© Laura Zalenga
12. März 2014 Lesezeit ~ 4 Minuten

Kreativität

Mein Psychologielehrer machte mit uns zu Beginn der Lehreinheit „Kreativität“ ein Experiment: Wir hatten eine Minute Zeit, alle weißen Lebensmittel aufzuschreiben, die uns in den Sinn kamen. Alle schrieben eifrig und die Blätter füllten sich schnell.

Bei der Auswertung ging es jedoch nicht darum, möglichst viele Lebensmittel gefunden zu haben, sondern besonders einzigartige. Mehl und Eier standen wahrscheinlich auf jedem Zettel, während Mäusespeck und Zuckerwatte kaum einer aufgeschrieben hatte.

Gezeigt werden sollte uns damit, dass kreative Ideen durch originelles, einzigartiges Denken entstehen. Künstler können gut assoziativ denken, ihre Leistung liegt meist darin, gängige Denkstrukturen zu durchbrechen, wodurch ihre Arbeiten häufig nicht nur als etwas Besonderes bewertet werden, sondern auch schnell als verrückt.

Warum einige Menschen kreativer sind als andere, ist wahrscheinlich sogar genetisch verankert. Einer Studie der Semmelweis-Universität in Budapest zufolge gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Neuregulin-Gen und der Kreativität eines Menschen. Gleichzeitig besteht jedoch auch ein Zusammenhang des Gens mit Schizophrenie.

Das Gen kommt in einer C- und einer T-Variante vor. Probanten, die von ihren Eltern jeweils die T-Variante vererbt bekamen, gaben originellere Antworten, neigten jedoch auch häufiger zu Schizophrenie. Probanten mit der CC-Variante wurden als am wenigsten kreativ bewertet, während Träger der CT-Variante mittelmäßig abschnitten.

Nun nahmen an dieser Studie nur 200 Probanden teil, die zum Großteil aus künstlerischen und akademischen Berufen kamen. Um die Ergebnisse zu untermauern, wäre eine größere, repräsentativere Studie nötig. Aber das Ergebnis zeigt schon in die Richtung einer gängigen Meinung: Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander.

Schon Aristoteles meinte, es gäbe kein großes Genie ohne einen Schuß Verrücktheit. Und viele berühmte Künstler scheinen es zu bestätigen: Robert Schumann, Vincent van Gogh oder Sylvia Plath, um nur einige wenige zu nennen.

Nun heißt das nicht, dass jeder, der kreativ ist, auch droht, wahnsinnig zu werden oder gar selbstmordgefährdet ist. Kreativität ist etwas, zu dem jeder Mensch fähig ist und zeigt sich bei jedem Menschen anders: Fotografieren, Malen, Schreiben, Musizieren, Witze machen oder ganz anders.

Um die eigene Kreativität zu fördern, gibt es viele Möglichkeiten. Wie bereits geschrieben, geht es darum, neue Denkstrukturen zu entwickeln. Anbei ein paar Tipps, die aus meiner persönlichen Erfahrung schöpfen:

1. Sich selbst nicht zu ernst nehmen.
Habe ich Angst, etwas falsch zu machen oder albern zu wirken, dann blockiere ich mich. Dabei ist es doch völlig egal, denn wenn das Resultat wirklich albern ist, hatte ich zumindest viel Spaß. Zudem verpflichte ich mich ja nicht, es auch zu veröffentlichen.

2. Kreativität kann man nicht erzwingen.
Kreativität kommt oft zu Besuch, wenn sie möchte, man muss es ihr nur gemütlich machen. Zum Beispiel durch einen schönen Spaziergang, einen lustigen Abend mit Freunden, Tanzen, Lachen. Unter Druck bleibt sie jedoch gern weg.

3. Inspirieren lassen.
Arbeiten und Werke anderer Künstler können stark inspirieren. Diese müssen nicht einmal auch Fotografien sein. Auf mich selbst wirkt Musik sehr stark, aber auch Gedichte und Malerei formen oft Bilder in meinem Kopf, die ich anschließend umsetzen kann.

