Redaktioneller Beitrag05.01.2010 / 12:38

Toni Frissell – Fotografin, 1907-1988

Toni Frissell - FotografinHeute möchte ich Euch die bereits verstorbene Toni Frissell vorstellen. Frisell war eine amerikanische Fotografin, deren Bilder noch heute große Aufmerksamkeit genießen und nicht zufällig hohen Wiedererkennungswert haben.

Toni Frisell, die eigentlich Antoinette Frissell Bacon hieß, wollte 1931 als Texterin bei der Modezeitschrift Vogue arbeiten – doch ihre Fähigkeiten waren zu begrenzt, sodass sie den Betrieb verlassen musste. Doch Frissell lies nicht locker und bekam eine zweite Chance, diesmal als Fotografin.

Toni Frissell - Fotografin
Weekie Watchee Spring, Florida 1947: Eins der bekanntesten Fotos, welches seither häufig verwendet wurde.

Mit ihren Modeaufnahmen von Frauen erregte die Fotografin hohes Aufsehen, denn sie lichtete ihre Damen nicht im sicheren Studio, sondern vorzüglich draussen in der Natur ab. Ihre Unterwasseraufnahmen sind bis heute bekannt und haben kein bisschen an Tiefe verloren.

Toni Frissell - Fotografin
“Fashion model underwater in dolphin tank, Marineland, Florida”, 1939

Im Laufe der Zeit wurde Frissell zunehmend frustrierter über ihre Arbeit in der Fashion- und Modebranche. Sie sagte:

“I became so frustrated with fashions that I wanted to prove to myself that I could do a real reporting job.”

http://www.loc.gov/exhibits/wcf/images/wcf071b.jpg
1941 entschloss sich die erfolgreiche Fotografin, beim amerikanischen Roten Kreuz den Krieg zu dokumentieren und wurde später offizielle Fotografin des Women’s Army Corps. Nicht selten gab es deshalb Spannungen in ihrer Familie, die sie lieber zu Hause gesehen hätte. Frissell aber war es wichtig, Probleme zu zeigen und hielt an ihrer Bestimmung fest.

Toni Frissell - Fotografin
“Battersea incident, England, January 1945–girl among the ruins, British flag overhead. Corresponds to V2 rocket bombing of Battersea, in London, of 27 January 1945: 17 people killed, 20 houses destroyed, dozens more houses damaged.”

Toni Frissell - Fotografin
Toni Frissell erklärt Kindern die Funktionen ihrer Kamera. Irgendwo in Europa.


“Members of the 332nd Fighter Group attending a briefing in Ramitelli, Italy, March, 1945.”

Toni Frissell - Fotografin
Berlin, Oktober 1961

Toni Frissell - Fotografin
“Rua Medieval em Alfama, Lisboa, Portugal”

Frissell war unter anderem auch als Sportfotografin tätig und portraitierte zusätzlich wichtige Persönlichkeiten.


Pferdezüchter Ambrose Clark, 1953

Toni Frissell - Fotografin

Liz Taylor, Liza Todd and Mike Todd, 1957


“Michael Todd, half-length portrait, facing front, at the Jones Beach Theater on Long Island”, 1952

Toni Frissell - Fotografin
Lilli Palmer & Rex Harrison, 1950

Später in den 70er Jahren bekam Toni Frissell Alzheimer und wagte einen bedeutsamen Schritt: Sie spendete ihre gesamte Kollektion ihrer Fotos – ca. 300.000 Stück der Library of Congress, der amerikinischen Nationalbibliothek. Damit eingeschlossen war eine Auswahl ihrer 1.800 besten Fotos. Diese Fotos gehören daher der Public Domain und sind gemeinfrei.

Stellungnahme
Ich persönlich finde es superspannend, immer wieder mal einen Blick “nach hinten” zu richten und zu schauen, welche Fotografen den roten Faden bis zur heutigen Zeit gesponnen haben. Toni Frissell ist sicher eine der FotografInnen, die die Fotografie mit ihren Bildern, aber auch mit ihrer Persönlichkeit geprägt hat – und wir können deshalb auch über ihre Fotos hinaus viel von ihr lernen.

Quellen: Wikipedia (de, en); Library of Congress; Shorpy; arts.jrank.org; Wikimdia Commons

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Dies ist ein Artikel von Martin Gommel.

