susannprobst
09. Januar 2012 Lesezeit ~ 4 Minuten

Stilllife Teil 1: Ideenfindung

Im folgenden Artikel möchte ich Euch einen kleinen Einblick in die Stilllife- und Foodfotografie geben. Ich werde erklären, wie ich bei meinen Bildern vorgehe und warum ich bestimmte Dinge so oder so verfolge. In diesem ersten Teil wird es zuerst einmal vor allem um die Ideenfindung gehen.

Eine wichtige Frage für viele ist, welche Kameras oder Objektive sich am besten für die Foodfotografie eignen. Dabei geht es gar nicht zwangsweise um ein bestimmtes Modell oder Format, sondern um die Fähigkeit, seine eigene Technik zu beherrschen.

Es ist viel wichtiger, Licht und Schatten zu verstehen, eine gute Komposition finden zu können und grundlegende Dinge wie Blende, Verschlusszeit und Weißabgleich zu begreifen und zu wissen, wie man diese für seine Aufnahmen nutzen kann. Für gute Fotos ist es wichtig, sich nicht auf Automatiken der Kamera verlassen zu müssen, sondern sie voll unter Kontrolle zu haben.

Aber bevor es mit technischen Details los geht, fangen wir deshalb am besten bei null an. Bevor man überhaupt zur Kamera greift, braucht man eine Bildidee. An das Konzept kann man ganz individuell heran gehen. Ob einem als erstes ein bestimmtes Gericht oder ein bestimmter Gegenstand in den Sinn kommt, den man gern einmal fotografieren möchte oder auch eine Stimmung, ein Gefühl oder vielleicht sogar ein Ort. Bei mir ist das von Bild zu Bild ganz unterschiedlich und variiert immer wieder.

Ich möchte meine Vorgehensweise gern an einem bestimmten Beispiel erläutern: Der Anlass für die Bildstrecke in diesem Artikel war der jährliche Weihnachtsgruß in unserem Hochzeitsblog. Das Thema war also schon vorgegeben. Nun ging es mir dieses Jahr darum, mich etwas subtiler damit auseinanderzusetzen. Ich wollte keine Kerzen und Plätzchen, sondern dezentere, winterliche und weihnachtliche Elemente in den Bildern unterbringen.

Ich wusste, dass es eine Mischung aus Food- und Stilllife-Fotografie werden soll. Mein erster Schritt bei der Umsetzung eines Themas ist die Recherche. Ich notiere spontane Bildideen, Materialien und Deko-Elemente, die mir direkt in den Sinn kommen. Da es mir bei den Rezepten dieses Mal besonders um die Gewürze ging, habe ich eine Liste mit weihnachtlichen Gewürzen angelegt und anschließend nach passenden Rezepten recherchiert.

Beim Sammeln dieser Einzelheiten ergaben sich viele Bilder ganz von selbst. Während ich die Liste zusammenstellte, ergab sich für mich auch der Stil, in dem ich die Serie halten wollte. Die letzten Bilder waren warm und gemütlich, dieses Mal wollte ich elegante, klare Bilder. Demnach reduzierte ich meine gesammelten Rezepte auf solche, die zu dieser Vorstellung passten.

Am nächsten Tag habe ich begonnen, mir passende Requisiten zurechtzulegen und die ersten Aufnahmen vorzubereiten. Nach und nach kamen dadurch dann auch wieder neue Ideen für die Serie hinzu.

Zum Thema Bildgestaltung möchte ich mich kurz fassen, da es dabei keine bestimmten Regeln gibt, die zu beachten sind. Ob das Objekt nun im Goldenen Schnitt liegt, angeschnitten wird oder man mit einer Zentralperspektive arbeitet, hängt ganz von Eurem Geschmack ab. Genauso verhält es sich mit dem Kamerastandpunkt und der Wahl der Brennweite. Das ist alles eine Übungssache und man muss sich vorher darüber klar werden, was einem an der Aufnahme wichtig ist und wie das Objekt darauf wirken soll.

Schreiben könnte man zu diesem Thema sehr viel, aber ich bin der Meinung, dass Ausprobieren hier viel weiter hilft! Bei der Bildgestaltung kommen einfach so viele Aspekte zusammen, dass man keine allgemeingültigen Regeln aufstellen kann.

Bei der Umsetzung meiner geplanten Serie begann ich zuerst damit, mein Set aufzubauen und mich dann mit der Kamera an die Aufnahme heranzutasten. Wenn man noch keine genaue Vorstellung vom fertigen Foto hat, sollte man die Kamera in der Hand behalten und verschiedene Perspektiven ausprobieren, anstatt sich mit einem Stativ direkt einzuschränken. Wenn ich meinen Kamerastandpunkt und meine Lichteinstellungen gefunden habe, beginne ich mit der Feinarbeit am Bild.

Erklären möchte ich das kurz an diesem Beispiel:

Wichtig beim Foodstyling ist der Garpunkt. Jede Zutat sollte einzeln zubereitet werden, um diesen genau zu erwischen. Sicher geht es auch anders, aber das erfordert eine Menge Übung! Ich mache es immer so, dass ich die Zutaten zwar koche, aber sie nicht so gar sind wie man sie sonst essen würde. So bleibt die Form und auch die Farbe besser erhalten. Ganz rohe Zutaten erkennt man sofort, das zeigt das erste Beispielfoto.

