Dies ist ein Gastbeitrag von Roman Geber. Er lebt in Frankreich und fotografiert als Amateur begeistert alles was die Natur an Schönheit zu bieten hat. Vorwiegend verwendet er dazu klassische analoge Mittel, gelegentlich entstehen aber auch digitale Bilder.
Ein Foto zeigt meine Wahrnehmung der Welt. Als Fotograf entscheide ich was wie in Szene gesetzt werden soll. Ob es sich dabei um eine gestellte Szene, einen Schnappschuss auf der Straße oder einfach nur einen ganz normalen Augenblick in einer alltäglichen Situation handelt ist vollkommen egal. Die Kamera ist ein Werkzeug, das mir erlaubt meine Ansicht der Dinge für andere sichtbar zu machen.
Fotografie ist nicht teuer und doch unerschöpflich. Es ist vollkommen egal ob man mit einer selbstgebauten Lochkamera oder dem neuesten High End Modell diverser Hersteller fotografiert. Weniger ist es die Technik als der gestalterische Akt vor dem inneren Auge der dem Hobby Fotografie eine so unendliche Tiefe gibt. Es bedarf nur minimalem Aufwand für Interessierte erste Erfahrungen zu machen und Erfolge zu feiern.
Fotografie verändert meine eigene Wahrnehmung. Nichts mehr ist wie es war bevor ich ständig mit meiner Kamera los zog. Ständig auf der Suche nach einem lohnenden Motiv, wert auf Film oder Chip gebracht zu werden. Ich entdecke oft Schönheit oder zumindest Interessantes in ganz alltäglichen Situationen. Bin ich auf der Straße unterwegs nehme ich die Leute viel aktiver wahr als sonst, ich lese ihre Gesicher, frage mich was in Ihnen vorgeht, welche Geschichte sie haben und wo sie hin gehen. Auch die freie Natur entdecke ich völlig neu. Oft sind es nur Kleinigkeiten die mein Fotostudio im Kopf anregen.
Echte Kunstwerke erfordern geistige Höchstleistung. Fotografie ist wie ein Denksport. Wo finden sich Motive? Was wird passieren? Wie setze ich es am besten in Szene? Wie soll das fertie Bild aussehen? Was muss ich tun um dort hin zu gelangen? Wie überschreite ich die Grenzen des Machbaren? Jedes Bild erfordert Antworten auf diese und andere Fragen. Der Fotograf ist ständig zum Nachdenken gezwungen um zu verhinder, dass das Foto unter die Anforderungen der eigenen Vorstellungen rutscht.
Ein Foto ist eine materialisierte Erinnerung. Ich liebe es durch alte Fotobücher längst vergangener Zeiten zu blättern. Oft sind es gerade die unspektakulären Bilder die ich die längste Zeit auskoste. Sie sind wie ein kleines Fenster in eine andere Zeit, eine Zeit die so nie wieder kommen wird und ohne Fotografie zumindest visuell verloren wäre. Eines Tages wird jemand gleiches über Fotografien unserer Zeit schreiben während er oder sie vielleicht an Bilder aus meinem Labor denkt. Und so eröffnet Fotografie einen Weg nicht vollends vergessen zu werden, zu beweisen, dass man da war und die Welt einmal so ausgesehen hat.
Technische Vielfalt macht die Kameras interessant. Auch wenn es nicht wirklich relevant ist womit eine Aufnahme gemacht wird finde ich die enorme Vielfalt an Kameras in höchstem Maße interessant. Unterschiedliche Formate mit ihren diversen Vor- und Nachteilen, unterschiedliche Ansätze im Aufbau von Kameras, ausgefeilte Optiken die gegen negative Effekte ankämpfen oder einfach nur das Wunder, dass ein Schuhkarton Bilder machen kann. All diese Dinge halten mich ständig auf Trab dazu zu lernen um neue Mittel und Wege zu erschließen die meinen Ideen dienlich sein könnten. Selbiges gilt natürlich auch für Geräte und Programme zur analogen und digitalen Nachbearbeitung.
Der Wow Effekt. Ja ich gebe es zu, dass ich es sehr gerne höre wenn meine Bilder gelobt werden. Oft genug kommt es vor, dass ich selbst nicht zufrieden bin und ein Bild niemandem zeige. Die wirklich guten und außergewöhnlichen Bilder koste ich um so mehr aus. Es ist eben doch etwas anderes ob man tausende Urlaubsdias vor einem halb eingeschlafenen Freundeskreis präsentiert oder nur eine handvoll aussagestarker Bilder die sofort das Interesse des Betrachters wecken. Diese Bilder sind es die mich darin bestätigen weiter zu machen, egal wie oft auch was daneben geht.








