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	<title>kwerfeldein - Fotografie Magazin &#187; Interview</title>
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	<description>Das Fotografie Magazin</description>
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		<title>Im Gespr&#228;ch mit Jessica Tremp</title>
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		<pubDate>Sat, 11 May 2013 08:11:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Aileen Wessely</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>
		<category><![CDATA[Emotion]]></category>
		<category><![CDATA[gastartikel]]></category>
		<category><![CDATA[jessica tremp]]></category>
		<category><![CDATA[natur]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Jessica Tremp</strong></p>Obwohl die australische Fotok&#252;nstlerin Jessica Tremp lieber Bilder als Worte sprechen l&#228;sst, konnten wir ihr im Interview ein paar S&#228;tze entlocken. Dar&#252;ber, wie die Natur sich immer wieder einschleicht, wie Bilder entstehen, die Arbeit mit Menschen vor der Kamera und das Leben an sich. Hallo Jessica. Danke, dass Du Dir die Zeit f&#252;r ein Interview [...]<p></p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Jessica Tremp</strong></p><p><strong>Obwohl die australische Fotok&#252;nstlerin Jessica Tremp lieber Bilder als Worte sprechen l&#228;sst, konnten wir ihr im Interview ein paar S&#228;tze entlocken. Dar&#252;ber, wie die Natur sich immer wieder einschleicht, wie Bilder entstehen, die Arbeit mit Menschen vor der Kamera und das Leben an sich.</strong></p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Bridget-Footscray.jpg" rel="lightbox[55726]"><img title="© Jessica Tremp"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Bridget-Footscray-650x433.jpg" alt="© Jessica Tremp" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-58773" /></a></p>
<p><strong>Hallo Jessica. Danke, dass Du Dir die Zeit f&#252;r ein Interview mit uns nimmst. Zuerst, erz&#228;hl uns doch mal ein bisschen was &#252;ber Dich: Wer bist Du, was machst Du?</strong></p>
<p>Hallo, mein Name ist Jessica Tremp, k&#252;rzliche habe ich die magische 30-Jahre-Grenze &#252;berschritten und lebe mit meinem g&#252;tigen Musiker-Mann, unserem Sohn Syd und einem geretteten ehemaligen Renn-Windhund namens Soda in Melbourne in Australien. Ich bin praktizierende Fotok&#252;nstlerin.</p>
<p>Ich habe schon immer das Bed&#252;rfnis versp&#252;rt, mich selbst kreativ auszudr&#252;cken, angefangen von Tanzen und Singen &#252;ber Schreiben und Zeichnen, jedoch ist die Fotografie das einzige Medium, das sich fest bei mir eingehakt und mich nicht mehr losgelassen hat.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/time-is-the-days-melting-away-like-butter-+-Sheri.jpg" rel="lightbox[55726]"><img title="© Jessica Tremp"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/time-is-the-days-melting-away-like-butter-+-Sheri-650x487.jpg" alt="© Jessica Tremp" width="650" height="487" class="aligncenter size-medium wp-image-58772" /></a></p>
<p><strong>Was tut Fotografie oder was gibt sie Dir, was andere Ausdrucksformen nicht k&#246;nnen?</strong></p>
<p>Es ist einfach so passiert, dass die Fotografie am meisten h&#228;ngen geblieben ist unter all den Formen der Kreativit&#228;t, in denen ich mich versucht habe. Sie alle geben mir die M&#246;glichkeit, Dinge auf unterschiedliche Arten auszudr&#252;cken. </p>
<p>W&#228;re ich ein besserer Maler, w&#228;re das vielleicht auch ein interessanter Weg gewesen, den ich h&#228;tte einschlagen k&#246;nnen. Aber ich denke, dass die Fotografie einfach etwas ist, worin ich ganz nat&#252;rlich besser war.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Nettie-Chalmette+time-is-the-days-melting-away-like-butter.jpg" rel="lightbox[55726]"><img title="© Jessica Tremp"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Nettie-Chalmette+time-is-the-days-melting-away-like-butter-650x474.jpg" alt="© Jessica Tremp" width="650" height="474" class="aligncenter size-medium wp-image-58767" /></a></p>
<p><strong>Was sind wiederkehrende Themen in Deinen Arbeiten?</strong></p>
<p>Natur, Tiere, Menschen und ein bisschen Melancholie.</p>
<p>Natur in der Form von Pflanzen oder Tieren schafft es immer, sich einzuschleichen. Selbst, wenn ich versuche, mal ein Portrait in einem eher sauberen, minimalistischen Stil zu machen, finden ein paar Blumen oder etwas Blattwerk ihren Weg in den Bildausschnitt. Ich w&#252;rde gern eine Erkl&#228;rung daf&#252;r abgeben, aber es scheint eine eher unterbewusste Liebesaff&#228;re zu sein, die ich damit habe.</p>
<p>Themen scheinen sich auch ohne meine direkte Lenkung zu entwickeln, aber ein bisschen Melancholie ist meistens offensichtlich. Oft ist das, was ich mitteilen m&#246;chte, das Bed&#252;rfnis, von etwas ziemlich Au&#223;ergew&#246;hnlichem gewiegt zu werden oder Teil von etwas Einfacherem, aber viel Gr&#246;&#223;eren zu sein als wir im Allt&#228;glichen zu sein scheinen. </p>
<p>Ich finde es wirklich schwer zu erkl&#228;ren, daher fotografiere ich auch, anstatt zu schreiben.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/finger-berries.jpg" rel="lightbox[55726]"><img title="© Jessica Tremp"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/finger-berries-650x433.jpg" alt="© Jessica Tremp" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-58763" /></a></p>
<p><strong>Wie entstehen Deine Arbeiten? Planst Du vorher jedes Detail oder dr&#252;ckst Du nur im richtigen Moment auf den Ausl&#246;ser?</strong></p>
<p>Normalerweise gehe ich mit einer vagen Idee los, aber das Endresultat ist ziemlich selten das, was ich erwartet habe. Es ist manchmal so viel besser und manchmal schrecklich. Aber das ist es auch, was ich am Fotografieren am meisten liebe: Es lenkt viel mehr mich als anders herum. Ich mag es auch sehr, einfach das zu benutzen, was direkt um mich herum ist, also sch&#228;tze ich, dass es meistens ziemlich spontan ist.</p>
<p><strong>Entwickeln sich Deine Serien auch so oder arbeitest Du an ihnen anders?</strong></p>
<p>Lustigerweise denke ich, dass die besseren sich vollkommen nat&#252;rlich und organisch entwickeln. Diejenigen, bei denen ich dazu neige, zu lange dar&#252;ber nachzudenken und sie zu planen, entt&#228;uschen mich immer ein bisschen. </p>
<p>Als ich angefangen habe, habe ich erst in Einzelbildern gearbeitet und &#252;ber den Verlauf der Jahre wurde ich gl&#252;cklicher mit mehreren Bildern, die alleinstehend vielleicht nicht besonders spektakul&#228;r sind, aber etwas vermitteln, wenn sie zusammenstehen. Auch, wenn es vielleicht nur eine kleine Studie statt einer tats&#228;chlich durchdachten Serie ist.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/gauge.jpg" rel="lightbox[55726]"><img title="© Jessica Tremp"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/gauge-650x433.jpg" alt="© Jessica Tremp" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-58764" /></a></p>
<p><strong>Welche Rolle spielt Nachbearbeitung in Deinen Arbeiten?</strong></p>
<p>Definitiv eine gro&#223;e. F&#252;r mich w&#228;re es ohne sie, als w&#252;rde man den Teig zusammenr&#252;hren, ohne anschlie&#223;end auch den Kuchen daraus zu backen. Genauso wie beim Fotografieren selbst lasse ich mich dabei vom Bild lenken. Manchmal verwende ich etwas mehr Zeit darauf und manchmal mag ich es, alles etwas zur&#252;ckhaltender und minimalistischer zu halten.</p>
<p><strong>Kannst Du uns etwas dar&#252;ber erz&#228;hlen, wer die Menschen vor Deiner Kamera sind? Was sind Deine Gedanken und Gef&#252;hle dar&#252;ber, mit Modellen, Freunden oder auch Dir selbst zu arbeiten?</strong></p>
<p>Ich bevorzuge es, mit Freunden oder mir selbst zu arbeiten anstatt mit Modellen, einfach, weil ich das Gef&#252;hl habe, dass ich mich dann weniger erkl&#228;ren muss, dass es okay ist, wenn etwas misslingt, es gibt einfach mehr Freiheit, zu entdecken und zu kreieren.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/the-argument-with-spring.jpg" rel="lightbox[55726]"><img title="© Jessica Tremp"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/the-argument-with-spring-650x483.jpg" alt="© Jessica Tremp" width="650" height="483" class="aligncenter size-medium wp-image-58770" /></a></p>
<p>Wenn ich mit Modellen arbeite, kann ich f&#252;hlen, dass ich mit einer vorbereiteten Idee in die Begegnung gehen muss, um in der Lage zu sein, etwas abzuliefern, f&#252;r mich selbst und auch f&#252;r sie, damit ihre Zeit es auch wert ist.</p>
<p>Ich arbeitete auch sehr viel mit mir selbst als Modell, einfach, weil ich ja immer da war, wenn ich das Bed&#252;rfnis hatte, zu fotografieren und etwas zu kreieren. Ich muss aber auch sagen, dass ich hier und da mit einem Modell gearbeitet habe, das ich nie vorher getroffen, mit dem ich aber sofort eine Verdingung hatte.</p>
<p>Das ist eigentlich eine unglaubliche Sache, wenn man mal dar&#252;ber nachdenkt: Man kann Menschen seit Jahren kennen und wenn man sie dann auf der Stra&#223;e trifft, kann man nur &#252;ber das Wetter reden. </p>
<p>Andererseits kann man mit einem Fremden, der manchmal sogar nackt vor einem steht, in einem Raum sein und beide m&#252;ssen sofort ihre Schutzpanzer ablegen. Es gibt nicht viele Situationen, in denen man sich so verletzlich f&#252;hlt, ohne jemanden vorher kennengelernt zu haben. Gelegentlich entsteht Magie aus so aufgeladener Energie.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/tierra-negra.jpg" rel="lightbox[55726]"><img title="© Jessica Tremp"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/tierra-negra-650x484.jpg" alt="© Jessica Tremp" width="650" height="484" class="aligncenter size-medium wp-image-58771" /></a></p>
<p><strong>Ich habe gesehen, dass Du auch Hochzeiten und Auftragsarbeiten fotografierst. Wie balancierst Du das mit Deinen freien Arbeiten?</strong></p>
<p>Ich versuche, nicht mehr als zwei Hochzeiten pro Monat anzunehmen. So bleibt es immer noch Spa&#223; und erfrischend, sie zu fotografieren. Eigene Projekte und Auftr&#228;ge zu jonglieren, ist mir in der Vergangenheit nicht immer leicht gefallen, aber ich denke, dass ich nun mehr und mehr eine gute Balance zwischen ihnen finde. </p>
<p>Ich f&#252;hle mich sehr gl&#252;cklich, in der Lage zu sein, meinen Lebensunterhalt mit dem zu verdienen, was ich liebe und ich genie&#223;e auch die unterschiedlichen Herangehensweisen an die Fotografie, zum Beispiel bei einer Hochzeit. Anstatt ein Bild ganz von Neuem zu erschaffen, nehme ich auf, was vor mir dort schon da ist, auf eine neue und interessante Weise.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Ingrids-nest.jpg" rel="lightbox[55726]"><img title="© Jessica Tremp"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Ingrids-nest-650x433.jpg" alt="© Jessica Tremp" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-58765" /></a></p>
<p><strong>Als Du 18 warst, bist Du von der Schweiz nach Melbourne umgezogen. Zur&#252;ckblickend, was denkst Du, welchen Einfluss gro&#223;e Ver&#228;nderungen wie diese im Leben haben?</strong></p>
<p>Ich denke, dass es in diesem speziellen Fall eine Mischung aus dem Gef&#252;hl, ungl&#252;cklich zu sein mit dem Weg, den ich bildungsm&#228;&#223;ig eingeschlagen hatte (ich studierte auf Lehramt), dem Bed&#252;rfnis, die Welt zu entdecken und der reinen, alten Teenager-Rebellion war. Es hat eine Weile gedauert, bis ich in Melbourne Fu&#223; gefasst hatte, aber inzwischen finde ich es schwer vorstellbar, irgendwo anders zu wohnen. </p>
<p>Obwohl ich mich auch schon dabei erwischt habe, davon tagzutr&#228;umen, in Paris oder New York Teller zu waschen, um mein Leben zu finanzieren, das voller zeitgen&#246;ssischem Tanz, dem F&#252;ttern streunender Katzen und dem Ausgeben eines Monatsgehaltes f&#252;r ein Gem&#228;lde w&#228;re.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Clarksdale-II.jpg" rel="lightbox[55726]"><img title="© Jessica Tremp"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/Clarksdale-II-650x433.jpg" alt="© Jessica Tremp" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-58774" /></a></p>
<p>Ich denke, dass der Umzug mich auf eine Art definitiv frei gemacht hat. Als ich ankam, nahm ich ein Jahr lang in Vollzeit Tanzkurse. Etwas, das ich in der Schweiz nie h&#228;tte tun k&#246;nnen, weil es zu verp&#246;nt gewesen w&#228;re. Nat&#252;rlich w&#228;re ich nie ein T&#228;nzer geworden, aber die Tatsache, dass es in Ordnung war, anzustreben was auch immer ich wollte, war es, die mein Leben komplett ver&#228;ndert hat.</p>
<p>Nun konzentriere ich mich auf die n&#228;chste Ver&#228;ndung, die vor mir liegt: Ein Flecken Land zwischen den Gummib&#228;umen der australischen Landschaft, inmitten einer kleinen, aber bl&#252;henden und aufgeschlossenen Gemeinschaft. Ein Esel namens Gloria, den ich jeden Morgen mit meinem Sohn f&#252;ttere. Gro&#223;e, offene Fenster, durch die Musik vom Plattenspieler hinausdringt. Zwei Studios: Eines f&#252;r meinen Mann, der darin aufnimmt und eines f&#252;r mich. Gro&#223;e Speisen f&#252;r Freunde kochen, die vorbeikommen. Und mehr lesen.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/mousse.jpg" rel="lightbox[55726]"><img title="© Jessica Tremp"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/mousse-650x486.jpg" alt="© Jessica Tremp" width="650" height="486" class="aligncenter size-medium wp-image-58766" /></a></p>
<p><strong>Was hast Du noch f&#252;r Pl&#228;ne f&#252;r die n&#228;here und fernere Zukunft?</strong></p>
<p>Abgesehen vom Umzug genie&#223;e ich wirklich, wie alles gerade ist und wohin es geht. Ich liebe es mehr, eine Mutter zu sein, als ich je gedacht h&#228;tte, dass ich es w&#252;rde. Ich denke, dass meine Zukunftspl&#228;ne sind, noch viel mehr Entdecker der Welt zu sein. Ob das nun durch Musik, Reisen, Lesen oder Kreativit&#228;t geschieht. </p>
<p>Was die Fotografie angeht, hoffe ich, weiterhin zu lernen, mich selbst technisch zu verbessern und auch, meinen freien Arbeiten tiefere Gedanken zu geben.</p>
<p><strong>Vielen Dank, Jessica, und alles Gute f&#252;r die Zukunft!</strong></p>
<p></p>
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		<title>Share Dich zum Teufel! Im Gespr&#228;ch mit Beckmann</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Apr 2013 05:39:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marit Beer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>
		<category><![CDATA[facebook]]></category>
		<category><![CDATA[gastartikel]]></category>
		<category><![CDATA[kritik]]></category>
		<category><![CDATA[netzwerk]]></category>
		<category><![CDATA[netzwerken]]></category>
		<category><![CDATA[Rüdiger Beckmann]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Rüdiger Beckmann</strong></p>Das hier ist ein prozessorientiertes Interview oder eher ein Kwertext in Interviewform. Zusammengetragen aus mehreren Gespr&#228;chen. Unterhaltungen, die bis tief in die Nacht gef&#252;hrt wurden, w&#228;hrend sich in Hamburg die Schiffe friedlich an die Kaimauern schmiegten und M&#246;wen blinzelnd den Mond betrachteten. Herr Beckmann ist ein freundlicher Geselle. Er ist vor allem aufgeschlossen und ungezwungen [...]<p></p>
]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Rüdiger Beckmann</strong></p><p><strong>Das hier ist ein prozessorientiertes Interview oder eher ein Kwertext in Interviewform. Zusammengetragen aus mehreren Gespr&#228;chen. Unterhaltungen, die bis tief in die Nacht gef&#252;hrt wurden, w&#228;hrend sich in Hamburg die Schiffe friedlich an die Kaimauern schmiegten und M&#246;wen blinzelnd den Mond betrachteten.</strong></p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/2011/03/02/ruediger-beckmann-was-mich-treibt/" target="_blank">Herr Beckmann</a> ist ein freundlicher Geselle. Er ist vor allem aufgeschlossen und ungezwungen in der Unterhaltung, das muss man ihm lassen. Seine K&#252;che ist ein Ort der Erz&#228;hlungen und Gedanken. </p>
<p>Urspr&#252;nglich sollte dieses Interview auch ein Gastartikel werden und die Gespr&#228;che eher zur Essenz des Gesagten f&#252;hren. Aber Herrn Beckmann lag etwas auf der Seele. </p>
<p><strong>Du bist ein sehr gastfreundlicher Mensch und kommunizierst gern, so jedenfalls mein Eindruck. Ist das richtig?</strong></p>
<p><em>R&#252;di lacht.</em> Ob das wirklich stimmt, kommt sehr darauf an, wen Du da fragst. Das ist sehr stark von meinem Gegen&#252;ber abh&#228;ngig.</p>
<p>Ich rede sehr gern &#252;ber das, was ich tue, denn ich komme dem Ganzen dabei selbst n&#228;her und sehe, was f&#252;r andere verst&#228;ndlich ist, wo ich falsch abbiege oder wo ich komplett auf dem Holzweg bin. </p>
<p>Kommunikation, ihre ganzen Facetten und vor allem ihre Missverst&#228;ndnisse finde ich spannend. Um den Dialog geht es ja im Grunde auch in meinen Bildern. </p>
<p>Aber ein pers&#246;nliches Treffen ist viel direkter als die Internet-Schreiberei. Die haptische Komponente ist mir zum Erf&#252;hlen der Situation sehr wichtig. Ein Abend in meiner K&#252;che l&#228;sst keine Fragen offen. Da sehen wir ganz schnell, ob wir uns verstehen oder nicht. </p>
<p>Am sch&#246;nsten ist wohl, wenn beide etwas davon haben. Wenn sie sich wahrnehmen und gegenseitig bereichern und auch stehen lassen k&#246;nnen.</p>
<p>Problematisch wird&#8217;s, wenn ich merke, dass jemand nur schnell etwas abgreifen will, ohne von sich selbst das kleinste F&#252;nkchen zu geben. Dann werde ich ungeduldig und richtig barsch. </p>
<p>Und weil das im Internet gar nicht so selten vorkommt, kann ich mir sogar ganz gut vorstellen, dass die meisten Leute mich so beschreiben w&#252;rden. Aber ich kann auch umg&#228;nglich sein. Echt.</p>
<p><strong>Siehst Du Dich eher als Fotograf oder als Psychologe?</strong></p>
<p>Doch, ich bin Fotograf. Menschen kommen in erster Linie zu mir, um fotografiert zu werden. Sinn der Sache sind die Bilder. </p>
<p>Inhalt und Zweck der Bilder ist aber nicht die Oberfl&#228;che der Dinge, sondern die Befindlichkeit darunter. Und um die sichtbar zu machen, braucht es einiges an Reflexion und Besch&#228;ftigung mit sich selbst. Das kann dann je nach Stimmung auch mal etwas therapeutisch ablaufen. </p>
<p>Und das ist bestimmt auch der Grund, weshalb einige diese Erfahrung besonders suchen, w&#228;hrend andere ganz sch&#246;n Angst davor haben. Man muss daf&#252;r schon etwas bereit sein. Ich sch&#228;tze, die meisten Leute sind hier gewesen, weil sie auch etwas &#252;ber sich selbst herausfinden wollten.</p>
<p><strong>Deine Bilder findet man oft unter den Stichworten Akt und Erotik.</strong></p>
<p>Ich finde, das Thema Nacktheit wird sehr verzerrt und &#252;berbewertet, das ist oft ziemlich unpassend. In Communities finden wir diese Schubladen meist aus organisatorischen Gr&#252;nden (z.B. Jugendschutz), aber es macht auch etwas mit den Menschen, das mir unangenehm ist. </p>
<p>Wenn ich ein Aktbild zeige, landet es automatisch in einer Sektion mit diesen ganzen Hobbymodels, die „Akt nur auf Pay“ machen. Und so m&#252;ssen sich alle damit auseinandersetzen, ob die eigene Nacktheit einen monet&#228;ren Wert haben sollte, selbst wenn ihnen solche Gedanken bisher v&#246;llig fremd waren. </p>
<p>Das finde ich schwierig, weil die Leute ohnehin immer mehr drauf getrimmt werden, sich m&#246;glichst gut zu „verkaufen“. Auch beim Fotografieren versuche ich, mich dem konsequent zu entziehen. Da m&#246;chte ich m&#246;glichst keine Kategorien im Kopf haben. Die Bilder sollen sich damit besch&#228;ftigen, wie man sich in der Session gut f&#252;hlt. Ob die Person dabei bekleidet ist, muss sie entscheiden. Das ist f&#252;r sie selbst viel wichtiger als f&#252;r mich. Im Grunde mache ich immer nur Portraits.</p>
<p><strong>Gut, Du machst Portraits und dennoch ist den Bildern eine gewisse Erotik nicht abzusprechen. Dabei wird sicher oft eine gro&#223;e emotionale N&#228;he aufgebaut. Wie geht man mit dieser N&#228;he im Nachhinein um, wenn der Mensch wieder in die Bahn steigt und wegf&#228;hrt?</strong></p>
<p>Diese N&#228;he ist ein Geschenk. Sie kann einen erfreuen, aber auch &#252;berw&#228;ltigen, verwirren und sogar weh tun. Es braucht deshalb viel Zeit, um zu reflektieren, sich dar&#252;ber klarzuwerden, was das Ereignis f&#252;r jeden Einzelnen genau bedeutet. Meist l&#228;sst sich das gar nicht richtig in Worten ausdr&#252;cken. Am passendsten erscheinen mir Diane Arbus’ Worte: „Fotografie ist ein Geheimnis &#252;ber ein Geheimnis.“</p>
<p>Die einzelne Session ist f&#252;r mich nur Teil von etwas Gr&#246;&#223;erem, einem Prozess des Kennenlernens, der viel l&#228;nger dauert, einem Weg, der weiter f&#252;hrt. Ich mache deshalb sehr wenige Sessions und in der Regel auch keine Bilder mit Leuten, von denen ich erwarte, dass sie nicht wiederkommen. </p>
<p>In den letzten 3 Jahren habe ich bis auf einige Tests lediglich eine einzige neue Person richtig kontinuierlich fotografiert. Das Einlassen braucht Zeit. Sonst w&#228;re die Intimit&#228;t wohl wirklich nicht auszuhalten.</p>
<p>Und auch der Betrachter und Kommentator ist in der Pflicht. Aber er realisiert es oft nicht, weil er viel zu besch&#228;ftigt ist mit seinen eigenen Bed&#252;rfnissen.</p>
<p>Alle Beteiligten tragen zusammen die Verantwortung, dass wir &#252;berhaupt unbeschadet Bilder zeigen k&#246;nnen. Vertrauen entsteht und darf bleiben, wenn es sich wohlf&#252;hlt. Es kann aber auch jederzeit wieder zerst&#246;rt werden. Weil wir Menschen sind, weil wir verstehen wollen, weil wir teilen und auch abgrenzen, ver&#228;ndert sich die Sicht auf uns und die anderen unaufh&#246;rlich. Dieser fragile Prozess ist der eigentliche Sinn beim Fotografieren f&#252;r mich.</p>
