Redaktioneller Beitrag10.09.2007 / 11:58

Die 10 peinlichsten Angewohnheiten von Fotografen

Guten Tag allerseits. Es ist wieder Montag und ich dachte, es wäre eine gute Idee, die Woche damit zu beginnen über uns selbst zu lachen. Über die paar Jährchen, in welchen ich nun fotografiere sind mir Verhaltensweisen aufgefallen (die meisten kenne ich von mir selbst), welche ich bei längerem Nachdenken extrem peinlich und verdammt “unsexy” finde.

Ich möchte noch hinzufügen, dass dieser Post nicht der tiefgründigste meines Archivs werden soll und ich damit niemandem absichtlich auf die Füsse treten will.

Und los gehts :

1. Das ständige Vergleichen mit anderen Fotografen (wir sind naürlich immer die Besseren). Diese Angewohnheit bezieht sich meistens nicht auf die Qualität der Bilder sondern in Communities wie Flickr oder unter Fotobloggern auf die Anzahl der Kommentare.

2. Das komplette Verändern des Kleidungsstiles synchron zum ersten Foto mit einer DSRL. Welcher Kleidungsstil ? Schwarz – wir sind ja Künstler.

3. Wir betreten einen Raum und philosophieren umgehend daüber, ob Weissabgeich und Kontraste stimmen.

4. Unser Zwang, jedem unsere Bilder präsentieren zu müssen, selbst denen, die überhaupt nicht interessiert sind oder gerade überhaupt keinen Nerv für unsere Profilneurose haben.

5. Unsere völlig übertriebene Identifikation mit den Bildern und das darauffolgende Eingeschnapptsein bei Kritik bzw. das “Nichtzugebenkönnen” von Fehlern.

6. Das “meine Kamera ist 3 mal teuer, schneller und hat mehr Megapixel als Deine – und selbst wenn Deine besser ist – kann ich trotzdem besser fotografieren als Du”.

7. Das übertiebene Rühmen und Loben der eigenen fotografischen Erfolge (je mehr Freunde zuhören, um so besser).

8. Das Nichtbemerken davon, dass wir mit unserem Geklicke und Kamerarumgefummel anderen auf die Nerven gehen. Falls dann doch jemand seine Verärgerung äussert sind wir zutiefst beleidigt oder noch schlimmer : Wir sagen “Oh, entschuldigung, das tut mir aber leid”, warten 10 Minuten, und fotografieren danach einfach weiter.

9. Das “Hey – ich hab ne Kamera und habs exrem dauf” – Getue, wenn auf einer Party knipsen, und gar nicht merken, dass wir eine viel zu hohe ISO-Zahl eingestellt haben.

10. Wir sind mit anderen Fotografen unterwegs und versuchen krampfhaft, die ausgefallenste Perspektive zu finden (auf dem Boden herumkriechen, die Arme 13 mal verschränken und in Hochgeschwindigkeit den Auslöser bedienen). Dabei ignorieren wir völlig, dass uns das Bild, das wir durch den Sucher sehen gar nicht gefällt.

Fällt Dir noch eine peinliche Angewohnheit ein ? Fall ja, freue ich mich über Deinen Kommentar !

Dies ist ein Artikel von Martin Gommel.

Als Herausgeber von KWERFELDEIN sinnt Martin hier mit Autoren, Gesprächspartnern und Lesern in Wort & Bild der Fotografie nach. Meist mit einer gesunden Prise Skepsis, dem Ziel, den kreativen Horizont zu erweitern und einem Augenzwinkern. ;-)

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Kommentare

  1. Kai sagt:

    Danke Martin, ich stelle gerade fest, dass ich ein angenehmer Typ bin, ganz ohne peinliche Angewohnheiten :) Bin ja auch kein Fotograf – hehe.

    Wir wärs mit Punkt 11:
    Wir stehen bei Konzerten immer vor der Nasen derer, die für das Konzert sogar Eintritt gezahlt haben und schauen grimmig, wenn uns jemand anrempelt, nur weil wir 3 Kameras umhängen haben und dadurch Platz für 3 belegen…

  2. @ Kai : Jepp, sehr cool (peinlich) ;)

  3. Manuela sagt:

    Ich hätte noch einen Punkt 12:
    Wir sind eigentlich immer irgendwie unzufrieden mit den eigenen Bildern, denn mit Objektiv XYZ und der neuen ZYX wären die Bilder ja noch viel viel besser. Dabei verpassen wir es fast, unsere eigenen Bilder wirklich auf uns wirken zu lassen.

