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	<title>kwerfeldein - Fotografie Magazin &#187; kwertext</title>
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	<description>Das Fotografie Magazin</description>
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		<title>Essay: Fotografie geht nicht allein</title>
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		<pubDate>Tue, 14 May 2013 06:12:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Normen Gadiel</dc:creator>
				<category><![CDATA[kwertext]]></category>
		<category><![CDATA[fotografie]]></category>
		<category><![CDATA[gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Ron Mueck]]></category>
		<category><![CDATA[Signatur]]></category>
		<category><![CDATA[Urheber]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Selbstoffenbarung: „Ich bin abh&#228;ngig. Ich kann nicht ohne. Allein kann ich gar nichts.“ Ein Aussage, wie sie meines Erachtens fast jeder Fotograf unterschreiben k&#246;nnte. Warum das so ist, m&#246;chte ich Euch im folgenden Artikel erkl&#228;ren. Egal, was fotografiert wird: Immer finden sich im Bild Elemente, die nicht dem Geiste des Fotografen entsprungen sind. Eine [...]<p></p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine Selbstoffenbarung: „Ich bin abh&#228;ngig. Ich kann nicht ohne. Allein kann ich gar nichts.“ Ein Aussage, wie sie meines Erachtens fast jeder Fotograf unterschreiben k&#246;nnte. Warum das so ist, m&#246;chte ich Euch im folgenden Artikel erkl&#228;ren.</strong></p>
<p>Egal, was fotografiert wird: Immer finden sich im Bild Elemente, die nicht dem Geiste des Fotografen entsprungen sind. Eine Ausnahme w&#228;ren lediglich Selbstportraits ohne erkennbaren Hintergrund. Ansonsten sind es Landschaften, Portraits, Stillleben und viele andere Dinge, die nur noch vom Fotografen eingefangen werden m&#252;ssen. </p>
<p>Das sch&#246;ne Landschaftsfoto w&#252;rde es ohne eine von der Natur (und anderen Menschen) erschaffene Landschaft nicht geben. Ein Stra&#223;enfoto ist immer eine Kooperation, auch wenn sie ungewollt ist. Das Portrait ist die deutlichste Form der Kooperation, die Abh&#228;ngigkeit zwischen Fotograf und Motiv ist hier besonders ausgepr&#228;gt.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/05/Konradshofen-057_web.jpg" rel="lightbox[58516]"><img title="Konradshofen © Normen Gadiel"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/05/Konradshofen-057_web-650x433.jpg" alt="Konradshofen © Normen Gadiel" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-58787" /></a></p>
<p>Guckt Euch an dieser Stellte doch einfach mal Eure besten Fotos an und fragt Euch, ob Ihr vollkommen allein daf&#252;r verantwortlich gewesen seid oder ob Ihr von irgendetwas profitiert habt.</p>
<p>Ein Bauwerk hat in der Regel jemand anderes errichtet. Auf das Antlitz einer portraitierten Person hat der Fotograf auch keinen absoluten Einfluss. Obgleich er Mimik und Gestik mittels Anweisungen vorgeben kann, ist er dennoch auf die Bereitschaft der Person, dies umzusetzen, angewiesen. Und so k&#246;nnte man noch viele andere Dinge aufz&#228;hlen, die ein Fotograf als vorhandene Basis nutzt, um daraus eine Fotografie entstehen zu lassen. </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/05/Auswahl_Thomas-Pohl-040_web.jpg" rel="lightbox[58516]"><img title="© Normen Gadiel"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/05/Auswahl_Thomas-Pohl-040_web-650x433.jpg" alt="© Normen Gadiel" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-58788" /></a></p>
<p>Im Ganzen betrachtet, steht der Fotograf also immer in einer Abh&#228;ngigkeit zum Motiv. Er kann sich nur durch seine F&#228;higkeiten, es durch Komposition, Belichtung, Fokus und so weiter in Szene zu setzen, auszeichnen.</p>
<p>Somit macht es eigentlich wenig Sinn, ein Foto zu signieren, da es nicht das alleinige Werk ist. Hypothetisch betrachtet: Man w&#252;rde das Abfotografieren eines Kunstwerkes auch nicht durch ein Wasserzeichen als eigenes Werk kenntlich machen. Falls doch, hat die Wahrnehmung des eigenen Schaffens ihren Tiefpunkt erreicht.</p>
<p>Wie schwierig diese Trennung sein kann, zeigt sich bei Fotos der Menschenplastiken des K&#252;nstlers <a href="https://www.google.de/search?q=Ron+Mueck&#038;client=firefox-a&#038;hs=a41&#038;rls=org.mozilla:de:official&#038;source=lnms&#038;tbm=isch&#038;sa=X&#038;ei=GxqKUaT-OtHb4QSd-ICoBg&#038;ved=0CAoQ_AUoAQ&#038;biw=1152&#038;bih=708" title="Ron Mueck - Google Bildersuche" target="_blank">Ron Mueck</a>. Hier kann das Foto einer Skulptur auch schon einmal als ein fotografisches Portrait durchgehen. </p>
<p>Das ist nat&#252;rlich etwas &#252;berspitzt betrachtet und es w&#228;re schade darum, wenn keiner mehr seine Fotos signieren w&#252;rde, da man gar nicht mehr w&#252;sste, von wem die Arbeit stammt. Ich bin jedenfalls immer dankbar f&#252;r einen leisen Hinweis auf den Urheber. </p>
<p>Mittlerweile ist es auch &#252;blich, die Namen von Modellen, Visagisten, Stylisten und weiteren Beteiligten mit zu ver&#246;ffentlichen, allerdings geschieht dies meist nur in den Communities und auf den Webseiten der Fotografen. Museen und Verlagsh&#228;user hat diese Verfahrensweise meines Wissens noch nicht erreicht.   </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/05/Inspired-by-Woodkid-1-2_web.jpg" rel="lightbox[58516]"><img title="© Normen Gadiel"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/05/Inspired-by-Woodkid-1-2_web-650x433.jpg" alt="© Normen Gadiel" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-58790" /></a></p>
<p>Fotografie als Kunstform m&#246;chte ich durch meine Gedankeng&#228;nge aber nicht in Frage stellen, wobei es viele bekannte K&#252;nstler wie etwa Jeff Wall oder Gregory Crewdson gibt, die bei ihren Arbeiten auf andere Personen angewiesen waren. Auch Andreas Gursky nutzt f&#252;r die Nachbearbeitung seiner Bilder die Hilfe eines Bildbearbeiters. </p>
<p>Manchmal ist Fotografie halt wie ein Film, nur dass es dabei keinen Abspann mit den beteiligten Personen gibt. </p>
<p></p>
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		<title>kwerfeldein diskutiert: Wo f&#228;ngt Bildbearbeitung an und wo h&#246;rt sie auf?</title>
		<link>http://kwerfeldein.de/2013/05/04/kwerfeldein-diskutiert-wo-fangt-bildbearbeitung-an-und-wo-hort-sie-auf/</link>
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		<pubDate>Sat, 04 May 2013 07:58:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[kwertext]]></category>
		<category><![CDATA[bildbearbeitung]]></category>
		<category><![CDATA[diskussion]]></category>
		<category><![CDATA[manipulation]]></category>
		<category><![CDATA[retusche]]></category>

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		<description><![CDATA[Fehler beseitigen oder Dinge ver&#228;ndern? Die M&#246;glichkeiten der digitalen Bildbearbeitung erlauben uns inzwischen weitreichende Ver&#228;nderungen an dem Material, das unsere Kamera einf&#228;ngt. Ganze Kunstgenres basieren auf digitaler Bearbeitung von Bild oder Filmmaterial, Fotomanipulationen taugen aber auch immer wieder f&#252;r politische Skandale oder weitreichende Diskussionen &#252;ber das konstruierte Sch&#246;nheitsideal unserer Gesellschaft, dem nicht einmal die Modelle [...]<p></p>
]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Fehler beseitigen oder Dinge ver&#228;ndern? Die M&#246;glichkeiten der digitalen Bildbearbeitung erlauben uns inzwischen weitreichende Ver&#228;nderungen an dem Material, das unsere Kamera einf&#228;ngt. Ganze Kunstgenres basieren auf digitaler Bearbeitung von Bild oder Filmmaterial, Fotomanipulationen taugen aber auch immer wieder f&#252;r politische Skandale oder weitreichende Diskussionen &#252;ber das konstruierte Sch&#246;nheitsideal unserer Gesellschaft, dem nicht einmal die Modelle mehr entsprechen.</strong></p>
<p>An welchem Punkt wird aus Retusche eigentlich Manipulation? Gibt es diesen Punkt &#252;berhaupt wirklich oder muss ihn jeder f&#252;r sich finden? Die Grenzen sind seit jeher flie&#223;end und jeder hat eine Meinung dazu: Was geht noch? Was geht nicht mehr? Was ist der Unterschied zwischen einer Fotomanipulation und einem retuschierten Foto?</p>
<p>L&#252;gen Fotos nie oder l&#252;gen sie im Gegenteil eigentlich immer und nur im manchen F&#228;llen etwas weniger? Die kwerfeldein-Redaktion diskutiert dar&#252;ber, was eigentlich Fotografie und was schon etwas anderes ist und warum Purismus vielleicht doch auch eine Option ist&#8230;</p>
<p><strong>Martin:</strong> Fakt ist, dass jedes Genre in der Fotografie eigene &#8211; manchmal auch ungeschriebene &#8211; Regeln zum Umgang mit der Bildbearbeitung hat. Schauen wir in die Landschaftsfotografie, dann geh&#246;ren HDRs schon fast zum Inventar, wohingegen die Stra&#223;enfotografie als solche weitl&#228;ufig wesentlich dokumentarischer daherkommt und auch ausbrennende Lichter akzeptiert.</p>
<p>Dass es hier auch Ausnahmen gibt, die die Regel(n) best&#228;tigen, m&#246;chte ich jedoch noch hinzuf&#252;gen, denn es gibt hier keine Gesetze, sondern nur viel und weniger genutzte M&#246;glichkeiten. Auch im Fotojournalismus wird die oben angef&#252;hrte Diskussion viel energischer betrieben als beispielsweise in der Portraitfotografie, die eigentlich alles erlaubt.</p>
<p>So ist es schwierig, per se zu sagen: „das ist zu viel oder zu wenig nachberbeitet“, sondern meiner Meinung nach muss hier auch immer der fotografische und inhaltliche Kontext mitbeachtet werden.</p>
<p><strong>Sebastian:</strong> Also grunds&#228;tzlich w&#252;rde ich dem zustimmen, dann aber gleich mal die Frage stellen, ob man nicht genau diese Prinzipien komplett &#252;ber den Haufen werden sollte oder sogar muss, wenn man kreativer sein will als der Rest. Du kennst ja auch die Streetportraits von <a href="http://kwerfeldein.de/2012/05/18/mit-religiositat-und-mitgefuhl-unterwegs-auf-den-strasen-im-gesprach-mit-lee-jeffries/">Lee Jeffries</a>, Martin. Stark nachbearbeitet, wenn auch auf eine Art, die das Bild an sich nicht ver&#228;ndert. Und genau mit dem dramatischen Effekt ist er extrem erfolgreich. </p>
<p>Das ist jetzt vielleicht ein Grenzfall, aber ich w&#252;rde diese Regeln grunds&#228;tzlich f&#252;r komplett wertlos erkl&#228;ren, vielleicht mit Ausnahme des Fotojournalismus, wo „Authentizit&#228;t“ das wichtigste Merkmal ist. Wobei ich aber auch die Frage stellen w&#252;rde, ob Fotografie &#252;berhaupt jemals authentisch in dem Sinne sein kann oder ob man mit Brennweite, Blende und Perspektive (geschweige denn das Raw fertigstellen, nachsch&#228;rfen etc.) nicht auch schon die Realit&#228;t ver&#228;ndert.</p>
<p><strong>Martin:</strong> Nat&#252;rlich. Ich glaube, dass der Realit&#228;tsanspruch auch &#252;berfl&#252;ssig ist. Aber das Ma&#223;, in dem nach einer Aufnahme an einem Bild gedreht wird, ist f&#252;r mich hier entscheidend.</p>
<p>Und ja, Lee Jeffries macht gro&#223;artige Fotos, jedoch w&#252;rde ich hier die Maxime gern in Richtung Portrait verschieben, denn f&#252;r mich ist das keine Stra&#223;enfotografie, die Lee betreibt. Und im Bereich Portrait gelten ganz andere ungeschriebene Gesetze.</p>
<p>Und gerade bei ihm ist f&#252;r mich pers&#246;nlich nicht die Bildbearbeitung das, was heraussticht, sondern seine N&#228;he und Identifikation mit den Leuten, was auch in den Aufnahmen deutlich wird.</p>
<p>Und ich meine, dass es, um kreativ zu sein nicht zwingend erforderlich ist, Vorgaben zu brechen. Zumindest nicht in erster Linie. Klar ist das ein Teil der Selbstreflexion (was will ich tun, wo will ich hin), aber ich w&#252;rde hier lieber das Augenmerk auf „was will ich“ legen als auf „was will ich nicht“.</p>
<p>Ich denke, dass die Bildbearbeitung immer ein Teil des fotografischen Prozesses ist &#8211; auch, wenn ein Mensch ganz drauf verzichtet. Wie viel Gewichtung dem beigemessen wird, h&#228;ngt f&#252;r mich damit zusammen, was ein Fotograf „sagen“ m&#246;chte.</p>
<p><strong>Marit:</strong> Auf die Frage von Sebastian habe ich gewartet, denn mit ihr besch&#228;ftige ich mich schon so lange. Kann Fotografie &#252;berhaupt authentisch sein? Wir geben dem Bild ja schon einen Rahmen, blenden andere Menschen oder Begebenheiten bewusst aus. Hier f&#228;ngt die Manipulation doch schon an.</p>
<p>Martins Frage „Was will ich sagen?“ ist also der Anfang der ganz eigenen Geschichte. Das Beispiel Stra&#223;enfotografie finde ich dabei ganz gut. Ich kann beobachten und festhalten, aber ich kann mit dem Bildausschnitt die Aussage auch bewusst ver&#228;ndern. Der Betrachter des Bildes wei&#223; dann nicht, was au&#223;erhalb des Bildes noch gewesen ist, um die Realit&#228;t der Situation zu erfassen. Der Fotograf manipuliert die Situation und somit auch den Betrachter.</p>
<p>Die Bildbearbeitung f&#252;hrt das weiter. Wenn die Frage ist, was erlaubt ist und was nicht, ist die Antwort: Alles ist erlaubt. Brenzlig wird es, wenn wir bewusst in die Irre gef&#252;hrt werden und uns etwas verkauft wird, was nicht so da ist. Als Beispiel f&#252;hre ich hier die Beauty-Maschinerie an, in der uns eine Realtit&#228;t verkauft wird, die so nicht existieren kann, aber ganze Generationen einem vernichtenden Selbsturteil &#252;berl&#228;sst.</p>
<p><strong>Sebastian:</strong> Irgendwie lese ich bei Euch raus, dass es ungeschriebene Gesetze zur Bearbeitung f&#252;r verschiedene Bereiche der Fotografie gibt. Ich beobachte das auch, dass zum Beispiel eine Form von Fotografie m&#246;glichst „authentisch“ (was immer das auch ist) gehalten werden soll, bei der anderen darf rumgebastelt werden, was das Zeug h&#228;lt. Nat&#252;rlich beobachte ich diese Gesetze auch und habe sie irgendwie „verinnerlicht“, aber die Frage w&#228;re f&#252;r mich: Woher kommt das eigentlich und was soll das?</p>
<p>Wenn ich mir so angucke, welche Bilder bei mir einen Eindruck hinterlassen, dann sind das oft ganz triviale Szenen. Was sie stark macht, sind Licht, Ausschnitt, Schwarzwei&#223;techniken &#8211; also die „Aufh&#252;bschung“ der Realit&#228;t &#252;ber Komposition und nat&#252;rlich auch Bearbeitung. Ein flaches Blitzbild von einem Blumengesteck und ein Schwarzwei&#223;stillleben mit sch&#246;nem Sch&#228;rfeverlauf: Zwei v&#246;llig unterschiedliche Welten. Und doch dasselbe Motiv.</p>
<p>Ich w&#252;rde ableiten, dass eigentlich alles „bearbeitet“ ist. Was macht es also f&#252;r das Bild f&#252;r einen Unterschied, ob in einer Stra&#223;enszenerie Dinge ver&#228;ndert werden? Wenn ich zum Beispiel eine Person aus einer Mehrpersonenszene rausretuschiere, weil das Bild dann st&#228;rker wirkt: Ist das „unethisch“, weil es dann nicht mehr „echt“ ist? Es bleibt ja so oder so ein vom Fotografen konstruiertes Abbild der Realit&#228;t, nicht die Realit&#228;t.</p>
