Artikel10.10.2007 / 12:28

Warum das Stativ Dein ständiger Begleiter sein sollte

Pressefotografen hassen Stative, Sportfotografen arbeiten am liebsten mit Einbeinstativen – aber Naturfotografie ohne Stative ist leider unmöglich. Knipsen geht ohne, aber nicht fotografieren.” – Fritz Pölking

Stative sind sperrig und schwer. Für den ein oder anderen sind sie häufig ein weiterer Gegenstand, der das Fotografieren in der Natur zu einem Kraftakt werden lässt. Da stellt man sich recht schnell die Frage, ob denn dieser Aufwand wirklich lohnend ist. Ich habe 6 Gründe zusammengefasst, dieses Problem von einer anderen Seite beleuchten und Dich vom Neuem ermutigen können, das Stativ als ständigen Begleiter bei Dir zu haben.

1. Abendlicht
Mit zunehmender Dunkelheit wird es immer schwieriger, Fotos aus der Hand zu schiessen. Die Lichtkraft der Sonne nimmt in den letzten Momenten vor Sonnenuntergang rapide ab und Du wirst beim Überpruefen des Bildes feststellen, dass ohne Stativ Schärfe nicht mehr länger gewährleistet ist. Die wenigen Minuten vor und nach Sonnenuntergang sind meistens die Schönsten und es ist schade, gerade dann festzustellen, dass das Stativ zu Hause liegt. Der Griff ins Menü, um ISO-Werte zu erhöhen wird zum Verhängnis, da dadurch entscheidende Bildqualität verloren geht.



2. Hartes Licht

An einem sonnigen Nachmittag fotografieren die wenigsten Fotografen mit dem Stativ. Warum ? Weil man glaubt, dass hier nun zureichend Licht vorhanden ist, und man mit Sicherheit kein einziges Bild verwackeln wird, selbst bei Blende 22. Ich kenne diese Angewohnheit zu gut von mir selbst und kann aus eigener Erfahrung sagen, dass dies nicht immer, aber in manchen Fällen ein Trugschluss ist. Denn ein Stativ hat ja nicht nur den Vorteil, dass Bildverwackelungen vermeidbar sind. Bei vollem Sonnenschein sind zwar wichtige Bereiche der Natur voll ausgeleuchtet, und trotzdem entstehen Schatten, welche im Vergleich häufig dunkel und detaillos ausfallen. Möchte man deshalb nun eine Mehrfachbelichtung machen, ist das aus der Hand zwar nicht unmöglich, aber mit feinen Abweichungen der einzelnen Belichtungen verbunden. Hierbei bietet sich ein Stativ an, auch mittags um 14 Uhr bei knallender Sonne.

3. Nachtfotografie
Eigentlich klar, oder ? Nun, auch ich habe schon um 23 Uhr aus der Hand mit ISO 3200 und Blende 2,8 fotografiert. Die Ergebnisse waren wirklich schick (hässlich). So manch künstlerische Effekte kann man mit diesen Einstellungen durchaus erzeugen, ernstzunehmene Landschaftsaufnahmen aber nicht. Sprechen wir von Startrailaufnahmen oder Wasserbelichtungen, brauchen wir ohne Stativ die Kamera erst gar nicht auspacken. Die allseits beliebten Autobahnaufnahmen mit langen, roten und weissen Linien würden aus der Hand abenteuerlich aussehen. Hierbei habe ich selbst schon zu der Oberkante des Brückengitters als Unterlage gegriffen, eine Methode, von der ich Dir stark abraten möchte. Denn falls Deine Kamera den Sturz auf die Autobahn überleben sollte (was mehr als unwarscheinlich ist), wird es dennoch schwierig , sie wieder herauszufischen ohne selbst dabei drauf zu gehen ;).



4. Fotografieren mit dem Graufilter

Je nach Verlängerungsfaktor des Filters wirst Du gezwungen sein, eben längere Belichtungszeiten einzustellen. Damit gleichst Du die Dunkelheit des Filters aus und kannst auch tagsüber z.B. vorbeiziehende Wolken verwischen lassen. Aus der Hand ? Keine Chance. Ein Blick auf den LCD wird reichen, um sofort nach dem Stativ greifen zu wollen. Graufilter und Stative sind miteinander verheiratet. Der Graufilter ist hierbei der Treue, der ohne das Stativ kein einziges Bild macht, das Stativ geht dagegen auch mal ohne Filter fotografieren ;).

5. Fotografieren mit dem Teleobjektiv
… kann sehr schnell zu einem Tanz mit dem “Feuer” werden, da diese Objektive eine wesentlich kuerzere Verschlusszeit in Anspruch nehmen, um nicht zu verwackeln. Liegt nun das Stativ noch im Auto hat man die Qual der Wahl : Hohe ISO-Werte(Bildrauschen) oder weite Blendenöffnungen (Verlust der Tiefenschärfe). Da Landschaftsaufnahmen im Schnitt bei Blende 8-11 liegen, und der Fotograf nicht auf Schärfe verzichten möchte, hat ein Stativ definitiv die “Nase vorn”.