<p>Ich versuche, das behutsam zu machen, das beinhaltet „beh&#252;ten“. Deshalb bin ich beim Zeigen in Foren, in denen Fotografie viel funktionaler, klinischer und abgekl&#228;rter verstanden wird, oft sehr besch&#252;tzerisch unterwegs. Und es kommt nicht selten vor, dass ich mit Menschen aneinandergerate, wenn sie – unbedacht oder extra – respektlos, b&#246;se und beleidigend werden. Dann werde ich das auch.</p>
<p><strong>Das Internet hatte sicher einen Einfluss auf Deine Bekanntheit. Hat Dich das nachhaltig beeinflusst?</strong></p>
<p>Auf jeden Fall. Wir haben uns alle &#252;ber das Internet kennengelernt. Ich kann mir kaum mehr vorstellen, dass es mal anders war, als ich mit Fotografie anfing. Wer fr&#252;her Gleichgesinnte kennenlernen wollte, musste so eine Zeitschrift mit Kleinanzeigen kaufen. </p>
<p>Dann konnte man Leute raussuchen und anschreiben. Mit dem Internet ist alles viel einfacher und direkter geworden. Jeder kann, so scheint es, Kontakt mit der ganzen Welt aufnehmen, kann ohne gro&#223;es Eigenkapital on demand ein paar B&#252;cher herausbringen. Dadurch haben sich unsere Wertigkeiten immens verschoben. Und schlie&#223;lich auch unsere Jobstrukturen. </p>
<p>Die „Generation Praktikum“ trifft unseren kreativen Bereich besonders. &#220;berall machen die Menschen etwas Kreatives, um ein Ventil zu finden und sich zu verwirklichen, aber sie machen es eher so „nebenbei“, aus Passion und Interesse, weil es selten etwas abwirft. </p>
<p>Sie bem&#252;hen sich zwar redlich, aber so richtig fundiert in die Materie einzusteigen, bleibt allein schon aus Zeitmangel auf der Strecke. Man kriegt es gerade eben hin, ein PDF-Magazin oder einen Blog zu zimmern, um die Aufmerksamkeit eines Publikums zu wecken. </p>
<p>Dann verselbst&#228;ndigt sich das Ganze und pl&#246;tzlich musst Du Dich entscheiden: Bist Du noch Fotograf oder eher schon Fulltime-Redakteur? Und wenn Vision und gen&#252;gende Erfahrung dahinter fehlen, versenkt sich das ganze Schiff irgendwann wieder selbst. Ich finde heute auf Festplatten immer noch alte Projekte von mir, die irgendwann aus Zeitmangel eingeschlafen sind.</p>
<p><strong>Ich habe Fotocommunities am Anfang als etwas Gutes empfunden. Ein Ort, an dem man lernen kann, um am Ende selbst zu geben. Wie bewertest Du die Entwicklung dieser Fotocommunities, Du warst ja selbst lange sehr aktiv, oder?</strong></p>
<p>Ja, ich fing 1998 ernsthaft an zu fotografieren und ging mit den Bildern 2004 ins Internet. </p>
<p>Fotocommunities sind am Anfang n&#252;tzlich, um sich zu positionieren und Leute kennenzulernen, die sich gegenseitig best&#228;tigen, weiterbringen und inspirieren. Der eigenst&#228;ndigen fotografischen Entwicklung helfen sie aber wenig. </p>
<p>Das liegt wohl in der Natur der Sache. Neulinge produzieren und teilen die meisten Bilder. Sie wollen sich beweisen und zeigen quasi dauernd unaufgefordert ihre Hausaufgaben vor: Unfertige Bilder. </p>
<p>Sie orientieren sich an dem, was sie Erstrebenswertes vorfinden und machen es nach, emulieren, und sorgen dadurch f&#252;r eine Inflation des bereits vorhandenen Bildstils. So best&#228;tigt sich das System konstant selbst. Das ist der Matth&#228;us-Effekt in Aktion: „Der Teufel schei&#223;t immer auf den gr&#246;&#223;ten Haufen.“ Alle schmoren zusammen im eigenen Saft. </p>
<p>Ich glaube nicht, dass man in diesen Menschensammlungen einen repr&#228;sentativen Querschnitt bekommt, in dem alle Str&#246;mungen, alle Bedeutsamkeiten, alle Facetten der Fotografie korrekt gewichtet sind. Das w&#228;re so falsch wie anzunehmen, dass die FC-Galerie die besten Bilder europ&#228;ischer Fotografen zeigt. </p>
<p>Zusammengenommen ergibt sich h&#246;chstens ein Durchschnitt dessen, worauf sich viele Menschen einigen k&#246;nnen. Dieser Mittelwert ist so etwas wie ein Postkartenst&#228;nder, aber kein guter Leitfaden und sicher kein Geschmacksratgeber. Und die ewige Wiederholung liegt so sehr neben meinen pers&#246;nlichen Bed&#252;rfnissen wie die 20 Rucks&#228;cke, die mir Amazon jetzt immer vorschl&#228;gt, weil ich da dummerweise mal einen gekauft habe. Amazon denkt: Dem Mann kann geholfen werden, er steht offenbar auf Rucks&#228;cke. Und ich frage mich: Meinen Rucksack habe ich jetzt doch schon. Welchen Teil von Kundenbetreuung versteht ihr denn nicht?</p>
<p>Es f&#228;ngt ja auch schon ganz falsch an. In erster Linie treffen wir an diesen Orten nicht auf Bildkonsumenten, sondern auf Leute, die selbst auf der Suche nach einem Publikum sind. „Tolle Bilder, weiter so, schau auch mal bei mir vorbei.“ Was schert es mich denn, ob mein Gegen&#252;ber meine Bilder auch mag, nur weil ich seine toll finde? </p>
<p>Inspiration funktioniert doch selten so direkt auf beiden Seiten. Aber der Kleinbildz&#252;chter investiert sehr viel Zeit und deshalb fordert er diese Leistung Quid pro Quo zur&#252;ck. Die Auszeichnungen, die vergeben werden (die Galeriesternchen bei FC und View, die Blink-Awards bei Flickr, das Rating bei 500px), sind in der Regel eher Flei&#223;punkte, die aufzeigen, wieviel Zeit bereits im jeweiligen System verbracht &#8211; verschwendet &#8211; wurde. Und die Mehrheit honoriert das Gewohnte und Altbekannte. Inspirierendes finde ich dort nur in Einzelf&#228;llen, es kommt meist von au&#223;erhalb dieser Systeme. </p>
<p>Die meisten Menschen, die ich kenne, haben sich nach ihrem Weg durch die Community von ihr wieder emanzipiert, sie fallen quasi oben wieder heraus, wenn sich der Zweck f&#252;r sie erf&#252;llt hat. Egal, ob das Selbstfindung war, fotografische Anerkennung oder einfach Kontakt zu Leuten.</p>
<p>Irgendwann haben sie ihren Weg gefunden, das Studium beendet und einen Vollzeitjob angetreten, sie haben sich verliebt und verheiratet. Die Priorit&#228;ten &#228;ndern sich. Und dann sind sie weg, schauen in die alte Umgebung immer seltener, weil im Job auch nicht mehr so viel Zeit bleibt wie damals im Studium. </p>
<p>Und du hast Recht: Zu Anfang nimmt man eher und sp&#228;ter gibt man dann zur&#252;ck. Aber irgendwann ist auch damit Schluss, weil das Ungleichgewicht von Geben und Nehmen immer gr&#246;&#223;er wird. &#220;ber Jahre gleichbleibend pr&#228;sent in Communities bleiben in meinen Augen in erster Linie nur Leute, die etwas davon haben, weil sie hier irgendeine Dienstleistung anbieten:</p>
<p>Der Workshopfotograf, der Kurse leitet oder How-To-B&#252;cher an den Mann bringt; der Erotikfotograf, der immer neue Nackedeis f&#252;r seine Paysites akquiriert; der Beautyfotograf auf der Suche nach bezahlten Auftr&#228;gen; das Hobbymodel, das sich das Studium finanziert – quasi die Serviceindustrie am Rande. </p>
<p>Die Anf&#228;nger schauen zu ihnen auf, weil sie hoffen, etwas von ihnen zu lernen, aber fotografisch gesehen sind sie nicht die Meister – diese sind meist irgendwann ganz weg aus dem System, weil sie noch mehr suchen als sie dort bekommen k&#246;nnen. </p>
<p><strong>Sind Facebook und Co. nicht eher ein Abbild unseres momentanen Gesellschaftssystems, in dem lieber genommen als gegeben wird?</strong></p>
<p>Ich glaube nicht. F&#252;r mich geht der Trend woanders hin. Foodsharing, die Umverteilung von G&#252;tern, Organisation von Hilfen und die Verbreitung alternativen Gedankenguts – in den neuen Medien wird das uneigenn&#252;tzige Teilen derzeit sehr gro&#223;geschrieben. Ich denke, wir lernen langsam, die ganze Vernetzung konstruktiver zu nutzen. </p>
<p>Zusammen mit einer „Generation Y“, die nicht mehr blind in irgendeine Arbeitsmaschine eingespannt werden will, sondern den Sinn der Sachen hinterfragt und Karmapunkte vergibt. Ich finde den Optimismus toll, der damit verbunden ist. Man muss sich den aber auch leisten k&#246;nnen. </p>
<p>Viele gro&#223;artige Fotografen, die ich kenne, sind noch am Anfang. Sie machen tolle Sachen, haben aber noch nicht raus, was es bedeutet, daraus wirklich &#252;ber viele Jahre einen lukrativen Job zu machen und die wenigsten werden diesen Beruf ergreifen. </p>
<p>Selbst erfahrene Fotografen wissen ja gar nicht genau, was die Zukunft bringen wird, so schnell ver&#228;ndert sich alles. Wir m&#252;ssen auch alle jeden Monat unsere Miete zahlen und diese Kosten entwickeln sich zumindest in Hamburg gerad krass anders im Vergleich zu unseren Honoraren. </p>
<p>Ich bin also gespannt darauf, wie sich unser Arbeitsmarkt neu strukturiert und welche M&#246;glichkeiten f&#252;r die Zukunft daraus entstehen. Wenn ich mich umschaue, geht es vielen lange nicht mehr so gut wie noch vor einigen Jahren. Wenn sogar der <a href="http://blog.paulripke.de/paule-ist-pleite/" target="_blank">Paul Ripke</a> gerade pleite ist.</p>
<p>Am Ende muss jeder sehen, wo er oder sie bleibt. Ich wurde ja allen Ernstes letztens auf einer Ausstellung gefragt, ob ich denn von meinen Fotos leben k&#246;nne. Da musste ich wirklich herzlich lachen. </p>
<p>Aber zur&#252;ck zur Frage: Ich denke, Facebook erzieht uns heimlich Verhaltensweisen an, die wir bewusst hinterfragen sollten. Wir kamen da an, um uns als Menschen auszutauschen und inspirieren zu lassen. Leider haben wir als Fotoschaffende auch Dinge, die wir an den Mann und die Frau bringen wollen und so verschwimmen die Grenzen zwischen den Menschen und ihren Produkten immer mehr. </p>
<p>Facebook treibt damit leider sehr konsequent Schindluder. Es erlaubt sich die Frechheit, mir nur noch ausgew&#228;hlte Beitr&#228;ge meiner Kontakte zu zeigen und haut mir stattdessen Werbeposts dazwischen. Da kommt also &#246;fter mal nicht die Sendung, die ich eigentlich eingeschaltet habe, stattdessen l&#228;uft Home-Shopping. </p>
<p>Das Neue daran ist, dass Facebook mir personalisierte Werbung zeigen kann. Die wissen ja, dass ich Fotograf bin, also bekomme ich im Wechsel Bildverschlimmerungssoftware, Wald-und-Wiesen-Hochzeitsfotografie und Erotik-Anf&#228;ngerworkshops angeboten. Eine sch&#246;ne neue Welt ist das. </p>
<p>Und was soll man laut Facebook tun, um nicht unterzugehen? F&#252;r Reichweite bezahlen. Oder selbst mehr posten. Wenn Du mehr teilst, wirst Du mit gr&#246;&#223;erer Verbreitung belohnt. Das ist nat&#252;rlich totaler Quatsch, kann aber eine Zeit lang durchaus s&#252;chtig machen.</p>
<p>Mir wurde von einem Typen erz&#228;hlt, der noch schnell Hunderte von Like-Vorschl&#228;gen annehmen musste, die Facebook ihm anbot. Auf die Frage „Warum?“ meinte er: „Ich muss das machen, sonst schl&#228;gt mir Facebook ja nicht mehr so viel vor.“</p>
<p>Facebook macht komische Dinge mit uns, es erzieht uns zu Spammern nach dem Gie&#223;kannen-Prinzip, wie im Direktmarketing: M&#246;glichst breit streuen, damit irgendwo etwas h&#228;ngenbleibt. Das Abstruse ist, dass sich die Menschen dabei immer noch als gebend wahrnehmen. Kommunikation wird ad absurdum gef&#252;hrt.</p>
<p>Und das Freundekonzept von Facebook ist doch auch grotesk, wenn man mal dr&#252;ber nachdenkt. Weil sich niemand schutzlos ausliefern mag, verschanzen sich alle hinter der ersten Schwelle der Befreundung, aber sobald man &#252;ber zwei Ecken miteinander verbandelt ist, steht das ganze Ding offen wie ein Scheunentor. </p>
<p>Weil Facebook in Wirklichkeit kein Interesse an Privatsph&#228;re hat, sondern daran, dass m&#246;glichst viel geteilt wird. Wer f&#252;nfzig Freunde hat, merkt davon noch nicht viel, aber mit achthundert Freunden aus verschiedensten Kreisen wird die Freundeslisten-B&#252;rokratie undurchschaubar. Sind die Freunde von Freunden automatisch die Freunde von allen? In den seltensten F&#228;llen.</p>
<p>Ich h&#228;tte einige Funktionen wirklich gern ausgeschaltet wie z.B. diesen Kasten oben rechts, diesen Liveticker der Freundesaktivit&#228;ten, der zum schnellen Reingr&#228;tschen in anderer Leute Gespr&#228;che ermuntert. Jede Aktion von mir zog immer ein Rinnsal von Likes und Kommies der Facebook-Poweruser nach sich. Wie ein Rudel inkontinenter kleiner Hunde, die &#252;berall nochmal draufpischern m&#252;ssen, um zu beweisen, dass sie auch dabei sind. </p>
<p>Diese redundante Selbstvermarktung auf Autopilot geht mir voll auf den Keks. Ist das noch Kommunikation? Bei Facebook automatisch retweeten lassen, dass man es auf die Startseite der FC geschafft hat? Oder an einem Tag 30 Mal ein Posting geteilt bekommen, weil das die Bedingung daf&#252;r ist, ein romantisches Beautyshooting im Wert von 75 € zu gewinnen? </p>
<p>Dieses Mitmach-Web wird uns eingeimpft, denn die Beliebtheit der Beitr&#228;ge ergibt sich aus den Responsen und die bewirken eine sofortige Optimierung. Schlaue Unternehmer formulieren ihre Facebook-Teaser jetzt immer mit „Und was meinst Du dazu?“ Ob die unsere Meinung wirklich interessiert?</p>
<p>Ich musste wirklich etwas lachen, als letztens ein kwerfeldein-Bericht &#252;ber Vintage-Fotografie mit so einem „Probier&#8217;s doch auch einmal!“-Mitmachsatz endete. </p>
<p>Nat&#252;rlich betreibt auch kwerfeldein dieses „Participation Web“ mit und f&#252;r das Publikum, in dem die Grenzen zwischen Interviewbeitr&#228;gen, ausgew&#228;hltem Kuratieren und Feedback-Content verschwimmen. Oft ist nicht mehr klar zu erkennen, ob der Artikel der Sinn der Sache ist oder ob&#8217;s eigentlich eher um den Kommentar-Rattenschwanz geht, wie er beispielsweise etwas vorhersehbar auf Martins <a href="http://kwerfeldein.de/2013/01/09/pervers/">Pervers-Artikel</a> folgte. </p>
<p>Das macht mich jetzt nat&#252;rlich etwas gespannt auf die Kommentare zu diesem Interview. Ich werde sie alle lesen, ich schw&#246;r&#8217;s. Und Ihr m&#252;sst mich auch nicht liken.</p>
<p>Gl&#252;cklicherweise l&#228;sst sich jetzt auch auf Facebook der Trend zur Selbstreinigung erkennen. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=z65jlY4e908" target="_blank">Scott Kelby</a> spricht sich „F&#252;r das Signal und gegen das Rauschen“ aus. </p>
<p>Und Jeriko hat sich in seinem neuen Interviewkonzept komplett gegen eine Feedback-Funktion entschieden. Das finde ich gut. Wir haben doch eh genug Mitteilungsm&#246;glichkeiten untereinander. Warum mir Leute auf sechs verschiedenen Plattformen dieselben Sachen unter die Bilder schreiben, habe ich eh nie verstanden &#8211; au&#223;er unter dem Aspekt der Selbstvermarktung.</p>
<p>Facebook hat durch das F&#246;rdern dieser nervigen Mechanismen bei mir genau das Gegenteil seiner Bem&#252;hungen erreicht. Ich nutze es gar nicht mehr privat, ich teile nur noch &#246;ffentlich und f&#252;r alle gleich. Meine private Kommunikation ist komplett zum direkten Kontakt ohne Mitlesen und Gruppenkuscheln zur&#252;ckgekehrt. </p>
<p>Ich finde es sehr angenehm, jemandem zu schreiben, wenn ich an ihn denke und nicht, weil er sich mir dauernd aufdr&#228;ngt. Mir fiel dazu gerade ein sch&#246;nes Zitat in die H&#228;nde: „Don’t strive to make your presence noticed, just make your absence felt.“</p>
<p><strong>Networking wird heute ganz gro&#223; geschrieben, Du hast das vorhin schon so sch&#246;n in Bezug auf die Kreativen bei Facebook und Co. angesprochen. Da kennt sich jeder &#252;ber irgendeine Ecke und jeder hat &#252;ber den anderen etwas zu berichten. Das kann Vorteil als auch Nachteil sein. Wie schafft man da die Balance zwischen dem eigenen Schaffen und der Vermarktung, ohne peinlich oder gar grotesk zu wirken? </strong></p>
<p>Ich denke, wir haben im Laufe unseres Onlinelebens verschiedene Strategien, die wir ausprobieren, bis wir gl&#252;cklich werden. Ich habe eine wirklich lange Zeit damit verbracht, die sehr chaotisch war. Das Fazit aus allem ist zum Schluss bestimmt so etwas ganz Banales wie: „Be who you are and say what you feel because those who mind don&#8217;t matter and those who matter don&#8217;t mind.“ Man muss sich einlassen k&#246;nnen, aber auch abgrenzen. Meine Devise ist: „Man muss jeden nehmen, wie er ist. Aber man muss nicht jeden nehmen.“</p>
<p>Prinzipiell denke ich, man darf keine Angst davor haben, sich auch mal richtig unbeliebt zu machen und sehr vielen Leute nicht zu gefallen, solange man sich treu bleibt und die anderen dabei wahrnimmt. Es gibt sicher sehr viele Menschen da drau&#223;en, denen ich es &#252;berhaupt nie rechtmachen k&#246;nnte. Aber das ist auch nicht mein Job. Und gerade wenn Du mal wieder denkst, Du sabbelst Dich um Kopf und Kragen, kommt einer um die Ecke, dem genau das, was Du sagst, viel bedeutet. W&#228;hrend Dich der Rest der Welt total doof findet. </p>
<p>So ist das halt mit der Meinungsfreiheit. Aber so einfach es klingt, so schwierig ist das am Anfang umzusetzen. Du kennst weder Deine Bed&#252;rfnisse noch Deine St&#228;rken und bist h&#246;flich, weil Du es Dir nicht mit allen versauen willst. Aber die Grenze zwischen H&#246;flichkeit und Unehrlichkeit ist flie&#223;end. </p>
<p>Manchmal kommen ganz komische Verrenkungen heraus, die Du im Nachhinein als l&#228;cherlich unehrlich empfindest. Aber das ist ja menschlich. Wirklich grotesk wird es nur, wenn man sein F&#228;hnchen immer nach dem Wind h&#228;ngt und keine eigenen Grunds&#228;tze vertritt. Weil man dann diffus und nicht fassbar bleibt. Wenn Du Dich selbst kennst, kannst Du Dich anderen gegen&#252;ber auch konsistent verhalten.</p>
<p>Am besten lernst Du Dich selbst kennen, wenn sich Deine &#228;u&#223;eren Umst&#228;nde radikal ver&#228;ndern. Wenn Du aus dem Studium kommst und in einen Job gehst. Wenn es Dir erst blendend geht und dann total dreckig oder anders herum. </p>
<p>2011 gab es bei mir wohl die gr&#246;&#223;te Ver&#228;nderung, als ich quasi aufh&#246;ren musste zu fotografieren. Das war eine gute Gelegenheit, ein paar Mechanismen klarer zu sehen, weil ich nicht mehr so in diesem Trott drin war, den ich dann bei anderen befremdlich fand. Mein Umgang mit Facebook hat sich in dieser Zeit sehr ver&#228;ndert, weil diese Community so rapide wuchs und sich dabei insgesamt in eine Richtung entwickelte, die mir nicht behagte.</p>
<p>Facebook will das Netzwerk des Lebens sein, also sitzen da alle wild durcheinander in einem Topf – Klassenkameraden, Arbeitskollegen, Fotografen, Modelle, aber auch Firmen, Museen, Ausstellungsr&#228;ume, Zeitungen, Medien und Magazine. So &#252;berschneiden sich viele Kreise, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben. </p>
<p>Und nicht einmal erkl&#228;rte Interessensgruppen sind kompatibel. Wenn ich sage, dass mich die meisten Fotografen &#252;berhaupt nicht tangieren, wird das gern als Arroganz gewertet, aber ich denke, es ist wichtig, das zu realisieren. Mit den meisten habe ich wirklich h&#246;chstens gemeinsam, dass wir Kameras benutzen. </p>
<p>Ich habe keine Assistenzstellen und Fotojobs zu vergeben, teile mir kein Studio und gebe keine Workshops. Ich kaufe mir nicht andauernd neue Kameras und Equipment, tauge also weder als Kunde noch als Test-Autorit&#228;t. Und man landet bei mir auch nicht, um eine lukrative Modellkarriere zu starten oder Personen empfohlen zu bekommen, denn ich arbeite gar nicht mit »Models«. Unter Facebook-Fotografen bin ich also gar nicht netzwerktauglich. Ich kann da nur meine Bilder zeigen und die von anderen anschauen. </p>
<p>Mein Netzwerk besteht eher aus Leuten, die &#228;hnlich unterwegs sind wie ich. Die ich verstehe und die mich verstehen. Die auch kreativ arbeiten, Ausstellungen machen, Kunst schaffen. Oder die auf Schulen gehen, um das zu lernen. Und aus den Leuten, f&#252;r die die Kunst gemacht wird, die sie anschauen und genie&#223;en. Die sich Bilder von mir ins Zimmer h&#228;ngen, die selbst ausstellen wollen, die begeistert sind und Artikel schreiben, um Kunst vorzustellen und zu verbreiten. </p>
<p>Viele von ihnen kenne ich bisher nur virtuell, einige habe ich gerade pers&#246;nlich auf meiner Ausstellung in Dresden kennengelernt. Ich bin begeistert, wie viele Leute bei der ganzen Vorbereitung und der Durchf&#252;hrung mitgeholfen haben. So konnten wir etwas auf die Beine stellen, das einer allein gar nicht schaffen w&#252;rde. Das verbindet. Das gef&#228;llt mir wirklich.</p>
<p><strong>Die eigene Kreativit&#228;t wird durch die M&#246;glichkeiten des Internets auf eine harte Probe gestellt. Jeder kann sich am anderen bedienen. Und man muss sich selbst oft genug fragen, wo der eigene Weg eigentlich hingeht, um nicht selbst Opfer des st&#228;ndigen Outputs anderer zu werden.</strong></p>
<p>Auf uns prasseln t&#228;glich tausend Einfl&#252;sse gleichzeitig ein. Wir m&#252;ssen ihre Bedeutung f&#252;r uns richtig einordnen, damit es Sinn macht. Was ist Lob, was ist Kritik? Was ist wichtig und was nicht? Was gibt Dir und was zieht nur Kraft? </p>
<p>Als mir im ersten Semester der Prof in mein Bild hineingemalt hat, war ich schockiert, dass er mein wunderbares Kunstwerk nicht respektiert. Irgendwann wurden wir etwas cooler damit, konnten unser K&#246;nnen und die Rolle des Profs besser einsch&#228;tzen und waren schlie&#223;lich sogar dankbar, wenn wir von ihm wertvolle Impulse bekamen. </p>
<p>Aber damals auf der Schule waren die Rollen auch sehr klar verteilt. Auf der einen Seite gab es die Profs, Mentoren, Autorit&#228;ten. Und dann gab es uns Sch&#252;ler, die langsam lernten, was sie selbst der Welt zu geben hatten. Und im Laufe der Jahre wurden wir irgendwann selbst zu Lehrern.</p>