<p><strong>Marit:</strong> Es ist der Anspruch, den ein Bild f&#252;r sich beansprucht. Gehen wir doch mal ins Detail. Wer dokumentieren will, sollte eine Szene so belassen wie sie ist, nicht eingreifen. Er darf nat&#252;rlich entscheiden, welchen Ausschnitt er w&#228;hlt; er <em>muss</em> sogar entscheiden, welcher Ausschnitt die Situation so wiedergibt, wie er glaubt, sie selbst wahrzunehmen. In der Bearbeitung kann er angreifen, aber es muss im Verh&#228;ltnis zum dokumentarischen Charakter stehen. Das Rausretuschieren einer Personen aus solch einer Szene w&#228;re f&#252;r mich ein No-Go.</p>
<p><strong>Aileen:</strong> Man muss ja nicht einmal so weit gehen, etwas raus oder hinein zu retuschieren. Aktuell* wird beispielsweise der diesj&#228;hrige <a href="http://www.petapixel.com/2013/02/20/darkrooms-are-irrelevant-and-the-truth-matters/" target="_blank">Gewinner des World Press Photo diskutiert</a>.</p>
<p><span style="font-size: small; color: #888">* Wir haben unsere Diskussion bereits im Februar begonnen.</span></p>
<p>Dabei geht es wohlgemerkt nur um eine leichte Ver&#228;nderung der Tonung, die aber als so dramatisch empfunden wird, dass sie vielleicht das Urteil der Jury beeinflusst hat. Und damit &#252;berhaupt die allgemeine Wahrnehmung aller Betrachter.</p>
<p><strong>Marit:</strong> Die Diskussion um dieses Bild finde ich affig. Da m&#252;sste man dann auch dar&#252;ber diskutieren, ob Schwarzwei&#223;-Fotografie &#252;berhaupt f&#252;r Dokumentarbilder eingesetzt werden darf, denn dort ist die Wirkung und somit die Wahrnehmung eine andere.</p>
<p><strong>Martin:</strong> Wir sprechen hier die ganze Zeit von Realit&#228;t und „echt“ und die Frage geht f&#252;r mich auch ein wenig darauf zur&#252;ck: Wie wollen wir Abschattungen oder Variationen der Realit&#228;t besprechen, wenn immer noch diese Frage im Raum ist? Sie scheint mir ein fester Begriff zu sein, als ob wir die Realit&#228;t anfassen, malen und definieren k&#246;nnten. Aber wie wollen wir bestimmen, was n&#228;her an oder weiter weg von der Realit&#228;t ist, wenn diese selbst so abstrakt ist? Schwierig. Denn niemand kann sagen: So war es und nicht anders.</p>
<p><strong>Michael:</strong> Ja, die Realit&#228;t, wie soll man sie &#252;berhaupt fotografisch einfangen? F&#252;r mich geh&#246;rt da mehr dazu, als nur das Gesehene zu dokumentieren. Wir erleben unserer Umwelt ja auch mit all unseren Sinnen &#8211; wenn wir nicht gerade Schnupfen haben und kaum etwas riechen. Zudem ist die Wahrnehmung von Person zu Person unterschiedlich.  </p>
<p>Deshalb finde ich es auch gar nicht verwunderlich, dass bei der Bearbeitung von Fotos die Ergebnisse so stark auseinander gehen. Der eine versucht, mit der Bildbearbeitung etwas von seinen Gef&#252;hlen mit einflie&#223;en zu lassen, der n&#228;chste m&#246;chte einfach nur, dass es dramatischer aussieht, weil es ihm so besser gef&#228;llt und wieder ein anderer hat sich vor Ort genaue Notizen gemacht und versucht nun in der Bildbearbeitung, seine Realit&#228;t m&#246;glichst genau wiederzugeben. Auch gibt es Fotografen, die Fotos bearbeiten, weil es vom Auftraggeber so erwartet wird.</p>
<p>Wenn man nicht verstanden hat, was der Fotograf mit der jeweiligen Bearbeitung bezwecken m&#246;chte, sollte man sie auch nicht kritisieren. Das ist es, was mich am meisten nervt. Immer wieder wird rumgen&#246;rgelt an bearbeiteten Fotos. Die meisten N&#246;rgler verstehen nicht einmal, worum es dem Fotografen geht. F&#252;r mich ist Fotografie eine Kunstform und somit ist ein Foto erst einmal nicht an irgendeine Realit&#228;t gebunden. Ich versuche trotzdem, meiner Realit&#228;t nahezukommen und habe selbst ein paar Richtlinien, was in der Bearbeitung f&#252;r mich erlaubt ist und was nicht. Aber das gilt f&#252;r meine Fotos und was ein anderer Fotograf f&#252;r Richtlinien hat, ist seine Sache.</p>
<p>Was am Ende z&#228;hlt, ist doch das Ergebnis. Wenn das gef&#228;llt, ist mir eigentlich egal, wie stark es bearbeitet wurde. Wenn ich selbst n&#246;rgle, dann vielleicht mal an der Qualit&#228;t der Bearbeitung. Das ist auch ein Bereich, in dem ich selbst f&#252;r Kritik empf&#228;nglich bin.</p>
<p>Um noch einmal auf den Anspruch, den ein Bild f&#252;r sich beansprucht, zur&#252;ckzukommen: M&#246;chte man dokumentieren, hat man wohl andere Richtlinien f&#252;r die Bearbeitung der eigenen Fotos. Erz&#228;hlt man zudem den Menschen, die Fotos dokumentieren die Wirklichkeit und sind kaum bearbeitet, dann muss man sich wohl auch an allgemeine Regeln halten. </p>
<p>Ein Problem ist hier meiner Meinung nach fehlende Ehrlichkeit. Wenn versucht wird, ein bearbeitetes Foto der Masse als unbearbeitet zu verkaufen, leidet die Glaubw&#252;rdigkeit. Bei Fotowettbewerben war das im letzten Jahr leider einige Male der Fall. Meist, weil die Wettbewerbsbedingungen nicht richtig gelesen wurden. Wobei ich die oben angesprochene Diskussion auch etwas l&#228;cherlich finde. In diesem Genre gibt es sehr starke Meinungen, was erlaubt ist und was nicht.</p>
<p><strong>Aileen:</strong> Mir scheint fast, dass wir uns alle ziemlich einig sind, dass man sehr viel machen kann und in den meisten Genres auch darf. Ich frage mich dann: Warum ist das Thema trotz allem noch so brisant? Wo wird es Eurem Gef&#252;hl nach brenzlig und warum eigentlich?</p>
<p><strong>Sebastian:</strong> Ich glaube, das Thema ist einfach deswegen so brisant und kommt immer wieder, weil die Fotografie in der Hinsicht so ein besonderes Medium ist. In allen anderen Kunstrichtungen w&#252;rde diese Frage ja nicht wirklich in der Form auftauchen, da geh&#246;rt subjektive Wahrnehmung und Darstellung meistens dazu &#8211; sogar in journalistischen Textreportagen ist es die Sprache und die Wahrnehmung des Autors, die alles ausmacht. Aber dadurch, dass Fotografie vermeintlich „objektiv“ sein kann, taucht immer wieder auf, ob sie es auch sein muss oder soll. Das macht f&#252;r mich auch den Reiz aus, dar&#252;ber in verschiedenen Kontexten nachzudenken.</p>
<p>Was Wettbewerbe angeht, verstehe ich aber, warum es da immer wieder solche Skand&#228;lchen gibt. Die Wettbewerbe machen halt ihre Regeln und das hat dann irgendwie mit Chancengleichheit zu tun, um die Bilder besser gegeneinander zu stellen. In dem Fall ist zu starke Manipulation ja ein bisschen wie Doping &#8211; zumindest, wenn man sich mal anguckt, was so richtig gute Bildbearbeiter manchmal aus Fotos rausholen k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Martin:</strong> Wir m&#252;ssen uns eben auch dar&#252;ber im Klaren sein, dass Fotos nicht nur dort existieren, wo sie von Fotografen als „Fotografie“ diskutiert und definiert werden. Fotos durchziehen die gesamte Print- und Onlinelandschaft und einen nicht wegzudenkenden Teil der journalistischen Berichterstattung. Au&#223;erdem sind s&#228;mtliche Social-Media-Kan&#228;le durchsp&#252;lt von Bildern.</p>
<p>Die Gesellschaft dokumentiert sich zunehmend selbst und das ganz ohne fotografischen Anspruch. Der einzige Anspruch, der hier gilt, ist: Dokumentieren.</p>
<p>Und somit ist die Fotografie ein Mittel, das in gro&#223;en Teilen &#252;berhaupt keinen k&#252;nstlerischen, sondern eher einen Wahrheitsanspruch inne hat, auch wenn das so keineswegs artikuliert wird. Ein Titelbild auf Spiegel Online? Wird schon so stimmen.</p>
<p>Hoffen wir’s. Und all das wirkt auch in die Diskussionen unterschwellig hinein, die von Fotografinnen und Fotografen gef&#252;hrt werden. Denn wir schreiben uns schlie&#223;lich auf die Fahnen, das Mittel Fotografie zu beherrschen.</p>
<p><strong>Marit:</strong> Nach all den facettenreichen Ansichten wird klar, dass man das Thema nicht so einfach betrachten kann. Es h&#228;ngt immer davon ab, in welche Sparte wir ein mit digitalen Sensoren oder auf Film aufgezeichnetes Bild einordnen. Ob, wie Martin sagt, als Dokumentation oder, wie Michael es benennt, als emotionales Landschaftsportrait oder, wie Sebastian es andeutet, das Foto als Ausgangspunkt f&#252;r Fotomanipulationen.</p>
<p><strong>Aileen:</strong> Hattet Ihr selbst denn schon einmal bei eigenen oder fremden Bildern das Gef&#252;hl, dass eine Bearbeitungsgrenze &#252;berschritten wurde oder Ihr dabei wart, eine zu &#252;berschreiten?</p>
<p>Bei mir war es so, dass sich diese Grenzen &#252;ber die Jahre, in denen ich mich praktisch mit der Fotografie besch&#228;ftigt habe, immer weiter ausgeweitet haben. Heute habe ich wenig Skrupel, zum Verfl&#252;ssiger zu greifen, ganze Objekte aus einem Bild zu retuschieren oder aus mehreren Bildern ein ganz neues zu machen, das dann wieder aussieht, als w&#228;re es genau so aufgenommen &#8211; sofern ich diese Ma&#223;nahmen als Bereicherung f&#252;r die Wirkung meines Bildes empfinde. Da es sich dabei aber meistens um Portraits handelt, bin ich mir durchaus der Tatsache bewusst, dass viele Betrachter sich „hinters Licht gef&#252;hrt“ f&#252;hlen d&#252;rften, wenn sie w&#252;ssten, was mit einigen Bildern passiert ist.</p>
<p><strong>Sebastian:</strong> Marit, den Punkt finde ich sehr, sehr interessant, auch in Bezug auf das, was Martin vorher gesagt hat. Ein Foto ist dann eine Dokumentation, wenn der Betrachter es so sehen will oder so sieht. Vielleicht entstehen die gro&#223;en Diskussionen und Missverst&#228;ndnisse oft dann, wenn das nicht &#252;bereinstimmt mit dem, was der Fotograf da hineinlegen wollte. So eine &#252;berschrittene „Bearbeitungsgrenze“, wie Aileen das sieht, entsteht dann bei jedem irgendwann, der mit einer Erwartung an ein Bild rangeht. </p>
<p>Ich nehme mich da selbst gar nicht aus, ich habe trotzdem selbst so eine Grenze. Gerade bei so super geairbrushten Modelfotos auf Zeitschriftentiteln (am besten noch mit &#252;bers&#228;ttigten Farben) denke ich oft: U&#228;rghs, geht gar nicht. Nicht wegen des moralischen Aspekts (der kommt nat&#252;rlich auch dazu: falsches Sch&#246;nheitsideal), sondern weil das einfach meinem eigenen &#228;sthetischen Anspruch an Fotografie total zuwiderl&#228;uft.</p>
<p><strong>Martin:</strong> Witzigerweise verh&#228;lt sich meine Entwicklung bez&#252;glich der Bearbeitungsgrenze genau umgekehrt wie die von Aileen &#8211; und das h&#228;ngt nicht nur mit dem Genre zusammen, das ich heute bediene. Fr&#252;her habe ich mir eigentlich alles erlaubt, heute sind f&#252;r mich Kontraste, Helligkeit, S&#228;ttigung und maximal Farbtemperatur alle Parameter, die ich an meinen Fotos ver&#228;ndern m&#246;chte. </p>
<p>Grenz&#252;berschreitungen bei anderen stelle ich nat&#252;rlich auch fest, klar. Die Frage ist jedoch auch, wie ich damit umgehe. Da es sich nicht um meine eigenen Fotos handelt, w&#228;re ich der Letzte, der daran rumkrittelt, denn es gibt nichts Schlimmeres als ungefragte Kritik (in meinen Augen). Ausnahme: Der von Sebastian angesprochene Fall der Mode(l)fotografie, jedoch bin ich so privilegiert, dass ich mir so etwas nur selten anschauen muss.</p>
<p>Marit, wie ist das denn bei den analogen Fotografen? Gibt es da solche hei&#223;gef&#252;hrten Diskussionen auch oder eher selten? Beabeitet wird da ja schlie&#223;lich auch&#8230;</p>
<p><strong>Marit:</strong> Wie es im Allgemeinen bei den Fotografen ist, die auf Film fotografieren, kann ich ebenso wenig sagen wie Ihr. Eine Dunkelkammer ist eben eine Dunkelkammer, ob im Bad mit verdunkelten Fenstern oder am Computer. Ver&#228;ndern kann man ein Bild immer. Das ist und bleibt eine pers&#246;nliche Grundeinstellung.</p>
<p>Ich versuche lediglich, aus dem Bild das Beste rauszuholen. Ich arbeite mit Gradationsfiltern, w&#228;hle den Ausschnitt des Bildes und helle manchmal Stellen im Bild auf. Das ist die einzige Bearbeitung, die ich einem Bild anheim fallen lasse. Das ist aber eine sehr pers&#246;nliche Sicht, denn ich denke, dass ich w&#228;hrend der Aufnahme schon das im Bild habe, was ich gesehen und gef&#252;hlt habe. </p>
<p>Hinterher m&#246;chte ich daran nichts mehr ver&#228;ndern, nichts hinzuf&#252;gen, nichts wegnehmen. Ich m&#246;chte zeigen, was in der Realit&#228;t m&#246;glich ist, was zeigbar ist. Ich bin wohl so streng gegen nachfolgende Manipulationen am Bild, weil ich etwas Haltbares in dieser Welt brauche und suche. Man k&#246;nnte sagen, ich bin ein surrealisitscher Realist, was die fotografische Sprache angeht.</p>
<p><strong>Michael:</strong> Ich bewege mich mit meiner Bildbearbeitung eigentlich immer an einer Grenze und das ist auch n&#246;tig, weil knapp vor dieser Grenze f&#252;r mich das optimale Bildergebnis liegt. Aber diese Grenze ist einzig durch meinen eigenen Geschmack und meine Erwartungen an das Ergebnis festgelegt. F&#252;r andere ist diese Grenze vielleicht woanders, weil sie, wie Sebastian schon sagt, andere Erwartungen an die Fotografie haben.</p>
<p>Man sollte nur nicht den Fehler machen, die Erwartungen, die man an die eigenen Fotos hat, auch auf die Fotos anderer zu projizieren. An der Stelle entstehen dann oft diese hitzigen Diskussionen. Ich sehe auch oft Fotos, die meine Grenze &#252;berschreiten oder so deutlich unterschreiten, dass es mir nicht gef&#228;llt. Aber ich halte es da meistens wie Martin und enthalte mich der ungefragten Kritik.</p>
<p><strong>Martin:</strong> Was meiner Meinung auch eine gute und respektvolle Haltung anderen gegen&#252;ber ist, denn so lasse ich stehen, was mir missf&#228;llt und finde dennoch eine eigene Arbeitsweise. Meinung ist wichtig &#8211; die Frage ist jedoch, in welchem Rahmen sie ge&#228;u&#223;ert wird.</p>
<p><strong>Sebastian:</strong> Vielleicht sollte man sich insgesamt etwas damit zur&#252;cknehmen, seinen Geschmack in der Fotografie anderen &#252;berzust&#252;lpen &#8211; das gilt insgesamt und nat&#252;rlich auch speziell bez&#252;glich der Bearbeitung. Sonst ist man schnell an dem Punkt, dass Leute sich gegenseitig erkl&#228;ren, dass irgendetwas „gar nicht geht“. </p>
<p>Erlaubt ist meiner Meinung nach das, was machbar ist, was &#228;sthetisch oder einfach „gut“ aussieht &#8211; was immer das hei&#223;t, muss jeder selbst entscheiden &#8211; oder das Bild in die Richtung bringt, die ich zeigen mag. Bei Wettbewerben und im journalistischen Kontext gibt es da nat&#252;rlich Rahmenbedingungen, die man beachten muss &#8211; aber in freien Arbeiten? Soll jeder das tun, was er f&#252;r sich als richtig erachtet, denke ich.</p>
<p></p>
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		<title>Wabi-Sabi</title>
