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27. April 2012 Lesezeit ~ 5 Minuten

Twilight

Dem, der aufgrund des Titels jetzt schon nicht mehr weiterliest, sei gesagt: „TWILIGHT“ hat nichts mit dem gleichnamigen Vampir-Roman gemeinsam. Es ist viel mehr eine digitale Hommage an die Analogfotografie.

Meine Serie „TWILIGHT“ ist im Frühjahr 2012 entstanden. Ich war in einer tollen Stimmung, immerhin bereitete ich gerade meine erste Ausstellung vor. Doch es fehlte einfach noch etwas. Es waren nicht nur zu wenige Fotografien für die Galerie, sondern es fehlte auch die Abwechslung.

In der Ausstellung waren Fotoserien zu sehen, die allesamt eine für mich sehr typische Arbeitsweise beinhalteten: Ich fotografiere Menschen sehr oft in der Natur und nur ab und zu im Studio. Meine Ausstellung bot zwar beides, jedoch bemerkte ich etwas an meinen Fotografien, das mich zum Nachdenken anregte:

Mir ging es bei den Bildern fast ausschließlich um die Ästhetik. Es war mir bis dato immer wichtig, dass sie als Ganzes für mich „schön“ sind. Wenn ich diese Ästhetik, die ich tatsächlich nur auf meinen eigenen Geschmack abgestimmt hatte, erreichte, dann war ich schon glücklich mit den Fotos. Doch das reichte mir nun plötzlich nicht mehr.

Daher kam in mir der Drang auf, für die neue Serie einen Stil zu entwickeln, der sich von meinen anderen Fotos abhebt. Etwas Neues, vielleicht nicht für die Welt, aber für mich.

Es sollten Portraits mit Charakter werden, keine Beauty-Ausleuchtung, stattdessen ein wenig düster und geheimnisvoll. Ich wurde aber bald von lähmender Ideenlosigkeit erfasst, die Konzeption der Serie stagnierte. Voll konzentrieren konnte ich mich auf die Serie sowieso nicht, da waren noch die 12. Klasse und andere Verpflichtungen.

Ich bemerkte alsbald, wie bequem ich doch geworden war. Wenn ich von der Schule nach Hause kam, saß ich den Rest des Tages am Computer, tarnte mein stundenlanges Rumgeklicke durch Blogs und soziale Netzwerke vor mir selbst als „Inspiration“. Ich musste mir eingestehen, dass ich das Gegenteil davon tat, was man eine aktive Freizeitgestaltung nennt. Und ich war damit nicht allein. Viele andere Jugendliche sind „daueronline“. Diese Erkenntnis gab mir nicht nur neue Motivation für „TWILIGHT“, sondern auch eine Bildidee:

Ich befreie uns Menschen vom Sessel der Gewohnheit, drapiere uns in die Natur, in Vergnügungsparks, auf die Straße oder in die Berge. Ich möchte, dass wir wieder mehr am Leben teilnehmen und mit unserer Umwelt verschmelzen.

Diese Verschmelzung hätte ich visuell nicht erreicht, wenn ich die Menschen einfach in der Natur fotografiert hätte. Ich wusste, dass ich das nur mit Bildbearbeitung realisieren könnte. Mir kam sofort die Erinnerung an die analogen Doppelbelichtungen, deren Wirkung mich sehr fasziniert. Doch ich wollte technisch gesehen den Versuch anstellen, die analogen Doppelbelichtungen ins Digitale zu übernehmen und nachzuempfinden.

Es ist vermutlich nicht ganz einfach zu verstehen, warum ich dies alles digital realisieren wollte, gewinnt doch die Analogfotografie heutzutage stetig mehr Wertschätzung und Beliebtheit. Für mich aber sollte es einfach ein Experiment werden: Kann ich diese besondere Ausdruckskraft der Doppelbelichtung auch in der Digitalfotografie, die durch ihre Kontrollierbarkeit und Berechenbarkeit wesentlich „kühler“ ist, umsetzen?

