Redaktioneller Beitrag28.06.2009 / 09:00

Stephan Sachs: Portraits in Schwarzweiss

Mütze, Brille, Tasche, Kamera, Zigaretten, Feuer, Schlüssel, Telefon, Spass. Alles dabei…kann losgehen. Ich gehe spielen. Falls das nicht der Fall ist bin ich Mediendesigner, Kaffeetrinker, Geniesser und jemand, der im Großen und Ganzen in den Tag hinein lebt. Ich liebe Fotos, ich mag den Moment, ich bin spontan, ich warte, ich schaue genau hin – ich drücke ab – “Klack”!  Ich? Stephan Sachs, mein Name.

Das Ergebnis meiner Streifzüge durch unsere hektische Zeit sind auf meinem Fotoblog fischimglas.de zu sehen.

*Klack!* – Ob ich dich gerade fotografiert habe? Klar. Warum? Weil ich sonst eher Natur, tote Mäuse, Gewitter und Dinge von oben vor der Linse habe? Ne, ich probiere derzeit mal was anderes, Portraits.

Im Lauf der Zeit, in der man sich mit der Fotografie beschäftigt kommt man sicherlich einmal an den Punkt, an dem man gerne Personen aus der Nähe fotografieren möchte. Das ist von Fall zu Fall nicht nur für den Fotografierenden Neuland sondern auch für die fotografierte Person. Ich habe versucht Personen so zu fotografieren, dass sie am wenigsten künstlich erscheinen, oder anfangen, in eine Rolle zu schlüpfen. Nur, wie stellt man das an?

Ich habe für mich festgestellt, dass er sehr vorteilhaft ist, wenn die Leute entspannt sind, tun, was sie gerne machen, oder bei dem, was sie tun nicht gestört werden. Nachdem ich das einmal verstanden und nicht jede zweite Situation mit einem “Kuck doch mal!”, “Kannst du nicht mal lächeln” oder “Hey, Foto!” ruiniert hatte war meine Fotografie was Portraits angeht nun eine andere. Es ist ein ganz anderes Gefühl gewesen so zu fotografieren – und dieses Gefühl gefällt mir sehr gut. Man schärft den eigenen Blick für das Wesen und Tun der Person, ein Ist-Zustand, lernt sie gegebenenfalls besser kennen, kann auf sie eingehen und ist nicht mehr nur der, der mit der Kamera in der Hand umherspringt, Wünsche zu Positionen und Mimik äußert, sondern nimmt teil an dem, was die Leute beschäftigt, kann mitfühlen und miterleben.

Da ich Portraits in den meisten Fällen weder plane, größere Vorbereitungen für ein Shooting treffe, noch in irgendeiner Form Studio-Equipment verfüge (mehrere Blitze, Generatoren oder Reflektoren und was es nicht alles gibt) hängt mein Foto meist von den äußeren Umständen, z. B. den Lichtverhältnissen ab. In dem Fall arbeite ich mit dem, was da ist. “Keep it simple.” habe ich einmal gelesen und bin seitdem davon inspiriert und angehalten, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, möglichst ohne mir vorher stundenlang Gedanken über Technik, Ausführung und Umsetzung zu machen. Es ist immer eine kleine Herausforderung zu sehen, die man mit dieser und jener Lichtsituation am besten umgeht, übt, oder es unter Umständen auch einfach sein lässt ein Foto zu machen – ist natürlich schade, aber manchmal einfach besser so. Gut, es kann durchaus auch passieren, dass ich für ein Foto keine Freigabe bekomme – nichts zu machen.