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		<pubDate>Fri, 03 May 2013 06:48:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Gommel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Susan Brooks-Dammann</strong></p>Das erste Mal habe ich von Wabi-Sabi geh&#246;rt, als ich einen Artikel in einer Frauenzeitschrift las. An den Inhalt des Artikels, in dem es nicht um Fotografie ging, kann ich mich nicht mehr erinnern. Allerdings war es gar nicht der Artikel selbst, der mich damals fasziniert hat, sondern die Philosophie, die dort vorgestellt wurde. Wabi-Sabi [...]<p></p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Susan Brooks-Dammann</strong></p><p><strong>Das erste Mal habe ich von Wabi-Sabi geh&#246;rt, als ich einen Artikel in einer Frauenzeitschrift las. An den Inhalt des Artikels, in dem es nicht um Fotografie ging, kann ich mich nicht mehr erinnern. Allerdings war es gar nicht der Artikel selbst, der mich damals fasziniert hat, sondern die Philosophie, die dort vorgestellt wurde.</strong></p>
<p>Wabi-Sabi ist hier in Deutschland recht unbekannt und wird schnell in die Esoterik-Ecke abgeschoben, wie ich erfahren musste, als ich anderen davon erz&#228;hlte. Doch das ist nicht so.</p>
<p>Ich habe angefangen, mehr dar&#252;ber zu lesen und dabei erfahren, dass Wabi-Sabi aus dem Japanischen kommt und eine Kombination aus zwei unterschiedlichen W&#246;rtern ist. Wabi bedeutet so etwas wie „Einsamkeit“ oder „Enthaltsamkeit“.</p>
<p>Sabi ist eine Bezeichnung f&#252;r das „Alte“, die „Patina“, jedoch ist es, anders als hier, ein positiver Begriff. Zusammengesetzt ist Wabi-Sabi ein Lebensentwurf, der auf Bescheidenheit, Zur&#252;ckhaltung und Meditation abzielt. Gleichzeitig ist es aber auch ein &#228;sthetisches Konzept.</p>
<p>Hierzulande wird die &#196;sthetik des Wabi-Sabi oft als „&#196;sthetik der Unvollkommenheit“ begriffen, was nicht ganz richtig ist. Wie mir eine japanische K&#252;nstlerin erkl&#228;rt hat, ist der Kern von Wabi-Sabi f&#252;r Japaner die Bescheidenheit, w&#228;hrend Perfektion f&#252;r Japaner eine vollkommen andere Bedeutung hat als f&#252;r uns: Perfektion entsteht n&#228;mlich erst durch Fehler, die den Rest des Werkes umso vollkommener erscheinen lassen.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Wabi-Sabi-5.jpg" rel="lightbox[58345]"><img title="© Susan Brooks-Dammann"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Wabi-Sabi-5-650x433.jpg" alt="© Susan Brooks-Dammann" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-58353" /></a></p>
<p>Wabi-Sabi ist eine sehr zur&#252;ckhaltende &#196;sthetik, die sich einem erst auf den zweiten Blick offenbart. Die Motive, die ganze Bildsprache sind gepr&#228;gt von Reduktion. Es sind nicht die gro&#223;en, auff&#228;lligen und sensationellen Motive, sondern die kleinen und unbeachteten Dinge, die Wabi-Sabi ausmachen. Nicht der grandiose Sonnenuntergang, sondern das Spinnennetz am Wegesrand, das im richtigen Licht seine eigene Sch&#246;nheit entwickelt, ist Motiv im Wabi-Sabi.</p>
<p>Apropos Licht. Es ist nicht das Licht, das im Wabi-Sabi wichtig ist, sondern der Schatten. Hier in Europa wollen wir unsere Bilder ausleuchten. Wir versuchen, den Schatten auszumerzen, ihn so zu kontrollieren, dass er nur durch ein feine Modellierung das eigentliche Motiv unterst&#252;tzt. Aber wir sehen kaum, dass Schatten auch eine eigene Qualit&#228;t besitzt.</p>
<p>Um wieder auf das Spinnennetz zur&#252;ckzukommen: Dieses kommt doch auch erst im Schatten zur vollen Geltung, indem einige wenige Lichtstrahlen sich darin brechen. Wird es ins Licht gesetzt, ist es gar nicht mehr zu sehen.</p>
<p>Ein weiteres Element des Wabi-Sabi ist das Nicht-Perfekte und Fehlerhafte. Fotografische Fehler werden nicht eliminiert, wie wir es in der Regel tun. Im Gegenteil, der Fehler wird als k&#252;nstlerisches Element in das Bild mit einbezogen. Erst das Nicht-Perfekte ist es, das dem Bild seine Aussagekraft verleiht. Es ist gerade das Linsenflirren oder das Ertrinken im Schwarz, das die Bildwirkung noch verst&#228;rkt.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Wabi-Sabi-2.jpg" rel="lightbox[58345]"><img title="© Susan Brooks-Dammann"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Wabi-Sabi-2-650x433.jpg" alt="© Susan Brooks-Dammann" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-58356" /></a></p>
<p>Das Knifflige dabei ist, dass der auftretende Fehler nicht einfach nur davon herr&#252;hrt, dass man Knipserei als Kunst verkaufen will, sondern dass er bewusst ins Bild eingebaut wird. Wir gehen im Wabi-Sabi also den umgekehrten Weg, indem wir nicht fragen, wie wir den Fehler ausmerzen, um das Bild perfekt (im Sinne von sch&#246;n) zu machen, sondern wie wir den Fehler einbauen, um das Bild zu perfektionieren, so dass es in der Lage ist, den Betrachter emotional zu ber&#252;hren. Somit wird dieser in seiner Eigenschaft ins Gegenteil gesetzt und als Bereicherung angesehen.</p>
<p>Weiterhin geht es im Wabi-Sabi auch um Leere. Es ist nicht der Minimalismus, den wir kennen, in dem es darum geht, so wenig wie m&#246;glich bildw&#252;rdig in Szene zu setzen, sondern der Wunsch, nur noch die wesentlichen Elemente als Bildinhalte zu haben, damit diese durch die umgebende Leere in ihrer Aussagekraft verst&#228;rkt werden.</p>
<p>Die Aussage im Wabi-Sabi ist dabei eher als Wirkung und intuitives F&#252;hlen zu verstehen anstatt als konkrete Bedeutung. Und damit w&#228;ren wir auch schon beim wichtigsten Element der Fotografie im Sinne des Wabi-Sabi: Das Wichtigste ist, nicht zu zeigen, dass man als Fotograf die Technik vollkommen beherrscht und perfekte Fotos macht, sondern, dass man versucht, etwas im Bild einzufangen.</p>
<p>Was dieses „Etwas“ ausmacht, das ist allerdings individuell. Die Franzosen bezeichnen es als „je ne sais quoi“. Etwas, das nicht bezeichnet werden kann, das aber dem Bild erst seine Wirkung gibt. Bilder im Wabi-Sabi sollen ber&#252;hren, etwas im Betrachter anklingen lassen.</p>
<div class="zwei"><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Wabi-Sabi-3.jpg" rel="lightbox[58345]"><img title="© Susan Brooks-Dammann"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Wabi-Sabi-3-650x975.jpg" alt="© Susan Brooks-Dammann" width="650" height="975" class="alignleft size-medium wp-image-58357" /></a><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Wabi-Sabi-4.jpg" rel="lightbox[58345]"><img title="© Susan Brooks-Dammann"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Wabi-Sabi-4-650x975.jpg" alt="© Susan Brooks-Dammann" width="650" height="975" class="alignnone size-medium wp-image-58358" /></a></div>
<p>Ich wei&#223; nicht, wie es Euch geht, aber ich vermisse dieses emotionale Element h&#228;ufig, wenn ich mir Fotografien anschaue. &#220;berall im Internet und in Zeitschriften sehe ich Fotos, in denen ich bemerke, dass sich der Fotograf bem&#252;ht hat, m&#246;glichst perfekt zu fotografieren. Fehler werden ausgemerzt, jeder Pixel wird &#252;berpr&#252;ft, ob er an der richtigen Stelle sitzt und wenn das Foto nicht &#252;berw&#228;ltigend genug aussieht, dann wird mit Photoshop nachgeholfen.</p>
<p>Wenn ich mir ein Buch &#252;ber Fotografie zur Hand nehme, dann habe ich den Eindruck, dass Fotografie nicht &#252;ber die heilige Dreieinigkeit von Blende, Belichtungszeit und ISO-Zahl hinausgeht.</p>
<p>Um ehrlich zu sein, empfinde ich das inzwischen als geradezu langweilig. Geht es in der Fotografie wirklich nur noch darum, die korrekten Messungen auszuf&#252;hren? Oder darum, immer sensationellere Fotos zu machen, die lautstark nach Aufmerksamkeit verlangen? „Hier, schau mich an!“, schreit das eine HDR, „Nein, hierhin!“, br&#252;llt das andere. Geht es nur um Objektive, die richtige Kamera, die richtigen Filter?</p>
<p>Als ich angefangen habe zu fotografieren, wollte ich nat&#252;rlich auch m&#246;glichst perfekte Fotos machen, wer will das nicht? Doch das Vertrackte am Perfektionswahn ist, dass man sich selbst in ein Hamsterrad begibt. Man macht Fotos, ist unzufrieden, man lernt, man macht „bessere“ Fotos. Doch da man gelernt hat, genauer zu gucken, ist man immer noch unzufrieden, will noch bessere Fotos machen und so weiter&#8230;</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Wabi-Sabi.jpg" rel="lightbox[58345]"><img title="© Susan Brooks-Dammann"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Wabi-Sabi-650x433.jpg" alt="© Susan Brooks-Dammann" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-58360" /></a></p>
<p>Ich war also permanent unzufrieden mit meinen Fotos, die immer irgendwie nicht gut genug wirkten. Gleichzeitig fand ich, dass die Bilder, die ich machte, genau so aussahen wie hunderttausend andere Bilder auch. Irgendetwas fehlte.</p>
<p>Im Nachhinein kann ich sagen, wo mein Problem lag. N&#228;mlich darin, dass ich gar nicht versucht habe, „mein eigenes Ding“ zu machen, wie man das so sch&#246;n sagt. Ich wollte alles so machen wie andere auch, weil ich Angst vor Ablehnung hatte. Ganz banal.</p>
<p>Wenn man versucht, mit anderen mitzuhalten, versucht man doch automatisch, genau das zu machen, was andere machen, nicht wahr? Alles, was anders aussieht, wird doch nicht wirklich anerkannt &#8230; so meinte ich jedenfalls.</p>
<p>Inzwischen habe ich mich davon freigemacht, haupts&#228;chlich, weil die Fotografie mir so keinen Spa&#223; mehr gemacht hat. Der Spa&#223; kam erst wieder, als ich angefangen habe, weniger auf das zu schauen, was andere machen und weniger auf das zu geben, was andere dar&#252;ber sagen.</p>
<p>&#220;ber Wabi-Sabi zu lesen, hat mir klargemacht, dass es auch andere Wege der Fotografie gibt. Vielleicht waren es die Elemente des Wabi-Sabi, die Kombination aus Reduktion, Einfachheit, Intuition und Nat&#252;rlichkeit, die mich angesprochen haben. Diese entsprechen viel mehr meiner Pers&#246;nlichkeit als diese verbreitete verr&#252;ckte Kombination aus Technikverliebtheit, Perfektionswahn und Aufmerksamkeitsstreben.</p>
<p><em>Ich liebe es, Leere und viel Raum um mich herum zu sp&#252;ren. Dann kann ich atmen. Ich liebe es, durch die Natur zu gehen und die kleinen Wunder zu finden, die sich im Schatten verstecken. Ich finde es faszinierender, im Bild nur anzudeuten, statt konkret zu zeigen. Vor allem aber erlaube ich mir nun, dank Wabi-Sabi, Fehler zu machen.</em></p>
<p></p>
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		<title>Niemand ist eine Insel</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Feb 2013 06:41:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Gommel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Sie mussten erkennen, dass die Werte der Welt, in der wir leben, und die Menschen, mit denen wir uns umgeben, entscheidende Auswirkungen darauf haben, wer wir sind.“ &#8211; Malcom Gladwell Eine sehr popul&#228;re Theorie unter Fotografierenden ist, dass das zentrale Element, um das sich alles dreht, g&#228;nzlich eigene Ideen sind. Ich m&#246;chte diese Theorie in [...]<p></p>
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				<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>„Sie mussten erkennen, dass die Werte der Welt, in der wir leben, und die Menschen, mit denen wir uns umgeben, entscheidende Auswirkungen darauf haben, wer wir sind.“ &#8211; Malcom Gladwell</p></blockquote>
<p class="zuruf"><strong>Eine sehr popul&#228;re Theorie unter Fotografierenden ist, dass das zentrale Element, um das sich alles dreht, g&#228;nzlich eigene Ideen sind. Ich m&#246;chte diese Theorie in Frage stellen. Und zu Beginn sei mir ein pers&#246;nlicher Einstieg erlaubt.</strong></p>
<p>Ich habe jahrelang versucht, eigene Ideen zu entwickeln. Mein Ding zu machen mit der Fotografie. Bilder zu gestalten, auf die noch niemand vor mir gekommen ist. Und es f&#252;hlte sich so an: Puh, naja. Zwar hatte ich ein paar Ideen, aber mit ein bisschen Recherche wurde mir schnell klar: Martin, da war schon jemand vor Dir schlau. Na toll.</p>
<p>Immer wieder dachte ich daran, wie sch&#246;n es doch w&#228;re, einen Fotostil zu entwickeln, der noch nie in dieser Form dagewesen war. Etwas zu erschaffen, was keiner vorher je gedacht und auf diese Weise umgesetzt hatte.</p>
<p>Jedoch wurde ich immer und immer wieder entt&#228;uscht. Denn ich merkte, dass ich nichts schaffen konnte, was nur aus mir selbst heraus entstehen konnte. Ein wenig gefrustet, lie&#223; ich nach einer Weile die Idee vom Streben nach dem Unikum eine Weile liegen. Das wiederum f&#252;hlte sich ganz gut an.</p>
<p style="text-align: center;">~</p>
<p>Doch lassen wir mal die lieben Gef&#252;hle beiseite. Heute glaube ich nicht mehr an das Geschichtchen mit der ganz eigenen Idee. Ich halte das Bem&#252;hen darum &#8211; zumindest f&#252;r mich selbst &#8211; f&#252;r Zeitverschwendung. Warum?</p>
<p>Weil wir keine unbeeinflussbaren Individuen sind. Und das, obwohl wir in einer Gesellschaft leben, die das Individuum und seine Genialit&#228;t schier verg&#246;ttert.</p>
<p>Wir lieben es, wenn Daniel Craig, Uma Thurman oder Bruce Willis (f&#252;r die Braveheart-Freunde: Mel Gibson) gegen die B&#246;sen k&#228;mpfen. Sie sind die Helden, ganz allein. Sie schaffen es, ganze Armeen mit ihrem Einfallsreichtum, ihrer Disziplin und ihren heldenhaften &#220;berzeugungen in Bann zu ziehen.</p>
<p>Was hat das mit der Fotografie zu tun? An dieser Stelle m&#246;chte ich gern eine Ebene tiefer gehen und einen kleinen Sprung in die Philosophie wagen. Der aus aus Slowenien stammende Slavoj Žižek <a title="Link zum Artikel „Kino ist perverse Kunst“" href="http://www.welt.de/kultur/article4590572/Kino-ist-perverse-Kunst-meint-Slavoj-Zizek.html" target="_blank">nennt Kino „ein p&#228;dagogisches Institut“</a>. Wenn wir eine Gesellschaft verstehen wollen, „m&#252;ssen Sie nur ihre Filme ansehen.“ Es zeige ihre Struktur in Reinform.</p>
<p>Diese Struktur umgibt auch uns, die der Fotografie anh&#228;ngig geworden sind. Sie beeinflusst unsere W&#252;nsche, unseren Willen und die Art und Weise, wie wir an Dinge herangehen.</p>
<p><strong>Das geheimnisvolle Genie</strong></p>
<p>Ein weiterer Mythos, der dem Ganzen zugrunde liegt, ist die Redewendung „vom Tellerw&#228;scher zum Million&#228;r“, die wir aus dem Amerikanischen importiert haben. Dahinter steckt, wie jeder wei&#223;, die Idealvorstellung, dass es jeder Arme schaffen kann, reich zu werden &#8211; und die Medien sind voll von &#252;berbordenden Heldentaten. Und auch hier lohnt ein Blick hinter Kinokulissen und Metaphern, mit denen nicht gespielt wird.</p>
<p>Einer (meistens ist es ein Mann) ist glorreicher als alle anderen. Er schafft das Undenk-, das Unfassbare. Gepriesen seist Du, einzelner Mann, der Du es schafftest, was keiner auch nur zu denken wagte!</p>
<p>Zur&#252;ck auf den Boden der Tatsachen. Von solchen Ideologien umgeben sind auch wir, die Fotografen, die wir uns nicht selten auch als K&#252;nstler identifizieren. Die Fotografie als solche hat auch diesen Zweig, diesen Strang um das geheimnisvolle Genie. Und wer will nicht ein Genie sein?</p>
