Redaktioneller Beitrag01.07.2008 / 20:45

Das Histogramm verstehen

Man sieht es immer wieder, das sogenannte Histogramm. Manche Kameras zeigen nach der Aufnahme wahlweise ein Histogramm, das Informationen über das Foto geben soll. Auch in Gimp, Photoshop und anderen Bildbearbeitungsprogrammen kommt es zum Vorschein. Da stellt sich dem einen oder anderen schon die Frage : Für was gibt es eigentlich das Histogramm ? Und was zeigt es eigentlich ? Mit Hilfe von Wikipedia, Youtube und meinem Wissen werden diesen Fragen heute mal auf die Schliche kommen.

Lassen wir erstmal jegliche komplizierten Definitionen weg und schaun uns zusammen dieses Video an.

Also noch einmal zum Mitschreiben. Das Histogramm stellt die unterschiedlichen Tonwerte eines Bildes grafisch dar. Auf der linken Seite sieht man die schwarzen Anteile des Fotos und auf der rechten Seite die weissen. Dazuzwischen liegen die Grauwerte.

Wie auch schon im Video erklärt, werden hier die verschiedenen Helligkeitswerte mit 256 Zahlen benannt. 100 % Schwarz = 0 und 100% Weiss = 255. Die Zahlen 1 – 254 benennen die Werte dazwischen.

Das Histogramm beim Shooting lesen und nutzen
Schau bei Deinem nächsten Shooting öfters mal auf Dein LCD und lass Dir nach jedem Schuss (soweit möglich) das Histogramm anzeigen. Somit wirst Du am schnellsten ein Gefühl für das Histogramm bekommen und es besser verstehen.

Wikipedia meint hierzu :
“Das Betrachten eines Histogramms erlaubt es dem Fotografen, das Ergebnis oder das geplante Foto genauer zu kontrollieren, als es das Kameradisplay erlaubt. Zum Beispiel kann man typische Fehler wie Unter- und Überbelichtung erkennen und diese durch entsprechende Belichtungskorrektu beheben.”

Siehst Du also bei Deinem Foto im Histogramm diese Werte (links) , dann bedeutet das, dass Dein Foto überbelichtet ist. Die grössten Anteile des Fotos sind somit sehr hell und auch weiss. Dadurch gehen so manche Strukturen und Details verloren. Es bietet sich an, mit einer Belichtungskorrektur (dunkler) das Foto noch einmal zu machen. Übrigens : Ist eine überbelichtete Aufnahme mit Absicht erstellt worden, so spricht man von einem Highkey-Foto. Solch ein Foto ist dann auch sehr hell und soll gerade dadurch seine Ausdruckskraft bekommen. Hierbei wird die Überbelichtung grosser Flächen im Foto gezielt eingesetzt.

Sollte Dein Foto ein Histogramm anzeigen, dass so aus sieht wie hier – dann ist Dein Foto unterbelichtet. Hierbei kannst Du genau umgekehrt wie im ersten Beispiel vorgehen. Einfach mit einer helleren Aufnahme das Foto nocheinmal machen. Auch bei den unterbelichteten Fotos gibt es Ausnahmen, wenn sie absichtlich so erstellt wurden. Man nennt sie Low-Key und auch diese Bilder haben eine ganz eigene Stimmung. Diese sind (wie sich jeder denken kann) besonders dunkel.

Hat Dein Histogramm Werte wie dieses hier (oder ähnlich), dann verrät es Dir, dass die meisten Details gut zu erkennen sind. Das Foto ist weder unter – noch überbelichtet. Hierzu muss ich sagen, dass es ganz auf das Foto ankommt und Histogramme wirklich sehr unterschiedlich aussehen können. Dieses dient nur als Beispiel um zu veranschaulichen.

Gerade wenn Du an einem strahlenden Sommertag draussen in der Natur bist, kann Dir das Histogramm helfen. Denn dann kannst Du nur schlecht erkennen, ob das Foto gut belichtet ist. Doch das Histogramm kannst Du fast immer erkennen und somit wichtige Informationen über das Bild erhalten.

Histogramm – Irrtümer
Ein Histogramm gibt Dir Informationen über die Helligkeitswerte Deines Fotos. Das ist eine sehr wichtige Information – doch es ist noch lange nicht alles. Das Histogramm sagt nämlich gar nichts darüber aus, ob Dein Bild “gut” ist oder nicht – solch einem Aberglauben bin ich hier und da schon begegnet.

Info : Auch Farbwerte können mit einem Histogramm wiedergegeben werden – das ist aber ein anderes Kapitel ;)

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Dies ist ein Artikel von Martin Gommel.

Als Herausgeber von KWERFELDEIN sinnt Martin hier mit Autoren, Gesprächspartnern und Lesern in Wort & Bild der Fotografie nach. Meist mit einer gesunden Prise Skepsis, dem Ziel, den kreativen Horizont zu erweitern und einem Augenzwinkern. ;-)

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Kommentare

  1. dex sagt:

    …und ich hoffe dass auch dieses andere Kapitel kurz behandelt wird :-D

    ansonsten wirklich eine gute Beschreibung dieses IMHO wichtigen tools

    lg

  2. Boris sagt:

    Vielen Dank für diese wirklich ausserordentlich gute und knappe Beschreibung des Histogramms.

    Endlich weiss ich für was dieses Ding gut ist! ;-)

  3. Danke für die gute Zusammenfassung. Was ich bei Histogrammen in der Kamera interessant finde: Dort ist es oft vertikel in Spalten unterteilt. Dabei steht jede Spalte für eine Blende. So kann man sehr schnell abschätzen, wie stark man Verschlusszeit, ISO oder Blende ändern muss, um zur gewünschten Belichtung zu gelangen.

