Kwerfeldein
14. Januar 2010 Lesezeit ~ 3 Minuten

Nicht ganz so glatt

“We all spend a lot of time being impressed by folks we’ve never met. And we spend even mor time trying to keep up with them… Your idea doesn’t have to be big. It just has to be yours.” Hugh MacLeod, Ignore Everybody*

Manchmal, vielleicht auch sehr häufig stehen wir uns selbst kreuzweise im Weg, wenn es darum geht, gute Fotos zu machen. Irgendwas stimmt doch eigentlich immer nicht so ganz. Wir fotografieren beispielsweise eine Landschaft, aber es ist wieder der verdammte Winter, scheißkalt und wir haben ja sowieso das falsche Objektiv drauf.

Wir haben uns mit einer Person verabredet, um sie zu fotografieren, doch das Licht stimmt einfach nicht. Viel zu hell oder zu dunkel oder keins von beidem. Und zu allem Überdruss scheint uns kein einziges Foto zu gelingen. Wenn etwas perfekt ist, dann unser Malheur und holterdiepolter purzeln wir von einem Shooting – das doch hätte so gut werden können – ins Nächste.

“Bis zum Mond und zurück” lieben wir es eigentlich, hinter der Kamera zu stehen und zu fotografieren. Doch ganz, ganz selten können wir sagen: “Mensch, das war gut heute. Ich bin rundum zufrieden.”

Gerade nach der ersten Kamera-Verliebtheit-Phase, wenn wir die rosa Brille abgelegt haben, fällt uns auf, dass die Fotografie zwar ganz “heißer Scheiß” ist, aber manchmal Letzteres uns begegnet, wenn wir unsere eigenen Bilder betrachten. Es ist scheinbar doch gar nicht so einfach, wie wir dachten.

Dabei wollen wir doch nur eines: So richtig gute Fotos machen, die uns selbst und andere in den Bann ziehen. Und wir legen uns die Messlatte selbst lieber etwas zu hoch, als zu niedrig.

Was dabei entsteht, liebe Leute, ist Druck. Wir erwarten von uns (oder der teuren Kamera) das perfekte Bild. Und es fällt uns schwer, das zu akzeptieren, was uns nach dem Klick auf dem Display begegnet: ein Foto, das nicht perfekt ist.

“Es ist normal, dass es nicht gleich so aussieht, wie Sie es gerne hätten”. Martina Mettner, Wie man ein großartiger Fotograf wird*

Doch ich glaube, dass wir, vielleicht mal nur aus Jucks und Dollerei die Messlatte runternehmen sollten. Nur mal so ausprobieren, vielleicht um den Spaß an der Fotografie nicht zu verlieren. Das perfekte Bild wird es sowie nie geben (1), vielleicht deshalb, weil die Welt nicht perfekt ist – und das ist auch gut so.

(1) Wer es gefunden hat, bitte mir direkt zuschicken.

Ja, eine gewisse Unzufriedenheit kann gut sein und uns über eigene Grenzen heben – doch wenn wir nie zufrieden sein können, wird es für uns (und unsere Mitmenschen) unerträglich. Dann brauchen wir uns nicht zu wundern, warum wir uns von einem “kreativen Loch” zum nächsten durchringen.

Wenn wir es schaffen, unseren Ist-Zustand anzunehmen, können wir vielleicht auch gnädiger mit uns sein. Dann können wir gelassener mit Kritik umgehen – denn dass unser Foto nicht perfekt ist, das wissen wir ohnehin.

Wim Wenders hat einmal zu seiner Frau Donata gesagt, dass sie nicht gleich gute Ergebnisse bräuchte, um ein Talent für etwas zu haben. Diese Entspanntheit kann uns den Mut geben, auch mit unseren mittelprächtigen Fotos zu arbeiten und produktiv zu sein – obwohl nicht gleich alles sitzt.

Ich möchte mich nun davon distanzieren, irgendeine allgemeingültige Diagnose festzustellen – aber nicht immer sind aalglatte, bis ins letzte Detail ausgeputzte Fotos am Aussagekräftigsten. Natürlich hängt das immer von der eigentlichen Bestimmung des Bildes ab. Aber Perfektion ist kein Garant für Exzellenz.

