© Zorana Musikic
20. März 2013 Lesezeit ~ 3 Minuten

Männerfantasien

Wie wird der Mann eigentlich in der Fotografie dargestellt? Ist er Hauptakteur, schmückendes Beiwerk oder Viele und Einer im Selbstportrait? Ist er muskulös, breitbeinig samen-produzierend oder androgyn und eine Parfumschleuder? Ist er sexuelles Lustobjekt oder Herrscher über Seil und wogende Brüstemeere?

Und warum eigentlich immer ein und, oder oder und?

In ihrer Abschlussarbeit „Subjects of Desire“ für die Neue Schule für Fotografie ist Zorana Musikic dem auf der Spur. Oder noch besser, sie spielt damit. Überspitzt, dreht um und erstaunt den einen oder anderen Betrachter.

Als Frau schmunzelt man, zieht die Augenbraue hoch, wiegt den Kopf hin und her. Kann man sich doch all die Inszenierungen ganz einfach auch und vor allem an Frauen vorstellen.

©musikic_sod_01 ©musikic_sod_02

Überspitzung ist immer ein Mittel zur Selbstreflexion. Plötzlich werden einem die Grenzen der eigenen Dämlichkeit bewusst. Das ist es, was die Bilder schaffen – nicht konsumieren, sondern denken, nachdenken, Vorurteile bewusst machen, hinterfragen.

Angefangen hatte es mit Fotos ihres Freundes. Wie stellt man Männlichkeit dar, was ist Männlichkeit? Und warum werden oft eher Frauen fotografiert? – Frauen von Frauen, Frauen von Männern, wohin man blickt. Wer fotografiert Männer und warum und wie? Und warum immer so Stereotype, festgefahren, verankert im Geflecht der Selbstüberschätzung?

Aus den Fragen entwickelte sie ihre Serie. Sie fragte Ex-Freunde, Freunde von Freunden, Mitbewohner von Freunden. Sie gab ihnen Raum zum Ausprobieren. Eine ungefähre Idee im Kopf, Requisiten in die Hand gedrückt, aber was letztendlich gezeigt wird, das entschieden immer beide während der Aufnahmen und danach.

©musikic_sod_06 ©musikic_sod_07

Für die Männer war der Raum die Bühne, die Requisiten boten Schutz. Sie waren Schauspieler und doch sie selbst, ließen sich fallen und manch einer zeigte im Spiel viel mehr Weichheit als bewusst gespielte Männlichkeit.

Da gab es beispielsweise diesen ausgeleierten Gymnastikanzug. Sie dachte an ihren Ex-Freund, der einst Leistungsturner war – warum nicht beide zusammenbringen? Sie mietete sich in einem Stundenhotel ein und schaute zu, was Ex-Freund und Gymnastikanzug miteinander trieben.

Ihre Bilder entblößen aber nicht. Schnell kann die Grenze zur Clownerie überschritten werden, doch hier scheint mir, ist es geglückt. Die Männer wirken entrückt oder wie in einer Filmszene eingeforen.

©musikic_sod_11 ©musikic_sod_08

In vielen fühlt man auch das Spiel und die Freude, wie beim Mann, der mit Engelsflügeln springend und jauchzend über das Winterfeld hüpft. Übrigens war die Idee dazu eine ganz andere. In Zoranas Kopf spielte sich eher eine melancholische Szene ab. Ein Mann, der schwer geschultert, vom Schicksal zermürbt, über das Feld humpelt.

Ihre Bilder entstanden dabei alle auf Film. Zwar war auch die Digitale mit dabei, aber eher als Belichtungsmesser und zur Sicherheit, falls auf dem Film nix drauf ist. Aber diese Angst bestätigte sich nie. Immer waren es die Bilder auf Film, die besser waren.

