6 heisse Tipps zum Kommentieren von Fotos

Wie um alles in der Welt kann ich meinem Kommentar was tiefes, persönliches, anderes und vor allem für den Fotografen brauchbares geben ? Dieser Frage stelle ich mich schon seit ich auf Flickr bin. Und ich muss zugeben, dass das gar nicht so einfach ist, also das mit dem sinnvollen Schreiben. Denn manchmal da gehn einem einfach die Worte aus. Dann bräuchte man so ne Art “Kick”, der das Schreiben erleichtert und Blockaden löst. Die kommenenden 6 Punkte sollen für Dich so ein Kick sein.
Mal Hand aufs Herz : Ich habs auch nicht immer geschafft, wirklich bedeutsame Kommentare abzugeben. Wenn ich mir heute den ein oder anderen Satz von mir durchlese, dann weiss ich, dass es oft eher so’n “Kurzvorbeischaun – Schnellwasschreiben” – Kommentar war als irgend was anderes. In der ersten Zeit bei Flickr und den Photoblogs dachte ich eben, dass das “Perfect Shot!” Geschreibsel eben so der Ton ist, den man anlegt und den hab ich einfach kopiert*.
Aber irgendwann ging mir das “Wow – wonderful” – Schreiben derart auf die Nerven, dass ich mich irgendwann gefragt habe, ob es sich überhaupt lohnt, noch zu kommentieren. Wer das mal eine Weile gemacht hat, der weiss, wovon ich spreche. Denn mit der Zeit kommt man in ein stranges Fahrwasser rein, weisste ? Da schreibt man dann Kommentare nur deswegen, damit der andere auch Kommentare zurück schreibt. So in der Art : Ich klopf Dir auf die Schulter und Du mir nachher. Dass dabei dann irgendwann kein Gehalt mehr bei rumkommt ist kein Wunder. Die Kommentare verlieren einfach an Tiefe.
Doch davon hatte ich ehrlich gesagt irgendwann die Nase gestrichen voll und habe mich etwas umgeschaut, wie man es denn anders machen kann. Über Monate habe ich verschiedenste “Gewürze” ausprobiert und die leckersten kommen jetzt. Sie haben mir geholfen, und ich hoffe, dass sie auch Dir helfen.
1. Zeit lassen – Entspannen
Das Web ist voll von Millionen von Bildern und dabei fällt es uns immer schwerer, unsere Aufmerksamkeit einem einzigen Bild für sagen wir mal 2 Minuten zu verleihen. Doch das kannst Du lernen. Lass Dir Zeit, entspanne Dich und schreibe, was Dir zu dem Foto einfällt. Schau genau hin, so mancher Fotograf lässt seine Bilder auch in gross sehen – nutze die “All Sizes” Funktion, wenn Du auf Flickr bist. Erlaube Dir selbst, einen Kommentar zu schreiben, der nicht superaalglatt und sauber klingt. Niemand erwartet von Dir, dass Du 10 perfekte Sätze raushaust – denn darum geht es ja gar nicht.
2. Schreib wie Du sprichst
Das ist mein neuester Tipp, und in der kurzen Zeit, in der ich es probiert habe, hat er mir viel gebracht (via). Denn es klingt einfach harmonischer wenn Du einen Satz so schreibst, wie Du ihn sprichst als so “wie man ihn schreiben sollte”. Trau Dich mal, so zu schreiben, wie Du jemand den Kommentar direkt am Telefon sagen würdest. Mit all den kleinen schmutzigen Sachen wie “hmmm” oder “yehaaa” oder “sehr fett” oder so. Durch sowas bekommmt Dein Kommentar nen eigenen Style – und nur Du redest so, wie Du redest, gelle gelle ?
3. Sag es genau
Trau Dich, zu sagen, was Du sagen musst und sei dabei immer so konkret wie möglich. Beschreibe spezifisch, was Dir nicht gefällt und bringe es deutlich und vor allem ehrlich auf den Punkt. Ehrlich zu sein heisst aber nicht, nur das zu benennen, was Dir missfällt (obwohl wir da glaub ich Aufholbedarf haben). Sondern auch das zum Ausdruck zu bringen, was gut und gelungen ist. Das ist zwar umständlich, bringt aber dem Fotografen richtig viel. Mir geht es häufig so, dass ich mein Bild sehe und weiss, dass es gut ist, aber nicht wirklich was genau gut daran ist. Wenn nun jemand kommt, und mir sage, WAS er gelungen findet, bin ich schon einen erheblichen Schritt weiter. Echt, das bringts. Aber wie gesagt, trau Dich auch zu sagen, was Dir gar nicht gefällt. Wichtig ist, dass Du dabei möglichst genau schreibst.
