Redaktioneller Beitrag19.07.2008 / 15:00

Die Perfekte Bildwirkung erzielen – Die Drittel Einteilung

Dies ist ein Gastartikel von Basti Schroeder. Er ist momentan auf einer viermonatigen Reise durch Kanada und wird im August mit seiner Ausbildung zum professionellen Fotografen beginnen. Sein Schwerpunkt ist die Portrait und Landschaftsfotografie. Bastis Portfolio und seinen Blog könnt ihr auf www.schroederphotography.de betrachten.

Viele Bilder springen einfach ins Auge, man weiß nicht warum, aber sie sind einfach schön. Man selbst schießt von nur zwei Meter weiter das vermeintlich „gleiche“ Bild, aber es wirkt nicht so gut.

Woher kommt das? Warum wirken meine Bilder nicht so?

Dafür gibt es natürlich sehr viele Faktoren. Einer der Wichtigsten allerdings ist die Drittel-Einteilung.

Was genau ist das?

Man geht davon aus, dass das Bild sowohl senkrecht, als auch horizontal in Drittel eingeteilt wird. Dadurch ergeben sich neun kleine Kästchen im Bild.

http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/gastposts/A/pastedGraphic.jpg

Platziert man ein Objekt an den Punkten, wo sich die Linien treffen, erzielt man für jedes Bild eine ganz besondere Gewichtung. Welcher Punkt für das jeweilige Foto der Richtige ist, hängt ganz von der Intention des Fotografen und der gewünschten Wirkung ab.

http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/gastposts/A/mitte.jpg

http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/gastposts/A/untenrechts.jpg

http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/gastposts/A/obenlinks.jpg

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Die Bilder vom Erdboden eines ausgetrocknetem kanadischen Sees geben für diesen Fall ein perfektes Beispiel. Die drei Fotos mit dem weißen Stein an einer der Berührungspunkte in der gedachten Drittel-Einteilung wirken alle gut gewichtet, wohingegen das Bild mit dem Stein in der Mitte eher trostlos aussieht.

Ein anderes Beispiel für diese Gewichtung ist folgendes Bild aus Nanaimo, British Columbia. Das Boot liegt ziemlich genau auf dem gedachten unteren rechten Schnittpunkt der Drittel-Linien und erzeugt damit eine ausgewogene Stimmung.

http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/gastposts/A/nanaimo.jpg

Hätte ich das Boot mittig im Bild platziert, wäre sämtliche Spannung verloren gegangen.

Betrachten wir nun nicht nur die Eckpunkte, sondern beide horizontale Linien.

Möchte man zum Beispiel ein Landschaftspanorama schießen und dabei ganz besonders auf den Himmel aufmerksam machen, so sollte man den Horizont im unteren Drittel des Bildes ansiedeln.
Ist Tiefe im Bild wichtig, ist die obere der beiden Linien besser als Horizontlinie geeignet.

Wie ihr merkt, lasse ich „mittig platziert“ komplett außen vor. Das liegt schlicht und einfach daran, dass die meisten Bilder mit einem mittigen Horizont langweilig aussehen.

Zwei Beispiele für die unterschiedlichen Wirkungen von Tiefe im Bild und ausdrucksvollem Himmel seht ihr unten.

http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/gastposts/A/dock%20oben.jpg

http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/gastposts/A/dock%20unten.jpg

Für dieses Bild ist die Version mit dem Horizont im oberen Bilddrittel besser geeignet. Die Länge der Brücke und die Entfernung des Berges wird damit besser zum Ausdruck gebracht.

Natürlich sind solche Vorgaben nur da, um eine gewisse Richtung zu bekommen. Es gibt mit Sicherheit auch Bilder, die mit mittiger Bildaufteilung schön sind. Regeln sind da, um grobe Vorgaben zu geben und vor allem, um gebrochen zu werden! Lasst euch also nicht entmutigen!! Wichtig ist nicht die Theorie, sondern die Praxis. Geht raus und macht Bilder!!

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Dies ist ein Artikel von Martin Gommel.

Als Herausgeber von KWERFELDEIN sinnt Martin hier mit Autoren, Gesprächspartnern und Lesern in Wort & Bild der Fotografie nach. Meist mit einer gesunden Prise Skepsis, dem Ziel, den kreativen Horizont zu erweitern und einem Augenzwinkern. ;-)

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Kommentare

  1. mikum sagt:

    Schöner Artikel.

    Allerdings sind die Fotos mit dem Stein – für mein Empfinden – gerade ein Beispiel dafür, dass man die Regel des goldenen Schnitts auch mal brechen sollte. Mir gefällt nämlich das Foto am besten, bei dem der Stein zentral positioniert ist.
    Fotografie ist halt eine sehr subjektive Angelegenheit. :)

  2. Samuel sagt:

    Ich kann mich mikum da nur anschließen. Mir ist das Bild mit dem Stein in der Mitte ebenfalls “am angenehmsten”, in den anderen 3 Bilder empfinde ich den Stein sogar als eher störend.
    Trotzdem danke für den Artikel, weil er trotzdem sehr anregend ist. Mir gefällt das Foto mit dem Boot sehr und es hat mir die Aussage von dem Artikel sehr verdeutlicht. Großes Lob dafür.
    Für das dritte Beispiel hätte ich den Mittelweg gewählt, was aber, so denke ich, deine Intention weiter verdeutlich.
    Das ist aber rein subjektiv und ich wünsche allen viel Spaß am weiteren knipsen :)

    Liebe Grüße
    Samuel

  3. kennstenicht sagt:

    @mikum die drittel Einteilung hat nichts mit dem Golden Schnitt zu tun. der Goldene Schnitt ist eine Längeneinteilung von 1:1,618. Die drittel Einteilung dagegen von 1:1:1 oder wenn wir das Beispiel mit dem Stein, als er auf der unteren oder oberen Linie liegt, nehmen von 2:1

    und zum Thema Harmonie und angenehm: soll ein Bild immer angenehm zum anschauen sein? geht es bei Kunst nicht oft auch darum Spannungen zu erzeugen? Den Blick durch das Bild wandern zu lassen, es evtl. fast zum kippen bringen?

