Redaktioneller Beitrag01.11.2008 / 18:47

Der Lab-Farbraum für Fotografen

Dies ist ein Gastartikel von Andreas Levers. Er ist Mediengestalter und fotografiert in seiner Freizeit meistens Architektur und Stilleben. Seine Fotos und einige Video-Tutorials sind auf 96dpi.de zu
finden.

In der Praxis ist der Lab-Farbraum für viele Hobbyfotografen so unwichtig wie unbekannt. Dabei bietet er Vorteile, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Zuerst möchte ich dazu den Lab-Farbraum vereinfacht und kurz beschreiben.

Graue und bunte Theorie

Während sich die Farbe und Helligkeit eines Pixels in RGB aus den Bestandteilen Rot, Grün und Blau zusammensetzen, beschreibt man eine Farbe in Lab in Luminanz (=Helligkeit) und den Koordinaten auf den Farbachsen a und b. Dabei steht a für eine Achse zwischen den Komplementärfarben Rot und Grün und b für die Achse zwischen Blau und Gelb.  Der Farbraum kann jede wahrnehmbare Farbe erfassen, entspricht mehr als andere Modelle der menschlichen Wahrnehmung und ist geräteunabhängig. Eine sehr viel detaillierte Beschreibung gibt es bei der Wikipedia.

Wo ist der Nutzen in der Praxis?

Anders als bei RGB kann man die Farbigkeit unabhängig von der Helligkeit beeinflussen. Damit kann man z.B. farblich flaue Aufnahmen deutlich besser sättigen, als mit der Einstellung Farbton/Sättigung. Die folgenden Beispiele beziehen sich auf Photoshop.

Um in diesem Bild die Sättigung zu erhöhen kopiere ich zunächst den gesamten Bildinhalt in die Zwischenablage und füge diesen in ein neues Dokument ein. Den Farbmodus des neuen Bilds ändere ich im Menü Bild / Modus auf Lab-Farbe. Als nächstes erstelle ich eine Einstellungsebene vom Typ Gradationskurven. In dem Dialog wähle ich zunächst den Kanal a und verschiebe den linken unteren Punkt nach rechts und den oberen rechten Punkt nach links. Beide Punkte sollten in etwa gleich weit verschoben werden, z.B. um jeweils 20%. Um das zu erleichtern kann man in den Anzeigeoptionen das detaillierte Raster auswählen. Diesen Schritt wiederhole ich auch für den b-Kanal.

Nach dem Bestätigen der Auswahl mit OK wird nun das deutlich sattere Bild sichtbar. Die Stärke des Effekts kann ich nun auch über die Deckkraft der gerade eingestellten Ebene steuern. Durch eine asymmetrische Verschiebung des linken und rechten Punkts kann ich dem ganzen auch einen Farbstich verpassen. Hier ist experimentieren gefragt.

Wenn ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, wähle ich den gesamten Bildinhalt aus und kopiere diesen mit dem Menübefehl Bearbeiten / Auf eine Ebene reduziert kopieren in die Zwischenablage. Danach wechsle
ich zum Ausgangsbild und füge den Inhalt als oberste Ebene ein.

Warum der lästige Umweg über ein neues Dokument?

Oft ändere ich die Farben erst als einen der letzten Schritte in meiner Bildbearbeitung. Zu diesem Zeitpunkt habe ich möglicherweise schon viele Ebenen mit Einstellungen, Retuschen und Effekten erstellt.
Wenn ich dieses Originaldokument nach Lab wandele, werden diese Ebenen auf den Hintergrund reduziert. Um alle Einstellungen zu behandeln gehe ich den Umweg über ein neues Dokument.

Schlagworte: , , , ,

Dies ist ein Artikel von Martin Gommel.

Als Herausgeber von KWERFELDEIN sinnt Martin hier mit Autoren, Gesprächspartnern und Lesern in Wort & Bild der Fotografie nach. Meist mit einer gesunden Prise Skepsis, dem Ziel, den kreativen Horizont zu erweitern und einem Augenzwinkern. ;-)

11

Kommentare

  1. lluxus sagt:

    super tipp, besten dank!

  2. Helmut sagt:

    Super Gastartikel und Empfehlung; Andreas’ Videos sind echt der absolute Knaller!

  3. philipp sagt:

    sehr schön, aber ein paar sätze zum warum wären hilfreich.
    welche farben werden zb. durch den a und b kanal repräsentiert?
    informationen zu “was geschieht hinter der tür?” sind immer hilfreich damit ich mit solchen techniken flexibel andere probleme lösen zu können.

