Foto: digitalART2
Ausgeprägte Diskussionen sind auf kwerfeldein.de an der Tagesordnung. Wer kwerfeldein.de eine Weile kennt, der weiss, dass Artikel mit 40 Kommentaren nichts aussergewöhnlich sind. Das mag zum einen daran liegen, dass ich einen guten Text verfasst habe – viel warscheinlicher ist aber, dass eine rege, lebendige Diskussion zum Thema des Artikels am Start ist. Denn immer wieder frage ich nach Eurer Meinung, nach Eurer Wahrnehmung, nach dem, wie ihr zu einem bestimmten Thema steht.
Aber warum der ganze “Terz”? Was soll das – und vor allem: Was bringt’s ?
Folgendes (altes) Bild:
10 blinde Menschen stehen um einen Elefanten und berühren ihn mit den Händen. Jeder versucht, den Elefanten zu beschreiben. Keiner sieht den Elefanten (ganz) und in seiner vollen Grösse. Aber jeder fühlt mit seinen Händen einen Teil. Und jeder muss den anderen zuhören, um zu erahnen, wie der Elefant wohl aussehen wird. Wer nicht zuhört, kennt nur seinen Teil – und noch viel schlimmer: Er glaubt, dass das, was er fühlt, der ganze Elefant sei.
Annahme:
Wir sind die Blinden.
Und die Fotografie ist ein Elefant.
Deshalb ist es mir so wichtig, dass auf kwerfeldein.de rege Diskussionen stattfinden. Deshalb betone ich regelmässig, dass mich Eure Meinung interessiert. Nicht weil ich glaube, dass irgendeiner uneingeschränkt recht hat. Nicht weil ich auf die eine, richtige Antwort warte.
Denn die hat niemand. Niemand sieht den ganzen Elefanten. Auch Jim Rakete nicht. Auch Ansel Adams nicht. Nicht einmal der Erfinder der Kamera konnte wissen, welches Ausmass seine Erfindung haben würde. Es ist unmöglich, weil wir Menschen sind. Menschen mit einer subjektiven Wahrnehmung. Deshalb brauchen wir einander.
Aber:
Es tut einfach gut, einmal selbst zu formulieren, wie wir zu einem bestimmten Thema stehen.
Es ist etwas ganz anderes, mal in 10 Sätzen zu sagen, was wir denken als – es eben nur zu denken. Denn so bringen wir es auf den Punkt, machen es anderen zugänglich und verständlich. Keine leichte Aufgabe. Und ohne es zu merken bringen wir uns damit einen Schritt weiter.
Ich finde es schwierig, wenn Leute so tun, als ob sie den ganzen Elefanten sehen. Und das passiert nicht dann, wenn sie ihre subjektive Meinung sagen. Meinung ist immer subjektiv. Ich habe sehe kein Problem darin, wenn jemand sagt: “Die Fotografie ist soundso..” Das ist völlig legitim.
Nein, es wird dann schwierig, wenn Leute ignorant werden.
Wenn sie Menschen niedermachen, nur weil sie eine andere Meinung haben. Dann, wenn sie nicht mehr zuhören. Wenn sie nicht in der Lage sind, das, was sie sagen respektvoll und freundlich auszudrücken und penetrant zurück-keifen, wenn ihnen mal jemand wiederspricht.
(Zur Erklärung: Ich meine hier nicht Jim Rakete. Und: Ich meine damit nicht Euch. Im Gegenteil: Hier auf kwerfeldein.de hat sich mittlerweile eine sehr humane und freundliche Gesprächskultur entwickelt.)
Ich glaube nicht, dass wir alle einer Meinung sein müssen – im Gegenteil. Gerade in der Differenz, im Paradoxen, im Unterschied liegt doch das Spannende. Nein, Diskussionen, die ehrlich, fair und repektvoll geführt werden sind, darum geht es mir.
Das miteinander Denken, dieses Argumentieren und Ringen mit der Fotografie, ja manchmal auch das Stehenlassen und Akzeptieren anderer Ansichten – das ist, was uns weiterbringt, was uns ein Gefühl dafür gibt, was wir eigentlich tun, wenn wir auf den Auslöser drücken.
Und vor allem hilft es uns, mehr vom Elefanten wahrzunehmen, als wir selbst fühlen.
