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09. April 2012 Lesezeit ~ 7 Minuten

Retro-Hype Film

Mit dem Einzug der digitalen Fotografie ist das Medium Film im professionellen Umfeld nahezu ausgestorben. Im 35mm-Kleinbildformat sind seit etwa zehn Jahren keine neuen Geräte mehr erschienen, Nikon produzierte die legendäre F5 bis ins Jahr 2004 und stellte die Produktion der meisten ihrer analogen Kameras dann im Jahr 2006 ein.

Seitdem erlebt die analoge „Film“-Fotografie allerdings als Nischenprodukt eine stetige Renaissance, die sich in den letzten zwei bis drei Jahren zu einem regelrechten Retro-Hype entwickelt hat. Analoge Geräte sind bei Ebay gefragt wie nie und viele Hobby-Fotografen entscheiden sich nun vorzugsweise für gebrauchte Leicas oder Hasselblad Mittelformat-Kameras der 500er-Serie.

Ein nicht unerheblicher Faktor vieler derartiger Strömungen ist die Inspiration über andere Künstler. So haben beispielsweise einige überwiegend amerikanische Fotografen mit der Kombination Contax 645 und Carl Zeiss 80mm f/2.0 maßgeblich dazu beigetragen, dass nun viele andere Kollegen versuchen, diesen Stil und die entsprechenden Farben zu reproduzieren. Der erste Schritt ist hierbei oftmals, dasselbe Equipment einzusetzen und dies ist aktuell das Mittelformat – Rolleiflex, Hasselblad, Contax oder andere schwere Geschütze.

Natürlich sind das alles wundervolle Kameras, die jedem erstklassige Ergebnisse bescheren, der sie zu meistern weiß. Für mich persönlich ist das allerdings ein wenig „too much“. Ich besitze selbst eine analoge Nikon FM2 und die Kamera macht eine Menge Freude, insbesondere in Verbindung mit einem manuellen 50mm f/1.2 Ai-S Objektiv.

Es ist aber nicht zu unterschätzen, wie viel Aufwand es bedeutet, analoge Fotografie ernsthaft in einen professionellen Workflow zu integrieren, auch wenn dies vor ein paar Jahren noch Gang und Gäbe war. Dazu kommt unter anderem: Ein gutes Fotolabor mit einem entsprechenden Scanner und gut ausgebildeten Experten findet man nicht an jeder Straßenecke.

Allerdings gibt es zwei gewichtige Gründe, die nach wie vor für die analoge Fotografie sprechen: Der absolut unschlagbare Kontrastumfang von Film und die nur äußerst schwer zu reproduzierenden Farben. Kurzum: Das „Look and Feel“.

Der weitläufigen Meinung ausschließlich digital arbeitender Fotografen, es sei unglaublich schwierig und zu riskant, analog zu fotografieren, möchte ich hier übrigens widersprechen: Film vergibt mehr als ein digitaler Sensor. Mit dem Dynamikumfang von Film kann keine normale digitale Kamera mithalten.

In Kombination mit einem guten Labor ergibt sich daraus eine Menge Raum für die Korrektur falscher Belichtungseinstellungen. Profis bilden mit dem richtigen Film und dem richtigen Scanner einen Dynamikumfang von zehn Blendenstufen in einem Bild ab. Davon können digital arbeitende Fotografen nur träumen.

Genau hier setzt auch der Ansatz von Nikon an, aus zwei unterschiedlichen Belichtungen automatisch ein einziges Bild zu errechnen. Fuji erzielt einen ähnlichen Effekt über die automatische Reduktion der Bildauflösung und steigert den Dynamikumfang damit ebenfalls erheblich. Die Hersteller beginnen also langsam zu begreifen, dass die Zukunft eher in deutlich empfindlicheren Sensoren mit einem besseren Kontrastumfang liegt als in der stetigen Steigerung der Auflösung in Verbindung mit reduziertem ISO-Rauschen.

Zum Look and Feel von Film gehört aber nicht nur der Dynamikumfang, sondern insbesondere auch die einzigartigen Farben. Hat man die Hand bei Fine-Art-Fotografie relativ frei, da die Farbigkeit als deutlich wahrnehmbarer Teil des künstlerischen Ausdrucks einfließen kann, so ist es bei professionellen Shootings umso wichtiger, den besonderen Wert auf Natürlichkeit und Konsistenz zu legen. Oftmals werden nach einem Shooting einige hundert Bilder präsentiert und diese sollten trotz wechselnder Lichtbedingungen und Locations alle identisch entwickelt werden und im Gesamtbild harmonisch wirken.

Entwickelt werden muss übrigens in beiden Welten gleichermaßen: Bei analogen Bildern im chemischen Entwicklungsprozess des Films und anschließend am Scanner mit Farbprofilen und -korrekturen. In der digitalen Fotografie je nach Workflow zunächst in Lightroom und anschließend in Photoshop, für das Color-Matching und gegebenenfalls die individuellen Farben des Fotografen. Fotografiert man beides, sollten die Farben der analogen und digitalen Bilder optimalerweise nicht voneinander zu unterscheiden sein. Viele bekannte Fotografen mischen aus diesem Grund gern analoge Bilder in Farbe mit digitalen Bildern in Schwarzweiß.

In der digitalen Welt gibt es vielseitige Bemühungen, nicht nur das Look & Feel von Film im Allgemeinen, sondern den exakten Look eines bestimmten Filmes zu reproduzieren. Der Anbieter VSCO beispielsweise hat kostenpflichtige Presets für Lightroom und ACR entwickelt, die mit einem eigenen Kameraprofil für jeden gängigen Film geliefert werden und den so genannten „Light-Rolloff“ von Film simulieren wollen. Dies ist eine clevere Idee, in der Praxis kommen diese Produkte allerdings trotz aller Bemühungen nicht wirklich an das Original heran. Film verhält sich gegenüber Licht nicht linear und dies lässt sich mit einem digitalen Sensor nicht abbilden, daran ändert auch ein Kameraprofil nichts.