4. Bleibe Fair
Es bringt relativ wenig, auf teufelkommraus ehrlich zu schreiben. Denn hier muss man auch aufpassen. Sage die Sachen wie Du sie wirklich meinst, aber schau, dass Du auf der anderen Seite den Fotografen nicht in Grund und Boden kritisierst. Wenn Dir das Bild wirklich überhaupt nicht gefällt, dann überlege Dir, wie Du das so verpacken kannst, dass der Urheber noch was Positives raus ziehen kann und nicht gleich rückwärts vom Pferd fällt. Besonders bei Beginnern solltest Du darauf achten, denn es ist ja klar, dass die noch nicht die geilsten Fotos machen können.
5. Werde emotional
Was ? Das ist doch das, was wir immer ausgeredet bekommen haben, oder ? Sachlich muss man sein, immer und überall. Aber ich sag Dir was, mich persönlich sprechen besonders die Kommentare an, bei denen Leute wirklich aus sich herausgehen und sagen, welche Gefühle ein Bild bei Ihnen weckt. Und das umzusetzen ist gar nicht einfach, denn mit “werde emotional” meine ich gar nicht, kolerisch mit Schimpfwörtern und allen was einem einfällt wild um sich zu werfen (oder dem Fotografen die Ohren vollzuheulen). Nein, sondern ganz präzise die emotionale Wirkung des Bildes beschreiben, das ist der Deal. Ein Beispiel ? Gut. “Dein Foto macht mich hoffnungsvoll, denn die hellen Sonnenstrahlen, welche durch die Äste hindurchscheinen sprechen zu mir, sie vermitteln mir das Gefühl davon, dass am Ende des Weges wieder Licht und Hoffnung kommt.” Okay, das war jetzt etwas arg rumgesülzt, aber is klar, was ich meine, oder ? Schreibe, welche Wirkung ein Bild auf Dich ganz persönlich hat. Das liegt nicht jedem, aber wers kann : Raus damit.
6. Übersicht
Dieser Tipp ist für diejenigen, die gerne etwas mehr schreiben wollen (sehr geil). Es wesentlich schwerer einen langen Kommentar zu lesen, bei dem alle Sätze aneinandergehängt sind als einen, bei dem zwischendurch auch mal ne Zeile freigelassen wird. Das sieht einfach sauber und ordentlich aus und macht dem Fotografen viel mehr Spass zu lesen. Versuchs mal, und wenn es nur eine einzige Zeile ist, die Du zwischendurch freilässt – es macht einiges aus. Vor allem dann, wenn Du einen Gedanken zu Ende gebracht hast und nun den Abschluss schreibst – das Weiß dazwischen ist ein Bonus, den Du nicht auslassen solltest.
*Auch heute werde ich immer mal wieder “rückfällig”, doch versuche ich dann schnell die Handbremse zu ziehen und meinen Kommentaren wieder mehr Tiefe zu geben.
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21. 10. 2008 um 18:55 Uhr
Danke für den schönen Artikel, Martin. Ich glaube, deine Tipps sind immer brauchbar, wenn man das kreative Werk eines anderen bewerten oder kommentieren muss. Nicht nur bei Fotos.
21. 10. 2008 um 19:04 Uhr
Ein sehr guter Artikel. Besonders mag ich deinen Anfangseinwurd, dass Kommentare nur für neue Kommentare geschrieben werden.
Leider ist das bei mir auch manchmal vorgekommen, dass einfach nur mal ein Kommentar geschrieben wird wie “Das Bild ist toll” um dadurch einen Link auf die eigenen Seite zu bekommen und so eventuell auch einen “Dankeschönkommentar”. Vielleicht sollte ich nach dieser Erkenntnis meinerseits den Link zu meiner Seite da oben wieder weg nehmen
Mich persönlich ärgert dann die Kürze dieser Kommentare auch sehr. Es ist mir dabei lieber, das Bild von einem Kommentator wird verrissen und es wird ausführlich begründet als dass mir 5 Leute schreiben wie toll sie es finden, aber nicht warum.
Mal sehen, wie es mit den Kommentaren zu deinem Beitrag wird
p.s. eine Sache würde ich eventuell noch hinzufügen. Es sollte zwar eine Selbstverständlichkeit sein, wird aber oftmals nicht gemacht.
“Les dir den Kommentar nochmals durch, bevor du ihn sendest und denk nach ob du ihn so absenden willst.”
21. 10. 2008 um 19:47 Uhr
Ich finde deinen Beitrag auch sehr gut, da stecken viele Wahrheiten drin.