<p>Im Internet gehen alle diese Rollen komplett durcheinander. Wenn Du Anf&#228;nger bist und Deinen Weg suchst, suchst Du vergeblich Klarheit, St&#228;rke und Anleitung. Und Du bist links und rechts von Leuten umgeben, die alle selbst etwas wollen und sich genauso wie Du einfach nur durchwurschteln. </p>
<p>Du musst andauernd entscheiden, ob Du es noch annimmst, was Dir die Leute am Zeug flicken oder ob Du es schon als Mumpitz diskreditieren und total dr&#252;ber stehen kannst. Das ist anstrengend, weil man kontinuierlich von anderen inspiriert und beeinflusst werden will, auf der anderen Seite aber immer sein eigenes Zeug verteidigen muss. So wollen wir in diesem Netz alle halbwegs Freunde sein, sind dabei aber st&#228;ndig unter Beobachtung und gleichzeitig irgendwie auch Konkurrenten. </p>
<p>Und je mehr wir uns austauschen, desto austauschbarer wird alles. Und k&#252;nstlerisch suchen wir eigentlich gar keine &#220;bereinstimmung, sondern unsere eigene Einzigartigkeit. Das ganze Ding ist schrecklich verwirrend. </p>
<p>Die Menschen sind Konsumenten, Produzenten, Sch&#252;ler, Lehrer, Arbeitgeber und -nehmer zugleich und jeder versucht zu bekommen, was er braucht und dabei einigerma&#223;en gut wegzukommen. Lernen findet nicht mehr linear statt, sondern allgegenw&#228;rtig. Output = Input = Output. Wie findet man da durch? Um zu erkennen, ob eine Beeinflussung gut oder schlecht ist, gibt es eine sehr einfache Faustformel: Wenn Du Dir etwas holst, ist es Inspiration. Wenn sich die anderen etwas holen, ist es Plagiarismus.</p>
<p>Du kannst nat&#252;rlich nicht ernsthaft erwarten, von anderen inspiriert zu werden, ohne Deinem Publikum das Gleiche zu <a href="http://www.everythingisaremix.info/watch-the-series/" target="_blank">erlauben</a>. </p>
<p>Um aus diesem Widerspruch heil herauszukommen, solltest Du den anderen zur Sicherheit immer ein paar Schritte voraus sein. <em>Lacht</em> Aber was k&#246;nnen wir im Internet lernen und was nicht?</p>
<p>Die Technik des Fotografierens kannst Du Dir besorgen, Du kannst Dir in der Community Feedback zu Deinen Bildern holen und so Grundlagen der Komposition und Bildkonzepte begreifen und Du kannst haufenweise Modelle akquirieren und viele Jahre vor Dich hin fotografieren, aber ohne fachliche Anleitung kannst Du auch komplett am Sinn der Sache und an Dir selbst verzweifeln, wenn Du immer nur hirnlos Bildideen kopierst, nur weil das Shareweb mal wieder „Mitmachen!“ gerufen hat. </p>
<p>Welche Sch&#246;pfungsh&#246;he kann etwas denn haben, wenn es dazu schon ein Youtube-Tutorial gibt? Wer soll bei dem Gewimmel schon durchsteigen? Lehrgeld zahlen wir alle, bis uns wirklich keiner mehr viel vormacht. </p>
<p>Die verbreitete W&#228;hrung im Internet ist Erfahrung. Wir h&#246;ren gern auf Leute, wenn wir zu ihnen aufschauen, es gibt auch Respekt f&#252;r die, mit denen wir uns auf einer H&#246;he vermuten und auf die anderen schauen wir tendenziell eher hinunter. </p>
<p>Ich fand&#8217;s immer etwas skurril, wenn eine Fotografin bei mir prahlte, dass sie jetzt gutes Geld macht und es endlich nicht mehr n&#246;tig hat, for free zu arbeiten, w&#228;hrend sie sich von mir selbstredend ohne Bezahlung fotografieren lie&#223;. </p>
<p>Oder wenn einer, der gerade einmal seit sechs Monaten knipste, pl&#246;tzlich f&#252;r horrende Summen Fine-Art-Workshops anbot. Das f&#252;hlte sich f&#252;r mich irgendwie nicht stimmig an und dann kam es mir manchmal so vor, als sei das Internet nur eine gro&#223;e Firma: Nach oben schleimen und nach unten treten. Ein <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-87818583.html" target="_blank">Spiegel-Artikel</a>* &#252;ber Facebook schloss mit der sch&#246;nen Formulierung: „Von der Gemeinschaft bleibt nur noch das Gemeine &#252;brig.“</p>
<p>Martin Sonneborn w&#252;rde ja sagen: Das regelt der Markt. Aber wonach streben wir eigentlich? Haben wir von vornherein eine Vision oder strampeln wir nur solange diffus herum, bis es kommerziell halbwegs erfolgreich wird und entspannen uns dann ein bisschen? Wo ist das Ziel?</p>
<p>Wie k&#246;nnen wir das Ziel formulieren, worin liegt denn unser pers&#246;nlicher Erfolg? Vor allem als K&#252;nstler ist das zeitweise schwierig festzumachen. Sven Regener beantwortete das so: „Der k&#252;nstlerische Erfolg ist nicht messbar, den musst Du selber postulieren. Du musst sagen: Dieses Buch ist mir gelungen. Aus die <a href="http://www.3sat.de/mediathek/index.php?display=1&#038;mode=play&#038;obj=35272" target="_blank">Maus</a>.“ Ein Publikum kommt da als Instanz h&#246;chstens ganz am Rande vor.</p>
<p>Ich denke, diesen Werdegang macht jeder f&#252;r sich durch, mit tempor&#228;rer Selbstunter- und -&#252;bersch&#228;tzung, mit eigenen Lernkurven und pers&#246;nlichen Leidenswegen, bis irgendwann der strahlende Moment kommt, in dem Du Dich „fertig“ f&#252;hlst. </p>
<p>Ich wei&#223; noch ziemlich genau, dass ich zu meiner ersten Ausstellung fast gezwungen werden musste. Ich hielt mich damals noch nicht f&#252;r bereit. Aber wenn Du soweit bist, merkst Du es. Irgendwann f&#252;hlte ich, dass es genug ist mit studieren. Ich hatte, was ich brauchte, um allein weiterzumachen. Ich hatte meine Stimme gefunden. Das ist ja die wichtigste Frage, die Du Dir beantworten kannst: WARUM fotografiere ich eigentlich? Wenn Du das beantwortet hast, teilen sich Deine Bilder pl&#246;tzlich in sehr wichtige, eher unwichtige und total &#252;berfl&#252;ssige. Weil Du wei&#223;t, was Du zu tun hast.</p>
<p>Das ist nat&#252;rlich von mir jetzt sehr leicht dahingesagt und das ist eh die T&#252;cke beim Erfahrungen sammeln: Andere k&#246;nnen einem dabei kaum helfen. Ich habe f&#252;r mich pers&#246;nlich etwas gefunden; bei anderen wird es ganz anders sein. Aber es gibt Autorit&#228;ten, die Deine Arbeit begleiten k&#246;nnen, die Dir profunde Tipps mit auf den Weg geben, was Du Dir anschauen solltest oder in welche Richtung Du gehen kannst. Im Studium wird diese Funktion von Professoren wahrgenommen. Sie sind erfahren und unparteiisch und vor allem ist es ihre Aufgabe, sich mit Dir zu besch&#228;ftigen, Dich zu beraten und anzuleiten. </p>
<p>Vom Internet kann man das nicht verlangen, hier kommt diese Rolle tendenziell zu kurz, denn jeder vertritt in erster Linie seine eigenen Belange. Kuratieren wird da nur gegen Geld angeboten, Wettbewerbe kosten Mitmachgeb&#252;hren und Awards und Vanity-Galerien warten eigentlich auch nur auf Dich, um Deine Brieftasche zu erleichtern. </p>
<p>Die Bedeutung dieser ganzen Dinge ist unklar und es ist nicht einfach, da durchzufinden. Heute verbringt jedes Fotokind schon mit 16 vom ersten Tag an mindestens so viel Zeit mit Selbstvermarktung wie mit der Arbeit an seinem Œuvre und der Kram h&#228;ngt schon &#246;ffentlich an der Wand, bevor &#252;berhaupt klar ist, was er bedeuten soll. </p>
<p>Sich bei all dem Blingbling selbst zu finden, stelle ich mir sehr anstrengend vor. Ich habe den Eindruck, ich hatte im Studium und in der Laufbahn etwas mehr Zeit, die eigene Position und die Bedeutung der Dinge zu erkennen, ohne jeden Fitzel gleich vor der ganzen Welt rechtfertigen zu m&#252;ssen.</p>
<p>Ich denke, was ich in Bildern suche, hatte ich im Groben schon gefunden, bevor ich mich dem Internet stellte. Das empfinde ich im Nachhinein als sehr g&#252;nstig. Und auch, wenn ich das Internet zur Pr&#228;sentation nutze, findet das Kreative ganz woanders statt. Ich finde es wichtig, diese beiden Prozesse komplett zu trennen, so kann ich dem Internet dann etwas zeigen, was es noch nicht kennt.</p>
<p>Aber die ganzen Begegnungen mit den Menschen, auch im Internet, haben zu meinen Bildern beigetragen. Es ist sch&#246;n, diesen Einfluss &#252;berall zu sp&#252;ren. Und ich bin allen sehr dankbar, die direkt oder indirekt dabei mitgemacht haben.</p>
<p>~</p>
<p><em>Wer sehen m&#246;chte, was R&#252;diger Beckmann an die Wand bringt, der sollte sich morgen schleunigst auf den Weg nach Dresden machen und ihm die Hand sch&#252;tteln. Finissage zu „Beyond Vanity – Jenseits von Eitelkeit“ &#8211; eine Ausstellung zu seinem Buch am Freitag, den <strong>26. April 2013</strong> bei Adam Ziege, Louisenstra&#223;e 87 – 01099 Dresden.</em></p>
<p></p>
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		<title>Die stille Stadt</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Apr 2013 05:36:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marit Beer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Thomas Graichen</strong></p>Dieses Interview ruht seit Ende November in meiner Manteltasche. Nun finde ich die Zeit, das Gespr&#228;ch aufzuschreiben und f&#252;hle mich just in dem Moment wieder an diesen Ort, mit all seinen Ger&#228;uschen und Ger&#252;chen, zur&#252;ckversetzt. Wir befinden uns in Berlin, es ist noch Herbst. Die Gehwege sind leergefegt und ich eile zum Treffpunkt, einem Cafe [...]<p></p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Thomas Graichen</strong></p><p><strong>Dieses Interview ruht seit Ende November in meiner Manteltasche. Nun finde ich die Zeit, das Gespr&#228;ch aufzuschreiben und f&#252;hle mich just in dem Moment wieder an diesen Ort, mit all seinen Ger&#228;uschen und Ger&#252;chen, zur&#252;ckversetzt.</strong></p>
<p>Wir befinden uns in Berlin, es ist noch Herbst. Die Gehwege sind leergefegt und ich eile zum Treffpunkt, einem Cafe in Friedrichshain. Extra f&#252;r diesen Termin habe ich mir ein Diktierger&#228;t gekauft. Ich treffe Thomas Graichen, Fotograf, und Ann-Christin Kumm, Geschichtenerz&#228;hlerin. </p>
<p>Im Café ist noch keiner der beiden. Ich w&#228;hle den Platz nahe der T&#252;r. Ich habe vor mir ein kleines helles Buch mit dem Titel <a href="http://www.thomasgraichen.net/die-stille-stadt/" target="_blank">„Die stille Stadt“</a> liegen, das ich nun schon in- und auswendig kenne. </p>
<p>Immer wieder sp&#228;he ich zur T&#252;r. </p>
<p>Und da kommen sie, vielleicht zwei bis vier Teeschlucke voneinander entfernt, durch die T&#252;r gestolpert. Erst Ann-Christin, mit Regentropfen im Haar und dann Thomas. Nach einer herzlichen Begr&#252;&#223;ung, Lachen und Aufw&#228;rmen an der Heizung stelle ich die erste Frage.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/stille-stadt-02.jpg" rel="lightbox[49445]"><img title="stille-stadt-02"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/stille-stadt-02-650x433.jpg" alt="stille-stadt-02" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-57430" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small;">aus: Die stille Stadt</span></p>
<p><strong>Ihr habt zusammen das Buch „Die stille Stadt“ herausgebracht, mit Bildern von Dir, Thomas, und drei Kurzgeschichten von Dir, Ann-Christin. Wie kam es zur Zusammenarbeit?</strong></p>
<p><em>Ann-Christin:</em> Es begann mit einem Gespr&#228;ch &#252;ber die Selbstzweifel der kunstschaffenden Menschen. Wir redeten dar&#252;ber, dass man so seine Zweifel hat und ob das, was man macht, eigentlich Sinn ergibt. Und ob man das der &#214;ffentlichkeit preisgeben m&#246;chte. Thomas fragte: „Darf ich das mal sehen oder h&#246;ren, was Du schreibst?“</p>
<p><em>Thomas:</em> Du bist dann vorbeigekommen, hast einen Stapel Zettel dabei gehabt und ich war der Zuh&#246;rer.</p>
<p><em>Ann-Christin:</em> Und Thomas&#8217; Idee war, meine Geschichten mit seinen Fotografien zu kombinieren.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/stille-stadt-03.jpg" rel="lightbox[49445]"><img title="stille-stadt-03"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/stille-stadt-03-650x433.jpg" alt="stille-stadt-03" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-57432" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small;">aus: Die stille Stadt</span></p>
<p><strong>Und Thomas, Du wusstest schon, welche Fotos Du daf&#252;r ausw&#228;hlen w&#252;rdest?</strong></p>
<p><em>Thomas:</em> Ja, ich hatte sie im Hinterkopf. Sie sind im langen, kalten und schneereichen Winter 2010/2011 entstanden. In den Kurzgeschichten war etwas, von dem ich dachte, es k&#246;nnte passen. Es war sehr stimmungsvoll und ich hatte die Idee, weil die Geschichten und Bilder sich nicht explizit gegenseitig illustrieren, dass die Bilder damit eine Art Kulisse bilden und einen Raum schaffen, in dem die Geschichten leben k&#246;nnten.</p>
<p><em>Ann-Christin:</em> Ich wollte allerdings keine schon bereits existierenden Texte verwenden, sondern es sollten eigene Geschichten sein, die in der stillen Stadt verortet sind, aber wiederum v&#246;llig eigenst&#228;ndig existieren.</p>
<p>Die erste Geschichte, die fertig war, war das Vogelm&#228;dchen. Ab dann wusste ich, in welche Richtung es gehen wird. </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/stille-stadt-01.jpg" rel="lightbox[49445]"><img title="stille-stadt-01"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/stille-stadt-01-650x433.jpg" alt="stille-stadt-01" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-57439" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small;">aus: Die stille Stadt</span></p>
<p><strong>Wie habt Ihr die Bilder und Geschichten dann zusammen gebracht, so dass sie miteinander funktionieren?</strong></p>
<p><em>Thomas:</em> Die Bilder existierten schon und da es ein herausragender Winter war, konnte ich danach nicht einfach weitermachen. Es gab diese Stimmung nicht mehr. Ich hatte die Bilder Ann-Christin in der Anfangsphase gezeigt und fand es gut, es sich so von da an selbst entwickeln zu lassen. Ich fand es sch&#246;n, dass die Texte eigenst&#228;ndig waren und eine sanfte Verbindung zu den Bildern existierte. Das war auch meine Idee: Es eher lose zu koppeln.</p>
<p><em>Ann-Christin:</em> Ich habe die Bildauswahl abgegeben. Habe gesagt: „Du bist der Fotograf, Du entscheidest das.“ Wir haben dann nur hin- und hergemailt und ich habe meine Meinung kund getan, wo die ausgew&#228;hlten Bilder dann letztendlich stehen sollen. Uns war klar, dass es eben keine Illustration sein soll.</p>
<p><em>Thomas:</em> Peter Gebert, der f&#252;r das Layout des Buches verantwortlich ist, hat dabei dann auch noch einige Ideen im Bezug auf das Zusammenspiel von Bildern und Texten mit eingebracht, die wir gemeinsam diskutiert und zum Teil auch &#252;bernommen haben.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/paradies-02.jpg" rel="lightbox[49445]"><img title="paradies-02"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/paradies-02-650x650.jpg" alt="paradies-02" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-57436" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small;">aus der Serie: entrance to paradise</span></p>
<p><strong>Fotos k&#246;nnen Geschichten erz&#228;hlen, Geschichten erzeugen Bilder &#8230;</strong></p>
<p><em>Ann-Christin:</em> Mir fiel auch auf, dass Fotografie und Kurzgeschichten viel gemeinsam haben, weil sie beide einen Moment festhalten, nicht wie bei einem Roman, in dem eine lange Handlung entwickelt wird. </p>
<p>Ein Bild oder eine Kurzgeschichte, das ist ein v&#246;llig subjektiver Blickwinkel: Kommt jetzt die Laterne mit ins Bild, kommt der Satz rein oder nicht, was gebe ich von meinen Figuren preis und was nicht? Und jeder kann etwas ganz anderes wahrnehmen. Deswegen passt das auch so gut zusammen.</p>
<blockquote><p>„Ich gehe zu Fu&#223;, mit knirschenden Schritten, ich mag die Jahreszeit. Ich mag es, wenn alles zugedeckt ist. Das hat sie nie verstehen wollen. Ich will deine Verstecktheiten nicht, sagte sie. Schrie sie. Warum sagst du nicht einfach, was in dir vorgeht. Einfach, dachte ich. Wenn &#252;berhaupt ein Wort nicht auf uns zutrifft, dann: Einfach.</p></blockquote>
<p><span style="color: #888; font-size: small;">aus: Die stille Stadt, Ann-Christin-Kumm</span></p>
<p><strong>Die stille Seite der Stadt &#8230;</strong></p>
<p><em>Ann-Christin:</em> Die Bilder von Thomas haben etwas tief Einsames, Verlassenes. Die Bilder sind menschenlos.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/paradies-03.jpg" rel="lightbox[49445]"><img title="paradies-03"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/paradies-03-650x650.jpg" alt="paradies-03" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-57435" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small;">aus der Serie: entrance to paradise</span></p>
<p><em>Thomas:</em> Ja, und das passt ja auch wieder zu den Geschichten. Die Menschen darin sind ja auch verlassen.</p>
<p><em>Ann-Christin:</em> Deswegen finde ich es wichtig, von verlassen zu reden und nicht von leer &#8211; da ist klar, da geht es um Menschen, aber die sind gerade nicht da, sie sind nicht fassbar.</p>
<p>Deswegen passen sie auch so zum &#220;bergang von Winter zu Fr&#252;hling. Man sieht eine verlassene Bushaltestelle und wei&#223;, da kommt gleich ein Bus und Menschen steigen aus; oder man schaut auf einen zugefrorenen See und wei&#223;, wenn der Fr&#252;hling kommt, dann ist die Eisschicht weg.</p>
<p><em>Thomas:</em> Ich versuche ein anderes Bild der Stadt zu finden, die R&#252;ckseite, nicht die spektakul&#228;re, sondern eine sehr stille Seite. Ich gehe sehr viel durch die Stadt und nehme dabei viel wahr. Ich sehe einfach nur und versuche, diese Orte oder Dinge festzuhalten, an denen die Leute in der Hektik des Alltags vor&#252;bergehen.</p>
<p><strong>Hast Du Deine Kamera immer dabei, Thomas?</strong></p>
<p>Ich hab zwar fast immer eine dabei, aber ich benutze sie oft nicht. Ich bin nicht der typische Stra&#223;enfotograf. Ich fotografiere auch sehr wenig, weil ich die meisten Bilder schon gar nicht mehr mache. Wenn ich etwas sehe, sortiere ich schon stark aus, bevor ich den Ausl&#246;ser dr&#252;cke oder eben nicht dr&#252;cke.</p>
<p>Ansonsten nehme ich unterwegs das Mobiltelefon als ein Art Notizbuch f&#252;r Orte, um sp&#228;ter noch einmal wiederzukommen. Das Telefon als Kamera selbst ist f&#252;r mich &#252;brigens kein ad&#228;quates Medium. Ich gehe dann ein andermal gezielt los, muss Zeit haben, in der Stimmung sein, eine Idee haben. Ich brauche meistens sehr lange, bis ich ein erstes Foto mache und wenn ich es gemacht habe, dann komme ich oft in einen Fluss, ergr&#252;nde den Ort St&#252;ck f&#252;r St&#252;ck.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/paradies-01.jpg" rel="lightbox[49445]"><img title="paradies-01"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/paradies-01-650x650.jpg" alt="paradies-01" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-57441" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small;">aus der Serie: entrance to paradise</span></p>
<p><strong>Machst Du das auch so mit Geschichten, Ann-Christin?</strong></p>
<p>Ich &#252;berlege gerade, ob es da eine Verbindung gibt. Ich habe auch ein Notizbuch, in dem ich mir S&#228;tze aufschreibe, die ich vielleicht mal verwenden will. Geschichten bilden immer auch ein St&#252;ck der Wirklichkeit ab, das ist wie bei einem Bild. </p>
<p>Oft denke ich aber, was ich mache ist nicht gut, da schlage ich wieder den Bogen zum Anfang unseres Gespr&#228;chs. Was ich mache, ist schon so oft gemacht worden, dass es nicht den Aufwand wert ist, das &#252;berhaupt zu machen.</p>
<p><strong>Was &#252;berwiegt dann, dass Du es doch machst?</strong></p>
<p>Das Bed&#252;rfnis, etwas zu verarbeiten oder auszudr&#252;cken. So wie Du ein Grundthema hast, Thomas, habe ich ja auch ein Grundthema. Es geht immer um Beziehungen und Kommunikation.</p>
<p>Meine Figuren reden so, wie ich finde, dass sie nicht miteinander reden sollten. Die Geschichten und auch die Figuren sind so lakonisch. Oft isoliert. Sie interagieren mit anderen, sind aber eigentlich isoliert.</p>
<p>Das klingt jetzt so traurig.</p>
<p><em>lacht</em></p>
<p>Ich schreibe gern &#252;ber die Gedankenwelt der Figuren.</p>
<p>Ich habe gar nicht so viel mit Orten zu tun in meinen Geschichten und denke, dass es deswegen so gut mit den Bildern von Thomas zusammenpasst. </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/paradies-04.jpg" rel="lightbox[49445]"><img title="paradies-04"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/paradies-04-650x650.jpg" alt="paradies-04" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-57447" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small;">aus der Serie: entrance to paradise</span></p>
<p><em>Thomas:</em> Mit den Bildern werden die Orte in Deinen Geschichten dann auch konkreter.</p>
<p><em>Ann-Christin:</em> Die Orte werden zwar kurz umrissen. Aber beim Schreiben denke ich dann, das passiert in einem Jugendstilgeb&#228;ude und die Leser und Leserinnen bringen es mit einem Hochhaus in Verbindung. </p>
<p>Ich bleibe daher gerne unkonkret. Ich beschreibe auch meine Figuren nicht so ausf&#252;hrlich.</p>
<p><em>Thomas:</em> Das verbindet uns dann auch wieder. Ich will nicht alles vorgeben. Ich will eigentlich eher den Leuten einen Impuls geben. Dann sollen die sich da selbst reinfinden. Es soll klar eine Richtung vorgegeben sein, aber eben nicht die Antwort. </p>
<p><em>Ann-Christin:</em> Die Rezipienten sollen gef&#228;lligst ihren eigenen Kopf verwenden und nicht nur konsumieren.</p>
<p><strong>Das ist ein sch&#246;ner Satz, den lassen wir jetzt erst einmal wirken.</strong></p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/absence-presence-01-stine.jpg" rel="lightbox[49445]"><img title="absence-presence-01-stine"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/absence-presence-01-stine-650x650.jpg" alt="absence-presence-01-stine" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-57443" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small;">aus der Serie: absence | presence</span></p>