Zu meiner Spontaneität kommt dazu, dass ich nie weiß, wen ich vor die Linse bekomme, was diese Person trägt oder welchen Hintergrund mein Motiv haben wird – ein Grund für mich, die Bilder Schwarz-Weiß zu halten. Farben lenken mich in dem Fall zu sehr von der Person ab, mit der ich mich beschäftigen möchte, beispielsweise durch ein knallig-rosafarbenes T-Shirt. Ich versuche in dem Fall nicht, aus einem schlechten Farbfoto ein besseres in Grau zu zaubern, das geht in den meisten Fällen schief. Die Reduzierung auf Graustufen gibt mir meist die Möglichkeit Lichter und Tiefen (helle und dunkle Stellen im Bild) anders oder kontrastreicher hervorzuheben und erlaubt es mir andere Akzente zu setzen, als ich es farbig tun würde. Allerdings habe ich die Kamera nicht anfangs gleich so eingestellt, dass ich Schwarz-Weiß fotografiere – die Bilder sind alle anfangs farbig und im RAW-Format – man weiss nie…

Soweit meine Erfahrungen zum Thema “Schwarz-Weiß Portraits” wie sieht das bei euch aus? Geplant? Spontan? Aufwendig oder Schnappschuss?

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Dies ist ein Artikel von Martin Gommel.

Als Herausgeber von KWERFELDEIN sinnt Martin hier mit Autoren, Gesprächspartnern und Lesern in Wort & Bild der Fotografie nach. Meist mit einer gesunden Prise Skepsis, dem Ziel, den kreativen Horizont zu erweitern und einem Augenzwinkern. ;-)

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Kommentare

  1. Sven sagt:

    Klasse Artikel Stephan. Die einzigen Portrait shot die ich mache, sind eigentlich nur private Fotos von den Kindern und so. Dein Artikel macht aber Lust mal darüberhinaus zu gehen.

  2. Zippo sagt:

    Die Bilder sind wundervoll, voller Kraft und Leben! Komm bloß nicht auf die Idee Dir mehr Equipment zuzulegen. Sowas lenkt nur ab!

    Viele Grüße von Zippo!

  3. manne sagt:

    mhm. sich aufs wesendliche zu konzentrieren hat sicher was. aber seit dem ich 2 blitze habe und entfesselt blitzen kann tun sich ganz andere möglichkeiten auf!
    zum thema geld: die technik war in meinem fall nicht teuer.
    zB: 2x SB-24 (ca. 150 euro) und billig-trigger aus china (50 euro). und ich würde sagen, dass sich da manche bilder bedeutend aufwerten lassen!
    in diesem sinne wünsch ich euch ein schönen sonntag und gutes licht!

  4. Steffen sagt:

    Habe ganz ähnliche Erfahrungen bei der Portraitfotografie gesammelt. Kann dir also nur beipflichten. Artikel und Fotos gefallen mir sehr gut Saxi!

  5. Clickpix sagt:

    Toller Bericht und feine Fotos! Klasse Saxi! :)
    Torsten

  6. Also bei mir ist es dasselbe. Verfüge über keine Blitze und nichts. Der Satz “Keep it simple” ist echt cool.
    Ich mag keine Schnappschüsse, aber es ist spontat, z.B ich sitze wo mit einem Freund, merke das es eine coole Location ist und frag dann ob ich ein paar Fotos machen kann. Dann sitzten wir und ich knipse hin und wieder..

    Läuft so sehr cool!
    Toller Artikel

    Viele Grüße
    Flo

  7. Saxi sagt:

    Dankeschön zusmmen – freut mich sehr, wenns ein wenig inspiriert.

    @manne: Ich stelle mir da oft die Frage, wie schnell ich spontan 2 Blitze aufstellen kann, um jemanden spontan zu fotografieren ;o) Spaß macht das entfesselte Blitzen allemal, da haste Recht.

  8. S.doubleU sagt:

    Hej Stephan,

    ich habe mal irgendwo gehört bzw. gelesen …
    so lange man im Raw-Modus photographiert, ist es egal ob an der Kamera Farbe oder s/w eingestellt ist, da nur das interne Vorschaubild der Kamera eben farbig oder in graustufen dargestellt wird. An den Raw-Daten ändert sich dabei jedoch nichts. Ganz anders ist natürlich die Situation, wenn man in Jpeg photographiert. Konnte ich aber selbst noch nicht testen … deswegen lege ich auch nicht meine Hand dafür ins Feuer :o)
    Könnte natürlich auch Kameramodell abhängig sein. Aber für mich klingt dass ganz sinnvoll.
    Vielleicht könnte ja mal der eine oder andere das ausprobieren und hier dann mit jeweiliger getesteter Kamera posten.

