Bracelet Bay
27. November 2011 Lesezeit ~ 4 Minuten

Landschaftsfotos in LR & PS – Teil 2

Nachdem ich gestern erklärt habe, wie ich mein Ausgangsmaterial vorbereite, zeige ich Euch heute die kreative Bearbeitung. Hier werde ich dem Bild den Look verleihen, der der von mir wahrgenommenen Szenerie am nächsten kommt. Dabei fließen neben dem Gesehen auch mein Enthusiasmus fürs Fotografieren und meine Freude beim Erleben solcher Naturschauspiele ein.

Die dafür nötigen Techniken sind nichts Besonderes, das Wichtigste habt Ihr im ersten Teil schon kennengelernt. Luminanzmasken kommen auch hier wiederholt zum Einsatz, diesmal im Zusammenspiel mit Gradationskurven, Tonwertkorrektur und verschiedenen anderen Einstellungsebenen in Photoshop.

Doch rufen wir uns zunächst noch einmal das Resultat der im ersten Artikel vorgestellten Bearbeitungen in Erinnerung:

Das überblendete Bild

Tonal Contrast

Am Ende habe ich alles in einem Smartobjekt zusammengefasst. Darauf wende ich nun den Filter “Tonal Contrast” von Color Efex* an. Dieser verstärkt, wie der Name schon sagt, lokal Kontraste, die das Bild detailreicher und auch schärfer wirken lassen. Ich setze den Filter nur dezent mit dem Wert 10 für Tiefen, Mitteltöne und Lichter ein. Sättigung verstärke ich damit nicht, der Regler wird auf 0 gesetzt. Außerdem wende ich den Filter durch eine Maske nur selektiv an.

Tonal Contrast

Wer Color Efex nicht besitzt, kann auch mit einer Hochpassebene im Modus “weiches Licht” arbeiten oder mit hohem Radius und geringer Stärke unscharf maskieren.

Kontrast im Bild anpassen

Nun sorge ich dafür, dass das Bild nicht mehr so flach wirkt. Dabei verwende ich Tonwertkorrektur und Gradationskurven. Wichtig ist mir dabei, Stück für Stück vorzugehen und die jeweiligen Änderungen durch Luminanzmasken so einzuschränken, dass die Tiefen und Lichter im Bild nicht verloren gehen. Dafür muss ich mir zunächst wieder aktuelle Luminanzmasken anlegen und verwende die Aktionen von Tony Kuyper, auf die ich gestern verwiesen habe.

nach Kontrastanpassung durch Tonwertkorrektur und Gradationskurven

Oft passe ich auch noch manuell die Masken an, um gezielt Einfluss auf den Kontrast im Bild zu nehmen und damit den Blick des Betrachters zu lenken.

Das folgende Video zeigt die einzelnen Anpassungen, die ich am Beispielbild durchgeführt habe. Wie schon beim Überblenden gibt es kein Rezept. Vor allem die Wahl der Luminanzmasken erfordert etwas Experimentieren. Die “basic midtones” verwende ich aber fast immer für die erste Kontrasterhöhung mit einer Gradationskurve. Die “super midtones” sorgen bei der Tonwertkorrektur dafür, dass die Tiefen und Lichter erhalten bleiben.

Klare Farben

Noch wichtiger als der Kontrast sind für mich die Farben im Bild. Mit ihnen kann ich gezielt Stimmungen verstärken, Kenntnisse der Farbtheorie sind dabei von Vorteil. Von Michael Freeman gibt es das Buch Digitalfotografie Farbe*, das die einzelnen Farben und ihre Wirkung beschreibt. Auch wenn es teilweise etwas oberflächlich wirkt, bietet es doch einen guten Einstieg und Überblick.

Während ich bei den Kontrastanpassungen mit den Gradationskurven auch schon implizit die Farben angepasst und verstärkt habe, geht es mir hier nun um die detailierte Anpassungen der einzelnen Farbtöne im Bild und das Herausarbeiten von Farbkonrasten.