4. Ideen auf Vorrat sammeln.
Manchmal gibt es einfach Zeiten, in denen ich so viele Ideen habe, dass ich sie gar nicht alle umsetzen kann. Dann schnappe ich mir einen Stift und mein Notizbuch und zeichne sie oder schreibe sie auf. Kommt dann wieder eine Zeit, in der mir nichts einfallen will, ist mein Notizbuch Gold wert. Oft bringen mich meine früheren Einfälle zum Staunen und ohne Buch wären sie wohl verloren gewesen.

5. Inspiration aus Fehlschlägen.
Es gibt hin und wieder fertige Bilder, die mich trotz toller Grundidee einfach nicht überzeugen. Ich hebe sie dennoch auf und sehe sei mir nach einiger Zeit noch einmal an. Mit etwas Abstand finde ich leichter die Fehler, die ich gemacht habe und kann es noch einmal versuchen. Meine Möglichkeiten und Fähigkeiten verändern sich und wachsen und das schlechte Bild vom letzten Jahr wird so vielleicht zu einem zeigenswerten Foto.

Was hilft Euch dabei, kreativ zu werden? Ergänzt meine Punkte gern in den Kommentaren und erzählt, wann die Kreativität bei Euch zu Besuch kommt oder auch, wann sie sich versteckt hält.

Titelbild von Laura Zalenga.

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21 Kommentare

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  1. Ich habe mir zu diesem Thema erst ein Buch gekauft das ich heute Morgen begonnen habe zu lesen. Natürlich kann ich jetzt noch nichts dazu sagen. Ich muss mich erstmal durch ca. 60 Seiten Grundlagen lesen ehe das Kreativitäts Programm von 12 Wochen beginnt, eigentlich ist es ja ein Workshop.

    Der Titel des Buches lautet: Der Weg des Künstlers
    Von: Julia Cameron
    Preis: ca. 11 Euro

    Vielleicht hat es ja jemand schon gelesen und kann dazu sogar ein paar Worte sagen.
    Bin schon gespannt was mich neues auf dieser Reise erwartet.

    • ich muss leider sagen das ich solche anleitungen oder auch in den kommentaren beworben bücher zum “kreativ” fördern für den ganz und gar falschen weg halt um wirklich seine “kreativität” zu entdecken mal bagesehen davon das vll. auch erst einmal über den Begriff sprechen müsste.
      Kreativität oder etwas eigenes erschaffen das ist ein gefühl das aus einem kommt man braucht dazu weder anleitungen noch bücher nich internetforen…da es nur aus einem selber “raustigert”
      wie Walter Benjamin so schön sagte…solange man sich versucht mit konsum “kreativität” zu erkaufen bleibt man im immer gleichen verhangen…

      • Ich denke auch Kreativität kann man nicht kaufen. Aber “lernen” schon, auch wenn man nicht einen angeborenen oder (durch was auch immer) aktivierten inneren Drang verspürt – den Zwang zu gebären und ein Schaffendender zu sein :-)

        Lesen kann ein erster Schritt sein, aber entflammen kann man nur durch “erfahren”. Wichtig ist vielleicht noch dabei “nicht gefallen zu wollen”, sondern einfach das eigene Ding zu machen damit auch “eigene” Dinge entstehen.

  2. Der wohl wichtigste Tipp ist “Kreativität kann man nicht erzwingen.” Eine ziemlich nervige Tatsache, wenn man in einem sogenannten kreativen Beruf arbeitet.

    Eine Möglichkeit trotzdem auf Ideen zu kommen sind die “Shitty” First Drafts.

    Einfach mal 10 “beschissene” Ideen aufschreiben, auch wenn einem eigentlich nichts sinnvolles einfällt. Also einfach loslegen, und sich vor allem nicht von dem riesigen Gedanken “Mir fällt nichts ein” blockieren lassen.

    Allein wenn man eine schlechte Idee weiterdenkt, kommt man recht schnell auf neue, bessere Ideen.