Das Projekt war an dieser Stelle der Überlegungen bereit für die Umsetzung. Die portraitierten Menschen sind Freunde, Bekannte und Fremde, die ich einzeln in mein kleines „Studio“ einlud. Es war also eine gemischte Gruppe an Menschen und fast alle waren zum ersten Mal bei einem fotografischen Projekt dabei. Die Kommunikation mit vorher fremden Menschen war erstaunlich einfach. Man vertraute mir, da ich die Idee meiner Serie jedem Einzelnen erklärte, um Unsicherheiten oder gar Ängste der Modelle zu verhindern.

Der technische Aspekt hinter der Serie hatte natürlich auch einen Stellenwert, obgleich sich der Aufwand in machbaren Grenzen hielt. Das Licht-Setup war denkbar einfach. Ich nutzte nur einen Beauty Dish von rechts oben, um eine schöne Schattenbildung in den Gesichtern zu erreichen.

Anweisungen an die Modelle setzte ich sehr spärlich ein, ich bat lediglich um einen neutralen, natürlichen Blick. Gleich vor Ort zeigte ich die geschossenen Fotos den Modellen. So konnten sie ihren Ausdruck besser einschätzen und kontrollieren. Die Fotoshootings waren daher sehr unkompliziert und entspannt.

Einige der Hintergrundmotive sind bereits aus vergangenen Jahren, andere fotografierte ich für das Projekt neu. Mit den Rohdaten zufrieden, begann ich mit der Postproduktion. Diese stellte sich als weniger aufwändig als vermutet heraus. Im Wesentlichen besteht die Überblendung der Einzelfotos aus wenigen Photoshop-Ebenenmodi: Hier ein wenig „Multiplizieren“, dort etwas „Negativ multiplizieren“. Abschließend kam noch eine Gradationskurve zur Anhebung der Kontraste ins Spiel und die Bilder waren fertig für die Galerie.

Doch warum nun „TWILIGHT“? Ich dachte bei der Wahl des Titels an das Zwielicht zwischen Person und Hintergrund. Natürlich könnte die Serie auch „Zwielicht“ heißen, aber ein wenig Provokation im Titel schadet meiner Meinung nach nicht. Es gab sogar Menschen, die extra des Titels wegen und mit freudiger Erwartung auf eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Vampir-Motiv zu meiner Ausstellungseröffnung kamen und dann sichtlich verwirrt waren.

Aus dem vordergründigen Zweck, die Ausstellung zu füllen, wurde also eine Serie, die mir nun sehr wichtig ist und am Herzen liegt. Immerhin hab ich mich von meinen eigenen Fesseln gelöst und etwas anderes ausprobiert. Einmal die eigenen, gewohnten Gestaltungsweisen hinter sich zu lassen, das ist, denke ich, generell ein guter Ansatz für uns Fotografen, wenn wir wieder einmal unzufrieden mit der eigenen Arbeit sind.

Natürlich muss man sich in beruflicher Hinsicht später schon spezialisieren und bestenfalls auch einen eigenen Stil entwickeln, aber ich habe noch lang nicht das Gefühl, alles ausprobiert zu haben. Es gibt für mich noch viele Dinge zu entdecken und dafür war diese Serie ein wunderbarer Anstoß.

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18 Kommentare

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  1. Mir gefallen die Bilder richtig gut. Ich hätte sie, ohne den Text zu lesen, eher so interpretiert, dass die Personen von den Sachen, die durch die Doppelbelichtung auf das Bild kommen, träumen.

    Viel Erfolg weiterhin,
    aotearoa

  2. Die Bilder an sich gefallen mir gut. Das Ergebnis des Versuchs, digitalen Doppelbelichtungen die analoge “Wärme” (so nenne ich es jetzt einfach mal ) zu geben, außergewöhnlich gut gelungen.

    Was mir nicht so gut gefällt ist das Zusammenspiel mit dem philosophischen Überbau durch die “Bildidee”. Für mich drücken die Bilder nicht das aus, was Du in Deiner Bildidee als Ansatz formulierst. Ich hätte es, ähnlich wie AOTEORA, auch eher als Menschen und ihre Sehnsuchtsorte interpretiert. Ich würde da nochmal drüber nachdenken.

