Dies ist ein Gastartikel von Johannes Heuckeroth (twitter). Er ist Mediengestalter, studiert aktuell in Nürnberg Design und frönt nebenbei seinem Hobby, der Fotografie. Sein Schwerpunkt liegt dabei zur Zeit im Bereich Architektur. Er hat einen Fotoblog, betreibt einen Blog über die Stadt Fürth und hat vor kurzem einen Zeitraffer-Film veröffentlicht.
Jeder kennt sie, die faszinierenden Szenen, in denen Wolken oder Sternenbilder über den Himmel ziehen, beeindruckende Lichtsituationen entstehen und Menschen oder Autos wie Ameisen durchs Bild huschen. Die Rede ist von so genannten Zeitraffer-Filmen.
Seit einigen Jahren findet man im Netz zahlreiche dieser Filme, teils einzelne Sequenzen, teils perfektionistisch ausgearbeitete, mit passender Musik untermalte kleine Meisterwerke.
Im heutigen Artikel geht es um das grundlegende Prinzip der Zeitraffertechnik. Darauf aufbauend werde ich in zwei weiteren Artikeln alle wichtigen Informationen zum Erstellen eines Zeitraffer-Films anhand eines Beispiels erläutern.
Das Prinzip
Wie das Wort „Zeitraffer“ eigentlich schon sagt, wird bei dieser Technik die Zeit gerafft, also verkürzt. Alles läuft schneller ab als in der Realität. Um diesen Effekt zu erzielen gibt es zwei verschiedene Techniken.
Die erste Möglichkeit besteht ganz einfach darin, mit einer Videokamera zu filmen und das aufgenommene Material später in der Nachbearbeitung zu beschleunigen. Hier eignet sich grundsätzlich jede Kamera.
Umso besser die Qualität, umso besser logischerweise das Endergebnis. Hervorragende Möglichkeiten bietet zum Beispiel der aktuell stark wachsende Markt der Spiegelreflexkameras mit Videofunktion.
Die zweite, etwas aufwändigere Methode besteht darin, Einzelbilder mit einer digitalen Fotokamera aufzunehmen und diese Einzelbilder später zu einem fortlaufendem Film zu kombinieren. Hierbei wird sich der Effekt zu Nutze gemacht, auf dem bewegtes Bild ganz grundsätzlich beruht:
Ab einer gewissen Anzahl von Bildern pro Sekunde kann das menschliche Auge die Einzelbilder nicht mehr von einander unterscheiden und nimmt die Bilder beim Abspielen als fortlaufende Bewegung wahr.
Der entscheidende Fakt und Unterschied zum normalen Film: Die Einzelbilder werden in einem längeren, meist mehrere Sekunden dauernden Zeitabstand aufgenommen.
Ein Beispiel
Unser Ziel ist ein Zeitraffer-Film mit einer Länge von zehn Sekunden. Das menschliche Auge ergibt sich ab einer Frequenz von 16 bis 18 Bildern pro Sekunde der Illusion von bewegtem Bild. Ein üblicher Standard, zum Beispiel im europäischen Fernsehen PAL sind 25 Bilder pro Sekunde, was wir für dieses Beispiel nutzen.
Wenn wir also am Ende zehn Sekunden Film haben wollen, benötigen wir 25 x 10 Bilder. Das sind dann 250 Bilder die wir später mit 25 Bilder pro Sekunde abspielen werden. Nun müssen wir uns entscheiden, in welchem Zeitabstand wir diese 250 Einzelbilder aufnehmen. Grundsätzlich gilt: Umso kleiner der Zeitabstand zwischen den Einzelbildern, umso langsamer ist später der Eindruck der aufgenommenen Bewegungen. Wir entscheiden uns in diesem Fall für einen Abstand von fünf Sekunden.
Das heißt, wir machen nun alle fünf Sekunden ein Bild, bis wir 250 Aufnahmen zusammen haben. 5 Sekunden x 250 = 1250 Sekunden
Um also später eine Zeitraffersequenz von zehn Sekunden zu erhalten, benötigen wir einen tatsächlichen Zeitaufwand von ca. 21 Minuten. Wir komprimieren also letztendlich die Zeitspanne von 21 Minuten auf zehn Sekunden.