<p><strong>Gibt man mit Worten mehr preis als mit einem Bild?</strong></p>
<p><em>Thomas:</em> Man kann auch in Bildern sehr viel preisgeben.</p>
<p><em>Ann-Christin:</em> Man gibt ja in beiden F&#228;llen einen subjektiven Blick preis. Ich habe auch nicht Angst davor, dass jemand wei&#223;, wer ich bin. Ich habe da eher in die Richtung Angst, dass es schlecht bewertet wird. Eher in die Richtung: Es ist nichts Besonderes. Wie bei Dir, Thomas, wenn Du sagst, Du machst ein Bild nicht, weil es das ja eh schon gibt. Aber irgendwie ist die Motivation doch da, trotzdem was zu machen. Wie ein Musiker, der trotzdem wieder was schreibt obwohl alle Akkorde, die es gibt, schon verarbeitet wurden.</p>
<p><em>Thomas:</em> Ich glaube ja auch, dass die Erstellung des Buches ein neuer Prozess war &#8211; quasi einen Dialog zu haben.</p>
<p><em>Ann-Christin:</em> Ja, und die Balance zu finden, zwischen „es ist ein Gemeinschaftsprojekt“ und „es ist meine Geschichte&#8221;. Ich habe die Zusammenarbeit als sehr konstruktiv gesehen und bin Thomas auch dankbar f&#252;r die Idee, zusammen ein Buch zu machen.</p>
<p><em>Thomas:</em> Wir wollten es im letzten Winter fertig bekommen und es hat nicht geklappt. Aber als es trotzdem ein Jahr sp&#228;ter mit genau der gleichen Energie weiterging, zeigte sich, dass es nicht nur eine fixe Idee war, sondern dass alle drei Beteiligten voll und ganz dabei waren. Und nun ist das Buch da.</p>
<p><em>Ann-Christin:</em> Das war auch ein gro&#223;artiger Moment, das Buch in den H&#228;nden zu halten. Eben war es noch eine Spinnerei von „wir k&#246;nnten mal und sollten mal“, und dann ist es pl&#246;tzlich da. Also, ein gef&#252;hltes Pl&#246;tzlich.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/absence-presence-03.jpg" rel="lightbox[49445]"><img title="absence-presence-03"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/absence-presence-03-650x650.jpg" alt="absence-presence-03" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-57445" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small;">aus der Serie: absence | presence</span></p>
<p><strong>Fotografie soll anfassbar sein?</strong></p>
<p><em>Thomas:</em> F&#252;r mich hat Fotografie immer etwas Haptisches. Bilder an der Wand, in B&#252;chern. </p>
<p><em>Ann-Christin:</em> Eine Ver&#246;ffentlichung exisitiert nur, wenn ein anderer noch mit dar&#252;ber entschieden hat. Ich k&#246;nnte meine Texte jetzt auch in einem Webblog ver&#246;ffentlichen, aber das w&#228;re f&#252;r mich dann nicht wirklich ver&#246;ffentlicht. Ich brauche noch ein Gegen&#252;ber, der das freigibt. Deswegen war die Erstellung des Buchs auch so wichtig f&#252;r mich.</p>
<p><em>Thomas:</em> Das ist ja auch bei einer Ausstellung so. Es sind einfach mehrere Leute daran beteiligt und der Prozess, wie etwas entsteht, ist gut. Man erarbeitet sich dabei auch etwas. Beim Fotografieren ist es genauso: Wenn ich im Fluss bin, dann bin ich ganz dabei und vergesse alles um mich herum. Das hast Du beim Schreiben bestimmt auch?</p>
<p><em>Ann-Christin:</em> Ja, geht mir genauso. Ich muss aber immer diesen Moment &#252;berwinden, der davor kommt, bevor ich da sitze und schreibe. Ich denke oft: Dann mach ich das halt morgen. Und dann mache ich es doch nicht.</p>
<p><em>Thomas:</em> Ich glaube, alles hat einfach auch seine Zeit. </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/absence-presence-04.jpg" rel="lightbox[49445]"><img title="absence-presence-04"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/04/absence-presence-04-650x650.jpg" alt="absence-presence-04" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-57450" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small;">aus der Serie: absence | presence</span></p>
<p><strong>Ann-Christin, fotografierst Du auch?</strong></p>
<p>Ich finde das spannend, aber es ist nicht mein Medium. Ich habe nicht den Zugang, den ich gern h&#228;tte und benutze das lieber, um bestimmte Momente f&#252;r mich festzuhalten.</p>
<p><em>Thomas:</em> Ich glaube, man hat nur eine bestimmte Energie, um bestimmte Sachen richtig gut zu machen. Daher konzentriere ich mich inzwischen lieber auf wenige Sachen; versuche, sie wirklich gut zu machen und mit Tiefe auszuf&#252;llen. Andere Dinge, die ich auch gern machen w&#252;rde, lasse ich dann eher und erfreue mich daran, dass sie andere richtig gut k&#246;nnen. Dies so zu sehen, entspannt unglaublich.</p>
<p><strong>Vielen Dank f&#252;r das mutmachende Gespr&#228;ch, vielleicht selbst einmal solch ein Gemeinschaftsprojekt zu wagen und danke f&#252;r Eure Zeit und Eure Gedanken.</strong></p>
<p><em>Das Taschenbuch „Die Stille Stadt“ mit drei Kurzgeschichten von Ann-Christin Kumm und 13 Fotografien von Thomas Graichen ist f&#252;r 9,50€ <a href="http://www.blurb.de/b/3508722-die-stille-stadt" target="_blank">hier</a> oder direkt in der <a href="http://www.aff-galerie.de/kontakt.html" target="_blank">aff Galerie</a> in Berlin zu erwerben. </p>
<p>Und wer noch mehr &#252;ber den Fotografen Thomas Graichen erfahren m&#246;chte, der schaut sich am besten seine <a href="http://www.thomasgraichen.net/" target="_blank">Webseite</a> in aller Ruhe an. </em></p>
<p><span style="color: #888; font-size: small;">alle Fotos © Thomas Graichen</span></p>
<p></p>
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		<title>Im Gespr&#228;ch mit Daniel Barth</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Mar 2013 06:39:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marit Beer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[daniel barth]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
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		<category><![CDATA[Tanz]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Daniel Barth</strong></p>Als ich auf die Fotos von Daniel Barth gesto&#223;en bin, bekam ich ein ganz wohliges Gef&#252;hl und es entstand der Wunsch, den Menschen hinter der Kamera kennenzulernen. Daraus ging ein sehr netter und inspirierender Kontakt hervor und au&#223;erdem ein interessantes Interview. Wenn man sich Deine Fotos anschaut, begegnet man Gesichtern in schwarzwei&#223; und tanzenden K&#246;rpern. [...]<p></p>
]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Daniel Barth</strong></p><p><strong>Als ich auf die Fotos von <a href="http://www.danielbarth.net/" target="_blank">Daniel Barth</a> gesto&#223;en bin, bekam ich ein ganz wohliges Gef&#252;hl und es entstand der Wunsch, den Menschen hinter der Kamera kennenzulernen. Daraus ging ein sehr netter und inspirierender Kontakt hervor und au&#223;erdem ein interessantes Interview.</strong></p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/sina-2.jpg" rel="lightbox[56116]"><img title="sina-2"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/sina-2-650x431.jpg" alt="sina-2" width="650" height="431" class="aligncenter size-medium wp-image-56122" /></a></p>
<p><strong>Wenn man sich Deine Fotos anschaut, begegnet man Gesichtern in schwarzwei&#223; und tanzenden K&#246;rpern. Als was f&#252;r einen Fotografen w&#252;rdest Du Dich bezeichnen?</strong></p>
<p>Mit derlei Bezeichnungen habe ich ein wenig meine Probleme. Es sind zwar ganz klar zwei Leidenschaften, die mich in der Fotografie antreiben: Menschen im Allgemeinen und tanzende Menschen im Besonderen. </p>
<p>Diese Leidenschaften pr&#228;gen entsprechend stark meine Arbeiten. Zugleich gibt es aber Tanz- und Portraitfotografen &#8211; zweifellos naheliegende Kategorien &#8211; mit denen ich jenseits des Sujets de facto nichts gemeinsam habe.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/sina-3.jpg" rel="lightbox[56116]"><img title="sina-3"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/sina-3-650x433.jpg" alt="sina-3" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-56123" /></a></p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/optionen-16.jpg" rel="lightbox[56116]"><img title="optionen-16"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/optionen-16-650x433.jpg" alt="optionen-16" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-56124" /></a></p>
<p><strong>Du fotografierst analog und h&#228;ufig schwarzwei&#223;, warum?</strong></p>
<p>Portraits fotografiere ich fast ausschlie&#223;lich analog und in der Tat viel schwarzwei&#223;. Vor allem, weil ich die reduzierte und konzentrierte Wirkung sch&#228;tze oder auch das grobe Korn bei gepushter Entwicklung. </p>
<p>Die Schwarzwei&#223;-Fotografie hat aber nichts Programmatisches bei mir, ich arbeite durchaus auch gern mit Farbfilm und Polaroid.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/optionen-2.jpg" rel="lightbox[56116]"><img title="optionen-2"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/optionen-2-650x431.jpg" alt="optionen-2" width="650" height="431" class="aligncenter size-medium wp-image-56125" /></a></p>
<p><strong>Was im Allgemeinen und im Besonderen bewegt und fasziniert Dich an der Fotografie?<br />
</strong></p>
<p>An der Portraitfotografie fasziniert mich vor allem die Intensit&#228;t, mit der man sich mit einem &#8211; bis dahin h&#228;ufig fremden &#8211; Menschen auseinandersetzt. Die Bereitschaft, innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit eine besondere Form von Vertrauensverh&#228;ltnis zu schaffen, sich aufeinander einzulassen, ein St&#252;ck weit jemanden zu entdecken bzw. sich entdecken zu lassen. </p>
<p>Es gibt im „normalen Leben“ kaum vergleichbare Situationen. Das funktioniert wahrscheinlich auch in der Fotografie nur, weil es hier einen relativ gesch&#252;tzten Raum mit klarer Rollenverteilung und Zielsetzung gibt. Ich glaube nicht, dass man die Essenz eines Menschen in einem Foto festhalten kann. Aber zumindest essentielle Aspekte einer Pers&#246;nlichkeit lassen sich durchaus entdecken und auf Film bannen. </p>
<p>Das ist ein immer wieder faszinierendes Abenteuer.</p>
<div class="zwei" ><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/sina-7.jpg" rel="lightbox[56116]"><img title="sina-7"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/sina-7-650x975.jpg" alt="sina-7" width="650" height="975" class="aligncenter size-medium wp-image-56126" /></a> <a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/optionen-9.jpg" rel="lightbox[56116]"><img title="optionen-9"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/optionen-9-650x975.jpg" alt="optionen-9" width="650" height="975" class="aligncenter size-medium wp-image-56127" /></a></div>
<p>Die Besch&#228;ftigung mit dem Tanz reicht bei mir ebenfalls weit zur&#252;ck. Als Kind habe ich selbst Ballett getanzt &#8211; aber relativ bald eingesehen, dass weder Disziplin noch Talent f&#252;r ambitioniertere Pl&#228;ne ausreichend vorhanden sind. Die Begeisterung ist aber geblieben. </p>
<p>Aus fotografischer Sicht vereinen sich in der Tanzfotografie gleich mehrere faszinierende Aspekte. Die rein &#228;sthetische Faszination f&#252;r die Sch&#246;nheit der Bewegungen und der K&#246;rper. Die Konzentration und Hingabe, mit der T&#228;nzer h&#228;ufig so in ihrer Kunst aufgehen, dass man als Fotograf kaum mehr wahrgenommen wird. Das erm&#246;glicht ein sehr freies Arbeiten und einen unverstellten Blick, was ich sehr sch&#228;tze. </p>
<p>Dann ist Tanzfotografie so, wie ich sie praktiziere &#8211; also: Auf der B&#252;hne oder jenseits des Studios irgendwo im &#246;ffentlichen Raum &#8211; ein Feld, auf dem man als Fotograf vor allem reagiert und improvisiert. Man wei&#223; nie, was gleich passiert oder wie Dinge sich entwickeln, der einzelne Moment ist nicht wiederholbar. </p>
<p>Man gibt so viel Kontrollm&#246;glichkeit ab, aber gleichzeitig arbeitet man sehr fokussiert und es entsteht ein Dialog, man tanzt in gewisser Weise mit. Das gilt sogar fast w&#246;rtlich, denn ich bin st&#228;ndig in Bewegung, brauche viel Platz. Je nach Choreografie n&#228;hert sich mein Kalorienverbrauch dem des T&#228;nzers an.</p>
<p>Abschlie&#223;end mag ich auch die rein technische Herausforderung: Man arbeitet mit einem fl&#252;chtigen Motiv in st&#228;ndiger, schneller und unvorhersehbarer Bewegung, dazu extremen Lichtsituationen, h&#228;ufig in raschem Wechsel. &#220;ber das Fotografieren selbst darf man da nicht nachdenken, jeder Griff muss einfach sitzen. Das ist auch ein sch&#246;ner Ausgleich zur Portraitfotografie, bei der ich mir gern Zeit nehme, ja, wo Ruhe und eine gewisse Langsamkeit geradezu wichtig sind.</p>
<div class="zwei"><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/sina-6.jpg" rel="lightbox[56116]"><img title="sina-6" src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/sina-6-650x1001.jpg" alt="sina-6" width="650" height="1001" class="aligncenter size-medium wp-image-56128" style="width: 48.9%"/></a> <a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/meri-1.jpeg" rel="lightbox[56116]"><img title="meri-1"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/meri-1-650x977.jpeg" alt="meri-1" width="650" height="977" class="aligncenter size-medium wp-image-56129" style="width: 50.1%"/></a></div>
<p><strong>Wie kam es dazu, dass Du Dich der Fotografie zugewendet hast?</strong></p>
<p>&#220;ber Neugier, Faszination und Experiment &#8211; und als reiner Autodidakt. Ich w&#252;rde mich als visuellen Menschen beschreiben, will sagen: Ich habe eine sehr bildhafte Fantasie, verbinde Atmosph&#228;ren, Emotionen oder Eindr&#252;cke schnell mit starken Bildern. Die Aussicht, Bilder festhalten und mit anderen teilen zu k&#246;nnen, war insofern schon fr&#252;h sehr reizvoll. </p>
<p>Die ersten Schritte in die Richtung: Mit zw&#246;lf oder dreizehn Jahren habe ich die Spiegelreflexkamera meines Vaters gekapert und damit wild drauflos geschossen. Das war ein vollmechanisches Relikt ohne funktionierenden Belichtungsmesser, entsprechend breit gestreut war die Qualit&#228;t der ersten Ergebnisse. Sehr wohlwollend gesprochen. </p>
<p>Aber irgendwie war das auch ein Gl&#252;cksfall, denn so war ich gezwungen, mich intensiver mit den Grundlagen auseinanderzusetzen. Und auch meine Vorliebe f&#252;r die analoge Fotografie geht wahrscheinlich zu einem Teil darauf zur&#252;ck. Nach einer Phase der Abstinenz habe ich letztlich w&#228;hrend des Studiums angefangen, mich wieder ernsthaft und dauerhaft der Fotografie zu widmen. Und bin seither dabei geblieben.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/optionen-4.jpg" rel="lightbox[56116]"><img title="optionen-4"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/optionen-4-650x431.jpg" alt="optionen-4" width="650" height="431" class="aligncenter size-medium wp-image-56130" /></a></p>
<p><strong>Menschen zu portr&#228;tieren ist etwas sehr Intimes und Spezielles. Auf welche Art und Weise stellst Du den Kontakt her zu den Menschen, die Du fotografierst?</strong></p>
<p>Das ist ganz unterschiedlich. In Sachen Portrait durchaus auch &#252;ber einschl&#228;gige Onlineportale, obwohl das in letzter Zeit nachgelassen hat. Im t&#228;nzerischen Bereich l&#228;uft viel &#252;ber pers&#246;nliche Kontakte oder gemeinsame Bekannte. Interessante T&#228;nzer f&#252;r k&#252;nstlerische Projekte spreche ich auch direkt an, sei es bei Proben und Auff&#252;hrungen oder auch via Facebook. </p>
<p>Und dann kommt es mitunter vor, dass mir im Kaufhaus oder der U-Bahn derart faszinierende Menschen begegnen, dass ich sie ganz dreist ansprechen und zu einer Zusammenarbeit einladen muss. Zu guter Letzt werde ich angesprochen &#8211; &#252;ber Homepage, Facebook oder Empfehlungen &#8211; woraus sich auch immer wieder interessante Begegnungen ergeben.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/sina-10.jpg" rel="lightbox[56116]"><img title="sina-10"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/sina-10-650x473.jpg" alt="sina-10" width="650" height="473" class="aligncenter size-medium wp-image-56131" /></a></p>
<p><strong>Gibt es ein bestimmtes Gef&#252;hl, das Du mit Deiner Fotografie transportieren m&#246;chtest?</strong></p>
<p>Ein spezifisches Gef&#252;hl sicher nicht, nein. Ein breites Spektrum emotionaler Zust&#228;nde reizt mich. Verbindende Elemente in meiner Fotografie gibt es eher auf abstrakterer Ebene. Ich mag sehr nat&#252;rliche Fotos, unverstellt, ohne Make-up, mit nat&#252;rlichem Licht. </p>
<p>Ausdruck und Atmosph&#228;re sind mir wichtig. Die Person, mit der ich mich besch&#228;ftige, steht ganz klar im Zentrum. Ihr will ich mich ann&#228;hern, Facetten beleuchten. Dabei geht es um N&#228;he und eine Form von Intensit&#228;t. Vermeintliche Sch&#246;nheitsideale oder pers&#246;nliche Eitelkeiten spielen da kaum eine Rolle, das muss man aushalten k&#246;nnen. </p>
<p>Eine Begegnung auf dieser Ebene zwischen Fotograf und Subjekt gelingt nat&#252;rlich nicht immer, dennoch ist es ganz klar das Ziel. Dann gibt es auch noch verbindende Elemente auf &#228;sthetischer Ebene, zum Beispiel eine Vorliebe f&#252;r starke Kontraste, grobes Korn, Raum f&#252;r Schatten, Unsch&#228;rfe und Erahntes. </p>
<p>Auch in der Tanzfotografie bin ich gern sehr nah an den T&#228;nzern, interessiere mich mindestens ebenso f&#252;r Ausdruck und Pers&#246;nlichkeit wie f&#252;r Grazie und physische Pr&#228;senz. Gerade in diesem Grenzbereich zwischen Tanz und Portrait entstehen h&#228;ufig die f&#252;r mich st&#228;rksten Tanzaufnahmen. </p>
<p><strong>Vielen Dank, Daniel!</strong></p>
<p></p>
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		<title>We are traffic</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Mar 2013 06:55:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katja Kemnitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Automobil]]></category>
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		<category><![CDATA[Fahrrad]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>We are traffic</strong></p>Das Projekt „WE ARE TRAFFIC“ von Till Gl&#228;ser und Bj&#246;rn Lexius fand ich auf Anhieb spannend. Nicht nur die Fotos &#252;berzeugten mich, sondern auch das Anliegen hinter dem Projekt wollte ich unbedingt unterst&#252;tzen. Die beiden Fotografen portraitieren in der Serie die Radfahrer Hamburgs, um damit auf die katastrophale Radverkehrspolitik aufmerksam zu machen und zu zeigen, [...]<p></p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>We are traffic</strong></p><p><strong>Das Projekt <a href="http://www.wearetraffic.de/" target="_blank">„WE ARE TRAFFIC“</a> von <a href="http://www.tillglaeser.de/" target="_blank">Till Gl&#228;ser</a> und <a href="http://www.bjoernlexius.de/" target="_blank">Bj&#246;rn Lexius</a> fand ich auf Anhieb spannend. Nicht nur die Fotos &#252;berzeugten mich, sondern auch das Anliegen hinter dem Projekt wollte ich unbedingt unterst&#252;tzen.</strong></p>
<p>Die beiden Fotografen portraitieren in der Serie die Radfahrer Hamburgs, um damit auf die katastrophale Radverkehrspolitik aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass Radfahrer zum Verkehr geh&#246;ren und diesen nicht behindern. Ich freue mich sehr, dass sie mir f&#252;r kwerfeldein Rede und Antwort zu ihrem Fotoprojekt und der Radkultur Hamburgs standen.</p>
<p><strong>Ihr habt jetzt schon sehr viele Radfahrer Hamburgs fotografiert. Gibt es bestimmte Eigenarten, die Ihr festgestellt habt? </strong></p>
<p>Wir versuchen ja m&#246;glichst viele verschiedene Radfahrer zu fotografieren. Wir wollten mit Absicht nicht den zweiundf&#252;nfzigtausendsten Cycle-Chic-Blog nachmachen, sondern ein Portrait der ganzen Hamburger Radkultur machen, deswegen ist es schwer, bestimmte Eigenarten &#252;ber eine so gro&#223;e Gruppe zu verallgemeinern. Allen gemein ist wohl, egal ob Rennrad- oder Hollandrad-Fahrer, dass sie von der Hamburger Radverkehrspolitik genervt sind und sich nicht als gleichberechtigt im Verkehr empfinden.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/fraudinkel.jpg" rel="lightbox[56501]"><img title="fraudinkel"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/fraudinkel-650x432.jpg" alt="fraudinkel" width="650" height="432" class="aligncenter size-medium wp-image-56512" /></a></p>
<p><strong>Ich glaube, da zum Beispiel hin und wieder einige Fixies und Fixieumbauten zu erkennen. Ist das gerade bei Euch Kult? Verboten sind sie ja&#8230;</strong></p>
<p>Prinzipiell ist das zur Zeit schon ein Trend, aber es gibt eben auch viele, die seit Jahren auf Fixies unterwegs sind und nicht einem Trend hinterherlaufen. Man kann auch da nicht alle &#252;ber einen Kamm scheren. Bj&#246;rn selbst f&#228;hrt schon seit f&#252;nf Jahren Fixed Gear und andere, die wir f&#252;r „WE ARE TRAFFIC“ fotografiert haben auch noch l&#228;nger, also schon lange bevor es Trend wurde. Fixie fahren ist schon ein besonderes Fahrgef&#252;hl, direkt mit der Stra&#223;e verbunden. </p>
<p>Wir fotografieren wie gesagt alle und unser Ziel ist nicht, mit dem erhobenen Zeigefinger rumzulaufen und nur abzubilden, wer ein Rad hat, das der StVO entspricht. Wir wollen die Radfahrkultur so abbilden, wie sie ist. Mit allen Subkulturen, die das beinhaltet. </p>
