wir müssen es nur wagen.

Ein Beispiel? Lauren Rosenbaum.

Update: Wie in den Kommentaren schon angemert wurde, hinkt der Vergleich mit Rosenbaums Fotos an so manchen Stellen {Rosenbaums Kinder sind älter, usw}. Mir geht es hierbei darum, den Kontrast und die Wirkung zwischen ihren und den “Geddes-Style”-Fotos zu verdeutlichen.

Update2: Wie immer füge ich an, dass ich hier meine subjektive Meinung äussere und keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebe.

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Dies ist ein Artikel von Martin Gommel.

Als Herausgeber von KWERFELDEIN sinnt Martin hier mit Autoren, Gesprächspartnern und Lesern in Wort & Bild der Fotografie nach. Meist mit einer gesunden Prise Skepsis, dem Ziel, den kreativen Horizont zu erweitern und einem Augenzwinkern. ;-)

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Kommentare

  1. Was heisst “Neugeboren”? – Noch dampfend sozusagen?

    Neugeborene zu fotografieren gehört verboten. Nach ein bis zwei Wochen sehen die Kücken schon viel besser aus, so voller und nicht so verdrückt. (Mal ehgrlich – in den wenigsten Fällen sehen die Kleinen von Anfang an süss aus)

    Muss es dennoch sein das arme Dingens schon am ersten Tag abzulichten und der Verwandschaft zu zeigen, dann bitte kein Weitwinkel verwenden. Das reduziert die Attraktivität des Setzlings massiv …

    Und dann zur Gestaltung. Schwarzweiss bietet sich hervorragend an (vrgl. Thema Gestern), die Kurzen haben ja selten schon diesen hübschen Teint.

    So long!

    • @Der Bebildere: Stimmt, ich hab das “neugeborene” mal in Klammern gesetzt (obwohl Wiki meint, dass das bis 4 Wochen zählt, ging ich davon aus dass das wesentlich länger ist). Und ja, ich kenne das Lied allzugut, meine Frau ist Hebamme ;)

      @Andrea: Ja, Licht. Noch son’ Thema, das ich hier mal ausgelassen habe ;) Ebenfalls schönes Wochenende!

  2. Pakami sagt:

    “es gibt viele Eltern, die genau auf diese Fotos stehen. Die genau diesen Anne Geddes Style wollen”

    Und genau hier liegt das Problem. Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Hier würde ich mir von den Kollegen und Kolleginnen mehr Aufklärungsarbeit wünschen. Nur weil “das alle machen” muss es noch lange nicht gut sein.
    Natürlich ist der Kunde (=Geldgeber) König, und schnell mal den typischen Anne Geddes Style kopieren geht schneller als mühsam Überzeugungsarbeit zu leisten und Alternativen aufzuzeigen, doch es geht auch anders ! Manchmal ist es zwar nicht bequemer, aber im Endeffekt effektiver auch mal mit dem Kopf durch die Wand zu wollen !

  3. Michi.G85 sagt:

    Ich denke mal, die Antworten auf deine Fragen sind relativ simpel.

    Weil es mit der Zeit eintönig wird, Kinder in ihrer Natürlichkeit zu fotografieren.
    Babies hören wohl selten auf Kommandos und nehmen gute Posen ein.

    Wenn ich jetzt Kinder immer in den Armen, mit den Eltern o.Ä. fotografiere, ist das zwar natürlich, aber in ein – zwei Jahren, nachdem das alle X-mal so gemacht haben, wird bestimmt wieder jemand auf die Idee kommen, ein nacktes Baby auf ein Fell zu legen…

    Ganz ehrlich, ich kann dem Ganzen auch nichts abgewinnen.

  4. Hi Martin,

    die Eltern wollen das wirklich so. Ich finde das auch unglaublich, aber sindgenau die Fotografien, die sie scheinbar lieben. Kinder (Neugeborene) sind niedlich, und damit kannst Du das noch verstärken. Außerdem erheben solche furchtbaren einen “künstlerischen” Anspruch, weil die Eltern oft nicht in der Lage sind, das sleber umzusetzen.
    Das ist schon diffizieler in der Umsetzung – keine Frage. Und wenn das so schwierig ist, ist das auf jeden Fall künstlerisch – naja.

    Die Fotos von Lauren Rosenbaum sind so wundervoll natürlich, das sich manche Eltern denken , das können wir auch. Werden dann aber ganz klar an der Lichtführung scheitern.

    Kind am Fenster kann ja nicht so schwer sein. Ich sage Dir, das ist sauschwer.
    Aber es sieht eben einfach aus.

    Ach was rege ich mich auf, sollen die das doch kaufen. Aber nicht ebi mir :-)
    Schönes Wochenende

  5. BenM sagt:

    Wunderbarer Artikel.

    Lauren Rosenbaum finde ich ganz reizend. Danke für den Link. Kannte ich nicht.

    Ich selbst habe nur ein einziges Kinderfotos in 2009 gemacht und auf Flickr gepostet. Das ist dort das mit Abstand beleibteste Foto auf meinem Stream. Ich denke das spricht für sich.

    http://farm3.static.flickr.com/2773/4236750061_1b71e58e26_b.jpg

    Oder?

  6. needle sagt:

    Ich bin 100% derselben Meinung!
    Es scheint “in” zu sein Kinder, speziell Babys so zu fotografieren. Der Gedanke der Eltern, welche solche Bilder ihrer Neugeborenen anfordern, wird wahrscheinlich der sein, dass jeder solche hat, also muss man selbst auch solche haben um “dazu zu gehören”.
    Eigenen Stil und Wille findet man ja heute leider nicht mehr so oft.

  7. pixelboogie sagt:

    ich persönlich finde, dass man das auch gerne drastischer ausdrücken kann.

    ich finde solche bilder (nicht die kinder) geradezu abstoßend. und das mein ich wörtlich.
    nicht nur weil die bilder für mich geschmacklos sind, sondern weil ich es geraduzu entwürdigend finde, einen mensch, wie jung er auch immer sein mag, so zu fotografieren!

    warum zum geier setzt man ein kind in einen ausgehöhlten kürbis???

    so! das musste raus…

  8. was genau ist kitsch? die anne-geddes-kinder erinnern mich an so internet witze.. noch ein lustiger spruch drunter und dann per mail im büro verschicken. “haha”
    lauren rosenbaum wirkt da bodenständiger, erdiger und nicht so steril… aber 3 kinder mit brennenden kerzen in weissen kleidern im see/meer? (hihi)

    interessanter artikel und im grossen und ganzen stimme ich dir zu. lediglich meine kitsch-toleranz ist wohl ein bischen höher ;)

  9. Dan sagt:

    Whoouu…
    Sollte ich jemals Kinder haben, dann möchte ich solche Fotos nicht haben.

    Bekanntlich ist alles Geschmackssache.
    Die Bilder von Geddes gefallen mir. Weil sie mal intuitiv waren…
    Und da ist der Stein auch vergraben. Alles was “Aufsehen” erregt wird nachgemacht. Und manchmal führt das einfach zu einem Overload.

    Juckt mich nicht weiter. Sollen es viele Fotografen noch für Generationen von Eltern machen. So lange Du selbst weißt, dass Du es “anders” kannst und genau das Zuspruch finden, ist doch alles gut.

    Sollten in Zukunft nur noch Bilder in diesem Stil gemacht werden…Erst dann mache ich mir solch ausschweifende Gedanken. ;)

  10. Julia sagt:

    Ich bevorzuge ebenfalls die natürliche Fotografie. Schade finde ich nur, wenn man ein Bild direkt als “kitschig” abhakt, wenn darauf beispielsweise ein Lammfell zu sehen ist. Das alleine ist für mich kein Kitsch (ja, ich habe auch schon ein Baby auf einem Lammfell fotografiert). Am Schlimmsten finde ich wenn man (wie es Anne Geddes tut) die Babys in Dinge zwängt (ihnen komische Sachen anzieht) oder sie in merkwürdigen “Posen” fotografiert.

