Redaktioneller Beitrag03.02.2010 / 13:46

Miniatur-Fotografie: Die superrealistischen Aufnahmen des Michael Paul Smith

Miniaturen zu fotografieren ist eine Tätigkeit, der ich, sagen wir mal, sehr selten oder nie nachkomme. Bis auf nette Spielereien mit dem Bokeh und dem Einsatz von Tilt-Shiftobjektiven in der “normalen Welt” kann ich dem Ganzen nicht viel abgewinnen. Zu viel Gefrickel und die Märklin Eisenbahnen meines Vaters fand ich schon früher nicht ganz so spannend.

Heute morgen habe ich meine Meinung etwas korrigiert, denn ich wurde überrascht, verblüfft und sprachlos gemacht. Wie?

Über Umwege gelangte ich auf ein Set von Michael Paul Smith, genannt Photos of my models. Ich zappte die Fotos durch, dachte “naja” und wurderte mich über die Zugriffszahlen des Sets im 7-stelligen Bereich. Erst dann las ich mir die Beschreibung durch (-> wir sehen: Es macht durchaus Sinn, auch mal Beschreibungen zu lesen) ;)

Mittendrin wurde ich auf diesen Satz aufmerksam:

NO PHOTOSHOP WAS USED IN THESE PICTURES. IT’S ALL STRAIGHT FROM THE CAMERA.

“Wie jetzt. Die Fotos sind alle mit Modellautos gemacht?”

Ich war etwas betroffen darüber, dass ich es beim ersten Mal nicht sofort gemerkt hatte. Also die Fotos nocheinmal angeschaut und bei genauerem Betrachten wurde klar, dass das keine echten Autos sind. Jetzt war ich noch mehr durcheinander als vorher.

“Warum sehen diese Fotos denn so verdammt echt aus? Die Hintergründe, die Bäume und der Himmel – das kann doch nur mit Photoshop reingemogelt werden.”

Doch irgendwann landete ich dann bei diesen Fotos, die das Geheimnis lüfteten. Offenbar nahm der gute Smith seine Miniaturen manchmal samt Unterlage raus in die Natur und fotografiert sie dann eben im Kontext. Noch ein Beispiel? Vorher, nachher.

“Käpsele” sagt man hier im Süden.

Schlagworte: ,

Dies ist ein Artikel von Martin Gommel.

Als Herausgeber von KWERFELDEIN sinnt Martin hier mit Autoren, Gesprächspartnern und Lesern in Wort & Bild der Fotografie nach. Meist mit einer gesunden Prise Skepsis, dem Ziel, den kreativen Horizont zu erweitern und einem Augenzwinkern. ;-)

37

Kommentare

  1. manne sagt:

    auf jeden fall schick gemacht!

  2. sven sagt:

    Da kann sich so ziemlich jeder Modelleisenbahnbesitzer eine Scheibe von abschneiden, realismus pur. Liegt vermutlich auch daran, dass die Fotos im Freien gemacht sind. Man erkennt das Plastik bei vielen Autos, aber man muss wirklich genau hinschauen. Oft sind es die kleinen Dinge wie der perfekte Himmel der bei der Täuschung hilft.

  3. Besonders beeindruckend finde ich, wie der reale Hintergrund mit den Miniaturen kombiniert wird. Es ist wohl alles eine Frage der Perspektive. Danke für ‘s Zeigen.

    Sven

  4. Ramon sagt:

    Unfassbar realistische Bilder. Danke!

  5. Alex sagt:

    wunderbare Bilder, das hat mich umgehaun! er beschreibt leider nichts zur technischen Ausführung, dh welches Objektiv er benutzt.. Blende wird offensichtlich (meiner Meinung nach) recht hoch gewählt, man braucht ja die Tiefenschärfe!

    auf jeden fall ne super idee!

  6. Ha, genial. Irgendwie intuitiv habe ich, bevor ich deinen Artikel gelesen habe, erstmal den Flickr-Stream besucht. Ähnlich wie du bin ich auch von Foto zu Foto immer verwirrter geworden. Sind das Modelle oder echte Autos? Hat er beides vermischt? Schön, dass ich durch deine Worte dann zur Lösung gekommen bin. Man merke: Auch die Artikel zu den Fotos sind das lesen Wert (um mich mal an Martin’s Worte anzulehnen ;-) ).

