
In diesem Artikel werde ich Dir ein paar Tipps geben, wie Du mit Deinen Fotos mindestens einen grossen Schritt weiter kommen kannst. Ich habe festgestellt, dass manche Durchbrüche einfach Zeit brauchen, andere wiederum recht schnell erreicht werden können. Über letztere Sorte möchte ich aus meiner Erfahrung sprechen – denn ich kann Dir ja keine Tipps geben, welche ich nicht selbst angewendet habe.
Ich möchte von vorne herein anmerken, dass dieser Artikel keineswegs perfekt und erst recht nicht vollendet ist. Die folgenden Punkte haben zu allererst mir geholfen aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass Dir das ähnlich gehen kann (das hoffe ich). Na dann, viel Spass beim Lesen !
1. Machs Einfach
“Soll ich, soll ich nicht ? Ist das Wetter gut oder nicht so, wie es eigentlich sein müsste ?” Immer wieder gehen mir diese Fragen kurz vor einem freiwilligem Fotoshooting durch den Kopf. Dabei ist mir eines klar geworden : Es werden niemals alle Bedingungen perfekt sein. Aber darum geht es in der Fotografie überhaupt nicht, denn Schönwetterfotografen bringen es in der Regel nicht weit. Nein, gerade in unangenehmen Situationen ergeben sich Fotogelegenheiten, die sich lohnen. Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass man ein Quentchen Enschiedenheit braucht, um weiter zu kommen. Klar, wenn es in Strömen regnet, werde ich meine Kamera nicht noch ins Wasser halten, das ist eine Ausnahme. Ansonsten gilt : Nicht lange zögern, einfach machen.
2. Fotografiere eine Zeit lang eine bestimmte Sache
Die grössten bildtechnischen Sprünge habe ich dann machen können, wenn ich mich einer Sache oder einem Thema besonders hingegeben habe. Ein Beispiel : Bäume. Immer wieder habe ich über längere Zeiträume ausschliesslich Bäume in ihrer Umgebung fotografiert – und meistens einzeln. Damit möchte ich nicht sagen, dass meine Baumfotos einem “professionellen” Anspruch genügen. Nein, aber ich weiss mit 100%iger Sicherheit, dass meine Baumbilder heute um ein zehnfaches besser sind als vor 3 Jahren. Es ist wie eine Art Training, das ich absolviert habe. Und das sieht man meinen Bildern einfach an.
3. Fotografiere nur mit einem Objektiv
Dieser Tipp gilt für diejenigen, die mehrere Objektive zur Verfügung haben. Vor einiger Zeit habe ich mich dazu entschieden, ausschliesslich mit dem 10mm Objektiv Landschaften zu fotografieren (für eine Zeit lang). Dadurch habe ich gelernt, die Natur mit diesem “Auge” zu sehen. Nach einer Weile wusste ich genau, wie ein Bild durch diese Linse aussehen würde. Manchmal hätte ich gerne einfach das Tele draufgemacht – aber da ich in der Natur sowieso so gut wie gar nicht meine Objektive wechsele, bin ich einfach dabei geblieben. Das hat mir geholfen, mich auf das eine Objektiv zu spezialisieren und genau zu wissen, welche Perspektiven und Gegebenheiten sich dafür eigenen.
4. Schaue seltener auf Dein LCD
Diesen Tipp habe ich in Joe McNally‘s “Der entscheidende Moment” gelesen und er hat sich als lohnend herausgestellt. Dadurch habe ich gelernt, mich mehr auf das Objekt und den “entscheidenden Moment” zu konzentrieren als ständig zu überprüfen, ob auch alles passt. Häufig habe ich festgestellt, dass es sich beim “immerdraufgucken” um eine Angewohnheit handelt, die ich mir antrainiert habe. Nun gilt es, sie wieder zu verlernen und nur in wichtigen Fällen drauf zu schaun – manchmal ist es unvermeidlich und ja auch nützlich – wie z.B. bei dem Histogramm.
