© Steve Simon
05. Juni 2013 Lesezeit ~ 4 Minuten

Der Hang zur Symmetrie

Als ich mit der Fotografie begann, faszinierte mich neben der Landschafts- auch die Architekturfotografie. Wir bewegen uns tagtäglich im urbanen Raum und verlieren dabei oft das Auge für die spannenden, schönen Dinge und die Details, die von den Architekten akribisch geplant wurden.

Ich orientierte mich schnell an gerade ausgerichteten Architekturbildern, da dies für mich eine gewisse Perfektion wiederspiegelt. Ich mache mir schon vor der Aufnahme genaue Gedanken über Aufnahmestandpunkt, Kameraausrichtung und Bildkomposition, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

Mit der Zeit fand ich immer mehr Gefallen daran und versuchte, verschiedene Formen von Gebäuden abzubilden. Vor der Fotografie beschäftigte ich mich so gut wie gar nicht mit Architektur und ging förmlich blind durch die Straßen.

Rathaus Hannover © Steve Simon

Welche abstrakten Formen beispielsweise Treppenaufgänge besitzen können, wenn man mal einen Blick nach oben riskiert, wurde mir erst später bewusst. Und so kam es auch, dass ich erst jetzt bemerkte, wie viele symmetrische Formen sich in der Architektur finden und welche Wirkung man mit den entsprechenden Fotos erreichen kann.

Mittlerweile ziehen mich die mittigen, parallelen Perspektiven förmlich an. Egal, ob ich ein Gebäude von außen oder von innen betrachte, symmetrische Ansichten zu finden, ist immer wieder spannend.

Cultural Center Chicago © Steve Simon

Wie auch sonst versuche ich, möglichst durchdacht und weitestgehend mit Stativ zu arbeiten. So kann ich die Kamera genau positionieren, ausrichten und habe ausreichend Zeit für die finale Aufnahme.

Ein absolutes Muss ist für mich die Aktivierung der Gitterlinien im Okular, denn so bekomme ich direkte Anhaltspunkte zur Ausrichtung ins Sucherbild eingeblendet. Ratsam ist es, sich dazu Bezugslinien im Motiv zu suchen. Anschließend nutze ich die Gitterlinien und vor allem die Bildränder, um die Kamera optimal auszurichten.

Kirche NYC © Steve Simon

Kleine Abweichungen machen sich leider sehr schnell bemerkbar und die Unterschiede werden meist zum Rand hin am offensichtlichsten, weshalb man eine möglichst exakt mittige, parallele Position zum Motiv finden sollte. Daher versuche ich schon während der Aufnahme, möglichst genau zu arbeiten und führe in der Nachbearbeitung nur noch kleinere Objektivkorrekturen durch.

Oft hat man nur leider nicht die Möglichkeiten, mit einem Stativ zu arbeiten und muss die Aufnahme freihändig schießen. Dies ist mir leider des Öfteren bei Innenaufnahmen passiert, bei denen die vorherrschenden Lichtverhältnisse durch eine längere Belichtungszeit sowieso schon gegen einen arbeiten. Neben den technischen Möglichkeiten sind dabei Luftanhalten und ein ruhiges Händchen die Devise.

Amtsgerich Berlin © Steve Simon

So ging es mir auch bei dem hier gezeigten Foto aus dem Amtsgericht Berlin Mitte, das ohne Stativ entstand. Bei der Bearbeitung entschied ich mich dann für eine Umwandlung in schwarzweiß, da so, meiner Meinung nach, bei diesem Motiv die Details und Strukturen besser hervorgehoben werden.

Alte Bauwerke finde ich meist noch beeindruckender, denn oftmals gibt es unzählige Details, die das Foto noch spannender machen können. Für den Betrachter ist dadurch die Frage umso faszinierender, ob ein Bild eventuell sogar gespiegelt ist. Und genau diese Frage erreichte mich lustigerweise schon häufiger.

Kolossos Paris © Steve Simon

Sehr schöne Möglichkeiten bieten oft auch Deckengewölbe mit Kuppeln oder Kirchendecken. Oftmals schaut man sich während der Motivsuche nur auf Augenhöhe um und verliert so die ganzen wundervollen Motive, die vielleicht nicht auf den ersten Blick offensichtlich sind.