<p>Verboten ist ein Fixie auch generell nicht. Laut StVO braucht ein Rad zwei voneinander unabh&#228;ngige Bremsen, es geht also nicht um die Antriebsart, also die starre Nabe, sondern um das Fehlen von einer oder beider Bremsen, das nicht StVO-konform ist. Das ist genau wie bei vielen BMX-R&#228;dern, die, um Tricks machen zu k&#246;nnen, auch nur eine oder keine Bremse haben, trotzdem findet man sie ebenfalls im Stra&#223;enverkehr. Ein Fixie-Fahrer muss das Fehlen der Bremse eben durch eine erh&#246;hte Aufmerksamkeit ausgleichen und den Verkehr viel besser vorraussehen. </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/roeder.jpg" rel="lightbox[56501]"><img title="roeder"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/roeder-650x433.jpg" alt="roeder" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-56517" /></a></p>
<p><strong>Ich sehe in den Serien auch einige Mountainbikes. Wozu braucht man die denn im flachen Hamburg?</strong></p>
<p>Das kann unterschiedliche Gr&#252;nde haben. Die einen haben es nur, weil sie es cool finden. Sei es der Look oder das Fahrgef&#252;hl, nicht auf jeden Kantstein achten zu m&#252;ssen. Und zum anderen gibt es in Hamburg eine relativ gro&#223;e Mountain-Bike-Szene, die sich regelm&#228;&#223;ig in den Harburger Bergen oder im Volkspark trifft, um dort richtig durch das Gel&#228;nde zu fahren. Einige der Mountain-Bike-Fahrer haben auch noch andere R&#228;der f&#252;r die Stadt und haben sich dann f&#252;r das Shooting f&#252;r ihr Lieblingsrad entschieden. </p>
<p><strong>Was war Eure eigene Motivation, das Projekt zu starten?</strong></p>
<p>Bj&#246;rn hat schon &#246;fter sozialkritische Fotoserien fotografiert. Die bekannteste war seine Serie <a href="http://www.wearevegans.de/" target="_blank">„we are vegans“</a>, f&#252;r die er auch von der Tierrechtsorganisation Peta mit dem Peta Progress Award 2011 ausgezeichnet worden ist. </p>
<p>Als wir uns dann Anfang des letzten Jahres zum ersten Mal offline getroffen haben, um uns &#252;ber unsere Hochzeitsfotografie auszutauschen, hatten wir schnell ein anderes Thema gefunden: Fahrradfahren. Eine weitere Leidenschaft, die wir beide teilen. </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/dirk.jpg" rel="lightbox[56501]"><img title="dirk"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/dirk-650x433.jpg" alt="dirk" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-56519" /></a></p>
<p>Inspiriert von den Fotoprojekten <a href="http://www.bicycleportraits.co.za/" target="_blank">„Bicycle Portraits“</a> aus S&#252;dafrika und <a href="http://gudphoto.com/bikenyc/" target="_blank">„BikeNYC“</a> aus New York hatte Bj&#246;rn vor, eine Serie &#252;ber Radfahrer zu fotografieren. Da wir beide schnell merkten, dass wir in vielen Bereichen &#228;hnliche Ansichten haben, haben wir beschlossen, das gemeinsam zu machen. </p>
<p>Von der ersten Idee bis zum ersten Foto ist dann noch etwas Zeit vergangen, da wir beide in der Sommer-Hochzeitssaison keine Zeit hatten, uns intensiv mit dem Fotoprojekt zu besch&#228;ftigen. So haben wir erst Ende September mit dem Fotografieren begonnen und die ersten zehn Fahrradfahrer und das Fotoprojekt dann Anfang Oktober online ver&#246;ffentlicht.</p>
<p>Da wir beide von der Situation der Fahrradfahrer in Hamburg total genervt sind, war es schnell klar, dass wir keinen Style-Blog &#252;ber Fahrradfahrer machen wollen, wo es um die Klamotten geht, sondern wir die Menschen zeigen wollen, die in Hamburg radfahren. Wir wollen den Radfahrern ein Gesicht geben, zeigen, dass es keine anonymen Radr&#252;pel oder Kampfradler sind. Es sind gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer, die das umweltfreundlichste Transportmittel w&#228;hlen, das uns in der Gro&#223;stadt zur Verf&#252;gung steht. </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/rad.jpg" rel="lightbox[56501]"><img title="rad"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/rad-650x433.jpg" alt="rad" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-56526" /></a></p>
<p>Wir machen beide auch seit fast zwei Jahren regelm&#228;&#223;ig bei der <a href="http://www.criticalmass-hamburg.de/" target="_blank">Critical Mass</a> in Hamburg mit, um auch auf diesem Weg auf Radfahrer aufmerksam zu machen. </p>
<p>In Anlehnung an Bj&#246;rns letzte Serie und den Spruch der Critical Mass &#8211; „We are not blocking traffic, we are traffic“ &#8211; haben wir unser Projekt dann „WE ARE TRAFFIC“ genannt.</p>
<p><strong>Ich komme aus Bonn und habe Gl&#252;ck, denn NRW ist ja recht fahrradfreundlich. Wie sieht es denn da genau bei Euch aus?</strong></p>
<p>In Hamburg ist das Radfahren schon eine Zumutung und eine Herausforderung. Die Radverkehrspolitik, wenn man die &#252;berhaupt so nennen kann, ist wie aus dem Jahre 1950. Die Politik hat nicht erkannt, dass sich das Radfahren in den letzten 50 Jahren ver&#228;ndert hat. Man f&#228;hrt schneller und &#252;berall hin. Das Fahrrad ist zu einer ernsthaften Alternative zum Auto geworden, nur die Infrastruktur ist weiterhin so, dass sie nur f&#252;r 10 &#8211; 15 km/h ausgelegt ist: </p>
<p>Radwege auf den Gehwegen, &#252;ber die st&#228;ndig Fu&#223;g&#228;nger laufen ohne zu gucken, weil sie der Meinung sind, dass alles zwischen Hauswand und Kantstein ihr Bereich ist und Radfahrer immer bremsen m&#252;ssen. Auf der Stra&#223;e Autofahrer, die einen mit 10 &#8211; 20 cm Abstand &#8211; und nicht mit 1,50 m wie laut StVO vorgeschrieben &#8211; &#252;berholen und ohne zu gucken abbiegen. </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/dennis.jpg" rel="lightbox[56501]"><img title="dennis"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/dennis-650x432.jpg" alt="dennis" width="650" height="432" class="aligncenter size-medium wp-image-56524" /></a></p>
<p>Man muss schon ein sehr dickes Fell haben, um sich in Hamburg als Fahrradfahrer zu behaupten. Nicht ohne Grund ist Hamburg beim aktuellen ADFC Ranking auf Platz 28 von 34 bei den deutschen Gro&#223;st&#228;dten gelandet. Es fehlt am Bewusstsein, dass sich dort dringend etwas &#228;ndern muss und dass Fahrradfahrer kein St&#246;rfaktor auf den Stra&#223;en sind. </p>
<p>Stattdessen nimmt die Hamburger Politik eher in Kauf, Strafzahlungen in Millionenh&#246;he an die EU zahlen zu m&#252;ssen, weil seit Jahren die Emissionsgrenzwerte in Hamburg &#252;berschritten werden. Mehr Fahrradverkehr und weniger Autos auf Hamburgs Stra&#223;en w&#252;rden das Problem schnell l&#246;sen, aber trotzdem wird konsequent alles gemacht, um an der Situation nichts zu ver&#228;ndern. </p>
<p>Dabei gibt es in Europa mit Kopenhagen eine Stadt, die vormacht, wie es geht. Nach Studien die fahrradfreundlichste Stadt Europas bzw. der Welt und gleichzeitig die Stadt mit der h&#246;chsten Lebensqualit&#228;t.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/sarah.jpg" rel="lightbox[56501]"><img title="sarah"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/sarah-650x432.jpg" alt="sarah" width="650" height="432" class="aligncenter size-medium wp-image-56522" /></a></p>
<p><strong>Konntet Ihr mit Eurer Serie schon Erfolge f&#252;r die Radfahrer Hamburgs erzielen?</strong></p>
<p>So schnell geht das wohl leider nicht. Das ist immer ein langer Prozess und auch irgendwie auch ein Kampf gegen Windm&#252;hlen. Das Fotoprojekt gibt es ja auch erst seit nicht einmal einem halben Jahr, nach so kurzer Zeit kann man wohl kaum mit greifbaren Ver&#228;nderungen rechnen. </p>
<p>Und wenn es irgendwann Ver&#228;nderungen gibt in Hamburg, dann wohl auch gemeinsam mit der <a href="http://www.criticalmass-hamburg.de/" target="_blank">Critical Mass</a>, bei der sich jeden Monat Fahrradfahrer treffen, um gemeinsam durch die Stadt zu fahren. Im letzten Sommer bis zu 2.000 Radfahrer!</p>
<p>Aber toll w&#228;re es nat&#252;rlich schon, wenn wir im Rahmen unserer M&#246;glichkeiten unseren Teil zu einer fahrrad- und umweltfreundlicheren Verkehrspolitik beitragen k&#246;nnen. </p>
<p><strong>Ich w&#252;nsche Euch viel Erfolg dabei!</strong></p>
<p><em>Wer das Projekt ebenfalls gut und unterst&#252;tzenswert findet, dem sei der Bildband zum Projekt empfohlen, der momentan in Planung ist und <a href="http://www.startnext.de/we-are-traffic" target="_blank">via Crowdfunding</a> finanziert werden soll. F&#252;r 15 € bekommt Ihr ein Poster des Projekts und f&#252;r 40 € k&#246;nnt Ihr Euch den Bildband vorbestellen.</em></p>
<p></p>
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		<title>Im Gespr&#228;ch mit Anja Millen</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 07:49:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marit Beer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Anja Millen</strong></p>Anja Millen ist eine Geschichtenerz&#228;hlerin. Beim Betrachten ihrer Bilder f&#252;hle ich mich wieder selbst wie ein Kind, das am Lagerfeuer sitzt und ihren Worten lauscht. Nur, dass es eben keine Worte sind, sondern Bilder, die direkt durch mich hindurch gehen. Dass aber nicht die Fotografie, sondern die Bildbearbeitung ihre Passion ist und ihre Welten somit [...]<p></p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Anja Millen</strong></p><p><strong>Anja Millen ist eine Geschichtenerz&#228;hlerin. Beim Betrachten ihrer Bilder f&#252;hle ich mich wieder selbst wie ein Kind, das am Lagerfeuer sitzt und ihren Worten lauscht. Nur, dass es eben keine Worte sind, sondern Bilder, die direkt durch mich hindurch gehen.</strong></p>
<p>Dass aber nicht die Fotografie, sondern die Bildbearbeitung ihre Passion ist und ihre Welten somit in der digitalen Dunkelkammer entstehen, hat mich veranlasst, ein bisschen nachzufragen, um mehr &#252;ber sie und ihre Bilder zu erfahren.</p>
<p><strong>Lieben Dank, dass Du Dich zu einem Interview bereit erkl&#228;rst. Du hast mir geschrieben, dass Du weniger Fotograf als viel mehr Pixelschieber bist. Aber bevor wir dort ankn&#252;pfen, erz&#228;hl uns doch ein wenig &#252;ber Dich. Wer bist Du und was machst Du?</strong></p>
<p>Wer ich bin, frage ich mich manchmal selbst. Manchmal verliere ich mich ganz in meinen Bildern und ein anderes Mal verlieren sich die Bilder in mir. In erster Linie bin ich wohl Mensch, das kann ich nicht &#228;ndern, auch wenn der Gedanke durchaus reizvoll w&#228;re. Aber die Realit&#228;t in Bildern und auf Bildern kann ich &#228;ndern, neu erschaffen oder aber Tr&#228;umen ein Gesicht geben.</p>
<p>Ich liebe alle Arten von k&#252;nstlerischen T&#228;tigkeiten, die traditionelle Kunst, das Schreiben vor allem von Lyrik und Prosa, ebenso wie das Fotografieren oder mein mich am meisten einnehmender Part, das Manipulieren und digitale Neuerschaffen.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/endewebjiangshi_by_obscurae-d5w80be.jpg" rel="lightbox[55163]"><img title="endewebjiangshi_by_obscurae-d5w80be"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/endewebjiangshi_by_obscurae-d5w80be-650x433.jpg" alt="endewebjiangshi_by_obscurae-d5w80be" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-56010" /></a></p>
<p>Nat&#252;rlich w&#252;rde ich viele Bilder mit entsprechendem Equipment und Crew auch rein fotografisch ann&#228;hernd so darstellen k&#246;nnen &#8211; allein: Weder Zeit- noch Geldaufwand w&#228;ren erschwinglich. Ich liebe Ruhe und Stille und arbeite nachts am kreativsten und am Tag leide ich unter meinen durchwachten Bilderwelten, wenn ich meinen Besch&#228;ftigungen nachgehe.</p>
<p>Ich komme aus einem Elternhaus, in dem Kunst nicht wirklich eine Rolle spielte und auch nicht entsprechend gef&#246;rdert wurde. Ich geh&#246;re noch zu der Generation, die „etwas Anst&#228;ndiges lernen“ und arbeiten musste. Also wurde ich K&#246;chin und beendete diese unerw&#252;nschte „Karriere“, nachdem ich l&#228;nger in S&#252;dfrankreich arbeitete. </p>
<p>Dann, inzwischen selbst Mutter zweier, mittlerweile erwachsener, T&#246;chter, machte ich mein Abitur nach, besuchte die Fachoberschule f&#252;r Gestaltung, begann ein Studium und verbrachte einige Zeit an der hier ans&#228;ssigen Europ&#228;ischen Kunstakademie.</p>
<p>Ich habe irgendwann die Fotografie und digitale Kunst f&#252;r mich entdeckt und bin dabei geblieben, auch wenn mich sehr viele andere Bereiche der Kunst und des Designs interessieren und ich am liebsten ein Tausendsassa w&#228;re.</p>
<p>So bearbeite ich seit nunmehr 15 Jahren Bilder digital, zeichne und manipuliere, zum Teil mit eigenen Fotografien, aber auch sehr viel basierend auf Stockbildern. Da es nicht wirklich genug Anfragen oder Nachfrage gibt, betreibe ich dies weitestgehend als Hobby und freue mich daran, wenn Menschen f&#252;r einen Moment in meiner Kunst abtauchen und auf eine Reise aus dem Alltag gehen k&#246;nnen.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/faeweb_by_obscurae-d5ucan9.jpg" rel="lightbox[55163]"><img title="faeweb_by_obscurae-d5ucan9"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/faeweb_by_obscurae-d5ucan9-650x650.jpg" alt="faeweb_by_obscurae-d5ucan9" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-56012" /></a></p>
<p><strong>Was inspiriert und motiviert Dich, diese anderen Welten zu erschaffen und wie gehst Du dabei vor?</strong></p>
<p>Ich werde durch alles beeinflusst: Bewusst Gesehenes, Errochenes, Gelesenes, Geh&#246;rtes, beil&#228;ufig Wahrgenommenes, Erlebtes.</p>
<p>Kurzum, das Leben, die Natur und die Umwelt sind die K&#252;nstler, die mich st&#228;ndig beeinflussen. Wann ich das verarbeite, kann ich nicht steuern; ich gehe ohne Vorhaben an ein Bild heran.</p>
<p>Stockbilder inspirieren mich h&#228;ufig, ich sehe ein Foto einer Fliege und denke: Ooh, die w&#252;rde sich gut auf einem Auge machen. Ob ich sie letztendlich dorthin setze oder am Ende gar nicht mehr in das Bild integriere, wei&#223; ich im Voraus nicht.</p>
<p>Ein Bild zu machen ist bei mir ein v&#246;llig freier Verlauf und ja, da kann es passieren, dass ich nach Stunden einfach auf den kleinen Papierkorb klicke und alles l&#246;sche, weil das Bild mir nichts mehr gibt.</p>
<p>Ich brauche keine Motivation, ich f&#252;hle mich wie ein Silo, aufgef&#252;llt mit unz&#228;hligen irrealen Bildern, die alle herauswollen, als sei ich nur das Werkzeug, um sie aus mir zu entlassen. W&#252;rde ich keine Bilder mehr machen, w&#252;rde ich wohl irgendwann implodieren oder verr&#252;ckt werden oder beides. </p>
<p>Einzig wenn ich kleinere Serien mache, folge ich ein Thema oder einem Bearbeitungsstil und wei&#223; bereits zu Beginn, wohin die Manipulationsreise mich f&#252;hren wird.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/43dfc17b5e6525eb1e72a8df261a4765-d5s1uyb.jpg" rel="lightbox[55163]"><img title="43dfc17b5e6525eb1e72a8df261a4765-d5s1uyb"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/43dfc17b5e6525eb1e72a8df261a4765-d5s1uyb-650x650.jpg" alt="43dfc17b5e6525eb1e72a8df261a4765-d5s1uyb" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-56014" /></a></p>
<p><strong>Du hast Eingangs erw&#228;hnt, dass Du zeitweise auch fotografierst. Das ist sicher ein ganz anderes Arbeiten, weil Du dann auch Kontakt mit dem Mensch vor Deiner Kamera aufnimmst. Sehe ich das richtig?</strong></p>
<p>Nat&#252;rlich ist ein direkter Kontakt mit Menschen immer anders und da ich mich nicht als Profi sehe, ist auch ein bisschen Nervosit&#228;t dabei. Allerdings ist mein Arbeiten auch dort nicht viel anders als am Computer oder auf der Leinwand. Ich bin keine Dienstleisterin, sprich, ich mache selten „Wunscherf&#252;llung“.</p>
<p>Das ist nicht mein Job, dazu sind entsprechende Fotografen da. Somit „schiebe“ ich statt Pixeln halt den Menschen &#252;ber meine Leinwand, bis ich die Positionen, Mimik oder Szenerien eingefangen habe, die ich mag.</p>
<p>Ich habe einige Bilder in meinem Portfolio, die nicht manipulierte Arbeiten sind, liebe es aber, diese Welten zu erschaffen, zu denen mir die Mittel fehlen, sie durch reine Fotografie zu kreieren. Somit wird die Fotografie dann f&#252;r mich lediglich Mittel zum Zweck, der abgelichtete Mensch erkennt sich h&#228;ufig danach nicht einmal mehr selbst.</p>
<p>Wo andere Fotografen die Visagisten bereithalten, bitte ich das Modell, ungeschminkt zu kommen, das verunsichert manchmal. Auch die Bitte um ungewohnte Bewegungen oder schlicht Ausdruckslosigkeit, fernab des typischen Posings, ist f&#252;r manche gew&#246;hnungsbed&#252;rftig. </p>
<p>Von daher ist es f&#252;r mich schon anstrengender, da ich nicht der geduldigste Mensch bin und auch nicht gern &#220;berredungsarbeit leiste. Sprich: Wer es wirklich wagt, sich vor meine kleine Canon zu stellen, sollte funktionieren und sich keine Gedanken machen, ob er noch „sch&#246;n“ genug aussieht, wenn er den Mund aufrei&#223;en soll.</p>
<div class="zwei" ><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/4bc1a0ba310d9247ae0bfc7077a8d7ed.jpg" rel="lightbox[55163]"><img title="4bc1a0ba310d9247ae0bfc7077a8d7ed"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/4bc1a0ba310d9247ae0bfc7077a8d7ed.jpg" alt="4bc1a0ba310d9247ae0bfc7077a8d7ed" width="533" height="800" class="aligncenter size-full wp-image-56017" /></a> <a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/1aecd903586e68f06bff63f14677a6eb-d4ybnyk.jpg" rel="lightbox[55163]"><img title="1aecd903586e68f06bff63f14677a6eb-d4ybnyk"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/1aecd903586e68f06bff63f14677a6eb-d4ybnyk.jpg" alt="1aecd903586e68f06bff63f14677a6eb-d4ybnyk" width="532" height="800" class="aligncenter size-full wp-image-56018" /></a></div>
<p><strong>Bildbearbeitung und Fotografie. Wieviel ist erlaubt? Hier scheiden sich immer wieder die Geister. Bildmanipulation als eigenes Medium, abgekoppelt von Malerei und Fotografie oder Verbindung beider Genres?</strong></p>
<p>Zur Frage, wieviel erlaubt ist: Fragt man sich das auch bei einem Maler, Zeichner oder Bildhauer?</p>
<p>Ich sehe die Fotografie als meine „&#214;lfarbe“ und Photoshop als meinen Pinsel oder als meinen Marmorstein und Mei&#223;el. Ein Zuviel gibt es schlicht nicht in meiner Art der Kunst, eher ein Zuwenig, denn dann w&#252;rde ich ja „nur“ noch ein Foto etwas aufpimpen. Ich m&#246;chte eine komplett neue Welt erschaffen, in der man am besten die fotografischen Einzelteile als solche nicht mehr erkennt. </p>
<p>Manipulationen und Kompositionen wurden solange von ver&#228;ngstigten und auch ver&#228;rgerten Fotografen verschrien und erst in den letzten ein, zwei Jahren mehr und mehr anerkannt. Bei vielen entstand es vor allem aus der Angst heraus, dass die Wertigkeit der Fotografie leidet und auch aus der Scheu, sich mit Produkten wie Photoshop auseinanderzusetzen. F&#252;r mich pers&#246;nlich leidet die Fotografie nur unter der Bearbeitung, wenn jemand, der sein Werkzeug nicht beherrscht, sich daran versucht, z.B. an &#252;bertriebenen Beautyretuschen und &#228;hnlichem und das machen besagte Fotografen leider meist selbst.</p>
<p>Ja, ich bin f&#252;r Bildmanipulationen nat&#252;rlich vom Bild als Basis abh&#228;ngig, jedoch nicht f&#252;r digitale Kunst zwangsl&#228;ufig, da ich auch digital zeichne, male, rendere. Fotografie ist ein eigenst&#228;ndiges Genre, ebenso wie die darauf basierende k&#252;nstleriche Verarbeitung.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/41fc6c8ac901f15d4cac2a1a7b04e261-d57hiam.jpg" rel="lightbox[55163]"><img title="41fc6c8ac901f15d4cac2a1a7b04e261-d57hiam"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/03/41fc6c8ac901f15d4cac2a1a7b04e261-d57hiam-650x650.jpg" alt="41fc6c8ac901f15d4cac2a1a7b04e261-d57hiam" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-56020" /></a></p>
<p><strong>Wir haben jetzt viel &#252;ber Bildmanipulation gesprochen und dar&#252;ber, dass der Computer Dein Werkzeug ist. Wie aber verh&#228;lt es sich mit der Pr&#228;sentation Deiner Bilder? Reicht Dir daf&#252;r das Netz oder m&#246;chtest Du auch eine haptische Erfahrung?</strong></p>
<p>Ich w&#252;rde gern auch Ausstellungen meiner Bilder oder Installationen verschiedener Ideen machen, Angebote habe ich durchaus, national wie auch international. Der springende Punkt ist, dass dies sehr viel Geld erfordert. Abgesehen vom reinen Drucken, den Rahmen, Materialien und auch Anreisen und Transport. </p>
<p>Das klingt nun vielleicht etwas merkw&#252;rdig, ist aber tats&#228;chlich der Hauptgrund, wieso ich das Netz als meine Galerie bevorzuge. M&#228;zene laufen einem nicht die T&#252;r ein. Ich habe auch bereits als Book on Demand ein <a href="http://www.blurb.com/b/2364125-woven?ce=blurb_ew&#038;utm_source=widget" target="_blank">Buch</a> gemacht und plane dahingehend durchaus mehr.</p>
<p>So sehr das Internet auch ein Segen f&#252;r die Verbreitung und Betrachtung von Kunst ist, so sehr k&#246;nnen sich die Leute heute daran sattsehen, um danach auf ihre nackten W&#228;nde zu schauen, ohne sich Kunst „erarbeiten“ zu m&#252;ssen, gleich in welcher Form: Durch den Gang zur Galerie, ins Museeum, in den Buchhandel oder durch entsprechende Bilder an eigenen W&#228;nden.</p>
<p><strong>Mit diesem letzten Satz m&#246;chte ich das Interview gern beenden. Es l&#228;sst Raum f&#252;r eigene Gedanken. </p>
<p>Vielen Dank f&#252;r den Einblick in Deine Welt. Es hat auch bei mir einiges umgeworfen und ich konnte einige meiner Vorurteile, dank Deiner Ansichten, etwas gerader&#252;cken.</strong></p>
<p>Wer nun mehr von Anja Millen sehen m&#246;chte, der schaut bei <a href="https://www.facebook.com/anja.millen.imagery" target="_blank">Facebook</a> vorbei. Dort gibt es immer die neuesten Bilder zu bewundern.</em></p>
<p></p>
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		<title>Im Gespr&#228;ch mit Przemek Strzelecki</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Mar 2013 06:56:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Herrmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Straße]]></category>
