Redaktioneller Beitrag05.05.2007 / 23:36

Erzieher Da Sein

So, es wird mal wieder dringend Zeit etwas Persönliches, hm, Privates hier auszudrücken.

Seit September 06 bin ich nicht mehr nur der nette Fotograf, sondern habe auch meine Erziehertätigkeit ausgeübt. Hauptgrund dafür war das liebe Geld, was mir fehlte, obwohl ich für mich den ganzen pädagogischen Kram an den Nagel gehängt hatte.

Und irgendwie hat es mich wieder gepackt. Ich liebe diese Arbeit, denn es ist Keine [in meinen Augen]. Klar, man kommt und geht zu einer bestimmten Uhrzeit und man bekommt einen Stundenlohn dafür. Na klar, man hat Vorgesetzte. Aber das ist doch nur der Rahmen.

Was mich eigentlich begeistert, das sind die Kinder selbst. Ihre Einzigartigkeit, mit der sie Wege suchen, mit Problemen umzugehen… Ihre abgrundtiefe Naivität, zu Glauben, dassdas Hier und Jetzt das Wichtigste ist. Die Fähigkeit, Emotionen so auszuleben, wie sie gerade sind. Die selbstgemalten Bilder, die für mich einen hohen künstlerischen Wert in sich haben, denn sie drücken eben diese Emotionen in einem Bild aus. Ihre Fähigkeit, sich mit all dem, was sie sind in ein Spiel zu versenken und damit unbewusst für all das, was um sie herum passiert offener zu sein. Sie spielen nicht, um die Welt zu vergessen, nein, das Spiel treibt sie in einen Zustand von höchster Kreativität. Das Maß an Lernbereitschaft und -fähigkeit hängt nicht selten mit dem Maß an der Fähigkeit zum Spielen um des Spielens Willen zusammen. Kinder sind schlicht und einfach toll.

Ich möchte hier nicht kitschig – komisch die positiven Seiten von Kindern anprangern und so tun, als ob alles Lari-Fari wäre. Ja, es gibt auch gewiss andere Charakterzüger des Einen oder Andern. Kinder sagen Dir fast immer was sie denken.Auch wenn sie denken, dass Du Dich gerade völlig daneben benimmst mit Deinem Erziehergehabe und den hoffnungslosen Versuchen, eine Gruppe von 30 gröhlenden Kindern mit einem einzigen Kommando in den Griff zu bekommen. Das kann so manchmal dem lieben Erzieher den Hut von Skalp wehen, denn damit hat er nicht gerechnet. Manche Kinder sagen “Heute gibts wieder * zum Mittagessen”, andere schreien Dir die Ohren voll, so dass Du auf dem Nachhauseweg ganz sicher eins mitnimmst : Einen so hohen Ton im Ohr, der Dich leicht an Tinitus erinnert..

Und dennoch : Ich habe unzählige Gründe gefunden, welche diesen Job wertvoll machen. Diese Gründe waren vorher auch da, sie waren nur noch nicht so deutlich erkannt, da sie zugeschüttet von Verletzungen und so mancher schwachen Personalführung von oben waren.

Um hier nicht Verwirrung zu stiften : Ich bin immer noch Fotograf und habe immer noch das Ziel irgendwann einen Teil meines Geldes mit Bildern zu verdienen ;). Ich liebe einfach das, was ich momentan tue.

* Kacka

Dies ist ein Artikel von Martin Gommel.

Als Herausgeber von KWERFELDEIN sinnt Martin hier mit Autoren, Gesprächspartnern und Lesern in Wort & Bild der Fotografie nach. Meist mit einer gesunden Prise Skepsis, dem Ziel, den kreativen Horizont zu erweitern und einem Augenzwinkern. ;-)

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Kommentar

  1. Elena sagt:

    Hallo Martin!
    Schön, mal wieder was Persöhnliches von Dir zu Lesen!
    Auch an Deinen Bildern sieht man mehr und mehr dass Du Deiene Leidenschaften verbindest.. Deine Kinderpotraits finde ich sehr Gelungen, weil man erkennen kann das Du es verstehst die Knder so dar zu stellen wie sie sind. Das ist sicherlich mit großem Zeitaufwand verbunden (kennenlernen…)und macht allen Beteiligten Spass!
    Ich freu mich besonders auf unser gemeinsames Projekt. Der Wartebereich im Brettener Kreissaal wartet darauf in den nächsten Paar Monaten mit “Deinen” Schwangerscafts-, Baby- und Kinder-Bildern verschönert zu werden!!!
    Brauchen noch einige “Modells” aus der Region.
    Gruß Elena

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