    Zur Umsetzung der Idee, “Ich befreie uns Menschen vom Sessel der Gewohnheit, drapiere uns in die Natur, in Vergnügungsparks, auf die Straße oder in die Berge. Ich möchte, dass wir wieder mehr am Leben teilnehmen und mit unserer Umwelt verschmelzen”, wären mir z.B. eher Diptychen eingefallen: Ein Bild, das die Person einsam im Zimmer vor dem Rechner zeigt und dazu ein Bild, dass die Person in einer aktiven, lebendigen Situation (draußen, unter Freunden, in der Achterbahn…whatever) zeigt. Dazu passt dann etwa die simple Fragestellung: “Was heißt Leben?”.

  3. Zunächst einmal:
    Alle Achtung vor dem Fotografen! Ich habe mir die Bilder und Videos auf seiner Seite angesehen und habe ein recht heterogenes Bild von ihm: Einige Fotos finde ich unglaublich gut, andere… naja. Ich kann mich des Eindrucks nicht verwehren, dass da jemand recht “gehyped” wird.
    Gerade das finde ich aber interessant: Ein so junges Ding hat seine eigene Ausstellung, sein Portfolio und erhält Raum in wichtigen Online-Magazinen…

    Was die Twilight angeht: Die Idee finde ich super; man spürt die Jugendlichkeit, alles top! Jedoch kommt diese Intensität, die beim Text zu verspüren ist, bei den Bildern überhaupt nicht rüber!
    Vor einiger Zeit gab es hier die Doppelbelichtungsaktion, da kamen wirklich unglaubliche Fotos bei heraus. Diese Serie finde ich 1. langweilig und 2. spiegelt sich die Intention meiner Meinung nach nicht in den Fotos wider.

    Mein Eindruck: Ein Künstler, der durchaus viel Potenzial hat, aber noch üben und sein Sujet finden muss.

  4. Bravo!

    Wenn doch nur alle Hobbyknipser EINMAL so denken würden. Muster verlassen, neues probieren und keinen Trends und Hypes folgen. Eine Idee gepaart mit einer eigenen Bildsprache, das erklärt den Sinn Bilder entstehen zu lassen.

    Ob das jetzt jemand versteht oder nicht, darauf ist geschissen. Es bedarf keiner Erklärung zu deinen Bildern. Man schaut sie sich an und kann entweder was damit anfangen oder nicht. Beim Betrachten von Bildern oder Kunst entwickelt doch jeder seine eigene Vision. Das ist der Sinn der Sache und die Gedankenfreiheit jedes Einzelnen. Viele kommen mit der Möglichkeit, Bilder frei für sich selbst zu interpretieren nicht klar. Sie brauchen Zustimmung von Aussen, brauchen Namen zu den Bildern. Will sagen: Wenn da “rot” drunter steht, hat das Bild auch rot zu sein. Dann macht es für sie erst einen “Sinn”.

    Bitte, bitte mach einfach weiter. Du bist noch so jung und “unversaut”. Egal wie das nächste Projekt von dir “ankommt”. Darauf folgt ja wieder eins und noch eins und noch eins ….

    Ich wünsch dir Glück!

    @Martin Lehmann
    … wollte zwar keiner wissen, was dir zu diesem Thema eingefallen wäre aber wenn du hier schon mit Ideen glänzt, mach doch einfach DEINE Bilderserie dazu, zeig sie hier und stell dich den anschließenden Kommentaren.

    • Ich vergaß: Der Kwerfeldein-Kommentar-Bereich ist ja den Alles-Toll-Findern vorbehalten, entschuldigung.

      Falls es Dir entgangen ist: Mir gefallen die Bilder, sogar sehr gut. Ich finde nur, dass sie nicht so recht das ausdrücken, was die eigentliche Idee intendierte (da bin ich übrigens anscheinend nicht der einzige). Und ich finde es schade, wenn eine eigentlich gute Idee und eigentlich gute Fotos sich gegenseitig schwächen, weil sie nicht harmonieren.