Zum Inhalt: Ich habe absichtlich in der 1. Person (plural) gesprochen, weil ich mich selbst ebenso dazuzähle. Regelmäßig ertappe ich mich dabei, mir zu viele Gedanken über ein Foto zu machen und die Messlatte viel zu hoch zu setzen.

*Dies ist ein affiliate Link. Wenn ihr darüber bei Amazon etwas bestellt, bekomme ich eine kleine Provision. Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.

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55 Kommentare

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  1. Danke Martin – die, schon fast philosophische, Aussage dieses Artikels kann man aus meiner Sicht genauso gut auf viele andere Lebenslagen projezieren, sie gilt nicht nur für die Fotografie.
    Der Unterschied zwischen jemandem, der eine Sache “kann” und jemandem, der die gleiche Sache “nicht kann” ist oft darin begründet, dass der Erstere die Sache macht und die Zweitere die Sache nicht macht, weil er meint, sie nicht zu können.

    Sven Hannawald hat mal gesagt: “Man springt nur so weit, wie man im Kopf schon ist.” Da ist etwas Wahres dran.

  2. Die Menschheit weiss doch spätestens seit Platons Höhlengleichnis, dass keine universell gültige Realität existiert – wie soll dann ein für alle universell perfektes Foto existieren? ;) Jeder hat seine eigenen Sichtweisen, Vorlieben, Ansprüche – und das ist auch gut so. Über technische Brillanz kann man streiten, wobei es da auch nicht DAS Foto geben kann, weil auf jeder Brillanzstufe auch andere existieren. Über Aussagekraft etc. nicht – die ist von Person zu Person unterschiedlich.

  3. Hi, schöner Artikel der zum Nachdenken anregt. Was mir auf Anhieb dazu eingefallen ist und was ich mal hier hinterlassen will, ist folgendes:

    Es gibt kein Talent, Talent ist das Resultat harter Arbeit!

    Schöne Grüße aus der Mitte Deutschlands
    Michael

  4. Das perfekte Bild gibt es sowieso nicht.. Das ist aber eine Erkenntnis die man sich über Monate / Jahre hinweg aufbauen muss.. Ich mag es auch mal unperfekt zu sein, anders erträgt man es doch gar nicht, überall nur Hochglanz und alles ganz genau richtig machen..

    Keiner ist perfekt, deswegen sind meistens die unperfekten die besten / aussagekräftigsten.

    Danke für diesen Beitrag. Gefällt mir sehr gut.

  5. Wie wahr wie wahr! Ich selbst habe grosse Probleme damit, mit meinen Fotos zufrieden zu sein. Dies gelingt mir sehr selten, daher kann ich Deinen Text nur allzu gut nachvollziehen. Aber Die Messlatte weiter nach unten zu legen ist schon sehr schwierig. Trotz allem verspüre ich jeden Tag den Drang nach draussen zu gehen und Fotos zu machen.

  6. Der perfekte Fotograf macht aus jeder erdenklichen Situation – mag sie noch so mies sein – ein gutes Foto. Was ist perfekt? Die Stimmung muß einen ansprechen … darüber kann man aber stundenlang ohne befriedigendes Ergebnis philosophieren ;)

    In jeden Fall muß man lernen manchmal mit den zu Arbeiten was man hat und nicht mit dem was man gerne möchte ;)

  7. Kann ich so unterschreiben. Schöner Beitrag.
    VG Thomas

    PS: Alle (fast) “perfekten” Fotos, die ich kenne, haben andere gemacht ;)
    Ach ja: Und das meistens mit dem Equipment, welches ich gerade (noch) nicht besitze ;) ;)

  8. Stimmt schon was du schreibst.
    mMn finde ich es enorm wichtig mit den eigenen Bildern unzufrieden zu sein, sie ins Detail zu analysieren und immer wieder Dinge zu finden, die einen nicht zufrieden stellen.
    Denn genau das ist der Antrieb um besser zu werden.
    Finden wir uns mit unseren Ergebnissen ab, wird sich an den Bildern wohl auch nicht mehr viel weiterentwickeln.

    Aber man sollte sich eben auch nicht selbst runterziehen und soweit gehen das einem der Spass an der Sache vergeht.