  4. Mirko sagt:

    .. dankeschön für dieses zusammenfassenden überblick.

    schon vor längerer zeit, habe ich eine histogrammfunktion in mein photoblog eingebaut, welche “live” das histogramm berechnet und erstellt. einmal, wie im artikel beschrieben als absolutes histogramm und dann noch 3 kleine als aufteilung auf den RGB Farbraum.

  5. [...] von Magistus am Juli 2, 2008 Wie schon so häufig, findet man bei KWERFELDEIN einen sehr interessanten Artikel zu einer wichtigen Hilfsmittel der digitalen Fotografie, dem [...]

  6. Olli sagt:

    kann mich nur anschließen, danke für diesen Artikel – jetzt werde ich öfters mal das Histogramm mit einblenden. Hatte mich noch nie so richtig damit auseinander gesetzt.

  7. Wie kommst du auf 255 Tonwerte? Eine Kamera/Software hat sehr viele möglichkeiten die 3 linearen Kanaele mit 8-14bit auf einen Graustufenkanal zu komprimieren. Und dieser muss keine 256 Stufen haben, oder?

  8. Blue sagt:

    Eine sehr schöne Zusammenfassung, die leicht verständlich ist. Ich hätte allerdings gerne noch mehr darüber gelesen, wär also gerne noch mehr in die Tiefe gegangen. Einen Tipp wie “Schau öfters mal auf Dein Histogramm anzeigen – Du wirst ein Gefühl für das Histogramm bekommen und es besser verstehen.” halte ich für ein bisschen zu kurz. Interessiert hätten mich Beispielbilder mit Diskussion des Histogramms kombiniert mit ein paar Infos aus Deinem konkreten Umgang damit. Dieser Artikel ist gut, erstmal ins Thema rein zu kommen, das auf alle Fälle!
    Grüße Blue

  9. [...] schlaue Antworten zu geben, ohne es besonders kompliziert zu machen. Wie beim letzten Post zum Histogramm schauen wir uns auch dieses mal zu allererst ein kurzes Video an. Bitte [...]

  10. [...] Gommel erklärt in seinem Weblog »Kwerfeldein« wie ein Histogramm funktioniert. Ich bin mir zwar sicher, dass Pascal in den kommenden Wochen auch noch einmal etwas [...]

  11. [...] und Nachbelichten wurden verschiedenste Konturen der Hütte neu betont. Ein Blick auf das Histogramm lässt erkennen, dass das Bild eigentlich stark unterbelichtet ist – doch weil es hier gewollt [...]

  12. [...] von Kwerfeldein widmete einen ganzen Beitrag den Histogrammen und wie man sie am besten versteht und [...]

  13. [...] überbelichtet. Wer eine ausführlichere Erklärung wünscht kann sich diese auf Wikipedia oder bei Kwerfeldein [...]

  14. [...] 4. Schaue seltener auf Dein LCD Diesen Tipp habe ich in Joe McNally’s “Der entscheidende Moment” gelesen und er hat sich als lohnend herausgestellt. Dadurch habe ich gelernt, mich mehr auf das Objekt und den “entscheidenden Moment” zu konzentrieren als ständig zu überprüfen, ob auch alles passt. Häufig habe ich festgestellt, dass es sich beim “immerdraufgucken” um eine Angewohnheit handelt, die ich mir antrainiert habe. Nun gilt es, sie wieder zu verlernen und nur in wichtigen Fällen drauf zu schaun – manchmal ist es unvermeidlich und ja auch nützlich – wie z.B. bei dem Histogramm. [...]

  15. [...] Fotografie Grundlagen Die Drittel Regel : Eine Einführung Die ISO verstehen Faszination Ringlicht Die Blende verstehen (Teil 1) Die Blende verstehen (Teil 2) : Schärfentiefe Die Belichtungszeit verstehen Das Histogramm verstehen [...]

  16. [...] Das Histogramm verstehen | Digitale Fotografie Lernen – KWERFELDEIN – Martin Gommel [...]

  17. juergen sagt:

    Lieber Martin

    Gute Beschriebe, danke! Aber warum Querfeldein so komisch geschrieben? Ist doch ganz einfach falsch, Dein Teaser, sorry.

    Gruss,
    Jürgen

  18. maxiwiland sagt:

    Ach jürgi du kleiner spassvogel ;) das is extra so geschrieben
    greezi
    der kleine Mad Max;)
    ps bin an einem fotoshooting interessiert

  19. Julia sagt:

    ja danke für die Beschriebung , ich hoffe du kannst mir in Zukunft auch bei anderen Sachen helfen, was die Fotographie anbelangt.

  20. [...] auf welche Weise man sein fotografisches Können verbessern kann. Man findet auch Tipps und Tricks zum Umgang mit Bildbearbeitungsprogrammen. Unter den einzelnen Beiträgen findet man meist Verweise zu ähnlichen Themen. Es sind auch [...]

  21. [...] Fotografierende Espressofreaks – Zeigt her! @Yeti: Such mal an der Kamera das "Histogramm" und lass es Dir anzeigen, evtl. geht das sogar vor der Aufnahme, ansonsten danach bei der [...]

  22. Tom sagt:

    Moin,

    was beduetet es denn, wenn eine Histogramm oben abgeschnitten ist?
    Die Ränder sind mir klar.
    Geht einfach nur die Anzeige nicht weit genug?

    Gruß Tom

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