  3. schöner denkanstoß, katja. danke dafür.
    ich denke man kann schlecht tipps geben, kreative momente kommen einfach und gehen auch wieder. mir persönlich gibt lesen sehr viel. ob geschichten, poesie, auch wissenschaftliche oder philosophische texte, reisenotizen oder katalogtexte, aus wörtern kann ich viel ziehen, und sie nähren und formen die bilder, die in meinem kopf entstehen.

    anne

  4. Der Artikel hat echt Spaß beim lesen gemacht!
    Das Kreativität und Wahnsinn oft nahe beieinander liegen konnte ich bei einigen meiner “Künstlerfreunde” schon oft miterleben :)

    Deinen Tipp Nr.4 lebe ich schon eine ganze weile aus.
    Zur Zeit wird der Vorrat immer größer und ich muß
    mich mal ans abbarbeiten machen

  5. daß eine schlecht durchgeführte studie eine existierende these untermauert, ist in der unseriösen wissenschaft ja gang und gäbe und sorgt immer für gut gefüllte diätheftchenregale. wie du schon sagst: man müsste es RICHTIG untersuchen. bis dahin ist es doch nicht mehr als folklore.

  6. “4. Ideen auf Vorrat sammeln.”

    Grundsätzlich liegt bei mir Stift und Papier neben dem Bett. Dort schreibe ich nicht nur Ideen & Gedanken auf, die mich eventuell vo(r)m Schlafengehen abhalten, sondern gelegentlich auch Träume, an die man sich direkt nach dem Aufstehen am Besten erinnert.
    Letzteres kann manchmal sehr kreativ wirken.

    • Ich nutze ein Mindmapping-Tool auf dem Rechner. Das ist gut, um Ideen gleich eine gewisse Struktur zu geben. So kann man eine Idee auch gut von der groben Skizze zur konkreten Umsetzung ausarbeiten, evntl. auftretende Probleme erfassen, mögliche Lösungen aufzeigen usw. Man kann Links oder Bilder einfügen etc. Zumindest letzteres geht nicht so gut auf Papier. ;)

  7. Schöner Artikel, so ähnlich läuft das auch bei mir. Allerdings kommt meine Kreativität eher aus der dunklen Ecke… wenns mir schlecht geht und still wird – auch gut zu lesen in dem Zusammenhang: Rilkes Briefe an einen jungen Dichter. Ich habe auch angefangen meine Ideen aufzuzeichnen damit sie nicht verloren gehen. Ne Zeitlang hat mich das irre gemacht weil mein Kopf phasenweise so voll war, aber ich das wenigste davon fotografisch umsetzten konnte… Ich entferne mich derzeit von der puren Fotografie die ich so liebe und gehe hin zu Composings weil ich dort meine Ideen scheinbar leichter und schneller umsetzen kann – und sei es nur als Skitzen. Ich erlebe das auch so das ich kreativität nicht zwingen kann – manchmal bin ich einfach leer… deshalb bin ich froh mein “künstlerisches Schaffen” frei von kommerziellen Zwängen zu halten. Gleichzeitig finde ich es aber toll wenn es Menschen gelingt beides ganz entspannt zu vereinen. Schwieriger empfinde ich es mich von der schieren Flut an Inspiration und zum Teil echt genialen Arbeiten da draussen nicht frustrieren zu lassen… und auch nicht davon abhalten zu lassen den eigenen Weg zu gehen.

  8. Das Notizbuch ist klasse.. Ich sehe aus der Bahn etwas und schreibe es auf, ebenso wie Ideen.
    Ich weiss nicht, wo zu fotografieren, so hab ich meine Notizen. Ideen gehen nicht verloren.
    Bleistift und Notizbuch. Nicht vergessen. :)

  9. Kreativität ist ein Prozess, den man aktiv beeinflussen kann. Die populärste Methode ist wohl das gute alte Brainstorming. Darauf zu warten, dass einen die Muse küsst, kann sich nur jemand leisten, der keinen Termindruck kennt.
    Viele Grüße, Henry

  10. die Kern Aussage dieses Artikels steckt für mich in den vier Worten ‘gängige Denkstrukturen zu durchbrechen’. Ich denke eine der wichtigsten Eigenschaften der Kreativität ist die Phantasie.
    Außerdem finde ich es wichtig Dinge zu hinterfragen, Dinge in Frage zustellen – nicht alles als für gegeben hinnehmen, offen sein für Neues,Neugierig sein, die Dinge einfach mal losgelöst von den eigenen festgefahrenen Denkstrukturen zu betrachten oder auch einfach mal die Seele baumeln lassen… Die Verknüpfung der verschiedenen Dinge miteinander ist für mich der ‘Schlüssel’ zur Kreativität.