Wenn wir zum Beispiel einen Zeitabstand von zehn Sekunden zwischen den Einzelaufnahmen gewählt hätten, wären für zehn Sekunden Filmmaterial, 42 Minuten Aufnahmezeit nötig gewesen. Dementsprechend wären die Bewegungen im fertigen Film doppelt so schnell abgelaufen wie in der 5-Sekunden-Variante.
Welcher Zeitabstand richtig ist, hängt vom jeweiligen konkreten Fall ab und davon welche Wirkung man erzielen möchte.
Das soll es für den Anfang erstmal gewesen sein, im zweiten Teil des Artikels werde ich euch Anhand dieses Films ganz konkret erläutern, welche einzelnen Schritte zur Erstellung eines solchen Films nötig sind und was es alles zu beachten gibt.
Die Zeit bis dahin könnt ihr euch zum Beispiel mit diesen beeindruckenden Zeitraffer-Filmen vertreiben:
Viel Spaß damit!
Verwandte Artikel zu diesem Thema:
4. 11. 2009 um 9:24 Uhr
Man sieht im Video schoen deutlich, dass 10 Sekunden mit viel tatsaechlicher Zeit eingedeckt werden kann. Freu mich schon auf die beiden anderen Artikel.
4. 11. 2009 um 9:25 Uhr
Social comments and analytics for this post…
This post was mentioned on Twitter by kwerfeldein: Zeitraffer-Videos: Wie funktioniert das eigentlich? http://bit.ly/nXoog…
4. 11. 2009 um 9:40 Uhr
Jetzt wünsch ich mir ich hätte ne Kamera mit Videofunktion.Dann wär alles einfacher.Freu mich schon auf den zweiten Teil des Zeitraffer-Video Beitrages.
4. 11. 2009 um 9:43 Uhr
Haha, genial! Erst am Wochenende, als ich in den Bergen war, hab ich mir überlegt, wie das Zeitrafferthema genau funktioniert. Wir hatten geniales Inversionswetter…
Dann bin ich mal gespannt auf den zweiten Teil
4. 11. 2009 um 9:44 Uhr
Interessanter Artikel, ich muss ganz ehrlich zugeben das Video am Anfang hat mich dazu verleitet weiterzulesen da es mich interessiert hat wie man so Etwas auf die Beine stellt.
Wenn man liest dass man für einen zehn Sekunden Film soviel Arbeit reinstecken muss hört sich die Variante mit dem Filmen, mit einer normalen Kamera wesentlich angenehmer an.
Gerade weil ich mir nicht vorstellen kann dass man tatsächlich in der Lage ist alle fünf Sekunden ein Foto zu machen und das über einen Zeitraum von 21 Minuten hinweg.
Freue mich schon auf die nächsten Artikel!
4. 11. 2009 um 10:00 Uhr
Ich experimentiere gerade mit meinem Smartphone (N95) herum. Die Kamerafunktion kann in einem bestimmten Abstand Bilder machen (alle 10 Sekunden, 30 Sekunden, 1 Minute, 5 Minuten…). Das Ergebnis ist dann eine entsprechende Bilderserie, die man mit allen gängigen Videoschnittprogrammen (sogar dem in Wondows eingebauten MovieMaker) zu einer Sequenz zusammensetzen kann. Macht Spaß und die 5 Megapixel sollten für ein HD-Video reichen (-:
4. 11. 2009 um 10:02 Uhr
tja und drum spare ich neben vielen Sachen auch auf den Timer Auslöser vonm Canon .. einstellen alle 5 sec nen Bild und gut ist … aber leider kann man sich Videos nicht so gut an die Wand hängen …
4. 11. 2009 um 10:03 Uhr
hui, klingt interessant…
kann mir aber auch nur schwierig vorstellen für 10 sekunden film, 21 minuten lang alle 5 sekunden auf den auslöser zu drücken. Gibts nich sowas wie einen fernauslöser, den man programmieren kann?
4. 11. 2009 um 10:08 Uhr
Interessanter Artikel – auf den zweiten Teil bin ich schon sehr gespannt!
