Kwerfeldein
28. Februar 2008 Lesezeit ~ 3 Minuten

Ansel Adams, Fotograf : Das Negativ

Ansel Adams war ein Fotograf, welcher die Fotografie seiner Zeit geprägt hat wie kein Anderer. Auch für mich ist Ansel Adams einer der bedeutentsten Fotografen, wenn nicht der bedeutentste Fotograf der Landschaftsfotografie überhaupt.

Ansel Adams

In den letzten Wochen habe ich immer mal wieder Adams’ Bilder bestaunt und bin dadurch auch auf die Biografie des Fotografen bei Wikipedia gestossen. Dort fand ich einen inspirierenden Abschnitt seines Lebens hervorgehoben, welchen ich Euch kurz vorstellen möchte :

Das bedeutet aber nicht, dass er Manipulationen in der Dunkelkammer ablehnte. Das Negativ war für ihn nur eine Zwischenstufe auf dem Weg zu dem in seinem Kopf bereits fertig existierenden Bild – nur musste diese Zwischenstufe höchsten Ansprüchen genügen, damit er am Ende im fertigen Abzug genau seine Vorstellung realisieren konnte. In Anlehnung an die Musik fasste er das Negativ als Partitur auf, doch erst der Abzug (Print) war die Interpretation und das vollendete Werk.

Interessant, oder ?

In diesem kurzen Text über Ansel Adams’ Auffassung und Einstellung zum Negativ finde ich schon fast unheimlich viele Parallelen zur heutigen Fotografie und dem Umgang mit Raw-Dateien.

Allein das Negativ als eine “Zwischenstufe” zum “fertig existierenden Bild” anzusehen entspricht der Arbeitsweise der meisten Berufs- und auch Hobbyfotografen. Doch so deutlich und klar in einem Satz ausgesprochen war das für mich noch nie – und gerade deshalb finde ich ihn so interessant.

Gerade in Zusammenhang mit dem nächsten Satz über Ansel Adams fühle ich mich neu ermuntert, noch intensiver beim Fotografiern auf die technischen Aspekte des Bildes zu achten : “…nur musste diese Zwischenstufe höchsten Ansprüchen genügen, damit er am Ende im fertigen Abzug genau seine Vorstellung realisieren konnte.”

Die Einstellung von Belichtungszeit und Blende haben eine unwarscheinlich grosse Auswirkung auf so viele Faktoren des Bildes, schon bevor es in ein Jpeg umgewandelt wird. Dieser Prozess, das eigentliche “Fotografieren” schafft die Grundvorraussetzung für das Gelingen des Bildes. Ist dieses Bild optimal, wird es im Nachheinein einfacher sein, das Beste aus der Raw-Datei herauszuholen.


“In Anlehnung an die Musik fasste er das Negativ als Partitur auf, doch erst der Abzug (Print) war die Interpretation und das vollendete Werk.”

Die “Interpretation” – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen ! Derjenige, der eine Rawdatei mehrmals nacheinander unterschiedlich bearbeitet hat, weiss, was hier mit Interpretation gemeint ist. Wie viele Möglichkeiten es gibt, ein Bild zu “interpretieren” ! Die Bildoptimierung ist ein ganz eigener, spezieller Schaffensprozess, welcher zu Adams’ Zeiten in der Dunkelkammer und heutzutage am Rechner geschieht.

In Ansel Adams Leben habe ich noch einige passende, inspirierende und relevante Momente gefunden – vielleicht werde ich noch einmal darüber berichten.

Zum Schluss noch ein paar Links welche ich Dir, falls Dich das Leben und Wirken Adams’ neugierig gemacht hat empfehlen möchte :

Webseiten, Artikel

Videos

Bücher

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9 Kommentare

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  1. Ja das ist in der Tat ein sehr interessantes Zitat. Habe auch mal gelesen, dass Leute, die die Orte besucht haben von denen Adams Fotografien gemacht hat, ganz enttäuscht darüber waren wie diese Orte in der Wirklichkeit wirkten … nämlich ganz und gar nicht so beeindruckend wie auf Adams Fotos.

  2. Ich finde es sehr enttäuschend, wenn ich an einen Ort komme, der mir vorher auf einem “manipulierten” Foto schmackhaft gemacht wurde, und der dann relativ unspektakulär daher kommt.

    Ich bin stolz darauf, wenn mir Leute aufgrund meiner Fotos sagen, dass sie gerne mal auf die britischen Inseln oder nach Irland fahren wollen, weil ihnen meine Fotos gefallen. Denn die sind nicht manipuliert. Ich mache mir vor Ort sehr viele Gedanken darüber, wie ich den Ort optimal darstellen kann. Und nicht, wie der Ort nach meinen Vorstellungen auszusehen hätte.

