Ghosts © Marit Beer, One Child © Dvorah Kern
20. Februar 2013 Lesezeit ~ 2 Minuten

Portraits: Geister und ein Kind

In der Ausstellung „Portraits“, die demnächst in der aff Galerie in Berlin anläuft, werden Arbeiten aus der Serie „Geister“ unserer Redakteurin Marit Beer gemeinsam mit Bildern aus „One Child“ von Dvorah Kern präsentiert. Anlass genug, sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Arbeiten beider Fotografinnen anzusehen.

Zuerst einmal lassen sich Eckdaten ausmachen, die Grund genug sein könnten, gerade diese Bilder nebeneinander zu zeigen. Marit Beer und Dvorah Kern sind beide junge Frauen, die in Berlin leben, arbeiten und analog fotografieren. – Das allein macht aber noch keine zwei Stile, die sich unbedingt vertragen müssen.

Es gibt auch genug Unterschiede. Spannung entsteht durch Nähe, Intimität, ständigem Zusammensein auf der einen und Fremdheit, Herantasten, nur einzelnen kurzen Treffen auf der anderen Seite. Die eigenen Innenwelten finden beide Fotografinnen von ihren Gegenübern reflektiert und halten diese neben den Geschichten, die sich vor der Kamera abspielen, ebenfalls auf Film fest.

Dvorah Kern begleitete die Entwicklung ihrer kleinen Schwester im Alter von etwa 7 bis 14 Jahren fotografisch. Es gab dabei kein gestalterisches Konzept, keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder objektive Dokumentation. Stattdessen finden sich Fragmente spontaner Beobachtungen, ungestellter Momente, kindlicher Koketterie auf dem Weg zum Erwachsenwerden.

Die wie selbstverständlich vorhandene Nähe zwischen Geschwistern, die nur schwer und selten zwischen völlig Fremden entsteht, fehlte bei Marits Arbeit mit Modellen vollkommen. Durch das Hinzufügen einer noch stärker verfremdenden Ebene – der Folie – machte sie sich auf die Suche nach Nähe zu den fremden Menschen vor ihrer Linse.

Ghosts © Marit Beer

Sie verbergen sich auf Nebelfeldern im Morgengrauen oder des Nachts in unseren Zimmern außerhalb des Lichtscheins der Leselampe, wenn wir die Seiten des Buches weiterblättern. Manchmal erzählen wir ihre schönen, manchmal auch traurigen oder sogar grausamen Geschichten weiter. Und manchmal versuchen wir, sie festzuhalten.

Sie suchte die Details der Geschichten, die sie nur wage von den Fremden kannte. Durch die ort- und zeitlose Struktur der Folie hindurch kann der Betrachter diese Geschichten nun selbst fortsetzen. Inspiriert von den Gefühlen, die die Fremden mit Marit im Bild zwischen den Zeilen eingefroren haben.

So entstehen ähnliche Stimmungen mit Andeutungen des Suchen und Findens von Nähe und Fremdheit, Vertrauen und Kennenlernen, gemeinsamen Jahren oder Momenten – trotz unterschiedlicher Herangehensweisen zwischen Spontanität und Inszenierung, zufälligem Ort und Licht oder arrangierter Stimmung im Nichts.

Ghosts © Marit Beer

Eine Schwester, so nah und vertraut wie einem nur jemand sein kann, wird durch die Entwicklung, durch erwachsenes Anderswerden fremd. Fremde, deren Lebensläufe sich nur für wenige Stunden treffen, um dann wieder auseinanderzudriften, kommen sich für den Hauch eines Augenblicks so nah, dass eine tiefere Verbundenheit in den Graustufen zwischen Schwarz und Weiß festgehalten werden kann – bevor sie mit dem nächsten Windhauch, der durch die Folie fährt, wieder aus Raum und Zeit getragen wird.

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Ausstellung

Portraits: „Geister“ von Marit Beer, „One Child“ von Dvorah Kern
Zeit: 2. – 24. März 2013
Vernissage am 1. März 2013 um 19 Uhr
Ort: aff Galerie, Kochhannstrasse 14, 10249 Berlin
Link

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4 Kommentare

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  1. Das wäre sicherlich sehr interessant. Leider habe ich mich in letzter Zeit an solchen “Geisterfotos” mehr als satt gesehen. Es ist so speziell, dass es schwierig ist zwischen Arbeiten verschiedener Fotografen Unterschiede auszumachen, die noch Interesse wecken könnten – rein thematisch bezogen natürlich. Für mich aktuell einfach überladen.

  2. Blogartikel dazu: Bildvorstellung: Spinat Implosion - kwerfeldein - Fotografie Magazin

  3. Also ich haette mir die Ausstellung gerne angeschaut, waere ich in Deutschland (und waere sie nicht schon seit Monaten vorbei).
    Das Konzept “Geister” mag ich nicht beurteilen – haette aber wohl ohne den Titel bei den Fotos nicht in erster Linie an Geister gedacht.
    Vom visuellen gefallen mir die Portraits, besonders das letzte und das erste im Titelbild, sehr gut.
    In welcher Groesse hingen die an der Wand und gibt’s irgendwo Fotos von der Ausstellung selbst? :)