Seitdem ich das zum ersten Mal ausprobiert habe, wandert nun mein Blick nach dem Betreten eines Gebäudes zuerst eher nach oben als nach vorn.

Symmetrie lässt sich aber nicht nur in Gebäuden aus historischen Epochen finden. Auch die zeitgenössische Architektur ist von ihr geprägt und so lässt sie sich in nahezu jedem Bauwerk finden. Moderne Gebäude werden allerdings mehr durch gerade Linien, glatte Formen und weniger durch Details bestimmt, wodurch man wiederum komplett andere Wirkungen erzielen kann.

Grande Arche Paris © Steve Simon

Durch die teils ausgefallenen Gebäude lassen sich auch sehr abstrakte Perspektiven verwirklichen, wie auch beim hier gezeigten Bild von der Grande Arche, das in La Défense, Paris, entstand. Das Hochhausviertel ist durch die Moderne geprägt und ist ein Traum für jeden architekturbegeisterten Fotografen, denn an jeder Ecke lauert ein Motiv.

Was ich aber noch viel beeindruckender finde, ist, wenn sich Symmetrie nicht nur auf einzelne Bauwerke beschränkt, sondern sich sogar in ihrer Umgebung finden lässt, also komplette Anlagen mit in die Gestaltung einbezogen wurden. Dieser Aspekt lässt sich auch sehr schön für Panoramas ausnutzen, so wie bei dieser Aufnahme des Louvre.

Louvre Paris © Steve Simon

Generell finde ich es einfach spannend, an neuen Orten nach genau solchen Gegebenheiten und Perspektiven zu suchen. In der Architekturfotografie wird der Aspekt der Symmetrie sehr oft ausgenutzt, um dem Bild eine gewisse Perfektion zu verleihen.

Dafür werden Bildhälften gespiegelt und symmetrische Fotos erstellt, was sicherlich auch ein sehr schönes Gestaltungsmittel ist. Für mich ist es jedoch spannender, reale Motive abzubilden, so wie sie in Wirklichkeit aussehen, auch wenn sie vielleicht kleinere Macken und Abweichungen besitzen.

Der Betrachter kann anhand der kleinen Details erkennen, dass es sich eben nicht um ein gespiegeltes Foto handelt. Das macht für mich den besonderen Reiz daran aus und verleitet mich immer wieder dazu, nach genau diesen Perspektiven auf die Suche zu gehen.

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29 Kommentare

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  1. Hi
    Gefällt mir sehr, auch meine Welt…einige deiner Blicke nach oben zeigen in ihrer abstrakten Wirkung fast Eindrücke dieser kleinen magischen durchblick- Spielzeuge, deren Namen mir gerade entfallen ist …:-)

    Danke und Gruss
    antonio

  2. Moin!

    Ein sehr schöner Beitrag mit tollen Bildern – großes Kompliment, mir gefallen sie durchweg sehr gut!
    Auch ich versuche mich immer wieder mal im Bereich der Symmetrie und eben wie es dir ergeht, bin auch ich immer auf der Suche nach Symmetrien und klaren Kanten. Allerdings sind diese wie du beschrieben hast, ebenfalls ein Fluch – hier ist immer Millimeterarbeit gefragt.
    Mich würde nun interessieren mit welchem Objektiv du arbeitest, da du u.a. Freiland fotografierst, nehme ich mal an, dass es kein TS-E sein wird. :-)

    Ein weiteres Problem das ich immer wieder feststelle ist, dass man in etlichen Gebäuden gar nicht fotografieren darf. Wie handhabst du das, vor allem bei Gebäuden wie dem Amtsgericht in Berlin – dort ist man doch sicherlich nicht gerade erfreut wenn da jemand mit einer Kamera herumsteht?

    Würde mich freuen wenn du zu diesen Vorarbeiten/Absprachen etc noch ein paar Worte sagen könntest.