Es ist also relativ schwierig, einen bestimmten „Film-Look“ in digitalen Bildern zu emulieren. Fotografiert man analog, ist es andersherum allerdings fast unmöglich, mit einem Scan an die Möglichkeiten einer Raw-Datei zu gelangen, falls man diese Farbwelt auf Wunsch einmal verlassen möchte. Für mich persönlich ist dies auch der Hauptgrund, überwiegend digital zu fotografieren: Für Gegenlichtaufnahmen in der Hochzeitsfotografie mögen die cremigen Pastelltöne eines überbelichteten Fuji 400 H wunderbar passen. Für viele andere Situationen allerdings nicht. Und über den kreativen Freiraum meiner Farben möchte ich gern selbst entscheiden.

Ich bekomme über meine Website regelmäßig eine Menge Fragen zu meiner Nachbearbeitung, dem Film-Look in meinen digitalen Bildern und zu den Farben, die ich in meinen Bildern verwende. Das ist kein Hexenwerk und ich teile gern meine Erfahrungen. Ich möchte hier daher einmal beispielhaft einen Workflow vorstellen, den ich in diesen Medien noch nicht besprochen habe.

In diesem Zusammenhang sei nochmals betont, dass ein deutlicher Unterschied zwischen Fine-Art- und beispielsweise Hochzeitsfotografie besteht. Was in digitaler Form interessant aussieht, wirkt auf einem Abzug auf Fotopapier oftmals „over-processed“. Man sollte daher sehr vorsichtig arbeiten und es nicht übertreiben, es kann auch zu viel des Guten sein.

Ich versuche in meinen Bildern übrigens, nur generelle Merkmale analoger Fotografie zu integrieren und keinen bestimmten Film zu emulieren. Ich erreiche dies unter anderem über detailreiche Schatten, gedämpfte Highlights, den Einsatz eher matter und entsättigter Farben sowie durch einen nicht zu scharfen Fokus. In der analogen Welt entsprechen diese Merkmale am ehesten dem Kodak Portra 400 NC, der allerdings nicht mehr hergestellt wird.

Um den analogen Look zu emulieren, beginne ich, falls notwendig, zunächst in Lightroom. Ich fotografiere im Raw-Format und bei vorsätzlich überbelichteten Bildern hilft die Highlight-Recovery-Funktion von Lightroom, Details wiederherzustellen, die sonst unwiederbringlich verloren wären. Anschließend exportiere ich meine Bilder und bearbeite sie in Photoshop weiter.

Ich arbeite bei meinem persönlichen Film-Look ausschließlich visuell, ohne wissenschaftlich exakte Laborwerte. Ohne Gefühl und ein wenig Erfahrung mit beiden Medien erscheint des zunächst schwierig. Man sollte daher erst einmal ausprobieren, wie Film sich überhaupt „anfühlt“ und verhält, um diese Eigenschaften digital nachempfinden zu können. Hat man das Prinzip allerdings visuell nachvollzogen, so kann man diesen Look mit relativ einfachen Mitteln reproduzieren. Ich empfehle dazu, einfach einmal selbst ein wenig in Photoshop zu experimentieren.

Ich möchte hier beispielhaft meinen Workflow für das Bild „6235“ vorstellen, aufgenommen mit einer Nikon D700 und dem Nikkor 50mm f/1.4 G:

1. Originalbild
Das unbearbeitete Originalbild „straight out of camera“.


Nikkor 50mm f/1.4 G @ ƒ/1.4 – Nikon D700

2. Farbkorrektur

Das in Photoshop farbkorrigierte Originalbild.

3. Optimierung von Helligkeit, Kontrast und Farbsättigung
Durch den Einsatz von Gradiationskurven, Tonwertkorrektur und Farbentsättigung wurden Helligkeit, Kontrast und Grundfarben optimiert.

4. Graduelle Füllebene für gleichmäßiges Licht
Anschließend wurde die Lichtwirkung durch den Einsatz einer graduellen Füllebene mit geringer Transparenz und Sättigung verbessert. Diese hebt den Bildmittelpunkt hervor und läßt das Licht insgesamt weicher und gleichmäßiger wirken.

5. Farbkorrektur und Vignettierung
Durch den Einsatz von selektiver Farbkorrektur und Gradiationskurven wurden die Grundfarben kühler temperiert. Lichter und Schatten wurden hervorgehoben. Die Vignettierung betont den Bildmittelpunkt.

6. Füllebene für mattes Finish
Eine farbige Füllebene gibt bei sehr geringer Deckkraft einen samtigen Look und nimmt die Lichter und Schatten ein wenig zurück.

Insgesamt dauert diese Form der Entwicklung etwa 20 Minuten. Wenn man in Photoshop immer wieder die selben Aktionen durchführt, empfiehlt es sich, daraus eine Aktion zu erstellen, indem man seinen Workflow aufzeichnet und dann beliebig oft abspielt. Das spart bei der späteren Bearbeitung weiterer Bildern derselben Session eine Menge Arbeit und alle Bilder des Shootings können dann per Knopfdruck den gleichen Look bekommen.

Ist der analoge Retro-Hype im Bezug Fotografie also gerechtfertigt? Das muß wohl jeder für sich selbst entscheiden. Wer noch nie mit analoger Fotografie experimentiert hat, dem kann ich dies nur wärmstens empfehlen.

Im professionellen Einsatz bevorzuge ich persönlich allerdings die digitale Fotografie. Auch wenn mir Film privat sehr viel Freude bereitet, so mag ich in der täglichen Arbeit nicht auf Backups verzichten oder mich auf die termin- und farbtreue Zuarbeit eines Fotolabors verlassen. Der Film-Look läßt sich mit ein wenig Fingerspitzengefühl digital nachempfinden, auch wenn dies hoffentlich nie ein Ersatz für analoge Fotografie sein wird.

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54 Kommentare

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  1. Sehr schöner Artikel. Danke dafür.
    Was mir auffällt: die Preise für die guten, oben unter anderem genannten Geräte steigen in den letzten 1-2 Jahren deutlich. Selbst die hochpreisigen, wie Ms, HB 500er, Rollei… ziehen wieder an. Ebenso die gesuchten Objektive. Der Scannermarkt ist mau (endlich ein neuer Reflecta MF Scanner) und am schlimmsten: die fehlende Möglichkeit, ein breites Netz an Labors zu finden, die gute Fotos liefern. Bleibt oft nur der Postweg zu spezialisierten Labors mit “spezialisierten” Preisen… aber das gilt ja für Digitale genauso, wenn man “richtige” Bilder haben will.
    Für mich bleibt: es war noch nie so einfach und günstig, in die ehemals professionelle analoge Fotografie einzusteigen, wie heute. Mit allen Wenns und Abers. Es mach Spaß!

