©Normen-Gadiel
17. Juni 2013 Lesezeit ~ 3 Minuten

Bildvorstellung: Thomas

Heute möchte ich Euch ein Bild vorstellen, das ich von und mit einem Freund aufgenommen habe. Na, wer kommt auf seinen Namen? Platzierung des Modells, Lichtsituation und Bearbeitung – auf all das werde ich im folgenden Artikel eingehen.

Mein innerer Drang, mich zu verbessern, brachte mich dazu, einen guten Freund zu fragen, ob er mir als Modell zur Verfügung stehen würde. Er wollte und es gab von mir erst einmal nur die Anweisung: „Zieh Dir mal was Schickes an.“ Und so trafen wir uns bei mir zu Hause in meinem kleinen „Heimstudio“ und ich überlegte, was ich mit den vorhandenen Mitteln für ein Foto machen könnte.

Es sollte ein Low-Key-Foto werden, bei der die eine Gesichtshälfte im Schatten liegt. Es war also wichtig, dass ich das Licht nur von einer Seite auf die Person werfe.

© Normen Gadiel

So sah der Aufbau aus. Für das Licht zur Aufhellung des Gesichts nutzte ich einen weißen Stoff, um es etwas weicher zu gestalten. Das andere, von rechts oben kommende Licht setzte ich ein, um die Haare etwas aufzuhellen. Das war auch ganz gut so, weil das Endresultat doch sehr dunkel wurde und das Portrait dann doch nicht komplett absäuft.

Damit die Pose halbwegs natürlich wirkt, bat ich Thomas, sich schräg hinzusetzen und den Blick leicht über die Schulter schweifen zu lassen. Ein Blick in die Kamera wäre unpassend gewesen, weil ich nicht mit dem Modell interagieren, sondern aus der Rolle eines stillen Beobachters heraus das Bild aufnehmen wollte.

Da mich der feine Anzug und die dunkle Stimmung an einen Mafiosi erinnerten, bat ich Thomas noch, eine Zigarette zu rauchen, um diese Assoziation ein wenig zu befördern.

© Normen Gadiel

Da ich bei meiner Kamera grundsätzlich alle internen Einstellungen wie Kontrast, Sättigung und Farbton auf 0 gesetzt habe, sieht das Ausgangsbild für die spätere Bearbeitung sehr flau aus.

Leider habe ich die genauen Arbeitsabläufe zu dem Bild nicht mehr im Kopf, aber in der Regel fange ich immer damit an, das Bild nachzuschärfen. Für diesen Arbeitsschritt habe ich vor einiger Zeit eine sehr nützliche Photoshop-Aktion gefunden, die ich seitdem immer benutze, da sie mir bei der Bearbeitung Zeit spart und sehr gute Ergebnisse liefert.

Danach habe ich mich der Farblichkeit gewidmet. Hierfür nutzte ich die Werkzeuge Farbbalance und die selektive Farbkorrektur. Die Anpassung der Kontraste realisiere ich immer mit Gradationskurven. Bei vielen meiner Portraits nutze ich Dodge & Burn, um damit markante Stellen im Gesicht hervorzuheben. Bei Männern lässt sich so mittels Abdunkeln etwa die kantige Gesichtsform etwas herausarbeiten.

Zum Abschluss habe ich den noch sichtbaren Hintergrund abgedunkelt, sodass alles um Thomas herum schwarz ist. Als Bonbon gab es am Ende dann noch etwas Qualm für die Zigarette, hierfür nutzte ich einen Rauchpinsel, den ich auf einer separaten Ebene eingefügt habe.

Hier das fertige Bild:

© Normen Gadiel

Am Ende bin ich mit dem Ergebnis zufrieden und es zeigte sich einmal mehr, dass es gut ist, sich etwas vorzunehmen, anstatt auf der Couch zu lümmeln.

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13 Kommentare

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  1. Schöne Beschreibung und ansprechendes Ergebnis.
    Ich finde es auch hilfreich, dass Du das “flaue” Ausgangsmaterial zeigst und erklärst.

    Während meiner Studioarbeit habe ich oft erfahren, dass meine Workshopteilnehmer sich oft gar nicht klar darüber waren, dass im “Postprozess” noch en wenig an Arbeit notwendig ist.

    Bogi

  2. “[…] in der Regel fange ich immer damit an, das Bild nachzuschärfen […]”

    Irks.
    Schärfen ist destruktiv und wird daher IMMER ganz zum Schluss gemacht, zumal für die Darstellung am Bildschirm andere Parameter gewählt werden, als für den Print. Die Bildgrössen werden da ganz andere, und was am Bildschirm ‘gut’ aussieht, wirkt im Druck immer noch ‘irgendwie flau’.