Wie seht ihr das? ;)










Den “Elefantenvergleich” finde ich super =)
Ich geb dir völlig Recht! Es ist auch mein eigener Antrieb, mich mit anderen Fotografen auszutauschen und zu diskutieren / Meinungen zu lesen – genau aus diesem Grund – weil jeder seinen eigenen Blickwinkel auf die Dinge hat. Und wir können von jedem etwas lernen. In einem Fotoforum, in dem ich Teammitglied bin, fangen wir an Onlinevorträge zu etablieren. Dabei geht es nicht darum, dass da ein großer Fotomeister zu den kleinen Knipsern spricht, sondern dass Otto-Normal-Fotograf schildert, wie er Fotos macht – worauf achtet er, wie setzt er Wissen ein etc.
Dabei kann jeder von jedem Lernen. Ich habe zB einen Vortrag darüber gehalten, wie ich mein Licht im Studio einsetze und hab feedback von Landschaftsfotografen bekommen, die jetzt das natürliche Licht mit anderen Augen sehen … bewusster halt.
Dieses “über die Schulterblicken” finde ich sehr wichtig. Auch von einem absoluten kann man noch etwas lernen – und sei es vielleicht nur die Erkenntnis, dass es SO nicht geht.
Die Fotografie ist vielleicht sogar eine ganze Elefantenherde ;)
J-C
Eigentlich ganz einfach, finde ich:
Fotografie ist immer subjektiv und subjektives Empfinden. Sowohl beim Fotografen als auch beim Betrachter.
Wer aber zu sehr an seiner Wahrheit und seinem eigenen, ja doch immer zwangsläufig irgendwie eingeschränkten Blick klebt, verpasst die Chance, die Welt mit anderen Augen zu sehen, als auch sich weiterzuentwickeln.
@Anne-Kathrin: Stimme Dir zu – hätte es nicht besser sagen können.
@Alex: Hm, da würde ich Dir wiedersprechen. Es kommt drauf an – denn es gibt ne Menge Photoshopexperten (um in Deinem Beispiel zu bleiben), die sehr offen sind für die Großformatfotografie und sich gerne etwas sagen lassen. Auch wenn es ihnen in erster Linie nichts bringt. Wie gesagt, es kommt auf den Menschen drauf an – denke ich zumindest. Weisst Du, was ich meine?
@Heiko: Obwohl es solche Leute auch unter Bloggern gibt (ich hab den Fehler auch schon X-Mal gemacht, zum Beispiel) ;)
@Sven: Aua – das ist wirklich schade. War das dann “das Ende der Diskussion”?
So in etwa:
http://is.gd/xa2A (Link zu Flickr)
:-)
Zum Thema:
Ein Bekannter mag kein HDR. Neulich hat er aber gesagt, eines gefalle im recht gut.
Ich mag keine Katzenbilder, aber es gibt dort auch wirklich gelungene Aufnahmen:
http://is.gd/xa4y
Einfach mal über die eigenen Grenzen schauen und (Wichtig!) auch springen. Sonst nutzt das ganze Schauen nichts…
hm… ich verstehe nicht wirklich, worauf Du hinaus willst?
Um zu begreifen, was jemand an der anderen Seite des Elefanten “fühlt”, muss man halt soweit sein. Du kannst beispielsweise einem frishgebackenen “Photoshopexperten” über Großformatfotografie solange erzählen bis Du blau bist. Er braucht das nicht. Und er hat dabei auch recht.
Das ist ja gerade das Schöne an der Fotografie, dass man “den Elefanten” selbst erforschen muss.
Ich finde, das, was Anne-Kathrin sagt, verdammt richtig und wichtig.
Die Fotografie, bzw Trends sind sehr schnelllebig. Und – je nachdem in welchem Metier man sich heimisch fühlt – spielen diese Trends uU eine wichtige Rolle. Ich meine nicht, dass man jeden Trend mitmachen muss – aber man sollte sie “registrieren” und analysieren, um den Finger am Puls der Zeit zu haben und sich auch inspirieren zu lassen. Sonst wird man für immer und ewig “vor sich hin fotografieren”. Ob man das will – das muss jeder für sich selbst entscheiden.
J-C
Amen…
Man muss nicht alles mögen und toll finden und weiß Gott nicht immer einer Meinung sein, aber mit einem vernünftigen Gedankenaustausch erweitert man seine Grenzen!
Da fällt mir auch glatt eine Geschichte ein, die ich vor Kurzem erlebt habe.