<p>Gro&#223;, bekannt, ein Star werden. Und: Mit unserer ganz eignen Idee. Mit unserem Stil. Wir, die Helden. Applaus, Applaus. Gepriesen.. ach, lassen wir das.</p>
<p>Zwar w&#252;rde ich nicht mit den Rekreationisten sagen, dass alles ein Remix oder &#8211; das langsam einstaubte Wort &#8211; ein Mashup ist. Ich glaube nicht, wie <a href="http://www.austinkleon.com" target="_blank">Austin Kleon</a> in „Steal like an Artist“ konstatiert, dass wir „nur die Summe unserer Einfl&#252;sse“, der „Remix unserer M&#252;tter und V&#228;ter“ w&#228;ren. Im Gegenteil, ich glaube, dass Kreativit&#228;t das ist, was wir aus unseren Einfl&#252;ssen machen.</p>
<p>Aber zu glauben, dass <em>wir</em> aus <em>uns</em> heraus die allergeilsten Fotos der Welt machen werden, ist Irrsinn. Uns theoretisch von unseren Einfl&#252;ssen loszusagen, wirkt kontrakorrektiv, denn in diesen leben wir und k&#246;nnen nicht ohne sie.</p>
<p><strong>Vom Vor- und Sehnsuchtsbild</strong></p>
<p>Der Idee des ganz und gar Eigenen liegt auch zugrunde, dass der oder die Agierende einerseits etwas schafft, was vorher nie in dieser Form dagewesen war, andererseits aber (und vor allem) keinerlei &#196;hnlichkeit mit Werken anderer aufweist.</p>
<p>Hierzu ZEIT-Redakteur Hanno Rauterberg in seinem Artikel <a href="http://www.zeit.de/2013/04/Kunst-Kuenstler-Digitales-Zeitalter/komplettansicht" target="_blank">„Sch&#246;ner Klauen“</a>:</p>
<blockquote><p>Das ganze System der &#228;sthetischen Produktion, das System der Kunsthochschulen, des Kunstmarkts, der Kunstmuseen, basiert auf der Vorstellung, dass K&#252;nstler etwas zu bieten haben, was andere nicht bieten.</p>
<p>Dass die K&#252;nstler also doch etwas Besonderes sind, eigensinnig, eigenst&#228;ndig, originell. Diese Vorstellung entwickelte sich im ausgehenden 18. Jahrhundert auch aus einem antiaristokratischen Impuls heraus.</p>
<p>Der Adel war durch seine Abkunft legitimiert, die K&#252;nstler hingegen setzten sich &#252;ber alle Traditionen hinweg, wollten Abgrenzung, nicht Nachfolge. Sie waren ihre eigenen Urheber, selbstbestimmt, aus sich selbst sch&#246;pfend. Als solche, als autonome Subjekte, konnten sie zum Vor- und Sehnsuchtsbild der B&#252;rger avancieren.</p></blockquote>
<p>Sie waren ihre eigenen Urheber, selbstbestimmt, aus sich selbst sch&#246;pfend. Klingt eigentlich gut. Leider zu gut, oder gar: falsch.</p>
<p>Evelyin Finger zitiert in ihrem Artikel <a href="http://www.zeit.de/2012/43/Genialitaet-Plagiat/komplettansicht" target="_blank">Wie genial muss es denn sein?</a> den Historiker Dirk van Laak: „Es gebe, sagt Dirk van Laak, in der modernen Gesellschaft ein irres Bed&#252;rfnis, &#252;berrascht zu werden. Dahinter w&#252;rden sich Abgekl&#228;rtheit und Abgestumpftheit verbergen.“</p>
<p>Diesem Bed&#252;rfnis begegnen wir in Kommentarform regelm&#228;&#223;ig. Wo? Hier, in diesem Magazin. Es ist keine Seltenheit, dass Kommentatoren entt&#228;uscht um ihre verlorene Zeit leicht beleidigt der Redaktion vorwerfen, das hiesig gezeigte w&#228;re nun „auch keine Neuheit“ mehr. Und w&#228;re deshalb besser in der Tonne gelandet.</p>
<p><em>Schnarchopoparch! Gar keine noch nie dargebotene Bruce-Willis-Action! Ich will sofort mein Geld zur&#252;ck!</em></p>
<p><strong>Der Beginn</strong></p>
<p>Jedoch schauen <em>wir alle</em> auch Fotos von anderen an und bauen auf dem auf, was Fotografen vor uns geleistet haben. Fotografen, die uns mit ihren Bildern inspirieren. Dazu bewegen, mal etwas &#196;hnliches zu probieren.</p>
<p>Das geht &#8211; zu Ende gedacht &#8211; soweit zur&#252;ck bis zum Beginn, als wir unser erstes Foto machten.</p>
<p>Irgendetwas bewegt uns dazu, ein Bild zu machen. Vielleicht, weil es eine Familientradition ist und schon unsere Eltern fotografierten. Oder weil unsere Eltern dem Musischen nahe waren. Vielleicht auch, weil wir an der Wand der Freundin so tolle Abz&#252;ge sahen und dachten: Das will ich auch. (Das sind Beispiele, die es in eintausend Abwandlungen gibt, bitte keine w&#246;rtliche Auslegung.)</p>
<p>Und dann beginnen wir, zu fotografieren.</p>
<p>Und mit der Fotografiererei werden wir ganz &#8211; unerwartet - sensibel und empf&#228;nglich f&#252;r die Werke anderer Fotografen. Schauen uns deren Bilder an, lassen uns davon inspirieren und versuchen, den Look, das Gef&#252;hl oder etwas anderes von dem, was wir da sehen, irgendwie auch in unseren Fotos zu finden.</p>
<p>Und merken: <strong>Wir sind umgeben von Inspirationen.</strong> Wir wollen und wir k&#246;nnen uns davon nicht trennen.</p>
<p>Albert Einstein soll einmal gesagt haben: Das Geheimnis der Kreativit&#228;t ist es, seine Quellen verstecken zu wissen. Womit Herr Einstein auch unterstreicht, dass jeder seine Quellen hat. Doch die wenigsten k&#246;nnen oder wollen das zugeben. Sie sehen sich lieber im Lichte der eignen Genialit&#228;t.</p>
<p>Jedoch: Niemand ist eine Insel.</p>
<p>Und selbst, wenn wir eines tun, was so ganz eigen erscheint, wenn wir von vielen Fotografen Vorgemachtes umkehren, es brechen, es umdrehen, verkr&#252;mmen oder in andere Kontexte setzen: Wir beziehen uns damit dennoch st&#228;ndig auf sie.</p>
<p><strong>Diametrale Inspiration</strong></p>
<p>Der Familientherapeut Hellinger (er ist nicht zu Unrecht umstritten) sagte einmal „Hass bindet auch“ und erkl&#228;rte an anderer Stelle, dass wir gerade dann, wenn wir sagen, wir wollten nicht so werden wie unsere Eltern, so werden wie sie. Und dass dieser Drang des „Andersseins“ immer wieder auf sie zur&#252;ckf&#252;hrt.</p>
<p>Nat&#252;rlich hassen wir nicht die Fotos anderer (obwohl…). Doch selbst oder insbesondere eine Abneigung gegen einen bestimmten Stil hat eine Zuneigung zu einem anderen Stil zur Folge und ist somit inspiriert von &#8211; ? Dem, was zu Beginn <em>nicht</em> gemocht wurde.</p>
<p>Zum Schluss &#252;bergebe ich das Wort nochmals an den oben zitierten <a title="Link zum Buch „&#220;berflieger“" href="http://www.amazon.de/gp/product/3492258190/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3492258190&amp;linkCode=as2&amp;tag=kwerfeldein-21" target="_blank">Malcom Gladwell</a>*:</p>
<blockquote><p>Kein Eishockeystar, kein Bill Joy, kein Robert Oppenheimer und kein anderer &#220;berflieger kann aus der H&#246;he seines Erfolges herabblicken und ehrlich von sich behaupten: „Das habe ich nur mir zu verdanken“.</p>
<p>Oberfl&#228;chlich betrachtet scheinen Staranw&#228;lte, Mathematikgenies und Softwaremilliard&#228;re einer anderen Welt anzugeh&#246;ren als wir. Doch das stimmt nicht. Sie sind das Produkt ihrer Geschichte, ihrer Gesellschaft sowie der Chancen, die sie hatten und der kulturellen Traditionen, die sie geerbt haben.</p>
<p>Ihr Erfolg hat nichts &#220;bermenschliches oder Geheimnisvolles an sich. Er ist das Ergebnis von bestimmten Vorteilen und ererbten Traditionen, er ist zu einem Teil verdient, zu einem anderen nicht, einiges haben sie sich selbst erworben, anderes ist ihnen in den Scho&#223; gefallen &#8211; doch all das hat entschieden dazu beigetragen, sie zu dem zu machen, was sie sind.</p>
<p>Die &#220;berflieger sind am Ende eben alles andere als &#220;berflieger.</p></blockquote>
<p><em>&#220;brigens: Dieser Artikel wurde inspiriert von der Besch&#228;ftigung mit systemischer Familientherapie, Emergenter Theologie, einem Artikel, den ich vor einem halben Jahr gelesen und den Link (dummerweise) nicht gespeichert habe, meinem Freund Daniel Ehniss und vielen kleinen Dingen, die mich zum Nachdenken gebracht haben.</em></p>
<p><span style="color: #888; font-size: small">* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr dar&#252;ber etwas kauft, erhalten wir eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.</span></p>
<p></p>
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		<title>kwerfeldein diskutiert: &#220;ber Kopie, Inspiration und Idee</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Feb 2013 10:16:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[diskussion]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor ein paar Wochen trudelte bei uns folgender Kommentar ein, den wir mal ganz mutig aus dem Zusammenhang rei&#223;en und lesen: „Allein die Flut solcher Bilder im Internet verr&#228;t, dass es sich hierbei um ein massenkompatibles Sujet handelt. Mir erschlie&#223;t sich der Sinn solcher Bilder allerdings nicht so ganz. Was will der Fotograf hier zeigen? [...]<p></p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vor ein paar Wochen trudelte bei uns folgender Kommentar ein, den wir mal ganz mutig aus dem Zusammenhang rei&#223;en und lesen:</strong></p>
<blockquote><p>„Allein die Flut solcher Bilder im Internet verr&#228;t, dass es sich hierbei um ein massenkompatibles Sujet handelt. Mir erschlie&#223;t sich der Sinn solcher Bilder allerdings nicht so ganz. Was will der Fotograf hier zeigen? Der inflation&#228;re Umgang mit dem Graufilter und das beharren auf einer Schwarzwei&#223;-Wiedergabe stempelt die Aufnahmen f&#252;r mich als reine Effekthascherei ab. Warum wird hier nicht mal mit Farben, Kontrasten und Perspektiven experimentiert? Zugegeben, es gibt wirklich wenige Fotografen, die auf dem Gebiet der Landschaftsfotografie neue Sichtweisen vermitteln k&#246;nnen, aber ewig auf den selben Effekten herumzureiten kann es nun auch nicht sein. Dann lieber mal den Deckel auf dem Objektiv lassen, und einfach nur spazieren gehen.“</p></blockquote>
<p><strong>Martin:</strong> Daraus ergeben sich viele Fragen, denen wir uns in den n&#228;chsten Zeilen bewusst ausgesetzt haben: Macht es Sinn, ein Foto zu machen, das in dieser Form schon einmal ungef&#228;hr so gemacht wurde? Ist es erstrebenswert, immer nach Neuem zu suchen oder auch legitim, Vorhandendes weiterzutragen? Oder sollten wir doch lieber gleich „den Deckel auf dem Objektiv lassen und einfach nur spazieren gehen“?</p>
<p><strong>Robert:</strong> Zuerst einmal finde ich es wichtig, zu verstehen, mit welcher Motivation Menschen Fotos machen. Und vielleicht hilft es auch f&#252;r die Beantwortung dieser Fragen, einmal die zwanghafte Fotografie-ist-Kunst-Projektion auszublenden.</p>
<p>Frei nach Susan Sontag: Die meisten Leute, die ein Aufnahmeger&#228;t bedienen k&#246;nnen, fotografieren gar nicht mit dem Drang, zwangsl&#228;ufig Kunst zu machen.</p>
<p>Wie bei jedem Massenph&#228;nomen ist es f&#252;r die meisten einfach ein Vergn&#252;gen oder Teil eines sozialen Ritus und vielleicht auch einfach das Bed&#252;rfnis, Erinnerungen festzuhalten, zu sammeln und mit anderen zu teilen.</p>
<p>Dass auf diese Weise verschiedene Fotografen bildinhaltliche Dopplungen erzeugen, ob nun absichtlich oder unbewusst, ist einfach Teil des Massenph&#228;nomens, sich mit Bildern &#252;ber Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen.</p>
<p>Jemandem zu sagen „Mach das Foto nicht, das gibt es schon.“ w&#228;re etwa vergleichbar mit „Halt blo&#223; die Klappe. Den Satz, den Du gerade sagen willst, haben schon 3.972 Menschen vor Dir gesagt.“</p>
<p><strong>Martin:</strong> Womit Du die Fotografie mit der allt&#228;glichen Kommunikation vergleichst. Was mir sehr gut gef&#228;llt, denn zu solchen Zwecken wird sie ja auch eingesetzt. Und in einem Gespr&#228;ch wird oft das noch einmal unterstrichen, was vorher jemand anderes gesagt hat.</p>
<p>Dass es sich hierbei nie exakt um das Gleiche handelt, h&#246;rt man schon an der Stimme. Und diese l&#228;sst sich, um den Kreis zur Fotografie wieder zu schlie&#223;en, auch in der Fotografie wiederfinden. Denn 100% kopieren, das will mit Sicherheit niemand, zumindest nicht auf Dauer. Wie sehen das die anderen?</p>
<p><strong>Normen:</strong> Ich finde es grunds&#228;tzlich in Ordnung, wenn man w&#228;hrend der eigenen Entwicklung in der Anfangszeit versucht, andere Fotografen zu „kopieren“, jedoch sollte man in so einem Fall dann so ehrlich sein und die Quelle der Inspiration mit angeben. Damit k&#246;nnen die meisten kopierten Fotografen leben und der Kopierende bricht sich dabei nicht wirklich einen Zacken aus der Krone.</p>
<p>Ist es nicht oft sogar gut, ein &#228;hnliches Foto noch einmal zu machen? So gibt es unz&#228;hlige Fotos der Golden Gate Bridge, viele davon h&#228;tten nicht gemacht werden m&#252;ssen, andere hingegen sind es absolut wert.</p>
<p><strong>Katja:</strong> Normen, klar sind es einige absolut wert. Aber sind das nicht genau die wenigen, die aus einer anderen, selteneren Perspektive fotografiert wurden? Oder bei denen zum Motiv der Br&#252;cke noch weitere seltenere Gegebenheiten kommen, wie Nebel oder der Sonnenuntergang? Und damit sind diese wenigen doch keine einfachen Kopien mehr.</p>
<p>Den Versuch, ein Foto 1:1 kopieren zu wollen, kann ich zum Teil nachvollzielen. Es ist sicher eine Herausforderung und man kann dabei etwas &#252;ber Technik, Licht und so weiter lernen. Was ich nicht verstehe, ist, dass diese Motive dann stolz gezeigt werden.</p>
<p>Und das geschieht sehr oft, wenn ich mir die Communities ansehe. Ich denke da gerade an das Motiv mit dem Ring zwischen zwei Buchseiten, dessen Schatten ein Herz wirft. Das habe ich schon so <a href="http://www.flickr.com/search/?ss=1&amp;w=all&amp;q=book+ring+heart&amp;m=text" target="_blank">unglaublich</a> <a href="http://www.fotocommunity.de/fotos-bilder/Ring%20herz.html" target="_blank">oft gesehen</a> und klicke meist direkt weg, egal wie gut es gemacht ist.</p>
<p><strong>Normen:</strong> Da hast Du nat&#252;rlich recht, dass die besseren Fotos irgendwelche Besonderheiten aufweisen.</p>
<p>Aber in mich hineinblickend kann ich sagen, dass ich es mir wohl kaum verkneifen k&#246;nnte, ein Foto von der in Nebel geh&#252;llten Br&#252;cke zu machen, obwohl ich wei&#223;, dass es Fotografen gibt, die dies schon besser gemacht haben als ich. In dem Moment w&#252;rde es mir auch nicht in den Sinn kommen, jemanden zu kopieren, da ich gar keine Vorlage zur Kopie im Kopf h&#228;tte.</p>
<p>Von daher w&#252;rde ich jetzt erst einmal die Meinung vertreten, dass es in Ordnung ist, wenn man Fotos macht, die es in &#228;hnlicher Weise schon gibt. Gerade in der Entwicklungsphase ist es sicherlich in Ordnung, sich an anderen Fotos zu orientieren, bevor man sich gar nichts mehr traut und lieber zu Hause bleibt. </p>
<p>Wie sehr besch&#228;ftigt Euch eigentlich der Gedanke, etwas Neues zu schaffen?</p>
<p><strong>Martin:</strong> Aktuell &#252;berhaupt nicht. Ich habe einfach genug damit zu tun, viele gute Fotos zu machen und mir ist es letztendlich egal, wer wie wann wo was schon einmal gemacht hat. Der Vergleich mit anderen war bei mir nach den ersten drei Jahren Fotografieren gegessen, davon habe ich mich bewusst getrennt, weil mich das zu sehr unter Druck gesetzt hat.</p>