Als Herausgeber von KWERFELDEIN sinnt Martin hier mit Autoren, Gesprächspartnern und Lesern in Wort & Bild der Fotografie nach. Meist mit einer gesunden Prise Skepsis, dem Ziel, den kreativen Horizont zu erweitern und einem Augenzwinkern. ;-)

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Kommentare

  1. Saschagrafie sagt:

    Das erste Foto ist ja der absolute Knaller, oder?
    Tolle Künstlerin, toller Bericht. Danke!

  2. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Martin Gommel, Stephanie Frank erwähnt. Stephanie Frank sagte: WOW RT @kwerfeldein: Toni Frissell – Fotografin, 1907-1988 http://3.ly/frissell [...]

  3. Jan Sch. sagt:

    Schöne Anregung … ich geh mir mal ein paar Bilder von ihr anschauen! ;-)

  4. lodger sagt:

    wow, “berlin, oktober 1961″ is ziemlich heftig. kennt jemand den kontext? gestellt oder irgendeine form von protest?

  5. julivo sagt:

    Ich hatte bisher noch nie etwas von ihr gehört. Danke für deine Vorstellung :) Ich werd gleich mal nach weiteren Aufnahmen von ihr Ausschau halten.

  6. t0m sagt:

    Klasse Bilder und toll das sie sich berufen fühlte den Krieg aus ihrer Sicht zu dokumentieren!
    Ebenso Hut ab das sie ihre Bilder der Allgemeinheit freigegeben hat durch diese Spende! in meinen Augen ein sehr großer, selbstloser Zug!
    Ich liebe Bilder aus dieser Zeit

  7. jana sagt:

    Wie spannend- der Name war mir bis gerade eben völlig neu- allerdings kenne ich tatsächlich 2 Fotos von ihr- das erste Unterwasserfoto und das Foto von Liz Taylor und Familie, das hab ich schon so oft bewundert, es hat eine solche Tiefe und ruhige Ausstrahlung. Danke für diese Vorstellung!

  8. Phil sagt:

    Sehr schöne Fotos! Erstaunlich, für diese Zeit! Berlin, Oktober 1961 finde ich auch sehr krass!

  9. Tamer sagt:

    Wirklich tolle Fotografien und interessant zusehen woher oftmals heute die Inspiration von Fotografen herkommen.

  10. Sven Droste sagt:

    Ein Fotograf hat vor nicht all zu langer Zeit mal zu mir gesagt, dass es sich oftmals lohnt sich einfach um zudrehen und hinter sich zu schauen. Man könne dann ganz neue Dinge erblicken. Dass das nicht nur auf Raum, sonder auch auf die Zeit zu beziehen ist, hat er nicht erwähnt. Danke für den Tipp.

  11. Kirmesheld sagt:

    “Ihre Unterwasseraufnahmen [...] haben kein bisschen an Tiefe verloren.”

    Haha, vielen Dank dafür. ;-)

  12. Pakami sagt:

    Wow! Sehr interessante Künstlerin, von der ich vorher noch nie gehört habe. Vielen Dank für den Tipp !

  13. Wunderbare Bilder, danke für den Beitrag!
    Die Frauen im Wasser erinnern mich an die Aufnahmen einer meiner grossen zeitgenössischen Vorbilder. Beat Presser (Div. Porträtaufnahmen Klaus Kinski) hat in seiner Serie “Oasis of Silence” (siehe http://oasisofsilence.blogspot.com/) wunderbare Bilder geschaffen, welche die meditierenden Mönche und Nonnen im Wasser zeigen. Sehr zu empfehlen!

  14. @Martin: Leider nein. Presser fotografiert ausschlisslich Analog, vergrössert in einem kleinen Labor in Basel, digitalisierte Abzüge sind auf dem Netz höchst selten zu finden.