Ich habe also beim Beispiel mit dem Punsch nach und nach die einzelnen Elemente in einem extra Topf mit Wein gekocht. Da dem Foto trotzdem noch die Lebendigkeit gefehlt hat, habe ich die Flüssigkeit mit einer Styroporplatte etwas eingespiegelt und zusätzlich ein paar Bläschen dazu gegeben, die ich vorher getrennt in einem Gefäß aufgeschlagen hatte. Durch den schwarzen Topf hätte man sonst gar nicht richtig wahrgenommen, dass sich darin eine Flüssigkeit befindet.

Die Lichtsetzung in der Stilllife- und Foodfotografie ist besonders wichtig. Im nächten Teil werde ich Euch mit Hilfe von einigen Beispielbildern verschiedene Möglichkeiten vorstellen, wie man das Licht gut einsetzen und lenken kann.

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15 Kommentare

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  1. Danke für deinen Erfahrungsbericht, bin auf den Lichtgestaltungsteil sehr gespannt. Was die Komposition und Objektplatzierung angeht, ich bin zwar ebenso der Meinung, das alles Geschmackssache ist und man das am besten einfach selbst ausprobieren muss, jedoch einige “Richtlinien” und ja auch deine persönliche Erfahrungen wären an der Stelle doch sinnvoll. Spontan fällt mir zum Thema die Objektzwischenbeziehung im Bild ein: Linienentwicklung, Dominanzsetzung, Beeinflussen der Betrachtungsreinfolge usw.

    Wäre auch sehr interessant zu erfahren, wie du an deine Requisiten kommst, was du damit nach dem Shooting machst. Hebst du nur die “sonderbarsten” Teile auf, oder verstaust du alles auf dem Dachboden? Hast du bestimmtes Archivierungsvorgehen?

    VG
    VT

    • Natürlich gibt es diese von dir angedeuteten Richtlinien in der Bildgestaltung. Aber der Hauptgrund warum ich nicht weiter auf dieses Thema eingegangen bin ist wohl der, dass man solche Sachen so verinnerlicht, dass sie für einen selbst bei der Umsetzung überhaupt keine Rolle mehr spielen. Ich könnte auch gar nicht erklären was im Bezug auf die Bildgestaltung in meinem Kopf vor geht. Während meiner Ausbildung war es so, dass mein Chef mir niemals oder selten etwas wirklich erklärt hat. Er hat immer gesagt: Guck zu und lerne. Am Anfang habe ich nie verstanden wie er zu seinem Ergebnis kommt aber ihm ging es da wohl genauso wie mir und er hat seine Idee einfach intuitiv umgesetzt. Ich finde auch, dass man ein Bild nicht nach bestimmten Vorgaben gestalten kann. Nein anders, können vielleicht schon aber es wird niemals eine natürliche Wirkung bekommen, wenn nach bestimmten Kriterien und Lehrbüchern arbeitet. Grundlegende Dinge in der Fotografie werden sich nie ändern aber im Laufe der Zeit haben sich die Stile und Geschmäcker so unterschiedlich entwickelt, dass Undinge von Früher heute normal sind. Deswegen bin ich der Meinung, soll man so gestalten, wie es einem gefällt ;)

      Auf meine Requisitenwahl bin ich nicht weiter eingeganen, weil es vor einer Weile schon einmal einen ausführlicheren Bericht hier zu lesen gab:
      http://kwerfeldein.de/index.php/2011/11/23/kulinarische-fotografie-gestaltung-und-requisiten/
      Aber wenn dich speziell meine herangehensweise interessiert, möchte ich dir diese nicht vorenthalten…
      Bei dieser Serie habe ich zu erst einmal in meinem Fundus nach passenden Sachen gesucht und auch ziemlich viel zu dem Thema gefunden. Einzig einen grauen Wollstoff habe ich zusätzlich noch gekauft. Ich sammle schon seit bestimmt 4 Jahren Schälchen, Stoffe, Besteckteile etc. Diese zwei Ledersorten zum Beispiel habe ich mir mal zu Weihnachten gewünscht, nein eigentlich nur irgendein Leder und das ist dabei heraus gekommen. Ich habe es zwei Jahre nicht einmal angeguckt aber für diese Fotos war es plötzlich perfekt. Oft kaufe ich also Dinge auf Flohmärkten etc. die mir einfach gefallen, ohne, dass ich direkt eine Verwendung dafür habe. Es gibt einige Geschäfte, bei denen man gegen einen kleinen Prozentsatz Teile ausleihen kann. Das habe ich schon sehr oft gemacht und bin begeistert, dass das geht. Dabei muss man dann natürlich genau wissen, was man das Geschirr oder Besteck benutzen möchte. Meistens kann man diese Sachen für mehrere Tage ausleihen. Das ist natürlich am platzsparendsten ;) Ansonsten habe ich einen Schrank in dem ich kleinere Dinge aufbewahre. Viele der Sachen, gefallen mir einfach sehr gut, sodass ich versuche sie in den Alltag mit unter zu bringen. Größere Sachen, wie Holzplatten etc., kann ich zum Glück auf dem Dachboden lagern. Aber mein “Lager” ist eigentlich gar nicht so groß. Oft versuche ich einfach zu improvisieren und die Sachen für verschiedene Fotos abzuwandeln.
      http://www.paulliebtpaula.de/berlin-hochzeitsfotograf/2011/12/22/frohe-weihnachten-und-ein-tolles-jahr-2012/
      Auf dem Feigenbild ganz unten rechts zum Beispiel, habe ich einfach ein altes Spitzentaschentuch eingefärbt und so wurde es zum perfekten Deckchen für dieses Foto. Die blaue “Blume” links nebendran habe ich aus einem alten Kleid gebastelt und ebenfalls eingefärbt. Genau wie das blaue Pferd. Das hatte ich letztes Jahr an den Geschenken als Anhänger und habe es ebenfalls mit Acrylfarbe angepinselt.
      http://www.paulliebtpaula.de/berlin-hochzeitsfotograf/2010/12/22/frohe-weihnachten/