5. Drücke seltener ab
Als ich mit dem Fotografieren begonnen hatte, wurde alles fotografiert, was vor die Linse kam. Jeder Moment musste festgehalten werden. Auch bei einem Shooting, in welchem es nur um eine Sache ging, habe ich sehr häufig den Auslöser gedrückt. Doch eines Tages habe ich bemerkt, in welche innere Hektik mich das ständige Klicken brachte und ich versuche seither, bewusster und vor allem seltener abzudrücken. Innerlich ruhig bleiben, auf das Wesentliche konzertieren und auch einmal komponieren, ohne gleich 2,3 Bilder zu machen… Das hat nur Vorteile, denn es beruhigt nicht nur, sondern ich habe seither auch weniger Bilder am Rechner auszusortieren. Und somit spare ich wieder Zeit.
6. Lese ein Buch über Deine Kamera
Ich behaupte jetzt einmal frech : Wer seine Kamera verstanden hat, der kann auch besser fotografieren. Denn wer nicht weiss, wo er die Spiegelverriegelung oder ganz einfach die Blende einstellen kann, der wird sich ständig gebremst fühlen. Vor einem halben Jahr habe ich ein Buch über die Canon EOS 40D gelesen – und wer schon einmal in meine Ausrüstung geschaut hat, der weiss dass ich eine 30D besitze. Da die beiden Kameras nicht weit auseinander liegen, hat das für mich keinen grossen Unterschied gemacht und ich durfte viele Sachen lernen, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie existieren. Denn vom Typ her bin ich einer derjenigen, die die Verpackung aufreissen, das neue Tool herausholen und die Anleitung recht schnell wieder vergessen. Das macht zwar Spass, aber man verpasst wirklich Einiges. Kenne Deine Kamera – und Du hast viele Sorgen los.
7. Verzichte 1 Woche lang auf News, Feeds und Blogs
Wer den Post “Fotografie und das Web” gelesen und das Ergebnis auf intermayer schon begutachtet hat, der weiss, dass die meisten Fotobegeisterten mehr Zeit vorm Rechner als hinter der Kamera verbringen. Wer es beruflich entbehren kann, dem empfehle ich hierbei einmal für 1 Woche eine Fastezeit einzulegen. Keine Feeds, Blogs oder irgendwelche anderen Websachen. Wer kann, der nutze stattdessen die Zeit und plane kleine und grössere Foto-Safaris oder Shootings. Die Bilder müssen ja trotzdem auf den Rechner gezogen und optimiert werden, somit handelt es sich ja auch nur um ein Teilfasten, hihi.
8. Stelle Dich schwierigen Herausforderungen
In meinem Beruf nehme ich auch Jobs an, die mir nicht wirklich liegen, denn ich komme manchmal einfach nicht drumherum. Solche Momente mag ich eigentlich gar nicht, vor allem bei Shootings, die ich zuvor nie gemacht habe. Doch es hat sich als hilfreich herausgestellt, mit einer positiven Einstellung und genügend Biss an die Sachen heranzugehen und sie durchzuziehen. Auch Fotowettbewerbe, bei denen einem das Thema nicht unbedingt liegt oder selbstgemachte Herausforderungen a la “ich fotografiere jetzt einfach mal was anderes” können den selben Effekt haben. Sie bringen Dich weiter, auch (oder gerade) wenn es ein bisschen weh tut.
9. Für den Perfektionisten : Akzeptiere mittelmässige Fotos
Aua, das hört sich fies an, nicht war ? Mit dem Perfektionisten identifiziere ich mich 100%, denn ich bin so einer. Ich könnte stundenlang an einem einzigen Bild herumdrehen und 1000 Fotos davon knipsen – und das hat ja auch seinen guten Grund. Doch manchmal ist dafür einfach keine Zeit oder es macht einfach Sinn, die Sache mal auf den Punkt zu bringen. Zu Beginn habe ich mich damit schwer getan, denn ich möchte ja schliesslich nur 1. Sahne – Fotos weitergeben. Tja, aber das geht nunmal nicht immer und so musste ich langsam aber sicher lernen : Loslassen. Und ich sage Dir, das hilft, die Sache lockerer zu sehen und sich nicht daran festzuklammern, nur die geilsten Fotos zu fabrizieren.
