documenting delight
12. Dezember 2012 Lesezeit ~ 3 Minuten

Freude dokumentieren: Geburtsfotos

Documenting Delight, also „Freude dokumentieren“ heißt die Homepage der Australierin Georgia. Und der Name der Seite ist absolut berechtigt, denn sie zeigt dort Fotos ihrer Familie, sowie ihrer Arbeit als Geburtsfotografin.

Ja, Ihr habt richtig gelesen: Geburtsfotografin. Fotos von Geburten waren mir bisher auch unbekannt. Als ich jedoch Georgias Bilder sah, überzeugten sie mich so sehr, dass ich unbedingt ein Interview mit ihr führen wollte. Ich bin so froh, dass sie zugestimmt und mir so einen Einblick in diese seltene Arbeit gewährt hat.

Georgia filmt die Geburten zusätzlich, aber ich entdecke gerade bei der Dokumentation einer Geburt die Stärke der Fotografien. Sie sind nicht aufdringlich und dennoch nah und emotional. Georgia macht aus einmaligen Erlebnissen so unbeschreibliche Fotos und ich glaube, dass das jeder sieht, auch wenn er noch nie eine Geburt miterlebt hat.

Hallo Georgia. Ich habe noch nie von Geburtsfotografie gehört, bevor ich Deine Bilder sah. Wie bist Du auf die Idee gekommen, Geburten zu fotografieren?

Meine älteste Schwester ist Fotografin und fragte mich, ob sie bei meiner ersten Geburt dabei sein und sie fotografieren dürfte. Ich war nicht begeistert von der Idee, sagte aber zu, denn ich fand den Gedanken schön, einige erste Bilder meiner Tochter zu bekommen. Ich hatte keine Ahnung, wie kostbar die Bilder der ersten Begegnung mit meinem Baby sein würden. Danach wusste ich, dass ich meine nächste Geburt auch dokumentiert haben wollte. Meine Geburtsbilder sind aussagekräftiger als meine Hochzeitsbilder.

Ich stelle es mir schwierig vor, Fremde in einer so intimen Situation zu sehen. Für Dich als Fotografin, aber auch für die Eltern ist es sicher nicht einfach. Wie gehst Du damit um? Kennst Du die Gedanken der Eltern?

Ich treffe mich mit jeder Mutter vor ihrer Geburt, so dass wir eine Beziehung aufbauen können und ich nicht ganz fremd bin. Einige Frauen sind besorgt, dass jemand anderes sie in den Wehen sieht. Aber die meisten fühlen sich wohler, wenn sie wissen, dass ich das alles schon gesehen habe und sie meine bisherige Arbeit online sehen können, wenn sie möchten.

Was liebst Du an der Geburtsfotografie, was bewegt Dich, weiter zu fotografieren?

Ich liebe die Seltenheit, die Emotion, die Freude. Es gibt nichts im Leben, das so real und wunderbar ist, wie die Momente, in denen ein Kind auf die Welt kommt. Da ist so viel Emotion und Liebe.

Gibt es auch schwierige Momente für Dich?

Schwer für mich ist es manchmal, 24 Stunden am Tag auf Abruf bereit und nicht in der Lage zu sein, einfach aus der Stadt zu fahren oder das Handy mal auszuschalten.

Was ist die schönste Erfahrung, die Du bisher bei diesem Job hattest?

Ich denke, als eine meiner Frauen eine vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt in ihrem Wohnzimmer hatte, liebevoll unterstützt von ihrem Mann, der auch Arzt ist. Der Moment, als sie in Tränen ausbrach, weil sie ihr Baby im Arm hielt, wohlwissend, dass es ihr Körper war, der dies vollbracht hat.

Geburten beginnen meist überraschend und dauern mehrere Stunden. Wie organisierst Du solch ein Geburtsshooting?

Ich bin 24 Stunden am Tag per Telefon erreichbar, wenn eine Geburt ansteht. Ich begleite die Mütter, sobald die Wehen anfangen, bis das Baby geboren ist. Manchmal sind das drei Stunden, manchmal sind es auch 26. Dieser Job ist nicht vorhersagbar!

Bist Du nach der Geburt weiter in Kontakt mit den Familien, nachdem Du mit ihnen diese einmalige Erfahrung der Geburt geteilt hast?

Ja, meistens bilden sich schöne Beziehungen zu den Familien, die mich eingeladen haben, bei der Geburt ihrer Kinder dabei zu sein. Ich finde es toll, sehen zu dürfen, wie die kleinen Babies wachsen!

Vielen Dank, dass Du Dir Zeit für meine Fragen genommen hast!