    Ausserdem benötigt man für den RAW-Workflow nur wenige Minuten pro Bild, wenn man vor Ort alles richtig gemacht hat :)

  3. Nicht vergessen sollte man, das nicht nur die Einstellung von Blende und Zeit die Qualität des Negativs beeinflussen. Genauso entscheidend ist die Bildkomposition. Denn während man einen falsch gewählten Ausschnitt noch leicht korrigieren, sieht bei einer langweiligen Perspektive schon anders aus.

    Noch ein Wort zum Begriff “Manipulation” der bei rajue ja relativ negativ rüberkommt. Aber: Bei der Fotografie bildet man, wenn überhaupt, immer nur einen Ausschnitt der Realität ab. Und schon, um beim Beispiel U.K. zu bleiben, indem ich etwa bei Stonehenge zwar die mystischen Felsen aufs Bild nehme, nicht aber den überfüllten Busparkplatz und die allgegenwärtigen Souveniershops, bilde ich nicht mehr die Realität ab. Und hab damit de facto bereits manipuliert.

  4. Der Begriff der Manipulation ist hier sicherlich auch etwas anders zu betrachten und ich würde das nicht mit dem vergleichen was man heute mit dem Begriff Manipulation assoziiert. Die Überlegungen zur Abbildung der Realität sind natürlich richtig, dies ist aber auch eigentlich schon dadurch unmöglich, dass nur ein 2dimensionales “Abbild” geschaffen wird, welches in der heutigen Zeit zudem nicht mehr durch eine eigentliche Belichtung sondern durch ein Strommessverfahren auf dem Chip erzeugt wird. Interessante Überlegungen dazu finden sich z.B. in “Ein Pixel,Zwei Korn” von Helmerdig und Schulz, oder etwas allgemeiner auch in Susan Sontag “Über Fotografie”.

    In meinem Auge ist die Manipulation der Bilder von Ansel Adams eher im Sinne des Eingriffs in den Tonwertumfangs des Bildes zu verstehen, wobei auch das sicher nicht mit heutigen HDR-Bildern zu vergleichen ist, die zum Teil zumindest, dadurch dass der Effekt “überzogen” wurde, sehr irreal wirken. Das kann man von den Fotografien von Ansel Adams sicher nicht behaupten.

  5. Adams hat hauptsächlich mit seinen Techniken dafür gesorgt, dass ein Bild tatsächlich von Schwarz bis Weiß geht. Oder von diesem Dunkelgrau das er gerne hätte, zu dem speziellen Hellgrau das ihm vorschwebt. Warum seine Bilder sehr spektakulär sind liegt meiner Meinung nach eher an seiner Geduld. Bis die spezielle Lichtsituation eintrifft, kann man eben schonmal ordentlich lange warten ;)

  6. Na, da muss einiges klargestellt werden.

    1. Ansel Adams schreibt in seiner Autobiografie, dass ihn die digitalen Möglichkeiten faszinieren, hier konkret am Beispiel “Laser-Scanner in der Durckvorlagenherstellung”. Auch würde er das elektronische Bild durchaus akzeptieren und mediengerecht zu nutzen wissen.

    2. Kann man das negativ nicht mit Raw-Daten vergleichen und feststellen, dass früher schon techniziert wurde, sondern muss den umgekehrten Weg gehen: das – digitale – Negativ im Raw-Format wird dem Consumer in Anlehnung an das analoge Negativ mit seinen Möglichkeiten zur Verfügung gestellt. Zwar hier ohne Relevanz, aber richtigzustellen.

    3. Ein Vorwurf an Adams war über Jahrzenhte, dass er schöne, feine Bilder gemacht habe, dass ausser Schönheit und Feinheit jedoch der Bildinhalt fehlte, die Aussage, eine Stellungnahme zu Menschen. Was man von Adams weniger weiss: er hat noch mehr Kleinbild- und MF-Bilder von menschen usf. gemacht, die wegen der Masse erschlagender Prints von Landschaften gar nicht gezeigt werden. In seiner Autobiografie beklagt er sich darüber, dass jeder nur die sog. “feinen Bilder” (fine art prints) möchte, nicht aber die sonstigen.

    4. @Michael: Das mit der Geduld stimmt völlig. Es ist eines, dicke berge vor der Tür zu haben, etwas anderes, dass sie wie die Tetons im Süden stehen, so dass eine Wolke im Gegenlicht darüber stehen kann, und ein drittes, dass das restliche Wetter mitspielt.

    Grüsse an alle