Mit einer selektiven Farbanpassung nehme ich dazu dezente Änderungen an den einzelnen Farben im Bild vor. Auch Fotofilter und Farbbalance kommen selektiv zum Einsatz. Sättigung verstärke und reduziere ich selektiv durch Sättigungsmasken.

nach Farbanpassung mit selektiver Farbe, Sättigung ...

Sättiguntsmasken? Auch hier wieder der Verweis auf die Tutorials von Tony Kuyper. Aber ich habe auch ein Video für euch, das sowohl auf Sättigungsmasken eingeht als auch meine Anpassungen im Bild zeigt.

Es kann schonmal vorkommen, dass ich für die Farbanpassungen, auch wenn sie nur so gering ausfallen wie im Beispielbild, eine Stunde oder mehr brauche. Ich bin selten zufrieden und schon kleinste Änderungen können die Stimmung im Bild verbessern oder zu klareren Farben führen.

Ganz wichtig ist mir hierbei, aufzupassen, dass das Bild keinen globalen Farbstich bekommt. Für einzelne Bereiche darf das durchaus zutreffen, aber ich versuche immer eine Balance zu bekommen und auch komplementäre Farben im Bild unterzubringen. Im Idealfall liegen diese möglichst nahe an den Primärfarben.

Dodge and Burn

Am Ende kommt dann noch eine 50%-Grauebene im Modus “weiches Licht” zum Zuge. Hier male ich mit weißem und schwarzem Pinel durch verschiedene Luminanzauswahlen, um noch etwas die Struktur im Bild zu verstärken und den Blick des Betrachters weiter zu lenken.

Für die Kombination von Dodge and Burn mit Luminanzmasken gibt es ein paar Grundregeln: Möchte ich Kontraste und Strukturen verstärken, male ich mit schwarzem Pinsel und angepasster Opazität durch die “darks”-Auswahlen oder mit weißem Pinsel durch die “lights”-Auswahlen.

nach Dodge and Burn Bearbeitung

Feinschliff

Der Unterschied zum Ausgangsmaterial ist am Ende recht deutlich. Der düstere Look und die tiefblauen Töne im Bild unterstreichen die mystische Stimmung dieses Morgens, die schon durch die Langzeitbelichtung erzeugt wird.

Hier angekommen, ist die Arbeit fast getan. Bevor ich das Bild aber im Internet zeigen oder drucken lassen kann, nehme ich noch einen letzten Feinschliff vor. Dazu gehört eine leichte Rauschreduzierung, die ich durch Masken selektiv auf einzelne Bereiche im Bild beschränke, zum Beispiel auf den Himmel und andere Flächen wie hier das Wasser.

Danach wird das Bild auf die jeweilige Ausgabegröße skaliert und ein letztes Mal geschärft. Fertig!

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas kauft, bekommen wir eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.

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26 Kommentare

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  1. Auch hier wieder: Vielen Dank, Michael! Ich wusste bisher nicht, was man mit Luminanz-Masken so alles anstellen kann und habe wieder viel dazugelernt. Ich würde mir auf kwerfeldein mehr Artikel von dieser Sorte wünschen.

  2. Ich bin beeindruckt von deinem Verständnis der zusammenhängenden Schritte in der Bearbeitung, das Resultat ist mehr als überzeugend. Ein sehr schönes Photo und am Ende absolut perfekt.
    Ich bedanke mich, dass du dein Wissen mit uns teilst und so ausführlich aber dennoch absolut verständlich erklärt hast.
    Ich werde das auf jedenfall abarbeiten und zukünftig verinnerlichen, denn anders als bei vielen anderen Tutorials trifft dein Ergebnis meine eigenen Wünsche und Vorstellungen. Das Bild schaut nicht übertrieben überarbeitet aus, auch nicht unnatürlich wie einige HDR wo alle Winkel übertrieben ausgeleuchtet sind. Gerade die Spannung zwischen Dunkel, kräftiger Farbe und hell genug ist, was wir in der Szenerie real vorfinden aber oft nicht verstehen digital wiederzugeben.
    Lieber Gruß
    Martina