    • Und man kann sogar noch günstiger ins Mittelformat einsteigen, wenn man auf Hype-Kameras von Leica, Hasselblad und Rollei verzichtet und sich nach den Modellen anderer Hersteller umschaut.

  2. Sehr guter Artikel und ein guter Abriss über den Workflow. Nicht zu viel um nicht 1 zu 1 kopiert zu werden aber die Prinzipien sehr gut erklärt. Da macht es doch wieder freude etwas herum zu experimentieren. Danke!

  3. Ich denke schon dass dieser Retrohype gerechtfertigt ist. Möglicherweise werden die alten Hasen ein wenig schmunzeln, dass jetzt die ganzen Digitalheinis in “ihr” Gebiet eintauchen, aber die Analogfotografie ist eine viel bewusstere Auseinandersetzung als im digitalen Bereich und schon aus diesem Grund ist es sinnvoll sich in diesem Feld auszutoben.

  4. Das war mal wieder ein exzellenter fachlich fundierter Artikel. Dankeschön! Es wurden beide, die analoge und digitale Fotografie, deren Vor- und Nachteile diskutiert. Ich selber fotografiere fast ausschließlich Analog in SW, möchte aber demnächst auch mal diverse Farbfilme ausprobieren. Bisher bin ich noch nicht ins digitale Lager gewechselt, weil ich vielem Schnelllebigen kritische gegenüber stehe. Ich hoffe und wünsche mir, dass wieder mehrere die Muse der analogen Fotografie entdecken, denn es macht viel Spass und Freude. Schön wäre, wenn KWERFELDEIN weiterhin solche Artikel veröffentlicht.

  5. danke für den artikel – der trifft genau das, womit ich mich momentan beschäftigt habe auf den punkt. gerade der vergleich des dynamikumfangs film / sensor ist ein ausschlaggebendes argument.

  6. Ein sehr schöner Artikel, Johnny! Ich finde, du hast die Hintergründe des analog-Trends toll aufgezeigt. Ich selbst fotografiere sein kurzer zeit auch wieder mehr mit analogen Filmen. Dazu nutze ich zwar sehr einfaches Equipment – eine Rollei 35 und eine Rollei Cord -, aber auch damit lassen sich die typischen eigenschaften der analogen Fotografie schön darstellen. Und ab und zu lasse ich natürlich auch meine digitalen Aufnahmen im “alten Glanz” erscheinen.

    Viele Grüße
    Roman

  7. Schoener Artikel!
    Hast du einmal versucht, einen von dir beschriebenen Effekt nur in Lightroom zu erstellen oder kann man deiner Meinung nach in Photoshop deutlich bessere Ergebnisse erzielen?

    • Vielen Dank, Holger.

      Ich benutze in meinem Workflow Füllebenen und die gibt es in Lightroom nicht. Wenn Du ausschließlich mit Lightroom arbeitest, schau Dir doch mal VSCO an (darauf gehe ich im Artikel nur kurz ein).

  8. Da schließe ich mich Finny an: Ein schöner Artikel.
    Was mir etwas missfällt, ist die Bezeichnung „Retro-Hype“. Sicherlich trifft es das Phänomen, aber ich kann damit recht wenig anfangen. In meinem Bekanntenkreis sind 2,3 Menschen, die chemisch photographieren – die tun es, weil sie es immer schon gemacht haben; so, wie man weiter einen Brief mit der Hand schreibt, obwohl es eMail gibt oder eine Schreibmaschine benutzen trotz MS-Word. Das sagt über die Qualität des Ergebnisses erst einmal gar nichts aus.
    Daß solche Arbeitsprozesse in einem modernen professionellen Umfeld mittlerweile unpraktisch sind, ist eine Sache – 99,99% aller Photographierenden müssen von den Ergebnissen ihrer Arbeit aber auch nicht leben. Ein kleiner Teil dieser Hobbyisten ist sicherlich unzufrieden mit der Tendenz, daß mittlerweile jedes Telephon mit einer Knipse versehen wird, daß jede neue Kamera auch daran gemessen wird, wie viele Bilder pro Sekunde in Serie geschossen werden können, um die Bilderflut der Welt logarithmisch zu erhöhen. Gesetzt den Fall, die jetzt verkauften Film-Kameras werden tatsächlich auch benutzt, so könnte man das als Zeichen dafür sehen, daß Einige der Flut der bunten Bilder etwas entgegensetzen wollen, was die Tradition der Photographie ausmacht: Die Einzigartigkeit eines Bildes, daß das Ergebnis eines bewussten, kreativen Arbeitsprozesses ist.
    Das kann man natürlich auch „digital“ erarbeiten, muß es aber nicht. Die chemische Photographie zwingt einen dazu – nicht allein Aufgrund der höheren Kosten – sich mehr Gedanken zu machen. Es ist ein Instrument der Disziplinierung, wenn man mit Stativ, Belichtungsmesser und Filmdosen versehen durch die Landschaft hoppelt, wenn man in der Dunkelkammer mit den Ergebnissen in Form von 2,3 Negativfilmen mit dem Ergebnis, gelegentlich auch dem des eigenen Versagens, konfrontiert wird. Das Ergebnis wird nie eine Serie von 500 Bildern sein, sondern von 50 – in meinem Fall eher 20. Wenn davon 5 einen Abzug auf Papier erleben, muß man das als Erfolg werten.
    Es riecht anders, da ist rotes Licht und man erkennt unter dem Vergrößerer, daß man das nächste Mal noch etwas sorgfältiger sein muß, bevor man auf den Auslöser drückt. Es war eben ein Adox CHS 50 und kein Chip mit theoretischen 128.000 ISO. Das Gefühl, wenn es dann doch gegen alle Widerstände zu einem guten Bild gekommen ist, kann mir kein Photoshop-Plugin oder „analog-Script“ geben.
    Man kann mit Hilfe einer CNC-Fräse eine Skulptur von Henry Moore absolut exakt nachbauen. Stellt man Original und Kopie nebeneinander, mag vielleicht niemand den Unterschied erkennen. Trotzdem handelt es sich um Objekte aus völlig verschiedenen Welten. Das Argument, daß es unzeitgemäß wäre, Hammer und Meißel anstelle der Fräse zu benutzen, geht am Thema vorbei.
    Ich mag mir den Schuh “Hype” nicht anziehen, nur weil ich für mich enddeckt habe, daß sich meine Auffassung von Photographie nicht mit dem Zeitgeist deckt. Ein Kindle-Reader ist kein gebundenes Buch.

