Kwerfeldein
04. Februar 2009 Lesezeit ~ 2 Minuten

Fotografieren und das Web – eine spannende Angelegenheit

Heute möchte ich mal ein Thema anschneiden, welches mich schon eine Weile beschäftigt. Da ich kein Freund von schnellen Diagnosen und unüberlegten Verallgemeinerungen bin, habe ich ein paar Monate gewartet und immer wieder darüber nachgedacht. Was ich mit diesem Post möchte, ist zum Nachdenken anregen.

Worüber ich nachdenke ist das:

Die Spannung zwischen

a) dem ganzen Webzeug. Blogs, Feeds, Videos – was uns Informationen und Hilfe zur Fotografie gibt und
b) dem Fotografieren selbst. Dem “vor Ort” sein, abdrücken, komponieren und bearbeiten.

In dieser Spannung stehen wir alle. Der eine mehr, der andere weniger. Denn der Rechner und das liebe Web sind ein Teil unseres Lebens geworden und das ist auch gut so. So wären Projekte wie das hier gar nicht möglich. Das hat eben viele Vorzüge: Wir bekommen umsonst Tipps, Tricks und allerhand Neuigkeiten über (nicht nur) die Fotografie ins Haus.

Doch das alleine reicht nicht. Wir können die geilsten Blogs abonnieren, die derbsten Videos mit den krassesten Profis schauen – wenn wir es nicht schaffen, selbst zu fotografieren, ist dat Janze ziehmlich, naja, hohl und aufgeblasen. Dann verlieren wir den Bezug zur Sache, die uns einst so leidenschaftlich gemacht hat.

Kurzum: Fotografieren ohne Praxis ist kein Fotografieren.

Und ich kenn das ja zu gut von mir. “Nächste Woche gehts auch noch, ist grad so schön gemütlich hier vorm Rechner.” Ja, genau, nächste Woche. *Augenzwinker. Bei mir ist das so: Nächste Woche = Gar nicht.

Aber sollen wir deshalb das liebe Internet kündigen, uns mit der Kamera aufm Baumhaus im Dschungel einschliessen und zu Fotonerds mutiern? Äh. Nein ;)

Wär ja auch Bullshit (sorry hier passt kein anderes Wort). Da würden wir nur von anderen Seite vom Gaul fallen. Über das Web kann man so viele Sachen lernen – und darum geht’s auch hier auf kwerfeldein.de. Die “goldene Mitte” finden, das ist die Aufgabe dabei. Und das muss jeder für sich entscheiden. Denn jeder kann ja den Schwerpunkt dahin legen, wo er möchte.

Wichtig ist, dass wir uns dabei der Spannung bewusst sind.

Wer schneller besser werden möchte, dem möchte ich dennoch den Tipp geben, seine Priorität zu einem Grossteil auf das Fotografieren zu legen. Denn ich bin der Meinung, dass wir beim Fotografieren erst richtig aufgehen, uns entfalten und unser Talent zum Aufbruch bringen. Wir können die Tipps zur Inspiration nutzen, aber wenn wir uns wünschen, geile Fotos zu machen, dann sollte auch eine Aktion folgen.

Wie geht es Euch damit? Habe ich einen wichtigen Punkt vergessen? Habt Ihr manchmal Schwierigkeiten, Euch vom Rechner wegzubewegen? Erzählt!


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21 Kommentare

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  1. Martin, du triffst mal wieder den Nagel auf den Kopf. Ich finde auch das die Symbiose aus Fotografie und sozialen Netzen wichtig sind. Ich habe vor zwei Monaten ebenfalls einen Blog zum Thema Fotografie begonnen, weil mir diese Flut an kostenlosen und nützlichen Informationen schon recht viel bei der Entwicklung meiner fotografischen Fähigkeiten geholfen hat und ich etwas an Andere zurückgeben möchte.
    Priorität hat aber nach wie vor die Fotografie und der Blog steht hinten an. Fotoaktionen verschiebe ich nie, habe das einmal gemacht. Ich wollte einen wunderschönen Viadukt fotografieren und habe das vor mir her geschoben. Zwei Wochen später wurde er gesprengt und ist für immer verloren…

  2. Schätze die mehrheit der Lesern von Fotoblogs (und was es sonst noch so gibt) könnte man als “Webfotografen” bezeichnen.
    Sie besitzen eine Kammera, verbringen aber mehr Zeit im Netz und informieren sich über Trends, Tipps und weitere Möglichkeiten wie man noch besser wird.