  3. Hallo Michael,

    dein Artikel ist sehr lesenswert und informativ. So gewinne ich auch Einblicke, wie andere Fotografen ihre Bilder bearbeiten. Danke dir für diesen Artikel. Eine Frage habe ich an dich. Habe versucht das an meinem Lightroom und meinen Bildern mal umzusetzen. Dabei fiel mir auf, das die Kamerakalibrierung Landscape bei ir nicht gibt. Hab da nur 3 Einstellungen zur Auswahl. ACR 3.6, ACR 4.4 und Adobe Standard stehen mir nur zur Auswahl. Ist das ganze von der Kamera abhängig oder kann man diese Kalibrierungen per Plugin’s installieren?

    Gruß Carsten

    • Hallo Carsten,

      Das mit der Kamerakalibrierung ist mir bei manchen Kompakten auch aufgefallen. DSLR hab ich bis jetzt nur Canon getestet und da waren die Kalibrierungen immer Vorhanden -> bei lightroom 3, beim zweier waren die glaube ich auch noch nicht dabei, also wohl bei ACR auch erst ab CS 5…

      Vll. einfach mal schauen ob Adobe bei seinen Downloads noch was anbietet, da gibt es oft noch einiges an Zusatzmaterial, das erst mal bei der Standardversion nicht dabei ist.

      Außerdem gibt es von PSKiss noch artistische Kalibrierungen für sehr viele Kameramodelle mit denen man auch interessante Ergebnisse erzielen kann. Schau mal in meinen Blog auf http://www.mibreit-photo.com . Vorletzter Artikel.

      Grüße

      • Dann danke ich dir nochmal für die Infos. Werde mal gleich bei Adobe nachkucken, haben ja dort mein Account. Mal schauen, was ich finde.

  4. Hallo Michael,

    sehr interessant Dir auf diese Art mal bei der Bearbeitung Deiner Bilder über die Schulter zu schauen. Vielen Dank für die umfassende Darstellung Deines Workflows. Da steckt bestimmt viel Arbeit dahinter.

    Beim Betrachten der beiden Tutorials habe ich feststellen müssen, dass ich bei der Bearbeitung meiner Bilder in vielen Punkten ähnlich vorgehe. Und das obwohl ich mich eher anderen Bereichen der Fotografie widme und teilweise auch andere Programme verwende.

    Ich kann nur jedem empfehlen sich die beiden Tutorials in Ruhe zu betrachten.

    Viele Grüße
    Marion

  5. Sehr gutes Tutorial und gutes Gespür für Motive.
    Danke, dass Du Dein KnowHow hier teilst.

    Das Endergebnis enttäuscht mich jedoch leider sehr: verglichen mit dem dem unteren Originalbild (voher1.jpg, Link im Teil1), welches schon an sich sehr gut war, wirkt das Resultat genau wie es entstanden ist: aufwendig bearbeitet und lässt jegliche Natürlichkeit vermissen (dunkel, kontrastreich, knallig)

    Die Kritik der “Digitale Perfektion” hat Martin Gommel übrigens selbst hier des öfteren schon aufgegriffen.

    Bilder wie das Endresultat sind leider schon millionenfach vorhanden und unterstreichen eher die Fähigkeit des Photoshoppens denn der fotografischen Fertigkeit der Autoren.

    Sorry wenn es zu harsch klingt, Bildbearbeitung ist an sich ja nichts schlechtes (A. Adams hat selbst ge-dodged/ge-burnt), aber es wird leider oft stark übertrieben und jedes Bild wirkt dann wie der typische digitale Einheitsbrei :(

    Trotzdem danke für die sicherlich aufwendigen Bemühungen der Tutorial-Erstellung!

    just my 2cents :)
    Schöne Grüße
    Vadim

  6. Hallo Michael,

    was Du machst ist ja extrem aufwändig und zeitintensiv. Ich frage mich ob man nicht auch mit einfacheren Mitteln zum nahezu gleichen Ergebnis kommt? Sprich 20-30% des Einsatzes für 90% Deines Resultats. Kann man nicht vorstellen das ich 15 Luminanz- und 10 Einstellungsebenen brauche um dieses Ergebnis zu bekommen.