    Beste Grüße
    Marcus

    • Hallo Marcus,

      danke für deinen Beitrag.
      Zu meinem Equipment findest du auch noch mehr auf meinem Blog, welcher oben verlinkt ist.
      Generell verwende ich für die Aufnahmen wohl zu 99% mein Sigma 10-20 mm am Crop. Ich bin auch mehr als zufrieden mit dem Objektiv und habe es so gut wie immer auf der Kamera :)

      Mit den Gebäuden ist es immer unterschiedlich. Ich geh einfach offen und ehrlich an die Sache. Bei vielen kritischen Gebäuden gibt es einen Empfang oder auch Sicherheitsmänner, also spreche ich diese darauf an. Manchmal gibt es bestimmte Bedingungen wie das Fotografieren ohne Stativ. Ich habe es aber auch schon öfters erlebt, ein Motiv leider nicht ablichten zu können. Größtenteils habe ich aber positive Erfahrungen gemacht und bei Zweifeln hilft einfach offen nachfragen!

      Gruß,
      Steve

    • Hallo Björn,

      auch das Verzichten auf genau diese Linien kann spannende Fotos erzeugen und vor allem ist nicht jeder ein Freund davon.
      Vielleicht wäre das ja auch irgendwann mal eine besondere Herausforderung für mich?!

      Grüße,
      Steve

  3. Hallo,

    tolle Aufnahmen und schöner Bericht.

    Wie hast Du es geschafft, dass Dir in den öffentlichen Gebäuden keine Leute im Bild rumrennen? Wurde das Gebäude extra für die Aufnahmen außerhalb der allgemeinen Öffnungszeiten für Dich geöffnet? Hast Du das im Rahmen einer Fotografieerlaubnis/Property Release abgeklärt? Oder hattest Du einfach Glück?

    Gruß
    Andreas

    • Eine andere Möglichkeit wäre noch, dass mehrere Aufnahmen gemacht wurden, sodass die von Personen gefüllten Bereiche mit dem entsprechenden Stück einer an der Stelle leeren anderen Aufnahme überlagert wurden. Oder Langzeitbelichtungen, da verschwinden Menschen dann auch, solange sie sich recht flott bewegen und es nicht zu viele sind. Aber ich bin auch gespannt auf die Antwort von Steve.

      • Hallo ihr zwei,

        nein, die Gebäude wurden nicht extra für mich gesperrt. Warum bin ich eig. nicht vorher schon auf die Idee gekommen? :)
        Bisher sind meine Fotos immer alle aus einer Aufnahme und auch ohne Graufilter entstanden. Oft habe ich einfach ein wenig Geduld und passe die richtige Situation ab, um die Nachbearbeitung am PC so gering wie möglich zu halten.
        Je nach Gebäude ist es natürlich auch hilfreich nicht unbedingt zur Stoßzeit vor Ort zu sein.
        Ansonsten nutze ich den Effekt der sich bewegenden Leute auch gern mit einer Langzeitbelichtung aus, um ein wenig Dynamik ins sonst statische Bild zu bringen.

        Gruß,
        Steve

  4. Das sind wirklich klasse Architektur-Aufnahmen. Auch die Bearbeitung gefällt mir hier sehr gut.
    Es ist meist wirklich nicht sehr leicht, die Kamera symmetrisch auszurichten. Am Rechner lässt sich das dann in der Regel nicht korrigieren. Da können wenige mm in der Neigung schon viel ausmachen. Daher großen Respekt an deine Arbeiten. Ich tue mir da mit der Ausrichtung meist sehr schwer und sehe dann im Nachhinein am Rechner, dass das manchmal ganz schön großer Mist war.
    Finde es super, wie du deine Erfahrungen und deine Herangehensweise hier beschrieben hast.

  5. sehr tolle bilder. ich mag die symmetrie auch sehr gerne und sie hat schon sehr oft dazu geführt das ich ein bild gelöscht habe obwohl es eigentlich vollkommen ok war. wobei ich die symmetrie nicht in der architektur suche, sondern bei der peaple fotografie mit dem hintergrund.

    danke fürs zeigen!

  6. Irgendwie denke ich jetzt an Candida Höfer. BTW, wenn an einen Mechatronic student denke, denke ich auch an motorisierte Panoramaköpfe.

    Grüsse Ed.

    P.S. Ich weis ich denke zufiel, aber na ja das problem hatte Descartes auch mal.

  7. Blogartikel dazu: Lesestoff rund um SEO, Medien und ihre Finanzierung und C3S › jorni.de

  8. Blogartikel dazu: Shortnews: Treppen auf Kwerfeldein | Sichtweise