4. 11. 2009 um 10:40 Uhr
Ich habe mich schon öfters gefragt, wie man solche Videos bastelt und nun kommt Dein Artikel zu diesem Thema
Jetzt bin ich noch mehr auf den zweiten Teil (Bildbearbeitung/Aufnahme) gespannt.
4. 11. 2009 um 10:48 Uhr
Der Fernauslöser von Canon taugt in ideser Hinsicht leider nicht viel, da Du nur maximal 99 Bilder in Folge aufnehmen kannst. Für richtige Time Lapse Projekte benötigst Du etwa 10 mal so viele Bilder. Außerdem hat er ein schlechtes Preis-/Leistungsverhältniss wie ich finde… Ich benutzte für meine Projekte z.B. folgenden: http://www.sternhimmel-ueber-ulm.de/timer00.htm
4. 11. 2009 um 11:06 Uhr
…ach, bevor ich es vergesse-Fotoburschen.de haben letztens auch einen Fernauslöser gestestet. Zwar nicht gerade günstig, dafür im Gegensatz zum oben genannten schneller verfügbar. http://fotoburschen.de/promotecontrol-im-praxis-test-fernbedienung-fur-hdr-junkies-1439/comment-page-1/#comment-419
4. 11. 2009 um 11:18 Uhr
Man kann auch die Kamera ganz einfach per USB mit dem Laptop verbinden und da mit der Software (EOS Utility oder wie das Ding bei Canon heisst) den Zeit-Intervall einstellen. So macht die Kamera dann z.b. alle 10 Sekunden ganz automatisch ein Bild, welche dann sogleich auch auf die Festplatte gespeichert werden. Somit dürfte das Platz-Problem auch behoben sein.
4. 11. 2009 um 11:23 Uhr
Für Canon-Kameras gibts ein Programm, welches per USB auch solche Aufnahmen steuert. Auch Belichtungsreihen mit mehr als 3 Stufen sind hiermit möglich.
Leider ist mir der Name gerade entfallen…
4. 11. 2009 um 11:26 Uhr
[...] kwerfeldein.de – Gastartikel von Johannes Heuckeroth über Zeitraffer-Videos (Teil 1) Teil 1 des Artikels über Zeitraffervideos und wie man solche erstellen kann. Liest sich schonmal sehr gut, ich bin gespannt auf den zweiten Teil und ich hoffe es wird noch drauf eingegangen, wie man mit einer DSLR so ein Video aus Einzelbildern erstellen kann. [...]
4. 11. 2009 um 11:43 Uhr
Danke für diesen Interessanten Beitrag! Freu mich auf das nächste! gruß cagi
4. 11. 2009 um 12:00 Uhr
pfn :rockon :gumbo
4. 11. 2009 um 12:14 Uhr
Gut gelungener Artikel. Das tolle daran ist, dass ich auch in Fürth wohne und dass so eine wichtige Person bei uns in der Stadt lebt
Zufälle gibts…
Wenn ich mal viel Zeit habe wage ich mich auch mal an soclh Videos.
4. 11. 2009 um 13:14 Uhr
Ein Zeitraffervideo möchte ich schon seit sehr langer Zeit machen, leider fehlt mir dazu die Landschaft bzw. ein Ort, der es Wert ist
Und natürlich fehlt mir das Wissen und ob ich das mit meiner 350d überhaupt machen kann
danke für den tollen Beitrag. Die Videos sind hervorragen, tolle inspiration
4. 11. 2009 um 14:28 Uhr
Wie schon in den obigen Kommentaren erwähnt, kann man einen speziellen Auslöser oder einen Laptop zum automatisierten auslösen benutzen. Wird dann auch alles im zweiten Artikel erläutert
Danke für euer Feedback!
4. 11. 2009 um 14:29 Uhr
Danke für die Anregung. Endlich mal etwas, womit ich die Intervallfunktion meiner K20D etwas beschäftigen kann.