      Wenn sich nun zu einer Idee und deren Umsetzung Widerspruch regt, kann der Kritisierte diesen selbstverständlich ignorieren – oder er kann sich fragen, ob an der Kritik vielleicht was dran ist und evtl. nach Möglichkeiten der Verbesserung suchen.
      Gerade weil der Fotograf in diesem Fall noch jung ist, und gerade weil er interessante Ideen hat finde ich, kann, darf und soll man Kritik üben, wenn einem etwas auffällt. Bei 08/15 Fotografie wäre es die Mühe gar nicht wert. Außerdem kann nur Kritik und die Auseinandersetzung damit einen schließlich weiterbringen. Eine Horde unkritischer Jubelperser um einen herum, hat noch nie irgendjemandem geholfen.

      Ob dich interessiert, was mir zu dem Thema einfällt, ist mir herzlich egal. Es war ein spontaner Gedanke, den ich ausdrückte, um zu verdeutlichen, was ich meine, wenn ich sage, dass ich die Bilder hier zur Idee nicht passend finde.
      Weder sollte das bösartig noch überheblich erscheinen.

      Allerdings, lieber Tom, haben wir anscheinend eine andere Auffassung vom Kunstbegriff. Diese Idee, dass Kunst alles darf und man bitte schön nichts zu kritisieren hat, weil es allein dem Künstler obliegt, was er da macht und wenn der Betrachter damit nicht einverstanden ist, dann hat er gefäligst die Klappe zu halten, halte ich für borniert und feige. Sie gibt jedem Möchtegern-Künstler die Möglichkeit zu sagen: “Ich bin genial, wenn ihr es nicht versteht – Pech!” So etwas unterbindet von vornherein die Möglichkeit eines Diskurses und in meinen Augen ist es gerade die Möglichkeit des Diskurses die Kunst erst spannend macht.

      Übrigens: Wer kritisiert, behauptet nicht, dass er etwas besser könnte. Er muss esauch nicht besser können, das wusste schon Lessing. Er sollte nur begründen können, warum ihm etwas gefällt und warum etwas anderes nicht. Oder forderst Du auch jeden, der ein Buch kritisiert auf, selbst eines zu schreiben? Oder schreibst Du einer Fotozeitschrift vielleicht Leserbriefe, in denen Du dazu aufforderst, dass sie selber Kameras bauen sollen anstatt andere zu testen und zu prüfen?

    • In Teilen gebe ich dir Recht.

      Es ist sehr einfach zu fotografieren, die Fotos ohne Kommentar/Erklärung zu zeigen und dann mal zu schauen, was andere darüber denken, wie sie interpretieren und daraus zu lernen.

      ABER: In diesem Artikel schreibt der Fotograf nun mal eine Erklärung/Interpretation zu seinen Fotografien, was ich im Übrigen immer mutig finde, weil man seine Intentionen, seinen Schaffensprozess offenlegt und sich dadurch angreifbar macht.
      Wenn jemand dies tut – was ich selbst nicht einfach finde, wovor ich Respekt habe – MUSS man ihn ernst nehmen, und konstruktive Kritik äußern! Das gebietet sich, es ist meiner Meinung nach gerade eine Wertschätzung seines Werkes und seiner Person.

      Und in diesem Fall ist das Werk, da stimme ich Martin Lehmann voll zu, einfach nicht stimmig. Intention und Foto korrespondieren nicht miteinander. Das wurde ja bereits erklärt und auch, was man hätte anders machen können. Daher sollte man die Serie überdenken und aus dieser Kritik Schlüsse ziehen: Entweder zukünftig die kritik bei Arbeiten berücksichtigen, versuchen ein Stimmiges Bild abzuliefern – oder aber eben mit dieser kritik zu spielen und bewusste Disharmonien erzeugen…

      Aber nicht einfach so weitermachen. Das wäre fast das Schlimmste. Schlimmer wäre nur noch, nie mehr den eigenen Standpunkt zu den selbstgeschossenen Fotos zu vertreten, um nicht angreifbar zu sein.