  4. Vielen Dank für Eure Kommentare.

    @philipp: Danke für Deine Anmerkung. Wie in der Einleitung zusammengefasst steht der Kanal a für alle Farben im Verlauf von Rot (=-127) nach (=127) Grün und b für den Verlauf von Blau (=-127) nach Gelb (+127). Diese Zahlen beziehen sich auf 8-Bit Bearbeitung.

    Um das von mir vernachlässigte Warum etwas auszuführen: Lab beschreibt Farbe unabhängig von Helligkeit, so das ich Farben unabhängig von der Luminanz bearbeiten kann. Das ist in RGB oder CMYK nicht möglich, weil die Helligkeit direkt von den Farbanteilen abhängt. Da einzelne Kanäle in Photoshop bearbeitet werden können, ist es z.B. möglich gezielt den Rot-Grün-Kanal a oder den Blau-Gelb-Kanal b zu entrauschen oder nur den Luminanz-Kanal zu schärfen.

    Technisch aber für den Endanwender irrelevant betrachtet rechnet auch Color-Management Bilder intern immer mit dem Lab-Farbraum Bilder von mit ICC-Profilen in Zielfarbräume um, weil Lab alle physikalisch darstellbaren Farben enthält.

    Einige kostenlose englisches Videos zum Thema Lab findest Du auf lynda.com.

  5. andrej sagt:

    Sehr gute Tipp, und danke für A. Levers für die Ergänzung. Man, ich weiss, dass ich nichts weiss… :-))

  6. Daniel sagt:

    krass, das hätte ich niemals herausgefunden :D

  7. philipp sagt:

    danke andreas.
    ich werde das mit dem entrauschen von einzelnen kanälen mal ausprobieren

  8. Maxim sagt:

    Danke für den Tip. Kleiner Aufwand – große Wirkung. Sehr nett

  9. Smylo sagt:

    Klasse Tipp, werde ich demnächst mal ausprobieren. Vielen Dank.

  10. Christian sagt:

    Jetzt fehlt nur noch schönes Wetter um ein paar passende Herbst-Fotos zu knippsen. Werde die Tipps auf jeden Fall ausprobieren, danke.

  11. [...] ist der Nutzen in der Praxis? Diesen Artikel auf KWERFELDEIN weiterlesen. Glow [...]

Schreib einen Kommentar

In unserem Austausch auf kwerfeldein.de wollen wir freundlich und respektvoll miteinander umgehen. → alles lesen.

Wie im echten Leben ist auch hier eine Grundlage der Kommunikation Achtung und Wertschätzung des Gegenübers. Und da wir hier ausschließlich in Worten miteinander kommunizieren (und somit Mimik, Körperhaltung und Betonung des anderen nicht sehen), ist es hilfreich uns freundlich, offen und klar auszudrücken, dabei aber ersteres nicht ausser Acht zu lassen.

Es bietet sich ebenfalls an, ohne Nicknames sondern mit echten Namen zu kommentieren, da dies Transparenz fördert und wir tatsächlich wissen, mit wem wir sprechen.

Wir müssen dafür nicht immer einer Meinung sein und gerade der kontroverse Diskurs zu einzelnen Themen ist hier - unter Berücksichtigung des ersten Punktes (Achtung und Wertschätzung) - sehr erwünscht. Artikel werden nicht selten um Erkenntnisse aus den Kommentaren via Update nachträglich ergänzt.

Sollte es dennoch zu persönlichen Angriffen gegen Autoren oder andere Kommentatoren kommen, werden Bemerkungen editiert oder im Einzelfall (auch im Nachhinein) gelöscht und somit von der Seite genommen. Dies geschieht zum Schutz der Autoren und Beteiligten.

Das Löschen gilt auch für SEO-Kommentare, solche werden als Spam markiert.

Wir alle wissen, dass unsere Sicht der Dinge nicht vollkommen ist und wir somit einander brauchen, um gemeinsam und miteinander die Dimensionen der Fotografie zu entdecken. In diesem Bewusstsein werden auch die Artikel geschrieben und erheben deshalb keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Makellosigkeit. Das gilt auch für die gezeigten Fotos.

Ich, das Team und die Gastautoren freuen uns somit sehr auf anregende Diskussionen, Austausch und natürlich auch kritische und hinterfragenden Kommentare. Wir sind hier in dem Bewusstsein, Lernende zu sein und uns gegenseitig mit neuen Ansichten in einem fortlaufendem Prozess zu bereichern und Horizonte zu erweitern.

↑ Diesen Abschnitt schließen.

Wenn du möchtest, dass ein Bild zu deinem Kommentar angezeigt wird, dann melde dich bei gravatar.com an.


kwerfeldein.de als E-Mail?
Einfach E-Mail eintragen:

Versandt von FeedBurner