Frage mich, warum ich nie selbst auf die Idee gekommen bin :-/
4. 11. 2009 um 14:45 Uhr
Freue mich auch schon auf die weiteren Artikel. Wollte schon immer sowas ausprobieren
Viele Grüße
Flo
4. 11. 2009 um 15:31 Uhr
cool, die d700 hat dafür ne funktion
nur zur info…
4. 11. 2009 um 16:17 Uhr
Hat das schon mal einer hier mit eine Fotokamera gemacht?
Also das mit den Bildern alle 5 Sekunden.
4. 11. 2009 um 16:46 Uhr
@ hiplipp:
die brauch ich
4. 11. 2009 um 17:43 Uhr
seeehr interessanter Artikel werd ich mal bei gelegenheit ausprobieren sofern ich die Zeit dazu finde
4. 11. 2009 um 17:49 Uhr
Klasse, bin ebenfalls schon auf den zweiten Teil gespannt!
4. 11. 2009 um 18:23 Uhr
Hab mir auch schon länger vorgenommen mal sowas auszuprobieren, wenn auch erstmal im kleineren Rahmen. Sehr interessanter Artikel, freue mich schon auf den nächsten Teil =)
Quasi Off-Topic: Kann mir jemand sagen wie das Lied aus dem Video heißt? ;-D
4. 11. 2009 um 20:56 Uhr
“Umso besser …, umso besser …” – das sprachliche Unglück ist mehrfach drin. Bitte das nächste mal weglassen.
4. 11. 2009 um 20:57 Uhr
Ach ja, für alle, die nicht lesen können oder wollen: das Lied ist “Chicago” von Sufjan Stevens.
4. 11. 2009 um 21:15 Uhr
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Martin Gommel, Marcel Widmer, sara parker, Addison-Wesley , Sylke und anderen erwähnt. Sylke sagte: RT @kwerfeldein Zeitraffer-Videos (Teil 1): Wie funktioniert das eigentlich? http://url4.eu/hBzI [...]
4. 11. 2009 um 21:26 Uhr
haha, genau heute habe ich meine Kamera geschnappt und habe 2 Sequenzen für ein Zeitraffervideo gemacht, und jetzt lese ich diesen Artikel
4. 11. 2009 um 21:30 Uhr
@Karl: Ich glaub hier können alle lesen
4. 11. 2009 um 23:17 Uhr
@Daniel
Würdest du im Forum das Ergebnis zeigen und deine Erfahrungen berichten? Wäre echt super nett!
4. 11. 2009 um 23:17 Uhr
Sehr schön, ich freue mich auf die anderen Teile.
Seit langem habe ich so etwas mal vor. Fand den verlinkten Film sehr inspirierend.
5. 11. 2009 um 11:19 Uhr
Hui, da klingt ja wirklich interessant. Fand diese Zeitrafferfilmchen schon immer sehr ansprechend.
Wenn man aber schon 21 Minuten für 250 Aufnahmen braucht und das am Ende 10 Sekunden Film sind, muss man ja wirklich viel Geduld aufbringen, wenn man ein paar Minuten Film erstellen will! Und das Wetter muss mitspielen
Und da wünscht man sich wohl wirklich so eine Hilfe für die Kamera, um nicht selbst alle 5 Sekunden den Auslöser drücken zu müssen.
Mit Bildern wird das ganze trotz hohem Zeitaufwand nochmal spannender, als mit einer Videokamera, finde ich!
5. 11. 2009 um 19:32 Uhr
Zeitraffer-Videos mit handelsüblichen DSLRs…
Wie jetzt? Wie passen “normale” Digitale Spiegelreflexkameras und Zeitraffer-Videos zusammen? Klar – heute gibt es auch schon DSLRs, mit denen man sogar Videos in HD-Qualität aufzeichnen kann. Vor wenigen Jahren noch war es ein D…
8. 11. 2009 um 0:04 Uhr
[...] ausprobieren. Schaut euch aufjeden Fall seine Erklärung zum erstellen eines Zeitraffer Videos an: Teil 1 – Wie funktionierts? , Teil 2 – Ein Praxisbeispiel , Teil 3 – Digitale Weiterverarbeitung Share and [...]
12. 11. 2009 um 20:58 Uhr
Wer Lust auf basteln hat kann sich auch einen Fernauslöser selber bauen:
http://timmsuess.com/intervaluino/