    Ansonsten mag ich es leiden, einfach gehalten, sehr schön. Vielleicht etwas weniger Leerraum links, dafür etwas mehr rechts, um dem Blick zusätzlichen Raum zu geben, aber das ist mein persönlicher Geschmack ;)

    • Stimme dem zu. Schäften erst am Ende und ich hätte auch links weniger Raum gelassen und rechts mehr. Dann hat es mehr Wirkung als mittig.

      Für meinen Geschmack etwas zu viel bearbeitet (ich mag es natürlicher lieber), aber das kann jeder halten wie es ihm gefällt :)

    • Schönes ausdrucksstarkes Bild. Man sieht gut, wie wichtig der “Entwicklungsprozess” für das fertige Bild ist.
      Der Aussage von Florian stimme ich zu. Schärfen kommt erst ganz zum Schluss!! Und dann auf die jeweils beabsichtige Ausgabe hin: Print oder web.
      Oder hat das in deinem Fall einen konkreten Grund??

  3. Vielen Dank für die interessante Beschreibung. Der Punkt mit dem Schärfen am Beginn des Postprozessing kam mir auch etwas komisch vor, aber Du wirst Deine Erfahrungen damit gemacht haben. Das Bild hat mir bereits auf Deiner Webseite sehr gut gefallen. Allein der Rauch kam mir irgendwie nicht authentisch vor – jetzt weiß ich auch warum.

    Vielen Dank für die Beschreibung der Aufnahmesituation, der Nachbearbeitung und Deiner Gedanken dazu. Ich finde die unterschiedlichen Herangehensweisen sehr interessant.

  4. Ein Portrait welches ich mir lange ansehen kann. Es hält mich irgendwie.

    Vielleicht gerade deshalb stört mich die linke Wange des Models. Sie ist mir zu grau, der Schatten wirkt fahl, das Ohr hingegen hat die natürlichere Farbe und hebt sich dadurch wieder sehr ab.
    Wenn ich mir “Dodge&Burn”-Bilder ansehe sehe ich oft diesen Grauschleier der mir persönlich nicht gefällt.

    Es ist schön etwas über die Gedanken und den Prozess eines Bildes zu lesen, vielen Dank dafür.

    Benjamin

    • Meine Erfahrung ist, dass die grauen Schatten entstehen, wenn man Dodge & Burn auf Bilddaten anwendet, die keine „Tiefe“ mehr haben, also z.B. ein JPG abdunkelt statt eines Raw oder TIF. Ich schleife meine Fotos immer (recht umständlich, zugegeben) durch zwei Programme, DPP (von Canon) und Photoshop, in ersterem mache ich meine Farben mit den Gradationskurven und in letzterem mache ich Retusche und D&B. Damit beim Aufhellen und Abdunkeln keine grauen Schatten entstehen und die aufgehellten Lichter oder abgedunkelten Schatten mit dem Rest meiner Farbbearbeitung konsistent sind, exportiere ich mir vorher eine unter- und eine überbelichtete Variante meines Bildes, die ich mithilfe von Ebenenmasken ineinander arbeite. (Kann man natürlich auch direkt mit nur einem Raw in Photoshop machen.) Wenn man das Ergebnis mal mit der Bearbeitung nur eines einzelnen JPG vergleicht, wird der Unterschied klar, vor allem, wenn man Lichter oder Tiefen eingefärbt hat oder in den Lichtern oder Schatten versucht, Nuancen rauszukitzeln, die es im JPG nicht mehr gibt.

  5. Mir gefällt gut, dass du in deiner Nachbearbeitung den wenigen Rauch aus dem Originalbild einbezogen und durch den künstlichen Rauch aufgewertet hast. Ich finde auch nicht, dass es unecht aussieht. Im Originalbild haben die kleinen Rauchflecken eher gestört und deplaziert gewirkt (auch wenn sie echt waren).

    Liebe Grüße
    http://fho-photo.blogspot.de/

  6. Gefällt mir auch echt gut, schön beschrieben.
    Als Anregung: Du könntest testweise mal ein entsättigtes Rauchbild (Räucherstäbchen entweder mit ähnlicher Lichtsetzung im dunklen Studio selber knipsen) oder runterladen, z.B. gratis bei Deviantart und dieses anstelle des Rauchpinsels mal “negativ multiplitiert” einsetzen. Führt oft zu noch deftigeren Ergebnissen.

    greetz