  11. marcus sagt:

    Ich persönlich finde einige der Fotos von Dailymail echt knuffig, würde meine eigenen Kinder aber niemals so fotografieren, weil es ihnen selber nichts bringt, diese Fotos irgendwann einmal zu betrachten.

    Was ich nicht verstehe, ist, dass Du ausgerechnet Lauren Rosenbaum als vorbildlich betrachtest. Bzw. wo ist denn bei dem Bild mit dem weinenden Mädchen die Mutter oder der Papa? Auf der anderen Seite der Kamera und geht ihrem Hobby nach. Pädagogisch wertvoll. Die Babies wirken auf mich wenigstens so aus, als wenn sie nichts vermissen zum Zeitpunkt der Aufnahme…

  12. Teatime sagt:

    Die Kinderbilder von Anne Geddes sind in meinen Augen eine Beleidigung für die Kinder. Ich finde die Bilder nicht mal mehr kitschig, sondern einfach nur schlecht. Schade, dass sie mit diesen Bildern bekannt geworden ist. Aber sie scheint wohl leider den Geschmack vieler Mütter und Omas zu treffen.

  13. Martin F. sagt:

    @pixelboogie: Du sprichst mir aus der Seele !

  14. Dominik sagt:

    Und ich sag dir jetzt mal ganz einfach. Is doch mir egal was die Masse will. Ja mir gefallen die Bilder Lauren Rosenbaum auch gut, beesser als diese “Anne Geddes Bilder” aber nur weil ich das so sehe muss das nicht für die Allgemeinheit gelten.

  15. Micha sagt:

    Anne Geddes finde ich grausam! Mir läuft es immer kalt den Rücken runter wenn ich von der Kalender etc. sehe. Ich muss auch pixelboogie zustimmen, wenn auch nicht so drastisch. Ich finde die Bilder sehr grenzwertig. In meinen Augen fotografiert sie die kleinen nicht, sie modelliert sie zu kitschigen Designobjekten.

  16. jana sagt:

    Da ich selbst hin und wieder Babys fotografiere (und man möge mich jetzt steinigen- auch schon in der ersten Lebenswoche) muss ich dazu jetzt doch mal was sagen:

    Ja, die Eltern wollen das. Auch Fotografen mögen manche dieser Posen.

    Für mich besteht ein gravierender Unterschied darin, ob die Eltern zu mir ins Studio kommen oder ob ich die Eltern zu Hause besuche. Natürlich wirken die Fotos die im Zuhause der Familie entstehen viel lebendiger und natürlicher. Aber nicht jede Familie hat eine tolle Wohnung oder gar ein tolles Haus, in dem man die Fotoideen die man hat umsetzen kann. Viele meiner Kunden wohnen in 10Stöckigen Wohnblöcken mit winzigen Fenstern- Überbleibseln aus der DDR, da kann die Wohnung noch so schön eingerichtet sein- Atmosphäre kommt dort nicht auf. Entscheidet man sich also fürs Studio. Und was hat man dort? Atmosphäre? Selten. Es sei denn man hat Platz und die finanziellen Mittel, um das Studio wie eine Designerwohnung aussehen zu lassen. Ehrlich, ich kenne keinen Fotografen hier in der Gegend der das hat.

    Was tut man also vor schwarzen, weißen oder gar blaugemusterten Hintergründen? Man macht das Beste draus oder versucht es zumindest. Denn seien wir ehrlich: die Baby- und Neugeborenenfotografie ist in den meisten Fällen ein Geschäft. Die wenigsten tun dies um ihre Fotografierlust zu befriedigen, sondern um den Geldbeutel zu füllen. Nicht vergessen darf man auch, dass so ein Shooting nicht ewig dauern kann- das würde dann nämlich niemand mehr bezahlen wollen. Es ist doch ganz normal, dass im Alltag mit Kindern ganz andere Fotos entstehen, als in 2 Stunden mit einem fremden Fotografen in einem Studio.
    Ich gebe mir bei meinen Kunden die größte Mühe, ich fotografiere die Babys immer mit den Eltern zusammen, auf dem Arm vom Papa, an der nackten Schulter der Mutter. Was auch immer. Aber auch ich muss zu Utensilien greifen, denn ich möchte meine Kunden nicht mit 10 gleich aussehenden Fotos nach Hause schicken. Solange meinen Kunden diese Fotos gefallen- und sie werden vor jeder Fotoidee gefragt, ob sie einverstanden sind und können auch selbst mitbestimmen, wie eine bestimmte Pose umgesetzt wird- werde ich weiterhin so fotografieren.

    Ich finde deine Sicht auf die Babyfotografie ein bisschen einseitig, es ist nicht dein Geschmack, okay. Aber sie deshalb so in der Luft zu zerreissen finde ich auch nicht in Ordnung.

    Warum darf man nicht ein Baby in einen Blumentopf setzen? Weil es ein paar Menschen und hier vorrangig Männern nicht gefällt? Warum darf ein Baby nicht in einer Pose sitzen, die ihm wohlgemerkt nicht schadet, auch wenn sie unnatürlich ist? Warum werden erwachsene Models in Posen fotografiert die völlig unnatürlich sind und oft nichts mit der Realität zu tun haben? Warum werden Filme für Männer gemacht, die ebenfalls völlig realitätsfremd sind? Okay, soweit wollte ich nicht ausholen, aber gut ;o)

    Leben und leben lassen. Wenn du für dich den perfekten Weg gefunden hast, Babys zu fotografieren- dann herzlichen Glückwunsch! Ich kann auch nix mit Auquariumsfotos oder Makros von irgendwelchen Insekten anfangen- für mich sind diese oft völlig überbewertet, kitschig, zu Klischeebehaftet. Aber ich würde mir niemals anmaßen, darüber zu urteilen. Das steht mir nicht zu. Konstruktive Kritik höre ich mir gerne an oder lese sie, aber hier bist du meiner Meinung nach übers Ziel hinaus geschossen- sorry.

    • @Jana: Keine Sorge, hier wird niemand gesteinigt. Ich finde es gut & wichtig, dass Du hier Deine Meinung einbringst, das macht die Diskussion doch erst interessant. Ich kann Deine Sicht da gut verstehen – ich glaube wir sind uns da einig, wo Eltern genau sowas wollen. Aus Deinen Worten lese ich heraus, dass Du einfach das beste draus machst, aber selbst auch lieber in Wohnungen fotografieren würdest, oder?

      @Frau Zausel: Uh, sowas (weichgezeichnete Babyhaut) ging gottseidank an mir vorbei. Krass. Und ja, Marmeladenmund und Dreckspuren rocken ;) Ich freu mich schon auf den Sommer.

