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23. Januar 2013 Lesezeit ~ 3 Minuten

Agascha träumt von Blumen

Agaschas Welt ist blumig. Als ich sie das erste Mal traf, da erzählte sie mir mit glänzenden Augen von einer Pflanze, die sie nun endlich erstanden hatte, eine blühende Artischocke. Sie saß schon eine Weile an einer Serie, in der sie nach Pflanzen aller Couleur Ausschau hielt, um sich mit ihnen zu portraitieren.

Fortan begann ich, ihre Fotografie zu beobachten. Die Symbiose aus einer schönen Frau, Pflanzen und der Polaroidtechnik ergab poetische Bilder.

Pflanzen umgeben uns täglich und selbst in der größten Betonwüste gräbt sich immer wieder ein Samen in die Ritzen und entfaltet sich manchmal sogar zu einem starken Baum, der den Asphalt aufhebelt. Wir versuchen, dieser Gewächse Herr zu werden, legen Gärten an und versuchen, Ordnung zu schaffen.

Die Darstellung von Pflanzen in der Kunst und Fotografie ist zwar ein alter Hut, aber oft einfach nicht mehr wegzudenken. Manch einer mag die Augen verdrehen, wenn er wieder junge Mädchen mit einem Strauß Blumen in der Hand erblickt und doch reizt uns das Thema Pflanze und Mensch aus unterschiedlichen Gründen.

Wenn ich Agaschas Pflanzenbilder betrachte, dann sehe ich darin den Nachruf an die verlorene Wildheit beider Naturen – Mensch und Pflanze. Denn die Pflanzen sind nicht mehr lebendig, sondern getrocknet, gepresst oder gerade erst dem Leben beraubt.

Für mich ist darin die Erinnerung an das Wesen der Pflanze sichtbar. Ich sehe aber auch die Annäherung zweier gegensätzlicher Lebensformen, die sich auf den Bildern gegenseitig schmücken.

Sie ordnet die Pflanzen unterschiedlich an. Ob als Schmuckstück aus großen Beeren, die wie ein gewaltiges Collier wirken oder als Collage, ihre Kreativität ist scheinbar unerschöpflich. Besonders angetan haben es mir dabei allerdings ihre Polaroidlifts, die sie oft noch eigens farbig koloriert und so einzigartig macht.

Warum es ihr ausgerechnet Obst, Gemüse und anderes Grünzeug angetan haben, das kann sie nicht wirklich erklären. Die Sachen waren eben da, sagt sie.

Auf dem Fensterbrett in der Küche stapelten sich immer verschiedene Früchte und Gemüse und manches fand eben oft keine Verwendung mehr beim Kochen. Das war schade und so schrumpelte manchmal eine Zwiebel oder etwas Obst einfach so vor sich hin. Und da kam dann die Idee, dem verschrumpelten Grünzeug noch eine letzte Ehre zu erweisen und es fotografisch festzuhalten. Danach lief es einfach von allein und eine Idee folgte auf die andere.

Ganz ähnlich war der Prozess beim Polarodlifting. Anfangs auch nur eine Notwendigkeit, um die Bilder zu „retten“. Dann fehlte etwas, die Bilder fühlten sich unfertig an und sie unterstrich die Wirkung der Bilder mit Farben.

Irgendwann waren es dann auch nicht mehr einfach nur kolorierte Polalifts, sondern eine ganze Geschichte in einem Bild, wie jenes vom Rotkäppchen im Wolfsmagen.

Die Farben entstehen übrigens mit ganz einfachen Aquarellfarben – eben jenen, die sie gerade da hat. Die künstlerische Ausprägung von Agascha kommt auch nicht von ungefähr. Ihre ganze Familie ist begabt, Dinge herzustellen oder sich künstlerisch auszudrücken.

Für dieses Jahr hat sie sich ein großes Projekt vorgenommen. Die Pflanzen-Polaroids sollen in ein Buch, das sie selbst herstellen wird. Wenn ich mir anschaue, wie Ideen bei Gestalt annehmen, können wir auf das Endergebnis gespannt sein. Ihr größter Wunsch ist es übrigens, den Beruf des Buchbinders zu erlernen. Etwas mit den Händen herstellen, ohne maschinelle Serienfertigung.

Habe ich Euch neugierig gemacht? Wenn ja, dann seht Ihr auf Agaschas Flickr-Stream noch mehr.

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5 Kommentare

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  1. da gibt sich jemand enorm mühe. mühe die sich lohnt.
    danke fürs zeigen von bildern fernab jegenlichen mainstreams.
    was afascha hier zeigt ist wahrlich kunst – eine auseinandersetzung mit gegenwärtigem und vergänglichem.
    es dauerte lange, bis mich hier auf kwerfeldein eine serie wirklich berührte und mehr ist als “aha, wieder mal ein paar bildchen”.
    danke fürs zeigen.

  2. Ich kann mich Martin nur anschliessen. Wirklich berührende Bilder.
    vor allem faszinierend, wie “natürlich” sie wirken – im Sinne von ungezwungen und frei. Oft hab ich bei Portraits (ins besondere, wenn es die Absicht darin besteht, sich möglichst “künstlerisch” auszudrücken) das gefühl, dass sie zu gestellt sind und versucht wird, in ein Muster zu passen oder eine fremde Erwartung zu erfüllen. Hier nicht, hier stimmt es einfach.

  3. Gefällt mir gut!
    Auch immer wieder gut: die Verlinkung zu weiteren Werken des Künstlers/Künstlerin. Da entdecke ich oft Dinge, die mich noch mehr in den Bann ziehen.
    Danke fürs Zeigen!