  9. hmm. wo du recht hast hast du recht.
    ich glaube der artikel kam bei mir grade richtig. Ich war gerade malwieder in einem dieser, so nett beschriebenen, “kreativen löcher” und gerade als das loch am tiefsten schien ruft mich ein journalist einer ziemlich guten agentur an und will bilder von mir… und du schreibst diesen Artikel. Danke fürs rausziehen an euch beide!

    Ich glaube prinzipiell ist perfektionismus beim fotografieren nicht unbedingt schlecht, man muss sich nur bewusst sein dass das foto trotzdem nicht perfekt wird.

    lg,
    chris

  10. Ich habe schon ganz oft festgestellt, dass mich Bilder von anderen Fotografen oft mehr packen. Egal, ob technisch perfekt oder nicht. Und ich habe mich schon oft gefragt, woran das liegt, dass ich ein Bild so toll finde, das ich vermutlich gelöscht hätte, wenn es meines gewesen wäre. Aus qualitativen Gründen.

    Meine momentane Vermutung: Bei meinen eigenen Bildern steht mir oft das eigene “Wissen” im Weg. Ich weiß, wie viel mehr drumherum eigentlich zu sehen war, ich weiß, was vor und nach der Situation passiert ist, ich weiß, wie die Person “live” ist. Und dagegen wirken die Bilder oft unkomplett.

    All das kann ich bei Bildern von anderen wissen und das macht es mir oft einfacher, “gute” Bilder von anderen zu entdecken.

    Vielleicht sollte ich meine Bilder auch öfters einfach mal liegen lassen, so wie Du das in einem Deiner vorherigen Posts empfohlen hast.

  11. Du haust genau in die Kerbe, in der ich gerade auch bohre. Nämlich zu lernen, das Fotografieren selbst, das dabei empfundene Glücksgefühl, zu genießen – anstatt es als Wettbewerb mit sich selbst und der ganzen Welt zu sehen. Grübel schon seit 2 Wochen über das Thema nach. Da war ich nämlich bei meinen Eltern und hatte 12 Tage richtig Zeit, einfach nur zu sein, ohne Zeitnot oder Druck. Es war herrlich!

  12. Ich geb auch mal meinen Senf dazu:

    “perfekt” ist ein böses Wort. Denn eigentlich rührt das ganze aus dem Lateinischen und bedeutet ja soviel wie “vollendet”. Und “vollendet” ist ein Foto doch dann, wenn der Fotograf auf den Knopf drückt. Ab dem Zeitpunkt kann man von dem “perfekten” Bild sprechen, obwohl einem bestimmt nicht jedes Bild gleich gefällt.

    Deswegen ist perfekt ein böses Wort. Es lügt uns was vor, und jeder der behauptet, sein oder ein anderes Bild sei im Sinne von “bestes Bild überhaupt” perfekt, der lügt sich ja auch selber etwas vor.
    Ein Fotograf sollte nicht nach seinem bzw. nicht nach einem “perfekten” Bild suchen, denn, wenn es das geben würde, müssten wir nicht mehr von uns selber und von anderen lernen, wäre die Spannung vollkommen raus aus der Fotografie und hätten wir doch die Lust am Fotografieren schon längst verloren!

    Das ist mir übrigens auch bei meinen Erfahrungen mit DSLR-Fotos aufgefallen: Ich habe mich selbst dabei ertappt, wie ich einige meiner DSLR-Bilder beim Anschaun irgendwie langweilig fand. Sie waren eben alle so – zumindest technisch – “perfekt”. Und ich glaube in der heutigen Fotografie wird ein ganz wichtiges Gestaltungsmittel oft – nein – SEHR oft bis fast immer vernachlässigt. Die Bildqualität. Die meisten Fotografen ziehen es doch gar nicht in Betracht, ein qualitativ schlechtwertiges Foto zu schiessen, und das auch aus gutem Grund: Mit dem Pixel bzw. dem Bildsensor ging die Spannung an qualitativ minderwertigen Bildern verloren. Nicht ganz, aber für die Meisten fast ganz. Deswegen gibt es denke ich auch viele, die sich wieder zurück in die Analoge Welt flüchten. Ich hab irgendwie die Ehrlichkeit hinter meinen “perfekten” Bildern vermisst.