  5. @ Martin Lehmann
    du solltest in Zukunft versuchen, dich bei einer Kritik an deinem Kommentar weniger “angepisst” zu fühlen. Ich glaube auch nicht, dass ich einer der “Alles-Toll-Finder” bin. Das Gegenteil ist der Fall. Leider gibt es nur zu wenige Einsendungen die ich “toll” (bescheuertes Wort) finde.

    Schön, dass wir verschiedene Standpunkte zum Thema Kunst haben. Und ja, es obliegt allein dem Künstler was er da macht. Die Bemerkungen der Masse haben im Gästebuch ihren Platz. Arrogant? Na hoffentlich!

    @Amelie
    Ich glaube nicht, dass es einen Künstler interessiert wie andere seine Bilder interpretieren um daraus zu “lernen”. Was ist das denn?

    Zum besseren Verständnis, gehen wir in die Superlative. Meinst du es interessiert gegenwärtig einen Gerhard Richter ob und was du aus seinen Bildern lernst? Die hängen einfach da und du kannst sie zum kotzen finden oder bewundern. Geh weiter oder bleib stehen. Meinst du im Ernst er hat sich jemals einer Kritik unterzogen, um diese anschliessend zu beherzigen? Als Künstler MUSS ich nahezu resistent gegen Kritik sein. Das wäre sonst das Ende. Kunst ist egozentrisch – Gott sei Dank!

    “Fotografen” wie Franz muss man über einen längeren Zeitraum beobachten, um sich ein Bild von seiner “Welt” zu machen. Dabei wird es immer Stationen geben die einem “gefallen” oder auch nicht. So what?

    Es kommt der Zeitpunkt da entscheidet der Künstler ganz alleine ob er etwas für gut befindet oder nicht. Das braucht Zeit aber sicherlich nicht um sich Kritiken zu Herze zu nehmen. Wir sind hier nicht bei Facebook zum “liken”. Du weisst doch wie es ist: Wenn die Masse sagt es ist Scheisse, war es gut!

    • Danke für Deinen weisen Ratschläge :) Ich behalte es mir weiterhin vor, auf “Kritik” zu reagieren, wenn es Dir nichts ausmacht. Angespisst fühlte ich mich übrigens nicht. Etwas missverstanden vielleicht von jemandem, der aber auch anscheindend nur wenig mit dem vielfältigen Begriff der Kritik anfangen kann. Anscheinend ist der Fotograf hier selber wenigstens durchaus interessiert an kritischen Meinungen, das pricht nicht gegen ihn,sondern für ihn.

      Und, Tom, Du musst schon richtig lesen (und verstehen): Dem Künstler steht natürlich schon alles frei, keine Frage, aber man darf es eben auch kritisieren (was ihm auch gerne vollkommen schnuppe sein darf).
      Es gibt bestimmt viele Künstler, denen es egal ist, was andere von ihren Werken halten, viele sind aber durchaus interessiert an Reaktion auf ihre Arbeit und an der Diskussion über sie. Auch das ist ja nicht gleichbedeutend damit, dass sie aufgrund von Kritik etwas ändern.
      Na ja, Deine Vorstellung von Künstlern und dem Kunstbetrieb ist in meinen Augen einfach sehr naiv, wir werden da wohl kaum auf einen Nenner kommen. Es ist aber schon erstaunlich, dass die Leute es für ganz normal und selbstverständlich halten, dass Musiker häufig eng mit ihren Produzenten zusammen arbeiten, die auch kritisieren und formen, dass Autoren auch Lektoren haben, die Feedback auf den Text geben. Nur sobald es um bildende Kunst geht, glauben Hans und Franz, dass nur das gottgegebene Genie allein Kunst aus dem Nichts schaffen kann und dass sich jede Kritik verbietet, weil sie doch nur das junge Talent einengt. Der Gedanke, dass z.B. erst durch Kritik und Reibung etwas noch besseres entstehen könnte, ist für solche Leute anscheinend unvorstellbar. Auch ein Picasso hat mit Kahnweiler (Galerist) über manche Arbeiten diskutiert. Künstlergruppen haben sich auch deshalb gebildet, um gemeinsam etwas zu bewegen, sich gegenseitig zu befruchten. Sich mit Kritik auseinanderzusetzten und evtl., wenn man den Eindruck hat, da könnte was dran sein, etwas von ihr anzunehemen, hat nichts mit Anpassung zu tun, sondern mit Reflexion und Erkenntnis und Weiterentwicklung, das kann auch aus Selbstkritik heraus passieren. Und wenn man zu dem Schluss kommt, dass eine Kritik nicht berechtigt ist, oder das ein Vorschlag einen nicht weiterbringt bzw. in eine Richtung geht, in die man nicht will dann lässt man es eben.