      Ich hoffe das war nun nicht zu ausführlich ;)

      • Danke schön für deine ausführliche Antwort! Dein Link auf den älteren Bericht von Meeta K. Wolff ist sehr interessant, und wer noch nicht kennt – absolut empfehlenswert und ergänzend zu diesem Artikel!

        VG
        VT

  2. Oh wow – die Bilder sind unglaublich!
    Mir gefallen vorallem die Farben und ich kann mich gar nicht entscheiden welches Bild mir am besten gefällt. :)

    Das Foodfotografie eine eigene Wissenschaft ist wusste ich zwar, dass man aber mit Styropor und Bläschen (!) so eine Wirkung erzielen kann – wow!

    Schöne Grüße
    Christina

  3. Ich finde, du hast die Eleganz perfekt eingefangen. Die Bilder sind festlich, ohne kitschig zu sein – das sieht man leider selten zu Weihnachten.
    Was mich noch interessieren würde: Woher genau bekommst du all die schönen Materialien? Die angelaufenen Löffel, die alte Pfanne, das abgewetzte Leder – es sieht alles sehr authentisch aus.

  4. Hallo Susanne!

    Erstmal auch von mir ein großes Lob für den Artikel. Hat mir sehr gut gefallen und die Bilder sind einfach nur spitze! So schöne Bilder sieht man in der Weihnachtszeit sehr sehr selten… sonst sind die Kitschigen ja leider vorherrschend.

    Der Feigenkuchen sieht übrigens auch total super aus! Hättest du davon vielleicht das Rezept? ;-)

    Liebe Grüße,

    Florian

  5. Die ersten beiden Absätze sagen schon alles was man wissen sollte ;)
    Ich kenne mich mit der Stillife Fotografie gar nicht aus, weil es eben an Ideen mangelt. Im Gegensatz dazu bewundere ich jedoch die Arbeiten einiger Künstler, da frage ich mich immer, “woher nehmen die bloß diese geniale Idee”. Aber nun weiß ich es… sich vorher Gedanken machen, darin steckt das Geheimnis!

    EIn interessanter Artikel und ich freue mich schon auf den nächsten Teil

    schöne grüße

  6. ein sehr schöner, inspirierender Einblick – macht mir große Lust auf Küchenexperimente und Nachkochen.

    Vielen Dank hierfür.

    Freu´mich auf den zweiten Gang!

    Lieben Gruß
    Juliane

  7. Die Beispielserie am Schluss finde ich toll *_*
    Erst fand ich das erste Foto wegen den leuchtenden Farben sogar am besten, aber du hast natürlich recht, da erkennt man sofort, dass es noch nicht fertig ist.
    Die Bläschen habe ich zuerst gar nicht gesehen, aber jetzt bin ich ganz verliebt in sie. Auf die Idee, sie in einem anderen Gefäß aufzuschlagen und dann zum Bild hinzu zu fügen .. da muss man erstmal drauf kommen (obwohl mir Dinge wie: etappenweise kochen und viele andere Tricks durchaus bekannt sind) … freue mich schon auf weitere Teile.
    Meine Foodphotography beschränkt sich ja meistens darauf, schnell noch die Kamera auszupacken, bevor ich ins Essen beiße. Da stimmt natürlich meistens weder Komposition noch Licht noch sonst irgendwas. Aber extra für ein Foto zu kochen. ..
    Oder ein leckeres Gericht dort stehen zu haben, aber noch nicht zu langen zu können.
    Schwierig schwierig. ^^

    (Und Requisiten und passende Hintergründe sind natürlich auch so eine Sache +seufz+ Ich glaube darüber gab es hier schon einmal einen Eintrag, in dem betont wurde, dass sich sowas nach und nach ansammelt… aber. Dennoch)

    Der Point.

  8. Blogartikel dazu: Stilllife Teil 2: Lichtgestaltung | KWERFELDEIN | Fotografie Magazin

  9. Blogartikel dazu: Still-Leben « Katzkidz Blog