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26. November 2012 Lesezeit ~ 4 Minuten

Nicht am Anfang, nicht am Ende, sondern mitten im Moment

Als ich Anja Beutler anschrieb, hätte ich nicht damit gerechnet, sie persönlich treffen zu können. Denn sie lebt teils in Hamburg und teils an der Ostsee. Doch wie es der Zufall wollte, hatten wir doch die Chance, uns persönlich zu treffen und überwiegend über die Fotografie zu sprechen.

Ich begegne Anja gespannt und fühle mich sogleich wohl mit ihr. Wir trinken einen Tee und sitzen an der vom Herbst angereicherten frischen Luft. Der Himmel ist blau und ein paar Bienen baden in unseren Honigschälchen. Ein schönes Foto, stellen wir gemeinsam fest und da sind wir auch schon beim Thema.

Anja hat Visuelle Kommunikation in Augsburg studiert, in diesem Rahmen einem Auslandsstudienjahr in Belfast gemacht und ist so zur Fotografie gekommen, wenn auch nicht gleich, sondern ein paar Jahre später. „Ich war schon als Kind eine Beobachterin.“ Diese Beobachtungsgabe spiegelt sich in den Fotos von Anja wider. Ihre Motive sind kraftvolle Bewegungen, der Ausdruck und die Leidenschaft von Menschen, die sich auf der Bühne tanzend offenbaren.


„Rough Cut“ von Pina Bausch

Tanz ist schon lange ein Thema in Anjas Leben. Um zu tanzen, verließ sie bald nach ihrem Studium ihre Stelle als Grafikerin bei einer bekannten Berliner Werbeagentur und lernte in Paris Argentinischen Tango. Der Tango wurde schnell sehr wichtig für sie und bestimmte ihr Leben für die nächsten Jahre. Wenn sie nicht tanzte, zeichnete sie Portraits von Touristen am Montmartre und verkaufte dort Bilder von Paris. „Das war eine sehr schöne, aber auch eine harte Zeit.“


„Hell“ – Dance Company Emio Greco | PC Amsterdam

Als sie nach Berlin zurückkehrte, begann sie in Eigenregie Tanzproduktionen von „Tanz im August“, einem großen Festival für zeitgenössischen Tanz zu fotografieren. Plötzlich war die Liebe zu allem Visuellen mit der Leidenschaft für den Tanz verknüpft. „Die Tanzfotografie verband für mich alles, was mich faszinierte.“

„Es war keine bewusste Entscheidung, viel mehr fügte es sich alles auf natürliche Art und Weise. Die Tanzfotografie bot mir die Möglichkeit, körperlichen Ausdruck visuell darzustellen.“ Anfangs fotografierte Anja vor allem Tango, entdeckte aber bald, dass ihre Faszination allen Tanzformen galt. Sie fotografiert seitdem nationale und internationale Tanzproduktionen, unter anderem in Hamburg, Berlin und Amsterdam, wo ihre Schwester, die Choreographin Nicole Beutler lebt.


„Unspelled“ von Yuko Kaseki

Aktuell hat Anja ein neues Stück, „Shirokuro“ (japan. „weißschwarz“) ihrer Schwester (in Zusammenarbeit mit der Pianistin Tomoko Mukaiyama und dem Lichtdesigner Jean Kalman) fotografiert, das gerade bei der Dance Triennale Tokyo Premiere hatte.


„Shirokuro“ von Tomoko Mukaiyama / Nicole Beutler / Jean Kalman


„Shirokuro“ von Tomoko Mukaiyama / Nicole Beutler / Jean Kalman


„Shirokuro“ von Tomoko Mukaiyama / Nicole Beutler / Jean Kalman

Ihr ist es besonders wichtig, die Atmosphäre des jeweiligen Stückes festzuhalten, gleich einem Standbild aus einem Film, das ein Gefühl für die Geschichte des jeweiligen Stückes vermittelt. Dabei möchte sie in der Tanzbewegung enthaltene ausdrucksstarke Momente festhalten, die vom Betrachter sonst nur flüchtig wahrgenommen werden können. In ihrer Ausstellung „tanz stills“ 2011 in K3 auf Kampnagel und in der Gemeinschaftsausstellung mit der Malerin Ana Sonor in Wismar in der Galerie auf Zeit 2012 sind diese Bewegungsmomente auch in großformatigen Bildern gezeigt worden.


„Hell“ von Dance Company Emio Greco | PC, „Sacre“ von John Neumeier, „Lost is my quiet forever“ von Nicole Beutler

Für Anja entstehen die besten Fotos, wenn sie ein Stück direkt fotografiert, ohne es zu kennen und somit ins kalte Wasser springt. Die so entstehenden Fotos haben für sie die größte Intensität und Ausdrucksdichte. Aus dieser Vorliebe entstand auch die Zusammenarbeit mit der Regisseurin Hélène Harmat, bei der sie in zwei Stücken als Teil der Bühnensituation fotografiert hat. Dabei wurden die Fotos live auf Leinwände im Bühnenbild projiziert, um somit wiederum Teil des Bühnenbildes zu werden.

Die Tanzfotografie hat es ihr einfach angetan und so wird sie auch in Zukunft an weiteren Projekten mitwirken und als Fotografin zum Einsatz kommen. 2013 wird wieder der große Tanzkongress stattfinden, dieses Mal in Düsseldorf, fotografiert von Anja Beutler. Nach einem sehr interessanten Gespräch verabschiede ich mich dankend von Anja und wünsche ihr eine gute Heimreise in das gar nicht so weit entfernte Hamburg.

alle Fotos © Anja Beutler

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7 Kommentare

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  1. Morgen,
    der Artikel hat mir jetzt eigentlich weniger gefallen. Aber ich würde gern mehr über Sina erfahren. Die Kurzbeschreibung hört sich jetzt nach nem sehr interessanten Menschen an!
    Grüße

    • Ein interessater Artikel. Toll wenn man die Möglichlkeit bekommt so etwas zu fotografieren und ergreift die Möglichket auch. Di eBilder finde ich absolut spitze, gerade diese Gegenlichtbilder haben es in sich.
      Gruß
      Oli