		<category><![CDATA[bawgaj]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<category><![CDATA[Przemek Strzelecki]]></category>
		<category><![CDATA[Reisefotografie]]></category>
		<category><![CDATA[reportage]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenfotografie]]></category>

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		<description><![CDATA[Schr&#228;g, komisch, absurd – das sind die Adjektive, mit denen sich Przemek Strzeleckis Fotografien beschreiben lassen. Sie spr&#252;hen zugleich vor Lebensfreude und zeigen das ausgepr&#228;gte Feingef&#252;hl f&#252;r Situationskomik ihres Urhebers. Ich habe den Meister des Moments zu einem Gespr&#228;ch eingeladen. Hey Przemek. Sch&#246;n, dass ich Dich f&#252;r ein Interview gewinnen konnte. Deine Fotos sind &#8211; [...]<p></p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schr&#228;g, komisch, absurd – das sind die Adjektive, mit denen sich <a href="http://www.bawgaj.eu" target="_blank">Przemek Strzeleckis</a> Fotografien beschreiben lassen. Sie spr&#252;hen zugleich vor Lebensfreude und zeigen das ausgepr&#228;gte Feingef&#252;hl f&#252;r Situationskomik ihres Urhebers. Ich habe den Meister des Moments zu einem Gespr&#228;ch eingeladen.</strong></p>
<p><strong>Hey Przemek. Sch&#246;n, dass ich Dich f&#252;r ein Interview gewinnen konnte. Deine Fotos sind &#8211; wie soll ich es sagen? &#8211; extrem erfrischend. In jedem steckt immer irgendwie ein Grinsen. Seit wann fotografierst Du und wie hast Du gemerkt, dass die Fotografie das richtige Medium f&#252;r Dich ist?</strong></p>
<p>Zuerst einmal danke, dass Du mich hierzu eingeladen hast. Sch&#246;n, dass Du diese zwei Worte gesagt hast: Erfrischend und Grinsen.</p>
<p>Mit dem Grinsen hast Du etwas in meinen Bildern erkannt, das immer in mir steckt. Und erfrischend gef&#228;llt mir, weil ich vor ein paar Jahren meine Denke &#252;ber Fotografie ge&#228;ndert habe. Ich habe angefangen, nach etwas Neuem und Frischem zu suchen, nach etwas Anderem und Unkonventionellem.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2012-1.jpg" rel="lightbox[54646]"><img title="Mongolia 2012 © Przemek Strzelecki"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2012-1-650x419.jpg" alt="Mongolia 2012 © Przemek Strzelecki" width="650" height="419" class="alignnone size-medium wp-image-55582" /></a></p>
<p>Ich mache schon ziemlich lange Bilder und kann mich sogar noch an meine erste Smena – eine alte russische Kamera – erinnern und <em>haha</em> an meine ach so tollen Fotos von Vogelnestern.</p>
<p>Dann hatte ich eine ganze Menge Zenit-Kameras, zwei davon habe ich immer noch, bis mir meine Eltern damals meine erste Canon kauften. Eine EOS 5000, glaube ich. </p>
<p>Vor ungef&#228;hr sechs Jahren erst habe ich erkannt, worum es bei der Fotografie wirklich geht und bin inzwischen total verr&#252;ckt danach.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2009-.jpg" rel="lightbox[54646]"><img title="Mongolia 2009 © Przemek Strzelecki"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2009--650x420.jpg" alt="Mongolia 2009 © Przemek Strzelecki" width="650" height="420" class="alignnone size-medium wp-image-55584" /></a></p>
<p><strong>Mir gef&#228;llt die Ironie, mit der Du auf Deine fr&#252;heren Bilder schaust. Du sagtest, Du hast erkannt, worum es bei der Fotografie geht. Worum denn Deiner Meinung nach?</strong></p>
<p>Wenn man feststellt, dass das Leben eigentlich ein gro&#223;er Witz und voller Ironie ist, warum soll man dann nicht auch versuchen, Ironie in Bildern zu finden?</p>
<p>Vor einigen Jahren habe ich aufgeh&#246;rt, typische Touristenfotos zu machen. Ich mag solche Bilder, wie sie die meisten Leute von ihren Reisen mitbringen, nicht.</p>
<p><em>„Hier bin ich am Denkmal, neben dem Denkmal, vor dem Denkmal &#8230;“</em> &#8211; und so weiter.</p>
<p>Solche Bilder bringen einem nichts bei. Ich habe meine Sicht auf die Welt ge&#228;ndert, habe angefangen, Stereotypen zu durchbrechen und meinen eigenen Stil zu entwickeln.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2012-2.jpg" rel="lightbox[54646]"><img title="Mongolia 2012 © Przemek Strzelecki"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2012-2-650x424.jpg" alt="Mongolia 2012 © Przemek Strzelecki" width="650" height="424" class="alignnone size-medium wp-image-55586" /></a></p>
<p>Aber es ist schwierig zu erkl&#228;ren, was Fotografieren bedeutet, weil es f&#252;r jeden etwas anderes ist. F&#252;r mich hat es viel mit Gef&#252;hl und Intuition zu tun.  </p>
<p>Ich muss nur einen Blick auf ein Foto werfen, um zu wissen, ob es mir gef&#228;llt oder nicht, aber ich kann nicht sagen, warum. Es ist schwierig, das zu definieren. Es ist eher wie Poesie.</p>
<p><strong>Du fotografierst nach wie vor analog. Entwickelst Du selbst?</strong></p>
<p>Ja, ich nutze immer noch Film, den ich der Digitalfotografie vorziehe. Ich entwickle Schwarzwei&#223;negative selbst, scanne sie ein und drucke sie dann aus.</p>
<p>Mein Traum ist eine eigene Dunkelkammer, aber das ist leider nicht billig.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/egypt-2008.jpg" rel="lightbox[54646]"><img title="Egypt 2008 © Przemek Strzelecki"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/egypt-2008-650x414.jpg" alt="Egypt 2008 © Przemek Strzelecki" width="650" height="414" class="alignnone size-medium wp-image-55590" /></a></p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/Poland-2012.jpg" rel="lightbox[54646]"><img title="Poland 2012 © Przemek Strzelecki"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/Poland-2012-650x421.jpg" alt="Poland 2012 © Przemek Strzelecki" width="650" height="421" class="alignnone size-medium wp-image-55641" /></a></p>
<p><strong>Welche sind Deine Lieblingsfotografen? Hast Du Vorbilder? </strong></p>
<p>Hier ist eine Liste meiner Lieblingsfotografen:<br />
• Josef Koudelka<br />
• Alex Webb<br />
• Jindrich Streit<br />
• Anders Petersen<br />
• Larry Towell<br />
• Marry Elen Mark<br />
• Ragnar Axelsson<br />
• Nikos Economopoulos<br />
• Junku Nishimura<br />
• Pentti Sammallahti<br />
• Kim Thue</p>
<p>Und noch viele, viele mehr.</p>
<p>Besonders zwei von ihnen finde ich einfach irre: Josef Koudelka und Alex Webb. Ich versuche, eine Sammlung wie ihre zu erreichen.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2006.jpg" rel="lightbox[54646]"><img title="Mongolia 2006 © Przemek Strzelecki"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2006-650x429.jpg" alt="Mongolia 2006 © Przemek Strzelecki" width="650" height="429" class="alignnone size-medium wp-image-55623" /></a></p>
<p><strong>Du reist sehr oft, oder? Was motiviert Dich dazu?</strong></p>
<p>Ja, ich reise, aber eigentlich nicht sehr viel. Pro Jahr mache ich normalerweise eine gro&#223;e Reise in die Mongolei und einen k&#252;rzeren Trip – meist mit dem Fahrrad – an irgendeinen Ort in Osteuropa.</p>
<p>Ich unternehme auch sehr viele Wochenendtrips in die Slowakei oder nach Tschechien, weil es mir dort einfach sehr gef&#228;llt.</p>
<p>Ich stecke mir immer etwa 25 Euro ein, das reicht dann f&#252;r drei Tage. Ich schlafe im Wald oder in verlassenen H&#228;usern, bewege mich zu Fu&#223; oder mit dem Fahrrad und trinke viel Bier mit den Einheimischen, was mir Gelegenheit gibt, eine Menge guter Bilder zu machen.</p>
<p>Und meine Motivation? Ich werde mal die Worte eines unbekannten Autors verwenden, um den zweiten Teil Deiner Frage zu beantworten: „Reise weit. Bleib lange. Schau genau hin. Und m&#246;ge die Sonne zwei Mal aufgehen, bevor Du schlafen gehst.“</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2011-3.jpg" rel="lightbox[54646]"><img title="Mongolia 2011 © Przemek Strzelecki"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2011-3-339x527.jpg" alt="Mongolia 2011 © Przemek Strzelecki" width="300" height="466" class="alignnone size-thumbnail wp-image-55625" /></a><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2012.jpg" rel="lightbox[54646]"><img title="Mongolia 2012 © Przemek Strzelecki"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2012-339x519.jpg" alt="Mongolia 2012 © Przemek Strzelecki" width="305" height="473" class="alignnone size-thumbnail wp-image-55626" /></a></p>
<p><strong>Dass Du den Menschen nahe bist, spiegelt sich sehr gut in Deinen Bildern wider, insbesondere in Deinen Fotos aus der Mongolei. In ihnen steckt eine gewisse Vertrautheit. Was ist es, das Dich Jahr f&#252;r Jahr immer wieder zur&#252;ck in dieses Land f&#252;hrt?</strong></p>
<p>Die Mongolei ist ein Ort, an dem man sich absolut frei f&#252;hlen kann. Ich habe dort alles gefunden, was ich in all den Jahren des Reisens gesucht habe.</p>
<p>Wenn ich dort bin, f&#252;hle ich mich, als w&#228;re mein Traum wahr geworden. Ein Traum, den ich als Kind hatte, wenn ich bis sp&#228;t in die Nacht B&#252;cher von Jack London las, die mir mein Vater gegeben hatte.</p>
<p>F&#252;r mich ist die Mongolei einer der letzten Orte auf der Erde, an denen man Stille und Weite finden kann, raue Menschen und einen so klaren Sternenhimmel, dass man den Eindruck hat, die Sterne seien so nah wie &#196;pfel an einem Baum. Das ist wirklich erstaunlich.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2011-1.jpg" rel="lightbox[54646]"><img title="Mongolia 2011 © Przemek Strzelecki"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2011-1-339x517.jpg" alt="Mongolia 2011 © Przemek Strzelecki" width="310" height="475" class="alignnone size-thumbnail wp-image-55636" /></a><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2011.jpg" rel="lightbox[54646]"><img title="Mongolia 2011 © Przemek Strzelecki"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/mongolia-2011-339x513.jpg" alt="Mongolia 2011 © Przemek Strzelecki" width="312" height="480" class="alignnone size-thumbnail wp-image-55637" /></a></p>
<p><strong>Das klingt fantastisch. W&#252;rdest Du Dich selbst als Romantiker bezeichnen?</strong></p>
<p>Ich find&#8217;s eher schwierig, mich selbst zu beschreiben. Romantiker? Vielleicht, ja, doch, ich denke schon. Ich lebe in einer Welt von Tr&#228;umen und ich wurde zu sp&#228;t geboren.</p>
<p>Die Zeit der gro&#223;en Abenteuer und Entdeckungen ist l&#228;ngst vorbei. Als ich klein war, habe ich Hunderte B&#252;cher gelesen, die mich verr&#252;ckt danach machten, etwas Neues zu entdecken und zu erleben. Ich bin immer noch ein Kind im K&#246;rper eines fast vierzigj&#228;hrigen Mannes. Habe die ganze Zeit Tausende neue Ideen.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/Mongolia-2011-2.jpg" rel="lightbox[54646]"><img title="Mongolia 2011 © Przemek Strzelecki"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/Mongolia-2011-2-650x418.jpg" alt="Mongolia 2011 © Przemek Strzelecki" width="650" height="418" class="alignnone size-medium wp-image-55624" /></a></p>
<p>1993, als ich gerade 16 Jahre alt war, machte ich meine erste gro&#223;e Reise zum Baikalsee. Danach habe ich drei bis vier Jahre lang unter offenem Himmel geschlafen. </p>
<p>Ich habe festgestellt, dass ich krank bin – infiziert mit der Abenteuerkrankheit &#8211; und ich hoffe, dass ich niemals geheilt werde. Ich m&#246;chte an dieser Stelle Joe E. Lewis zitieren: „Man lebt nur einmal, aber wenn man es richtig anstellt, ist einmal genug.“</p>
<p>Es gibt nichts Sch&#246;neres als in einem Schlafsack unter dem Sternenhimmel zu liegen. Egal wo, es geht &#252;berall.</p>
<p><strong>Przemek, herzlichen Dank f&#252;r das Interview und Dir alles, alles Gute f&#252;r die Zukunft.</strong></p>
<p><em>Wir haben das Interview auf Englisch gef&#252;hrt. Ich habe es anschlie&#223;end ins Deutsche &#252;bersetzt.</em></p>
<p></p>
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		<title>Im Gespr&#228;ch mit Samuel Poromaa</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Feb 2013 06:54:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Aileen Wessely</dc:creator>
				<category><![CDATA[Abstrakt]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[betrachter]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Samuel Poromaa</strong></p>Kurzes Vorwort, langes Interview: Manchmal findet man als Interviewer erst im Gespr&#228;ch selbst heraus, dass der K&#252;nstler, den man sowieso vorstellen m&#246;chte, noch viel interessanter ist als man dachte. Und jede Menge spannende Gedanken hat, die er im Folgenden mit uns und Euch teilt. „Contact“ aus der Serie „The Silence Of Many“ Hallo Samuel. Danke, [...]<p></p>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Beitrag von: <strong>Samuel Poromaa</strong></p><p><strong>Kurzes Vorwort, langes Interview: Manchmal findet man als Interviewer erst im Gespr&#228;ch selbst heraus, dass der K&#252;nstler, den man sowieso vorstellen m&#246;chte, noch viel interessanter ist als man dachte. Und jede Menge spannende Gedanken hat, die er im Folgenden mit uns und Euch teilt.</strong></p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/contact__the_silence_of_many__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/contact__the_silence_of_many__by_poromaa-650x650.jpg" title="Contact (The Silence Of Many) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54506" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Contact“ aus der Serie „The Silence Of Many“</span></p>
<p><strong>Hallo Samuel. Danke, dass Du Dir die Zeit f&#252;r ein Interview mit uns nimmst. Zuerst, erz&#228;hl uns doch mal ein bisschen was &#252;ber Dich: Wer bist Du, was machst Du?</strong></p>
<p>Mein Name ist Samuel Poromaa, ich bin ein schwedischer K&#252;nstler und lebe in Stockholm. Ich wurde 1960 in Kiruna geboren, das ist eine kleine Bergbau-Gemeinde weit oben im Norden von Schweden nahe dem Gebirge, das die nat&#252;rliche Grenze zwischen Schweden und Norwegen bildet.</p>
<p>Ich bin eigentlich wirklich kein Fotograf. Na gut, man k&#246;nnte wohl sagen, dass ich ein Fotograf geworden bin, da ich ja Fotos mache, aber in meiner Vorstellung bin ich ein konzeptioneller K&#252;nstler, dessen Handwerkszeug im Moment die Kamera und die digitale Dunkelkammer sind. </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/bones__the_site__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/bones__the_site__by_poromaa-650x650.jpg" title="Bones (The Site) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54504" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Bones“ aus der Serie „The Site“</span></p>
<p>Obwohl ich schon seit den sp&#228;ten 70er Jahren mit einer Kamera Schnappsch&#252;sse mache, vor allem, um Fotos als so eine Art Skizzenbuch f&#252;r meine Gem&#228;lde zu benutzen, habe ich damals nicht eine Sekunde daran gedacht, dass die Kamera selbst auch das haupts&#228;chliche Werkzeug f&#252;r Kunst sein k&#246;nnte.</p>
<p>Nachdem in den 1990er Jahren mein Studium abgeschlossen war, habe ich im Grunde nur gemalt und alles, was ich machte, um mir eine Karriere mit Ausstellungen in ganz Schweden aufzubauen, drehte sich st&#228;ndig um Farben und Pinsel und Leinw&#228;nde und das ganze Zeug.</p>
<p>Daher denke ich heute auch mehr wie ein Maler, wenn ich mit der Kamera und der digitalen Dunkelkammer arbeite &#8211; und ich bin &#252;berzeugt davon, dass es einen Unterschied im Denken gibt. Das ist meine Erfahrung, nachdem ich K&#252;nstler und Fotografen getroffen und mit allen &#252;ber die Fragen der Gemeinsamkeiten diskutiert habe. Heute f&#252;hle ich mich etwas zwischen zwei Welten h&#228;ngend, aber im Herzen werde ich wohl immer ein Maler sein.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/yellow_skeleton__playground__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/yellow_skeleton__playground__by_poromaa-650x650.jpg" title="Yellow Skeleton (Playground) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54524" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Yellow Skeleton“ aus der Serie „Playground“</span></p>
<p><strong>Wie bist Du denn &#252;berhaupt zur Kunst &#8211; also zuerst zur Malerei &#8211; gekommen?</strong></p>
<p>Als Kind und Jugendlicher in Kiruna drehte sich mein Leben ziemlich um die Kunst der Cartoons, ich habe eine Menge gezeichnet und mochte Superhelden sehr gern, habe also Comics (vor allem von Marvel) gesammelt, die zumindest damals dort sehr schwer zu bekommen waren. </p>
<p>Genau genommen war es so eine Art Wettstreit zwischen uns Jungs, an die Magazine heranzukommen, sie aus den Staaten zu importieren, sie untereinander zu tauschen oder sie manchmal sogar zu stehlen. Ich denke, dass mein heutiges gro&#223;es Interesse und die Inspiration aus aktueller Popkultur damals angeregt wurden, als ich Mitte der 70er als Teenager von den Fantastischen Vier oder Captain America las und davon tr&#228;umte, Cartoonzeichner zu werden.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/12__numbers__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/12__numbers__by_poromaa-650x650.jpg" title="12 (Numbers) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54503" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„12“ aus der Serie „Numbers“</span></p>
<p>Meine erste echte Begegnung mit der Malkunst trug sich auf einer Schulexkursion nach Amsterdam zu. Ich war 15 und es war meine erste Reise au&#223;erhalb Schwedens ohne meine Eltern. Daher drehten sich meine Gedanken nat&#252;rlich nicht prim&#228;r um Kultur und Kunst. Aber wir landeten trotzdem im Rijksmuseum und dieser Besuch &#228;nderte einfach alles f&#252;r mich: Ich entschied, Maler zu werden.</p>
<p>So studierte ich nach meinem Abitur zwei Jahre lang an der Sunderby Folkh&#246;gskola die technischen Grundlagen der Kunst und sp&#228;ter Malerei am Konstfack University College of Arts, Crafts and Design in Stockholm, wo ich 1989 meinen Abschluss als Master of Fine Arts MFA machte.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/reserved__keep_on_walking__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/reserved__keep_on_walking__by_poromaa-650x577.jpg" title="Reserved (Keep On Walking) © Poromaa" width="650" height="577" class="aligncenter size-medium wp-image-54516" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Reserved“ aus der Serie „Keep On Walking“</span></p>
<p><strong>Wie ist es passiert, dass sich dieser Maler dann in einen Fotografen verwandelte?</strong></p>
<p>Etwa um 1997 habe ich die Malerei aufgegeben, weil ich genug von dem hatte, was ich tat und weil die Galerie, mit der ich seit fast acht Jahren zusammengearbeitet hatte, geschlossen wurde. Es war also Zeit f&#252;r mich, weiterzuziehen und ich wollte auch, dass sich etwas &#228;nderte; ich wollte diesen ziemlich traditionellen Kunstweg verlassen und andere M&#246;glichkeiten erkunden.</p>
<p>Also begab ich mich in die virtuelle Welt und machte quasi alles, was nichts mit Malerei zu tun hatte: Video, digitale Bilderzeugung, Fotografie und sogar Grafikdesign. Ich bewegte mich also von eher klassischen Landschaftsmalereien beinahe romantischer Tradition hin zu Dingen, bei denen es eher um Konzepte und Ideen ging. So weit wie m&#246;glich weg von den &#228;sthetischen Auffassungen, die bisher mein Alltag gewesen waren.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/together__keep_on_walking__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/together__keep_on_walking__by_poromaa-650x650.jpg" title="Together (Keep On Walking) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54522" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Together“ aus der Serie „Keep On Walking“</span></p>
<p>Aber auf diesem Weg f&#252;hlte ich mich irgendwann auch, als w&#252;rde ich genau die Dinge machen, die ich machen musste, um „zeitgen&#246;ssisch“ zu sein. Ich hatte mehr und mehr ein Gef&#252;hl der Unzufriedenheit, fragte viele „Warums“ &#8211; und mich selbst, was ich machen muss, um mir treu zu bleiben.</p>
<p>Es war dann etwa um das Jahr 2000, dass ich anfing, nach einem Weg zu suchen, Kunst so zu machen, dass ich nicht zur&#252;ck zu den Landschaften, mich aber trotzdem auch nicht dem Strom der anti-&#228;sthetischen oder sogar anti-visuellen Kunst anschlie&#223;en musste. Die Fotografie schien ein Medium zu sein, das zwischen diesen beiden Extremen liegt und das ich genauer entdecken wollte.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/composed__keep_on_walking__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/composed__keep_on_walking__by_poromaa-650x650.jpg" title="Composed (Keep On Walking) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54505" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Composed“ aus der Serie „Keep On Walking“</span></p>
<p><strong>Als ein K&#252;nstler, der schon mit so vielen verschiedenen Medien gearbeitet hat, hast Du eine ganz grundlegende Philosophie bei allem, was Du machst?</strong></p>
<p>Ich bin ein &#196;sthet. Die &#196;sthetik eines Bildes ist das Herzst&#252;ck dessen, worum ich mich als K&#252;nstler immer k&#252;mmern muss. Aber gleichzeitig glaube ich, dass es mehr geben muss als nur das visuelle Vergn&#252;gen der &#196;sthetik, um ein interessantes Bild oder Kunst zu machen. </p>