      @Jimmy: Ja, da kann ich Dir zustimmen. Mir stellt sich da auch die Frage, was da der Verkauf mit uns macht, weisste? Also was passiert, wenn ich selbst etwas herstelle, was mir gar gar gar nicht gefällt, und das auf konstanter Basis? Ich denke, es wird immer die Diskrepanz zwischen meinem Geschmack und dem eines Kunden geben, das ist ja okay. Als Fotograf möchte ich ja hauptsächlich einen glücklichen Kunden… Ich frage mich nur, wie weit das gehen muss…

  17. Frau Zausel sagt:

    Naja, hier stellt sich doch auch die Frage, was der Mainstream und damit wohl auch der grösste Teil der Kunden wollen? Und ich weiss ganz genau, dass die diese Fotos einfach nur toll und süß finden. Das sehe ich auch daran, wie die Fotos von Kindergartenfotografen bewertet werden.
    Ich hatte ganz am Anfang auch mal so eine kurze Phase, die zum Glück nicht lange angehalten hat. Ich mag mittlerweile lieber authentische Fotos, gerne auch mal mit verschmiertem Marmeladenmund oder Dreckspuren im Gesicht. :-)
    Aber ehrlich, noch schlimmer als die Geddes-Fotos finde ich, weichgezeichnete Babyhaut. Da könnte ich schreien! Das ist bei Erwachsenen schon sehr grenzwertig und sollte nur dezent eingesetzt werden, aber wer bitte schön, kommt auf die Idee ein weiche Kinderhaut noch weicher zu spülen? Schröcklich! LG Frau Zausel

  18. Désirée sagt:

    Wir waren 2 Monate nach der Geburt bei einem Familienshooting bei einer Fotografin. Sie fotographiert normalerweise eine Mischung aus den gestellten, “typischen” und natürlichen Fotos. Eben weil viele Eltern die erste Variante auch gerne verschenken.
    Wir wollten ebenfalls ein Foto von uns allen für die Weihnachtsgeschenke, sowie eines mit Federn von der Kleinen und über der Schulter vom Papa(ebenfalls Geschenke), der Rest ist aber komplett aus der Situation heraus entstanden. Die Bilder vom Grossen sowieso, die Geschwisterbilder auch (das mit dem Mund zuhalten war ein wahrer Glücksschnappschuss ^^), wir haben lediglich einige Dinge hingestellt und der Grosse musste dann natürlich alles ausprobieren ;)

    Wir waren sehr zufrieden mit den Bildern weil sie es geschafft hat die Kinder in ihrer Vielfalt einzufangen.
    Wer schauen möchte: Bilder

  19. Sven Tront sagt:

    Ich kann da nur vielen zustimmen. Ich selber würde nie solche Bilder anfertigen. Auch halte das für einen Menschen, so jung er auch sein möge entwürdigend. Sie in was zu pressen nur wiel sie ( noch ) keinen eigenen Willen haben sollte man sich nicht dazu verleiten lassen, etwas zu tun, was nicht des Menschen würdig ist. Erstaunlicherweise sind es meist die Mütter und weniger die Väter, die diese Bilder so niedlich finden. Ich lehne diese Art der Fotografie für mich ab. anfragen habe ich öfters, aber es gibt ein klares NEIN. Auch wenn es bedeutet, einen Kunden zu verlieren.

  20. JimmyKlick sagt:

    Hey Martin, ich sehe das gleich wie du, allerdings muss man hier sagen Kitsch verkauft sich gut und das was sich gut verkauft wird produziert, warum sollen sie was neues machen wenn sich doch alles verkauft?! Du musst es ja als Hochzeitsfotograf kennen jeder will das schöne Kitsch-bild mit blumen und bla bla.. ich glaub, erst wenn man es geschaft hat etwas neues zu machen ohne den Stil zu kopieren und man sagen kann das ist einzigartig dann kann man Stolz sein.
    Ich habe nur sehr wenige Baby bilder gesehen welche wirklich gut waren.

  21. Viddy sagt:

    die bilder sind grässlich. ich frag mich, was die kleinen sagen würden, wenn sie sprechen könnten. sie sehen so gequetscht aus und als ob sie schmerzen hätten, außerdem sieht man den bildern die bildbearbeitung sehr stark an und das ist doch der tod für ein bild.

    ich finde es natürlich, dass eltern ihr neugeborenes auch gleich am ersten tag ablichten. gerade später für den nachwuchs ist es doch interessant zu sehen, wie man damals aussah, doch bitte in einer familiären und natürlichen atmosphäre.

  22. Hi, ich finde diese Bilder auch einfach furchtbar, richtig unangenehm! Irgendwie wird den Kindern ihre Persönlichkeit (ja, auch so junge Menschen haben eine!) genommen und sie werden zu einer Sache, einem Gegenstand, der zur Bildgestaltung eingesetzt wird.

  23. Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by kwerfeldein: Lammfell, Kitsch & die Art, neuegeborene Kinder zu fotografieren http://3.ly/kitsch...

  24. Guido sagt:

    Das Lammfell ist bei uns zum Beispiel ein Alltagsgegenstand. Unser Zwerg lag oder saß da öfters drauf. Wir haben es sogar mitgenommen, als wir mit unserem 13monatigem Zwerg durch Botswana gefahren sind. Der Zwerg hat dort fast jede Nacht auf dem Fell geschlafen (im Dachzelt).

    Warum sollte ich keine Fotos machen (ggf. mit gestelltem Hintergrund und zusätzlichem Licht), wenn der Zwerg auf diesem Alltagsgegenstand liegt? Nur weil einige Leute meinen, ein Geschmacksmonopol zu haben und Lammfellfotos pauschal als Kitsch abzuwerten? Nur weil etwas Mainstream-Geschmack ist, muss es nicht zwangsweise schlecht oder falsch sein. Es ist manchmal schon belustigend, wie einige krampfhaft versuchen, bloß nicht Mainstream zu sein.

    Die Kinder-Fotos von dem Typen hier sind auch alle gestellt, manipuliert, mit Studio-Equipment aufgenommen und nicht aus dem Alltag. Ich finde die trotzdem kreativ, witzig und sympathisch.
    http://www.flickr.com/photos/jwlphotography/3814268636/
    http://www.flickr.com/photos/jwlphotography/3752613119/
    http://www.flickr.com/photos/jwlphotography/3534692841/
    http://www.flickr.com/photos/jwlphotography/2331919129/

  25. marcus sagt:

    @Martin Gommel: So lange du Babies nicht in Posen brechen und ihnen dann in PS ein Lächeln aufs Gesicht “liquidieren” musst, ist doch alles nur “Business as usual…”

  26. mbecher sagt:

    Das ist mir zu dogmatisch. Warum sollten Bilder natürlich wirken müssen?
    Ich bin jetzt kein expliziter Fan von solcherlei gestellten Baby-Bildern, aber wenn es die nicht gäbe, wäre ich jedenfalls um eine Impression ärmer. Süss finde ich die auch. Aufhängen würde ich sie mir nicht.
    Und was man fotografiert oder was nicht, entscheidet ja nicht irgendein Kunde, sondern der Fotograf selbst…

  27. Katrin sagt:

    Ich glaube ich hab einen ähnlichen Kommentar hier schonmal an andrer Stelle losgelassen – ich finde Anne-Geddes-Bilder einfach nur gruselig! Mir tun einfach nur die Kinder leid, die wahrscheinlich in einer langen Prozedur in solche Kostüme und Utensilien gezwängt und dann so fotografiert werden. Mir würde es als Mutter im Traum nicht einfallen, solche Bilder von meinem Kind machen zu lassen. Ich möchte natürliche Fotos von meinem Kinde, auf denen ich auch sehen kann, dass sie sich wohlfühlen und glücklich sind und keine Fotos, die mir auch nach Jahren noch Bauchschmerzen bereiten, weil ich weiß, wie sie entstanden sind …

  28. ruebstiel sagt:

    Moooment! Ich stimme der ersten Aussage zu, dieser Geddes-Stil geht mir schon vom ersten Moment an gehörig auf den Keks. Aber der Vergleich mit Lauren Rosenbaum hinkt an zwei Stellen:
    1. Rosenbaums Fotos sind doch gar nicht welche von Babys! Das sind Kleinkinder, zum Teil schon größere Kinder, also solche, die auf “Kommandos” hören, die sich auch gern mal selbst inszenieren, die mal auf Befehl “traurig” gucken oder begeistert etc. Für die Tränen kann man ja mit Glyzerin nachhelfen, oder man wartet ab, bis sich das Kind mal weh getan hat und hält dann drauf. Und das führt mich zum nächsten Punkt:
    2. Ich finde die Rosenbaum-Fotos auch enorm kitschig und keineswegs “natürlich” (was immer das heißt). Klar, das sind schöne Fotos und die gefallen bestimmt auch sehr vielen Eltern, aber “natürlich”?? Von mir existiert eine Bilderserie, auf der ich ca. 2 Jahre alt bin und auf einer Stufe rumrutsche und dann runterfalle und anfange zu weinen. Das sind authentische, natürliche Fotografien meines Vaters, heute immer wieder gern angeschaut. Aber manchmal frage ich mich: Hej, für diese Aufnahmen hat er es einfach in Kauf genommen, mich nicht sofort zu trösten. Tja. Das sind so meine paar Cent zur Kinderfotografie.
    Grüße

    • @ruebstiel (und andere): Gute Kritik. Da gebe ich Dir und den anderen Recht – Rosenbaums Fotos mit den von Geddes zu vergleichen hinkt an manchen Stellen. Eben aus dem Grund, weil das keine Kleinkinder sind. Dass auch ihre Bilder an manchen Stellen kitschig sind kann man so sehen, jepp. Ihre Fotos stehen meines Erachtens allein von der Stimmung her in starkem Konstrast zu den hier Kritisierten- und auf mich wirken sie weitaus natürlicher. Aber hast schon recht, der Vergleich … Habe das oben mal angemerkt (Update).

  29. ruebstiel sagt:

    sorry für typos

  30. ruebstiel sagt:

    @Martin: Nett, dass Du gleich reagierst. Als Papa von zwei Söhnen(jetzt 6 und 16 jahre alt) betreibe ich seit 16 Jahren die Hobby-Kinderfotografie, analog und digital. Spätestens mit 4-5 Jahren bestimmen die Kinder selbst wie und wann sie fotografiert werden wollen. Und solche Inszenierungen mit Kerzen im Wasser oder auf einem Weg im Wald, das ist natürlich auch ein tolles Erlebnis für ein Kind. Also – es ist nichts dagegen zu sagen (nur ist es eben auch nicht natürlich). Übrigens, auch Geddes kann “natürliche Umgebung”, im wahrsten Sinne, gerade gefunden: http://tinyurl.com/yd4v94n
    Schönen Gruß
    Ruebstil

  31. jana sagt:

    Martin: Ja, das stimmt. Natürlich würde ich mich am liebsten in einem Loft oder schicken Haus austoben. Dort, wo richtig schicke Möbel im Kinderzimmer stehen und man auch mal eine freie Wand hat, die man mit einbeziehen kann. Aber sowas ist mir in 3 Jahren noch nie untergekommen und bevor ich mich auf das Abenteuer “Available Light im Hochhaus” einlasse, lade ich die Eltern zu mir ins kleine Studio ein. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde mein Studio auch anders aussehen als jetzt, aber man kann nicht alles haben.

    Ich muss sagen, ich finde den Vergleich mit Anne Geddes irgendwie unpassend: Anne Geddes fotografiert hauptsächlich Kleinkinder- diese können sitzen, manchmal schon stehen. Mit Sicherheit ist es nicht immer angenehm für die Kinder. Die Bilder aus dem Beispiel-Link sind von Neugeborenen. Sie haben max. eine Mütze auf oder sind in ein Tuch gewickelt- alles Sachen die sie eh gewohnt sind und die nicht weh tun oder unangenehm sind für ein Baby- da hinkt der Vergleich zu Anne Geddes ein wenig. Klingt, als würde ich Anne Geddes mögen- ist aber nicht so.

  32. Thomas sagt:

    Ich geb zu es sieht süß aus, aber eben auch gestellt. Mein Kleiner ist jetzt 13 Monate und wann immer er was neues gelernt hat hab ich natürlich begeistert geknipst, auf den Bauch rollen und Köpfchen heben, krabbeln, alleine stehen und was da noch so kommen mag.
    Das Problem werden hier tatsächlich die Eltern sein, alle Eltern lieben ihre Kinder und jeder denkt sein Kind muss das schönste, das beste, das aussergewöhnlichste sein.
    Da lassen sich vielleicht einige unter Druck setzen und wollen eine solche Art von Fotografien um den Nachwuchs präsentieren zu können.
    Schau mal, ist er/sie nicht süß.
    Letzten Endes befriedigen sie zum Teil wohl eher den eigenen Egotrip.

  33. Markus L. sagt:

    Ich stimme da “ruebstiel, jana und philipp“ zu.
    Irgendwo werden “alle” Bilder nachgebaut. Die wenigsten Bilder sind #Natürlich. Ich glaube auch nicht dass die Bilder von Frau Rosenbaums “natürlich” entstanden sind. Glückstreffer oder… die Kinder sollte “mal eben”
    Die Frage die ich mir stelle ist. Wo fängt Natürlichkeit an?
    Ich finde sie fängt dann an, wenn der, der fotografiert wird, dass nicht weißt… und ich muss sagen das dann oft „natürliche“ Fotos bei rum kommen, zumindest sind sie in der Machart natürlich.
    Ich hatte keinen Eingriff auf das Foto außer das ich den Auslöser drückte. Das ist für mich natürlich. Sicher kann ich mit 20.000 Euro mir Mrs. X buchen dazu noch 2 Alligatoren und ich flieg mit allen 3 in irgendein Sumpf und mache „Natürliche“ Fotos… so long.

    Es macht für mich eigentlich kein Unterschied, ob ich dem netten Mann nun sag leg dich mal aufs grüne gras oder ich setzt das Baby auf das Lammfell… was einem nun anspricht ist eine andere Sache.

    @Katrin
    Gruselig? finde ich das dann eher wenn man seine Kinder weinend fotografiert. Es muss ja ein Grund geben warum sie das tun. Mutter oder Vater waren doof dann weinen sie… dieses dann auch noch festzuhalten um sich irgendwie mit einer großartigen Fotografie im Web oder sonst wo zu profilieren… das finde ich gruselig…
    Das überschreitet für “mich” irgendwo die Privatsphäre. Klar sind diese Bilder ziemlich stimmungsvoll… doch das find ich noch geschmacksloser als Kinder auf lamm oder im kürbistopf.

    markus

  34. Gila sagt:

    Na das nenne ich doch schon fast “Scheuklappendenken” – fast. Hattest nicht Du selbst vor einigen Wochen in einem Blogpost bekanntgeben, Du seist ein Fan von Kitsch? Warum wird hier plötzlich ein Fotostil derart bewertet, sogar kritisiert? Ich war immer ein Fan Deines (fast neutralen) Blogs, dies klingt mir nun aber doch sehr überheblich.

    Nun, wie dem auch sei. Deine Fragen sind alle zu beantworten mit: “Warum denn auch nicht?” Die natürlichen Bilder, die Du beschreibst können doch alle selbst geknipst werden oder von Onkel “hat auch ne gute Kamera” Michael. Die werden dann sogar evtl. noch in ein Photoalbum geklebt – naja, die ersten zwei Jahre vielleicht noch. Um eben mal andere Fotos vom Baby zu haben (und ja, man kann doch anfangs nicht genug Fotos haben) gehen vielen Eltern, bevorzugt Mütter natürlich, zu eben solchen Kinderfotografen. “Warum denn auch nicht?”