    Und um ehrlich zu sein, gerade jetzt in den Wintermonaten gehts mir auch so. Die Sonne schaut nur kurz während der Arbeitszeit vorbei und in der eigenen Freizeit ist es meist wieder dunkel. Da ist es irgendwie verständlich das man nicht noch unterwegs ist um im dunkeln Fotos zu machen.

    Zudem, ich beneide Menschen die sich ihr ganzes Leben, oder auch nur einen Abschnitt davon, einem einzigen Thema verschreiben können.
    Jedoch hat man heute meistens mehrere Interessen und muss so den Spagat zwischen Turnverein und Fotosafari finden.

  3. Hach du hast ja so recht.
    Okay ich hab den Vorteil im Job echt viel ins Netz zu können. Das nutz ich auch, denn fotografieren geht dann eh nicht.
    Aber grad die letzten Monate ist das Fotografieren an sich arg in den Hintergrund gerutscht. Manchmal hatte ich einfach keine Lust rauszugehen – ohne Idee im Kopf und wild drauf los zu schiessen. Projekte die mir so vorschweben waren mangels dem richtigen Wetterchen oder aber mangels Modell nicht umsetzbar.Aber so langsam sollte ich wieder in die Gänge kommen. Muss ich – Samstag geht es auf eine Hochzeit. Ich hoff ich hab es nicht verlernt. Und ich hoff danach geht es wieder aufwärts.

  4. Ja das kenne ich auch, man findet immer eine Entschuldigung es eben nicht gerade heute sondern morgen zu fotografieren. Und dann wird aus morgen übernächste Woche. Ja das kennen wir alles, und manchmal bin ich dann mit mir selbst wütend dass ich es dann doch nicht getan habe. Aber zuhause ist es immer so schön trocken und warm. Ich habe auch schon dadurch ein paar einmalige Gelegenheiten verpasst… leider.

  5. Ein schwieriges Thema und das obwohl die Sache ja eigentlich klar sein sollte. Natürlich sollte man seine Prioritäten auf die Fotografie selbst legen, aber wem ist es nicht schon selbst passiert, da setzt man sich noch mal kurz vor den PC (um nur noch schnell die Emails zu checken) und schon sind wieder ein paar Stunden ins Land gegangen.
    Und so habe ich leider sogar schon so manchen schönen Tag zum Fotografieren an mir vorbeiziehen lassen und das nur, weil ich mal wieder vorm PC versackt bin.
    Die Fotografie im Internet dient als wunderbare Inspirationsquelle und bietet viele nützliche Tipps und Tricks wie man die eine oder andere Situation meistern kann, nur sollte man auch fotografieren gehen, ansonsten nützt einem das Wissen überhaupt nichts ;)

  6. Wie schon im vorigen Beitrag gesagt – du triffst wieder ins Schwarze.

    Ich für meinen Teil bin mir noch nicht ganz schlüssig, wo ich meine Prioritäten falsch setzte – doch wenn ich so darüber nachdenke, kommt bei mir auf jeden Fall das Fotografieren selber sehr zu kurz.

    Ich lese viel im Net und dank solcher tollen Blogs (wie auch dieser hier) bekommst du Input ohne Ende (auf hohem Stand!) Das alles Freihaus / und jeden Tag … Aber ich schätze auch dies ist ein Grund – warum ich mit dem Fotografieren an sich das Ganze nicht verbinden kann. Es gibt viele Interessen von mir und mein Schwerpunkt bleibt dann immer neue Techniken in der Berarbeitung zu testen oder zu probieren – dadurch, das aber jeden Tag (oder alle paar Tage) was Neues dazu kommt, verliere ich oft den Überblick was ich eigentlich bezwecken möchte bzw. was eigentlich meine eigenen Interessen sind.

    Auch wenn ich mir oft andere Portfolios ansehe und die überwältigende Kreativität dieser Leute bewundere, komme ich mir oft als einfallsloser Jemand vor – ich finde keine eigenen Ideen mehr.

    Zur Zeit steh ich etwas im Zwiespalt mit mir selber und bin daran einen anderen Weg einzuschlagen – weil das eigentliche (das Fotografieren und meine eigene Kreativität) am Boden bleiben. Das Net ist zweifelsohne eine tolle Geschichte und für Netzwerke diesesgleichen einfach wunderbar – aber eben den Überblick behalten und seine eigene Krativität dadurch nicht unnötig bremsen!

    Ich für meinen Teil muss zumindest einen neue Balance schaffen bzw. finden … weil mich die Informationsflut manchmal erschlägt und ich es aber trotzdem nicht schaffe all die tollen Infos nicht zu lesen … die Sucht ist ein Luder!!!