6. Architektur – Innenaufnahmen
Wenn wir schon beim Thema sind, möchte ich diesen Punkt noch hinzufügen. Da die meisten öffentlichen Gebäude ohne Genehmigung nicht zu fotografieren sind, hast Du Dir diese eingeholt und stehst nun in einem riesigen Komplex voller interessanter Linien und Stellen, die fotografiert werden wollen. Meistens sind Gebäude hell genug, um genügend zu sehen und sich sicher fortzubewegen. Für die kurze Belichtungszeiten reicht dies aber oft nicht aus . Falls nun zuguterletzt das Wetter Dir einen Streich spielt und Wolken das von aussen eindringende Sonnenlicht verdecken, ist ein Stativ Gold werd. Hinzu kommt, dass Innenaufnahmen in vielen Fällen Blenden ab 9,0 erfordern und somit ohnehin mit längeren Belichtungszeiten zu rechnen ist.

Fällt Dir noch ein weiterer Punkt ein, bei welchem das Stativ unverzichtbar ist ? Falls ja, freue ich mich auf Deinen Kommentar !

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Ich bin Martin Gommel und Herausgeber dieses Blogs.

Mit Gastautoren, Gesprächspartnern und Lesern sinne ich hier in Wort & Bild der Fotografie nach. Das geschieht meist mit einer gesunden Prise Skepsis, dem Ziel, den kreativen Horizont zu erweitern und einem Augenzwinkern - wir lachen auch über uns selbst. Und: Wir hören gerne Jazz ...

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Kommentare

  1. Andreas sagt:

    Zu Punkt 3 und dem Brückengeländer fällt mir ein: Je nach Brücke (und Windgeschwindigkeit) kann auch das Stativ nutzlos sein. Brücken schwingen oft – zwar für uns unmerklich – das Foto verhunzt es dann aber doch.

    Letztendlich kann ein Stativ auch dabei helfen, den optimalen Standort zu finden. Eben nicht mal schnell ein Foto geknipst… Mit Stativ macht man sich eher ein paar mehr Gedanken über die Umgebung und die beste Position.

  2. Feldauge sagt:

    Wenn man ein Stativ dabei hat, fühlt man sich auch sicher vor eventuell herum streunenden Hunden… Wenn da plötzlich Interessenkonflikte zwischen Mensch und Tier entstehen, würde ich es vermutlich nicht übers Herz bringen, mit der Kamera auf die Töle zu hauen…
    Abgesehen davon, kann ich Dir nur beipflichten. Stativ ist ein Muß.

  3. Markus sagt:

    Na, für die Selbstportraits doch auch ;-)
    Nee, du hast vollkommen Recht! Wenn man tatsächlich ein “Immerdabeistativ” haben möchte, kann ich den Joby Gorillapod SLR Zoom wärmstens empfehlen, damit wird sogar ein Außenspiegel, Laternenmast oder eine Türklinke zum Stativ (einige Beispiele gibts in meinem Blog – einfach nach “joby” suchen)

  4. Bastian sagt:

    Du hast ja recht. Und trotzdem erwische ich mich immer dabei draußen ohne Stativ rumzurennen. Dann muss das Entwickeln halt immer aus einer RAW-Datei passieren. ;)

  5. Kai sagt:

    Ohne Frage ist ein Stativ absoluter Grundbestandteil einer Fotoausrüstung. Ich hatte mir vor dem letzten Urlaub einen Gorillapod gekauft. Die Gründe: leicht und klein. Die Nachteile: leicht und klein :)

    Ich möchte mir nun ein richtiges Stativ zulegen und Frage einfach mal in die Runde, ob ihr ein Stativ empfehlen könnt, das nicht unbedingt 150 Eure kostet. Ich denke so die Hälfte des Preises würde ich derzeit gerne investieren.

  6. @ Andreas : Ja, sehr guter Gedanke, das mit dem Brückenschwingen ! Und stimmt : Mit dem Stativ verbringt man wesentlich mehr Zeit, den optimalen Winkel zu finden, obwohl ich das meist vorher mache, und dann das Stativ ins Spiel bringe…
    @ Feldauge : Haha, sehr geiler Kommentar ;)
    @ Markus : Jepp, is ne witzige Sache son Teil ..
    @ Bastian : Geht zur Not auch, iss halt auf Kosten der Bildqualität …
    @ Kai : Hmhmhm .. Sorry, da muss ich passen, da ich zu Manfrotto gewechselt bin …. Jemand anders n heissen Tipp ?

  7. Bastian sagt:

    Klar, mit “echten” Mehrfachbelichtungen ist die Bildqualität besser als wenn man es aus einer RAW rauspressen muss. Aber vielleicht sind Landschaftsfotografien auch nicht ganz so mein Ding. Oder ich hab einfach ein schlechtes Stativ. In dem Punkt bin ich mir sogar recht sicher. So ein billiges Ding für nichtmal nen 50er halt :)

  8. Matthias sagt:

    Stativ ist unverzichtbar für Infrarotaufnahmen da man (wenn die Kamera nicht konvertiert wurde und man mit Filter photographiert) locker über eine Sekunde belichten muss.