Ich versuche auch oft, ehrlich zu sein, und Dinge, die man aus meiner Sicht verbessern könnte zu erwähnen ohne dabei auch die meist positiv vorhandenen Aspekten ebenso hervorzuheben. Kritik übe ich aber fast ausschließlich bei Bildern von Leuten, die ich ein wenig kenne, weil die in den meisten Fällen dann auch wissen, wie es gemeint ist. Ich selbst freue mich aber auch wenn meine Bilder kritisch betrachtet werden. Man kann ja trotzdem immer noch für sich selbst entscheiden, ob man die Kritik annimmt oder bei seiner eigenen Meinung bleibt. Auf jeden Fall wird man so eher zum Nachdenken angeregt.
Ein Kommentar zu einem meiner Bilder der mich hingegen aufgeregt hat, war : Ja gut, bei dem Model kann man ja nichts falsch machen.
Find ich unfair, nicht konstruktiv und überflüssig.
21. 10. 2008 um 21:46 Uhr
Du plenkst. Ist mir gerade aufgefallen und wollte ich hier als hilfreichen Kommentar hinterlassen
http://de.wikipedia.org/wiki/Plenk
21. 10. 2008 um 22:02 Uhr
Schön, wie du das zusammenfasst, was ich allzu oft im Internet vermisse. Dabei beschränkt sich das gar nicht mal nur auf Photo-Kommentare – gerade in Foren sollte die von dir in Worte gefasste “Kommentar-Netiquette” beachtet werden.
Gefallen hat mir die Gliederung und die weiterführenden Links. Die können auch gerne in einer kurz-knackigen Zusammenfassung am Ende garniert werden. Prost!
22. 10. 2008 um 7:25 Uhr
Gute Tipps; schon oft gelesen, aber schwer umzusetzen.
Ich kommentiere einfach kaum mehr, wenn ich nichts bestimmtes zu sagen habe. Sollte mit dann ein Foto gefallen, dann versuche ich herauszufinden was mir daran gefällt/stört, und das wird dann dem Produzenten serviert!
So long
22. 10. 2008 um 8:43 Uhr
Hilfreiche Kommentare schreiben ist nicht einfach. Schaut euch auch mal diese Seite an:
http://www.voegtli.net/gallery/docs/ahbah/index.html
Der Autor der Seite versucht Leitlinien dafür zu geben, eine möglichst hilfreiche Bildkritik zu verfassen – und zwar in Abhängigkeit davon, wieviel Zeit man investieren will.
Die Kurzkommentare (“schönes Bild”
) und das gegenseitige Beweihräuchern hat ebenfalls schon viele Leute genervt… in dieser Glosse wird dies sehr nett auf den Punkt gebracht:
http://www.buxtehuder-fotofreunde.de/kurt10.htm
Viel Spaß beim Lachen
22. 10. 2008 um 10:06 Uhr
Schöner Beitrag, aber leider eben nicht immer durchsetzbar. Gerade bei Flickr. Mich nerven dort seit langem auch Kommentare wie “great, awesome, wow” – ich wünsche mir auch oft, dass man einfach mal begründet, wieso das Bild wow ist. Umgekehrt habe ich allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass Kritik manchmal gar nicht gern gesehen ist… Liegt wohl daran, dass die Meisten bei Flickr nur da sind, um so viel Kommentare wie nur möglich zu bekommen.
22. 10. 2008 um 11:41 Uhr
Schöner Beitrag
Spaß beiseite. Stimmt schon, was du hier schreibst, wobei ich mir eigentlich denke, dass es jedem selbst einmal aufgehen müsste, dass “TOlles Bild”, “Toller Beitrag”, etc. ein wenig banal sind.
Der Hinweis mit dem “Zeit lassen” ist, glaube ich, dagegen wichtig. Ich kenn es ja von mir selber: “Oh, das ist toll…schnell noch das nächste. Oh, das auch. Nächstes!?”
In diesem Sinne werd ich mal versuchen, das zu beherzigen
22. 10. 2008 um 12:25 Uhr
Gerade den zweiten Punkt auf Deiner Liste, finde ich äußerst interessant. So bin ich die Sache noch nie angegangen und ich denke, es ist auf jeden Fall einen Versuch wert.
Der Punkt vier sollte selbstverständlich sein und jedem eigentlich auch bereits bewusst, aber sich daran zu halten, mag dem einem oder anderen vielleicht etwas schwerfallen…
Punkt fünf ist für mich die Königsklasse des Kommentierens und stellt auch gleichzeitig für mich eine der besten Bewertungen zu einem Bild überhaupt dar. Sofern durch Fotos tatsächliche Emotionen geweckt werden, seinen sie jetzt positiver oder doch eher negativer Natur, so bedeutet dies für den Fotografen, dass er alles richtig gemacht hat.
Punkt sieben wäre für mich, nach dem Schreiben des Kommentars, diesen noch mal zu Korrektur lesen. Dies mag ein wenig nervig erscheinen und ich halte mich leider auch nicht immer daran, aber es kann der Leserlichkeit sehr zuträglich sein.