      Du schreibst: “Als Künstler MUSS ich nahezu resistent gegen Kritik sein. Das wäre sonst das Ende.”

      Das sehe ich eben ganz anders. Es gibt auch für die Kunst Qualitätsmaßstäbe, auch wenn das vielfach geleugnet wird und auch wenn die Definition dieser Kriterien schwer fällt, und sich auch ändern mag. Aber wenn Kritik nicht mehr wahrgenommen wird, jeder produziert was er will und auch noch alles präsentiert und ausgestellt wird ohne Widerspruch, dann wird letztlich alles beliebig und egal. Das wäre dann wirklich das Ende von Kunst, weil sie nicht mehr zu erkennen wäre. Wir sehen das ja wunderschön anhand der furchtbaren Bilderflut im Internet.

    • Um es einfach zu sagen:

      wow, ich bin geblendet! Solche Klopper muss man erst mal bringen.

      Entweder da spielt Ironie mit (die ich aber dann wohl nicht verstehe) oder aber du solltest dein Selbst-/Menschen-/Künstlerbild hinterfragen. . . Ach Mist, geht nicht: Hinterfragen ist Kritik – und die geht dir ja am Arsch vorbei.

  6. Hossa, gegen Ende deines Kommentares sind ein paar Gedankengänge ja schon mal nicht so schlecht. Ob wir dabei nun auf einen Nenner kommen oder die Katze hat ein Gewehr …

    Für meinen Teil ist “fremdschämen” angesagt wenn ein Betrachter anfängt der Welt zu erklären wie er das Thema inhaltlich bewältigt hätte. Vielleicht war es das, was du nicht hättest tun dürfen. Das ist für mein Verständnis ein “no go”. Es erinnert mich an Besucher von Galerien unterschiedlichster sozialer Schichten und deren Erklärungen zu den vor ihnen hängenden Bildern. Als Krönung des Ganzen wird das Werk dann abfotografiert.

    Zum Thema: Kunstmarkt, Trends, Galeriesten, etc. ist das glaube ich nicht der richtige Ort zum diskutieren. Sicherlich ein sehr emotionales Thema, für Vieldiskutierer und Möchtegernphilosophen ein Feld ohne Ende. Schlussendlich bestimmt diesen Markt jedoch nur das GELD!

    Jetzt kommst du mit Picasso, dem Marketinggenie des Jahrhunderts und seinem Händler Kahnweiler mit dem er zu Zeiten des Kubismus Marketingstrategien erarbeitet hat um GELD! viel Geld zu verdienen. Da ging es NIE! um inhaltliche Sachen sondern maximal darum, die von Picasso geschaffene Bilderflut zurückzuhalten, um Preise nach oben schiessen zu lassen. Was hat das aber alles jetzt mit unserem Franz hier zu tun und seiner Bildidee? Findest du nicht du hast dich da ein wenig vergaloppiert? Macht nix, auch Kritiken schreiben will gelernt sein.

    Sinn meines Kommentars sollte eigentlich sein, Franz zu ermutigen nicht jeden beliebigen Kommentar ernst zu nehmen und um Gottes Willen weiter zu machen. Es gibt und da stimme ich mal ausnahmsweise mit dir überein, eine unerträgliche milliardenschwere Bilderflut im Internet, die weder inhaltlichen Ansprüchen folgt, noch in sonst einer Art und Weise zu ertragen ist. Da wirkt eine Bilderserie wie die hier vorliegende, die sich weder an Trends oder Hypes orientiert, sondern nur den puren Gedanken verfolgt, wie ein Glas Wasser in der Wüste, ohne wenn und aber, Gelaber, Rhabarber …

    • Jetzt wissen wir wenigstens, wer hier ein Problem mit seiner Emotionsregulation hat : )
      Danke, dass Du mir nochmal erklärst, was ich in Deinen Augen tun darf und was nicht, ich werde es aber wohl leider nicht beherzigen.