  4. @ Manuela : Oh ja, das kenn ich auch !

  5. insk sagt:

    haha, kommt mir irgendwie bekannt vor.

    dieser staendige “penisvergleich” unter fotografen ist echt extrem nervig!

    gott sei dank, dass (bis jetzt) noch keine dieser angewohnheiten auf mich zutreffen. koennte daran liegen, dass ich auch nur ein hobbyfotograf bin, wenn ich mich ueberhaupt so betiteln darf :P

    mensch, wenn ich doch nur endlich geld fuer ne DSLR haette, wuerde ich sowieso bessere bilder als ihr alle schießen!

    sorry, konnte nicht widerstehen. hrhr

  6. Tim sagt:

    Ertappt habe ich mich nur mit #10 gefühlt ;-)

  7. 8mt sagt:

    ;-) hihi.

    13: Wir können uns einfach nicht entscheiden, ob wir lieber echte Künstler sind oder lauter kleine Henri-Cartier-Bressons, wobei uns weder das eine noch das andere richtig glücklich macht, da beide Rollen ja bereits hinreichend besetzt sind. Deswegen müssen wir immer finster dreinblicken, weil das interessanter macht und zu Schwarz besser aussieht, und unsere Models, falls wir mit welchen arbeiten, gucken auch schon alle so.

  8. Sebastian sagt:

    Bei Nummer 8 musste ich leicht schmunzeln. Das würden meine Freunde sicherlich auf mich beziehen ;-)

    Als Nr. 14 hätte ich noch vorzuschlagen:

    Photographie ist nich unser Hobby, sondern eine Charaktereigenschaft.

    (Wobei man das ja als Zusammenfassung aller Punkte ansehen könnte).

  9. andre sagt:

    also als ich alles so gelesen hatte musst ich sehr lachen besonderst #8!!

    meine nummer 15 wobei ich mich viel zu oft erwische ist:
    die kamera und fast das ganze equipment ueberall mit hinnehmen um im notfall auch die tolle spiegelung der amatur im restaurant klo knipsen zu koennen :-)

  10. maren sagt:

    Viel hundertmal nerviger und peinlicher finde ich diese ganzen Pseudofotografen, die der festen Überzeugung sind, mangelndes Talent könne durch teures Equipment spielend ausgeglichen werden. Die Bilder darf man dann aber auch nicht kritisieren, sind ja schließlich mit einer 5D und L-Objektiv aufgenommen worden, nichwahr!?

    Auch schön sind die, die sich mal eben eine DSLR kaufen und sich dann in Fotografieforen nach wahlweise 10-50 Testbildern beschweren, die Kamera sei ja wohl mal voll scheiße/billig/kaputt, die Bilder wären alle unscharf/zu hell/zu dunkel/zu doof. Nach und nach stellt sich dann beispielsweise heraus, dass in völliger Unkenntnis der Materie einfach mal wahllos die Knöpfe gedrückt und bei gleißender Sonne mit ISO 800 und Blende 22 fotografiert wurde.
    Oder auch im Automatikmodus, das ist dann das andere Extrem, weil: Die Kamera war sooo teuer, die hat gefälligst (von ganz alleine) gute Bilder zu machen.

    Kenndisch graad verriggd wern… ;)

  11. Franz sagt:

    Hurra habs geschafft, alle punkte treffen auf mich zu, und somit bin ich Fotograf, wann erhalte ich meinen Ausweis?
    PS. wozu 3 Jahre büffeln, wenn das fast jeder im Blut hat.

  12. Michael sagt:

    15: Beim gucken durch den Sucher ziehen wir die lustigsten Grimassen in dem wir uns so konzentrieren und das zweite Auge zukneifen.

  13. Eva-Maria sagt:

    Super Liste – ich hätte noch nen Punkt (wo mir der wohl aufgefallen ist… *smile*

    16. Man/Frau nervt die gesamte Umgebung mit ständigen Überlegungen, welches Objektiv als Nächstes angeschafft wird – oder würde wenn das Geld da wäre…

    Herrlich dat!