22. 10. 2008 um 14:52 Uhr
Viele meiner Spam-Kommentare fangen mit “Nice Work” oder ähnlichem an. Schön, wenn sich die echten Kommentare davon abheben und Artikel wie dieser dazu beitragen.
Bei Punkt 4 der Liste bin ich nicht so sicher. “Geschriebene” Formulierungen sind oft präziser als “gesprochene” und somit lesbarer. Wobei die persönliche Note im Kommentar sicher auch nicht zu verachten ist.
22. 10. 2008 um 15:15 Uhr
Oft in den diversen Foren diskutiert, es wird versucht auf einen Nenner zu kommen den alle akzeptieren können und trotzdem ist es schwer in die Realität um zu setzen.
Habe dies bezüglich schon viele Varianten (lieb und schmeichelnd, die harte konstruktive Tour oder einfach die Lobhudeleitour) getestet und bin immer wieder angeeckt. In jedem Forum befinden sich Leute die mit keiner, der genannten Varianten klar kommen und so mit habe ich schon recht böse Erfahrungen gemacht, die auch schwer unter die Gürtellinie gingen.
Viele Menschen können mit geschriebenen Worten schwer umgehen, weil sie diese entweder zu schnell lesen und nicht drüber nachdenken, was man damit eigentlich meint oder sie bekommen konstruktive Kritik völlig in den falschen Hals und fühlen sich angegriffen.
Seit diesen Erfahrungen, halte ich mich in diesen Foren zurück … treffe mich lieber mit Leuten die auf meiner Wellenlänge sind und diskutiere von Angesicht zu Angesicht.
Dies bringt mich definitiv weiter, wie mich von wildfremden Leuten persönlich beleidigen zu lassen, die am anderen Ende der Welt vor ihrem Rechner hängen.
22. 10. 2008 um 18:22 Uhr
Vor allem sollte man (allgemein) und besonders bei Bildern immer konstruktiv kritisieren. Was bringt mir “blödes Bild” oder “tolles Bild” wenn man nicht weiß, warum es die Person blöd findet (gut bei “toll” kann man sich vielleicht eher noch denken, weshalb).
Die Idee einmal so zu kommentieren, wie man es sprechen würde finde ich eine coole Idee, die ich vielleicht ja einmal (bestimmt in deinem Blog!) ausprobieren werde (mit dem Gedanken muss ich mich allerdings erst noch vertraut machen, da es ja schon etwas ungewöhnlich ist).
Liebe Grüße
Julia
23. 10. 2008 um 9:51 Uhr
Hej …
also ich war noch ein Freund von “tolles Bild” und der Gleichen. Ich bin eigentlich stehts bemüht bei einer Kritik beides zu äußern … sowohl Positives als auch Negatives …
Zu Punkt fünf: Finde ich es eigentlich viel interesssanter, wenn die Leute schreiben würde was sie in dem Bild sehen bzw. assoziieren und das muss nun nicht unbedingt emotional sein … wobei ich mich gerade frage, ob das überhaupt geht … assoziieren ohne es mit einer Emotion bzw. Gefühle in Verbindung zubringen … mmhh, naja?
)
Jedenfalls denke ich, dass die üblichen kurzen Kommentare nicht so leicht aus der Welt gebracht werden können. Man sollte sich auch selber mal fragen, wofür will ich eigentlich Kommentare zu meinen ausgestellten Photos? Der Drang nach Aufmerksamkeit, den Bekanntheitsgrad erhöhen aus beruflichen Gründen, oder weil man sich und seine Künste weiterbilden, weiterentwickeln möchte und neues entdecken. Daraus würde ich dann auch einfach die entsprechende Plattform suchen, um meine Photos vor- und auszustellen oder was auch immer. Dann bekommt man vielleicht auch die Kommentare, die man anderen geben würde.
Unabhängig davon ist es natürlich wichtig zu wissen, wie man Anmerkungen schreibt. Wie lernen ja auch alle das interpretieren in Deutsch und das 1×1 in Mathe in der Schule … als nützliche Werkzeuge … somit ist dein Beitrag sehr willkommen um ein neues Werkzeug in unserer Werkzeugkiste hinzuzufügen.
bis denne danne
25. 10. 2008 um 15:55 Uhr
[...] 6 heisse Tipps zum Kommentieren von Fotos (Kwerfeldein – in german) – It can be a blast when getting huge amounts of comments in social networks such as flickr, but usually the majority of the comments are limited to single sentence phrases that will not help you much grow as a photographer. Martin shares a few tips on how to make your comments count. [...]
10. 1. 2009 um 23:55 Uhr
…habe eben meinen ersten "richtigen" Kommentar bei flickr abgegeben
*freu* …Tipp: http://is.gd/4y7w