    Trotzdem sehenswert ;-)

    Grüße
    Stefan

    • Hallo Stefan,

      Ich bin eher Perfektionist ;-) 90% sind mir nicht genug. Da ich meine Bilder verkaufe und sie recht groß gedruckt werden muss es auch im Detail stimmen. Mein Qualitätsanspruch ist da recht hoch!

      Ich stimme aber zu, um für z.B. die Webansicht was vergleichbares zu bekommen kannst auch in einem drittel der Zeit fertig sein. Muss jeder für sich wissen, wie wichtig die Details sind.

      Grüße

  7. ….also eine Stunde Bildbearbeitung für Farbanpassungen halte ich ein wenig für übertrieben…Da muss ich mich einem meiner Vorkommentatoren anschließen, dass geht auch weniger zeitintensiv. Ehrlich gesagt finde ich das finale Bild zu dunkel. Betrachtet man das Ausgangsmaterial wäre in dem Fall weniger mehr gewesen.

    Grüße

  8. Also nochmal danke für das Feedback, auch für die kritischen Stimmen. Da die Bearbeitung ein subjektiver Prozess ist, der sich ganz an meiner Wahrnehmung der Szenerie orientiert wäre es auch komisch wenn es jedem gefällt. Ich habe egtl. noch mehr Kritik erwartet ;-)

    Die vorgestellten Techniken kann man leicht auf sein angestrebtes Resultat zuschneiden und natürlich kann man auch weniger intensiv an den Details arbeiten. Das ist jedem selber überlassen. Am Ende ist es nie ideal den kompletten Workflow von jm. zu übernehmen, der hat sich über Jahre hinweg entwickelt. Aber ich hoffe das einzelne Techniken auch in eure Workflows passen und evtl. helfen das Ergebnis noch zu optimieren…. wenn Ihr dass denn wollt ;-)

    Grüße

  9. Man sollte zwischen Qualität für den privaten Bereich und verkaufbarer Qualität unterscheiden. Verkaufbare Qualität und Standards lernt man erst mit der Zeit, wenn man auch etwas anbietet.
    Die Bearbeitung von Michael B. ist für den privaten Bereich und damit scheinbar für viele Nutzer zu viel, für verkaufbare Ergebnisse aber genau richtig.

  10. Blogartikel dazu: In die Sonne fotografieren | KWERFELDEIN | Fotografie Magazin

  11. Super Artikel! Da der “normalsterbliche” aber wahrscheinlich maximal Lightroom oder Photoshop Elements sein Eigen nennen wird, wäre es interessant zu wissen, ob es auch in Elements (ich habe auch den Zusatz Elements+) die Möglichkeit gibt, mit Luminanzmasken oder einer ähnlichen Vorgehensweise zu arbeiten. Weiß da jemand was?

    Vielen Dank!

  12. Auch wenn der Artikel älter ist, bin ich über die Googlesuche drauf gestoßen. Sitz gerade an meinen Lofotenbildern und was soll ich sagen. 120 Bilder entwickelt aus knapp 2800, aber irgendwie fehlt mir noch so das “Besondere”. Ich will jetzt nicht unbedingt sagen, dass alle 120 Bilder für die Tonne sind, aber man möchte ja auch ein wenig weiterkommen im Bereich der Fotografie. Die beiden Teile haben mich nun dazu bewogen mir 3-4 Bilder heraus zu picken und an ihnen weiter zu schleifen.
    Danke für die saubere Erklärungen, damit kann ich auf jedenfall was anfangen und ich werde nach den Lightroom-Only-Entwicklungen doch mal wieder mein altes verstaubtes CS3 anwerfen. Eigentlich wollte ich das nicht mehr, aber jetzt… :-) Ein Teufelsartikel :-)