akt
10. Mai 2012 Lesezeit ~ 3 Minuten

Der Beginn der Aktfotografie

Die frühe Aktfotografie findet sich bereits kurz nach der Entdeckung der Fotografie und steht in enger Verbindung zur bildenden Kunst, was vor allem an der Auswahl der Modelle und der Motivik erkennbar ist.

Die Darstellung des nackten Körpers in der Malerei war keine Seltenheit und gesellschaftlich akzeptiert. Sowohl für die Malerei als auch für die Fotografie standen Frauen und seltener auch Männer Modell. Durch die Fotografie wurde den Menschen jedoch viel deutlicher, dass es sich bei den Abgebildeten um reale Menschen handelt. Während die Aktbilder der Malerei keine Aufregung verursachten, galten Aktfotos schnell als Pornografie.

Viele Fotografen versuchten daher, ihre Bilder durch Kunst und Wissenschaft zu legitimieren. Eindeutig wissenschaftlichen Charakter hatten zum Beispiel die Aufnahmen von Eadweard Muybridge. Er hielt mit Hilfe von ganzen Batterien von Kameras Bewegungsabläufe von Tieren und Menschen fest.


Treppensteigen von Eadweard Muybridge, ca. 1886

Viele Fotografen machten Aktaufnahmen vor allem, um sie als Vorlagen an Maler zu verkaufen. Eines der bekanntesten frühen Aktbilder ist der Rückenakt von Eugène Durieu (Fotograf) und Eugène Delacroix (Maler). Die beiden Franzosen arbeiteten für eine Reihe von Aktaufnahmen zusammen. Ob Delacroix die Posen arrangierte, während Durieu ausschließlich die Technik bediente, ist unbekannt, jedoch wahrscheinlich. Entstanden sind bei dieser Zusammenarbeit 32 Aufnahmen von Männern, Frauen und Kindern.

„Ich betrachte mit Leidenschaft und ohne zu ermüden diese Fotografien nach nackten Menschen, dieses wunderbare Gedicht, den menschlichen Körper.“ – Eugène Delacroix


Aktaufnahmen von Eugène Durieu und Eugène Delacroix, 1853

Immer mehr Maler benötigten Vorlagen für ihre Bilder. Sie bemerkten schnell, dass Fotografien weit kostengünstiger waren als die Sitzungen für das oft stundenlange Modellstehen zu zahlen. Bekannte Fotografen, die vor allem diesen kommerziellen Zweig der Aktfotografie nutzten, waren Bruno Braquehais und Auguste Belloc.


Stereodaguerreotypie von Bruno Braquehais, 1858

Es gab natürlich auch Bilder, die eindeutig erotischer Natur waren. Die Fotografen veröffentlichten diese sogenannten „Cochonnerien“ nicht unter ihren bürgerlichen Namen, weshalb die Urheber der meisten dieser Fotografien heute unbekannt sind. Der Staat versuchte, den Vertrieb solcher Aufnahmen zu unterbinden, jedoch ohne großen Erfolg. Posiert haben für diese Aufnahmen neben beruflichen Modellen zunehmend auch Prostituierte.

Um sich dem moralischen Verbot zu entziehen und dennoch als Fotograf auftreten zu können, gab es mehrere Wege: Häufig liefen erotische Aufnahmen unter dem Deckmantel der wissenschaftlich-ethnologischen Forschung. So findet man viele Fotos von halbnackten Japanerinnen oder orientalischen Schönheiten. Auffällig ist hier, dass die Studiobilder sich verändern. Während für künstlerische Aufnahmen meist recht einfache Kulissen dienten, wurde die Umgebung bei erotischen Aufnahmen stärker inszeniert.

Aktaufnahmen im Freien waren zu Beginn der Aktfotografie hingegen sehr selten. Man findet sie ab und zu auf Fotos aus den Kolonien. Mehrere Postkartenmotive von halbnackten Frauen bei scheinbar tradioniellen und für die Europäer exotisch anmutenden Tänzen oder Alltagshandlungen fanden so legal Zugang als Grüße aus der Ferne in die Heimat.


Schlafende Japanerin von Baron Stillfried, ca. 1875

Um 1900 veränderten sich die Aktbilder stark. Die Fotografen entdecken neue Bereiche und Möglichkeiten, vor allem auch durch die sich entwickelnde Technik. Auch das Bild von Nacktheit in der Gesellschaft verändert sich zunehmend. Bedenkt man die Situation heute, bekommt man eine ungefähre Idee davon, wie schnell sich allein die Gedanken und Ansichten zur Aktfotografie gewandelt haben müssen. Aber davon ein anderes Mal.


Literaturangaben:
• Baatz, Willfried: Geschichte der Fotografie. Ein Schnellkurs. Überarbeitete und aktualisierte Neuausgabe. Köln 2008.
• Dewitz, Bodo von: Facts – Tatsachen: Fotografien des 19. und 20. Jahrhundert aus der Sammlung Agfa Foto-Historama im Museum Ludwig Köln. Köln 2006.
• Koetzle, Michael: Photo Icons. Die Geschichte hinter den Bildern. 1827 – 1926. Köln 2002.
• Stephan, Peter: 50 Fotografen die man kennen sollte. München 2008.
• Stiegler, Bernd / Thürlemann, Felix: Meisterwerke der Fotografie. Stuttgart 2011.

Vielen Dank an das Fotostudio Lauer, die mir mit einigen Bildern geholfen haben!

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