    Trotzdem ein schöner Artikel.

    • vielen vielen dank für diese worte. ich wäre nicht fähig gewesen die gedanken so zu ordnen oder zu formulieren. deswegen kann ich mich einfach nur anschließen und danke sagen. denn das wort “retro-hype” tat mir in der seele weh.

    • Von mir auch: Danke.

      Was mir auch missfällt, ist die Nachahmung von Film durch Entsättigung der Farben. Wenn ich mir meine 120er Dias ansehe, sehe ich nichts von Pastelltönen, sondern extrem scharfe und strahlende Bilder. Und auch die Scans meiner letzten 135er Negative zeigten keine Pastelltöne. Dieser pseudo-Filmlook von merkwürdig verfremdeten Bildern nervt mich. Oder anders: Ist okay, wenn man das macht, aber nennt es nicht Filmlook.

      • Vollkommen d’accord!
        Digital scheint zu Übertreibungen in beide Richtungen zu tendieren. Einerseits die oft überladenen HDR-Bilder, andererseits der Retro-Instagram-Look. Beides ist nicht meine Welt, wenn auch unzweifelhaft schön.

  9. Sehr schöner Artikel!
    Finde, dass man neben dem Look&Feel analog auch viel bewusster fotografiert. Man hat eben nur eine begrenzte Anzahl von Bildern auf dem Film und nicht ein paar Hundert auf der Speicherkarte. Gefühlt fotgrafiere ich analog auch langsamer, weil mir die Kamera fast nichts abnimmt. Der verlocknede Weg bei der digitalen Kamera bestimmte Parameter automatisch bestimmen zu lassen fällt da eben weg.

      • … das wird das berüchtigte, hochgefeierte « cremige Bokeh » sein, ohne dass man angeblich gar nicht erst anzufangen braucht, den Auslöser zu betätigen. Gepaart mit dem Schärfemangel der Optik ausserhalb der Mitte des Bildbereichs wird das dann mit « Analoglook » gleichgesetzt. xD …

      • kommt immer drauf an was man unter analoger look versteht. weich/ pastell/ bokeh (siehe beispielfoto)? nee schaut euch doch mal alte (10jahre+) bilder an – die mehrheit der fotos würde heute wohl eher als grunge bezeichnet. interessanterweise sehen die neueren filme, zu denen auch der portra zählt recht digital aus…

      • mag sein. dein beispielbild ist aber genau das. die beiden faktoren offenblende + 35mm sensor haben mE den entscheidenden anteil am “look”

  10. Erstmal danke für deinen Beitrag, er ist einfach nur lesenswert…

    Was den analogen Hype anbetrifft, kann ich nur sagen “Warum altes bis Heute lebt liegt daran das es die Liebe zur Handarbeit wiederspiegelt”

    Fotografie bedeutet für mich bewusstes sehen, klar kann ich mich auf meine 50D und ihren ganzen Automatik Funktionen verlassen! Nur wieviel steckt dann noch von mir in diesem Bild?

    Ich besitze analoge Optiken welche sich hinter L-Linsen nicht verstecken müssen, aber mich also Fotograf vordern! Blende und Fokus selbst einstellen mit Hand ist einfach noch das, was man beherschen sollte!!!

    Aus dem Bauch heraus entscheiden welche Belichtungzeit passt!

    Würden die Kosten für Rollfilme nicht immer weiter steigen, würde ich meist mit meiner alten Kiev um die Blöcke ziehen…

    Mal abwarten wie lange sich die Industrie noch hinter der Tatsache verstecken kann, das etwas gutes nicht immer in Megapixel und automatische Korrektur verstecken soll…

    • Ich glaube nicht an einen Gegensatz, wie du ihn beschreibst. Auch mit einer DSLR lässt sich bewusst arbeiten. Man kann die Blende manuell einstellen und man kann auch vollmanuell arbeiten und die Belichtung aus dem Bauch heraus einstellen. Nur der manuelle Fokus ist mit MF-Optiken und gescheiter Mattscheibe deutlich besser möglich. Und auch auf die Automatiken (die es in KB- und Mittelformatkameras auch schon gab) kann man sich nicht immer verlassen, bzw. man sollte wissen, wie sie arbeiten.

      Am Ende kommt es auf die eigene Arbeitsweise an. Wobei einen das Medium Film schon eher zu einer langsameren und bewussteren Arbeitsweise zwingt.

  11. Auf alle Fälle ist analoges Fotografieren der Garant für überlegteres, bewussteres Fotografieren, bedingt durch die geringe Anzahl von möglichen Bildern auf einem Film, der höheren Kosten pro Bild und weil man das Ergebnis nicht gleich sehen und evtl wieder verwerfen kann, macht man sich viel mehr Gedanken über die Ausführung eines Fotos. Das gilt auch für den technischen Ablauf (die Belichtung muss passen, das ist jetzt eine Frage des Wissens nicht des “auf das Display Sehens”) Wer analog fotografiert, oder fotografiert hat, geht anders an seine Aufnahmen heran. Hier lernt man den Höhepunkt eines Bewegungsablaufes vorauszuahnen, dann auszulösen und nicht einfach den Kameramotor laufen zu lassen.
    Über die analoge “umständliche” Herstellungsweise Filmentwicklung, Labor für Abzüge, Negativ -oder Positivretusche verlieren Bilder Ihre Beliebigkeit, die sie in der digitalen Fotografie haben.
    Somit veranlasst analoge Fotografie mentale Veränderungen in einem Selbst der Arbeit gegenüber. Hat man das verinnerlicht, dann wird man auch digital viel bewusster arbeiten und sich an den Möglichkeiten der RAW-Entwicklung erfreuen, denn heute kann ich am Computer das in heller Umgebung ohne Chemikaliengestank erledigen, was ich Jahrzehnte lang in der Dunkelkammer ausgeübt habe. Somit fotografiere ich heute digital und bin zufrieden damit.