    Zu den Posen: diese Baby sind entspannter als so manch Model in der Fashion-Fotografie, geschweige denn in der Aktfotografie. Grade in der Neugeborenenfotografie bedient man sich hier an dem, was die Kinder noch (!) können. Ein Neugeborenes (bis zum 28. Lebenstag meine ich) kann eben in solchen Posen liegen, schlafen. Es ist nichts dabei, fühlt sich womöglich sogar noch wohler aus ausgestreckt und ohne “Drumrum” im Bett liegend. Und warum? Es musste noch bis wenige Tage zuvor eben solche Positionen (okay, ähnliche) in der Enge des Bauches der Mama einnehmen.

    Ich kann Jana also in vollster Weise zustimmen und finde auch gestellte Kinderbilder im Studio wunderschön, eben weil es “anders” ist und nicht Onkel Michael gemacht hat.

    Schönes Wochenende,
    Gila

    • @Gila: Klar, über Geschmack kann man sich bekanntlich streiten… Aber sag mal – in welchem Artikel vor einigen Wochen steht, dass ich ein “Fan von Kitsch” wäre?

      Ich weiß nicht, wie aufmerksam Du hier mitgelesen hast, aber neutral war ich noch nie und habe schon immer Dinge offen angesprochen und kritisiert, wenn ich sie problematisch fand – gerade in den letzten Wochen ;) Neutral sein, das geht auch gar nicht, schließlich habe ich eine Meinung, und da das mein Blog ist, tue ich sie kund. Jepp.

  35. dogwatcher sagt:

    Ich finde das mal wieder viel Lärm um nix…. ganz ehrlich, wenn einer den Anne-Geddes-Stil gut findet (.. die schreiben hier jetzt offensichtlich nicht in den Kommentaren..) dann ist das halt so. Und der nächste mag halt was anderes. Fertig.

    Es ist auch nicht MEIN Stil, und ich hätte von unserem Kleinen auch nicht unbedingt jetzt so ein Foto in dem Stil gebraucht.. aber mein Gott, wer es gut findet.

    Ich habe nur ein Problem mit dem Stil: Ich finde ihn mittlerweile ausgereizt. Viele haben ihn imitiert und er ist schon so sprichwörtlich, dass er ja nicht umsonst auch Nicht-Fotografie-Interessierten bekannt ist… da kommen die wenigsten Fotografen jemals hin.

    Ob das nun “gruselig” ist oder gleich wilde Vermutungen angestellt werden von wegen “da haben die Kinder bestimmt gelitten” oder so.. na ja, grenzwertig.

    Mal wieder viel Diskussion um etwas, wo ohnehin der Geschmack entscheidet. Und da gilt ja, jeder hat offensichtlich immer genug davon und von seiner Warte aus auch immer den richtigen.

  36. Monika sagt:

    Ich finde die Fotos von Anne Geddes gut komponiert und kreativ, aber sie berühren mich nicht so sehr wie natürlichere Fotos. Sie erzählen mir nichts über das kleine Model, sondern es ist ein “abstraktes” und eher oberflächliches BILD.

    Ich bevorzuge auf jeden Fall die natürliche Art Babys zu fotografieren, aber es gibt nichts dagegen auszusetzen, wenn ein Fotograf dieses Thema anders Umsetzen möchte.

    Es ist gut, dass du dieses Thema angesprochen hast, denn man denkt oft nicht über solche Dinge nach. Man schaut sich solche Fotos an und denkt sich, oh wie süß, aber wo ist das KIND geblieben?

  37. Marcel sagt:

    Hallo Martin,
    also zuerst einmal muss ich sagen, dass ich den Stil von Baby-Fotografie nicht kenne. Als ich mir die Fotos angesehen habe, war ich geschockt und entsetzt gleichermaßen.
    Die Fotos haben NICHTS von Natürlichkeit. Die kleinen, neugeborenen, zerbrechlichen Babys werden drapiert und positioniert, um solche gestellten und fiktiven Bilder zu machen.
    Da frage ich mich doch, ob den Eltern bewusst ist, dass sie hier ein neuen Lebewesen in die Welt gesetzt haben, für das sie die Verantwortung tragen und das sie erziehen sollen. Es wirkt auf mich, als wenn diese Eltern eher ein Spielzeug haben und das möglichst nett in Sezene gesetzt haben wollen. Das ekelt mich an! Das muss ich leider in aller Härte sagen!

    • @Marcel: Jepp, und ich glaube, dass das ein paar anderen Lesern hier auch so geht..Schocken tun mich diese Bilder mittlerweile nicht mehr, aber unwohl fühle ich mich auch dabei…
      @Monika: Danke für Dein Feedback, das mit dem “oberflächligen” empfinde ich ähnlich.

  38. Peter sagt:

    Mich regt dieses Totschlagargument “Das ist Kitsch” zunehmend auf und ich finde es für eine ehrliche Diskussion wenig hilfreich. Was uns heute noch ganz authentisch vorkommt wird morgen tausendfach kopiert und ist für uns übermorgen Kitsch. Ich kann doch nicht einerseits postulieren, der Fotograf und nicht die Kamera macht das Foto und andrerseits so tun, als würden wir ganz authentisch das fotografieren, was wir objektiv vorfinden. Ich inszeniere auf jeden Fall Ausschnitt und Lichtsituation und entscheide welchen der vielen Momente ich für authentisch halte und drücke dann ab. Mir gefielen vor vielen Jahren die Geddes-Bilder, weil sie einfach etwas anderes waren und ich finde jetzt die Rosenbaum-Bilder ganz klasse. Geddes inszeniert die Kinder als Designobjekte (das finde ich tatsächlich eine sehr passende Beschreibung von Micha) und Rosenbaum inszeniert Kinder als mystische Wesen, wer möchte sich jetzt anmaßen zu sagen das eine geht und das andere geht gar nicht? Als Vater kann ich nur sagen, meine Kinder sehe ich sicher eher als mystische Wesen denn als Designobjekte, deswegen würde nicht Geddes sondern Rosenbaum den Auftrag zu bekommen, aber meinen Stab werde ich sicher über keinen brechen.

  39. Thorsten sagt:

    Deine Einstellung zur Babyfotografie passt meines Erachtens nicht zu Deiner Praxis in der Landschaftsfotografie. Wie man Deinen Video-Tutorials entnehmen kann, sind viele Deiner Landschaftsfotos sehr stark nachbearbeitet. Kontraste werden verstärkt, Tonwerte verschoben, Bildbereiche abgedunkelt und andere aufgehellt, Farben verstärkt usw. Mit der Realität haben die fertigen Bilder nur noch wenig gemein. Und da möchte ich dann Deine oben aufgeworfenen pseudophilosophischen Fragen aufgreifen.

    # Warum muss man etwas, was schon nahezu perfekt ist NOCH mehr aufpäppeln?
    # Was hat das bitteschön noch mit der Realität (was ist das?) zu tun?
    # Müssen wir uns in diese perfekten Bilder flüchten, weil …?
    # Warum kopieren wir diesen Stil immer und immer und immer wieder?

    Dein fotografischen Grundanschauungen scheinen nicht sehr konsistent zu sein.

    • @Thorsten: Sehr guter Kommentar (bis auf das “pseudo”). Gerade um diese Punkte mache ich mir aktuell viele Gedanken – und aus Deiner Sicht macht das sehr viel Sinn, was Du sagst. Allerdings sehe ich es von Vorteil an, hier auch kontextbezogen Haltungen einzunehmen.

      Wahrscheinlich klingt das komisch für Dich, aber Landschaftsfotografie ist für mich wesentlich mehr künstlerischer Spielraum als die Arbeit mit Menschen. Bei einem Landschaftsbild habe ich (aktuell noch) nicht unbedingt den Anspruch, das zu zeigen, was real (nochmal: Was ist das?) ist, sondern bin beim Nachbearbeiten viel mehr in das Ergebnis involviert. Das tut keinem weh. Bei Kindern sehe ich das anders – obwohl ich da auch im Nachhinein bearbeite – z.B. ein Foto in schwarzweiss konvertiere, eine Vignettierung anbringe und und und. Jedenfalls ein sehr komplexes Thema, das gar nicht so leicht zu beantworten ist.