10. Geniesse den Augenblick
Vor lauter fotografieren, komponieren und der Beschäftigung mit der Kamera passiert es mir häufig, dass ich den eigentlichen Moment gar nicht geniesse, sondern nur darauf aus bin, ihn mit der Kamera einzufangen. Hinterher bemerke ich dann, dass ich eigentlich nur durch den Tag gehuscht bin – vielleicht viele gute Fotos geerntet habe – aber eigentlich gar nichts wirklich mitbekommen habe. In solchen Momenten denke ich nur an das nächste Bild und kann das, was ich gerade tue eigentlich überhaupt nicht geniessen. Seitdem ich mir darüber im Klaren bin, versuche ich immer wieder jeden Augenblick hinter der Kamera auszukosten, gerade wenn ich in der Natur bin. Das macht mich lockerer, entspannter und befreit mich von störendem Leistungsdruck und das wirkt sich deutlich auf meine Bilder aus.
Haben Dich meine Tipps weitergebracht ? Hast Du Fragen dazu ? Hast Du noch andere Tipps, welche mich in der Fotografie weiterbringen könnten ? Ich freue mich auf Deinen Kommentar !
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Übrigens : Schon Dein bestes Foto im Fotografie Forum eingereicht ?
Mit Gastautoren, Gesprächspartnern und Lesern sinne ich hier in Wort & Bild der Fotografie nach. Das geschieht meist mit einer gesunden Prise Skepsis, dem Ziel, den kreativen Horizont zu erweitern und einem Augenzwinkern - wir lachen auch über uns selbst. Und: Wir hören gerne Jazz ...












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Sehr interessante Tipps und Erfahrungen, in denen ich mich teilweise wieder erkannt habe. So zum Beispiel beim Perfektionismus oder Punkt 10 den Augenblick genießen. Wenn ich fotografieren gehe, so ergeht es mir sehr oft, dass ich z.B. die Natur, die ich fotografiere nicht genießen kann, denn es geht mir nur um die Fotografie. Zu Punkt 7, das wäre für mich überhaupt nicht möglich, da würde mir irgendwie etwas fehlen. Ein Tipp noch von mir: Lese Fotobücher! Diese bringen nicht nur den Wissenstand weiter, sondern inspierieren einen zunehmend zum Beispiel für eigene Projekte.
Liebe Grüße
Julia
sehr schöner artikel! und echt gute tips! vielen dank martin!
meine vorredner haben recht. tolle tipps, die richtig lust auf fotografieren machen
Ich denke mit Punkt 10 werden vorallem professionelle oder semiprofessionelle Fotografen zu tun haben. Es ist sicherlich auch einer der gefährlichsten Punkte. Da sollte man wirklich gegen ansteuern, wenn man in diese Situation kommt.
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Sehr schöne Tipps!
Ich meine du hast schonmal vor einiger Zeit solche Tipps zusammengefasst. Dabei ist mir insbesondere das nicht so oft knippsen, sondern konzentrierter fotografieren im Kopf geblieben.
Man vergisst zu schnell den Moment auch zu genießen und auf sich wirken zu lassen!
Ich erwische mich immer wieder wie ich ganz viele Fotos von ein und dem selben Objekt mache und später am Computer bemerke, das ich in nahezu jedem Bild den selben Fehler gemacht habe (hier was abgeschnitten; dort zu wenig rand gelassen). Man sollte sich wirklich mehr Zeit nehmen für ein Objekt und es auf sich wirken lassen, verschiedene Positionen ausprobieren und dann gezielt abdrücken um ein wunderschönes Foto zu erhalten und nicht mehrere wo du es später bereust dich nicht besser konzentriert zu haben.
Das ist eine Sache die ich noch nicht wirklich verinnerlicht habe, allerdings bin ich dir sehr dankbar für diesen Tip.
Es wird mir allerdings schwer fallen hier eine Woche nicht vorbei zu schauen…
Sehr gute Tips und gut beschrieben!
Der Artikel war genial…kommt gerade zur richtigen Zeit. Habe auch schon einige RSS-Feeds gelöscht, damit vielmehr Zeit für das Fotografieren bleibt. Im Punkt 10 habe ich mich auch wiedererkannt….LG Torsten
Sehr interessanter Beitrag! Besonders Punkt 9 hat es mir angetan! Ich persönlich versuche auch andauern 100 von Fotos zu machen um ein perfektes zu bekommen. Doch naher geht es mir schlimmer als hätte ich die Situation verpasst.