<p>Beim Fotografieren auf der Stra&#223;e nehme ich alles auf, was irgendwie toll aussieht. Da schalte ich den Kopf aus und mache einfach, solange die Konzentration reicht. Hinterher suche ich dann die besten aus. Nat&#252;rlich kann es sein, dass jemand ein Foto dieser Art schon einmal gemacht hat. Damit habe ich aber kein Problem.</p>
<p>Ich denke sowieso, dass niemand einfach aus sich heraus etwas Neues erschaffen kann. Denn wir sind nun einmal von anderen beeinflusst, ob wir das wollen oder nicht. Zu sagen, man mache etwas „ganz Eigenes“ ist f&#252;r mich etwas naiv, denn jeder ist inspiriert von der Arbeit anderer und das beeinflusst &#8211; wenn auch nur unterbewusst. Und das ist auch gut so, ich finde daran nichts Schlechtes.</p>
<p>Wie w&#252;rdest Du, Robert, die Frage von Normen beantworten?</p>
<p><strong>Robert:</strong> Wenn ich ehrlich bin, steht f&#252;r mich selbst gar nicht im Vordergrund, zwanghaft etwas Neues zu schaffen. Gut zu sampeln, das hei&#223;t, Vorbilder* zu sammeln, sie anders zu mischen, &#252;ber L&#252;cken und Br&#252;che mithilfe der eigenen Vorstellungskraft hinweg zu improvisieren und so insgesamt etwas zu schaffen, womit ich selbst zufrieden bin, ist eigentlich alles. Fotografie ist Jazz. Nebenbei bemerkt ist auch dieser Satz nur geliehen.</p>
<p>* Hier w&#228;re eigentlich „Vorideen“ ein angemessenerer Begriff als Vorbilder. Gerade die Inspiration aus fotofremden Bereichen ist mitunter w&#252;rziger als die Wurst aus der eigenen Br&#252;he.</p>
<p>Ich finde &#252;brigens Katjas Bildbeispiele f&#252;r den Ring, der einen herzf&#246;rmigen Schatten auf die Seiten eines aufgeschlagenen Buches wirft, sehr interessant. Nicht wegen des Bildes selbst, sondern eher, weil Katja hier anhand eines Begriffes (der wiederum als Idee auf einem Bild basiert) relevantes Material aus den Datenbanken (hier: Flickr und Fotocommunity) herausgefiltert hat.</p>
<p>Die auf verf&#252;gbare Daten anwendbare Suchfunktion ist also das technische Hilfsmittel, das uns &#252;berhaupt erst zu erkennen erm&#246;glicht, dass es viele solche sich &#228;hnelnde Bilder gibt. Ich finde die &#220;berlegung interessant, ob wir uns die eingangs gestellte Frage auch gestellt h&#228;tten, wenn es dieses technische Hilfsmittel nicht geben w&#252;rde. Vielleicht f&#252;hrt das jetzt aber auch zu weit…</p>
<p><strong>Normen:</strong> Vermutlich h&#228;tten wir anders argumentiert. &#220;berlegt doch mal, wie lange das Internet erst als Instrument der Verbreitung genutzt wird. 15 Jahre? 20 Jahre? Weitergedacht werden in den kommenden 50 Jahren noch unfassbar viele Fotos gemacht werden und man wird immer mehr den Eindruck gewinnen, dass es alles schon gegeben hat und man nichts Neues mehr macht.</p>
<p>Ich denke auch, dass es oftmals auch eine Sache des Geldes ist, vorhandene (neue) Ideen umzusetzen. So w&#252;rden sicherlich viele Fotografen gern Fotos mit einem Aufwand &#228;hnlich wie bei Gregory Crewdson machen und so mancher Landschaftsfotograf w&#252;rde sicherlich gern einen Helikopter haben, um andere Perspektiven zu bekommen.</p>
<p>Ich denke, dass man in seinem Sujet die Fotos einfach mit Liebe und Leidenschaft machen sollte. Diese Herangehensweise f&#252;hrt dann dazu, dass man eine eigene Bildsprache entwickelt und m&#246;glicherweise dann auch als Vorbild f&#252;r andere dient.</p>
<p><strong>Katja:</strong> Das klingt, als w&#228;ren wir uns alle einig. Jeder soll fotografieren, was er m&#246;chte, auch gern dasselbe Motiv. Und wenn die „Inspiration“ einverstanden ist, darf man das Bild auch ver&#246;ffentlichen. Warum auch immer man das m&#246;chte. Dieser Teil erschlie&#223;t sich mir nach wie vor nicht.</p>
<p>Wurde denn schon einmal jemand von Euch auf irgendeine Art und Weise kopiert?</p>
<p><strong>Robert:</strong> Naja, Katja, ich verstehe schon, dass es Dich verwundert, wenn mehrere Autoren das augenscheinlich gleiche Bild machen und dann stolz das Resultat auch (mit)teilen, wom&#246;glich noch so als w&#228;re es auf ihrem eigenen Mist gewachsen. Die Motivation daf&#252;r steht, denke ich, kaum in irgendeinem nachvollziehbaren Zusammenhang mit dem Bild selbst.</p>
<p>Wenn man das Kopieren als legitim akzeptieren m&#246;chte, kommt es, finde ich, entscheidend darauf an, was eigentlich kopiert wird &#8211; ein Bild oder eine Idee?</p>
<p>Der massenhaft wiederholten Kopie eines Bildes kann man schnell &#252;berdr&#252;ssig werden, wie wir am Beispiel des Herzschattens schon festgestellt haben. Hingegen eine Idee zu kopieren, ist schwieriger und im direkten Vergleich mitunter weniger offensichtlich.</p>
<p>Und um nun endlich den Bogen mit einer Antwort auf Deine Frage zu schlie&#223;en, Katja: Ja, es kam schon vor, dass Bilder, die ich gemacht habe, in technischer Weise imitiert wurden, wobei ich allerdings merke, dass meine Idee dahinter gar nicht verstanden wurde. Der „Look“ ist &#228;hnlich, aber das „Warum“ fehlt. Respekt zolle ich Bildern, die mit einem Verst&#228;ndnis f&#252;r das Warum ihrer Vorbilder diese kreativ nutzen und neu interpretieren.</p>
<p><strong>Martin:</strong> Ja, auch von mir wurden schon Bildideen &#252;bernommen, ein und dasselbe Bild „kopiert“ hat aber noch niemand &#8211; und das geht technisch auch nicht, au&#223;er jemand klaut das Foto und setzt es bei sich in den Stream &#8211; was auch schon passiert ist.</p>
<p>In gewisser Weise bin ich jedoch davon &#252;berzeugt, dass wir alle kopieren, wenn auch nicht bewusst. Wir &#252;bernehmen einen Stil, eine Idee, eine Pose, eine Art, zu sehen und und und. Ich glaube, niemand kann von sich behaupten, etwas g&#228;nzlich Neues zu schaffen &#8211; denn wir alle sind in einem Netz (Web) von Menschen, die uns inspirieren.</p>
<p>Der Herzschatten ist ein gutes Beispiel daf&#252;r, wie Menschen imitieren. B&#252;cher und Ringe sehen eben fast alle gleich aus, aber mit offener Blende Menschen auf der Stra&#223;e fotografieren, da unterscheiden sich auch nur die Menschen und der Hintergrund &#8211; auch, wenn jedes Bild anders aussieht.</p>
<p>Wie gesagt: Ich finde es schwierig, hier von „klauen“ oder „kopieren“ zu sprechen, denn keiner ist eine Insel, wie schon Thomas Merton sagte.</p>
<p><strong>Normen:</strong> Wenn man sich nun einmal umschaut, gibt es eigentlich in allen Richtungen, in denen etwas geschaffen wird, eine Art Epoche, also einen Stil, der f&#252;r einen bestimmten Zeitraum besonders bevorzugt wurde. Sei es in der Architektur, der Malerei oder in der Musik; &#252;berall finden wir &#228;hnliche Werke, die unweigerlich durch Inspirationen entstanden sind. Ich kann Martin also nur Recht geben. Es ist nicht m&#246;glich, sich nicht inspirieren zu lassen, selbst wenn man es nicht m&#246;chte.</p>
<p><strong>Martin:</strong> Ich kenne ganz gut von mir selbst, dass mir das Streben nach Originalit&#228;t manchmal sogar im Wege stand. Fr&#252;her habe ich dann manchmal lieber gar kein Foto gemacht, als eines, das ich in dieser Form schon einmal gesehen hatte. Daraus entstand dann ein destruktiver Druck, der, zumindest was die Kreativit&#228;t anbelangt, ein Schuss in den Ofen war. Kennt Ihr das auch? Oder l&#228;uft es bei Euch einfach?</p>
<p><strong>Katja:</strong> Ich habe mir bisher keinen Druck bez&#252;glich der Originalit&#228;t gemacht, aber einige Ideen verworfen, wenn ich sie &#228;hnlich &#246;fter gesehen habe. Zum Beispiel gab es vor Kurzem viele kreative Portraitbilder, bei denen Mehl oder farbiges Pulver verwendet wurden. </p>
<p>Nachdem ich das erste Foto damit gesehen hatte, fand ich es gro&#223;artig und &#252;berlegte, wie man dieses Pulver noch verwenden k&#246;nnte. Die Tage darauf sah ich aber immer mehr dieser Bilder und verlor die Lust an dieser Idee; ja, sogar die Lust an den Fotos, die mich zu Beginn so faszinierten.</p>
<p>Versteht mich nicht falsch, ich finde Wiederholungen nicht an sich schlecht. Dass „I follow rivers“ von Triggerfinger gecovert wurde, ist gro&#223;artig, denn die „Kopie“ ist viel besser als das Original. Aus „Covern“ kann auch in der Fotografie etwas Anderes und f&#252;r mich Besseres, Interessanteres entstehen.</p>
<p>Vielleicht nimmt man sich mit dem Originalit&#228;tsdenken doch mehr M&#246;glichkeiten als man manchmal denkt.</p>
<p><strong>Robert:</strong> Ja, das sehe ich auch so. Wobei das Streben nach Authentizit&#228;t und Originalit&#228;t an sich erst einmal nichts Schlechtes ist. Es sollte nur nicht die oberste Direktive f&#252;r das eigene Schaffen sein. Zu leicht baut man sich sonst einen Turm aus den Erwartungen eines ausgedachten Publikums und immer wieder Ausreden, um der eigentlichen Arbeit auszuweichen.</p>
<p>Und Martin, um auf Deine Frage einzugehen: Abgesehen davon, dass ich solche Situationen nur selten erlebe, gibt es, finde ich, &#252;berhaupt keinen Grund, ein Foto nicht zu machen, weil ich mich in diesem Moment an ein bereits existierendes Bild erinnere. Es kann ja auch sehr reizvoll sein, bewusst und unbefangen ein sch&#246;nes Zitat zu erstellen, ohne sich zu &#228;ngstlich den Kopf dar&#252;ber zu zerbrechen, ob eine Kopie nun legitim ist oder nicht.</p>
<p>Man lernt auch nicht beim Nachdenken &#252;ber seine M&#246;glichkeiten, sondern beim Machen. Und virtuelle Ausreden zu konstruieren, weshalb man jetzt gerade nicht fotografieren sollte, ist nichts als hinderlich.</p>
<p><strong>Martin:</strong> Da stimme ich Dir zu, Robert. </p>
<p><em>Und an dieser Stelle &#252;bergeben wir das Wort an unsere Leser. Wie seht Ihr das? K&#246;nnt Ihr unseren Gedanken folgen? Wo habt Ihr eine anderen Standpunkt? Wir sind gespannt und lesen mit.</em></p>
<p></p>
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		<title>Sch&#246;n und gut? Oder eben nicht.</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Jan 2013 06:37:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Aileen Wessely</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Heidrun Klos</strong></p>&#220;berlegungen zum sch&#246;nen und guten Foto Wenn man, wie ich, in seinem Kunststudium gesagt bekommen hat, die Fotografien, die man mache, seien „zu sch&#246;n“, dann bildet sich zun&#228;chst ein sehr gro&#223;es Fragezeichen im eigenen Kopf. Doch schon bald kann man es als Herausforderung betrachten, „das Sch&#246;ne“ zu eliminieren. Dies ist leichter gesagt als getan, denn [...]<p></p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Heidrun Klos</strong></p><p><em>&#220;berlegungen zum sch&#246;nen und guten Foto</em></p>
<p class="zuruf"><strong>Wenn man, wie ich, in seinem Kunststudium gesagt bekommen hat, die Fotografien, die man mache, seien „zu sch&#246;n“, dann bildet sich zun&#228;chst ein sehr gro&#223;es Fragezeichen im eigenen Kopf. Doch schon bald kann man es als Herausforderung betrachten, „das Sch&#246;ne“ zu eliminieren.</strong></p>
<p>Dies ist leichter gesagt als getan, denn man verbindet „sch&#246;n“ gern mit „gut“ und eben folgerichtig „nicht sch&#246;n“ mit „nicht gut“ – und wer will schon „nicht gute“ Fotos machen? Doch ist das der Fall? Und au&#223;erdem: Was bedeutet denn „sch&#246;n“ eigentlich? Und „gut“? Und kombiniert: Ist ein sch&#246;nes Foto eigentlich selbstredend gut? Zeit, die &#220;berlegungen zum sch&#246;nen und guten Foto niederzuschreiben.</p>
<p>Eigentlich ist „Sehen“ (also auch von Fotos) doch eher ein Prozess, bei dem optische und biologische Vorg&#228;nge kombiniert werden mit emotionalem Denken.* Das „reine (objektive) Sehen“ scheint, im Bezug auf Bilder oder Fotos, kaum m&#246;glich. Das deutet bereits an, was wohl kaum jemand leugnen kann: Auch das Sch&#246;ne (lies: ein sch&#246;nes Foto) also muss subjektiv sein, denn man sieht es. </p>
<p>Es gibt &#252;ber das Sch&#246;ne diverse philosophischen Meinungen, doch um diese zu erl&#228;utern, ist hier kaum der Ort – und zwar kenne ich die eine oder andere Meinung, jedoch bin ich kein Experte. Allerdings m&#246;chte ich – aus pers&#246;nlicher Vorliebe – verweisen nach Immanuel Kant, der Sch&#246;nheit in seinem dritten Hauptwerk „Kritik der Urteilskraft“ als „interesseloses Wohlgefallen“ definiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Klassisch sch&#246;n &#8211; also langweilig?</strong></p>
<p>Die Entscheidung, was sch&#246;n ist, kann kaum allgemein beantwortet werden, denn sie liegt, wie man so sch&#246;n sagt, im Auge des Betrachters. Trotzdem kann man bis zu einem gewissen Grad einen Konsens bemerken. Der klassische Sch&#246;nheitsbegriff orientiert sich an Termen wie Goldener Schnitt, Symmetrie, Harmonie, aber auch Jugend, Kraft und Gesundheit. Zumeist werden Bilder, also auch Fotografien, als sch&#246;n erfahren, wenn sie sich bildnerisch dieser Elemente bedienen. </p>
<p>Allerdings zeichnet sich mancherorts das Problem des Sch&#246;nen ab: Es ist sch&#246;n. Alten (immerw&#228;hrenden?) Idealen unterworfen, ist es zwar zu benennen, in gewisser Weise auch kulturell belegt und weckt das Interesse, jedoch kann dieses schnell ein oberfl&#228;chliches sein. </p>
<p>Roland Barthes, Philosoph und Schriftsteller, hat in seinem in der Fototheorie viel zitierten Buch „Die Helle Kammer. Bemerkung zur Fotografie“ zwei interessante Begriffe eingef&#252;hrt, die er als die „zwei Arten des Interesses an Fotografie“ bezeichnete: Das <em>studium</em> und das <em>punctum</em>. Das <em>studium</em> ist eine Art h&#246;fliches Interesse, das &#8211; um es kurz zu halten &#8211; eher formal ist und in gewisser Weise ein wenig oberfl&#228;chlich, eine Lekt&#252;re. </p>
<p>Das <em>punctum</em> dagegen sei jenes (Subjektive), was ihn an Fotografien tief ber&#252;hre. Dazu sp&#228;ter mehr. Das Sch&#246;ne also, vermute ich, weckt das Interesse, doch es bleibt allzu leicht beim <em>studium</em>, da das Auge auf der glatten (perfekten?) Oberfl&#228;che, der Widerstandslosigkeit des Sch&#246;nen verweilt &#8211; und sich nicht weiter bem&#252;ht, es ist geschmeichelt. Sch&#246;nheit scheint bisweilen langweilig zu werden, eben weil man sich nicht daran reiben kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Verwerfung des Sch&#246;nen</strong></p>
<p>So wird gern ein Gegenkonzept entwickelt, wie vor allem deutlich in der Mode: Mitte der 90er Jahre etablierte sich beispielsweise der <em>heroin chic</em>, der sich kennzeichnet durch blasse Haut, Augenringe und kantige Knochenstruktur oder ein paar Jahre nach der Jahrtausendwende der <em>geek look</em>, durch den gro&#223;en Hornbrillen und biederen Kleidungsst&#252;cken neues Leben eingehaucht wurde. </p>
<p>Das gemeinhin als sch&#246;n empfundene wird also mitunter verworfen zugunsten des „anderen Ideals“: Des Widerborstigen und des Spannenden; denn, so mag man nun meinen, die Versuchung liegt nicht in der Perfektion, sondern allzu oft an der Grenze des Kaputten, des Verst&#246;rten, des H&#228;sslichen. Gelegentlich mit der notwendigen Portion Ironie garniert. Ist diese Weg-Entwicklung vom Sch&#246;nen eine Reaktion aus &#220;berdruss, Trotz und Langeweile? </p>