    Einen positiven Nebeneffekt hat das Stativ auch noch – egal was man ablichtet: man wird ruhiger weil man sich die Szene erst genau anschaut und dann anfängt aufzubauen. Dadurch überlegt man sich genau was man photographiert und lässt sich auch mehr Zeit. Macht wesentlich mehr Spass als einfach nur mit Kamera.

    Mein Tip für die die ein leichtes, günstiges aber gutes Stativ suchen: ein altes Linhof Stativ bei Ebay für maximal 10 Euro – und dann einen guten Linhof Kugelkopf drauf. Unschlagbare und unverwüstliche Kombination.

  9. Brian Auer sagt:

    Great points Martin. You’re right though, that a good tripod is heavy, bulky, and a pain to carry around. My main tripod has a fair amount of weight to it, but it’s very steady and does a great job. Throw on a big sturdy ballhead, and it just gets heavier. I’m pretty bad about taking it with me everywhere though, because it’s usually too much hassle. One of the next things on my list of equipment to buy is a more compact tripod that can be strapped to my camera bag. Then I won’t have any excuse not to use one!

  10. pfn.foto sagt:

    Oh ja, Stative, ein schönes Thema. Hab mir vor 3 Jahren mal spontant ein Stativ für 50 Euro (das fand ich damals schon ziemlich teuer) im Media Markt gekauft. Da ich damals noch nicht ernsthaft fotografiert habe kam es nicht häufig zum Einsatz. Nachdem ich im letzen halben Jahr wieder verstärkt unterwegs bin, musste es ich dann auch mal beweisen. Das hat es allerdings nicht sehr gut, ich hab das Ding ziemlich verabscheut, es war praktisch unmöglich die Kamera gerade und wackelfrei zu positionieren – das Ding war einfach totaler Schrott. Hab mich dann schnell nach einem neuen umgeschaut und auch schnell gefunden: Das Manfrotto 055 PRO B mit Kugelkopf 486 RC2. Der Preis von 200 Euro hat mich dann aber doch abgeschreckt und ich hab die Anschaffung lange herausgezögert. Vor Zwei Wochen hab ich mich dann endlich überwunden – und es nicht bereut. Das Ding ist einfach geil, jetzt macht es auch Spaß mit Stativ zu fotografieren.

    Um auf das Thema zurückzukommen:
    Ein großes und stabiles Stativ bewährt sich auch an sehr belebten Orten. So zum Beispiel auf Straßenfesten. Ohne das 2m-Stativ vor mir wäre ich beim fotografieren am Wochenende sicher mehrmals umgerannt worden. So wird man schön umkreist, und die Leute haben etwas mehr Respekt und laufen nicht direkt durchs Bild ;-)

  11. supeermario sagt:

    da ich nicht zum fotografieren laufe, sondern zum laufen fotografiere, muss ein kleines leichtes stativ ausreichen…
    wie hier schon öfters erwähnt die teile von gorillapod sind dabei sehr zum empfehlen!

    @feldauge
    dein stativ solltest du wohl eher frauchen oder herrchen über den kopf ziehen, die sind nämlich für die erziehung des hundes verantwortlich!

  12. pgs sagt:

    Statt eines Gorillapods benutze ich eine Manfrotto Superclamp mit Kugelkopf. Dem Gorillapd traue ich nicht – wirkt auf mich wie Spielzeug.

    Grüße, pgs

  13. [...] Martin Gommel fast in seinem Blog auf kwerfeldein.de sehr schön zusammen, warum das Stativ ein ständiger Begleiter aller Fotoverrückten sein sollte. Zum Artikel. [...]

  14. [...] Warum das Stativ Dein ständiger Begleiter sein sollte | KWERFELDEIN Martin über die Notwendigkeit von Stativen bei der Fotografie… hat der wieder mal recht *grummel* (tags: Fotografie_Theorie fotografie) [...]

  15. [...] jeden Geschmack und jeden Geldbeutel eines. Warum man Stative benutzen sollte, hat Martinschon beschrieben. Der Minitip zum Thema Erst komponieren unddann Stativ aufbauen sollte in Fleisch und Blut [...]

  16. [...] … und mir damit eines meiner ersten Motive mit meiner neuen Kamera, die ich gestern gekauft habe, beschert.  Die Nikon D3000 gefällt mir bisher sehr gut, aber ich muss feststellen, dass ich das Benutzerhandbuch noch mehrfach durchlesen werde, bis ich alle Funktionen kenne. Schon bei den zwei Stunden, die ich heute Abend unterwegs war, habe ich mehrfach Funktionen gesucht, die ich benötigt hätte. Zudem kann ich sagen, dass die nächste Anschaffung ein Stativ sein wird, denn das hätte ich schon gut gebrauchen können. Jetzt weiß ich auch aus eigener Erfahrung, warum ein Stativ mein ständiger Begleiter sein sollte. [...]

  17. [...] steckte ich das Teleobjektiv auf die Kamera und diese aufs Stativ. Mit dem Fernauslöser entstand dann dieses [...]

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