  7. Alexander sagt:

    Sehr geniale Entdeckung! Wirklich viel Liebe zum Detail steckt der Herr in seine Arbeiten.

    LG Alexander

  8. deralex sagt:

    Sei detailverliebt der Mann. Irre, man muss wirklich genau hinschauen um die Modelle zu erkennen.

  9. Wiebke sagt:

    Nicht schlecht Herr Specht – aber ich schätze auch mal so grob, dass die Modelle nicht gerade im H0 Format gebaut sind sondern eher Spur 1 (1:32) oder noch größer. Also Martin – da hättest Du vermutlich bei der Modelleisenbahn von deinem Vater auch nicht ganz den Erfolg gehabt (falls das jetzt ein Trost ist)… Da bekomm ich fast schon wieder lust meine alte Modelleisenbahn rauszuholen (paßt nur nicht in meine Wohnung) und dran zu basteln… obwohl Spur N war irgendwie zu anfällig für mich.

  10. nikesch sagt:

    boahhh dass ist der hammer
    ich habe es anfangs auch nicht erkannt:D

  11. Juergen sagt:

    Wirklich sehr geniale Bilder. Vermutlich hast du gestern auch auf Galileo (Pro7) den Beitrag “Ein Bild, eine Geschichte: Haus ohne Fenster” gesehen. Da ging es um einen deutschen Fotografen, der das selbe macht.
    Wen es interessiert, man kann die gestrige Folge online auf Pro7 ansehen.

  12. robin droste sagt:

    öhm … freak !? :D sehr beeindruckend. wie solche kleinen dinge soviel hermachen können.
    cool so ein blick in die verschiedensten richtungen die fotographen einschlagen.

  13. Basti sagt:

    Das ist echt mal unglaublich! Danke für die schönen Bilder und ein riesen Lob an Michael Paul Smith!

  14. lodger sagt:

    meine rster gedanke war “wtf?”, mein zweiter “wtf?!”, mein dritter “WTF!!!1elf”. bei manchen fotos sieht man ja nichmal, dass es modelle sind obwohl man es weiß. echt großartig

  15. Josef sagt:

    Danke für den Link. Fantastisch diese Miniaturfotos.

  16. wulhlm sagt:

    Schon ‘ne geile Sache! Und das alles macht er mit einer Kompaktkamera! Find ich gut :D

  17. EroPhoto sagt:

    Sau gut gemacht! Kann nicht jeder. Kommt auch echt selten vor in der Fotografie. Aber für mich wäre das nichts. Ich habs nicht so mit “kleinen Dingen” haha.

  18. Marcus Kober sagt:

    Großartig!
    Ich zeigte ein paar der Fotos gerade meiner Freundin – ohne Kommentar. Ihre Reaktion: “Na und? Doofe Autofotografie…”. Als ich’s aufklärte, war das Staunen groß. :)

  19. JustPhotographing sagt:

    Nicht schlecht!
    Der Herr steckt halt dafür mehr Zeit in seine realistischen Modelle.
    Der hier
    macht für sowas ähnliches 109 Fotos oO.

  20. Micha sagt:

    Absolut genial. Danke für den Hinweis!

  21. Arne sagt:

    Nice, viele der Fotos haben das Feeling eines alten Filmes der vor einer grünen Wand gedreht wurde.

  22. philipp sagt:

    haha, klasse! genie der typ!

  23. Enno Kiel sagt:

    Das sind keine Modellautos! Der Mann ist einfach, aufgrund von Medikamententests seiner Mutter während der Schwangerschaft, ein Riese geworden!

    Klasse Arbeiten!

  24. josef sagt:

    Die Kamera ist übrigens eine Sony W50 http://www.flickr.com/cameras/sony/dsc-w50/
    Interessant!

  25. Ronny D. sagt:

    WOW.
    Ich habe für Modellbau nicht viel übrig.
    Aber ich muss ganz ehrlich meinen Respekt aussprechen für Leute die in akribischer und tagelanger Kleinarbeit solcher Miniwelten erschaffen.
    Auch dem Fotografen vollem Respekt für die detaillierten Arbeiten.
    @Martin: Danke für den Hinweis. Schön mal wieder ein anderes Gebiet der Fotografie zu sehen.

  26. Sven G. sagt:

    Kann mich hier auch nur anschließen ….Klasse Arbeit!