<p><em>(Dort k&#246;nnten philosophische oder auch wissenschaftliche Erl&#228;uterungen beginnen: Eine Suche nach „allgemeinen Regeln“ dessen, warum das Sch&#246;ne oft verworfen wird. Und dies soll der Anregung dienen.)</em></p>
<p>Doch was bedeutet das f&#252;r die Fotografie? Ist das Sch&#246;ne &#252;berholt? Zu sch&#246;n, zu harmonisch? Was bliebe, w&#228;re der Bruch. Das Sch&#246;ne abl&#246;sen, es losl&#246;sen vom Guten.</p>
<p>Ein Fotograf wird verbal gern mit „einem guten Auge“ ausgestattet &#8211; jedoch, was ist denn nun „gut“? Jedenfalls ist es in der Fotografie schon lange nicht mehr einfach sch&#246;n. Doch ist es das &#252;berhaupt je gewesen? Eine erste, vorschnelle Antwort, w&#228;re ja. Doch bereits auf den zweiten Blick muss dies revidiert werden: Sind Diane Arbus&#8217; Fotos sch&#246;n? Ja und nein. Die Fotografien des Kriegsfotografen James Nachtwey sind nicht „sch&#246;n“, sie zeigen tiefstes Elend (in einer schockierenden &#196;sthetik). Oder die verst&#246;renden Bilder des Hans Bellmer? </p>
<p>Dies sind nur drei Bespiele von vielen, bei denen sich gute und sch&#246;ne Fotografie nicht einfach vereinen lassen. Wie so oft in der Fotografie ist Barthes Terminologie dienlich: Ist das <em>punctum</em> das Sch&#246;ne? Nicht unbedingt. Es ist, nach Barthes, das, was (be)sticht, verwundet, trifft, das Unbenennbare, die Zuf&#228;lligkeit der, so meine ich, ebendies auch inh&#228;rent ist: Zuf&#228;llig im Bild, aber auch zu-<em>f&#228;llig</em> ans Auge. Ans Herz gar, m&#246;chte man sagen.</p>
<p>Das <em>punctum</em> ist es, das ein Foto nachhaltig gut macht, was ber&#252;hrt. Eine gute Fotografie ist &#8211; aus meiner inzwischen gewonnen Perspektive &#8211; oft nicht sch&#246;n, ja sogar: Sollte es bisweilen nicht sein. Denn sch&#246;n, im klassischen Sinne, h&#228;lt auf, verhindert &#8211; blendet. Fotografien sollten „das Andere“ sein, bestechen, irritieren, verst&#246;ren, sodass der Blick nicht auf der Oberfl&#228;che abperlt, sondern eindringt. Ein gutes Foto ist oft jenes, das Blicke aufsaugt wie ausgetrocknete Erde, die, wenn sie vollgesogen ist und ihre tiefe Schw&#228;rze zur&#252;ck hat, fruchtbar wird. </p>
<p>Das Sch&#246;ne also, im klassischen Verst&#228;ndnis, wird in der (Kunst-)Fotografie oft gemieden, es scheint uns verlitten. Vielleicht liegt das mit daran, dass neben der klassischen Sch&#246;nheit auch immerzu der Kitsch lauert &#8211; obwohl dieser &#252;brigens in der Kunst (und damit viele fotografische Arbeiten eingeschlossen) zunehmend legitim ist. Und warum? Weil er eben nicht sch&#246;n ist, weil er die Hyperbel der Sch&#246;nheit ist. Um von der Kitsch- in die Kunstschublade zu gelangen, muss er aber in seiner Ironie erkannt, behandelt und eingesehen werden. Denn Kitsch ist ehrlich (auf eine hochstaplerische Weise), er blendet nicht; er ist ein (Zu-)Gest&#228;ndnis im Mantel der &#220;bertreibung. Ein Schaf im Wolfspelz, sozusagen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Gute Aussichten f&#252;r das Sch&#246;ne</strong></p>
<p>Nun ist es also, dass ein gutes Foto nicht notwendigerweise sch&#246;n ist. Es sogar bisweilen besser nicht sein sollte. (Was &#252;brigens inzwischen zwar kein Fragezeichen mehr in meinem Kopf verursacht, aber dennoch eine Herausforderung bleibt, denn nat&#252;rlich habe auch ich einen &#228;sthetischen Anspruch.) Nichtsdestotrotz, gute Aussichten f&#252;r die Sch&#246;nheit: Auch, ist sie in ihrer klassischen Form nicht immer willkommen, sie ist doch n&#246;tig &#8211; und sei es als Gegenkonzept &#8211; und so manches Foto entfaltet dann eine ganz eigene, bestechende Sch&#246;nheit. </p>
<p>PS: Wohlgemerkt ist „sch&#246;n“ ein &#228;u&#223;eres und „gut“ eher ein inhaltliches Kriterium, die sich idealerweise vereinen; doch, meiner Meinung nach hat letzteres ersteres irgendwie zur Folge &#8211; aber eben nicht unbedingt im klassischen Sinne.</p>
<p>* Recht explizit formuliert dies zum Beispiel Elise Bisanz in „Die &#220;berwindung des Ikonischen. Kulturwissenschaftliche Perspektiven der Bildwissenschaft“ (mit Verweis zu Derrida).</p>
<p></p>
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		<title>Anleitung zum d&#228;mlichsten Fotografen 2013</title>
		<link>http://kwerfeldein.de/2013/01/16/anleitung-zum-damlichsten-fotografen-2013/</link>
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		<pubDate>Wed, 16 Jan 2013 06:30:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Gommel</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Anleitung]]></category>
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		<description><![CDATA[F&#252;r Neulinge an der Kamera kann es sich als massive Herausforderung darstellen, ein ma&#223;los bescheuerter, stieseliger und konservativ-bornierter Fotograf zu werden. Anf&#228;nger tun sich schon im Kleinen schwer, auch wenn insgeheim davon getr&#228;umt wird, endlich zur Elite der Foto-Deppen zu geh&#246;ren. Allerdings muss niemand fr&#252;hzeitig resignieren, gibt es doch unter erfahrenen Kollegen &#8211; sogenannten Profis [...]<p></p>
]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>F&#252;r Neulinge an der Kamera kann es sich als massive Herausforderung darstellen, ein ma&#223;los bescheuerter, stieseliger und konservativ-bornierter Fotograf zu werden. Anf&#228;nger tun sich schon im Kleinen schwer, auch wenn insgeheim davon getr&#228;umt wird, endlich zur Elite der Foto-Deppen zu geh&#246;ren.</strong></p>
<p>Allerdings muss niemand fr&#252;hzeitig resignieren, gibt es doch unter erfahrenen Kollegen &#8211; sogenannten Profis &#8211; recht vielversprechende Vorbilder. Und wem der Traum vom d&#228;mlichsten Fotografen auch nach Jahren meilenweit entfernt scheint, k&#246;nnte diese idiotensichere Anleitung zum unverz&#252;glichen Misserfolg verhelfen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Grundlagen</strong></p>
<p>Pr&#252;fen Sie nach, ob Sie ein Mann sind. Falls ja, stehen Ihre Chancen gut &#8211; als Frau k&#246;nnen Sie leider nicht mitmachen.</p>
<p>Kaufen Sie sich eine DSLR &#8211; 30 MP sollte die draufhaben. Und Sie sollten wissen, was MP eigentlich hei&#223;t, denn Abk&#252;rzungen zu benutzen, schindet Eindruck (vorerst). Achten Sie beim Kauf der mindestens zehn Objektive darauf, dass alle einen roten Ring haben, f&#252;r den schmalen Geldbeutel gibt es auch Fake-Versionen.</p>
<p>Melden Sie sich in einem Foto-Forum an, das beschleunigt den Vorgang. Stellen Sie ein paar ernstgemeinte Anf&#228;nger-Fragen und nehmen Sie sich ein Beispiel an den Antworten. Technik-Threads sollten Sie gut im Auge behalten: Eine wahre Inspiration f&#252;r den jungfr&#228;ulichen Fotoz&#246;gling.</p>
<p>Sie sollten sich ein paar Internet-Helden krallen und diesen auf Schritt und Tritt folgen. Besuchen Sie jeden Workshop, den Sie finden k&#246;nnen. Besonders originell sind Studio-Workshops mit nackten M&#228;dels (boah geil) und tiefergelegten Golf GTIs.</p>
<p>Jegliche Zeitschriften aus dem Springer-Verlag sind zu konsumieren, ein BILD-Abo ist Pflicht. Gelegentliche Ausschweife in die Porno-Industrie sollten nicht fehlen, schlie&#223;lich brauchen Sie st&#228;ndig frische Inspiration.</p>
<p>Treten Sie einem Kamera-Club in Ihrer Heimatprovinz bei und lassen Sie beim Stammtischgesaufe nie Ihr „Baby“ (so sagt Mann dazu) in der Tasche. Sie soll exponiert werden, wof&#252;r haben Sie das geile Teil denn sonst gekauft?</p>
<p>Trick: Informieren Sie sich vorher, wo Ausl&#246;ser und Burst-Modus sitzen, denn die Vorf&#252;hrung von Letzterem wird Ihnen den Applaus jedes noch so ahnungslosen Vollprofis einbringen. Klicklicklicklick!</p>
<p>Achtung! Betreten Sie niemals eine Ausstellung! Sie begeben sich in Gefahr, sich ernsthaft mit der Fotografie auseinanderzusetzen und das ist allerstrengstens zu unterlassen. </p>
<p>Gleiches gilt f&#252;r Literatur, die sich nicht mit Kameratechnik besch&#228;ftigt, sondern Kreativit&#228;t (Vorsicht!) und ihre Pers&#246;nlichkeit (braucht kein Mensch) ins Zentrum r&#252;ckt. Falls Sie sich jedoch dabei ertappt haben, solchen Kehricht zu konsumieren, bleiben Sie bitte ruhig und behalten Sie den Fehltritt f&#252;r sich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>F&#252;r Fortgeschrittene</strong></p>
<p>In s&#228;mtlichen Social-Media-Kan&#228;len brauchen Sie einen Account, in die Bio (das Feld finden Sie schon) ist die gesamte Kamera-Ausr&#252;stung einzutragen. Sammeln Sie m&#246;glichst viele Follower und folgen Sie maximal f&#252;nf Personen, Ihren Internethelden. Falls Sie auf die Schnelle keine Follower bekommen, kann das Googeln von „buy 10.000 followers“ oder eine Anmeldung bei Google+ Abhilfe schaffen.</p>
<p>Falls Sie Ihre Visage im Internet verbreiten wollen, sollte Ihr Baby mindestens zwei Drittel des Gesichts bedecken. Bestenfalls hochkant, denn jeder muss sehen, dass Sie auch einen Batteriegriff <del>benutzen</del> besitzen.</p>
<p>Kritik an Ihren Bildern ist stets als pers&#246;nlicher Angriff zu bewerten. Lobhudeleien sind einzigartig, eignen sich jedoch perfekt als T-Shirt-Aufdruck in pink. </p>
<p>Fotografieren Sie so selten wie m&#246;glich. Falls Sie&#8217;s nicht lassen k&#246;nnen: Maskulines Rudelschie&#223;en vor Sehensw&#252;rdigkeiten hat sich als &#228;u&#223;erst effektiv erwiesen, um ganz besonders d&#228;mlich auszusehen. Beim Knipsen selbst sollten Sie stets die perversesten Verrenkungen inklusive penetrantem Wolfsjaulen demonstrieren. &#220;ben Sie vorab zu Hause den vertikal-einh&#228;ndigen Herrenspagat.</p>
<p>Da die Bildbearbeitung als solche zu verteufeln ist, brauchen Sie sich erst gar nicht damit zu besch&#228;ftigen. F&#252;r Etikette-Zwecke „leihen“ (Sie wissen schon) Sie sich im Internet dennoch Apple Aperture und die komplette CS6, betonen aber stets, dass Sie sowas eigentlich gar nicht brauchen, weil Sie ja schon <em>vorher</em> alles richtig machen.</p>
<p>Bildbearbeitenden Kollegen werfen Sie s&#252;ffisant fotografische Schw&#228;chen vor. „Der Armleuchter kann ja gar nicht fotografieren“, klingt ganz plausibel, oder?</p>
<p>&#220;bers&#228;en Sie Ihre Webseite mit SEO-Stichworten. „Fotograf Bochum Sexy Hexy“ sollte in keiner Unterseite fehlen. Die Internetpage sollte mit Flash gestaltet sein und harte 90er Techno-Mukke spielen, sobald ein User (so hei&#223;t der Mensch) das Risiko eingeht, sie aufzurufen. </p>
<p>Vergessen Sie mitnichten, permanent Ihre (Fach-)M&#228;nnlichkeit in den Vordergrund zu r&#252;cken. Alphatier, sie wissen schon. Das geht am besten, indem Sie Bilder von Kollegen ausf&#252;hrlich bekritteln. Wirksam sind ein latent fieser Unterton und g&#228;ngige Beschimpfungsmetaphern. Sollen die anderen ruhig verstehen, dass Sie ein piesackendes Rumpelstilzchen sind. Hat man sich erst einmal blamiert&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Drei Bonus-Tipps f&#252;r Profis und die, die es werden wollen</strong></p>
<p>&#220;berrascht Sie im Netz wider Erwarten eine tadellose Aufnahme, die mit einem Smartphone (bitte googeln) erstellt wurde, verweisen Sie schleunigst auf „fr&#252;her“ und heben Sie gro&#223;spurig hervor, dass es sich hierbei grunds&#228;tzlich nicht um richtige Fotografie handelt. Solche Aktionen bringen Ihnen Bonuspunkte in Gesellschaft von Konservativen und Ihr D&#228;mlichkeits-Karma gewinnt an Kraft.</p>
<p>Falls Sie in einer Fachsimpel-Runde etwas gefragt werden, auf das Sie keine Antwort haben, faseln Sie irgendetwas von Entschleunigung, Hyperf&#228;kalwurzelsch&#228;rfe und „neuer Trend im Internet“, das rettet eigentlich jeden Arsch auf Glatteis.</p>
<p>Nach ein paar Jahren werden Sie s&#228;mtliche technische Details zu allen g&#228;ngigen Ger&#228;ten im Traum aufsagen k&#246;nnen, aber keinen blassen Schimmer vom Fotografieren haben. Sie sind jetzt am Ziel. Es gibt nichts mehr zu lernen, Sie haben es geschafft. Herzlichen Gl&#252;ckwunsch!</p>
<p style="text-align: center;">~</p>
<p><em>Nat&#252;rlich ist diese Liste mit Ironie und einer ordentlichen Prise Sarkasmus geschrieben worden. Falls sich allerdings jemand ertappt f&#252;hlt, gehe ich davon aus, dass die Person &#252;ber sich selbst lachen kann. Und wer noch weitere Tipps am Start hat, darf Sie gern per Kommentar mit allen teilen.</em></p>
<p></p>
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		<title>Gedanken zur Fotografie &#8211; Kinderfotos</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jan 2013 07:23:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Normen Gadiel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein jeder von uns kennt die Momente, in denen wir in die Kamera l&#228;cheln sollen, obwohl uns gerade gar nicht nach L&#228;cheln zumute ist. Muss das sein? Ich denke nicht! Manchmal besch&#228;ftigen mich Fragen, auf die ich selbst keine klare Antwort habe. Solch eine Frage ist zum Beispiel: Warum sehen viele Kinderfotos immer gleich aus? [...]<p></p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein jeder von uns kennt die Momente, in denen wir in die Kamera l&#228;cheln sollen, obwohl uns gerade gar nicht nach L&#228;cheln zumute ist. Muss das sein? Ich denke nicht!</strong></p>
<p>Manchmal besch&#228;ftigen mich Fragen, auf die ich selbst keine klare Antwort habe. Solch eine Frage ist zum Beispiel: Warum sehen viele Kinderfotos immer gleich aus? Oder warum machen so viele Berufsfotografen schreckliche Familienfotos? </p>
<p>Wie schon gesagt habe ich darauf keine Antwort, aber vielleicht kann ich durch meine Gedanken dazu ein paar Eltern dazu bewegen, etwas mehr &#252;ber die Kinderfotos nachzudenken und auch mal neue Wege einzuschlagen. </p>
<p>Was mir in diesem Zusammhang auch immer in den Sinn kommt, ist, dass gerade Kinder seitens ihrer Eltern schon in jungen Jahren auf ein „gef&#228;lschtes“ Lachen gepolt werden. Lach doch mal, du brauchst doch vor der (unsympathischen) Tante Erika keine Angst haben.</p>
<p>Oder bezogen auf die Fotografie sollen Kinder m&#246;glichst auf jedem Foto ihr sch&#246;nstes L&#228;cheln zeigen. Das f&#252;hrt am Ende so weit, dass sie sich urpl&#246;tzlich anders verhalten, sobald eine Kamera auf sie gerichtet wird. </p>
<p>F&#252;r Kinder ist die Kamera dann eine Art B&#252;hne. Vorhang auf, hier bin ich der Star. Ihre Eltern nehmen dabei gern die Rolle des Souffleurs ein: „Jetzt lach doch mal, wir wollen doch ein sch&#246;nes Bild von Dir haben!“</p>