  7. Genau darüber hab ich auch in letzter Zeit nachgedacht und mein heutiger Blogpost handelt irgendwie davon:

    Ich hab nämlich beschlossen, mehr mit anderen Blogs zu interagieren und nicht nur einfache Fotos zu zeigen, obwohl ich denke, dass die meisten meiner Bilder sowieso gar nicht so einfach anzuschauen sind.

    Ich hab mir vorgenommen, bestimmte Themen mehr zu behandeln, so will ich z.B. jeden Freitag meine philosophischen Ansichten über meine Bilder (wie bisher) schreiben, dann einen ‘wordless wednesday’ (Die Idee ist von DrCason.org) und jeden Montag will ich eigene Erfahrungen und Anfängerhilfen aus der Dunkelkammer posten, nachdem ich da jetzt auch langsam Fuß fasse. Das ist dann eigener Content, der nicht nur nett anzuschauen ist, mit dem sich die Leute also auch beschäftigen können, wenn sie wollen. Zwar glaube ich nicht, dass noch allzuviele Leute analog arbeiten wollen/können, aber für ein paar Anfänger kann ich vielleicht hilfreich sein.

    So will ich das Web besser und vor allem produktiver Nutzen und verliere gleichzeitig nicht den Fokus auf die Fotografie.

    Und noch ein Webtipp: Das SmashingMagazine hatte gestern einen Artikel mit “8 Usefull Tips

  8. Theorie und Praxis in einen gesunden Einklang zu bringen ist nicht immer einfach.
    Ich bin eher von der praktischen Seite und tue mich schwer mit Tipps und Tricks, diese in Worte fassen und zu bloggen. Ich zeige gern meine Bilder und erzähle auch gern, was mich zu welchem Bild bewegt hat oder ich erzähle Geschichten.
    Ab und zu erzähle ich in meiner Rubrik “Backstage” wie ein Bild enstanden ist und/oder was mich persönlich bewegt und wie meine Herangehensweise ist.
    Ich fühle mich nicht in der Position anderen über Tricks und Tipps in einer reinen Theoretischen Form zu informieren – ich bin eher ein Macher und versuche die Theorie umzusetzen. Dabei hast du mir im letzte Jahr sehr geholfen, danke für deine guten Artikel, deine leichte Lesbarkeit und vorallem aber für dein Enthusiasmus dem globalen Thema gegenüber.

  9. Die ganze Sache ist doch, bei den meisten, nur ein Hobby und damit Zeitvertreib. Jeder Einzelne hat persönliche Vorlieben und wird da seine Prioritäten setzen wie es ihm gerade am meisten Spaß macht.
    Ich selber sitze im Winter natürlich länger vor dem PC. Im Sommer dagegen mache ich das Ding manchmal tagelang garnicht oder nur zum Check meiner E-Mails an.
    Letztendlich sollte sich, meiner Meinung nach, keiner ein schlechtes Gewissen einreden weil er bei 2 Wochen Regen kein einziges Foto geschossen hat. Dafür hat er dann eben mehr über sein liebstes Hobby gelesen und auch ne Menge dazugelernt. Also, immer locker bleiben und sich nicht selbst unter Stress setzen ;-)

  10. Das denke ich auch. Es gibt Zeiten, da sitzt man mehr vor dem Rechner und es gibt Zeiten, da guckt man mehr durch die Linse. Aber wieder du schon sagst Martin, man muss die “goldene Mitte” finden. Nur vor dem Rechner hocken macht noch kein gutes Foto und wenn man sich nicht weiterbildet, durchs Internet und nicht die Bücher vergessen, kommt man mit seinem Können vielleicht irgendwann nicht weiter.

    Ich selber würde mir aber den Rat geben, mehr zu fotografieren und weniger vor dem Rechner zu hängen.

  11. mein freier beruf fesselt mich zu 60% an den rechner, den rest der zeit sollte ich in meinem kreativ-studio sitzen oder mit der kamera unterwegs sein. leider ist das einfach nicht drin. warum? ich finde noch keinen guten mittelweg zwischen pc und kreativ sein, in welchem sinn auch immer. gerade die tatsache, dass man die bilder am pc bearbeiten *muss*, verlängert die pc-zeit extrem. leider… wenn also irgendjemand tipps hat- ich nehm sie gern entgegen ;o)