<p>Manchmal denke ich, dass die &#196;sthetik die Funktion einer T&#252;r hat, die bestenfalls zu einem Raum f&#252;hrt, wo das Konzept des Kunstwerks auf das Publikum wartet. Man kann ohne diese T&#252;r nicht in den Raum mit dem Konzept gelangen, aber andererseits ist eine T&#252;r, die nirgendwohin f&#252;hrt, ziemlich sinnlos. </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/square_one__square_one__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/square_one__square_one__by_poromaa-650x650.jpg" title="Square One (Square One) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54517" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Square One“ aus der Serie „Square One“</span></p>
<p>F&#252;r mich ist die Fotografie das Bild in seiner reinen Form und es geht dabei auch um visuelles Vergn&#252;gen und die Kunst, zu sehen, aber sie kann auch einer konzeptuellen Art, die Welt und seine eigenen inneren Gedanken zu erkunden, dienen. </p>
<p>Die Fotografie wird immer mit dem Auge und mit „Realit&#228;t“ verbunden sein, was eine interessante Abgrenzung ist, mit der man umgehen muss, weil die Arbeit mit der Kamera immer durch das definiert ist, was man selbst und was die Kamera sieht. Das ist aber per Definition nicht das Gleiche, wie die Realit&#228;t objektiv oder wahrheitsgetreu zu beschreiben.</p>
<p>Das ist nicht m&#246;glich; es ist und wird immer eine Sache der Subjektivit&#228;t und der Komplexit&#228;t, eine dreidimensionale Wahrnehmung auf die flache Oberfl&#228;che eines Fotos zu &#252;bertragen, sein. Dadurch entfernt sich alles umso weiter von Objektivit&#228;t. Die Wahrheit &#252;ber die Realit&#228;t wird immer ein offenes Problem sein. Das ist ein wichtiger Faktor und das, was mich antreibt, k&#252;nstlerisch zu arbeiten.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/omen__underneath__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/omen__underneath__by_poromaa-650x650.jpg" title="Omen (Underneath) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54511" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Omen“ aus der Serie „Underneath“</span></p>
<p><strong>Was f&#252;r ein Fotograf bist Du, was willst Du zeigen?</strong></p>
<p>Ich versuche, das zu benutzen, was ich sehe, dabei erkunde ich das urbane Umfeld, dessen Teil ich auch bin und versuche, eine andere Geschichte zu erz&#228;hlen, die dann aber fast immer auf meiner eigenen T&#252;rschwelle endet, wenn man so will.</p>
<p>Zum Beispiel war eines meiner ersten Projekte, Fotos von der Stra&#223;e zu machen. Aber nicht so, wie es vielleicht ein Stra&#223;enfotograf tun w&#252;rde, sondern indem ich die Kamera auf den Boden gerichtet und Aufnahmen vom Asphalt gemacht habe. Also den Beton als eine Art Repr&#228;sentation f&#252;r eine Landschaft oder sogar einen alternativen Atlas der Welt benutzt. </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/the_monument__underneath__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/the_monument__underneath__by_poromaa-650x650.jpg" title="The Monument (Underneath) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54520" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„The Monument“ aus der Serie „Underneath“</span></p>
<p>Ich erhalte viele Kommentare, dass meine urbanen Fotos sehr leer und fast immer auch ohne die Pr&#228;senz von Lebens seien. Und das ist nat&#252;rlich richtig, zumindest oberfl&#228;chlich betrachtet. Ich habe dar&#252;ber viel nachgedacht: Ich meine, mit Urbanit&#228;t zu arbeiten, sollte das nicht gerade vom Leben und der Anwesenheit der Menschheit handeln?</p>
<p>Wenn man das einen Stra&#223;enfotografen fragt, ist die Antwort zweifelsfrei „ja“, aber f&#252;r mich ist die Frage nicht so leicht zu beantworten. Wenn man genau hinsieht, stellt man fest, dass meine Bilder indirekt auch vom Leben handeln. Das ist auch die Idee dahinter und sehr wichtig f&#252;r mich.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/perimeter_patrol__schematics__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/perimeter_patrol__schematics__by_poromaa-650x650.jpg" title="Perimeter Patrol (Schematics) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54513" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Perimeter Patrol“ aus der Serie „Schematics“</span></p>
<p><strong>Was inspiriert Dich?</strong></p>
<p>Diese Idee, das Leben auf indirekte Art darzustellen, wurde bei mir von der Welt eines Spiels inspiriert. Genauer gesagt eines Spieles, das ich 2000 gespielt habe und auch durch einen Film, der um die gleiche Zeit hier im schwedischen Fernsehen ausgestrahlt wurde.</p>
<p>Das Spiel war die erste Ausgabe von „Deus Ex“, einem Computer-Rollenspiel, das eine dunkle Story &#252;ber eine Verschw&#246;rung und Technologie und die Andeutung vom Gott in der Maschine hat, angesiedelt in einer urbanen und dystopischen Umgebung. Die &#196;sthetik dieses Spiels hat mich sehr inspiriert, obwohl ich jetzt wei&#223;, warum die Umgebung dort so dunkel und leer war &#8211; eine Konsequenz der unzureichenden Technologie zu dieser Zeit.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/proboscis_ii__the_elephant_song__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/proboscis_ii__the_elephant_song__by_poromaa-650x650.jpg" title="Proboscis II (The Elephant Song) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54514" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Proboscis II“ aus der Serie „The Elephant Song“</span></p>
<p>Der Film, den ich sah, war „Langoliers“, nach einem Buch von Stephen King, in dem es um eine Gruppe von Menschen geht, die irgendwie in einem Zwischenraum von Jetzt und Damals gefangen werden. Sie treiben in einem Limbus, in dem alles schon passiert ist und Dinge, die erst kommen, noch nicht passiert sind. Also ist die Welt leer bis auf die Spuren der menschlichen Aktivit&#228;t, die man auch in leeren R&#228;umen in der Realit&#228;t vorfindet.</p>
<p>Diese Ideen sind sozusagen der Schl&#252;ssel dazu, wie ich mit meinen urbanen Erkundungen umgehe. Ich versuche, die Umgebung zwischen zwei Ereignissen zu benutzen, indem ich nach &#220;berresten suche, die f&#252;r mich viel interessanter sind als die Ereignisse selbst. Ich w&#252;rde sagen, dass fast jedes Bild aus meiner Serie „Urban Walks“ das Ergebnis der Suche nach diesen Spuren zwischen den Ereignissen, nach Spuren des Lebens, menschlicher Aktivit&#228;ten ist.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/out__a_place_of_none__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/out__a_place_of_none__by_poromaa-650x650.jpg" title="Out (A Place Of None) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54512" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Out“ aus der Serie „A Place Of None“</span></p>
<p><strong>Du scheinst immer in Serien zu arbeiten.</strong></p>
<p>Um ehrlich zu sein, kann ich mich gar nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal nur ein einzelnes Bild gemacht habe. Diese Art zu arbeiten sagt nat&#252;rlich alles &#252;ber mich aus, der ich immer versuche, eine Geschichte zu erz&#228;hlen. Obwohl die meisten dieser „Geschichten“ in ihrer Form recht frei sind &#8211; eher wie fragmentierte Ideen oder Fragen in visueller Form &#8211; bin ich mir sicher, dass diese Arbeitsweise meinem Kindheitstraum, ein Cartoonzeichner zu werden, entspringt.</p>
<p>Irgendwie bin ich wieder da, wo ich angefangen habe &#8211; nur ohne die Superhelden.</p>
<p>Da sind Serien, die wie Comicstrips sind: Kurz und hoffnungsvoll s&#252;&#223; wie etwa „The Elephant Song“ oder „Schematics“ und dann sind da auch die niemals endenden Geschichten. „Urban Walks“ ist eine, an der ich st&#228;ndig weiterarbeite und 2011 ein Buch mit 144 Bildern dieser fortlaufenden Geschichte ver&#246;ffentlicht habe. Das Gleiche gilt f&#252;r die Serie „Resonance“, die ich gerade f&#252;r eine Ausstellung hier in Stockholm vorbereite.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/red_devil__a_place_of_none__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/red_devil__a_place_of_none__by_poromaa-650x650.jpg" title="Red Devil (A Place Of None) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54515" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Red Devil“ aus der Serie „A Place Of None“</span></p>
<p><strong>Welche Funktion haben die Titel der Bilder und Serien in Deinen Arbeiten?</strong></p>
<p>Titel sind essentiell und ich muss sogar sagen, dass ich manchmal Bilder, die ich eigentlich mochte, aus einer Serie oder &#252;berhaupt ausgeschlossen habe, weil ich es nicht geschafft habe, den richtigen Dreh f&#252;r den Titel zu finden. Sie sind also sicherlich ein zentraler Teil meines k&#252;nstlerischen Konzeptes.</p>
<p>Aber es gab auch Zeiten, in denen ich meinen Bildern &#252;berhaupt keine Namen gegeben habe. Ich hatte diese Idee, das Feld f&#252;r den Betrachter komplett offen zu lassen, damit er selbst eine Idee entwickeln oder meine Arbeit selbst konzeptuell erleben kann. Vollkommen getrennt von jeglichen Ideen, die ich vielleicht hatte, als ich das Bild kreiert habe. </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/take_a_seat__urban_walks__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/take_a_seat__urban_walks__by_poromaa-650x650.jpg" title="Take A Seat (Urban Walks) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54518" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Take A Seat“ aus der Serie „Urban Walks“</span></p>
<p>Und da Worte, die geschriebene Sprache, in ihrer Natur so suggestiv sind, wenn sie in den Kopf kommen, weil sie so viel st&#228;rker als Bilder sind, dem Publikum eine Idee zu suggerieren oder sogar in den Geist zu pflanzen, hatte ich entschieden, gar keine Titel zu vergeben. Ich wollte auch klar machen, dass ich nicht Literatur mache, sondern ein visueller K&#252;nstler bin.</p>
<p>Diese Idee, dass die Kunst zwangsl&#228;ufig so etwas wie eine offene Frage ist, ist nat&#252;rlich immer noch im Zentrum dessen, was ich tue. Ich glaube, dass man als K&#252;nstler seine Arbeiten an einem bestimmten Punkt „aussetzen“ und sie den Betrachtern &#252;bergeben muss. F&#252;r die Umsetzung der Idee von offenen Fragen wiederum sind Bilder sehr viel st&#228;rker, verglichen mit dem geschriebenen Wort.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/biscuit_urban_walks_by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/biscuit_urban_walks_by_poromaa-650x650.jpg" title="Biscuit (Urban Walks) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54538" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Biscuit“ aus der Serie „Urban Walks“</span></p>
<p><strong>Warum setzt Du Titel heute in Deinen Arbeiten dann doch wieder ein?</strong></p>
<p>Wenn ich ehrlich bin, mag ich es ja, Ideen anzuregen und Geschichten zu erz&#228;hlen. Ich bin ein konzeptueller K&#252;nstler und Ideen kommen in diesem Territorium von ganz allein, sozusagen. Wenn man also nicht gerade Kunst in Form von Installationen macht, sondern Bilder allein, dann k&#246;nnen die Titel eine M&#246;glichkeit sein, das Erlebnis einer &#252;bertragenen Idee oder &#8211; pr&#228;ziser &#8211; einer gestellten Frage, zu verbessern. </p>
<p>Titel funktionieren f&#252;r mich auf die gleiche Weise f&#252;r das Konzept eines Werkes wie die &#196;sthetik dazu beitr&#228;gt, das Konzept zu erreichen; also wieder so etwas wie eine T&#252;r f&#252;r den Zugang. Und obwohl ich immer noch nicht sicher bin, ob das wirklich notwendig ist, finde ich es fesselnd, Titel als Teil oder zur Verbesserung der Erfahrung zu benutzen. Oder sogar, um Dinge zu problematisieren, die Frage genauer zu stellen.</p>
<p>Wenn Du all das bedenkst, kannst Du die Komplexit&#228;t des Prozesses, Bilder mit Titeln f&#252;r eine Serie zu versehen, verstehen und wie schwer das sein kann. Aber gleichzeitig auch, wie interessant es ist, diese Gegens&#228;tze auszubalancieren. Den Drang zu haben, &#252;ber Ideen zu „sprechen“, Fragen zu stellen oder zumindest, sie sichtbar zu machen, gleichzeitig dem Betrachter aber nicht vorgeben zu wollen, was er denken soll, die Antwort zu verraten oder die ganze Geschichte auf einem Silbertablett zu pr&#228;sentieren.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/happydays_i__urban_walks__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/happydays_i__urban_walks__by_poromaa-650x650.jpg" title="Happy Days I (Urban Walks) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54507" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Happy Days I“ aus der Serie „Urban Walks“</span></p>
<p><strong>Deine Serien wie auch die Bilder innerhalb der Serien haben eigene Titel &#8211; da stellst Du aber viele Fragen!</strong></p>
<p>Es gibt da einen feinen Unterschied in meinem Denken, wenn es darum geht, Titel f&#252;r Serien zu finden oder f&#252;r einzelne Bilder. Die Serie ist sozusagen der K&#246;rper und die Titel dieser K&#246;rper entspringen fast immer Dingen, die nicht zwingend offensichtlich sind. </p>
<p>„Urban Walks“ ist nat&#252;rlich ein Titel, der ist, was er ist: Ich laufe in der urbanen Landschaft rum und versuche, diese Spazierg&#228;nge irgendwie zu visualisieren. Aber selbst hier ist eine leichte St&#246;rung im Titel, da die Art der Darstellung gerade nicht dokumentarisch ist. Wenn man Titel wie „The Village“, „The World Map“ oder „Resonance“ betrachtet, sind sie schon eher am offensichtlichen Ende der Skala angeordnet.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/happydays_ii__urban_walks__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img title="Happy Days II (Urban Walks) © Poromaa"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/happydays_ii__urban_walks__by_poromaa-650x650.jpg" alt="Happy Days II (Urban Walks) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54508" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Happy Days II“ aus der Serie „Urban Walks“</span></p>
<p><strong>Kannst Du noch mehr &#252;ber diese Beispiele sagen?</strong></p>
<p>Als ich „The Village“ machte, war mein erster Gedanke, es irgendwas um „The Ghost Town“ herum zu nennen, weil der Ort, an dem ich fotografierte, eine Ahnung von genau dem hatte: Einer Stadt voller Geister. Und ich stellte mir vor, wie die Graffiti auf den W&#228;nden und in der Umgebung so eine Art fortdauernde Unterhaltung der Geister an diesem Ort w&#228;ren, dass die Tags, Krakeleien und unvollst&#228;ndigen Nachrichten in einer Geistersprache geschrieben wurden oder sogar ihre visuellen Stellvertreter sind.</p>
<p>Aber als ich dann mit der Nachbearbeitung begann, f&#252;hlte ich eine auff&#228;llige &#196;hnlichkeit mit dem Ort und dem dargestellten Milieu, an das ich mich aus dem Film „The Village“ erinnerte. Der Film spielt an einem Ort, der von hohen W&#228;nden und einem „beobachtenden“ Wald umgeben ist. Das Licht und die Atmosph&#228;re vor Ort erinnerten mich auch sehr an meine Erfahrung des Films und die Idee seiner darunterliegenden Geschichte war nicht so weit von meinen urspr&#252;nglichen Gedanken entfernt, aber offener, soweit die Ideen &#228;hnlich sind. </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/it_s_a_living__urban_walks__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img title="It&#039;s A Living (Urban Walks) © Poromaa"  src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/it_s_a_living__urban_walks__by_poromaa-650x433.jpg" alt="It&#039;s A Living (Urban Walks) © Poromaa" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-54509" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„It&#8217;s A Living“ aus der Serie „Urban Walks“</span></p>
<p>„The World Map“ ist ein Titel, der sich ganz darum dreht, die Welt auf eine alternative Art als Landschaften oder Orte wahrzunehmen. Die Bildebene besch&#228;ftigt sich auch mit dem Wechsel der Perspektive. Oberfl&#228;chlich betrachtet sind es Bilder, die zeigen, was man sieht, wenn man die Kamera auf die Asphaltoberfl&#228;che oder einfach den Boden richtet. Aber ich habe die Bilder immer als fast topografische Ansichten eines alternativen Universums gesehen.</p>
<p>„Resonance“ entstand aus einer Idee von Ger&#228;uschen und Musik. Ich erinnere mich daran, dass ich sehr viel &#252;ber die verschiedenen Kl&#228;nge nachdachte, die die Container machen, wenn man auf ihnen klopft &#8211; je nachdem, ob sie leer oder mit etwas gef&#252;llt sind. Diese fundamentale Idee funktioniert seitdem f&#252;r die Serie, obwohl es um so viel mehr geht als nur ein Metallecho, das durch die Stille hallt. </p>
<p>Aber da der Titel so offen gehalten ist wie ich es mag, habe ich ihn behalten und denke inzwischen auch nur sehr selten an Kl&#228;nge, wenn ich neue Bilder zur Serie hinzuf&#252;ge. Wenn man sehr lange an einer Serie arbeitet, tendiert sie immer dazu, sich zu bewegen und zu verschieben, ein Eigenleben zu entwickeln &#8211; und das ist ja gerade das wirklich Interessante daran.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/the_ballad_of_yang_ming__resonance__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/the_ballad_of_yang_ming__resonance__by_poromaa-650x500.jpg" title="The Ballad Of Yang Ming (Resonance) © Poromaa" width="650" height="500" class="aligncenter size-medium wp-image-54519" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„The Ballad Of Yang Ming“ aus der Serie „Resonance“</span></p>
<p><strong>Steckst Du manchmal besondere Wendungen oder Hinweise in Deine Titel, um den Betrachter etwas mehr in eine bestimmte Richtung zu lenken?</strong></p>
<p>Wenn ich meinen Bildern Titel gebe, versuche ich alles, um Hinweise zu geben, zu problematisieren oder die Wahrnehmung des Betrachters vom Offensichtlichen abzulenken und etwas von der Realit&#228;t in die imagin&#228;re Welt zu ziehen. Verbunden damit, wie ich meine Vorstellungskraft benutze, wenn ich Dinge sehe, aber ohne ein Dogma. </p>
<p>Das kann alles sein von Ironie &#252;ber Humor bis zu poetischen Reflexionen oder schlichtem Unsinn. Es kann darum gehen, etwas zu sagen, das im Widerspruch zum Sichtbaren steht oder etwas, das ich direkt vom Bild aufgreife, nicht immer das Offensichtliche, eher Dinge, die hinter den Kulissen warten &#8211; die kleineren Dinge, sozusagen.</p>
<p>Beispiele w&#228;ren die zwei Bilder „Happy Days“ 1 und 2 und „It&#8217;s A Living“ aus der Serie „Urban Walks“, dort sind die Titel ein bisschen ironisch oder, um genauer zu sein, tragi-komische Reflexionen dessen, was ich gesehen oder erlebt habe. </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/there_is_a_zebra_outside_my_window_by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/there_is_a_zebra_outside_my_window_by_poromaa-650x650.jpg" title="There Is A Zebra Outside My Window (The World Map) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54521" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„There Is A Zebra Outside My Window“ aus der Serie „The World Map“</span></p>
<p>Im Kontrast dazu hat „The Ballad Of Yang Ming“ aus „Resonance“ einen Titel, der einen anderen, eher romantischen und poetischen Ton anschl&#228;gt, ein Hauch von Zeit und Reise, die Echos des Jetzt und Damals. </p>
<p>Aus „The World Map“ ist „There Is A Zebra Outside My Window“ erw&#228;hnenswert; der Titel ist fast eine direkte Reflexion dessen, was man im Bild sehen kann, aber er suggeriert etwas anderes. </p>
<p>Und schlussendlich f&#228;llt mir noch „Let Us Enter“ aus der Serie „The Village“ ein, bei dem der Titel sehr eng mit der Idee der Geister verbunden ist. Es geht um meinen Eindruck, dass die Geister sich in Form der Graffiti materialisieren, darauf dr&#228;ngen, einzutreten, vielleicht nur in den Raum hinter der Metallt&#252;r, aber vielleicht auch in Deinen Kopf. Wer wei&#223;?</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/let_us_enter__the_village__by_poromaa.jpg" rel="lightbox[52959]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/02/let_us_enter__the_village__by_poromaa-650x650.jpg" title="Let Us Enter (The Village) © Poromaa" width="650" height="650" class="aligncenter size-medium wp-image-54510" /></a><br />
<span style="color: #888; font-size: small">„Let Us Enter“ aus der Serie „The Village“</span></p>
<p><span style="color: #888; font-size: small">Titelbild: „You Shall Not Pass“ aus der Serie „The Village“.</span></p>
<p><span style="color: #888; font-size: small">Ich habe das Interview mit Samuel auf Englisch gef&#252;hrt und anschlie&#223;end ins Deutsche &#252;bersetzt.</span></p>
<p></p>
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		<title>Im Gespr&#228;ch mit David Olkarny</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Feb 2013 07:12:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Normen Gadiel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>
		<category><![CDATA[David Olkarny]]></category>
		<category><![CDATA[Flashlight]]></category>
		<category><![CDATA[fotografie]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<category><![CDATA[portrait]]></category>
		<category><![CDATA[Rafael Deprost]]></category>

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		<description><![CDATA[David Olkarny, 25-j&#228;hriger Fotograf aus Belgien beeindruckte mich mit seinen Arbeiten sofort. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich die M&#246;glichkeit hatte, ihm in einem Interview etwas auf den Zahn zu f&#252;hlen. Seine Arbeiten k&#246;nnt Ihr Euch auf Flickr, Facebook und auf seiner Webseite anschauen. Hallo David, Deine Fotografien sind ziemlich beeindruckend. Wie bist Du [...]<p></p>