    Habt ihr irgendwelche Gegenbeispiele zu meiner These? Kennt jemand einen Fotografen, der sich mit dem Gestaltungsmittel “Schlechte Bildqualität” im digitalen Bereich auseinandergesetzt hat?

    Das würde mich mal sehr interessieren.

    Viele Grüße aus Augsburg,
    Jonas

  13. Ein wirklich toller Artikel! Mir gefällt die Sichtweise überaus und bin auch der Meinung, dass man die Messlatte ruhig einmal etwas absenken kann. Für einen persönlich.

    Was mir bei dem Begriff “perfekt” so in den Sinn kommt…

    Zum einen, was ist Perfektion?! Zum anderen bin ich der Meinung, dass der Mensch gar nicht weiß, was Perfektion ist. Ist man nicht IMMER unzufrieden bzw. hätte es nicht immer noch einen Hauch besser sein gekonnt?!

    Ich selbst ertappe mich oft dabei (gern nennt man mich auch mal Perfektionist), dass ich irgendetwas immer noch besser haben oder machen möchte. Eine Unsitte ist das!

    Also Martin, danke für deinen Artikel, ich werd es mir auch zu Herzen nehmen!

    Viele liebe Grüße

    Sven

  14. Jo. Und meine Messlatte liegt zur Zeit auf dem Mond. (Wobei es mir auch mit Arbeiten von anderen so geht: 3 Seiten meiner Contacts’ Uploads durchgeblättert und der vorherrschende Gedanke war “laaaangweilig”.)
    Grausam.

    oh, und Jonas: spannender Gedanke. Fällt mir nämlich auch nichts zu ein. Aus dem Videobereich ja, aber Fotografie?

  15. ich gebe dir vollkommen Recht, dass es nicht immer gut ist sich Druck zu machen, denn das bringt nichts.
    Als Mediengestalterin werde ich oft mit so einer Situation konfrontiert. Im Beruf kann man ja nicht sagen.: das ist nicht mein Tag heute …

    Kreativität lässt sich nicht erzwingen, aber man kann sie trainieren. Jeder muss für sich herausfinden, was die richtige Methode ist.
    Bei mir ist es so, wenn ich keine Ideen habe, dann beschäftige ich mich für eine gewisse Zeit mit anderen Dingen und dann versuche ich wieder die alte Aufgabe zu meistern
    und es funktioniert. Bei einem Foto-Shooting ist es natürlich nicht möglich, aber für einen Anfänger sicher ein guter Ansatz, denn man betrachtet die Dinge
    an verschiedenen Zeiten ganz unterschiedlich.

    Das Problem ist, dass wir (die modernen Fotografen) mit VIELEN SCHLECHTEN Fotos zu kämpfen haben, und warum?
    Weil wir erst lernen müssen die Möglichkeiten der digitalen Fotografie RICHTIG zu nutzen. Mir ist bewusst geworden, dass es nichts bringt, wenn ich
    eine Blume hundert mal fotografiere. Es entsteht keine Beziehung, es ist nur mehr ein Objekt, das abgelichtet wird. Man wird bequem, schaltet ab und denkt sich: irgendein Foto wird schon gut sein.
    Bei der analogen Fotografie konnte/musste man sich Zeit nehmen. Wer nur eine analoge Kamera besitzt, kann ja trotzdem eine Übung machen: nimmt euch einfach vor, dass ihr für ein bestimmtes Motiv nur ein mal den Knopf drücken dürft. Versucht es einfach mal, aber belügt euch nicht selbst ;o) Dann geht nach Hause, bearbeitet es am Computer und lasst es dann drucken. In einem Interview hat ein Fotograf gesagt, dass man die eigenen Fotos erst dann richtig beurteilen kann, wenn man es in der Hand hält …
    Lasst das Foto auf euch wirken und wenn ihr unzufrieden seid, dann geht wieder an denselben Ort und dasselbe Spiel.

    Vielleicht ist es nicht schlecht, wenn ein Anfänger sich auch mit einer analogen Kamera beschäftigt, denn so bekommt man ein Gefühl für den richtigen Moment.
    Der Alltag bringt ja schon so viel Stress mit sich. Und dann überträgt man das auf die Fotografie. Vielleicht sollte man bewusster an die Fotografie ran gehen?