Ich mag HDR-Bilder sehr gerne und experimentiere damit gerade recht viel rum, auch wenn das Ergebnis nicht immer so toll wird, wie ich mir das vorgestellt habe.
Ich habe dann in die FC ein HDR-Bild der Schlei mit einem schön gezeichneten Himmel gestellt. Das ist nicht jedermanns Geschmack (ich bin auch nicht 100% zufrieden), und eine Dame tat dies dann auch gleich via Kommentar kund. Man benötige kein HDR, um einen Wolkenhimmel dynamisch darzustellen!
Ich habe dann einen Kommentar auf ihrer Seite hinterlassen, dass sie vollkommen recht habe. Aber, s.o., ich mag HDR und finde, dass man auch in Kombination mit Wolken daraus einen interessanten Effekt erzielen kann. Außerdem habe ich sie darauf hingewiesen, dass das gleiche Bild noch einmal “klassisch” bearbeitet im Album liegt.
Ich war gespannt auf ihre Antwort und evtl. eine Anmerkung zu dem anderen Bild. Leider hat sie meinen Kommentar einfach gelöscht, da kam dann auch nichts weiter.
Das ist wohl die Ignoranz, Martin, die Du angesprochen hast.
Ich fand’s schade, aber naja..
Wow, soviel hab ich hier ja noch nie geschrieben!
So, Schluss nu.. :o)
Gruß
Sven
Ich stimme ebenfalls Anne-Kathrin vollkommen zu. Die Welt ist voll von “betriebsblinden” Menschen, die nicht mehr nach links und rechts schauen. Ich persönlich finde es wichtig seine Erfahrungen und vielleicht auch Empfindungen im Bezug auf die Fotografie zu teilen, deshalb habe ich auch meinen eigenen Blog gestartet. Nur gibt es leider sehr viele Menschen, die wie Martin schon richtig gesagt hat ignorant sind. Schade für die Leute aber nicht für uns Blogger und Kommentar-Schreiberlinge.
Im Prinzip ist das ja eine philosophische Frage, die man nicht nur auf die Fotografie, sondern allgemein betrachten kann.
Ich hab generell etwas dagegen, Dinge schwarz/weiß zu sehen.
Es gibt auf keine Frage eine einzige, korrekte Antwort. Es kommt immer auf die Sicht des Antwortenden an.
Man sollte jeder anderen Meinung zuhören, dabei aber eines nie vergessen:
Das Hinterfragen!
Dadurch kann sich dann die eigene Meinung auch schonmal ändern. Und damit sind wir dann wieder bei dem Lerneffekt, der entsteht, wenn man sich an Stellen wie dieser miteinander austauscht.
//–
Walk a mile in my shoes
just walk a mile in my shoes
Before you abuse, criticize and accuse
Then walk a mile in my shoes
Ich gebe ja zu, dass ich am Anfang teilweise auch auf den unterschiedlichsten Platformen immer nur Bilder präsentiert habe, um damit möglichst viel Lob zu ernten.
Man glaubt (um bei deinem Vergleich zu bleiben), den kompletten Elefanten mit diesem (seinem) Bild komplett drauf zu haben und somit von allen nur mit Lob überschüttet zu werden.
Das wäre zum einen auf die Dauer sehr langweilig – und ist zum anderen nur die gespielte Meinung der anderen.
Mittlerweile liebe ich es, mich mit anderen Fotografen auszutauschen und mal komplett andere Meinungen und harte Kritik zu hören. Dieses Gesäusel von “wir sind alle deiner Meinung und dein Bild ist perfekt” hing mir einfach irgendwann zum Hals raus.
Klar, ich habe jetzt mit meinen Sätzen eigentlich genau das getan, was ich oben kritisiert habe – ich gebe dir recht und stimme deiner Meinung voll und ganz zu.
Aber genau das liebe ich an kwerfeldein.de – hier bekommt man eine enorme Bandbreite an Meinungen und meistens findet man genau seine Ansicht irgendwo wieder bzw. denkt über andere Meinungen nach und bekommt Denkanstösse.
Ich kann nur sagen: Martin – WEITER SO!
@Martin: Yepp, das war’s..
Ihren Kommentar habe ich aber stehen lassen, ist ja ne legitime (und sachlich vorgetragene) Meinung..
@Sven: Find ich gut (dass Du ihren Kommentar hast stehen lassen).