  12. Blogartikel dazu: Fotoespresso 2012-02 und: Fotografieren ohne Hightech | Schauplatz

  13. Thema Retro-Hype: Ich finde der Name trifft es ziemlich genau. Ein paar Fotografen produzieren diesen Hype. Analog wird gleichgesetzt mit Kunst. Da wird ein noch so profanes oder schlechtes Bild ins Netz gestellt, aber weil es analog ist muss es ja Kunst sein. Und dann sind da noch die Hardcore digital Verweigerer, die in meinen Augen noch alberner sind.

    Ich denke beide Medien können co-existieren, jeder wie er will. Ich mag den “analogen” style wirklich sehr. Doch die hier angemerkten Dynamic Range Vorteile sind glaube ich auch überholt. Aktuelle DSLR, APS-C und FF erreichen einen DR von 14 Blenden und das bis zu hohen ISO-Zahlen. Selbst MFT hat da anscheinend aufgeholt und bietet ca. 11 Blenden bis ISO 1600 besser als jeder Film.
    Doch frei von jedem technischen Aspekt habe ich mit analog komplett aufgehört, weil es mir zu teuer geworden ist. Ich habe in Deutschland nicht die guten analog Labore wie z.b. noch in den USA existieren, wobei dort auch das sterben beginnt. Hier habe ich die Wahl zwischen sehr teure Labore oder die Drogerieketten. Abzüge aus diesen kann man vergessen, will ich also den gesamten Weg analog, muss ich viel Geld bezahlen. Allein Entwicklungskosten für einen MF Film liegen dann mit Anschaffungskosten für den Film bei über 1 Euro pro Foto. Von Abzügen will ich jetzt gar nicht anfangen. D.h. ich muss scannen. Damit wird das ganze dann Zeitaufwendig und somit noch teurer. Dazu kommt das Problem dass nach dem Rückzug von Nikon und Minolta nur noch Reflecta Scanner herstellt und von deren Qualität bin ich nicht überzeugt.
    Das Selbstentwickeln habe ich aus Zeitgründen an den Nagel gehängt, Zeit ist Geld und zwischen Reisen und Familie bleibt dafür keine Zeit.

    Somit habe ich alle meinen Analogen Kameras, Hasselbald und Co verkauft und widersetze mich dem Retro-Hype.

    Als einfache Möglichkeit das Analoge look and feel zu bekommen benutze ich Alienskin exposure, das liefert sehr angenehme Ergebnisse ohne großen aufwand.

  14. Danke für den ausführlichen, nicht polemisierenden Artikel zum Thema: “Digital vs. Film”.

    Letztendlich ist es meiner Meinung nach doch so, dass jeder die Wahl seines Handwerkzeuges nach dem gewünschten Resultat welches seine Fotos erzielen sollen, selbst entscheiden sollte.

    Differenzieren muss man hier sicherlich zu welchem Zweck die Fotos entstehen. Soll heissen, bin ich z.B. Endkunden-, Industrie-, Reportage-, Künstler- oder Hobbyfotograf. Nicht immer geht es da um den eigenen, persönlichen Geschmack. Oftmals entscheidet da der Kunde über das Endprodukt, dessen Haptik, Budget und die somit zur Anwendung kommende Technik.

    Bin ich jedoch frei in meiner Entscheidung, gibt es da aus meiner Sicht keine Einschränkung. Technische Vor- und Nachteile der beiden Systeme können doch dann kein Hindernis bei der “Wahl der Waffen” sein. Was zählt, ist das Ergebnis.

    Mein Vorschlag: Jeder der digital fotografieren will, muss eine 2-jährige analoge Praxis nachweisen, bevor er sich mit einer digitalen Dauerfeuerwaffe ausrüsten darf. Das würde im Nachhinein vielleicht eine Milliardenschwere Bilderflut verhindern. ;-)

    Was mich trotz des gut geschriebenen Artikels verwundert, ist der Workflow des Autors, mit Nikon NEF-Datein in Lightroom zu arbeiten. Solange Nikon die eigenen Profile für Adobe nicht freigibt, ist der Arbeitsprozess mit NEF-Daten in Lightroom farblich eine kleine Katastrophe. Für Fotografen die auf farbtreue Ergebnisse Wert legen, kann hier die Wahl der Software nur zwischen Nikon’s “CaptureNX” oder “CaptureOnePro” von Phase One sein.

    @EIKE
    “Als einfache Möglichkeit das Analoge look and feel zu bekommen benutze ich Alienskin exposure, das liefert sehr angenehme Ergebnisse …”

    Das erinnert mich an Vegetarier die Gerichte zu sich nehmen, die so schmecken “wie Fleisch” …

    • @Tom: Ich hab ja geschrieben dass analog zu teuer ist und nicht das ich es nicht mag, somit ist deine analogie zum thema fleisch etwas falsch. nicht alles was hinkt……
      ich habe exposure erwähnt weil auch hier der digitale weg zum “analog” style erklärt wurde. mein weg geht etwas schneller und man kann diverse film styles auswählen. so what?

      • … deswegen bleibt’s trotzdem ‘ne Möhre mit ‘ner Wurstpelle. Ob’s dir zu teuer ist oder what ever … ;-)

        Egal, ein Bild wird ja deswegen weder gut noch schlecht.

    • Vielen Dank für Dein Feedback, Tom.

      Nach meiner persönlichen Erfahrung ist keiner der genannten RAW-Konverter wirklich exakt farbtreu. Ich habe die Ergebnisse mal verglichen und komme subjektiv mit dem Ergebnis von Lightroom und ACR gut zurecht. Es gibt auch die Möglichkeit, via DNG und Testchart ein eigenes Kameraprofil zu erstellen.

      In der Praxis benötige ich persönlich das aber nicht, da die Farben in der Nachbearbeitung ohnehin individuell angepaßt werden.