    Zum Beitrag: Ich finde solche Ansichten und Einstellungen immer gut, so einfach wie möglich und ohne viel technisches Equipment zu photographieren … wenn man dann lernt mit schwierigen Lichtsituationen umzugehen, hat man sicherlich sehr viel dazu gelernt … vielleicht sogar mehr, als mit vielfältigen Equiment (ist aber auch nur eine Vermutung)

    bis denne danne :o)

  9. Anne sagt:

    Dein Artikel ist sehr gut! Ersteinmal recht herzlichen Dank dafür! Gerade im Potraitbereich finde ich es unheimlich spannend mit dem natürlichen Licht auszukommen. Entfesseltes Blitzen nimmt dem Ganzen die spontane Note, gerade wenn die Fotos eher spontan entstehen und nicht in einem “offiziellen” Shooting.

    @S.doubleU: es ist korrekt, dass wenn Fotos im RAW-Format aufgenonmen werden, diese auch in Farbe “wieder da” sind, selbst wenn sie im SW Modus aufgenommen worden sind.

  10. Musharosky sagt:

    Das 3. Foto ist genial!

  11. Dom sagt:

    wie ist das eigentlich rechtlich wenn ich jetzt Bilder von jemandem z.B. beim arbeiten oder in der Stadt mache und will die benutzen???

  12. Ubbahud sagt:

    Vielen dank für deinen Beitrag,

    ich finde diesen sehr hilfreich vorallem die Situations beschreibung von wegen “Kuck doch mal!”, “Kannst du nicht mal lächeln” oder “Hey, Foto!” sind sehr gute tipps entspannter zu fotografieren und einfach die spontane natürlichkeit der personen zu fotografieren.

    danke dir

    mfg Ubba

  13. Tamer sagt:

    Hab gestern Abend noch passsend hierzu ein schönes Zitat gelesen:

    “Wenn Sie farbig fotografiern, zeigen Sie die Farben der Kleidung – arbeiten Sie dagegen schwarzweiß, zeigen Sie die Farben der Seele.”

  14. Saxi sagt:

    @Dom: Zu dem Thema gab es hier schon ein wenig was – wenn Du unter “Strassenfotografie” mal in der Kwerfeldein-Suche kuckst, findest Du die Beiträge sofort ;o)

    @Tamer: Klasse Zitat!

  15. Heiko sagt:

    @Saxi: Guter Artikel und super Fotos, mir gefällt dein Porträt-Stil sehr gut!!

  16. suessmichael sagt:

    Ich fand den Artikel sehr kurzweilig zu lesen! Mein Favorit ist ganz klar der Gitarrist… Ich habe bisher erst zwei Mal mit geplantem Blitzsetup (siehe Homepage) photographiert und sonst meistens auf deine Weise… Ich neige deshalb bisher eher dazu, deine Methode “besser” zu finden, weil es einfach spontaner und unkomplizierter zu machen ist! Mal sehen ob ich das in einem halben Jahr auch noch so sehe… ;)

    Schöne Grüße

    Michael

  17. shultzie sagt:

    Dann muss sich der Gitarrist jetzt auch mal zu Wort melden! ;-)

    Sehr toller Artikel, und ich krieg immer mehr Lust, öfters mal Portraits zu knipsen! Bis ich zwar solche tollen Bilder hinbekomme wie Du, das wird (wenn überhaupt) noch sehr lange dauern. Notfalls stell ich mich halt wieder mal als Model zur Verfügung… ;-)

    Grüßle,
    shultzie

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