    Meine Meinung zu den etwas abfälligen Aussagen bezüglich zu Büchern der Kreativität ist – warum denn nicht solche Bücher lesen? Auch das kann ja helfen festgefahrene Strukturen oder die Kreativen Nullphasen zu überbrücken oder sein eigenes kreatives Potential überhaupt erst zu entdecken und das für nur 11 Euro. Ist doch ein Witz. Ich sehe Alexander schon lachen, wenn andere wieder Ihren Rilke lesen müssen. Oder schadet es einem Musiker, wenn er Noten lesen kann?
    Man kann sich ja auch einfach mal Fragen- was hemmt denn überhaupt die eigene Kreativität?
    //Matz

    • Lesen bildet definitiv. ;-) Rilke muss man nicht gelesen haben, aber er hilft auch gegen eingefahrene Denkstrukturen, und das seit 1894. Rilke war ein kreativer Individualist und Querkopf, und seine Briefe sind auch heute noch hochaktuell, was zeigt das wir immer wieder um die gleichen Probleme und Fragestellungen kreisen, gerade was das Ausleben von Kreativität und Eigensinn in einer normierten Gesellscchaft angeht.

      Einem Musiker schadet es sicher nicht wenn er Noten lesen kann. Aber man kann Musik auch auf einer anderen Ebene erfahren und ausleben. Ich kenne Menschen die beherrschen unzähliche Stücke ohne eine Note lesen zu können. Ich selber habe mich auch erst so richtig musikalisch befreien können nachdem ich vom Notenlesen abgelassen, und mehr auf mein Gehör, meine Intuition und mein Gefühl vertraut habe. Für meinen Weg war es aber sicher wichtig anfangs Noten zu lernen…. aber letztlich war es auch wichtig mich davon zu befreien denn sie sind nur ein Werkzeug von vielen. Es gibt verschiedene Zugänge, so verschieden wie die Menschen sind, und das ist gut so :-) …fürs fotografieren gilt das genauso.

      • Es gibt verschiedene Zugänge, so verschieden wie die Menschen sind, und das ist gut so :-) …fürs fotografieren gilt das genauso.

        genauso sehe ich das auch; -darum fand ich es ja auch nicht so o.k. Bücher oder Workshops genrell als den falschen Weg für jemanden einzustufen, nur weil es nicht mein eigener ist.
        Solche Aussagen können Anderen von vornherein den Spaß verderben etwas neues auszuprobieren, obwohl es für Sie genau der richtige Weg ist.
        Ich weiß auch, DU hast das Buch und den WS gar nicht so krass abgelehnt in Deiner Anmerkung- mir passte Rilke aber als Metapher gerade so gut in den Kram ;)
        //Matz

  11. Ein sehr interessanter Artikel!
    Bei mir kommen die Ideen meist ganz von selbst und ich notiere sie dann auch in einem Notizbuch bzw zeichne ich sie. Man glaubt gar nicht, wie schnell man etwas vergisst ;)
    Ich finde es interessant, dass sich so viele Kreative von Musik inspirieren lassen – das wirkt bei mir gar nicht.
    Was ich auch oft mache ist eine Art Brainstorming. Wenn ich einen bestimmen Gegenstand toll finde und ihn in ein Foto einbauen möchte, überlege ich mir tausend Ideen, wie das funktionieren könnte und stelle mir das fertige Bild vor meinem inneren Auge vor.

    Wie schon gesagt wurde, glaube ich nicht, dass Kreativität erzwungen werden kann, aber ich glaube man kann es üben, kreativ zu sein!

  12. Sich selbst nicht ernst nehmen – für mich der wichtigste Satz aus diesem Artikel. Zu oft behindern mich irgendwelche Gesellschaftskonventionen, die man auch getrost für eine Weile beiseite schieben kann.

    Die Krux daran allerdings: Wie weit kann ich gehen ohne das es unangenehm, öde oder grauslich wird? Wie Katja schon sagt, man muss ja nicht alles auch veröffentlichen.

  13. Blogartikel dazu: Wochenrückblick #76 » ÜberSee-Mädchen