Documenting life below the surface
17. Oktober 2012 Lesezeit ~ 5 Minuten

Im Gespräch mit Mark Tipple

Seit dem Sommer 2010 arbeitet der Australier Mark Tipple an der Serie „The Underwater Project“, bei der er Menschen dabei fotografiert, wie sie unter einer Welle tauchen. Ich sprach mit ihm über seine Arbeitsweise unter und über Wasser. Nach dem Interview haben mir nicht nur seine Fotos Respekt abverlangt, sondern noch etwas anderes.

Hallo Mark, warum hast Du mit dem Projekt angefangen und was sind Deine Ziele dabei?

Ich suchte nach einem anderen Weg, Aufnahmen vom Surfern zu machen. Nach vielen Jahren mit verschiedenen Versuchen wie zum Beispiel dem Ausprobieren verschiedener Winkel oder dem Montieren der Kamera auf dem Surfboard war ich irgendwann gelangweilt von meinen Fotos und den Standardaufnahmen, die ich im Internet oder Magazinen zu sehen bekam.

Eines Tages wurde ich an der falschen Stelle erwischt, als gerade eine Welle vor mir zu brechen begann. Ich entdeckte neben mir einen Schwimmer und als wir beide untertauchten, hielt ich die Kamera auf ihn und fotografierte ihn dabei, wie er durch die Welle tauchte. Dieses Foto war der Anfang der Serie und der Fokus verschob sich von Surfern zu den tauchenden Schwimmern. Seit diesem Tag fasziniert es mich, zu sehen wie wir aussehen, wenn wir verhindern wollen, dass die Welle von oben auf uns fällt.

Wo entstehen die Fotos und was musst Du dabei beachten?

Die meisten Fotos sind auf dem Bronte Beach in Sydney entstanden, der zu Fuß ungefähr zehn Minuten vom berühmten Bondi Beach entfernt ist. Die Location ist ein kleine östlich zugewandte Bucht, die den Wellengang einfängt. Es ist perfekt für mich, wenn die Rettungsschwimmer ihre Fahnen in die nördliche Ecke der Bucht stecken, weil dann die Wellen gegen das Riff in der südlichen Ecke der Bucht schlagen, dort einiges an Kraft verlieren und das Wasser sehr klar bleibt.

Die Wellen haben dann definitiv keine große Kraft mehr, weshalb man dort auch gut schwimmen kann. In Kombination mit den anwesenden Rettungsschwimmern, den relativ weichen Wellen und dem klaren Wasser kann ich so im Sommer innerhalb einer Woche ein paar Tage fotografieren gehen. Ausnahmen wie im letzten Sommer, als El Niño uns viel Regen und kalte Temperaturen brachte, kann es natürlich immer geben.

Welche Tageszeit ist für Deine Unterwasseraufnahmen perfekt?

Normalerweise versuche ich, dem Handbuch der Fotografen zu folgen und Aufnahmen eher morgens oder in den Abendstunden zu machen, wenn das Licht weich und warm ist. Ich habe dann aber schnell feststellen müssen, dass sich zu dieser Zeit kaum jemand im Wasser aufhält. An der Ostküste, wo die Sonne aufgeht, ist es bis 10 Uhr morgens unter Wasser noch sehr dunkel.

Gegen 11 Uhr kommen dann die ersten Touristen zum Strand und fangen mit dem Schwimmen an. Selbst an sehr heißen Tagen ist es im Wasser immer noch sehr kühl und so ist die beste Zeit für mich nachmittags, wenn die meisten Leute ins Wasser gehen, um sich abzukühlen und Spaß zu haben.

Es gibt einige Fotos, die ich zu einer späteren Tageszeit bei untergehender Sonne geschossen habe, das Sonnenlicht erzeugt dabei aber einen großen Ring auf dem Bild und das ist für ein gutes Foto nicht besonders förderlich.

Was hast Du für eine Ausrüstung und wieviel kostet ein Unterwassergehäuse?

Die Kamera ist eine gewöhnliche Canon 7D mit einem Tokina Fisheye-Objektiv. Das zusammen hat mich, glaube ich, um die 2,200 AU$ (entspricht ca. 1.700€) gekostet. Das Unterwassergehäuse und der Domeport (zur Korrektur der optischen Bedingungen unter Wasser) dürften ungefähr noch einmal so viel gekostet haben. Da sich ein Großteil meiner Arbeiten mit Filmen beschäftigt, bin ich jetzt umgestiegen auf die Canon 5D MarkIII. Die Arbeitsabläufe sind die gleichen, die Qualität ist jedoch etwas besser.