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19 Kommentare

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  1. Eher eine ungewöhnliche Art der Fotografie, jedenfalls trifft man nicht oft auf sowas. Aber es hat durchaus seinen Reiz. Vielleicht nicht jedermanns Sache, aber schön ist es. Und wenn man sonst alles Wichtige festhält (Taufe, Geburtstage, Hochzeit, etc.) warum dann nicht auch so einen besonderen Moment? :) Auf jedenfall tolle Arbeiten, natürlich aber trotzdem mit Stil :)

  2. Wow, find ich super. Geburten sind wahrscheinlich nix für schwache Nerven und ich würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei diesem Anblick in Ohnmacht fallen, aber ich kann mir gut vorstellen, daß dieser Moment, in der ein neues Leben beginnt, auch für die Fotografin jedes Mal unvergesslich ist.

    Auch wenn die Babies dann erwachsen sind, werden sie die Fotos mit Sicherheit sehr schätzen. Mir jedenfalls würde es sehr viel bedeuten, solche ästhetischen und emotionalen Fotos von meiner eigenen Geburt zu sehen. Es gibt leider nur ein Foto von mir von diesem Tag, auf diesem bin ich ein kleines, schweinchenrosa Etwas mit vielen Haaren in einem Handtuch. :)

  3. Ach du meine Güte. Das eine Fotograf/Fotografin das macht: OK, jeder kann versuchen mit irgendwas Geld zu verdienen. Aber die Eltern? Ich bin selber Vater, war bei zwei Geburten dabei. Bilder machen von sowas. Echt schräg und Kopfschüttel. Und in ein paar Jahren werden auch die Eltern sich über diesen Fotostuss ärgern.
    Sorry aber wir spinnen heute definitiv. Als nächstes kommt dann der Sterbe-Fotograf, der ich muss aufs Klo Fotograf, der Mein-Bubi-sitzt-auf-dem-Töpfchen-Fotograf.
    Ei, ei, ei, wie sind wir heutzutage lustig. Ich brauch doch unbedingt von allem ein Bild. Schliesslich haben das auch Freunde X und Y gemacht.

    • Ich verstehe nicht, was dein Problem ist. Warum sollten die Eltern sich ärgern, obwohl sie die Fotografin selbst engagiert haben? Vor allem zeigen die Fotos ja wirklich einzigartige Momente und sind trotzdem nicht zu intim oder aufdringlich, da größtenteils die Freude über den neuen Mensch im Vordergrund steht. Es werden einfach nur Emotionen mit großer Intensität festgehalten.
      Das ist dann auch überhaupt nicht vergleichbar mit deinen sarkastischen Weiterführungen im Sinne von “Sterbe-Fotograf”. Und das auf Gruppenzwang abzuleiten, ja, das ist auch so eine Sache.

      • Es gibt tatsächlich auch zum Thema Sterben interessante und anspruchsvolle Fotografie. In diesem Buch zum Beispiel: Noch mal leben vor dem Tod: Wenn Menschen sterben

        Und früher war es auch oft so, dass Tote nach ihrem Ableben noch einmal herausgeputzt und fotografiert wurden. Da waren Fotos noch teuer und besonders arme Menschen konnten sich dann vielleicht nur dieses eine Bild zur Erinnerung an den geliebten Menschen leisten.

        Dieser Exkurs führte jetzt zwar sehr weit von Geburtsfotografie weg, soll aber vor allem illustrieren, dass es für viele Dinge, die einem im ersten Moment absurd oder fremd vorkommen, tatsächlich eine Berechtigung gibt.

      • wie ich deiner website entnehmen kann bist du gerade erwachsen geworden. wir können in 10, 20 oder 30 jahren wieder darüber sprechen. bis dann auf wiedersehn.

        was ich noch sagen wollte: wir leben heute den exhibitionismus pur. dies zeigt sich gerade auch in der fotografie ungemein.

      • Es ist natürlich einfach, wenn man das Alter als Grund definiert, der eine “Diskussion” unmöglich macht.

        Aber ja, du hast recht, ist wohl so was wie der Zeitgeist sein Privatleben mehr oder weniger öffentlich auszuleben. Auf die hier gezeigte Geburtsfotografie muss das aber nicht unbedingt zutreffen, so ein Foto kann ja auch eine rein persönliche Erinnerung ohne Veröffentlichung bleiben. Außerdem ist das kein Grund diese Art der Fotografie generell als eher “schlecht”, “unpassend”, etc. hinzustellen. Persönliche Sicht der Dinge ist das anscheinend.

      • danke Aileen für den Link.
        Habe die Fotos von Walter Schels in der Serie
        2003 bei den World Press Photos gesehen und
        war schwer beeindruckt. Habe mir das Buch
        aufgrund der sehr beeindruckenden Kommentare
        gekauft.

    • @ Martin E.

      Hallo, ich verstehe dein Problem auch nicht.
      Deine Aussage “Bilder machen von sowas” kann ich nicht nachvollziehen.
      Ich bin auch Vater von 2 Kindern und denke, eine Geburt ist etwas “Wunderbares”.