      Denn die Frage fängt ja auch – wenn man so will – noch weiter vorn an: Ab wann wird ein Foto bearbeitet und verändert? Schon bei der Komprimierung in Jpeg? Ab wann stellen wir Realität dar (das geht ja sowieso nicht)? Und: Ich sehe einen Unterschied zwischen dieser Herangehensweise, Kinder zu fotografieren und meinen Bearbeitungstechniken und stelle mir die Frage, in wie weit das miteinander gleichzusetzen ist. Daher Von daher: Gut, dass Du das ansprichst – das hinterfrägt mich und ich muss somit begründen, was ich tue (insoweit, als dass es Sinn macht – viele Sachen sind nicht immer logisch begründbar). Und mich überdenken.

  40. Doreen sagt:

    Ich glaube, bei diesem Thema zu 100 % mitreden zu können, denn ich fotografiere Babys, allerdings nicht im Anne Geddes Stil…bei mir liegen die Babys in warme Decken gekuschelt, wenn sie einschlafen, ist das schön, wenn nicht, versuche ich die erstaunten Blicke festzuhalten…ich würde nie ein Baby in irgendwelche Dinge zwingen…aber ich muß auch dazu sagen, daß dies meistens nicht von den Fotografen kommt, sondern von den Eltern…
    Ja, von den Eltern, die kommen mit Fotos oder bestimmten Vorschlägen auf einen zu und bitten, dies umzusetzen, ich sage ihnen jedoch immer, ich mache nur das, wo sich die kleinen bei wohlfühlen und deswegen sind auch die shootings immer anders…

    Z.B. bei den letzten 4 Shootings hatte ich ausdrücklich angeboten, doch mal natürliche Fotos im haus zu machen…aber nein, sie wollten unbedingt mit weißem Hintergrund und weißer Kuscheldecke…wer mal schauen möchte…http://momentsphotographydg.wordpress.com/

    Und noch eine kleine Anmerkung zu LAUREN`S Fotos…natürlich sind die auch nicht, welches Kind läuft schon barfuß und in einem weißen Kleid durch den Wald, oder das Mädel im roten Mantel, so würde ein Kind niemals freiwillig herumlaufen…also natürlich hin oder her, ich denke in erster Linie ist es Geschmacksache…

  41. Messjuh sagt:

    Sehr guter Beitrag! Danke!

    Ich denke, das jenes Sprichwort: “Was der Bauer nicht kennt…”
    trifft es auf den Punkt!

    Dieses Prinzip Funktioniert aber überall!

    Habe eine Idee die den Zeitgeist trifft. Ja so lachen Mio. über Pocher und Co und vergessen ganz, das die nicht mehr lustig sind.

    Ich höre förmlich die Beste Freundin der Mutter schmunzeln und mit einem breitem Grinsen: “GEEEEENIAL” sagen!

    Ja und genau das wollen die Eltern – zuspruch!

    Die meisten Menschen haben zwar möglichkeiten gestalterisch aktiv zu sein, aber das macht sie noch lange nicht kreativ!

    Ich denke das dieser “Geddes Style” seinen höhepunkt hatte, aber immerwieder auftauchen wird, genau wie diese Freizeitpark Wild West Fotos mit Klettverschluss Kostümen!

    Und mit der Generation Eltern und auch Fotografen die jetzt kommen, wird ein neuer Stil entdeckt. Ich empfinde den Trend als wären wir alle durch die Kindheitserinnerungen mit Michel aus Lönneberga, IKEA (inkl. Kinderparadies) und Sesamstrasse eher auf natürlichkeit und auch natur fixiert.

    vielleicht die natürlichkeit aber vielleicht auch das inszenieren von Kleinkindern wie Popstars.

    In jedem Fall sollten wir unser bestes tun um den Weltweiten.Foto.Space mit neuem zu füllen!

    zum Schluss: Ich habe über das erste Geddesbild (vor über 12 Jahren) geschmunzelt aber das habe ich über Pocher auch!

  42. Stefan sagt:

    Martin, Du sprichst mir aus der Seele :-) Bitte die unsäglichen “Engelsflügel zum Umschnallen” auch noch in die Liste aufnehmen.

    Die Bilder sind – ebenso wie die “Handvoll Baby” und “nackter Säugling auf nacktem Papa” – gerade Mode. Wer gegen Geld fotografiert, wird möglicherweise von den Eltern explizit gebeten, ihr Neues genau so zu fotografieren… wer aber die Freiheit hat, selbst zu schalten, walten und zu gestalten (das große Privileg der Amateure!), der sollte von dieser Option auch Gebrauch machen.

    Wie in vielen anderen Metiers (ich sage nur: Kinofilm) ist es wichtig, mit Cliches und Modetrends zu spielen: Imitieren, variieren – aber auch durchbrechen. Ich persönlich finde die drappierten Babys einfach gruselig, und bei der Süße der Bilder bekomme ich schon vom Hingucken einen Zuckerflash. Aber ich habe beispielsweise keine Probleme mit dem erwähnten Lammfell – hey, die Kleinen liegen oft genug im Kinderwagen darauf, warum das also nicht hernehmen, um z.B. die Zahl der Elemente im Bild zu reduzieren und noch mehr in Pose zu setzen? Bei einem Erwachsenen-Studioportrait beispielsweise macht man das ja beispielsweise auch…

  43. Daniel sagt:

    Sehr, sehr schöner Text. “Aber vielleicht kennen sie auch nichts anderes und wollen deshalb auch nichts anderes. Schön wird oft als das erachtet, was die Mehrheit auch schön empfindet.”
    Wie wahr!
    Man reiche mir Hammer, Meißel und eine Steintafel ich werde diese dann beim Photoladen in der Neustraße anschlagen zuhause aufstellen. ;-)< <

  44. Dieser Babyfotostil ist für mich das Gegenstück zu einer vielzahl von geschmacklosen Aktfotos von Frauen, wie man sie auf diversen Fotoseiten häufig sieht. Auch dort werden oft abstruse, teilweise innerhalb des Genres klischeehaft wiederholte Hintergründe und Requisiten verwendet: z.B. Einfärbige Tücher, Rosen, Abbruchhäuser, Motorhauben von Autos etc. und das was (zumindest für mein Empfinden) am natürlichsten wäre meistens vermieden: Ein Bett (neben dem Bad und dem FKK-Strand so ziemlich der einzige Ort wo Frauen realistischerweise meistens nackt sind).

    Ich denke die Mechanismen sind die gleichen: Neugeborene
    Babies lösen genauso wie nackte Frauen starke biologische
    Reaktionen aus, denen wir uns alle nicht entziehen können. So
    weit so gut, nur gelegentlich “entdecken” Fotografen, daß
    man dies benutzen kann, um selbst abstruseste Inszenierungen
    “an den Mann” (eher bei Aktofotos) oder “an die Frau”
    (tendentiell vielleicht eher bei Babyfotos) zu bringen.
    Denn schließlich will man den Eindruck vermeiden, daß
    die “Kunst” im Foto nichts anderes sei, als die biologischen
    Schlüsselreize, für die der Fotograf wenig kann. Also
    pfropft man was drauf, damit auch ein eigener Beitrag im
    Foto steckt.