  15. Der Sinn dieses Artikels will sich mir nicht so recht erschließen. Beginnt wie ein Plädoyer für Film und endet mit einem Tutorial für digitalen Pastel-Look. Hä? Was hat analog mit flauen Farben zu tun? Mein Tip: Mal einen Fuji Velvia verknipsen. Die hier gezeigten Beispiele wirken auf mich übrigens durchweg digital. Naja, wer’s mag.

  16. Zuerst mal finde ich, dass doch jeder so fotografieren sollte, analog oder digital wie er möchte oder auch eventuell je nach Aufgabe (ich habe gestern einen Fernsehbericht gesehen, wie eine Fotografin in einem Bergwerk fotografieren sollte. Das ging nur z.B. nur rein analog, da jeglicher Einsatz von Baterien unter Tage verboten war.)

    Wenn man aber unbedingt eine Begründung für sich selbst oder für andere braucht, warum man so oder so fotografiert, dann sollte man vielleicht darauf achten, dass man sich nicht um Kopf und Kragen redet, sonst wird es peinlich, wie hier stellenweise im Artikel und vor allem in vielen Kommentaren.

    Ich möchte wirklich, wirklich, wirklich gerne mal all diese so bewusst und bedacht aufgenommenen analogen Bilder sehen, die perfekt belichtete Motive mit Dynamikumfängen von 10+x Blendenstufen zeigen. Ja, ich möchte sie wirklich sehen(!) und nicht nur theoretisch von ihnen erzählt bekommen. Vor jedem Amateur, der es schafft ein Motiv, dass solche Dynamikumfänge bietet, richtig zu belichten und dann im analogen Heimlabor die 10 Blendenstufen sauber auf Papier(!) zu bekommen ziehe ich den Hut (das gilt übrigens ähnlich auch für die Photoshop-Experten).

    Mal im Ernst was soll denn so was? Unser Auge gibt sich mit weit weniger zufrieden und ist überhaupt nur durch “Tricks” im Gehirn in der Lage, die Dynamik und Konstraste, die unsere Umwelt bietet, zu verarbeiten, aber Kamerasysteme messen wir an theoretischen, physikalischen Möglichkeiten? Als ob es sinnvoll und notwendig wäre, jedes Motiv immer in seinen vollen Dynamik- Kontrastumfängen zu fotografieren.

    Das erinnert doch stark an jene Schwarzweiß-Fotografen, die glauben, dass die wahre Erfüllung darin liegt,wenn man auch noch den letzten Blumenkübel in x-Grauweten von Zone 1-12 sauber belichtet darstellt.

    Damit wären wir schon bei einigen Schwachpunkten des Artikels:

    – “Der absolut unschlagbare Kontrastumfang von Film”

    Entweder ist der Artikel nur durchweg schlecht formuliert, oder, was ich vermute, der Autor setzt Dynamik- und Kontrastumfang gleich, was nicht ganz korrekt wäre. Außerdem ist Film nicht gleich Film.Niemand wird niemand bestreiten, dass ein RAW (von JPEG reden wir heir hoffentlich nicht) immer erst richtig “entwickelt” werden muss, um alles ausspielen zu können, was in ihm steckt. Das muss ein analoges Negativ aber auch.

    – “Film vergibt mehr als ein digitaler Sensor. Mit dem Dynamikumfang von Film kann keine normale digitale Kamera mithalten.
    In Kombination mit einem guten Labor ergibt sich daraus eine Menge Raum für die Korrektur falscher Belichtungseinstellungen. Profis bilden mit dem richtigen Film und dem richtigen Scanner einen Dynamikumfang von zehn Blendenstufen in einem Bild ab. Davon können digital arbeitende Fotografen nur träumen.”

    Was soll diese Verallgemeinerung? Nochmal – Film ist nicht gleich Film (das macht doch gerade Reiz aus, dachte ich). Es gibt Filme, die vergeben aber auch nicht einen Hauch an falscher Belichtung. Sensoren haben eben Mühe nach “oben” (Stichwort Clipping), “vergeben” aber in den Tiefen häufig weitaus mehr als Film.
    Der zweite Satz ist so ebenfalls Nonsens: Schon wieder: Welcher Film? und definiere: “normale digitale Kamera”.
    Worum geht es her? Um das theoretische Fassungsvermögen, oder über das, was man wirklich herausbekommen kann? Ah ja, der Autor weist ja selbst drauaf hin: Richtiger Film und richtiger Scanner, die sind schon nötig. Und alle so: Yeah! Tja, dann heben jetzt bitte alle mal die Hand, die den “richtigen Scanner” zu Hause haben, der ihnen 10 Blendenstufen ohne Verluste auf den heimischen (meist 0/815) Monitor(!) zaubert.
    Man sollte fairerweise – und um die
    Verwirrung komplett zu machen vielleicht auch darauf hinweisen, dass es dann auch noch auf das richtige Objektiv ankommt, um die Möglichkeiten sowohl von Film und Sensor annähernd voll auszuschöpfen. Stichwort: Mikrokontraste.

    – “In Kombination mit einem guten Labor ergibt sich daraus eine Menge Raum für die Korrektur falscher Belichtungseinstellungen.”
    Wieso falsche Belichtungseinstellungen? Ich denke, analog macht man alles so viel bewusster, hat das Handwerk besser drauf usw.??
    Ok, im Ernst, falsch belichtet, ist falsch belichtet. Ob analog oder digital: Hier ist es dann Essig mit fabelhaften Dynamikumfängen. Man kann natürlich digital noch was rauskitzeln, vor allem in den Schatten. Sind die Lichter aber wirklich ausgefressen, dann ist auch eine “Highlight Recovery”-Funktion kein Allheilmittel, wie der Artikel suggeriert, da ist dann nichts mehr da zum Rauskitzeln. Auch im Labor ist ggf. noch was zu machen, aber unter was für Mühen und Aufwand?

