Redaktioneller Beitrag10.10.2008 / 18:35

Auf den Schultern von Giganten

In diesem Artikel möchte ich Dir ein paar Ideen vorschlagen, mit welchen Du von Deinen Lieblingsfotografen und deren Bildern etwas lernen kannst.

Letzte Woche hatte ich mit dem Videopost “Du bist einzigartig” darauf hingewiesen, dass wir uns gerne mit Fotografen vergleichen und wie man damit umgehen kann : Jeder von uns ist einzigartig, und wir brauchen nicht zu denken, dass wir “schlechter” als die anderen sind. Doch damit wir jetzt nicht auf der Stelle treten und uns nur um uns selbst drehen möchte ich mit Dir heut einen kräftigen Schritt weitergehen. Von anderen Fotografen lernen ist die Devise. Das kann unseren eigenen Lernprozess nämlich um ein weiteres beschleunigen. Dann stehen wir “auf den Schultern von Giganten”.

Ausgangslage ist die, dass Du ein Portfolio besucht hast, bei welchem Dir die “Kinnlade runterfällt”. Du bist überwältigt von der Schönheit der Fotos des Fotografen. Immer wieder schaust Du Dir seine Bilder an und der Fotograf wird einer Deiner Favoriten.

Die Hardcore Bildanalyse

Überlege Dir, mit welchen Mitteln der Fotograf ein bestimmtes Foto gemacht hat. Konzentriere Dich dabei mal nur auf ein Foto. Häufig überfällt uns die Masse an Bildern derartig, sodass wir uns erschlagen fühlen. Deshalb : Ein Foto, nicht mehr und nicht weniger.

Nun geht es ans Eingemachte und Dein Vorstellungsvermögen ist gefragt. Welche Perspektive hat der Fotograf benutzt ? Ist das Bild evtl. sehr stark bearbeitet ? Wenn ja, wie ? Zu welcher Tageszeit wurde das Bild aufgenommen ? Mit welcher Blende hat der Fotograf hier fotografiert ? Ist das Bild vielleicht sogar eine Montage ?

Du wirst es nicht schaffen, jede Frage richtig zu beantworten. Darum geht es ja auch gar nicht. Aber es wird Dir helfen, hinter den Vorhang des Bildes schaue und nicht nur völlig erschlagen zu sein von dessen Schönheit.

Bildtraining mit Freunden

Analysiere Fotos zusammen mit Fotofreunden und Du wirst noch schneller lernen. Lade sie zu Dir nach Hause ein, koche einen feinen Kaffe und nehmt Euch 2, 3 Bilder vor. Dann geht’s ran an den Speck. Dazu könnt ihr die oben aufgeführten Fragen oder Eure eigenen verwenden. Mal so richtig “auseinandernehmen”, das Zeuch. Das macht nicht nur unheimlich viel Spass, sondern in dieser Zeit werdet ihr wahnsinnig viel lernen.

In solchen Sessions wird Dein Auge wird auf besondere Art und Weise geschult. Versuche es einmal aus ! Übrigens : Es ist ein tolles Gefühl, wenn man an einem bisher so perfekten Bild kleine Fehler entdeckt. Wir sind eben alle nicht perfekt, auch nicht die scheinbaren Profis.

Der direkte Kontakt

Nur Mut. Fragen kostet nichts. Schicke dem Fotografen eine freundliche, aber kurze Email. Stelle Dich zu Beginn der Email vor und erkläre dem Fotografen kurz, wie Du auf seine Seite gekommen bist und das eine Foto entdeckt hast. Versuche, so genau wie möglich zu erfragen, was Dir am wichtigsten erscheint. “Mit wieviel Blitzen haben sie das Modell fotografiert ?”, “Um welche Tageszeit wurde das Foto aufgenommen ?” oder :”Mit welchem Filter haben sie das Wasser fotografiert ?” Beschränke Dich dabei auf 2 Fragen, denn die meisten Fotografen haben (leider) eigentlich nur wenig Zeit. Geheimtipp : Der Satz  “Ich nehme an, dass sie schwer beschäftigt sind und habe kein Problem damit, wenn sie mir nicht antworten” kommt besonders gut an ;)

So – das wären mal meine Vorschläge, aber das sind noch lange nicht alle ! Was denkst Du dazu ? Hast Du noch weitere Ideen ?

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Dies ist ein Artikel von Martin Gommel.

Als Herausgeber von KWERFELDEIN sinnt Martin hier mit Autoren, Gesprächspartnern und Lesern in Wort & Bild der Fotografie nach. Meist mit einer gesunden Prise Skepsis, dem Ziel, den kreativen Horizont zu erweitern und einem Augenzwinkern. ;-)

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Kommentare

  1. Fiona sagt:

    Gönne doch dem Wort “letzt” noch ein e (1.Wort, 1.Absatz)

  2. Wenn mich ein Fotograf fasziniert, dann google ich einfach nach Interviews, die er gegeben hat. Dort plaudert er oft aus dem Nähkästchen und gibt Einblicke in seine Arbeitsweise, manchmal erzählt er auch was zur Entstehung eines bestimmten Fotos. Auf diese Weise hatte ich schon so manches Aha-Erlebnis und bekam Antworten auf die Frage, warum seine Fotos so aussehen wie sie aussehen – zum Beispiel, weil er bestimmte Photoshop-Actions benutzt usw.

  3. TeaTime sagt:

    Dem Kaffe”e” auch, bitte… ;-) (SCNR)

  4. Sam sagt:

    Jau, genau!
    Zufügen würde ich: versuch das Foto nachzumachen! Damit fallen natürlich Fotos auf, wo Dinge drauf sind, die du nicht zur Verfügung hast – aber es ist eh besser ungewöhnliche Fotos von gewöhnlichen Dingen zu nehmen als gewöhnliche Fotos von ungewöhnlichen Dingen ;)

  5. Sven sagt:

    Kann Sam hier nur zustimmen. Versuchen nachzumachen und zu immitieren.
    Natuerlich geht das meistens nicht, da nicht jeder unbedingt das z.B. Monument Valley etc. vor der Haustuer hat, aber zumindest versuchen ein anderes Motiv ähnlich umzusetzen. Ebenso versuchen den Stil des Fotografen nachzuahmen, versuchen ein Motiv so zu fotografieren wie es mein Lieblingsfotograf vielleicht machen wuerde.
    Das ist zumindest ein Approach der mir sehr liegt.

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