  16. Ich stelle fest: Bilder die von mir sind und mir nicht gefallen, würden mir gefallen wenn sie nicht von mir wären. Das klingt vielleicht komisch, ist aber so.

    An meinen eigenen Bildern fallen mir “Fehler” oder vielmehr “Unperfektheiten” viel mehr auf, als bei anderen – oder erst, wenn ich ein Bild sehr genau analysiere. Daran musste ich mich gewöhnen, inzwischen komme ich damit ganz gut klar und kann meine Arbeit auch mit ein wenig Abstand betrachten.

    Und “Perfekt” gibt es sowieso nicht.

  17. Wieder einmal ein spannender Aspekt, den Martin hier aufwirft. Ja, das ist so eine Sache mit der Perfektion. Wer engagiert fotografiert, wird nach “Perfektion” streben. Und das im Grunde auch gar nicht verkehrt, wenn es bedeutet an sich, an seinem Stil, an seinem Können zu Arbeiten.

    Die Frage, wann ein Bild perfekt ist, kann wohl niemend beantworten, da es ein perfektes Bild wohl auch kaum gibt, da ein jedes Bild immer auch durch den Betrachter erst seine Wirkung entfaltet – wie dieser das gezeigte interpretiert, was es in ihm hervorruft. Und das kann ganz etwas anderes sein, als der Fotograf darin sah …

    Ich denke, dass in der digitalen Zeit der Wunsch nach Perfektion deutlich zugenommen hat. Dank immer besserer Sensoren, weniger Bildrauschen, HDR-Technik. Mit der Folge, dass viele Bilder “digital” aussehen – ohne Leben, ohne Ecken und Kanten. Viele Bilder, die auf Anhieb “perfekt” wirken, mögen es im technischen Sinne vielleicht sein, aber sind sie es auch im, ich sage mal, “Emotionalen”?

    Ich ertappe mich dabei, Fotos, die zu glatt sind, schnell als langweilig anzusehen. Grobes, rauschendes, körniges fasziniert mich oft mehr.

    Sehr interessant finde ich Jonas Einwurf mit dem Gedanken zum Gestaltungsmittel “Schlechte Bildqualität”.

    Im letzten Jahr habe ich mir eine Diana Mini angeschafft und damit wieder etwas analog fotografiert. Mich faszinierte die “schlechte Bildqualität”. Und der Charme, der den Bildern anhängt, der vielfach größer ist, als bei jedem Digitalbild.

    Und (@Jonas), ich habe im S/W-Bereich auch schon den Holga-Look imitiert, Filmkorn simuliert und so die “schlechte Bildqualität” als Stilmittel eingesetzt. Wie wohl manch anderer auch.

    Am Ende ist es auf dem Weg zum “perfekten” Bild auch die Frage, ob eher technische Perfektion oder das Gestaltungsmittel “Schlechte Bildqualität” ein Bild “perfekt” machen.

  18. kann den artikel absolut unterschreiben. meine meinung. wobei ich dazu sagen muss, dass perfektion für mich auf den aller hintersten reihen meiner checkliste steht. oft sind es gerade die mängel die ich an fotos mag. durch die mängel entstehen fotos, die uns eine sichtweise zeigen, auf die wir nie gekommen wären, wenn wir alles richtig gemacht hätten

  19. @Martin Hülle
    Mir gefallen auch oft Fotos die garnicht so eine “perfekte” Bildqualität haben. Es heißt aber nicht dass ein Bild gut ist, nur weil es schlecht ist – ich hoffe ihr wisst was ich meine ;o)

    Vor allem faszinieren mich alte s/w Bilder. Einfach toll!
    Man sieht sich so ein Bild an und taucht in eine andere Welt hinein. Oder Fotoreportagen, die sind meist auch nicht perfekt, aber das macht sie so lebendig.

    Aber jeder hat eine andere Vorstellung von einem guten Bild. Es ist wie in der Kunst, es gibt so viele verschiedene Richtungen. Manche Künstler achten auf realistische Darstellung und andere gestalten ihre Bilder abstrakter.

    Als Betrachter sollte man auf jedenfall einen großen Umfang von Eindrücken zulassen. Warum sollte man sich nur auf eine Sichtweise beschränken. Das wäre doch schade.