©musikic_sod_09 ©musikic_sod_10

Licht und Farben wurden bewusst gesetzt. Die Negative hinterher gescannt und digital bearbeitet. Zwei bis vier Filme verwendete sie für ein Setting, einen Mann, eine Idee. Aus den Filmen wählte sie dann die Bilder aus und manchmal war es auch nur eines, das überzeugte.

Die nächste Schwierigkeit war die Hängung der Bilder. Wie sollten sie zueinander wirken? Sie wollte Brüche erzeugen, zum Denken anregen. Und so ist es ihr geglückt, den Betrachter ein wenig an die Hand zu nehmen, zu leiten und zu fordern, sich seinen eigenen Reim auf das zu Sehende zu machen.

~

Die ganze Serie ist noch bis zum 21. April 2013, Mittwoch bis Sonntag von 13-18 Uhr in der Galerie der Neuen Schule für Fotografie in der Brunnenstr. 188 – 190, 10119 Berlin, zu sehen.

  • Sigma Banner

16 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

  1. Das Spiel mit den Geschlechterrollen ist sicherlich eine nette Idee. Bei manchen der Fotos ist das sicherlich auch gelungen, bei manchen eher weniger. Nicht das ich etwas gegen Männerakte hätte, der gehört zur Fotografie wie auch der Frauenakt. Nur leider fallen hier zwie Bilder so stark gegen den Rest ab, dass diese die ganze Serie runterreißen. Das sind bei dem ersten Doppel das Rechte und im nächsten Doppel ebenfalls das Rechte. Die Bilder haben eher was amateurhaftes und erreichen bei weitem nicht die Qualität der restlichen Fotos.

  2. Mir fehlt wohl wieder die Phantasie, um aus den Bilder etwas ´rauszuziehen. Das Teaserbild wäre für mich noch das beste Bild der Serie, wenn es nicht ganz so viel Korn hätte. So sieht auch dieses Bild übertrieben künstlich/künstlerisch aus, finde ich…

  3. “Männerfantasien”….
    1. Fantasien der Männer, wie sie selbst sich sehen ?
    oder 2. Fantasien der Frauen, wie sie Männer gerne sehen würden ?

    In diesem Augenblick hoffe ich nur, dass 2. nicht zutrifft; und zu 1. zähle ich mich jetzt einfach nicht.

    • Viel mehr würde ich sagen, dass keines von beidem zutrifft und es ziemlich genau das aussagt, was die Bilder kritisieren.

      Ich betrachte das ganze mehr als Reflektion von Stereotypen bei Frauen und Männern. Würden diese hier gezeigten Posen Frauen einnehmen, würde es vielen nicht so “seltsam” vorkommen, eben wegen der großteilig auf Klischees basierenden Gesellschaft in der wir leben.
      Das ganze zeigt uns, auf was wir Männlichkeit und Weiblichkeit oft reduzieren – auf das “harte” und das “weiche” Geschlecht.
      Es ist daher nicht das Ziel zu fragen wer was wie sehen will, sondern was wir meistens erwarten zu sehen und dies zu hinterfragen.

      • was wäre an zweiten so schlimm bei umgekehrter gechlechterverteilung? männer müssen sich ihre fantasien ja immer wieder vorwerfen lassen („objektifizierung“).

  4. Super Artikel. Man könnte Bücher mit der Thematik füllen und braucht bloß mal in Modelkartei oder anderem rumzuschauen um zu sehen, wie die Rollenreproduktion funktioniert. Es tut gut zu sehen, dass Menschen sich mit dem Aufbrechen eben jener Rollen auseinandersetzen.

    Vom inhaltlichen abgesehen ist der Adox übrigens ein fürchterlicher Film (:

  5. Die Bilder bzw. deren Aussage erschließen sich nicht auf den ersten Blick, es braucht länger. Bei einigen wäre erklärender Text hilfreich (vielleicht aber auch nur störend, das weiß ich leider immer erst hinterher). Ist ein Bildband geplant? Ich wäre interessiert.