Hallo Martin,
danke für die Tipps. Zu Punkt 4 hatte ich vor Kurzem ein Schlüsselerlebnis. Ich war bei einer Veranstaltung, nicht als Fotograf sondern als Gast. Dadurch hatte ich Gelegenheit, den beauftragten Fotografen zu beobachten (blöde Angewohnheit :-) Und er hat manchem guten Moment auf der Bühne verpasst, weil er gerade damit beschäftigt war, das letzte Bild auf dem Display zu kontrollieren anstatt erstmal zu sammeln. Wegschmeissen kann man hinterher immer noch. Und nach den ersten Bildern sollte man sich auf die vorhandenen Gegebenheiten eingeschossen haben, so dass nicht jedes Bild einzeln sofort kontrolliert werden muss. Zum sich die Lichtverhältnisse nicht änderten.
Punkt 3. würde ich so erweitern:
3a. versuche mit festen Brenweiten (10-30-50-80 sind sehr empfehlenswert)
3b. schalte das AF aus
3c. schalte auch das “super-auto-voll-alles-erkennungs-modus” der Kamera aus
Wenn du dann 4. und 5. dazunimmst, folgt:
==> versuche eine weile analog :)
Gute Tipps, hat mir Spaß gemacht
Ich habe mich ebenfalls gerade bei den Punkten 9. und 10. wiedererkannt und das obwohl ich noch ein blutiger Anfänger bin.
Ich versuche immer das Optimum aus meinen Aufnahmen zu holen und vergesse dabei alles um mich herum. Dies führte schon desöfteren dazu, dass ich abends nach hause kam und erst beim Sichten der Bilder sah, was ich den ganzen Tag über gemacht habe… :(
Um noch einen oben drauf zu setzen, wenn ich mich dann beim Sichten befinde und feststellen darf, dass der Großteil der gemachten Fotos meinen Ansprüchen nicht genügen, hatte mich schon häufiger das ungute Gefühl beschlichen, dass ich einen weiteren wertvollen Tag verschenkt habe.
Gruß
Smlyo
Gerade PUNKT 5 (Drücke weniger ab!) ist gold wert. Zeit nehmen und den nächsten Bildausschnitt gut überlegen und auswählen. Schult auf Dauer das fotografische Auge ;)
“Gerade PUNKT 5 (Drücke weniger ab!) ist gold wert. Zeit nehmen und den nächsten Bildausschnitt gut überlegen und auswählen. Schult auf Dauer das fotografische Auge”
Dem stimme ich im Großen und Ganzen zu, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnen kann, wenn man erstmal den richtigen Ausschnitt etc. gefunden hat, dass man dann zur Sicherheit 1-3 Aufnahmen macht. Mir war es schön öfter mal passiert, dass sich der Fokus nicht an der gewünschten Stelle befand (bewegte Motive) und seitdem ich fast immer zwei Aufnahmen mache, passt eines eigentlich immer…
Ich muss Torsten und Smylo zustimmen:
Nimm dir mehr Zeit zwischen den Fotos, um das Ergebnis zu prüfen, aber mach wenn du damit zufrieden bist ein paar mehr Fotos, für den Fall dass der Blick vom Modell nicht hinhaut, oder der Fokus verkehrt war.
Ich bin selbst gerade dabei, mir das ständige Schauen auf das Display abzugewöhnen. Dazu habe ich die Vorschau einfach abgeschaltet. Aber dennoch ertappe ich mich dabei immer wieder, wie ich die Kamera runter nehme… ;-)
Noch ein Hinweis in anderer Sache an Martin: vor Satzzeichen gehören keine Leerstellen… ;-) (Diesen Hinweis darfst Du natürlich auch gerne entfernen.)
[...] 10 Wege, Deine Fotografien zum nächsten Level zu bringen [...]
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Eine super Seite! So viele Infos, klasse Tipps, schoene Bilder. Ich bin hier irgendwie zufaellig reingerutscht und bin begeistert – das musste ich jetzt mal loswerden, auch wenns nicht direkt ein Kommentar ist :-). In sooo vielem vom Geschriebenen sehe ich mich wieder.
Hmm, die Tips sehe ich nun auch schon zum hundertsten mal, scheint aber nie jemand zu beherzigen. Der abertausende Aufguss bringt da sicher nichts.
Was soll “lese ein Buch” sein? Hat das etwas mit der Wein- oder Auslese gemein?
[...] http://kwerfeldein.de/index.php/2008/09/15/10-wege-deine-fotografie-zum-naechsten-level-zu-bringen/ [...]