Vom Surfen weiß ich, dass man unter Wasser schnell die Orientierung verlieren kann. Hast Du schon ähnliche gefährliche Situationen erlebt?

Als ich angefangen habe, die Schwimmer zu fotografieren, trug ich immer einen Gürtel mit Gewichten, damit ich länger unter Wasser bleiben konnte. Ich dachte, das wäre eine gute Idee gewesen – allerdings dachte ich das nur bis zum dem Tag, an dem eine Welle direkt über meinem Kopf und meinem ausgestreckten Arm gebrochen ist. Dabei ist mir die Leine der Kamera abgerissen und ich wurde durch meinen Gürtel auf den Boden gedrückt.

Es war nur eine kleine Welle, deshalb hatte ich auch keine Angst und habe einfach gewartet, bis ich wieder auftauchen konnte. Ich war jedoch besorgt, dass meine Kamera zertrümmert oder ins Meer gespült wurde. Nach ein paar Minuten wilder Suche habe ich sie dann aber in der Nähe des Ufers gefunden und gleich auf Schäden kontrolliert. Zum Glück konnte ich nichts finden.

Was machst Du abseits der Unterwasserfotografie?

Ich arbeite für mehrere humanitäre Organisationen und unterstütze sie durch die Bereitstellung von Fotos und Filmaufnahmen, die die Organisationen dann für Spendenwerbung oder Medienkampagnen einsetzen. Ich habe gerade erst Fotos für die Heilsarmee gemacht und werde demnächst mit einer Organisation zusammenarbeiten, die sich um Menschen mit Behinderungen kümmert. Ich liebe es, anderen Menschen mit dem was ich kann, zu helfen.

Mein ganzes Leben beschäftigt sich mit der Fotografie oder dem Filmen. Entweder reise ich zu einem Shooting, bin gerade dabei oder beschäftige mich mit der Nachbearbeitung der Aufnahmen. Das ist eine Menge Arbeit und möglicherweise wäre es für mich einfacher, einem geregelten Job nachzugehen. Letztendlich kann ich jedoch das machen, worauf ich Lust habe und bekomme so direkt die positiven Ergebnisse meiner Mitwirkung in den einzelnen Projekten mit und das ist für mich ein tolles Leben!

Mark, ich danke Dir für diese Einblicke und wünsche Dir noch viel Erfolg bei folgenden Projekten.

Wer mehr über Mark Tipple und das Projekt erfahren will, kann die dazugehörige Seite „The Underwater Project“ besuchen.

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15 Kommentare

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  1. Vor allen Dingen die ungewohnte Perspektive “unter” den Wellen, die an Gewitterzellen erinnern, ist faszinierend.
    Vermutlich ist es die gephotoshopte Variante der “Unterwasser-High-Fashion-Fotografie” die das bei mir bewirkt, aber z.B. bei Bild 3 (ab Überschrift) wünsche ich mir dann noch, dass das Model / Opfer die Augen offen hat :-)
    Kritik auf hohem Niveau

  2. Das einzige was mich fasziniert ist die Struktur des Wassers, in der Verbindung zwischen dem Wasser an sich und der Luft die dabei nach unten gedrückt wird. Die Menschen selbst tun es nicht.

    Auch der Satz: “Nach dem Interview haben mir nicht nur seine Fotos Respekt abverlangt, sondern noch etwas anderes.” schmeckt mir nicht. Erinnert mich irgendwie daran, das man erst den Text braucht um die Bilder zu respektieren., zu verstehen.

    Aber definitiv nicht mein Genre, fasziniert mich nicht, würde ich mir nie an die Wand hängen.

  3. Die Bilder zeigen eindrucksvoll, mit welchen Kräften der Mensch zu kämpfen hat und das er ihnen hilflos ausgeliefert ist. Die Dynamik der Wellen sind klasse eingefangen, vor allem durch die Lichtkonstellationen. Man sieht wie hilflos die Menschen, die Welle im wahrsten Sinne des Wortes, über sich ergehen lassen.

    Bilder die so viel ausdrücken, wie diese hier, fallen vielen Fotografen schon an Land schwer (da schließe ich mich nicht von aus) – du schaffst es aber sogar unter so schweren Bedingungen, so tolle Ergebnisse zu erzielen – grandios! Ganz tolle Arbeit!

    VG, Marcus

  4. das vorletzte bild ist der wahnsinn. würde ich mir sofort in riesig an die wand hängen. und bei dem dritten foto sehen die wellen wirklich aus wie irgendwelche krassen gewitterwolken. ich habe mich irgendwann mal auch am surfen versucht und die kraft von wellen, die vom ufer aus ziemlich harmlos aussehen, kann man wirklich leicht unterschätzen. wirklich ein interessantes projekt.