    Manchmal verstärken gewisse Reqisiten den starken
    Appellcharakter des biologischen Reizes vielleicht wirklich,
    oder zumindest so lange, bis sich das ganze abnutzt. Frauen
    mit gespreizten Beinen auf einem Motorrad sitzend waren vor
    40 Jahren vielleicht wirklich originell *und* sexy, anstatt
    nur “billig”. Und Babys in Blumentöpfen waren bestimmt eine
    extrem niedliche Idee, wie das diese Anne Geddes das erste
    mal gemacht hat. Heute nicht mehr so ganz.

  45. derfototim sagt:

    Interessante Sichtweise, Martin, der ich im Grunde zustimme. Allerdings nur aus dem Grund, weil mir “natürliche” Kinderfotos lieber sind als der Geddes-Style, was aber, wie du ja selbst anmerkst, subjektiv ist.

    Allerdings muss ich auch sagen: Ich finde viele der Geddes-Fotos ziemlich ausdrucksstark und teilweise richtig gut. Und für den Zweck, Kinder möglichst “niedlich” darzustellen, sind sie auch gut gemacht, in dem sie die Kleinheit, Zerbrechlichkeit, Unschuld etc. des Kindes illustrieren.

    Dein Anspruch scheint ein dokumentarischer zu sein: Kinder “natürlich”, aber natürlich auch “niedlich”. Was mir, wie gesagt, auch lieber ist. Aber auch der Wunsch, Kinder möglichst nett darzustellen, ist ja nichts weltbewegend neues. Wer fotografiert schon ein Kind, dessen vollgemachte Windel gerade gewechselt wird? Nicht niedlich. In deiner Vorliebe, so scheint es mir, wartet man auf den richtigen Moment. Frau Geddes hilft da ein wenig nach -und künstelt es auf. Ist natürlich unterschiedlich – aber gar nicht so weit, wie du es selber vllt. wahrnimmst?

    Das angesprochene Beispiel mit den Landschaftsfotos ist da ähnlich. Du erzählst hier, was du beabsichtigst, wenn du sie bearbeitest, verfremdest, irgendwas darstellen willst. Das klappt sehr gut meistens, ist aber, nüchtern betrachtet, auch eine Art der Realitätsverfälschung (wobei es ja eine universelle Realität, wie wir seit Platons Höhlengleichnis wissen, nicht gibt ;) ) Und du streifst dabei den Kernpunkt, wenn du davon redest, was du darstellen möchtest; Das ist von Fotograf zu Fotograf unterschiedlich. Und aus ebendiesem Grunde hat auch jede Art zu fotografieren ihre Daseinsberechtigung. Ich werte jetzt deinen Artikel nicht so, als ob du den Fotos der Frau Geddes diese Berechtigung absprichst, so hab ich das nicht verstanden (wollte es aber noch mal klarstellen). Aber du bewertest, du stufst ab. Das tust du anhand subjektiver Vorlieben, wie richtig bemerkt, was durchaus legitim ist – solange du dir dessen bewusst bleibst.

    (Übrigens glaube ich, dass du den Geddes-Style nur deshalb nicht magst, weil er tausendfach kopiert wird – zumindest wirkt dein Artikel so. Ersteres kann ich verstehen zweiteres find ich aber auch nicht schlimm. Thrash-Metal wurde seit Slayer auch tausendfach kopiert und ist deswegen nicht schlechter geworden. Nur halt weniger innovativ^^)

    Beste Grüße

  46. dogwatcher sagt:

    @derfototim: Das ist genau das, was ich ich ja oben auch schon ausdrücken wollte.. das Problem ist eher, dass man sich an den Geddes – Bildern wohl mittlerweile eher sattgesehen hat.

    Vergessen wir nicht, diese Bilder sind so überaus erfolgreich geworden WEIL sie damals NICHT KLISCHEEHAFT waren sondern durchaus “neu” (.. wahrscheinlich kann man sich streiten, ob jemand den Stil nicht vorher schon hatte, aber nicht damit bekannt geworden ist.. aber so ist es immer mit dem Streit um “Neuentdecker”)

  47. Parkboy sagt:

    Hallo Martin,
    tolles Thema. Meine Frau und ich erwarten in diesen Tagen unseren ersten Nachwuchs. Das wird sicher eine spannende Zeit, auch aus Sicht der Fotografie.
    Gruß Parkboy

  48. Jessica sagt:

    Was ist “natürliche Neugeborenen-/Kinderfotografie” denn überhaupt? Wo fängt das “Natürlich sein” an, wo hört es auf? Ist schon das Schwarzweißfoto eine “künstliche” Darstellung der Natürlichkeit? Die Welt / die Natur ist nicht schwarzweiß, sie ist bunt. Wir sehen bunt. Und auch Menschen -egal welchen Alters- sind nicht farblos…

    Die Natürlichkeit endelt doch in den meisten Fällen in dem Moment, in welchem die Kamera gezückt wird. Keiner, der sich bewusst ist, dass er fotografiert werden könnte, verhält sich noch absolut natürlich (das Neugeborene vielleicht schon, aber seine Eltern schon nicht mehr. Und auch Kinder ab einem gewissen Alter verhalten sich dann oft nicht mehr natürlich).

    Die “natürliche Fotografie” wirkt natürlich, aber sie ist selten nicht gestellt / “drapiert”.

    In Deinem Beitrag, in welchem Du gezeigt hast, wie Du ein Kinderporträt in Lightroom bearbeitet hast, hast Du selber gesagt, dass Du dem David gesagt hast, wie er bitte gucken möchte.Das Foto wirkt wirklich sehr natürlich und ich finde es sehr gelungen. Aber es hat eigentlich mit natürlicher Fotografie nichts zu tun. Die Situation war gestellt.

    Was ist obendrein schlimm daran, ein nacktes Kind auf dem nackten Körper eines Elternteils zu fotografieren? Diese Situation ist doch eigentlich die natürlichste Form, die man darstellen (ja: gestellt ist die Situation) kann. Babys nackt, so wie “Gott sie schuf”, ganz nah an Muttis oder Papas Brust -ohne störenden Stoff dazwischen.

    Der verschmierte Marmeladenmund wirkt selbstverständlich viel natürlicher als der gezogene Seitenscheitel, aber dennoch werden wohl die wenigsten ihr Kind in schmuddeligen Klamotten mit Dreckhänden und Marmeladenmund zum Fotografen schleppen, um ein natürliches Foto zu bekommen…

    Synonyme für “natürlich” sind neben “ungekünstelt” im übrigen auch “einfach” oder “schlicht”. Ich glaube kaum, dass sich der Fotograf darüber freuen würde, würde man seine Fotos als schlicht bezeichnen…

    Es liegt in der Natur (!) des Menschen sich darzustellen. Das tun wir alle. Und deshalb stellen wir auch Neugeborene dar. Diese können sich ja noch nicht wehren oder eigene Ideen mit einbringen. Jedem das Seine. Wer sein Kind im Anne Geddes-Stil dargestellt mag, bitte. Wer nicht, der eben nicht. Beide wollen etwas ausdrücken, mehr nicht.

    Kann ein künstlerischer Aspekt (den ja der Fotograf in seinen Fotos zum Ausdruck bringen möchte) überhaupt natürlich sein? Ist das nicht ein Widerspruch in sich?