  14. kix sagt:

    Nummer 17:
    Wenn man andere Fotografen auf der Straße o.ä. trifft werden diese sofort angesprochen und man versucht sich gegenseitig durch Fachgewäsch und Eckdaten beim anderen zu profilieren.
    (Bsp: “Ja das Objektiv hatte ich auch mal.” – “Die Cam XY hat weniger Funktionen als Cam YZ und ja auch viel besser.” – “Oh ja, dieses Objektiv ist wirklich gut. Bla bla.”)

    O:-)

  15. Pegasus sagt:

    Nr. 19:

    Man schickt auf Feiern andere weg, die gerne ein Foto mit der Analog/Digikleinknipse haben wollen, weil “sowas” ja unter der Würde eines richtigen Fotografen liegen würde….

    ;-)))

  16. Philipp sagt:

    Das schlimme an der Liste ist: Es stimmt zum größten Teil! Auch wenn ichs nicht gerne zugebe :D

    Allerdings fehlt da noch ein Punkt:

    Das mit voll ausgefahrenem Objektiv und aufgesetztem Blitz-Rumglaufe, weil man so so unglaublich Pro ist :D

  17. [...] Die 10 peinlichsten Angewohnheiten von Fotografen (2,076 Views) Der wohl witzigeste Post auf Kwerfeldein.de ever. Auch heute muss ich noch darüber lachen, denn es steckt soviel Wahrheit dahinter. [...]

  18. the_zipper sagt:

    Ich habe einen Kommentar noch nicht gelesen hier der so oft für Diskussionen unter Fotografen sorgt: “Boah das Bild ist schön.” woraufhin der Andere: “Klar ich fotografiere ja auch mit Nikon/Canon.” Und dann geht die Diskussion los. :)

  19. Christina sagt:

    Wie wär es mit: die Kameraausrüstung vor dem Motiv positionieren und es nicht merken…

  20. [...] 3.) Fotografie ist kein Hobby, sondern ein Lebensstil und bringt gewisse Charaktereigenschaften mit sich! Martin Gommel hat diese einmal zusammengefasst…und damit den Vogel abgeschossen! HIER geht´s zum sehr lustigen Link [...]

  21. Alex sagt:

    Hmmm, eigentlich finde ichs garnicht so treffend. Schwarze Kleidung? In sowas z.B. erkenn ich mich und keinen Fotografen wieder.
    Aber der letzte Punkt, der ist toll!

    …und erkennen nicht, dass uns das Bild nicht gefällt…” – Wahre Worte!

  22. Helmut sagt:

    Puh, ich dachte schön ich wäre alleine mit meinen Störungen!

    Sehr witzig geschrieben! :-)

  23. aentschie sagt:

    hihihi#

    voll super! nr10 fand ich am besten.

    ich hab auch noch einen:

    stänidges lautstarkes fluchen über blöde leute die einem durchs bild rennen.

  24. Skaterlimits sagt:

    Dich denke das liegt einfach darin, hoch komplexe Technologien bedienen zu können um Amateur Photographie ein Schritt voraus zu sein. Wenn man sich schon mit Titel Fotograf schmücken darf, dann ist man schon ein Künstler im fotografischen Bereich. Künstler sind schon immer eine seltene Spezies auf unseren Planet und müssen sich auch so verhalten. Darum lieben wir sie auch und wollen auch so sein :) Ich stimme INSKs Meinung zu, wenn .. ich doch nur endlich Geld für ne DSLR hätte, würde ich sowieso bessere Bilder als ihr alle schießen! ha ha ha

  25. Brigitte sagt:

    Ich muss gar nix, mach was ich will, auf viele Kommentare ist gepfiffen und ich hab noch nie in Anspruch genommen perfekt zu sein. Auf den Blog kommt, was mir gefällt. Allerdings, ich werde auch niemanden runterkritisieren. Was mir allerdings gewaltig auf den Geist geht, sind jene, die ihre Perfektion bei jeder Gelegenheit meilenweit raushängen müssen.

  26. Stefan sagt:

    Ich bin Musiker und Autor, und so ein bisschen frage ich mich, ob das “Schnelle” an der Fotografie nicht auch ein Teil des Problems ist. Wenn ich bedenke, wie lange ich schon an kleinen Texten oder Kompositionen arbeite. Wie viele Künstler gibt es denn unter den Fotografen, und wie viele sind denn bestenfalls Handwerker? (Echte Frage, keine Provokation!)

    Allerdings gibt es diese Sch**nzvergleichs -Rhetorik unter Musikern natürlich auch, vielleicht kommt das immer dann automatisch, wenn Technik involviert ist? Wer weiß?

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