    Na ja, alles in allem sollte es ja wohl um den persönlichen Workflow des Fotografen gehen, warum er wie arbeitet und seinen persönlichen Analog-Look. Wäre er dabei geblieben, hätte man das Hinnehmen können.
    Leider eiert der Autor aber unentschieden hin und her, fängt an bei einem Erklärungsversuch des gefühlten “Retro-Hypes”, (was bestimmt interessant gewesen wäre), der aber überhaupt nicht überzeugt und sich in rein technischen Aspekten erschöpft. Dabei versteigt er sich teilweise in schlicht falsche allgemeine Behauptungen, streift berufliche und känstlerische/persönliche Anforderungen des Fotografierens, beschäftigt sich dann mit der Schwierigkeit des Emulierens von Analog-Film, blendet dabei aber Profi-Software wie DxO oder Silver-Efex vollkommen aus..usw. usf.

    Fazit: Unausgegoren und überfrachtet.

    Das Tüpfelchen auf dem i ist für mich dann die Einleitung dazu, mit der suggeriert wird, der Autor arbeite für eine international tätige Agentur, was sicherlich dazu dienen soll, dem Geschriebenen entsprechend den Hauch professioneller Autorität zu verleihen, denn interantional tätige Agenturen stellen sicher auch nur Top-Könner an. Wenn man dann aber feststellt, dass “Bondshots” seine eigene Firma ist, wirkt die EInleitung ein bisschen peinlich aufgeblasen. (Was nicht heißen soll, dass der Autor kein guter Fotograf wäre!)

    Ich möchte hier überhaupt nicht gegen analoge oder pro digitale Fotografie reden. Ich finde es nur doof, wenn hier Halbwahrheiten und schlicht Falsches weiterverbreitet wird. Andererseits ist es natürlich sehr amüsant zu sehen, wie ein solcher Artikel hier wieder von manchen Kommentatoren gefeiert wird als Beleg für die überlegene eigene Art der analogen Fotografie : )

    So, wer nun noch was über das komplexe Thema Dynamikumfänge von Filmen und v.a. Sensoren wissen möchte, der kann es u.a. mal hier versuchen: http://digicam-experts.de/wissen/16. alternativ kann man sich auch einfach mal mit dem Thema “Belichtung” auseinandersetzen und Bildgestaltung. Das sind immer noch die beiden wichtigsten Faktoren, für ein gutes Foto!

  17. An Euch alle ganz herzlichen Dank für das interessante und kontroverse Feedback zu meinem Artikel.

    Der Begriff “Retro-Hype” im Titel richtet sich nicht gegen eine persönliche Präferenz und sagt auch nicht aus, daß analoge Fotografie keine Existenzberechtigung hat. Im Gegenteil: Gerade die richtig guten analogen Fotografen haben ja maßgeblich dazu beigetragen, daß sich Film zu einem Hype entwickelt hat (in den USA sicher bereits ein wenig deutlicher als in Europa).

    Mein Artikel sollte vor allem zum Nachdenken und Ausprobieren anregen: Muß es wirklich eine Contax 645 sein, oder reicht es, wie Vinzent anmerkt, vielleicht erstmal etwas anderes, um herauszufinden, ob Film für mich das richtige Medium ist? Bin ich ein besserer Fotograf, weil meine Kamera analog arbeitet oder ihr diverse Helferlein fehlen? Benötige ich externe Disziplin durch eine Filmkamera mit 36 Aufnahmen, um etwas gegen meine persönliche “Spray & Pray”-Mentalität zu tun?

    Ich bin unbedingt für eine bewußtere Auseinandersetzung mit der Fotografie. Ich bin aber nicht sicher, ob ich dafür eine analoge Kamera benötige. Der Umkehrschluß geht für mich persönlich am Ziel vorbei.

    Ich finde hier beispielsweise den Vergleich mit der CNC-Fräse von Pantoufle sehr gut. Eine Simulation bleibt eine Simulation. Und die Perfektion in der Fotografie liegt hier, genauso wie in der Musik, oftmals gerade im Gegenteil – der Imperfektion (vgl. analoge Verstärker oder digitale Pianos).

    Ich stimme auch Tom voll und ganz zu: Es geht oftmals um den Zweck der Bilder. Im professionellen Einsatz sehen die Kriterien für ein Shooting u.U. anders aus, als bei privaten Aufnahmen.

    Es ist spannend, wie schnell sich die Lager spalten und dann mit viel Herzblut es dann um Analog vs. Digital geht. Gibt es denn einen Grund, sich zu entscheiden, wenn man beides nutzen und schätzen kann?

    • Im Artikel geht es nicht um die zusätzliche Anschaffung einer analogen Ausrüstung. Sondern ganz im Gegenteil um die Nachahmung eines analogen Looks bei digitalen Bildern. Da muss also kein zusätzliches Geld investiert werden.

  18. Solche Apps bzw. Filter sind nett, mehr aber auch nicht. Die Diskussionen die wie hier darüber im Netz stattfinden beschäftigen sich immer öfters mit dem sogenannten “Analog-Style” , also auf schnellem Weg eine analog anmutende Ästhetik zu erreichen, um die Fotos künstlerischer wirken zu lassen -> die perfekte Definition für Kitsch. :-) Natürlich darf auf die damit verbundene und schwerer zu erlernende “Haltung” der analog-Fotografie (Entwicklung, wenige, teure Negative auf dem Film) gern verzichtet werden, denn dafür haben wir zu wenig Zeit – wir müssen ja noch ins Fitnessstudio wenn wir fertig sind mit “Kunst machen” *Vorsicht Ironie ;-)

    Wenn man genau hinsieht, gibt es in der Kunst aber kaum noch jemanden der analog fotografiert, es sei denn bei größeren Formaten. Und wenn doch analog, dann versucht man es dem Betrachter nicht gleich mit einer furchtbaren Farbverfälschung auf die Nase zu binden. Leute wie Roger Ballen benutzen ihre Rolleiflex ganz sicher nicht wegen dem Retro-Hype – lol dort sieht man den Bildern auf den ersten Blick überhaupt nicht an ob sie analog oder digital entstanden sind, da sie auf den hier besprochenen Cross bzw. verwaschenen und mittlerweile total nervigen Polaroid-Style völlig verzichten.