    Einige Bilder von Presser sind auf der Seite der Galeria Cons Arc (Chiasso, CH) zu finden http://www.consarc-ch.com/URLnuovo/galle/presser/presser.html oder bei Presser direkt http://www.beatpresser.com/

    Wenn mal die Möglichkeit besteht empfehle ich jedem wärmsten diese Bilder mal von nahe zu betrachten. Oder das Buch bei Amazon zu bestellen.

    http://www.amazon.de/Oase-Stille-Buddhismus-Beat-Presser/dp/3716513962/ref=sr_1_4?ie=UTF8&s=books&qid=1257600771&sr=8-4

  15. Ucki sagt:

    Interessant ist auch das man erkennt das ihre Bilder spätere Filme inspiriert haben. Die Fightercrew ist also zB mir gleich in die Augen gesprungen …

  16. EroPhoto sagt:

    Schöne Bilder, toller Bericht! :)

    Ero

  17. Daniel Zimmermann sagt:

    Wow, ich kannte diese Dame auch nicht. Von daher bin ich dir sehr dankbar Martin! Die Foto´s sind alle richtig richtig gut! Aber das von Liz Taylor und ihrer Family haut mich um. Bin echt sprachlos.
    Da frage ich mich dann immer wieder, kann man solche Foto´s eigentlich auch mit unseren heutigen DSLR´s machen? Oder bleibt dieser einmalige flair im Bild nur analogen bzw. Plattenkameras vorbehalten?
    Wäre nett wenn jemand dazu was sagen könnte.

    Gruß Daniel

  18. klaus sagt:

    Schöner und interessanter Bericht.

    Klasse Foto “Rua Medieval em Alfama, Lisboa, Portugal”
    Das Licht, die Stimmung – einfach Perfekt.

  19. Jan Sch. sagt:

    Um Deinem “behind the scenes” Feedback zu geben: ich fände weitere FotografInnen-Vorstellungen gut – eine Serie von Klassikern, quasi. :-)

  20. Julia sagt:

    habe heute zum ersten mal von ihr gehört und war gleich von den bildern begeistert! danke dafür!

  21. Ruggero sagt:

    Jaaaa… sowas begeistert!
    Das ist die hohe Kunst des fotographierens! Von dieser tollen Künstlerin muss ich mir mehr holen, unbedingt!

    Genialer Bericht Martin, herzlichen Dank dafür!

    Gruss Ruggero

  22. @Daniel Zimmermann: Da muss man sich weit auf die Äste rauswagen bei Deiner Frage. Ich versuchs mal.

    Technisch lässt sie sich leicht beantworten. Ja! Die digitalen Methoden und die heutigen Materialien sind so weit entwickelt, dass technisch die meisten Resultate analog der Bilder obennach “generiert” werden können.

    Was aber schwieriger ist um solche Bilder zu schaffen, ist der Pioniergeist, das Avantgardistische aus dieser Zeit. Ich Philosophiere wenn’s um Bilder geht. Aber, kopieren wir oder lassen wir uns inspirieren? Oder ist die Frage viel eher jene, wie wir in der heutigen Zeit mit dem Medium der Fotografie umgehen?

    Auch die Frage des Inhalts sollte mit “Ja!” beantwortet werden. Nur bedingt dies nicht die Technik in den Vordergrund zu stellen, sondern eine klare Haltung des Fotografen, wie die Fotografie zu Kommunikationszwecken eingesetzt wird …

  23. Sehr interessanter Bericht und sehr schöne Fotos.Ich schaue immer wieder gerne auf kwerfeldein vorbei.Bis demnächst und schöne Grüsse….Clemens-Martin

  24. Johannes sagt:

    Echt hammer Bilder. Selten etwas so inspirierendes gesehen. Werde definitiv mehr S-W fotografieren.

  25. Bine sagt:

    Die Unterwasseraufnahmen sind der absolute Hammer… :) :)

  26. mitch sagt:

    Danke Martin!
    @Daniel Zimmermann + Der Bebilderer: denke, dass (aus eigener Erfahrung) oft viel zu viel über Technik analog/digital nachgedacht wird, Inspiration, handwerkliche oder vielleicht Kunstfertigkeit + wie ein berühmter Fotograf auf die ent- sprechende Frage sagte: vor Ort sein und Blende 8 – sind wichtiger…

  27. gruftigirl sagt:

    Ich habe nur ein Wort parat für diese Fotografin und ihre Bilder:
    GEIL!!!!!!

  28. [...] eine Toni Frissell, nachdem sie an Alzheimer erkrankt ist, ihr Gesamtwerk von 300.000 Fotos an die Nationalbibliothek [...]

  29. Sehr beeindruckende Fotos. Athmosphärisch sehr dicht.

  30. Kai sagt:

    Absolute top Unterwasserbilder.
    Die konnte echt die Stimmung einfangen.
    Große Klasse!

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