      Statdessen möchte ich Dich noch einmal darauf hinweisen, dass hier niemand Franz aufgefordert hat aufzuhören (was für ein Quatsch), oder einen anderen Weg einzuschlagen, sondern im Gegenteil, er hier sehr viel Lob, zu Recht(!), für seine Bilder bekommen hat. Den “Sinn” Deines Kommentars halte ich deshalb, gerade wegen der Kommentare auf die er sich bezog, für “Unsinn”.

      Was Dein gedanklicher Ausflug in die bunte Welt der Galeriebesucher mit meinem Kommentar zu tun hat, weiß ich auch nicht. Dein Selbstbildnis wird mir dagegen immer klarer, und es war sicher ein Fehler, sich auf eine Diskussion überhaupt einzulassen mit jemandem, der sich anscheinend über alles und jeden lässig erhebt.

      Zu Kahnweiler und Picasso. Es hätte mir klar sein müssen, dass Dir Künstler, die es auch noch verstehen aus ihrer Kunst Geld zu schlagen und allein davon sehr gut leben, suspekt sein müssen, deshalb war das Beispiel natürlich unglücklich gewählt. Dann möchte ich es allgemeiner halten und sagen, dass aus der Symbiose etwa eines guten ernsthaften Galeristen und eines talentierten, guten Künstlers etwas sehr gutes entstehen kann. Natürlich kann ein Künstler auch Pech haben und in einer Zitronenpresse landen, anderes Thema.
      Dass Galeristen, mit Künstlern, die sie förern und aufbauen, vielleicht auch mal Geld verdienen möchten, mag dir abartig erscheinen, aber auch Künstler und Galeristen müssen essen und trinken.

      Übrigens ging es Picasso nicht nur um Geld. Er war auch ein sehr politischer Künstler (man denke nur an Guernica), der seine Prominenz zu nutzen wusste, etwa als er nach dem Einmarsch der Deutschen bewusst in Paris blieb, was seine Arbeit deutlich einschränkte, und später der Kommunistischen Partei (ironischerweise, er der große Verdiener im Kunstgeschäft) beitrat, die und deren Publikationen er über Jahrzehnte mit seinen Arbeiten unterstützte. Nicht wenige seiner bekanntesten Werke sind in diesem Zusammenhang überhaupt erst entstanden.

      Das alles hat nichts mit Franz und seiner Bildidee direkt zu tun, sondern mit Deiner Kritikallergie und Deiner Atitüde, anderen vorschreiben zu wollen, was sie schreiben oder sagen oder denken dürfen. Darüber hinaus finde ich, dass hier sehr wohl der richtige Ort ist, auch mal über den Kunstmarkt, Trends, Galeristen etc. zu diskutieren. Nicht nur weil es darüber unterschiedliche Ansichten gibt, sondern gerade auch, weil in diesem Artikel ein junger Fotograf Werke/Ideen präsentiert und auch zur Diskussion stellt, der gerade erste Ausstellungen macht. Abgesehen davon, hast du den Stein erst ins Rollen gebracht, durch Deine Einlassungen zum Thema Kunst+Kritik.

  7. Nette Bilder, ich hab auch erst unlängst die erste digitale Doppelbelichtung gemacht. Irgendwie habe ich dieses Feature aus meinem Gedächtnis verdrängt und erst du meinen Vater, der das Handbuch seiner D5100 gelesen hat, wieder gefunden. Natürlich schaute ich gleich, kann das die D700 auch? Ja, gut ausprobieren. Allerdings schweben mir einige Ideen im Kopf herum, aber die Zeit für die Umsetzung habe ich noch nicht gefunden.

    Aber so Bilder Motivieren mich das doch noch bald Umzusetzen. Im Falle der Doppelbelichtung gibt es halt wenig Spielraum, da ist deine art und weise natürlich Flexibler und “Einfacher”.