    Der Erfolg des Retro-Styles hat für mich vor Allem etwas banales. Die Volkskamera muss heute verwaschene Bilder hervorzaubern da wir uns in die Vergangenheit und somit “zu besseren Zeiten” sehnen. Wir wollen in Bildwelten eintauchen die uns kurz träumen lassen von etwas Vertrautem, denn dass was bereits geschehen ist, ist uns sicher. Genau darum geht es – um Sicherheit – ein ganz banales, schwaches wie menschliches Verlangen. (Zumindest ist ebengenanntes aus meiner Sicht banal im Kontext einer Fotografie.)

    vG..

    • Da hast Du einen Fehler entdeckt.

      Gemeint ist hier “gradient fill”. Die korrekte Übersetzung wäre hier Verlauf, Farbverlauf bzw. Füllebenen-Verlauf.

      Sorry vielmals, ich habe den Artikel in Englisch geschrieben und anschließend falsch übersetzt.

  19. Blogartikel dazu: Johnny Patience » Emulating Portra 400 NC

  20. Also mich amüsieren diese ganzen Kommentare. Ob analog oder digital ist doch egal. Man kann beides gut oder schlecht machen. Wer kein Talent/Können/Fleiß mitbringt, dem hilft alles nichts. Und als es noch kein digital gab, gab es auch nicht mehr Spitzen-Fotografen.
    Manche überlegen evtl mehr, fotografieren bewusster, wenn sie es müssen/keine Wahl haben wie bei Film. Aber muss man die dann dazu zwingen? Wenn sie stumpf fotografieren wollen, sollen sie es eben.
    Es gibt durchaus aber auch genug Digital-Fotografen, die nicht stumpf drauflos fotografieren. Ein Zwang zum Analogen ist doch lächerlich. Vielleicht wird so mancher digital sogar viel besser als er es analog je geworden wäre, weil er sich mehr traut, auch mal Fehler zu machen und auszuprobieren ohne zu verarmen.
    Und selbst wenn der sog. “ANALOG-Look”, was auch immer das sein mag, immer nur ein IMITAT ist, was soll’s, manchem kommt es eben nicht auf den Weg an, sondern nur um den Look.
    Mir persönlich ist das alles egal. Jedem das seine und viele Techniken können alle genau gleich tolle Werke kreieren, auch wenn sie auf unterschiedlichen Wegen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.
    Übrigens Malerei ist auch toll :-)

  21. Blogartikel dazu: Johnny Patience » Fuji X-Pro1

  22. Meinen größten Dank für diesen Beitrag. Ich kann mit meinen bescheidenen 19 Jahren noch nicht viel von Erfahrung sprechen, aber arbeite täglich daran, mir ein Stückchen mehr Wissen anzueignen.
    Ihr Portfolio hat mich sehr berührt – Jedes ihrer Bilder hat einen einzigartigen Charakter, strahlt Stimmigkeit und Ruhe aus, unterstrichen durch die poetischen Untertitel rufen sie tatsächlich Gänsehaut bei mir hervor. Ihr Stil inspiriert mich sehr und ist ganz nach meinem Geschmack.
    Vielen Dank.

  23. Blogartikel dazu: (Analog Special) Der Sonntag mit “Der Photodings” KW14 - Norman Herms Photography

  24. Blogartikel dazu: (Analog Special) Der Sonntag mit “Der Photodings” KW15 - Norman Herms Photography

  25. Ich raff’s nicht warum du dann anfängst zu erklären wie man Film nachahmt, nachdem du noch erklärt hast, daß Film nicht überzeugend nachzuahmen sei. Ich hab’ das dann auch nicht weiter gelesen denn wenn ich ein Bild wie von Film haben möchte, dann nehme ich eben Film. Ich male mir ja auch keine Streifen auf die Jeans und tu dann so als hätte ich eine Cordhose, auch wenn dann von weiter weg eine Ähnlichkeit vorhanden ist. ;-)

    Überzeugende Nachahmungen von Film gibt es nicht. Da kann man Laien mit reinlegen wenn man alles etwas verträumter gestaltet weil sie denken Film sei minderwertig. Es war schon zur analogen Zeit schwierig bis unmöglich mit Film ältere Filmformate und -emulsionen überzeugend nachzuahmen.

    Dieser gewollte “Retrolook” ist eine Pest unserer Zeit. Fängt bei Fotos an und hört bei Autos auf. Ganz oder gar nicht, aber dieses dazwischen Rumgemurkse ist einfach nur ein Graus.

  26. also ich verstehe den sinn des artikels auch nicht so recht – hätte man auch einfach schreiben können, wie man mit photoshop den üblichen pastell-look erzeugt.

    ich schiesse jedes jahr rund 120 filme, so wie das da oben sieht NIX aus, wenn ich es scanne :)

    s/w so:
    https://www.flickr.com/photos/martin_jaeger/8060877276/lightbox/

    farbe so:
    https://www.flickr.com/photos/martin_jaeger/7495394126/lightbox/

    wenn man von diesem pastell – look schwärmt, hat das absolut nix mit film oder digital zu tun – sondern nur mit photoshop :)

    • @mj
      sehe ich ganz genauso.

      Jeder Film hat seinen spezifischen Look, aber man sollte bei der Simulation aufpassen nicht zu platt zu verallgemeinern.

      @Artikel
      “… Profis bilden mit dem richtigen Film und dem richtigen Scanner einen Dynamikumfang von zehn Blendenstufen in einem Bild ab. Davon können digital arbeitende Fotografen nur träumen….”

      Das stimmt auch schon lange nicht mehr, selbst im Jahr 2012 als dieser Artikel entstand, gab es DSLR’s mit einem Dynamikumfang von mehr als 10 Blendstufen. Aktuell schaue man sich nur mal die Nikon D800E oder die Sony Alpha 7R mit 14(!) Blendstufen an. Da kann kaum noch ein Film mithalten.
      Dazu kommt, dass man den enormen Dynamikumfang auch tatsächlich mit in die Bildbarbeitung nehmen kann (Raw-Konverter). Film hingegen wird – wie im Artikel erwähnt – über einen Scanner in den Rechner geholt und büßt dabei leider oft einiges an Dynamikumfang sein.
      In puncto Dynamikumfang gibt es zudem noch Unterschiede zwischen Negativ- und Positivfilm, ersterer hat i.d.R. mehr Reserven.