  20. Ich hatte das Stichwort Holga/Lomo/Polaroid auch schon in meinem Kommentar, hab es dann aber wieder rausgeworfen.

    @MartinHülle: Ich denke wir sind uns in diesem “Langweiler”-Aspekt sehr ähnlich. Ich habe ohne Witz schon Handyfotos gesehen, die mich künstlerisch so begeistert haben, während ich meine eigenen Bilder einfach nur als “langweilig” und “gleichgültig” empfand.
    Deinen digitalen Imitierungen der Holga sieht man einfach die “Digitalität” an, wobei ich schon sagen muss, dass das Bild der JVA sehr nahe rankommt. Daumen hoch!

    Als ich dieses Jahr in Edinburgh war, bin ich an einem Lomografie-Laden vorbeigekommen.
    Das hat mich alles so in den Bann gezogen, teilweise steckt so eine tiefe in den Bildern, ich wollte mir am liebsten auch gleich eine Lomo dort kaufen, leider hat das Reisebudget dazu nicht ausgereicht ;) Aber wenigstens ein Souvenir konnte ich mitnehmen, das, wie ich finde, nicht nur auf den ersten Blick ganz gut gelungen ist: http://jonez.carbonmade.com/projects/2462000

  21. Ich finde es garnicht schlecht sich die Messlatte hoch zu halten, denn dann entsteht erst der Wille zur Arbeit. Und durch Arbeit sammelt man Erfahrung, Erfahrung welche mit der Zeit zum Talent wird, das Talent bringt dann wieder die Messlatte höher… und alles beginnt wieder von vorn.

    Wenn ich “schlechte” Bilder mache, dann fehlt mir der Wille, man findet überall tolle Motive und Möglichkeiten – wenn es dann an einem Tag nichts wird, hat man die falsche Herangehensweise im Kopf gehabt. Mir geht es auch oft so: ich sehe das Bild vor meinem gestigen Auge und fixiere mich dann dahingehend, wenn es nicht so wird, ärgere ich mich und versuche es beim nächsten Mal besser zu machen. Das ist Wille, Arbeit und Fleiß – und irgendwann kommt ein für mich perfektes Foto dabei rum. ;)

  22. “Wim Wenders hat einmal zu seiner Frau Donata gesagt, dass sie nicht gleich gute Ergebnisse bräuchte, um ein Talent für etwas zu haben.”

    Das macht Mut :) Sehr schöner Artikel.

    Ich finde auch, dass es nicht immer auf die Bildtechnik und das perfekte Drumherum ankommt. Es ist natürlich v.a. die Aussage wichtig und da kann auch schon mal ein technisch fehlerhaftes Bild meine Aufmerksamkeit erharschen oder mich auf irgendeine Weise berühren.

  23. @Michael: Sorry, aber da kann ich Dir leider nicht zustimmen. Vielmehr gilt aus meiner Sicht das genaue Gegenteil: Es gibt so viele Menschen, die echtes Talent haben, aber nichts draus machen. Das ist es nämlich: Talent allein reicht nicht, man muss auch hart arbeiten, um aus dem Talent etwas zu machen! Aber harte Arbeit ohne Talent wird nie soweit führen wie harte Arbeit mit Talent!

  24. Amen sag ich dazu.
    Ich habe immer auf “das Perfekte Kinderfoto” meiner Kinder gewartet und war nie so ganz zufrieden. Dein Eintrag von vorgestern hat mir sehr geholfen. Dass auch ein Profi teilweise noch leichte Unschärfe, einen nicht ganz perfekten Hintergrund o.ä. hat. Ich hatte diese Familienbilder im “Bilderdatenbankstil” als innere Messlatte, aber wie hier schon mehrfach geschrieben wurde, einem perfekten Bild fehlt oft das Lebent.

  25. Blogartikel dazu: Tweets die Nicht ganz so glatt: Warum wir lernen müssen, mit nicht perfekten Fotos zu arbeiten | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel erwähnt -- Topsy.com

  26. einen hohen anspruch haben, das ist ok…. den habe ich auch. aber den begriff “perfekt” finde ich in bezug zur fotografie, wie ich sie verstehe, einfach unpassend. was soll das sein: “perfekt”? und selbst, wenn wir eine perfekte definition dieses ominösen begriffs hätten und dies auf ein bild anwenden könnten – was kommt danach? können wir dann die kamera verkaufen?
    ich spreche eher von annäherung – an das gute bild. manchmal kommt man näher “ran, manchmal geht’s daneben. aber das macht es ja spannend, immer wieder aufs neue.