dieser Arikel bringt meine gedanken auf den punkt.
fotografie für sich selbst (er)leben, gedanken in bilder zu fassen und sich dabei oft im nachgang über eigene sichtweisen wundern…
danke für diesen beitrag
..ja, das passt schon.. vor allem
“Fotografie verändert meine eigene Wahrnehmung. ”
Das ist fast schon schlimm… :-)
Man kann NICHTS mehr normal ansehen.. ohne sich Gedanken zu machen “Wie sehe das fotografiert aus?”
Merkt man spätestens wenn man irritierte Blicke erntet, weil man grüblerisch vor einem Allerweltsgegenstand steht…
Besser hätte ich es nicht formulieren können. Das deckt sich zum Teil mit meinen Ansichten zur Fotografie.
Bedankt sich ebenfalls für diesen Beitrag.
Ja, meine Wahrnehmung hat sich innerhalb der vergangenen 6 Monate auch stark verändert. Dinge, die sonst keinerlei Beachtung fanden, wie eine ganz normale Haus- oder Straßenecke, fallen mir ins Auge und warten darauf, forografiert zu werden. Und der Punkt mit dem Denksport ist stimmt ebenfalls. Man macht sich vor dem Abdrücken sehr viele Gedanken darüber, wie man was in Szene setzt, wie man eine perfekte Wirkung erzielen kann u.s.w. Ich keinen Beitrag voll unterschreiben. Danke!
“Oft genug kommt es vor, dass ich selbst nicht zufrieden bin und ein Bild niemandem zeige. Die wirklich guten und außergewöhnlichen Bilder koste ich um so mehr aus.”
Ich habe auch öfters schon die gegenteilige Erfahrung gemacht: nämlich dass gerade die Fotos, die man am meisten mag, bei den anderen nicht so gut ankommen, während die von einem Foto, das man selber nicht mag, hellauf begeistert sind…
Ich fotographiere zwar sehr gern, aber nicht in Massen.
Dennoch kann auch ich kann den Beitrag voll unterschreiben.
Danke!
Hallo,
vielen Dank für die positiven Kommentare. Es freut mich zu lesen, dass viele hier mit mir übereinstimmen und die Fotografie doch noch nicht ganz zur reinen Technikspielerei verkommen ist. Gerade der von vielen etwas verwundert zu Kenntnis genommene fotografische Blick macht den Unterschied zwischen einem echten Unikat und einem 0815 Foto.
Ob man die selbst ungeliebten Resultate anderen zeigen möchte oder sie lieber in der Schublade verschwinden, liegt natürlich sehr stark daran wie wichtig es dem Fotografen ist sich selbst durch seine Bilder auszudrücken. Ich kenne es wenn andere die von mir verhassten Bilder als ausgezeichnet kommentieren, Ines. Doch muss ich selbst von meinem Resultat überzeugt sein bevor ich es anderen stolz präsentieren kann. Als eher künstlerisch orientierter Hobbyist kann ich mir diesen Luxus leisten die Geschmäcker aller anderen in den Wind zu schießen.
Ganz andere Melodien spielen hier bei Auftragsarbeiten. Hier stehen persönliche Vorlieben im Hintergrund. Dem Kunden muss es genügen, nicht mir. Als Hobbyisten und Begeisterte Amateure haben wir also einen gewaltigen Vorteil gegenüber den Berufsfotografen. Machen wir das beste daraus ;-)
cu
Roman
“Ich habe auch öfters schon die gegenteilige Erfahrung gemacht: nämlich dass gerade die Fotos, die man am meisten mag, bei den anderen nicht so gut ankommen, während die von einem Foto, das man selber nicht mag, hellauf begeistert sind…”
..das Thema gab’s ja auch schon mal in diesem Blog..
Das ist wirklich eine Crux.. Da hat man ein Foto, was einem gelungen erscheint und ist dezent freudig erregt.. ;-)
..und die anderen schauen ein an und… “Ja.. und???”
Und dann tippen Sie auf ein Foto das 08/15 für dich aussieht und sagen “DAS da finde ich gut!”.
Blick durch den Sucher – 2008-W31…
Der Blick durch den Sucher – der Wochenrückblick auf die Fotografie-Szene – für Kalenderwoche 31.
Mein Highlight der Woche: Ja, über das Street Photography-Projekt von Thomas Hawk hatte ich hier schon berichtet. Trotzdem: diese Woche ging’s w…