  12. kann nur sagen: genau ins schwarze getroffen… ich lese auch unheimlich gern blogs, durchstöbere portfolios und schaue videos. aber nach einer weile fällt mir auf, dass ich selber einfach weniger fotos mache und mit der kamera experimentiere. gerade ich jetzt als anfänger müsste das verhältnis von *vorm rechner sitzen und fotos anschauen* zu *fotos selber machen* eindeutig umkehren. wie du schon sagst: “fotografieren ohne praxis ist kein fotografieren”
    aber ich werde mir deinen post und meinen kommentar gleich als tritt in den hintern nehmen und losziehen…

  13. ich habe da so eine taste an meinem pc. da stehen drei große buchstaben drann. AUS. lässt sich irgendwie immer schwerer betätigen diese taste. schuld daran sind all diese martin gommels da drausen.
    dabei liegt sie gleich neben der tastatur, meine kamera. schaut mich traurig an mit ihrem tiefschwarzem 50 mm auge. will das ich ihr die welt zeige. möchte masiert werden an ihrer großen dunklen griffwulst. will mit ihren lammellen blinzeln das die funken fliegen.
    ok martin. du hast mir mal wieder die augen geöffnet. danke für dein blog und für die zeit die du darin investierst.

  14. Also diesen Winter hatts mich wirklich kalt erwischt – ich saß wirklich die meiste Zeit vorm Rechner, anstatt mit dem LINKEN Auge durch den Sucher zu kucken. Allerdings merke ich täglich (es wird Frühling!!!) dass es mich wieder mehr nach draussen zieht – mache mir daher mehr sorgen die Netz-Kontakte eher zu vernachlässigen.

    Ein sehr gutes Thema, diese Balance zu finden. Das Schöne daran ist, dass es mit zur Selbstdisziplin eines Fotografen/Fotografierenden gehört, so etwas einzuschätzen, zu sehen und in die richtige Richtung zu lenken – man hat es selbst in der Hand und das finde ich großartig ;o)

  15. Hallo Martin,
    du hast wirklich eine gute Anregung hier!

    Ich arbeite beruflich viel mit dem Rechner und komme in
    Pausen dazu, mal im Web zu lesen. Sicher ist da der innere
    Schweinehund, der einen im Warmen laesst.
    Aber vor einigen Wochen, als hier der viele Schnee fiel, war
    total geniales Wetter (viel Schnee, strahlend blauer Himmel).
    Da ich wusste, das es abends, wenn ich Feierabend habe, dunkel
    ist, habe ich die Kamera mitgenommen und bin in der
    Mittagspause los und habe Bilder gemacht.
    Es war eine total inspirierende Stimmung, es war einfach
    genial, die Bilder haben mir persoenlich seit langem mal
    wieder sehr gefallen.
    (http://www.marcsmac.de/galery/Winter2009/index.html)

    Das zeigt zumindest mir, dass es sich total lohnt, den
    inneren Schweinehund zu ueberlisten, so viel Spass hatte
    ich beim fotografieren lange nicht, und dass, obwohl mir fast
    die Finger abgefroren sind! So viel Spass hatte ich lange
    nicht mehr!

    Ansonsten wuerd ich mich auch sehr freuen, wenn ich nicht
    immer allein losziehen muss. Jemand, der einen mal zum
    Fotografieren motiviert und den man selbst motivieren kann,
    das waer Klasse. Leider gibt es hier in Aachen nicht soo
    viele Fotografen (oder ich kenne sie nicht …)

    Ein schoenes Wochenende,
    Marc

  16. Schöner Artikel. Ich kann das gesagte gut nachvollziehen. Ich verfolge viele Fotoblogs und genieße das auch. Es gehört für mich mit dazu. Das eigentliche Fotografieren sollte natürlich nicht zu kurz kommen, eher im Gegenteil und die Hauptsache sein. Verhindert wird das momentan bei mir eher dadurch, dass ich im dunkeln gehe und im dunkeln wieder heim komme. Aber das ändert sich ja nun zum Glück.
    Marc hat auch noch etwas wichtiges angesprochen: Es fehlt jemand, mit dem man öfter völlig zwanglos und spontan nur zum Fotografieren losziehen kann. Da würde ich mir öfter mal jemanden herwünschen.

  17. Sehr schöner Artikel. Mir geht es auch manchmal so, dass ich lieber am Computer sitze als fotografieren zu gehen. Gerade im Winter wenn es so kalt ist. Aber ich musste schon feststellen das mich das nicht weiterbringt.
    Ich wäre auch froh wenn ich jemanden kennen würde aus meiner Umgebung, der sich auch so sehr für das fotografieren interessiert wie ich. Dann wäre das Fotografieren noch ein bisschen interessanter.

  18. Blogartikel dazu: Alte Fotografie-Sachbücher