  27. daRONN sagt:

    Ich wollte noch kurz etwas zu deinem zitierten Satz NO PHOTOSHOP WAS USED IN THESE PICTURES. IT’S ALL STRAIGHT FROM THE CAMERA. anmerken. Wie kommst du darauf, dass darin enthüllt wird, dass es sich um Modellautos handelt? Verstehe ich irgendwie nicht…

  28. Tom sagt:

    Bin zwar sonst auch kein Miniaturfan, aber das ist wirklich beeindruckend! Akribie und Kreativität!

    Hatte bisher eigentlich nur einen Miniaturfotografen, der mir im Hirn geblieben ist, das ist das “The Unseen War”-Set von Velvet G.

  29. gruftigirl sagt:

    So etwas kann unglaublich entspannend sein ;-)

  30. David sagt:

    Das hat was!!
    Wie groß sind die Autos??
    Es sieht echt aus als wärs alles gar kein Miniaturgestell.
    Da muss ich echt sagen: Respekt!!

  31. [...] Matthew Albanese 04.02.10 – Photographie, Sonstiges Als ich gestern bei Martin von Kwerfeldein den Beitrag zur Miniatur-Fotografie von Michael Paul Smith gelesen habe musste ich ein wenig schmunzeln, denn eine ähnliche Reaktion hatte ich vor kurzem [...]

  32. [...] einen Artikel auf http://kwerfeldein.de bin ich auf eine super geniale flickr Seite [...]

  33. So. sagt:

    Wow! Die sehen echt auf den ersten Blick alle total echt aus, kaum zu glauben das es sich dabei “nur” um Modellautos handelt :-)

  34. Benedikt sagt:

    Das ist eine wunderbare neue Welt. Klasse Modelle und klasse Fotos. Die Größenverhältnisse wären interessant zu kennen.

  35. Super gelungene Bilder. Ich habe vor einiger Zeit ( letzter Sommer ) ein paar gute Aufnahmen von Instekten mit nem Tamron Objektiv hinbekommen….

Schreib einen Kommentar

In unserem Austausch auf kwerfeldein.de wollen wir freundlich und respektvoll miteinander umgehen. → alles lesen.

Wie im echten Leben ist auch hier eine Grundlage der Kommunikation Achtung und Wertschätzung des Gegenübers. Und da wir hier ausschließlich in Worten miteinander kommunizieren (und somit Mimik, Körperhaltung und Betonung des anderen nicht sehen), ist es hilfreich uns freundlich, offen und klar auszudrücken, dabei aber ersteres nicht ausser Acht zu lassen.

Es bietet sich ebenfalls an, ohne Nicknames sondern mit echten Namen zu kommentieren, da dies Transparenz fördert und wir tatsächlich wissen, mit wem wir sprechen.

Wir müssen dafür nicht immer einer Meinung sein und gerade der kontroverse Diskurs zu einzelnen Themen ist hier - unter Berücksichtigung des ersten Punktes (Achtung und Wertschätzung) - sehr erwünscht. Artikel werden nicht selten um Erkenntnisse aus den Kommentaren via Update nachträglich ergänzt.

Sollte es dennoch zu persönlichen Angriffen gegen Autoren oder andere Kommentatoren kommen, werden Bemerkungen editiert oder im Einzelfall (auch im Nachhinein) gelöscht und somit von der Seite genommen. Dies geschieht zum Schutz der Autoren und Beteiligten.

Das Löschen gilt auch für SEO-Kommentare, solche werden als Spam markiert.

Wir alle wissen, dass unsere Sicht der Dinge nicht vollkommen ist und wir somit einander brauchen, um gemeinsam und miteinander die Dimensionen der Fotografie zu entdecken. In diesem Bewusstsein werden auch die Artikel geschrieben und erheben deshalb keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Makellosigkeit. Das gilt auch für die gezeigten Fotos.

Ich, das Team und die Gastautoren freuen uns somit sehr auf anregende Diskussionen, Austausch und natürlich auch kritische und hinterfragenden Kommentare. Wir sind hier in dem Bewusstsein, Lernende zu sein und uns gegenseitig mit neuen Ansichten in einem fortlaufendem Prozess zu bereichern und Horizonte zu erweitern.

↑ Diesen Abschnitt schließen.

Wenn du möchtest, dass ein Bild zu deinem Kommentar angezeigt wird, dann melde dich bei gravatar.com an.


kwerfeldein.de als E-Mail?
Einfach E-Mail eintragen:

Versandt von FeedBurner