Interessant dieses Beispiel auf die Fotografie zu übertragen. Ich habe schon vor einigen Jahren davon gehört, damals wurde es aber im Rahmen der Systemtheorie angewandt. Ich denke es ist eine sehr wichtige Erkenntnis, dass es nie nur die eine Wahrheit gibt und alles zudem eine Frage der Perspektive ist. Mit diesen beiden Gedanken im Hinterkopf macht es übrigens auch viel Spass mit Fanatikern (und zudem Ignoranten) zu diskutieren, bis man schließlich müde wird.
@Martin:
Auf den Menschen – ja, da bin ich voll bei Dir. Meine Erfahrung zeigt allerdings, dass jemand erst an einen gewissen Level herangeführt werden sollte, bevor er überhaupt in der Lage ist, neue Informationen richtig aufzunehmen. (ja-ja ich weiß, klingt zu phylosofisch)
Andersrum werden bestimmte heißdiskutierten Themen wie HDR, DSLR, ab einem gewissen Zeitpunkt einfach uninteressant, weil man die technische Phase bereits durchgelebt hat.
Alles natürlich nur meine Meinung ;-)
Kommentare und lebende Diskussionen sind immer das Beste für einen Blog. So merkt man, dass der Blog gelesen wird und sich die Leser aktiv beteiligen. Auch ich finde das einfach klasse.
Liebe Grüße
Julia
Ich kann dir einfach nur zu 100% zustimmen.
Klasse vor allem die Darstellung in deiner Einleitung, ich finde, das bringts genau auf den Punkt.
Erinnert mich stark an das gestrige Gespräch.
Ich finde es wichtig auch andere Meinungen/Geschmäcker sehen und vor allem verstehen zu können, ohne das ich der selben Meinung sein muss.
Ohne als Moralist, ideologisch Verbohrter oder Nervensäge erscheinen zu wollen ein kleiner Einwurf: Wie wäre es, wenn wir alle mit durchschnittlich 25 Jahren nach einem denkbar beschissenen Leben sterben müssten? Elefanten in Zoos erreichen durchschnittlich nur ein Drittel des Alters wie in freier Natur. Insofern finde ich Fotos von psychisch und physisch degenerierten Elefanten aus Zoos regelmäßig recht schaurig.
Ich finde es schön mit Menschen zusammen zu sein die Fotografie lieben. Ich bin nicht sehr lange dabei, aber ich fühle mich sehr wohl unter Leute zu sein die ihre Meinungen mit uns teilen. Wie sag man so schön „Bilder sagen mehr als 1000 Wörter“ und wir sind die Leute die durch einen Sucher Momente festhalten und hören auch gerne zu was andere dazu sagen. Ich kenne keinen Blog wo noch über Fotografie so heiß diskultiert wird wie dieser. Ich kann nur Daumen hoch sagen, Martin… wenn ich dich Duzen darf, das es kwerfeldein.de gibt. Hier kann man wirklich noch von einander was lernen.
Hallo,
Es wurde schon vieles gesagt und ich kann mich Meinungen von dem einen oder anderen anschliessen. Meist aber nur Teilmeinungen.
Wie schon gesagt wurde, soll man über den Tellerrand schauen, sich die Meinung andere Anhören und sich versuchen vorzustellen, wie deren Sichtweise ist. Dadurch kann man nicht nur seinen eigenen Horizont erweitern, mehr Lernen und sich um neues Wissen verbessern, sondern findet auch noch Kontakt und manchmal sogar neue Freunde.
Es klingt eigentlich einfach aber im Gegenteil ist es manchmal sehr schwer. Das sind meine “Regeln”. Jedoch erwische ich mich doch hin und wieder einmal das ich sie nicht beachte. Schande über mein Haupt, aber das passiert halt einfach manchmal.
Grüsse mahom
Ein bisschen für seine Meinung kämpfen muss man vielleicht doch immer und überall, zuviel HändchenhaltendtolerantumdenElefantenTanzen bringt am Ende nämlich auch nicht viel. Ich akzeptiere eine gut formulierte und schlüssig vorgetragene Meinung von irgendjemandem als allererster, wenn sie mich überzeugt, aber ich vertrete auf der anderen Seite auch vehement meine eigenen Positionen, wenn ich von ihnen überzeugt bin. Und irgendwo in der Mitte kommt man meist zusammen.
Sehr schöner Artikel.
Jedem seine Meinung, solange diese nicht beleidigend oder ähnliches wirkt. Immer sachlich bleiben.
Mach weiter so Martin