      Und warum ein Wunder nicht fotografieren oder fotografieren lassen von einem Fotograf/einer Fotografin deines Vertrauens, das hier m. E. schon eine beachtliche Rolle spielt.

      Und ich denke, auch du wirst Fotos von deinen Kindern machen bzw. gemacht haben, evtl. auch “mein Bubi sitzt auf dem Töpfchen”.
      Und wie ja auch schon gesagt wurde, man muss es ja nicht veröffentlichen, es sind persönliche Erinnerungen.

      In diesem Sinne…

      Viele Grüße
      Peter

  4. Die Fotos sind wunderschön, intim, zart und tragen so viele Emotionen in sich – berührend. Die Momente sind sehr schön “eingefangen” worden.

    Zum ersten mal bin ich bei Monika Wasylewska über Geburtsfotografie bzw- -reportagen gestolpert. Auch sehr schöne Reportagen. Diese neue Sparte der Fotografie scheint ja gerade im kommen zu sein.

    (Anmerkung: Früher wurde auch auf Beerdigungen fotografiert. Gibt’s das heutzutage auch noch?)

    Zunächst hat mich dieser bisher ungekannte Schwerpunkt stutzig gemacht. Es sind Fotos von sehr, sehr privaten und intimen Momenten, die hier im Internet präsentiert werden. Für private Zwecke mit einem guten Fotografen finde ich das schön, aber das dann im Internet in Portfolios zu präsentieren ist mMn ein Balanceakt auf einem ganz schmalen Grat. Sehr krasse Sache, was für private Momente man bei so einer Aktion teilt.

    (Gute Ausstellung dazu momentan in Frankfurt am Main in der Schirn: Privat. U.a. mit Ai Weiwei, Nan Goldin, Marilyn Minter uvm.)

    Ich denke, als Fotografin darf ich das so sagen. (Ich gehe auch davon aus, dass die abgebildeten Personen & Erziehungsberechtigten mit der Veröffentlichung im Internet einverstanden sind.)

    Selbst würde ich auch gerne mal eine solche Reportage machen, ich stelle mir das als sehr spannende Erfahrung vor. Wie ich dann einen Portfolio präsentieren würde? Ich weiß es nicht.

  5. Ich hätte mir bei der Geburt unserer Kinder nicht vorstellen können, jemanden mit einer Kamera im Kreißsaal dabei zu haben. Der Moment ist in meinem Empfinden der intimste Moment, den es überhaupt gibt. Für alle (meist) drei Beteiligten. Und es ist ein Moment, der bei allem Zauber auch ein Augenblick des Schmerzes und der Unsicherheit ist.

    Mich hat der Beitrag ins Nachdenken gebracht. Schon deshalb bedanke ich mich dafür. Aber er hatte eine vielleicht überraschende Konsequenz: Auch ich hatte eine Kamera dabei, als vor zwei Jahren meine Tochter geboren wurde. Und ich habe auch Bilder gemacht. Eines davon stand bis heute etwas versteckt und – wenn ich mir die Zugriffe ansehe – auch weitgehend unbemerkt auf meiner Website. Ich habe es eben offline genommen.

  6. Sehr schöne Bilder. Und toll, das du so was machst. Natürlich geht jeder Mensch anders mit dieser Intimität um und die Mehrzahl der Menschen würden sich in dieser Situation wahrscheinlich nicht fotografieren lassen.
    Als Vater von zwei Kindern würde ich mich selbst sehr freuen, wenn es von diesen Momenten Bilder geben würde. Die Geburt ist für viele ein überwältigendes Ereignis. Freude, Veränderung, aber auch Stress, Schmerz und Adrenalin prägen diesen Tag. Bei mir und vor allem meiner Frau so sehr, das ich mich jetzt ein paar Jahre später kaum noch an die Details erinnern kann. Ein wichtiger Spruch in der Fotografie lautet: “Fotografie bewahrt keine Erinnerung, sondern SCHAFFT Erinnerung”. Auf mich jedenfalls sehr zutreffend.

  7. Ahh Georgia. Ihr Blog ist so wunderbar. Ich liebe ihn und lese ihn inzwischen auch schon seit ein paar Jahren. Durch sie bin ich auch auf diese Fotografie gekommen. Zwar habe ich leider noch nie eine Geburt fotografiert (war aber schon bei ca. 15 Geburten dabei), aber würde dies unglaublich gerne.

    Hast du inzwischen Geburten fotografiert? Habe diesen Link grad über google gefunden, weil ich Geburtsfotografie eingegeben habe, daher hab ich mich noch nicht weiter auf deinem Blog umgesehen, mache ich aber gleich ;)

    Alles Liebe aus Berlin,
    Sarina