<p>So oder so &#228;hnlich spielt es sich in vielen Haushalten ab. Die dabei entstandenen Bilder sind die sp&#228;teren Erinnerungen, jedoch haben diese ein Manko: Die Fotos wurden gestellt, inszeniert oder geplant, wie auch immer, irgendwie sind sie nicht authentisch. Sollte ein aufgesetztes Grinsen tats&#228;chlich der Grund sein, aus dem ein Foto erst sch&#246;n ist? Da mache ich nicht mit. </p>
<p><strong>Fotos f&#252;r Verwandtschaft</strong></p>
<p>Viele werden sich jetzt fragen, wie das mit Familienfotos f&#252;r die Verwandtschaft funktionieren soll. Eine M&#246;glichkeit best&#252;nde darin, f&#252;r so ein Foto nicht ins Studio zu gehen, sondern sich in der gewohnten Umgebung, zum Beispiel im eigenen Haus oder Garten, aufzuhalten und einen sch&#246;nen Tag mit der Familie zu haben. </p>
<p>F&#252;r das Foto w&#228;re es dann nur wichtig, sich Zeit zu nehmen. Mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit entstehen an so einem Tag dann auch ungestellt fr&#246;hliche Fotos, die sich hervorragend zum Verschenken eignen.</p>
<p><strong>Beim Fotografieren auch mal die rosa Brille absetzen</strong></p>
<p>Zum Verschenken eignen sich sicherlich nicht Fotos, auf denen Kinder oder Eltern traurig sind, aber auch diese Momente sind es wert, festgehalten zu werden.</p>
<p>Denn das Betrachten von Fotos, auf denen alle Personen gl&#252;cklich erscheinen, suggeriert einem sp&#228;ter, dass die Zeit immer sehr sch&#246;n war. Von der Anstrengung, ein Kind gro&#223; zu ziehen, sieht man meistens nur wenig.</p>
<p>Auch wenn es schwer f&#228;llt: Warum nicht auch mal den Moment festhalten, wie es aussieht, wenn man um 3 Uhr nachts aufsteht, um nach dem Kind zu sehen?</p>
<p>Viele Kinder waren auch schon einmal im Krankenhaus, davon gibt es allerdings eher selten Fotos. Da sich Kinder oftmals nur schlecht an diese Zeit erinnern, k&#246;nnen Fotos, die in scheinbar unpassenden Momenten aufgenommen wurden, sp&#228;ter wichtige Zeitdokumente f&#252;r das Kind sein.</p>
<p><em>Wie w&#228;re es also damit, in Zukunft bewusster Fotos von den Kindern zu machen? Die Speicherkarten und Festplatten vom tausendsten gestellten Foto zu verschonen und einfach auf das unverf&#228;lschte Foto zu warten?</em></p>
<p></p>
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		</item>
		<item>
		<title>kwerfeldein diskutiert: Wie man (k)ein guter Fotograf wird</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Jan 2013 06:16:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wergegang]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebe Leser, nachdem wir nun unsere erste Diskussion erfolgreich &#8211; ich w&#252;rde schon fast sagen: &#8211; &#252;berstanden haben, wollen wir gleich ansetzen und die n&#228;chste nachschieben. Heute befassen wir uns mit den Mitteln und Wegen, um ein guter Fotograf zu werden &#8211; oder auch nicht. Dar&#252;ber zerbrechen sich wohl seit Existenz der Fotografie Fotografen den [...]<p></p>
]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Liebe Leser, nachdem wir nun unsere erste Diskussion erfolgreich &#8211; ich w&#252;rde schon fast sagen: &#8211; &#252;berstanden haben, wollen wir gleich ansetzen und die n&#228;chste nachschieben. Heute befassen wir uns mit den Mitteln und Wegen, um ein guter Fotograf zu werden &#8211; oder auch nicht. Dar&#252;ber zerbrechen sich wohl seit Existenz der Fotografie Fotografen den Kopf. Und so auch wir.<br />
</strong></p>
<p><strong>Martin:</strong><br />
Na, dann wollen wir mal. Es gibt tonnenweise B&#252;cher von und mit Fotografen, die ihre Theorien und Ansichten dar&#252;ber pr&#228;sentieren, was eine gute Entwicklung an der Kamera unterst&#252;tzt. Was findet Ihr dahingehend essentiell?</p>
<p><strong>Sebastian:</strong><br />
Es gibt ja nicht nur die ganzen B&#252;cher. Sondern auch Tonnen von Foren, Webseiten, Blogs und so weiter und so fort, die alle dasselbe Ziel ausgeben: Wir erkl&#228;ren Dir, wie Du ein besserer Fotograf wirst. Ich w&#252;rde das in drei Ebenen trennen. Einmal die technische Seite in der Theorie, die kann man sicherlich irgendwie aus Texten lernen. Aber eben nur theoretisch. </p>
<p>Dann die technische Seite in der Praxis, die kann man nur lernen, indem man so viel fotografiert wie m&#246;glich und zwar nicht nur irgendwelche Testbilder. Und das dritte, was ich eigentlich noch viel wichtiger finde, ist Bildaufbau, Komposition, Motivfindung. Das lernt man nicht aus B&#252;chern, denke ich. Sondern, indem man sich einfach sehr viele Fotografien genau anguckt.</p>
<p><strong>Aileen:</strong><br />
Punkt vier w&#252;rde ich erg&#228;nzen bzw. aus Deinem Punkt drei noch erweitern: Das ist die Findung von Ideen und Konzepten f&#252;r Fotos. Man muss meiner Meinung nach auch das lernen bzw. sein Gehirn, seine Wahrnehmung, seine unterbewusste Inspirationsmaschine auf die Fotografie einstellen. Das greift sicherlich in das technische und kompositorische Lernen hinein, weil man dann Erfahrungswerte hat, was als Foto gut aussehen wird und was nicht. </p>
<p>Aber noch grunds&#228;tzlicher ist das Finden einer Idee an sich, die mit Fotos (gut) umsetz- und transportierbar ist oder nicht. An den Grenzen gibt es dann &#220;berg&#228;nge zu Fotomanipulation, Collagen, Mixed Media, Illustration, Malerei, Video, Text und so weiter.</p>
<p>An dem Punkt wird es aber genau genommen auch speziell, denn nicht f&#252;r jedes Genre der Fotografie braucht man ausgefallene Ideen. Einige haben an dieser Stelle andere besondere Anforderungen wie die Recherche &#252;ber besondere Orte und Wetterverh&#228;ltnisse oder Erkundung von Lebensr&#228;umen und Gewohnheiten von Pflanzen und Tieren, um nur einige zu nennen.</p>
<p>Andererseits stellt sich dabei die grundlegende Frage: Wenn ich ein guter Fotograf werden will &#8211; welches Ziel habe ich? Star-, Berufs-, Hobby- oder k&#252;nstlerischer Fotograf? Nur f&#252;r mich, auch f&#252;r andere oder m&#246;chte ich damit Geld verdienen? Je nachdem entstehen andere Schwerpunkte.</p>
<p><strong>Martin:</strong><br />
Dazu kommt auch noch, dass Fremd- und Eigenwahrnehmung selten &#252;bereinstimmen, sondern weitklaffend auseinanderliegen. Fotografen gro&#223;artiger Portfolios finden sich so lala und so mancher Einsteiger sieht sich schon neben Karl Lagerfeld in „Wetten dass&#8230;“. Ach ja, ganz oft werden manche Fotografen wie die liebe Vivian Maier erst lange nach ihrem Tod bekannt. Und das ist nur eines von vielen Beispielen.</p>
<p><center>~</center></p>
<p>Wir f&#252;r uns k&#246;nnten „guter Fotograf“ ja so definieren: Maximum der eigenen Leistungsf&#228;higkeit. Nun stellt sich die Frage: Wie komme ich da hin? Eins haben wir ja schon festgehalten, n&#228;mlich die Praxis hinter der Kamera. Ausnahme: Menschen, die sich selbst portraitieren, die sind n&#228;mlich auch davor. Doch es gibt noch viele andere Punkte, die hinzukommen, wie die folgende Frage, die generell im Unterbewusstsein viele Einsteiger eher Steine in den Weg wirft, als dass sie behilflich ist:</p>
<p>Denkt Ihr, dass Talent in diesem Kontext eine (gro&#223;e oder kleine) Rolle spielt?</p>
<p><strong>Sebastian:</strong><br />
Ich glaube generell nicht so sonderlich an dieses omin&#246;se Konzept Talent &#8211; auch wenn ich bei Fotografen, Musikern oder K&#252;nstlern, die ich bewundere, immer mal wieder dieser Idee vom Originalgenie, dem alles in die Wiege gelegt wurde, verfalle und mir vorstelle, wie genial derjenige sein Zeug einfach leichth&#228;ndig umsetzt. In der Realit&#228;t ist es wohl endloses Training und Training und Wiederholung.</p>
<p>Anders gesagt: Wenn ein Fotograf einer breiteren &#214;ffentlichkeit das erste Mal auff&#228;llt, dann hat der meistens schon X Jahre Lern- und &#220;bungszeit auf dem Buckel, in der er sicherlich auch viel Mist gebaut hat, das darf man nie vergessen, wenn man dann wieder &#252;ber so ein Portfolio stolpert, bei dem man ein Bild besser als das andere findet. </p>
<p>So etwas wie absolute Naturtalente gibt es wohl in keinem Bereich, S&#228;uglinge kommen ja nicht auf die Welt und fangen direkt instinktiv das Fotografieren an. Was ich aber schon glaube, ist, dass man in die falsche Richtung &#252;ben kann. Wer nur die Technik &#252;bt, aber nicht den Rest, der wird wohl eher kein guter Fotograf.</p>
<p><strong>Marit:</strong><br />
Ich m&#246;chte den „guten Fotografen“ nicht nur so definieren wie Martin es beschreibt, sondern auch: Maximum der eigenen <em>Leidens</em>f&#228;higkeit. Denn die geh&#246;rt f&#252;r mich dazu. Ich sehe das eher aus der emotionalen Ecke. Technik ist dann eher zweitrangig, man muss sie lediglich beherrschen. Eine Fotografie muss ja fesseln, den Betrachter anhalten, etwas zu f&#252;hlen. </p>
<p>Somit muss ein guter Fotograf auch mit Talent gesegnet sein. Talent definiere ich aber nicht damit, von Geburt an mit einer bestimmten Gabe ausgestattet zu sein, sondern eher &#252;ber die Jahre dazuzulernen, in welcher Sparte auch immer. Im fotografischen Sinne setze ich da emotionale Intelligenz mit voraus, Situationen also richtig einzusch&#228;tzen, im richtigen Moment abzudr&#252;cken. </p>
<p>Oder auch Kommunikation mit Menschen, wenn es sich um Portraitfotografen handelt. Ich denke da vor allem gerade an Sally Mann. Der Fotograf ist mehr als die Summe seiner Teile, um mal mit Phrasen um mich zu werfen.</p>
<p><strong>Aileen:</strong><br />
Ich denke, Talent spielt eine enorme Rolle. Ich habe sowohl schon Bilder gesehen, die gefesselt haben, obwohl die Technik nicht beherrscht wurde oder die Bildidee ganz einfach die technischen M&#246;glichkeiten der verwendeten Kamera gesprengt hat und Fotografen, die unfassbar schnell unfassbar geniale Bilder gemacht haben.</p>
<p>Allerdings auch Bilder von Menschen, die schreiben, dass sie z.B. seit zehn Jahren intensiv fotografieren, die Ergebnisse sahen aber eher aus wie erste Versuche. Gut m&#246;glich, dass letztere solche sind, die Sebastian damit meint, dass man in die falsche Richtung &#252;ben kann, aber ich habe das bisher immer fehlendem Talent zugeschrieben.</p>
<p>Man kann auch hier mal andere Disziplinen als Vergleich betrachten: Kann man es lernen oder &#252;ben, gute Romane zu schreiben, Bilder zu malen oder Comics zu zeichnen? Auch da kann man die beschriebenen Ph&#228;nomene finden und sich &#252;berlegen, ob man es Talent, &#220;ben oder Lernen zuschreiben w&#252;rde.</p>
<p><strong>Martin:</strong><br />
W&#252;rdest Du, Aileen, dann sagen, dass Talent allein ausreicht und die Ausf&#252;hrung nur der Herstellung der Fotografie dient?</p>
<p><strong>Aileen:</strong><br />
An der Frage selbst erkennt man ja eigentlich schon, dass Talent allein nicht (immer) ausreicht, denn erst durch die Herstellung der Fotografie kann man das Bild aus dem eigenen Kopf der Welt zug&#228;nglich machen. Es mag auch Menschen geben, die sogar das Talent f&#252;r die Technik haben und sie spielend bedienen, aber ich sch&#228;tze, dass die meisten nur das Talent f&#252;r Ideen oder das Talent zum Lernen haben.</p>
<p><strong>Marit:</strong><br />
Was ich noch interessant finde ist, inwieweit das &#228;u&#223;ere Umfeld mit dem Ausbilden von F&#228;higkeiten zu tun hat. Oder ganz anders gefragt: Was nimmt unsere Gesellschaft als Talent wahr und f&#246;rdert diese? Ich sehe oft viele Bilder, da sage ich mir, der oder die k&#246;nnte diese Bilder ebenfalls pr&#228;sentieren, w&#252;rde aber niemals in einer Ausstellung h&#228;ngen. Ist das Pr&#228;dikat „Talent“ also eher eine Feststellung von au&#223;en als von einem selbst?</p>
<p><strong>Sebastian:</strong><br />
Aileen, kennst Du diese These von dem Psychologen Dr. K. Anders Ericsson, dass man so ungef&#228;hr 10.000 Stunden &#220;bung braucht, um auf einem Gebiet wirklich gut zu werden? Ich finde das ziemlich einleuchtend und wenn ich es so denke, dann f&#228;llt der Punkt „Talent“ f&#252;r mich eher raus. Talent ist dann vielleicht eher die Fertigkeit auf anderen Gebieten, die auch dazugeh&#246;ren, Vorstellungskraft zum Beispiel. </p>
<p>Oder Talent ist die Vorliebe, sich mit einer Sache auseinander zu setzen, so dass man auch wirklich mit Leidenschaft &#252;bt. Aber dieses von irgendwoher zum Himmel hereingefallene Talent mag ich bezweifeln. Wenn, dann kommt es meiner Meinung nach, wie Marit auch sagt, auf das Umfeld und die entsprechende F&#246;rderung an. Wenn Eltern oder Freunde fotografieren, dann entwickle ich m&#246;glicherweise eher ein Interesse daran.</p>
<p><strong>Aileen:</strong><br />
Ich meine, von der These schon einmal geh&#246;rt zu haben. Damit m&#252;sste ich mich jetzt tiefergehender besch&#228;ftigen. Vielleicht w&#252;rde es meine bisherige Einsch&#228;tzung zum Thema Talent &#228;ndern &#8211; diese ist ja auch nur eine pers&#246;nliche Theorie ohne R&#252;ckhalt durch eine wissenschaftliche Untersuchung.</p>
<p><center>~</center></p>
<p><strong>Martin:</strong><br />
Sch&#246;n, dass hier auch eigene Standpunkte &#252;berdacht werden. Gibt es f&#252;r Euch denn Fotografen, von denen Ihr sagen w&#252;rdet: „Der hat es geschafft und ist mir ein Vorbild“?</p>
<p><strong>Marit:</strong><br />
Einen Namen habe ich ja schon genannt &#8211; Sally Mann. Mit ihrer Arbeit &#252;ber ihre Familie hat sie es geschafft, sichtbar zu werden, indem sie eine alte Technik verwendet, um die Dichte von N&#228;he und Vertrauen zu verbildlichen. In einer Gesellschaft, in der es um Zeitersparnis geht und famili&#228;re K&#228;lte leider zum Dasein geh&#246;rt, war das f&#252;r mich ein fotografischer Urknall.</p>
<p><strong>Aileen:</strong><br />
In meinem Sichtfeld sind unglaublich viele Vorbilder, ich k&#246;nnte mich da nicht auf einen oder auch nur wenige Namen festlegen. Auf verschiedenen Plattformen folge ich einer fast un&#252;berschaubaren Anzahl von Fotografen und K&#252;nstlern, die meisten von ihnen haben es in meinen Augen geschafft, einen sehr eigenen Stil zu entwickeln, der mich auf die eine oder andere Art fesselt. Immer wieder schade zu sehen ist leider, dass nat&#252;rlich nur wenige davon es „geschafft“ haben im Sinne eines gr&#246;&#223;eren Durchbruchs.</p>
<p><strong>Martin:</strong><br />
Immer wieder spannend ist f&#252;r mich auch die Frage des Systems oder Umfeldes, in das die Person hineingeboren wird. Ein Mensch, dessen Vorfahren k&#252;nstlerischen Interessen folgten, wird viel fr&#252;her mit diversen Elementen aufwachsen, als andere. Nicht selten wachsen aus Musikerfamilien auch Musiker heran, die einen Durchbruch schaffen. Dazu kommt nat&#252;rlich auch die Zeit, in der jemand lebt. All das mitzubedenken finde ich signifikant, auch wenn klar ist, dass bisher kein Meister vom Himmel gefallen ist.</p>
<p>Mir wurde erst Jahre nach seinem Tod bekannt, dass mein Vater fr&#252;her leidenschaftlich fotografiert hat und ich fand Kinderaufnahmen von mir, die mich ins Staunen gebracht haben. Weiter war er in jungen Jahren bis ins Alter Organist, Pianist und hatte eine gro&#223;e Liebe zur Klassik.</p>