  4. Sunee sagt:

    Von den vier Stein Fotos gefällt mir das Erste am besten, da der Stein zentriert abgebildet wird. Ausgewogenheit ist ein wichtiges Kriterium. Ich stelle das immer dann fest, wenn ich meine eigenen Fotos auf den Prüfstand stelle.

  5. insk sagt:

    @mikum genau das hab ich auch sofort gedacht, als ich die beispielbilder gesehen habe ;)

    ansonsten schoener artikel!

  6. j0ni sagt:

    Muss ich absolut zustimmen, das Bild mit dem Stein in der Mitte wirk am besten und ich war mir auch sicher, dass genau das ein Gegenbeispiel darstellen sollte, bis ich den Text las ;D

  7. mikum sagt:

    Okay, da bin ich wohl nicht präzise genug. Goldener Schnitt und Dritteleinteilung ist für mich dasselbe. Oder wer rechnet beim Fotografieren 1:1,618 ??? Ich seh’s halt eher praktisch als wissenschaftlich.

    ;D

  8. Blue sagt:

    Endlich mal was mit ordentlich beispielen! danke! sehr gelungen, praktische tipps!

  9. Basti sagt:

    Vielen Dank für die ganzen positiven Kommentare. :-)

    Ich hätte nicht gedacht, dass euch das Bild mit dem Stein in der Mitte so gut gefällt. Mein Favorit ist das vierte, also das mit dem Stein unten links. Gerade weil es den Stil so bricht. Aber wie ihr schon gesagt habt, Fotografie ist Subjektiv…

    @Samuel: Ich mag Bilder mit viel Tiefe sehr gerne, daher habe ich den Horizont im Bild mit dem Dock so weit oben gewählt.

  10. dogwatcher sagt:

    Witzig.. mir ging’s mit dem Stein ebenso… die “mittige” Ausrichtung wirkte, zumindest hier auf der Webseite, für mich am stimmigsten.

    Vielleicht liegt das ja daran, dass der ausgetrocknete See vielleicht ja auch eine gewisse … “Trostlosigkeit” beinhaltet, insofern passt die mittige Zentrierung ganz gut.

    Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Stein derartig dominant ist, dass er für das Auge quasi Fluchtpunkt und Zentrum ist… und ausserhalb der Mitte wirkt das irgendwie.. “falsch”.

  11. fswerk sagt:

    mir gefällt auch das foto mit dem zentral positionierten stein am besten. evtl. noch ein anderes format…
    ach ja, und was ist mit anderen bildformaten?

  12. alex kochkunst sagt:

    die 2/3 regel ist halt eine regel. sie hat ihre daseinsberechtigung, aber regeln sollten niemals einen anspruch auf ein gestaltungsmonopol haben. mit regeln kann man weit kommen, aber wahrhaftig umwerfende bilder konterkarieren oft (auch nicht immer) regeln der gestaltung. viel wichtiger als auf regeln sollte man sich auf das eigene gefühl beim abdrücken verlassen. man kann sich dem motiv über eine regel nähern, und dann durch eine ausschnitts- oder kompositionsveränderung prüfen, ob in dem individuellen fall das beste gesamtbild die regel verifiziert oder vernichtet. ein frontales bild ohne tiefe, wie z.b. das mit dem stein auf dürrem boden, wirkt generell auch ganz anders als eine landschaftsaufnahme oder ein portrait. weiterhin spielt auch die größe des steins im verhältnis zur bildfläche eine rolle. ein kleiner stein im bildmittelpunkt wirkt für meine subjektiven augen ganz anders als ein dreimal so großer stein, der in der bildmitte für mich ein wesentlich besseres bild abgibt. im übrigen ist das wichtigste element bei diesem beispielfoto die verschattung zum bildrand hin, nicht die komposition, d.h. kompositionsregeln spielen hier eine untergeordnete (was aber nicht heißt, keine) rolle. nebenbei bemerkt, würde ich den stein wahrscheinlich in den bei mir eigentlich gar nicht so beliebten goldenen schnitt legen.
    kürzlich war ich mit andrea und antonella ferrari auf einigen tauchgängen unterwegs. die ferraris sind berühmte unterwasserfotografen, die schon mehrere bücher publiziert haben, und proklamieren auch vehement die 2/3-regel. trotzdem verzichtet ein bemerkenswerter teil ihrer fotos auf diese regel, weil das motiv und bildaussage nach etwas anderem verlangt.
    also: es ist gut, um die 2/3-regel zu wissen, aber man muss auch ein fingerspitzengefühl dafür entwickeln, wo man sie einsetzt und wo man es besser unterlässt.

  13. Daniel sagt:

    Mal schön zu sehen wie Bilder wirken, die prinzipiell das selbe Motiv zeigen, aber unterschiedliche Bildaufteilungen verwenden. Klasse und danke!

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