]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>David Olkarny, 25-j&#228;hriger Fotograf aus Belgien beeindruckte mich mit seinen Arbeiten sofort. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich die M&#246;glichkeit hatte, ihm in einem Interview etwas auf den Zahn zu f&#252;hlen. Seine Arbeiten k&#246;nnt Ihr Euch auf <a href="http://www.flickr.com/photos/olkaprod" target="_blank">Flickr</a>, <a href="https://www.facebook.com/Davidolkarny" target="_blank">Facebook</a> und auf seiner <a href="http://www.David-olkarny.com" target="_blank">Webseite</a> anschauen.</strong></p>
<p><strong>Hallo David, Deine Fotografien sind ziemlich beeindruckend. Wie bist Du zur Fotografie gekommen und wie lange dauerte es, bis zu dem Punkt zu kommen, an dem Du jetzt stehst?</strong></p>
<p>Danke. In meinem zweiten Studienjahr entdeckte ich die Fotografie f&#252;r mich. Ich habe Film studiert und meine erste Kamera war eigentlich f&#252;r Dreharbeiten und verschiedene Aufnahmen gedacht. Ich war von der Qualit&#228;t der Bilder, die mein neues Spielzeug fabrizierte, aber so begeistert und der Gedanke, dass ich nun atemberaubende Szenarien einfangen oder sogar kreieren konnte, lie&#223; mich erzittern. Es war klar: Ich musste Fotograf werden.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/4504156151052.jpg" rel="lightbox[53810]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/4504156151052-960x643.jpg" alt="copyrigth by David Olkarny" width="960" height="643" class="alignnone size-large wp-image-53816" /></a></p>
<p><strong>Die meisten Deiner Fotografien sind gekennzeichnet durch Farben, Accessoires und eine Menge Licht. Kannst Du uns Deine Arbeitsweise, angefangen von der Idee bis zum fertigen Bild, beschreiben?</strong></p>
<p>Ich beginne damit, einen Ort zu w&#228;hlen, der mich visuell anspricht. Dann suche ich ein geeignetes Modell daf&#252;r. An dieser Stelle fange ich an zu improvisieren. Ich bereite mich nicht im Vorfeld darauf vor, die richtige Location sorgt immer f&#252;r spontane Dinge und ich kann mir immer eine Szenerie w&#228;hrend des Shootings vorstellen. </p>
<p>Zuhause w&#228;hle ich die besten Fotos aus und bearbeite sie in Photoshop. In Photoshop kann es schon mehrere Stunden dauern, um die Farben zu ver&#228;ndern und die Realit&#228;t zu verzerren, um es kurz zu fassen: Ich bringe etwas Magisches in die Bilder.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/5864107072_d0d38e97d1_b.jpg" rel="lightbox[53810]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/5864107072_d0d38e97d1_b-960x678.jpg" alt="Copyrigth by David Olkarny" width="960" height="678" class="alignnone size-large wp-image-53817" /></a></p>
<p><strong>Wie hast Du gelernt, mit Blitzlicht und anderen Lichtquellen umzugehen?</strong></p>
<p>Gr&#246;&#223;tenteils habe ich den Umgang mit Licht in meinem Filmstudium gelernt. Es hat mir sehr geholfen, durch Licht verschiedene Stimmungen zu erzeugen und ich habe viel Equipment, das es mir erlaubt, das Licht so einzusetzen, wie ich es m&#246;chte.</p>
<p><strong>Wie sieht bei Dir die Nachbearbeitung aus? </strong></p>
<p>Ich benutze zun&#228;chst Lightroom, um meine Raw-Dateien zu sortieren und etwas zu bearbeiten und wenn ich sie dann sorgf&#228;ltig ausgew&#228;hlt habe, &#252;bernehme ich sie in Photoshop f&#252;r die weitere Bearbeitung. Was ich prinzipiell in Photoshop benutze, sind die zwei Bearbeitungsmodi Gradationskurven und Tonwertkorrektur, die mir wundersch&#246;ne Farben und einen starken Kontrast garantieren, um das im Bild hervorzuheben, was mir wichtig ist.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/8053111472_36712cefca_b.jpg" rel="lightbox[53810]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/8053111472_36712cefca_b-960x640.jpg" alt="Copyrigth by David Olkarny" width="960" height="640" class="alignnone size-large wp-image-53819" /></a></p>
<p><strong>Welche Art von Fotos machst Du am liebsten? </strong></p>
<p>Am liebsten mag ich Geschichten in einem Bild, die dem Betrachter etwas erz&#228;hlen und bei denen er die M&#246;glichkeit hat, zu interpretieren. Farbenstarke Bilder, ein Universum, das drau&#223;en stattfindet, weit weg von den Studios, mit einer Dosis Surrealit&#228;t, Fantasie und Schwerelosigkeit. Meine Arbeiten haben einen Hang zum Surrealen, es gibt viele Szenarien, die ziemlich konstruiert sind. Das erlaubt mir, mich von der Realit&#228;t zu l&#246;sen und meine eigene Sicht der Welt darzustellen.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/5456813114_aef9149e4d_b.jpg" rel="lightbox[53810]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/5456813114_aef9149e4d_b-960x642.jpg" alt="Copyright by David Olkarny" width="960" height="642" class="alignnone size-large wp-image-53822" /></a></p>
<p><strong>Welche Ratschl&#228;ge hast Du f&#252;r Anf&#228;nger, die gern mit Blitzlicht fotografieren m&#246;chten?</strong></p>
<p>Ich habe bemerkt, dass Fotografen sich immer mehr aufs Blitzlicht verlassen und dabei vergessen, auf das nat&#252;rliche Licht einer Szene zu achten. Das ist schade. Der beste Tipp ist, erst das nat&#252;rliche Licht zu analysieren und zu nutzen und dann unter Umst&#228;nden einen Blitz auf einem Stativ zus&#228;tzlich zu verwenden. Das Ergebnis wird &#252;berzeugender und sch&#246;ner ausfallen.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/8257409631_f0591b3d1a_h.jpg" rel="lightbox[53810]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/8257409631_f0591b3d1a_h-960x647.jpg" alt="Copyright by David Olkarny" width="960" height="647" class="alignnone size-large wp-image-53824" /></a> </p>
<p><strong>Zusammen mit <a href="https://www.facebook.com/Raf.Deprost" target="_blank">Rafael Deprost</a> hast Du bereits einige Backstage-Videos ver&#246;ffentlicht, bei denen der Zuschauer einen Blick hinter Deine Kulissen werfen kann. Wie bist Du auf die Idee gekommen?</strong> </p>
<p>Es war einfach der Gedanke, meine Arbeit etwas zu entmystifizieren. Ich wollte zeigen, dass ich mich selbst nicht zu ernst nehme und dass Fotografieren vor allem erst einmal Spa&#223; bedeutet.</p>
<div class="video">
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/54361259" width="500" height="281" frameborder="0" webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowFullScreen></iframe></p>
</div>
<p><strong>Wenn Du mit einem anderen Fotografen zusammenarbeiten k&#246;nntest, wen w&#252;rdest Du Dir aussuchen?</strong></p>
<p>Ich w&#252;rde unheimlich gern mit <a href="http://www.christophegilbert.com/" title="Christophe Gilbert Website" target="_blank">Christophe Gilbert</a> zusammenarbeiten. Er ist ein belgischer Werbefotograf und seine Arbeiten sind unglaublich.</p>
<p><strong>Was sind Deine Pl&#228;ne f&#252;r die Zukunft? Gibt es vielleicht ein geheimes Projekt, das Du &#252;ber <em>kwerfeldein</em> zuerst bekanntgeben m&#246;chtest?</strong></p>
<p>Ich werde in die Welt der Werbefotografie zur&#252;ckkehren. Mehr als zuvor und ich hoffe, mich professionell weiterzuentwickeln. Kleines Geheimnis: Derzeit ist ein neues Konzeptvideo in Produktion und es wird bald erscheinen! </p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/8229086725_434d974ef9_b.jpg" rel="lightbox[53810]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/8229086725_434d974ef9_b-960x646.jpg" alt="Copyright by David Olkarny" width="960" height="646" class="alignnone size-large wp-image-53832" /></a></p>
<p><strong>David, ich danke Dir f&#252;r dieses Interview und w&#252;nsche Dir viel Erfolg mit Deinen Pl&#228;nen. Hast Du abschlie&#223;end noch einen Ratschlag f&#252;r aufstrebende Fotografen? </strong></p>
<p>Mein Ratschlag zum Ende: Macht Fotos f&#252;r Euch und versucht nicht, einer Galerie oder der &#214;ffentlichkeit zu gefallen. Ich denke, dass das sehr wichtig ist und dass viele Fotografen in diese Richtung abdriften. Seid verr&#252;ckt, impulsiv, leidenschaftlich und waghalsig, aber ein wenig technisches Verst&#228;ndnis hat noch niemandem geschadet.</p>
<p>Danke f&#252;r das Interview!</p>
<p></p>
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		<title>Im Gespr&#228;ch mit Erik Johansson</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Feb 2013 08:11:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Aileen Wessely</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Collage]]></category>
		<category><![CDATA[erik johansson]]></category>
		<category><![CDATA[Illusion]]></category>
		<category><![CDATA[komposition]]></category>
		<category><![CDATA[kreativ]]></category>
		<category><![CDATA[Material]]></category>
		<category><![CDATA[nachbearbeitung]]></category>
		<category><![CDATA[perspektive]]></category>
		<category><![CDATA[photomanipulation]]></category>
		<category><![CDATA[photoshop]]></category>

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		<description><![CDATA[Zum ersten Mal bin ich &#252;ber die tollen Fotomontagen von Erik Johansson vor ein paar Jahren in einem Magazin gestolpert. Sp&#228;ter fand ich seine Arbeiten im Internet wieder und stellte fest, dass er sich in der Zwischenzeit sogar noch weiter verbessert und an verbl&#252;ffendere Ideen gewagt hatte. H&#246;chste Zeit also, Erik hier allen vorzustellen, die [...]<p></p>
]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zum ersten Mal bin ich &#252;ber die tollen Fotomontagen von <a href="http://erikjohanssonphoto.com/" target="_blank">Erik Johansson</a> vor ein paar Jahren in einem Magazin gestolpert. Sp&#228;ter fand ich seine Arbeiten im Internet wieder und stellte fest, dass er sich in der Zwischenzeit sogar noch weiter verbessert und an verbl&#252;ffendere Ideen gewagt hatte. </strong></p>
<p>H&#246;chste Zeit also, Erik hier allen vorzustellen, die ihm bisher in den Weiten des Internets noch nicht &#252;ber den Weg gelaufen sind. Im Interview erz&#228;hlt er von seiner Herangehensweise, der Wichtigkeit der Ideen und vom Lernen durch Ausprobieren.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/cutandfold.jpg" rel="lightbox[49973]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/cutandfold-650x433.jpg" alt="" title="Cut and fold © 2012 Erik Johansson" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-53267" /></a></p>
<p><strong>Hallo Erik. Danke, dass Du Dir die Zeit f&#252;r ein Interview mit uns nimmst. Zuerst, erz&#228;hl uns doch mal ein bisschen was &#252;ber Dich: Wer bist Du, was machst Du?</strong></p>
<p>Ich bin ein Fotograf und Retusche-K&#252;nstler aus Schweden. Ich fange nicht Momente ein, sondern Ideen. F&#252;r mich ist die Fotografie nur ein Weg, um Material zu sammeln, aus dem ich dann die Ideen aus meinem Kopf realisieren kann.</p>
<p>Obwohl ein einziges Foto aus Hunderten von Ebenen bestehen kann, m&#246;chte ich immer, dass es so aussieht, als k&#246;nnte es genau so aufgenommen worden sein. Jedes neue Projekt wird so zu einer neuen Herausforderung und mein Ziel ist es, sie alle so realistisch wie m&#246;glich umzusetzen.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/cuttinglight.jpg" rel="lightbox[49973]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/cuttinglight-650x520.jpg" alt="" title="Cutting light © 2012 Erik Johansson" width="650" height="520" class="aligncenter size-medium wp-image-53258" /></a></p>
<p><strong>Wie bist Du &#252;berhaupt zur Fotografie und den komplexen Kompositionen, die Du kreierst, gekommen?</strong></p>
<p>Ich wurde 1985 in der N&#228;he der kleinen Stadt G&#246;tene mitten in Schweden geboren. Soweit ich mich &#252;berhaupt zur&#252;ckerinnern kann, habe ich es immer geliebt, zu zeichnen. M&#246;glicherweise liegt das an meiner Gro&#223;mutter, die Malerin war. Ziemlich fr&#252;h habe ich mich au&#223;erdem f&#252;r Computer interessiert und bin durch Computerspiele in andere Welten gefl&#252;chtet. Im Alter von 15 Jahren habe ich dann meine erste Digitalkamera geschenkt bekommen, die regelrecht eine neue Welt f&#252;r mich ge&#246;ffnet hat.</p>
<p>Da ich ans Zeichnen gew&#246;hnt war, f&#252;hlte es sich sehr seltsam an, schon fertig zu sein, nachdem ich ein Foto aufgenommen hatte; es war einfach nicht der gleiche Prozess, etwas zu erschaffen. Da ich mich ja auch f&#252;r Computer interessierte, war es ein ziemlich nat&#252;rlicher Schritt f&#252;r mich, damit anzufangen, mit den Fotos herumzuspielen und so etwas herzustellen, was man mit der Kamera nicht aufnehmen kann. Es war ein toller Weg, so zu lernen, Lernen durch Ausprobieren.</p>
<p>Im Jahr 2005 bin ich dann nach G&#246;teborg gezogen, um Technische Informatik an der Chalmers University of Technology zu studieren. W&#228;hrend meiner Studienzeit habe ich mein Interesse an der Retusche wieder aufgenommen. Ich hatte viele Ideen, die ich umsetzen wollte und sah es einfach als Probleml&#246;sung an, diese Umsetzungen so realistisch wie m&#246;glich zu gestalten.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/Roadworkers-coffebreak.jpg" rel="lightbox[49973]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/Roadworkers-coffebreak-650x481.jpg" alt="" title="Roadworker&#039;s Coffeebreak © 2009 Erik Johansson" width="650" height="481" class="aligncenter size-medium wp-image-53263" /></a></p>
<p><strong>Wie kommst Du auf neue Ideen, was inspiriert Dich?</strong></p>
<p>Ich versuche immer, m&#246;glichst originelle Ideen zu entwickeln und mag dabei perspektivische Illusionen besonders. Ich denke, dass es vor allem darum geht, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dabei kann ich Inspiration aus allen Dingen um mich herum beziehen. Das kann alles sein, angefangen von Dingen, die ich im Alltag sehe bis zu den Werken von anderen K&#252;nstlern und Fotografen. Wobei ich wohl mehr von Malern als von Fotografen inspiriert bin.</p>
<p>Auf dem schwedischen Land aufzuwachsen, hatte dabei einen besonders gro&#223;en Einfluss auf meinen visuellen Stil. Eine Menge der Umgebungen auf meinen Fotos sind nahe den Orten aufgenommen, die ich kenne, rund um mein Elternhaus mit weiten, offenen Landschaften und kleinen, roten H&#228;uschen. Inspiration ist einfach &#252;berall und das ist nur der Anfang.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/fisk.jpg" rel="lightbox[49973]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/fisk-650x433.jpg" alt="" title="Fishy island © 2009 Erik Johansson" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-53259" /></a></p>
<p><strong>Wenn Du erst einmal eine Idee hast, was kommt als n&#228;chstes? Wie wird aus der gedanklichen Skizze ein echtes Bild?</strong></p>
<p>Der erste Teil besteht aus der Planung. Wenn ich am Anfang eine blo&#223;e Idee habe, von der ich denke, dass sie gut genug f&#252;r eine Umsetzung ist, muss ich als n&#228;chstes die Orte finden, von denen ich Fotos brauche, um das Bild zusammenzusetzen. Das kann beliebig lange dauern zwischen ein paar Tagen und mehreren Monaten, manchmal sogar Jahren, wenn es schwer ist, den perfekten Ort zu finden oder wenn es einfach gerade die falsche Jahreszeit daf&#252;r ist.</p>
<p>Das ist auch der wichtigste Schritt, weil er das Aussehen und auch das Gef&#252;hl des Fotos bestimmt, es ist ja mein Ausgangsmaterial. &#196;hnliches Licht und Perspektive sind dabei auch extrem wichtig, um ein realistisches Ergebnis zu erhalten, wenn die Fotos kombiniert werden. Diese Phase beinhaltet auch das L&#246;sen von Problemen wie der realistischen Umsetzung von Reflexionen, Materialien und anderen Dingen.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/saxen.jpg" rel="lightbox[49973]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/saxen-650x433.jpg" alt="" title="Deep cuts © 2009 Erik Johansson" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-53264" /></a></p>
<p>Der zweite Schritt ist dann das eigentliche Aufnehmen und Sammeln des Materials. Ich benutze nie Stock-Fotos in meinen eigenen Projekten, ich m&#246;chte immer die vollst&#228;ndige Kontrolle &#252;ber meine Fotos behalten und auch das Gef&#252;hl, alles daran selbst gemacht zu haben. </p>
<p>Das schr&#228;nkt mich nat&#252;rlich insoweit ein, dass ich nicht alle Ideen, die ich habe, auch umsetzen kann, aber manchmal sind diese Grenzen gut, um die eigenen Arbeiten &#252;berhaupt zu definieren. Nur etwa eine von zehn Projektideen setze ich dann auch um. Viele sind auch einfach ein bisschen zu komplex.</p>
<p>Der letzte Schritt ist dann das Zusammenf&#252;gen der Fotos. Eigentlich ist das sogar der einfachste Schritt, wenn ich in den ersten beiden Schritten anst&#228;ndig gearbeitet habe. Das ist wie ein Puzzle: Ich habe alle Teile und muss sie nur noch zusammenf&#252;gen.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/is-fiske.jpg" rel="lightbox[49973]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/is-fiske-650x401.jpg" alt="" title="Fresh frozen fish © 2011 Erik Johansson" width="650" height="401" class="aligncenter size-medium wp-image-53261" /></a></p>
<p><strong>Hast Du Ratschl&#228;ge f&#252;r die, die nun auch gern atemberaubende Kompositionen machen wollen?</strong></p>
<p>Diese Bildmontagen zu machen, ist wirklich als w&#252;rde man malen. Der Unterschied besteht darin, dass die Fotos Deine Farben sind und der Computer Deine Leinwand. Ich glaube daran, dass der beste Weg, das zu lernen, ist, es selbst auszuprobieren. </p>
<p>Dabei lernst Du es vielleicht nicht auf die schnellste oder „richtigste“ Art und Weise, aber Du lernst die verschiedenen Werkzeuge kennen, die Dir zur Verf&#252;gung stehen und was <em>Du</em> damit machen kannst. Gut zu werden, erfordert eine Menge Geduld und &#220;bung. Aber denk immer daran, dass die Idee an sich ebenso wichtig ist wie ihre Umsetzung.</p>
<p>Es gibt nicht wirklich einen Plan, wie man es macht. Es geht einfach darum, es so echt wie eine Aufnahme aussehen zu lassen, es wie die wirkliche Welt wirken zu lassen. F&#252;r mich war der Realismus immer sehr wichtig und es ist eine Herausforderung, eine Skizze in einem Foto Realit&#228;t werden zu lassen. Am Ende ist es die eigene Vorstellungskraft, die die Grenzen setzt. Versuche, anders &#252;ber unsere Welt zu denken.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/glass.jpg" rel="lightbox[49973]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/glass.jpg" alt="" title="Melting point © 2009 Erik Johansson" width="442" height="700" class="alignleft size-full wp-image-53260" style="width: 47.7%" /></a><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/levl.jpg" rel="lightbox[49973]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/levl.jpg" alt="" title="Vertical turn © 2009 Erik Johansson" width="467" height="700" class="alignnone size-full wp-image-53262" style="width: 50.3%" /></a></p>
<p><strong>Meinst Du, dass es wichtig oder erforderlich ist, eine spezielle Ausr&#252;stung zu haben, um gro&#223;artige Bilder zu machen? Was sind Deine wichtigsten Werkzeuge?</strong></p>
<p>Nein, definitiv nicht. Alles, was man braucht, ist eine anst&#228;ndige Kamera und Bearbeitungssoftware. Die wirkliche Herausforderung besteht darin, gute Ideen zu entwickeln. Nat&#252;rlich taugt eine besonders gute Kamera f&#252;r wirklich nette, gro&#223;e Drucke, aber man muss keine au&#223;ergew&#246;hnliche Ausr&#252;stung haben, um die Art von Arbeiten zu machen, die ich mache.</p>
<p><strong>Ich habe gelesen, dass Du keine Tutorials gibst, aber Du hast ein sehr interessantes <a href="http://www.youtube.com/watch?v=TiCLMePjK-Y" target="_blank">Video &#252;ber die Entstehung</a> eines Bildes gemacht. Wie stehst Du zum modernen Austausch von Wissen &#252;ber das Internet?</strong></p>
<p>Ich liebe es, mein Wissen mit anderen zu teilen! Aber zu diesem Zeitpunkt m&#246;chte ich mich darauf konzentrieren, mehr eigene Projekte in Fotos umzusetzen und an Auftragsprojekten zu arbeiten. Es gibt sp&#228;ter noch genug Zeit, um Tutorials zu machen. Erst einmal m&#246;chte ich, dass die Leute f&#252;r eine Weile selbst nachdenken.</p>
<p><a href="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/vasen.jpg" rel="lightbox[49973]"><img src="http://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2013/01/vasen-650x433.jpg" alt="" title="Arms break, vases don’t © 2008 Erik Johansson" width="650" height="433" class="aligncenter size-medium wp-image-53266" /></a></p>
<p><strong>Im letzten Fr&#252;hjahr bist Du nach Berlin gezogen. Wie gef&#228;llt&#8217;s Dir hier?</strong></p>
<p>Es ist fantastisch! Ich liebe Berlin und die schier unersch&#246;pflichen M&#246;glichkeiten, hier verschiedene Dinge zu machen. Es ist eine wirklich sehr inspirierende Umgebung f&#252;r mich. Als Selbstst&#228;ndiger bin ich ja auch nicht so abh&#228;ngig von bestimmten Orten und mochte Berlin einfach schon immer.</p>
<p><strong>An welchem Punkt siehst Du Dich selbst jetzt und was m&#246;chtest Du in der Zukunft machen?</strong></p>
<p>Inzwischen arbeite ich einerseits an pers&#246;nlichen, aber auch an Auftragsprojekten. In 2011 habe ich au&#223;erdem angefangen, <a href="http://erikjohanssonphoto.com/work/mind-your-step/" target="_blank">Stra&#223;enillustrationen</a> zu machen und seit 2012 habe ich mir vorgenommen, den Schritt zu bewegten Bildern zu machen und auch ein Buchprojekt in Angriff zu nehmen.</p>
<p><strong>Vielen Dank, Erik!</strong></p>
<p><span style="color: #888; font-size: small">Ich habe das Interview mit Erik auf Englisch gef&#252;hrt und anschlie&#223;end ins Deutsche &#252;bersetzt.</span></p>
<p></p>
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