<p>Sind Eure Eltern oder Gro&#223;eltern k&#252;nstlerisch unterwegs? K&#246;nnt Ihr da einen Zusammenhang sehen?</p>
<p><strong>Sebastian:</strong><br />
Meine Eltern haben fr&#252;her sehr viel fotografiert und sind beide auch in k&#252;nstlerischen Berufen unterwegs. Mein Vater macht sehr viele handwerkliche Sachen, meine Mutter schreibt beruflich und privat. </p>
<p>Das spricht wohl ein bisschen gegen die vorherige Ansicht, dass es kein Talent gibt, allerdings erkl&#228;re ich mir das damit, dass ich halt von fr&#252;h an irgendwie mit Dingen wie Schreiben und photographieren zu tun hatte. Man w&#228;chst da nat&#252;rlich viel leichter rein, wenn die T&#228;tigkeit schon im eigenen Umfeld etabliert ist, wohl gerade in der Kindheit.</p>
<p>Und irgendwann guckt man sich um, wer sonst so photographiert und findet “Vorbilder” oder eher Bilder, die einen sehr beeindrucken. Was ist spannend finde, ist die Rolle des Internets in dem Zusammenhang. Fr&#252;her konntest Du Dich eben nur mit Eltern, Freunden vergleichen oder mit Photographen aus B&#252;chern und Zeitschriften, aber die waren irgendwie gef&#252;hlt ganz weit weg. Heute ist man auf Plattformen mit sehr, sehr vielen sehr guten Photographen unterwegs. Ist nat&#252;rlich die Frage, ob das ein Fluch oder Segen ist.</p>
<p><strong>Aileen:</strong><br />
Meine Eltern waren auch beide als Kinder und Jugendliche kreativ, meine Mutter hat gemalt und gezeichnet und mein Vater hat dazu auch noch fotografiert. Die Frage, ob etwas durch Erziehung bzw. Gew&#246;hnung durch Umgang im Alltag oder Vererbung beeinflusst wird, ist eine sehr interessante, ganz allgemeine Frage, die nicht nur in der Kreativit&#228;t, sondern auch bei so explosiven Themen wie Intelligenz, Gewalt und Geschlecht eine Rolle spielt. </p>
<p>Das f&#252;hrt jetzt eventuell zu weit, aber ich lese gerade ein Buch („Das unbeschriebene Blatt“ von Steven Pinker) dazu, nachdem ich &#252;ber eine kurze TV-Serie aus Norwegen (hier der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=KQ2xrnyH2wQ" target="_blank">erste Teil</a>) gestolpert bin, die die inzwischen weit verbreitete These in Frage stellt, nach der wir alle mit den gleichen M&#246;glichkeiten auf die Welt kommen und vor allem die Erziehung bestimmt, was aus uns wird.</p>
<p>Martin hat ja auch gesagt, dass er von den Fotografien seines Vaters erst sp&#228;t erfahren hat. Meine Eltern habe ich auch nie selbst bei der kreativen Arbeit erlebt. Jetzt kann man sich auf so etwas zur&#252;ckziehen wie ein omin&#246;ses Mitschwingen von Kreativit&#228;t im Alltag, aber ein einfacher nachzuvollziehender Mechanismus ist die Vererbung von k&#252;nstlerischen Tendenzen via der Gene.</p>
<p>Abgesehen davon, dass es einen vielleicht etwas beruhigt, dass man selbst und sein Umfeld weniger Einfluss als gedacht auf die eigene Kreativit&#228;t haben, ist es f&#252;r die Praxis als Fotograf aber wohl eher von untergeordneter Wichtigkeit, ob das vorhandene Talent durch Vererbung oder Erziehung entstanden ist. Au&#223;er, man wirft deswegen die Flinte ins Korn, weil man denkt, dass dadurch alles bereits vorbestimmt und keine Verbesserung mehr m&#246;glich sei &#8211; so ist es ja auch nicht.</p>
<p><strong>Martin:</strong><br />
Oder man f&#228;llt darauf herein, zu glauben, man selbst h&#228;tte das alle ganz alleine geschafft &#8211; was ich in so manchem Unterton von denen, die sich gern als Profis profilieren. heraush&#246;ren kann.</p>
<p>Interessant finde ich in diesem Kontext auch die Frage, ob ein guter Fotograf zwangsweise als ein solcher erkannt werden muss. Es gibt in der Geschichte der Kunst und Musik unz&#228;hlige F&#228;lle, in denen die Brillanz und das K&#246;nnen eines Kreativen zu Lebzeiten nicht wahrgenommen oder als solche in der &#214;ffentlichkeit diskutiert wurde. Und dann gibt und gab es Menschen, denen die &#214;ffentlichkeitsmeinung v&#246;llig egal ist, wie das wohl derzeit bekannteste Beispiel Vivian Maier zeigt.</p>
<p><center>~</center></p>
<p>Zu guter Letzt haben wir in unserer Diskussion die Frage nach der Technik interessanterweise ausgespart. Zufall? Welche Rolle messt Ihr der technischen Qualit&#228;t einer Ausr&#252;stung bei?</p>
<p><strong>Marit:</strong><br />
Ganz ehrlich? Keine besonders gro&#223;e. Der Geist hinter eine Sache ist entscheidend. Ob der Genius mit einer Plattenkamera, dem iPhone oder einer digitalen Spiegelreflexkamera unterwegs ist, h&#228;ngt dann eben von den jeweiligen Vorlieben oder M&#246;glichkeiten ab.</p>
<p><strong>Aileen:</strong><br />
Oder eben dem Zufall, in welcher Situation und Stimmung jemandem etwas in die Hand gefallen ist. Dann bleibt man vielleicht dabei, obwohl man auch mit anderen Mitteln k&#246;nnte. V&#246;llig egal, solange man damit funktioniert.</p>
<p><strong>Sebastian:</strong><br />
Die Technikfrage finde ich auch nicht wichtig, aber auch nicht ganz irrelevant. Nat&#252;rlich kann man mit jeder Kamera richtig gute Bilder machen, aber die Technik zu beherrschen, ist schon wichtig, das ist wie mit den Regeln, die man kennen sollte, damit man sie brechen kann. Selbst wenn man nur mit dem iPhone fotografiert, wie Du bei Deinem letzten Projekt, Martin, dann muss man ja wissen, was man damit anstellen kann und was nicht. Das ist ein Lernprozess, der geht wieder &#252;ber &#220;bung.</p>
<p><strong>Martin:</strong><br />
Welche Mittel und Wege habt Ihr eigentlich genutzt, um Euch fotografisch weiterzubilden? Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich zu Beginn unz&#228;hlige Bildbearbeitungsvideos verschlungen, Podcasts geh&#246;rt und Blogs gelesen habe. Au&#223;erdem habe ich fotografiert wie bl&#246;d (haha). Wie war das bei Euch?</p>
<p><strong>Marit:</strong><br />
Ich war ganz egoistisch und habe mir einen Freund geangelt, der selbst Filme entwickelt hat. Von dem habe ich so gut wie alles gelernt, was ich heute &#252;ber&#8217;s Entwickeln, Belichten und Komponieren wei&#223;. Im Ged&#228;chtnis ist mir da vor allem das dunkle Bad und die Entwicklerdose geblieben, vor der ich einen riesigen Respekt hatte. Ich hatte Angst, etwas falsch zu machen, aber mit der richtigen Hilfestellung und der M&#246;glichkeit, selbst zu hantieren, habe ich sehr viel mitgenommen.</p>
<p><strong>Sebastian:</strong><br />
Bei mir waren das am Anfang ein bisschen meine Eltern, vor allem aber endlos viele Tutorials, Zeitschriften und vor allem auch diese schrecklichen Fotoforen, in die ich heute keinen digitalen Fu&#223; mehr setzen w&#252;rde. Was technische Sachen angeht, erz&#228;hlen die Dir alles, was Du &#252;ber jedes x-beliebige Objektiv wissen kannst. </p>
<p>Auf 300 Seiten Threads mit unz&#228;hligen nutzlosen Streitgespr&#228;chen dazwischen. Das hilft Dir dann zwar auch nicht weiter, weil Du dann immer noch keine Bilder gemacht hast, aber Du hast wenigstens das Gef&#252;hl, etwas gelernt zu haben. Fotografieren wie bl&#246;d, wie Martin das sagt, war und ist bei mir auch das Einzige, was wirklich funktioniert hat.</p>
<p><strong>Aileen:</strong><br />
Ich denke, ich habe mich nie aktiv fotografisch weitergebildet. Ich habe einfach Fotos gemacht, Fotos von anderen angeschaut und eigentlich auch immer Fotos &#252;berall gezeigt, da bekommt man ja automatisch eine R&#252;ckmeldung der Betrachter. Irgendwann habe ich mal ein oder zwei B&#252;cher &#252;ber Fotografie (also Anleitungen) gekauft, aber die stehen ungelesen im Schrank. </p>
<p>Da hat ein guter Bildband mehr Chancen, angeschaut zu werden. Vielleicht fehlte mir da der Ehrgeiz, die technische Seite sofort vollst&#228;ndig zu beherrschen. Ich wollte eigentlich nur kreativ sein, mich ausdr&#252;cken, sch&#246;ne Bilder machen. Dass ich das am besten machen kann, indem ich es einfach mache, war f&#252;r mich selbstverst&#228;ndlich.</p>
<p><strong>Martin:</strong><br />
So geht es mir heute auch. Ich kaufe mir zehn Mal lieber einen guten Bildband und denke dar&#252;ber nach, wie das Bild wohl entstanden ist, anstatt mir zig Erkl&#228;rungen durchzulesen. Jedoch war ich fr&#252;her sehr dankbar &#252;ber Fotografen, die alles bis ins kleinste Detail erkl&#228;rten, da kam ich mir nicht ganz so doof vor.</p>
<p><center>~</center></p>
<p>Diese Fotografen waren f&#252;r mich im wahrsten Sinne des Wortes „Vorbilder“ und ich habe eine lange Zeit versucht, so zu fotografieren, wie sie bzw. ist die Inspirationsdichte anderer Fotografen auch heute noch sehr hoch bei mir. Kennt Ihr das auch oder habt Ihr schon immer frei Schnauze drauflos fotografiert?</p>
<p><strong>Sebastian:</strong><br />
Ich hatte das auch. Unendlich viele Bildb&#228;nde geguckt, wirklich viel im Netz gesurft und irgendwann wurde mir dann zumindest klar, welcher Stil mich interessiert oder wirklich reizt. Da sind auch einige ganz konkrete Fotografen dabei, die in diese Richtung gehen, deren Arbeiten ich auch heute noch verfolge. </p>
<p>Ich denke, das geh&#246;rt aber auch dazu, wenn man langsam einen eigenen Stil entwickeln will: Verstehen, was einem gut gef&#228;llt, was man gerne machen will (das k&#246;nnen ja durchaus auch unterschiedliche Sachen sein) und dann erst einmal langsam lernen, da hinzukommen, auch durch Vorbilder. Aber nat&#252;rlich nicht irgendwen kopieren, sondern sich davon ausgehend selbst finden.</p>
<p><strong>Aileen:</strong><br />
Bei mir habe ich eher den umgekehrten Effekt beobachtet, dass meine Bilder den Arbeiten von anderen Fotografen stilistisch viel zu &#228;hnlich sind. Da schl&#228;gt bei mir immer wieder der Anspruch durch, etwas Eigenes zu machen. Das war schon kurze Zeit, nachdem ich mit dem Fotografieren angefangen hatte so und ist auch jetzt noch so. </p>
<p>Zwischendurch fotografiere ich dann, habe Ideen oder denke auch mal wieder, dass es mir eigentlich egal ist, solange es mir Spa&#223; macht. Aber diese innere Rebellion hat mich immer wieder vorangebracht, auch wenn ich nicht von heute auf morgen vollkommen eigenst&#228;ndige Arbeiten auf die Beine stelle.</p>
<p><em>Und wie seht Ihr das? </em></p>
<p></p>
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		<title>Pervers</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Jan 2013 06:40:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Gommel</dc:creator>
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				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es ist noch gar nicht lange her, da traf ich mich mit Fotografen, die regelm&#228;&#223;ig Workshops geben auf einen Drink. Ein Modell war noch anwesend und als dieses sich verabschiedet hatte, wurde &#8211; vielleicht durch den Alkohol verst&#228;rkt &#8211; Folgendes zum Besten gegeben:</strong></p>
<p><em>„Die Hure w&#252;rd&#8217; ich gern ficken. Mann, bin ich geil.“</em></p>
<p>Und das ist genau das, was gesagt wurde. Ich &#252;bertreibe nicht. Alle nickten oder lachten. Nur ich sa&#223; mit einem kalten Schauer im Nacken da und konnte den Witz nicht teilen. </p>
<p>&#220;berrascht war ich jedoch keinesfalls. Denn es war und ist f&#252;r mich kein Einzelfall, dass in diversen Kreisen die Frau sexualisiert und auf den Geschlechtsakt reduziert wird. Interessant finde ich, dass dies auch in der Bildsprache bestimmter Fotografen zum Tragen kommt. </p>
<p>Und an dieser Stelle m&#246;chte ich nochmal ansetzen, obwohl ich hier vor Jahren schon einmal dar&#252;ber schrieb. Denn es gibt heute wie gestern gen&#252;gend Menschen da drau&#223;en, die exakt diese Bildsprache beeindruckend finden. Menschen, die mit dem Fotografieren beginnen und vielleicht sogar zu den Lesern dieses Magazins geh&#246;ren. </p>
<p>Und dieser Nachfrage wird auch entgegengekommen. T&#228;glich gibt es zur Thematik Studio-Workshops, Trainings und Buchmaterial en masse. Nat&#252;rlich wird nicht so offen wie in der Trinkrunde gesagt, was erreicht werden will. Das geh&#246;rt quasi schon dazu. </p>
<p>Und das ist es, was mich ein wenig besorgt. Dass der Porno-Stil mittlerweile salonf&#228;hig ist und von der breiten Masse als Teil der Fotografie akzeptiert ist. Auch von gro&#223;en Verlagen und Unternehmen, denn: Das verkauft sich gut. </p>
<p>Stringtangabekleidete M&#228;dels auf der Harley, angeblitzt aus allen Himmelsrichtungen, bunt geschminkt und von einem Riesenventilator angef&#246;nt, sprechen hier B&#228;nde &#252;ber das Weltbild der Produzierenden und sind keine Ausnahme. </p>
<p>Was mich nachdenklich stimmt, ist, dass diese Art sexistischer BILD-Sprache eigentlich nirgendwo hinterfragt wird. Ich habe bis heute keinen einzigen Artikel dazu gelesen, der den ganzen Schlammassel kritisch hinterfragt. Und ich meine nicht feministische, sondern im speziellen fotografische Publikationen. </p>
<p>Wir regen uns &#252;ber alles auf und diskutieren uns tot dar&#252;ber, ob die Visa nun gut gearbeitet hat, ob die Softboxen das Streiflicht im richtigen Winkel erzeugen und ob nicht besser mit einer Hassi statt einer 5D Mark II fotografiert werden sollte. Aber der Mensch an sich und seine Darstellung ist keine gruns&#228;tzliche, tiefere Erhebung wert. Warum? Traut sich niemand? Ist es uns zu m&#252;hsam? Egal? Haben wir uns dran gew&#246;hnt?</p>
<p>Ich m&#246;chte diesen Umstand nicht akzeptieren. Dabei bilde ich mir nicht ein, diese Bewegung aufhalten zu k&#246;nnen, ganz sicher nicht. Aber ich m&#246;chte mein M&#246;glichstes tun und spreche seit Monaten diese Dinge an, wenn ich mich damit konfrontiert sehe. </p>
<p>Ich besuche des Weiteren keine Veranstaltungen, Workshops oder gar Foto-Webseiten mehr, die sexistische Darstellung von Menschen unterst&#252;tzen. Im &#220;brigen ist das f&#252;r mich einer von vielen Gr&#252;nden, nicht auf die Photokina zu gehen und mit bestimmten Unternehmen die Zusammenarbeit nicht fortzuf&#252;hren. </p>
<p>Au&#223;erdem werde ich das Thema immer dann auch im pers&#246;nlichen Rahmen aufziehen. Und ich wei&#223;, dass ich damit Augenbrauenzucken „echter M&#228;nner“ auf mich ziehe und der Verdacht besteht, dass ich ein konservativer Spie&#223;er sei. Dies ist mir jedoch herzlich egal, das sei an dieser Stelle unterstrichen. </p>
<p>Dieser Artikel mag ein kleiner Anstoss in eine Richtung sein, die ich unterst&#252;tzen m&#246;chte. Hin zu achtsamer, respektvoller und menschlicher Fotografie, die es nicht n&#246;tig hat, Menschen zum homo ex machina zu machen und sie so zeigt, dass sie nicht zum Objekt egoistischer Befriedigung dienen. </p>
<p>~</p>
<p><font size="2" color="#666666">Das Titelbild hat uns<a href="http://www.facebook.com/grit.siwonia.fotografie?ref=ts&#038;fref=ts" target="_blank"> Grit Siwonia </a>zur Verf&#252;gung gestellt. Vielen Dank daf&#252;r!</font></p>
<p></p>
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