  27. Hey,
    ich finde den Artikel echt gut. Ich merke oft, wie ich mich selbst unter Druck setze gute (perfekte?) Fotos zu schießen, weil ich mich mit den ‘Großen’ vergleiche. Dabei fotografier ich erst seit ein paar Wochen… Der Artikel hat mir geholfen, mich einfach an meinen Fotos zu freuen, auch wenn sie noch nicht so aussehen, wie ich das gern hätte.

  28. Sehr schön zu lesen der Artikel. Hat für mich einen hohen Wiedererkennungswert. Durch das ganze Technik Hin- und Her, die dauernd überall angepriesenen neuen, noch besseren Objektive oder die topaktuellen Kamerabodys und Zubehör en Masse wird einem wirklich ein gewisser Druck vermittelt. Man setzt sich selber unter Erfolgsdruck, misst sich mit anderen Ergebnissen und erhöht so für sich selber den Leistungsdruck und die Frustration. Man sieht oft online mutmaßlich perfekte und arrangierte Fotos und versucht da heran zu kommen. So kann man sich auch selbst den Spaß am Hobby verderben, wenn man sich ständig mit Profis vergleicht oder die Meßlatte an Top-Fotografien auf Webseiten von Vollzeitprofis anlegt. Einfach mal lockerer sehen und trotzdem motiviert an der Verbesserung der Ergebnisse arbeiten. Wie z.b. mal ein kleines Freundschaftsspiel zwischendrin den Spaß am Sport erhält ;-) Danke für das (Mit-) Teilen der Gedanken !

  29. >“We all spend a lot of time being impressed by folks we’ve never met. And we spend even mor time trying to keep up with them… Your idea doesn’t have to be big. It just has to be yours.” Hugh MacLeod, Ignore Everybody*<

    Für mich privat absolut korrekt.
    Offiziell ist man aber schon eingeschränkter, da sollte man sich auch ein wenig nach dem Geschmack der "User" richten…

  30. Jup! Ich stimme Dir zu! Bei jedem abdrücken hoffe ich auf DAS BILD!!! Vorallem in der Musik fällt mir’s auf! Der Druck, das Verlangen an Perfektion nimmt immer zu und zu und zu! Bis man kein Bock mehr hat daran weiter zu machen!!!!! Aber ich habe mir für diese Jahr vorgenommen, erstmals Spaß zu haben an allem was ich tue und dann die Perfektion anzustreben! Nun ja, mann kann viel reden die Realität ist immer anderst! Toller Artikel! gruß cagi

  31. wiedermal hast du recht .. man macht sich selbst oft einen extremem druck der dann auch oft auf andere die z.B.: beim shooting dabei sind übergeht .. und das ist weder für den spaßfaktor noch für das bild und schon gar nicht für den photografen gut ..

  32. Blogartikel dazu: Fotografie ist Muße. Wenn man es zulässt. | birgitengelhardt.de

  33. Danke für den super Artikel und #cagis Worte werde ich im Gedächtnis behalten. Nicht perfekte Bilder ist das Wesentliche an der Fotografie sondern der SPASS daran. Leute schreibt euch das auf die Fahnen, ich tue es auf jeden Fall.
    Danke dafür!

  34. Vielleicht mußtest Du diesen Artikel schreiben, weil ihr immer so perfekt sein wollt? Alles soll immer gestylt und super sein. Warum?
    Dabei vergeßt ihr den Blick auf die Umwelt, auf andere Menschen, die nicht so gestylt umher laufen, auf die, die gehetzt zur Arbeit rennen, auf die, die keine haben und umher lungern oder laufen…..und, und, und…..
    Einfach raus in die Umwelt und die Augen und die Ohren aufmachen. Und sich an was erinneren, was ihr als Kinder hattet, das Gefühl für das “Hier und Jetzt”.
    Schönen Gruß Dir

  35. Blogartikel dazu: Fotografie ist Muße. Wenn man es zulässt. | birgitengelhardt.de