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01. Mai 2012 Lesezeit ~ 2 Minuten

Bilder und Geschichten: Jo Schwab

Vielleicht erinnert Ihr Euch ja an das Interview, das wir mit Jo Schwab im Februar diesen Jahres führten. Wir baten auch ihn um ein Bild aus seinem Fundus und die Geschichte dazu.

Jo Schwab lebt und arbeitet in Berlin als Fotograf. Mit Portraits und Reisereportagen verdient er sein Geld. Die Aktportraits aus „habitual grace“ zählen zu seinen persönlichen Arbeiten.

Das Bild habe ich 1995 in Sarajevo gemacht. Das war unmittelbar nach dem Ende des Bosnien-Krieges und der Belagerung Sarajevos durch die Serben. Überall in der Stadt sah man diese Muster am Boden, wenn Granaten auf Pflastersteinen explodiert waren… man nannte sie die „Rosen von Sarajevo“.

An dieser Stelle hatte wenige Wochen zuvor eine der letzten serbischen Granaten eine Gruppe Kinder getroffen und man hatte die Löcher provisorisch mit Zement gefüllt.

Es gibt noch andere seltsame Bilder aus dieser Stadt. Auf einem sieht man einen kleinen zerbeulten Käfig. Die Geschichte dazu ist, dass in dem Käfig, der wirklich winzig ist und im Zoo von Sarajevo stand, fast 20 Jahre lang ein Bär saß, bis irgendwann eine serbische Granate seinen kleinen Käfig traf und er tot war.

Oder ein Bild von einem kleinen Loch in der Zimmerdecke einer Wohnung. Der Mann, der in der Wohnung lebte, hat erzählt, dass er mit seiner Familie gerade beim Essen war, als etwas durch die Decke krachte und auf der anderen Seite wieder im Boden verschwand. Er zeigt uns unter dem Teppich ein kleines Loch im Boden. Es war ein Blindgänger.

Es gibt viele dieser kleinen Geschichten, die in ihrer Banalität etwas von dem Irrsinn der Welt erzählen.

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Ich danke Jo Schwab für das Bild und die dazu gehörige Geschichte. Das nächste Mal lässt uns Rüdiger Beckmann hinter ein Bild blicken.

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5 Kommentare

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  1. Ich frage mich mit meinen 60 Jahren heute noch, wie so etwas möglich war: Plötzlich seinen Nachbarn zu hassen und töten zu wollen bzw. echt abzuschlachten… Das ist einfach gegen jeglichen menschlichen Verstand. Schlimm war auch die Ohnmacht angesichts der vielen Morde, die dort und auch in Afrika passierten (und immer noch passieren…). Warum töten Menschen Menschen? Wofür und warum? Solche Fragen kommen mir angesichts des Fotos auf.. Danke für`s Zeigen! Eine Kamera kann auch eine Waffe sein…, allerdings die beste der Welt :-)
    LG aus Berlin Jörg