    Manchmal erinnern mich Fotos von Anne Geddes ein wenig an Fasching / Karneval. Und ich finde, man darf sie gern mit einem zwinkernden Auge betrachten. Aber ist Karneval nun natürlich oder künstlich? Oder wäre es besser die Plastikwindel durch eine Stoffwindel zu ersetzten? Ist das Lammfell eigentlich chemisch oder natürlich gegerbt? Im übrigen wären diese beiden Fragen wesentlich wichtiger für das Neugeborene *zwinker*

  49. Ich bin noch recht “neu” in der Fotografie und habe mich bis jetzt so gut wie gar nicht mit der Fotografie von Neugeborenen oder sehr jungen Kindern beschäftig, doch wenn ich mir die entsprechenden Fotos ansehe, kann ich deinem Artikel nur zustimmen.
    Ich bin der Meinung, dass diese gestellte Art nicht nur unnatürlich, sondern auch moralisch fragwürdig ist. Man kann doch an einem sehr jungen Menschen nicht einfach mal hier und mal dort etwas rumzupfen, nur damit man Fotos hat, auf denen eben dieser so aussieht, wie man ihn gerne hätte…

  50. Daniel sagt:

    Als wenn es nicht die eigenen Kinder sind, bestimmt “der Kunde” (egal obs jetzt Freunde sind, oder Leute die dafür bezahlen etc), wie er die Fotos haben möchte.

    Sicherlich kann man drüber sprechen und diverse Möglichkeiten anhand von Beispielen aufzeigen, aber die Eltern wollen noch in Jahren sich die Fotos mit Freude ansehen und das werden sie mit Sicherheit nicht, wenn man ihnen die Art der Fotografie “aufs Auge drückt”

  51. gruftigirl sagt:

    Auch wenn man mich jetzt genau an dieser Stelle steiningt: Ich find ALLE, und zwar ausnahmslos ALLE Babyfotos klasse. Auch die mit weinenden Kindern haben enorme Ausstrahlung. Widerlich ist nur Kinderpornografie.

    Btw auch ich hab meinen Krümel mal in eine witzige Pose “geknautscht”(natürlich ohne ihm weh zu tun!!) und er (20) lacht noch heute über das putzige Bild.
    Also, alles halb so wild. Solange das “Model” nicht weint, ist doch alles ok…

  52. Robin Droste sagt:

    hm… ich versuche es auch mal plakativ:
    toleranzfrei ?
    klar ich finde natürliche fotographie auch schön, häufig auch schöner, trotzdem macht es spaß solche fotos zu sehen. das sollte man nie vergessen. es geht nicht nur um die entstehung sondern auch wirkung.
    ich weiß das das thema deiner meinung zu manchen dingen kontorvers ist und konnte dem nie viel abgewinnen aber jetzt grade verstehe ich diese seite denke ich ein wenig mehr.
    trotzdem will ich dich nicht entmutigen so etwas zu schreiben. es regt zum denken an und macht spaß die diskussionen zu verfolgen.

  53. Yogamupfel sagt:

    Hi Martin,

    mir gefallen diese gestellten Fotos von Babies nicht… Ich finde es schaut unnatürlich aus und ich frag mich jedesmal, wie die Babies das wohl empfinden, wenn sie irgendwo reingesteckt, eingewickelt oder “hindrapiert” werden.

    Die Fotos von Lauren Rosenbaum sind toll! Kannte ich noch gar nicht, danke!

  54. Frank sagt:

    Mich stossen solche Fotos ab, das kleine Würmchen als “Objekt” von Fotografen und Eltern, nein danke!!
    Ich bekomme ab und an auch anfragen ob ich solche Fotos im Studio mache, bisher habe ich die Eltern aber fast immer umstimmen können.
    Ferner sollte man das anblitzen von Kindern unter 8 Wochen, mit großen Studioblitzen tunlichst vermeiden, da dies für die noch nicht voll ausgebildeten Augen der Kleinen nicht sehr förderlich, laut Aussagen einiger Kinderärzte sogar schädlich ist.

  55. Zitate:
    “gehört verboten, das arme Dingens, unglaublich, geradezu abstoßend, geschmacklos, entwürdigend, eine Beleidigung für die Kinder, grausam, grässlich, als ob sie schmerzen hätten, furchtbar, richtig unangenehm, nur gruselig, geschockt und entsetzt, das ekelt mich an, moralisch fragwürdig, mich stossen solche Fotos ab, …”

    Wenn ich das hier so lese, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Wie ein Vorposter schon bemerkte,
    scheint dies hier eine toleranzfreie Zone zu sein. Geschmäcker sind verschieden und das ist gut so, aber
    andere Geschmäcker als schlecht und falsch niederzumachen ist kein guter Stil.

    Der typische Blogleser scheint nur natürliche Fotos zu lieben, fotografiert ausschließlich mit Festbrennweiten und (natürlich) in RAW, und ist gegen jeden Mainstream.

    Wenn ich solche Sätze lese wie “Das Problem werden hier tatsächlich die Eltern sein, …” frage ich mich, wieso diese
    Eltern ein Problem haben; sie haben halt nur einen anderen Geschmack.

    Gruß Oliver

    PS: Es sind beleibe nicht alle Beiträge hier so. Ich fand es in Summe doch eine sehr interessante Diskussion mit vielen guten Beiträgen

  56. derfototim sagt:

    “Der typische Blogleser scheint nur natürliche Fotos zu lieben, fotografiert ausschließlich mit Festbrennweiten und (natürlich) in RAW, und ist gegen jeden Mainstream.”

    haha.. genialer Satz. Zustimmung – auch zum Rest des Posts ^^

  57. AnettB sagt:

    Hallo,

    also ich möchte auch noch was dazu sagen. Ich bin gerade schwanger und Mutter einer 7jährigen Tochter. Natürlich sind “natürliche” Fotos faszinierend. Als ich mit meiner Tochter zu Hause war, hab ich davon sehr viele machen können (ein paar noch in der FC zu sehen). Aber, man muss unterscheiden, ob man das mit viel Zeit evtl. privat oder eben kommerziell macht (wo die viele Zeit meist nicht bezahlt wird).

    Ich habe auch ein Fotostudio und die Kunden möchten gern ein schönes Foto von ihrem Schatz, um dieses zu verschenken oder als Erinnerung. Ich habe bei 4 verschiedenen Unternehmen gearbeitet die hauptsächlich Babyfotografie im Krankenhaus anbieten. Ich war bei jeder Fa. nicht länger als ein 1/2 Jahr, weil es dort nur ums Geld geht. Masse und Kasse. Das widerstrebt mir total, da das nichts mit Kindeswohl zu tun hat.

    Ich fotografiere auch zu Hause bei den Muttis und im Studio. Das WICHTIGSTE für mich dabei ist, das es beiden GUT geht und sich ALLE wohl fühlen. Auch wenn das nicht preislich kalkulierbar ist!!!

    Ich fotografiere mit Herz und Leidenschaft. Dabei benutze ich auch neutrale Hintergründe, um einfach den Blick auf das Wesentliche zu lenken. Wenn die Muttis ein Kuscheltier dazu haben wollen, warum nicht.

    ABER!

    Die Positionen die ich gesehen habe bei den Links…HILFE die sehen teilweise aus als hätten sich die Babys die Hälse gebrochen. Das darf nicht sein. Man darf die Kleinen nicht in irgendwas hinein zwängen. Eine GESUNDE Haltung (kuschlig in eine Decke gelegt z. B.) sind GRUNDVORAUSSETZUNG! Solche Fotografen sollten mal Rücksprache mit einer Physiotherapeutin nehmen, was da alles passieren kann.

    Letztendlich muss jeder für sich entscheiden was gefällt und was Kitsch ist. Mir persönlich ist der Blick aufs Wesentliche und eine gewisse Natürlichkeit (so weit wie das im Kommerziellen manchmal machbar ist) sehr wichtig.

    Und was man nicht vergessen darf. Babys haben sehr viele Bedürfnisse und so ruhig und clean wie die Bilder aussehen, so einfach ist der Job nicht! Es ist auch immer wieder eine Herausforderung.

    LG AnettB.

  58. [...] muss ich aber noch loswerden. Der Artikel vom Martin auf Kwerfeldein über diese Art der Kinderfotografie hat mir zutiefst aus der Seele gesprochen. Das sehe ich [...]

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